Interview mit C.L.Taylor zu »Detox«
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»Ich werde dich finden. Und zerstören.«

Freitag, 18. November 2016 von C.L. Taylor


Interview mit C.L.Taylor zu »Detox«

Was hat Sie dazu bewogen, Detox zu schreiben ?

Frauenfreundschaften wie in Detox haben mich schon immer fasziniert, vor allem das Kräftespiel in eng zusammengewachsenen Gruppen. Meistens sind Freundschaften unter Frauen gesund und positiv – man vertraut ihnen buchstäblich das eigene Leben an –, aber manchmal eben auch nicht. Manchmal sind sie viel schädlicher, als es nach außen hin den Anschein hat, und dann lauern unter der Oberfläche Besitzansprüche, Feindseligkeit, Verbitterung, Konkurrenzdenken und Neid. Ich wollte eine Geschichte schreiben über eine Gruppe von Frauen, die anscheinend gut miteinander auskommen, deren Freundschaft aber gespickt ist mit Problemen, die keine von ihnen anpacken will. Ich war neugierig, was wohl passieren würde, wenn ich die Freundinnen in eine gefährliche Situation versetze, in eine Art Feuerprobe, in der sie gezwungen sind, einander zu vertrauen, um zu überleben. Helfen sie sich gegenseitig oder gehen sie stattdessen aufeinander los ?
 

Haben Sie persönliche Erfahrungen in den Roman einfließen lassen ?

Wie die vier Frauen im Roman habe ich einmal in Nepal Urlaub gemacht. Anders als bei Emma und ihren Freundinnen war das die tollste Zeit meines Lebens, und wenn überhaupt etwas passierte, dann war es so, dass unser Freundeskreis durch die dort gemachten Erfahrungen noch enger zusammenrückte.
Aber ich habe durchaus auch schon Freundschaften erlebt, die ungesund waren – Freunde, die überschäumend waren, großzügig, spontan und lustig, aber auch launisch, neidisch und streitsüchtig. Wenn eine solche Person im Mittelpunkt einer Freundesclique steht, kommt sie mit asozialem Verhalten durch, weil allen anderen klar ist, dass sie ausgeschlossen werden, wenn sie diese Person zur Rede stellen. Das kann zu Spannungen, Einsamkeit und Misstrauen führen – zu Gefühlen, die meine Leser bei der Lektüre von Detox hoffentlich durchleben.

 

Ihre Figuren wirken sehr authentisch. Wie versetzen Sie sich als Autorin in ihre Köpfe ?

Meine Figuren sind stets eine Mischung aus mir selbst, aus Menschen, die ich kenne, und Menschen, die ich beobachtet habe, sowie aus meiner Fantasie. Ich sorge immer dafür, dass ganz deutlich wird, wonach meine Figuren sich sehnen und was sie mehr als alles in der Welt haben möchten. Und natürlich beschreibe ich, wovor sie sich am meisten fürchten. Ich blicke auch immer zurück auf ihre Kindheit, um herauszufinden, wie ihre Vergangenheit sie zu den Menschen gemacht hat, die sie heute sind. Und dann achte ich noch auf ganz offensichtliche Details wie ihr Aussehen und ihre Kleidung. Außerdem verwende ich viel Zeit darauf, über die Angewohnheiten meiner Figuren nachzudenken : ihre Körperhaltung, ihre Art zu gehen und zu sprechen. Manchmal weiß ich bereits alles über eine Figur, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Manchmal lerne ich sie aber auch erst nach dem ersten Entwurf richtig kennen.

 

Warum haben Sie entschieden, dass Emma in einem Tierheim arbeitet ?

Emma wollte immer Tierärztin werden, und nach der Erfahrung in Ekanta Yatra wollte ich ihr zu einem Neustart verhelfen. Es sollte um Tiere gehen, nicht um Menschen. Obwohl sie sozial immer noch sehr isoliert lebt (sie vertraut den Menschen nicht genug, um sie an sich heranzulassen), wollte ich, dass sie zufrieden ist und dass sie viel zu verlieren hat, als der Brief und die Nachrichten eintreffen. Außerdem gefiel mir die Ähnlichkeit zwischen Emma und den Tieren, um die sie sich kümmert. Genau wie Jack wurde sie verletzt und schlecht behandelt, und es braucht Geduld und Sanftmut, um ihr beizubringen, wie man jemandem vertraut und ihn liebt.

 

Kannten Sie das Ende bereits, als Sie mit dem Schreiben von Detox begonnen haben ?

Tatsächlich habe ich den Schluss mehrmals geändert. Ursprünglich sollte Daisys Sturz in den Abgrund ein Unfall sein und Al an einem Asthmaanfall sterben (oder in dem Auto, nachdem Leanne sie angegriffen hat). Doch dann spürte ich auf einmal, dass es zu düster wäre, Emmas Freundeskreis komplett zu zerstören. Ich brauchte eine Freundschaft, die das alles übersteht, eine Person, der Emma vertraut, trotz allem. Ich glaube nicht daran, dass Emma und Al für den Rest ihres Lebens eng befreundet bleiben. Sie haben zu viel durchgemacht, und ein Zusammentreffen der beiden ruft unwillkürlich schlechte Erinnerungen wach. Aber sie gehen glücklicheren Zeiten entgegen, und das haben sie teilweise auch dem gegenseitigen Vertrauen zueinander zu verdanken.

 

In Detox gibt es viele verblüffende Wendungen. Sind Sie manchmal selbst davon überrascht ?

Unbedingt ! Als ich an der ersten Fassung saß, hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung von der Handlung, aber dann kamen mir während des Schreibens neue Ideen. Manchmal musste ich daraufhin einen völlig anderen Kurs einschlagen als den eigentlich geplanten. Doch genau das gehört zur Magie des Schreibprozesses : die Art und Weise, wie dein Verstand Überraschungen bereithält. Dadurch bleibt das Schreiben für den Autor selbst unterhaltsam, und der Leser kommt – hoffentlich – in den Genuss einiger unvorhersehbarer Wendungen.

wurde in Worcester geboren und studierte Psychologie an der Northumbria University. Sie arbeitete als Grafikdesignerin und Web-Entwicklerin, bis sie ihre Jobs an den Nagel hängte, um sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. »Detox« wurde zum Sunday-Times-Bestseller und hat sich in fünfzehn Länder verkauft. Mehr zur Autorin unter https://cltaylorauthor.com/

»Detox« erzählt die Geschichte von Jane Hughes, einer ganz normalen Frau, die in einem kleinen Cottage in Wales lebt, in einem Tierheim arbeitet und in einen netten Mann verliebt ist. Nur, dass dieses Leben eine Lüge ist, denn Jane Hughes gibt es gar nicht...
Mehr über die Hintergründe des schrecklichen Schicksals, das Jane und ihre Freundinnen während eines Urlaubs in Nepal ereilte, verrät uns die Autorin im folgenden Interview.

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