Götterkriege 6 Der Wanderer Leseprobe
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Das Finale der »Götterkriege«

Das wird groß. Ganz groß.

Dienstag, 06. Oktober 2015 von Piper Verlag


Götterkriege 6 kommt im Dezember — Das Manuskript von »Der Wanderer« von Richard Schwartz hat uns erreicht und wir sind begeistert vom Abschlussband der »Götterkriege«-Reihe! Um die lange Wartezeit bis zum Erscheinungstermin zu versüßen, eine erste Leseprobe für alle Fans.

Richard Schwartz - Die Götterkriege

Der Wanderer - Kapitel 1

Nachtwache

Die kleine Kapelle war vielleicht acht mal zehn Schritt groß, vier Säulen trugen die gewölbte und mit Bildern aus den Büchern der Götter verzierte Decke. Zur linken Hand gab es einen Säulengang, durch den die frühe Morgensonne von Eleonoras Garten schräg in die Kapelle fiel und den Staub im Licht tanzen ließ. Acht kunstvoll verzierte Eichenbänke füllten die hinteren zwei Drittel der Kapelle, jeweils vier auf jeder Seite. Auf der vordersten Bank saß ich, die Hände auf dem Knauf von Seelenreißer verschränkt, mein Kinn auf diese gestützt, und starrte auf die Bahre vor mir, die jemand vor dem aus weißem Marmor gefertigten Altar platziert hatte.
 

Es roch nach alter Eiche, Bienenwachs und Weihrauch und diesem undefinierbaren Geruch, den  wahrhaft alte Orte oftmals an sich hatten. Mein Blick glitt über die Reliefarbeiten an der Vorderseite des Altars, der alt genug war, um neben den drei Göttern der Dreieinigkeit auch den Göttervater Nerton darzustellen. Hier war er ein alter Mann in einer Lederrüstung und einem weiten Umhang, der eine Laterne hielt. Keine Kapuze verhinderte den Blick auf sein Gesicht, er schaute versonnen in die Ferne. Wenn ich mich richtig erinnerte, hatte er einst für Weisheit und Gelehrsamkeit gestanden, doch mittlerweile ordneten wir die Weisheit Astarte und die Gelehrsamkeit Soltar zu.


Meine Gedanken schweiften ab, ich fragte mich, was damals für den unbekannten Bildhauer der Grund gewesen sein mochte, hier in dieser alten Kapelle die Götter als zum Kampf gewappnet darzustellen.

Solange ich mich erinnern konnte, wurde Astarte in weiten, fast durchsichtigen Roben dargestellt, die  wenig dafür taten, ihre Reize zu verbergen, hier trug sie einen langen Kettenmantel, Schild und Speer.
 

Es war ein begnadeter Bildhauer am Werk gewesen, Form und Haltung der Götter erweckten den Eindruck, sie wären miteinander im Gespräch, Boron, wie auch heute noch üblich in seiner schweren, archaisch anmutenden Plattenrüstung dargestellt, hatte seine gepanzerte Hand auf Astartes rechte  Schulter gelegt, als ob er ihr Trost spenden würde. In der anderen Hand hielt er seinen göttlichen Kriegshammer, seine blauen Augen blickten forschend und wachsam. Soltar trug einen Kettenmantel, feiner gearbeitet als der seiner Schwester, mit einem breitkrempigen Hut, dem als Hutband eine Kette mit goldenen Münzen diente, er trug ein schmales Schwert an seiner Seite und hielt einen Stabin seiner linken Hand, einen Stab wie ihn noch immer die Maestras der dunklen Elfen benutzten.


Mit seiner rechten Hand griff er in eine weite Tasche, als ob er eilig etwas daraus hervorziehen wollte. Ich wusste nicht mehr, wie oft ich schon hier gewesen war, wahrscheinlich nicht oft genug, ich hatte so meine Probleme mit den Göttern, doch es wunderte mich, dass mir die ungewöhnliche Darstellung nicht schon früher aufgefallen war.


Keiner der Götter hielt sein Gesicht verborgen, zum ersten Mal sah ich, dass Boron strahlend blaue Augen besaß, während sein Bruder Soltar mit dunkelbraunen Augen in die Welt blickte. Der Künstler hatte für die Augen Halbedelsteine verwendet, sie glänzen feucht und lebendig und schaute man nicht direkt zu den Göttern hin, beschlich einen wie üblich das Gefühl, dass sie es waren, die einen prüfend musterten und nicht umgekehrt.

