Hubertus Hummel ermittelt in der LandIDEE
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Dienstag, 05. August 2014 von Piper Verlag


Hubertus Hummel ermittelt in der LandIDEE

Für ihre begeisterten Krimi-Leser hat das Autorenduo Rieckhoff und Ummenhofer noch ein besonderes Extra: einen LandIDEE-Kurzkrimi, der Lust auf noch mehr Bücher von ihnen macht!

Natürlich, es war ein Wagnis gewesen. 
Der rundliche Lehrer Hubertus Hummel und der kleinere, drahtige Journalist Klaus Riesle waren Inbegriffedes hektischen Mitteleuropäers, der ohne Segnungen der modernen Technik kaum existieren konnte. Immerhin war Hummel seinem Freund im Glauben an die Notwendigkeit einer Entschleunigung voraus: Er hatte seit Längerem von all den technischen Errungenschaften der modernen Gesellschaft gepredigt – und davon, diese wenigstens ein paar Tage hinter sich zu lassen.
Jetzt war es soweit: Hummel war während der Ferien am „Schwarzwaldstrand“ – wie er den italienischen Zeltplatz für sich nannte – in einen Mordfall verwickelt worden. Gemeinsam mit Riesle hatte er den Täter überführt, doch der Urlaub war irgendwo auf der Strecke geblieben. Das sollte nun nachgeholt werden. „Und  zwar daheim im Schwarzwald. Ohne Familie, ohne mediale Ablenkung. Ganz konsequent“, hatte Hummel erklärt.


Sie hatten es sich in einer schwachen Minute Riesles sogar feierlich geschworen.

„Urlaub wie vor fünfzig Jahren“  lautete nun das Motto. Die Zwei-Zimmer-Ferienwohnung auf dem Berghof, in der sich die beiden Mittvierziger eine Woche lang aufhalten sollten, stammte tatsächlich aus den 1960ern. Kein WLAN, kein Computer, nicht mal ein Fernseher. Die Leih-Fahrräder hatten nur eine Dreigang-Schaltung. Und Wellness war auf dem Berghof ein Fremdwort – zumindest in seiner moderneren Ausprägung.

Es war eine dumme Idee gewesen, eine gemeinsame Ferienwohnung zu mieten, dachte Hummel nun am zweiten Morgen, als er die Vorhänge zurückzog. Er hatte schlecht geschlafen, was primär an den Schnarchgeräuschen seines Mitbewohners lag. 

Der Blick in die herrliche Landschaft entschädigte jedoch: Grüne Wiesen, stattliche Tannen, ein Hofhund, der bellend die Milchkannen bewachte: Der Schwarzwald präsentierte sich als süddeutsches Bullerbü, wären da nicht die wuchtigen Häuser mit ihren typischen Krüppelwalmdächern gewesen.

Dennoch fühlte Hubertus sich ausgezeichnet. Zuhause hätte er jetzt das Frühstücksfernsehen oder sein I-Pad eingeschaltet, jetzt aber hatte er keinerlei Bedürfnisse danach. Die Entschleunigung gelang. Zumindest bei ihm...

„Was für eine schlechte Nacht!“, brummelte Riesle, als er sich am Frühstückstisch niederließ. „Du hast wieder geschnarcht wie ein Irrer! Ich war zwischendurch sogar draußen, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe.“

Hummel wollte keinen Streit vom Zaun brechen, wer denn nun mehr geschnarcht hatte, und wechselte rasch das Thema: „Haben die Leute eigentlich vor fünfzig Jahren auch schon Müsli gegessen?“, überlegte der Lehrer und antwortete sich selbst: „Eher nicht. Also sollten wir´s auch nicht.“

„Ist doch völlig egal, was die damals gegessen haben“, moserte Klaus. Zu authentisch musste das Ganze ja dann auch nicht sein. Er schaute aus dem Fenster. „Ja, schön hier – aber langweilig.“ Als Hummel ihn ignorierte, setzte er nach: „Nicht mal ein Fernseher – das ist schon etwas übertrieben...“

Hubertus reagierte sofort: „Klaus: Wir haben eine feierliche Abmachung!“
Riesle stöhnte vernehmlich, während Hummel sich den dringend nötigen Kaffee einschenkte. Schwarz. Riesle goss sich missmutig ein wenig frische Bio-Milch in das Müsli.

