Interview mit L. S. Hilton zu »MAESTRA«
Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich

Sex. Mord. Schuhe.

Mittwoch, 27. April 2016 von Piper Verlag


»Welche Botschaft verbirgt sich hinter »MAESTRA« und welche Verbindung besteht zwischen Kunst und Kultur?.«

Frau Hilton, einige Zeitungen vergleichen Ihren Roman mit »Fifty Shades of Grey«. Was halten Sie davon?
Ich kann nur vermuten, dass diejenigen, die das glauben, keines der Bücher gelesen haben. »Fifty Shades of Grey« ist eine klassische Liebesgeschichte über eine leidenschaftliche Jungfrau, der es gelingt, einen mächtigen, dominanten Mann durch ihre Liebe zu zähmen. Es ist ein modernes Märchen. »Maestra« ist ein Thriller – und der große böse Wolf ist nicht männlich.

Sex and Crime – funktioniert das noch?
Offensichtlich – also, wenn Sie mich fragen.

Die Frauen in Ihrem Buch sind sehr taff, unabhängig und mächtig. Würden Sie die »Frau von heute« auf die gleiche Weise charakterisieren?
Ich habe mit meinem Buch nicht die Absicht gehabt, eine Abhandlung über die Frau von heute zu schreiben – es ist nur eine Geschichte. Aber ich bin froh, dass Sie sie unabhängig und mächtig finden, da andere Leser sich darüber beklagt haben, dass sie zu unterwürfig und schwach sind und nichts können, außer ihre Sexualität gezielt einzusetzen. Vielleicht ist der Punkt ja, dass Sex, Gender und Macht weiterhin starke, komplexe Themen sind, die die Literatur untersuchen, nicht beurteilen soll.

»Maestra« – ein Buch nur für Frauen?
Keineswegs! Es ist zu 100 Prozent auch ein Männerbuch. Es ist wirklich schade, dass Leser nach Geschlecht charakterisiert werden müssen, aber wenn ich einen Verkaufs-Pitch schreiben müsste, würde ich sagen, dass es ein spannendes, dramatisches, sexy, glamouröses und mit dunklem Humor durchdrungenes Buch ist – das erscheint mir alles recht geschlechtsneutral.

Schriftsteller werden oft nach ihrer Botschaft gefragt. Was ist Ihre Botschaft?
Vielleicht ist das, was ich an »Maestra« am meisten mag, dass das Buch sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Die wichtigsten Themen in »Maestra«?
Sex. Mord. Schuhe.

Tagsüber arbeitet Ihre Heldin als Assistentin in einem angesehenen Londoner Auktionshaus. Nachts ist sie Hostess in einer teuren Bar. Wie sind Sie auf diese Verwandlung gekommen?
Das hat einen ernsten Kern. Ich denke, dass die Generation junger Leute zwischen 20 und 30 eine sehr schwere Zeit durchlebt. Ohne Kontakte und/oder Unterstützung durch die Familie ist es nahezu unmöglich, einen Job zu kriegen und ein unabhängiges Leben zu führen, wenn man eine geisteswissenschaftliche oder akademische Arbeit ausüben möchte. Wir wachsen mit der Idee einer Leistungsgesellschaft auf, aber das ist nicht für alle zu schaffen. Judith fängt an, in der Bar zu arbeiten, weil sie trotz ihrer Qualifikationen und harten Arbeit einfach nicht unabhängig von ihrem erbärmlichen Gehalt leben kann. Ich glaube, viele Menschen finden sich heutzutage in einer solchen Situation wieder.

Sind Sie neugierig, was Männer von Ihrem Buch halten?
Sie scheinen es im Großen und Ganzen besser zu finden als Frauen. Es scheint einige Frauen sehr wütend zu machen – was vermutlich etwas Gutes ist. Lieber Empörung als höfliche Zurückhaltung.

Sie sagten einmal: »Mein natürlicher Lebensraum ist die Bibliothek.« Haben Sie sich für »Maestra« wirklich in einer Bibliothek oder eher in einem Museum inspirieren lassen? Welche Verbindung haben Sie zu Kunst und Kultur?
Ich habe englische Literatur und anschließend Kunstgeschichte studiert, daher schreibe ich seit vielen Jahren in der ein oder anderen Form über Geisteswissenschaftliches. Die Inspiration zu diesem Buch gab mir das Schwert im Gemälde der Künstlerin Artemisia, ein häufiges Motiv, es gibt hunderte Versionen von Judith und Holofernes, aber in nahezu allen erfüllt das Schwert eher dekorative als funktionale Zwecke. Es hat mich an Frauen und Gewalt denken lassen und deren eher pragmatischen Zugang dazu. Also ja – ich nehme an, die Inspiration für »Maestra« hängt im Museum!

Über L. S. Hilton

L. S. Hilton wuchs in Nordengland auf, studierte Englische Literatur in Oxford und anschließend Kunstgeschichte in Paris und Florenz. Danach zog es sie nach Key West, New York, Paris und Mailand, wo sie als Journalistin, Kunstkritikerin und Rundfunksprecherin arbeitete. Vor kurzem ist sie nach England zurückgekehrt. Sie lebt mit ihrer Tochter in London. 

Kommentare

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.

Weitere Bolgs zum Thema
Themen
Kategorien
Buchblog
16. August 2018
Ein Lehrer auf Weltreise
Jan Kammann unterrichtet Schüler aus über zwanzig Nationen - aus Lebenswelten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Um mehr zu erfahren, bereist Kammann ein Jahr lang ihre Herkunftsländer … Ein erfrischend anderer Blick auf den heutigen Lehreralltag und die Welt. Im Interview erzählt er, wie es ist, selbst der Ausländer zu sein.
Buchblog
09. August 2018
Alleine reisen als Frau
Alleine als Frau unterwegs: Die Reisebeschreibungen und Ratschläge unserer Autorinnen machen Mut, selbst die innere Grenze zu überwinden und solo in den Urlaub aufzubrechen.
Buchblog
01. August 2018
Truelovers - Playlist
Hören Sie den Soundtrack zu »Captain Love« und »Dirty Dancer«