Hätte ich es nicht besser gewusst, dieses Relief vielleicht in einem Wirtshaus gesehen, ich hätte die vier für eine Gruppe Abenteuer gehalten, die aufgebrochen waren, um die Welt zu erforschen und ihr Glück zu suchen.

Mir erschienen sie so greifbarer, verständlicher, näher, als die Statuen in unseren Tempeln, die von einem heiligen Graben von den Gläubigen getrennt, in Roben gehüllt, eher geheimnisvoll und verschlossen auf mich wirkten. Ich hatte immer Schwierigkeiten damit, jemandem zu vertrauen, dessen Gesicht ich nicht sehen konnte.

Der Künstler hatte verschiedene Materialien verwendet, Leder, Stoff und Stahl für die Rüstungen und Umhänge, ihnen eine lebensechte Farbe gegeben, auch hier eine Überraschung, in den Tempeln, die ich kannte, war Astarte blond und hellhäutig, hier war sie dargestellt wie die Seras aus Bessarein, mit honigfarbiger Haut und dunklen wallenden Locken, ihr Anblick erinnerte mich an jemanden, es brauchte eine Weile, bis es mir einfiel. Elsine. Göttin, Drache, Königin und Askannons ewige Liebe.

Die gleiche Elsine, die es für sinnvoll erachtet hatte, hier in Illian ein Fest zu geben, mit dem der bevorstehende Sieg über die schwarzen Legionen im Land gefeiert werden sollte. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, irgendwie fühlte es sich für mich so an, als würde man damit die Götter herausfordern, Elsine sah es ohne Zweifel anders, nun, wenn man ein Drache war, konnte man sich etwas Zuversicht durchaus leisten.

Es war still hier in der Kapelle, ich hörte, wie irgendwo ab und zu ein Wassertropfen aufschlug, im Garten zwitscherten Vögel, als wollten sie mich aufmuntern, meine Sorgen und schweren Gedanken abzustreifen.

Eine gute Idee, meinte Hanik und klang leicht verärgert dabei. Eure Schwermut drückt mir bald noch selbst aufs Gemüt! Geht hinaus, ertränkt Euch im Wein, das solltet Ihr tun, nicht hier sitzen und Trübsal blasen!

Ich ignorierte ihn, mittlerweile besaß ich darin ja reichlich Übung. Widerstrebend glitt mein Blick über die stille Figur auf der Bahre, ihre Formen konnte ich nur erahnen, ein weißes Seidentuch verhüllte sie, doch in meiner Erinnerung sah ich sie klar und deutlich, vor allem ihr ängstliches und doch zugleich entschlossenes Gesicht, als sie das erste Mal seit Jahrhunderten einen Tempel Soltars betreten hatte, um dort Abbitte für ihre Sünden zu leisten. Ich erinnerte mich daran, wie sie geweint hatte, nachdem der Gott sie geläutert hatte. An hochgezogene Augenbrauen, ein geheimnisvolles Lächeln, klare Augen, die einem tief in die Seele zu blicken schienen. Entschlossenheit, Mut, den Willen, das Unmögliche zu vollbringen. Wie sie mich, in den Ruinen Kelars, gehalten und getröstet hatte, nachdem sie mit mir ihre Erinnerungen, mit mir das Leid geteilt hatte, das ihr von Kolaron Malorbian angetan worden war.

Ich besaß noch eine andere Erinnerung an sie, eine zufällige, ein Soldat des alten Reichs war ihr auf der Straße, die von der Zitadelle von Askir zum Hafen herunterführte, begegnet, als sie noch ein junges Mädchen gewesen war. Später dann war er in der Ostmark dem Verschlinger begegnet, so hatte dieses Bild, diese Erinnerung ihren Weg zu mir gefunden.

Der schlanke junge Mann an ihrer Seite musste Balthasar gewesen sein, die Ähnlichkeit zu dem Gelehrten Kennard war unverwechselbar. Beide waren sie jung und voller Leben gewesen und selbst heute noch hörte ich in dieser Erinnerung ihr sorgenloses Lachen. Sie waren jung gewesen, das Leben hatte vor ihnen gelegen, warum sollten sie also nicht fröhlich sein? Beide hatten sie Roben eines Schülers der Eulen getragen, eine der größten Ehren, zu der man im alten Kaiserreich gelangen konnte, warum sollten sie also nicht unbeschwert sein? An diesem fernen Sommertag hatte es keine Zeichen gegeben, die auf die kommende Dunkelheit hingewiesen hätten.