Nachdem der Lehrer aus dem Hofladen zurück war, wo er ein frisches Brot und ebenfalls hausgemachte Lyoner gekauft hatte, setzte er zu einem ausführlichen Vortrag über das Loslassen an. Schon nach wenigen Worten beschwerte sich sein Freund schon wieder: „Irgendwas war mit dem Müsli ...“

„Also, Klaus“, ermahnt Hubertus ihn. „Jetzt reiß dich doch mal zusammen ... Das ist ganz normale Bio-Milch. Alles von hier – genau wie das Müsli.“
„Vor fünfzig Jahren gab´s auch noch keine Bio-Milch“, entgegnete Riesle, bevor er aufsprang und schleunigst in Richtung Toilette verschwand.

„Bauchweh, Schwindel, Herzrasen“, zählte Riesle eine Stunde später seine Symptome auf, als er sich in der Gaststube des Berghofs niedergelassen hatte.

Auch diese war eine einladende Mischung aus altmodisch und rustikal. Ebenfalls ohne Fernseher. 

„Mir ging es ähnlich“, ergänzte ein aus dem Rheinland stammender Mittfünfziger am Nebentisch. „Dabei wollte ich nachher mit meiner Frau eine Radtour machen.“

„Ich hatte Krämpfe! Üble Krämpfe!“, klagte eine ältere Dame von der anderen Seite.

Hummel versuchte derweil, die aufgelöste Herbergsmutter zu beruhigen und dabei ein klein wenig auszufragen. Mit Erfolg: Bereits am Vortag hatte es offenbar einen ähnlichen Zwischenfall gegeben, wenn auch mit weniger gravierenden Folgen.

Die Erkrankten waren ebenfalls weiter gekommen: Das Müsli schied als Ursache ebenso wie der Kaffee aus.

„Huby, du hast den Kaffee doch schwarz getrunken, oder?“, vergewisserte sich Riesle.
Dieser nickte.
„Mein Mann auch“, bestätigte die ältere Dame.
„Sie aber nicht?“
Die Dame schüttelte mit dem Kopf: „Ich brauche viel Milch im Kaffee.“
„Ich auch“, kommentierte der Rheinländer. „Meine Frau nicht: Die trinkt nur Tee ...“
„Die Milch also ...“, brachte Riesle es auf den Punkt.

„Fassen wir zusammen“, verkündete der Journalist eine Stunde später. Mittlerweile hatte er sich ins Bett verzogen, auf dem Tisch stand ein Blumenstrauß. 

„Ein Fernseher wäre besser gewesen“, knurrte Riesle.
Frau Kleinert, der Gastgeberin, war der Vorfall offenbar unendlich peinlich.
„Der Berghof kauft die Milch seit einiger Zeit von einem Bio-Bauern in der Nähe ...“, meinte Hummel.

„Wir hätten die Milchreste in ein Labor bringen sollen“, beschwerte sich Riesle. „Aber ihr wollt im Rahmen eurer Entschleunigung die Sache ja möglichst schnell vergessen! Aber nicht mit mir! Das ist ein Skandal! Wenn wir nicht bis morgen herausfinden, wer die Milch verseucht hat, reisen wir ab. Ich setze doch nicht meine Gesundheit aufs Spiel!“

„Denk an unsere Abmachung, Klaus“, beschwichtigte Hummel. „Und lass uns nachher einfach mal bei diesem Bio-Bauern vorbeifahren. Aber glaubst du wirklich, dass er die Milch absichtlich verunreinigt haben könnte? Der schädigt sich damit doch selbst ...“