Ich stand langsam auf und trat auf den Säulengang hinaus, der den Blick auf Eleonoras Garten erlaubte und sah zur Morgensonne hin, die gerade hoch genug stand, um ihre ersten Strahlen über die hohen Zinnen der Kronburg zu werfen, der Garten lag größtenteils noch im Schatten.

Der frühe Morgen. Soltars Tor stand offen, um all jenen Seelen Zugang zu den Hallen der Götter zu
gewähren, die in der Nacht gestorben waren. Deshalb hatte ich die Nacht über an ihrer Bahre Wache gehalten, um ihre Seele vor der Dunkelheit zu schützen, bis der Morgen angebrochen war.

Ich war nicht immer alleine gewesen, Kennard hatte einen guten Teil der Nacht neben mir gekniet, bevor er vor etwa einer halben Kerze wortlos und mit feuchten Augen die Kapelle verlassen hatte. Asela war seine Enkeltochter und er hatte sie geliebt, vielleicht mehr sogar als seinen eigenen Sohn Balthasar. In ihren jungen Jahren, bevor das Schicksal in der Gestalt des Eulenschülers Orinstor sie traf, hatte ihr Liebreiz und ihr großes Herz die Herzen des gesamten Kaiserreichs erobert. Sieglinde hatte mir vor Wochen eine Ballade über die junge Asela gezeigt, die unsere Bardin in den Archiven der Federn gefunden hatte, und ich konnte sie vor mir sehen, die junge Asela, die dort besungen wurde, lachend, mit weiten offenen, neugierigen Augen und keiner Sorge in der Welt.

Ich stellte mir vor, dass die Götter ihr die Gnade gewährten, so vor sie zu treten, wie sie damals gewesen war. Nicht als das, was heute von ihr übrig war, entstellt und verbrannt, selbst für die, die sie geliebt hatten, kaum noch erkennbar.

Obwohl von dem Seidentuch verhüllt, selbst hier auf dem Säulengang und trotz des Weihrauchs und des Bienenwachses, konnte ich ihn riechen, den Geruch von verbranntem Fleisch und Blut und Tod. Die Tür zur Kapelle knarzte leise, ich drehte mich um und sah, wie sich Leandra hindurchduckte, damals, als man die Kapelle erbaute, waren die Menschen wohl kleiner gewesen und die Baumeister hatten nicht an eine große schlanke Königin gedacht, die auch heute noch die meisten ihrer Untertanen um einen Kopf überragte.

Als sie mich sah, huschte ein leichtes Lächeln über ihre Lippen, das jedoch gleich wieder schwand, als sie zu der leblosen Gestalt auf der Bahre hinschaute. Leandra von Girancourt, Maestra und Königin von Illian, beugte ihr Haupt vor den Göttern und führte das Zeichen der Dreieinigkeit vor ihrem Busen aus, um sich dann mit leisen Schritten zu mir zu gesellen und sich neben mir an die Brüstung anzulehnen.

Forschend musterte sie mein Gesicht und lächelte etwas traurig. „Dass du so schwer am Tode derer trägst, die an deiner Seite gekämpft haben, ist etwas, was ich an dir ehre und auch liebe, Havald. Doch sie hatte mehr Zeit auf dieser Welt als andere und es war ihre eigene Entscheidung, den Kampf mit ihrer Tochter zu suchen. Es trifft dich keine Schuld, selbst mit all deiner neu gewonnenen Macht kannst du nichts daran ändern, dass dieser Krieg Opfer fordert und noch weitere fordern wird.“ Sie seufzte leise. „Bis der Sieg errungen ist, werden ihr noch viele folgen, darunter vielleicht auch solche, die du kennst und liebst.“

"Sie hat recht", meinte Hanik. "Euch trifft keine Schuld. Es ist mein Vorschlag gewesen. Es war vor allem ihre eigene Entscheidung. Ihr wisst so gut wie ich, dass es noch anderes gab, was in Aselas Entscheidung, den Kampf gegen Farlin zu suchen, mit hineinspielte."

Das mochte sein. Es änderte nur nichts daran, dass Asela tot unter diesem Leichentuch lag.

"Götter", fluchte Hanik. "Das Leben geht weiter. Sie ist bei den Göttern, all das berührt sie nicht mehr.  Lebt, lacht, trinkt auf sie und liegt bei einem Weib, Ihr werdet sehen, danach geht es einem besser." Das kommt nicht in Frage. "Dann ergeht Euch halt in Selbstmitleid", antwortete Hanik und klang verärgert. "Wer bin ich, Euch daran zu hindern."

Leandra sah mich etwas seltsam an. „Es ist nichts“, teilte ich ihr mit. Hanik mochte recht haben darin, dass ich unwillig war, meine trüben Gedanken fallenzulassen, doch Leandra war ein willkommener Anblick.
 

Sie trug ihren langen Kettenmantel mit dem Muster des Greifen auf der Brust, in dem ich sie damals im Gasthof zum Hammerkopf zum ersten Male gesehen hatte, und über ihre linke Schulter ragte der Griff von Steinherz heraus, dem echten Schwert, nicht der Fälschung, die hinter ihrem Thron an der Wand ihres Thronsaals hing.

Das verärgerte Funkeln in den Rubinaugen des Drachenkopfs war mir Beweis dafür genug, denn Steinherz hatte mich noch nie leiden können. Ihr schwerer lederner Umhang bewegte sich leicht in einem unmerkbaren Wind, einst hatte er auf den Schultern des Gottes Omagor gelegen, ich hatte ihr den Umhang gegeben in der Hoffnung, dass er sie schützen würde.

Ich hätte sie in meine Arme ziehen sollen, doch ich stand nur da und sagte und tat nichts. Leandras suchende Augen erkannten meine düsteren Gedanken. Sie legte ihre rechte Hand auf meine Schwerthand. „Ich werde nicht fallen, Havald“, versprach sie mir leise und entschlossen, während sie ihre linke Hand schützend auf ihren flachen Bauch legte. „Ich habe einen Grund zu leben.“

Sie führte meine Hand an ihren Bauch und hielt sie dort mit beiden Händen fest. „Ich war eben gerade bei Schwester Sondja und bat um eine Wahrsagung, sie bestätigte mir, was wir schon wissen, Lyrinn geht es gut. Was ich noch nicht wusste, war“, sie verzog ihre Lippen zu einem schiefen Lächeln, „dass meine Schwangerschaft noch gut achtzehn Monate währen wird. Sogar länger als bei Zokora.“ Sie lachte leise. „Ist dir aufgefallen, dass Zokora so langsam ein kleines Bäuchlein bekommt?“

Ihr Lachen wollte mich anstecken, doch meine trübe Stimmung ließ es nicht zu. „Es ist mir vor allem aufgefallen, dass sie sich nicht schont.“ „Du sagst das so grimmig, Havald“, antwortete Leandra ruhig. „Du weißt so gut wie ich, sie sieht es so, dass sie kämpfen muss, damit ihre Kinder eine Welt zum Leben haben. Genauso sehe ich es auch, weder sie noch ich sind dafür gemacht auf unserem Lager liegend auf die Geburt zu warten!“

Sie lachte erneut. „Abgesehen davon, dass Schwester Sondja meint, dass es eher schädlich für das Kind wäre. Ein gesundes Leben, mit viel Bewegung, wäre das Beste für das Kind. Sie meint sogar, ich könnte Lyrinn vorsingen, sie würde es wahrnehmen.“

„Es ist wahr“, hörte ich Zokoras Stimme sagen und im nächsten Moment schwang sie sich elegant über die Brüstung des Säulengangs um federnd neben uns aufzukommen. „Singt man ihnen die Lieder früh genug, gurgeln sie schon als Säugling mit. Meine früheste Erinnerung ist ein  Schlachtenlied, das von der Mutter auf die Tochter über Generationen vererbt wurde, es lullte mich  immer ein, wenn ich unruhig war.“

„Ein Schlachtenlied? Eines, das von Tod und Blut handelt?“, fragte Leandra etwas ungläubig. Zokora nickte. „Ja. Wenn ich in den Kampf ziehe, muss ich immer daran denken, selbst heute noch.“