Riesle richtete sich auf: „Da gäbe es finanzielle, zwischenmenschliche, ideologische Motive – such dir eines aus!“

„Unsere Milch isch scho mehrfach aus´zeichnet worde“, betonte Bergbauer Thoma, als Hummel und Riesle eine gute Stunde später dort ankamen. „Des isch einwandfreie Bio-Milch!“
„Eben drum“, maulte Riesle dagegen. „Abgesehen davon: Nicht überall, wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin...“
„Bei uns scho!“
„Es sieht hier ja auch sehr... sehr verantwortungsvoll aus“, versuchte Hubertus, die Lage zu entschärfen. „Und Ihre Kühe bekommen sicher viel Auslauf.“
Der Bauer nickte. „Und klassische Musik. Des g‘fällt dene.“
Hummel spielte weiter den Interessierten: „Wie lange muss denn der Quark im Brutschrank liegen?“, fragte er und deutete auf die betreffende Ecke.

„Mehr als zwölf Stund‘“, erklärte Thoma. „Wollet Sie mol probiere?“
Hummel lehnte dankend ab. Riesle ohne zu danken.
„Können Sie sich erklären, weshalb jemand Ihre Milch sabotieren sollte?“, wollte Hummel weiter wissen.
Der Bauer schüttelte den Kopf. „Jetzt gab´s zweimol Probleme, aber immer nu in de Ferienwohnunge´ von de Kleinerts. Ob des wirklich an der Milch liegt? Ich glaub´s nit! Vielleicht hat do jemand ä persönliche Rechnung offen ...?“
Nachdenklich blickte Hummel auf das Kleegras, das neuerdings als Düngemittel eingesetzt wurde, und verabschiedete sich. Riesle hatte noch immer Bauchgrimmen. 

Frau Kleinert erwog, zum Frühstück nur Dosenmilch zu servieren. Noch so einen Vorfall konnte sie sich nicht leisten. Das Ehepaar aus dem Rheinland war bereits abgereist – früher als geplant.
Leise kroch der neue Tag heran. Die ersten Lichtstrahlen tanzten unaufdringlich durch den Vorhang der Ferienwohnung, in der Hummel und Riesle residierten.

Hubertus war wach und seine gute Laune aufgebraucht: Er würde mit einem saftigen Schlafdefizit nach Hause kommen. Es sei denn, er zog in die von den Rheinländern zurückgelassene Wohnung um – alleine. 
Der Lehrer presste sich das Kissen über den Kopf, drehte und wendete sich, zählte auf der freien Weide grasende Schäfchen, dachte an seine Frau Elke – nichts nutzte.

Als die Helligkeit des aufgehenden Morgens sich so weit vorgewagt hatte, dass er die Zeit von seiner Armbanduhr ablesen konnte, war es ziemlich genau sechs Uhr. Es würde nichts mehr werden mit dem Schlaf.
Absichtlich geräuschvoll zog er sich seinen Trainingsanzug an. Riesle hörte zu Schnarchen auf, bewegte sich aber nicht. Hubertus verließ die Wohnung – auf zum Frühsport!

In der Küche des Hauses hörte er Geräusche. 
Die ältere Dame, der die Milch am Vortag ebenfalls schlecht bekommen war, diskutierte mit Frau Kleinert. Im Schwarzwald waren die Leute Frühaufsteher. 

Die Haustür war nicht abgeschlossen. Der Lehrer atmete gierig die kühle Luft ein und machte ein paar zögerliche Laufschritte in den Morgen. 
Nach einigen Minuten war er seinem schnarchenden Freund fast schon dankbar: Es war herrlich, um diese frühe Zeit unterwegs zu sein.
Die taubenetzten Wiesen, die Sträucher, der Wald, in den er gerade einbog: Alles duftete intensiver als tagsüber.