Sie lächelte versonnen vor sich hin ob der Erinnerung. „Wenn du willst, kann ich es dich lehren“, bot sie Leandra an. „Danke, nein“, wehrte Leandra höflich ab. „Königin Eleonora hat mich einige Lieder gelehrt, die ich sehr schätze.“ Sie schaute erheitert zu mir hoch. „Die Ballade von Ser Roderik und den vierzig Getreuen, zum Beispiel. Mit genügend Blut, Tod und Heldentum, um sogar Zokoras Ansprüchen gerecht zu werden.“ Sie wandte sich wieder Zokora zu. „Wo kommst du her? Ich habe dich nicht mehr gesehen, seitdem ... seitdem wir Asela hierher gebracht haben. Hast du einen Grund, uns aufzusuchen?“

„Ich habe gebetet“, erklärte Zokora. „Dann habt ihr meinen Namen ausgesprochen, also kam ich
her.“ Sie schaute suchend zu Leandra hin. „Es ist eher die Frage, was dich hierher führt. Ich hörte
Herzogin Lenere klagen, dass sie dich nicht finden kann, sie hat einige Dokumente für dich, die deines Siegels und der Unterschrift bedürfen. Versteckst du dich vor ihr?“

„Zum Teil ja“, gestand Leandra lächelnd ein. „Doch ich habe noch einen anderen Grund. Ich habe
Elsine aufgesucht und sie erneut zu dem Rubin befragt.“ „Der, der dir den Weg zu der, die schläft, weisen sollte?“, fragte Zokora. Als wir gestern Nacht aufgebrochen waren, hatte Elsine uns abgepasst und Leandra diesen Rubin gegeben, der angeblich Verborgenes enthüllen sollte, doch in der Lichtung, in der wir Verborgenes vermutet hatten, hatten wir nichts finden können. Außer Aselas verbranntem Leichnam. „Sie erklärte mir, dass man aus der Luft damit Ausschau halten soll“, sagte Leandra und klang etwas erzürnt. „Sie ist davon ausgegangen, dass wir wüssten, wonach wir suchen sollten.“

„Weißt du es jetzt?“, fragte ich sie. Leandra nickte. „Eine Struktur aus dunklem Stein, der aus der Höhe wie ein schlafendes Pferd erscheint, am linken Hinterhuf soll ich dann der Zugang finden. Sie sagt zudem, dass sie sich gewundert hat, dass wir in der Nacht danach gesucht haben, bei Tageslicht wäre es einfacher zu erkennen.“ Sie schnaubte auf. „Warum sie mir das nicht schon gestern Abend gesagt hat, ist mir schleierhaft!“

„Hat sie sonst noch etwas erzählt?“, fragte ich sie neugierig.

„Ja“, meinte sie. „Sie sagt, der Zugang führt zu einem Tempel der Alten. Sie versprach mir, dass ich dort lernen würde, wie ich Zugang zu meiner Drachengestalt erhalte.“ Sie schaute etwas unzufrieden drein. „Ein Wissen, das, wie sie sagt, ich nicht verwenden darf, solange ich unser Kind unter meinem Herzen trage. Nehme ich eine andere Form an, so sagt Elsine, besteht die Gefahr, dass ich unser Kind verliere.“ Leandra seufzte unglücklich. „Ich hatte fast vergessen, dass dies der Grund war, weshalb Kolaron Malorbian überhaupt imstande gewesen ist, Elsine gefangen zu nehmen. Also sieht es jetzt so aus, dass es einen Weg gibt, durch den ich mehr über mich erfahre und mein Erbe finden kann, ich es aber nicht nutzen darf.“

„Was dich nicht daran hindert, schnellstmöglich nach dem Zugang zu suchen“, stellte Zokora fest. „Ein Tempel der Alten? Hier in den Südlanden? Bist du sicher, dass sie von den Alten gesprochen hat und nicht den Titanen?“ „Ganz sicher“, gab Leandra bestimmt zurück. „Ich habe nachgefragt.“ „Gut“, meinte Zokora. „Das will ich mir ansehen. Gehen wir.“ Sie tat vier Schritte, blieb dann stehen,  schaute zu uns beiden zurück und runzelte die Stirn. „Worauf wartet ihr?“

Leandra schaute zu mir hoch. „Willst du wahrhaftig hier bleiben? Du hast schon Nachtwach gehalten für sie, sie ist nun bei den Göttern. Mehr kannst du nicht für sie tun. Komm mit, Havald, ich will dich an meiner Seite wissen.“

Ich schaute zu der stillen Gestalt unter dem weißen Seidentuch zurück und nickte. Als ich ihr und Zokora aus der Kapelle folgte, meinte ich die Blicke der Götter in meinem Rücken zu spüren.

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