Leider war er dermaßen ungeübt, dass er bereits nach drei Trab-Minuten vollständig aus der Puste war. Er ging ins zügige Gehen über, dann schlich er etliche Minuten langsam vor sich hin. 

Keuchend, schnaufend und der morgendlichen Kälte zum Trotz auch schwitzend erreichte er das Ende des Waldstücks. Da vorne war die Landstraße. 

Kurze Pause und dann noch eine Runde? Vielleicht.
„Bei den Milchkannen fange ich wieder an zu rennen“, nahm Hubertus sich vor.
Es waren noch etwa hundertfünfzig Meter.
Plötzlich wurde sein Blick auf die zwei großen Kannen von einem Radfahrer versperrt, der direkt davor hielt. Wenn Hummel das ohne seine Brille richtig sah, dann hatte die dunkle Person die Milchkannen geöffnet und etwas hineingekippt!
Schnell, zielgerichtet.

Hummel spurtete wieder, doch als er endlich an den Kannen ankam, war die Person schon weit weg.
Hubertus schraubte mühsam den Deckel der ersten Kanne auf und blickte hinein: Er sah Milch, sonst nichts. Alles andere wäre auch verblüffend gewesen...

Als sich Hummel wieder aufrichtete, blickte er in das Gesicht des Bio-Bauern Thoma, den sie am Vortag besucht hatten.
„Du warsch des?“, stieß der empört hervor – und das „du“ hatte nur wenig Freundliches. Offenbar hatte der Milchproduzent sehr wohl einen Verdacht gehabt und sich auf die Lauer gelegt, allerdings einen Augenblick zu spät.

Nachdem Hummel ihm stotternd und schwitzend klar gemacht hatte, dass da gerade ein Radfahrer – und nicht etwa er selbst – etwas hineingefüllt habe, reagierte Thoma schnell: „Einsteige!“, befahl er, schleppte Hummel zu seinem Jeep und ließ sich von ihm die vermutete Fluchtrichtung zeigen.

Sie hatten Glück: Keine fünf Minuten später sichteten sie den Radfahrer parallel zur Landstraße auf einem Feldweg. Da er einen Kapuzenpulli trug, konnte man sein Gesicht nicht erkennen. Thoma steuerte den Jeep kurz entschlossen auf den Weg.

Als der Radler die Verfolger bemerkte, bog er auf die Weide ab. Zwar wurde er merklich langsamer, doch der Jeep kam nicht hinterher.
Zu ihrem Glück hatten Hummel und der Bio-Bauer aber noch weitere Helfer, denen allein schon aus Eigeninteresse ebenfalls an der Klärung des Falls gelegen war: Kühe.

Die waren zwar noch nicht auf der Weide, aber ihre Fladen vom Vortag noch immer präsent. Inmitten eines Wendemanövers glitt dem Flüchtigen das Vorderrad weg und er stürzte.

Der unsportliche Hummel kam nur langsam voran, aber Bauer Thoma erwies sich als trainiert und wütend genug, um sich schnell auf den Radfahrer zu stürzen und dessen Flucht zu beenden.

„Klaus, warum hast du das getan? Wolltest du uns alle vergiften?“, fragte Hummel völlig perplex seinen schwitzenden Freund Riesle, der noch immer im Kuhfladen lag. 

„Das waren doch nur Schmerzmittel. Zu mehr als etwas Bauchweh führen die nicht. Ich habe ja schließlich auch von der Milch getrunken.“
Hubertus schüttelte noch einmal fassungslos den Kopf: „Aber WARUM?“
Der Journalist blickte seinen Freund treuherzig an: „Ich konnte nicht anders. Ich... ich kann einfach nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten leben! Ich muss hier weg!“

„Du bist verrückt!“, schrie Hubertus. „Bauer Thoma zeigt dich vielleicht an. Wenn´s dumm läuft, gehst du ins Gefängnis, Klaus!“
Riesle blickte Hummel an: „Gibt es da eigentlich WLAN...?“


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