Doping an der Uni - Ein Interview mit Kristian Schlüter
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Freitag, 13. Dezember 2013 von


Doping an der Uni - Ein Interview mit Kristian Schlüter

Wie weit gehen Studenten, um ihr Examen zu schaffen und Karriere zu machen? Doping mit leistungssteigernden Medikamenten wie Ritalin ist heute keine Seltenheit mehr an der Universität, sagt Kristian Schlüter. Das Thema steht im Mittelpunkt seines ersten Krimis, »Die Prüfung«.

Bei der Mordkommission mit gerade mal 26: Warum ein so junger Ermittler?

Für mich war es viel natürlicher, über eine Hauptfigur zu schreiben, die aus einer ähnlichen Generation kommt wie ich – gerade wenn es nicht nur um die kriminalistische Arbeit geht, sondern auch um das Privatleben von Christoph Schönlieb. Außerdem fand ich es spannend, über eine Mordermittlung aus der Perspektive eines Charakters zu schreiben, der noch keine jahrelange Berufserfahrung hat.

Ihre Hauptfigur Christoph Schönlieb ist ja alles andere als ein Held. Wie würden Sie seinen Charakter beschreiben? 

Christoph Schönlieb ist eher ein Einzelgänger – jemand, der in der Schule nicht zu jedem Geburtstag eingeladen wurde. Er ist sich selbst noch nicht ganz sicher, ob ihm diese soziale Isolation gefällt oder nicht, und trägt des Öfteren innere Kämpfe aus. Er hat einen scharfen Blick auf die Menschen in seiner Umgebung und geht unvoreingenommener an die Fälle heran, als es manch älterer Kollegen tun würde.

Was haben Sie mit ihm gemeinsam?

Die typische Frage nach den Gemeinsamkeiten zur Romanfigur! Ich denke, dass man in Romanfiguren immer eigene Erfahrungen und Eindrücke verarbeitet, aber man ist gut beraten, auch gänzlich gegensätzliche Charakterzüge einzubauen. Genauso verhält es sich mit Schönlieb und mir.

 »Die Prüfung« spielt unter Jurastudenten in Hamburg. Wie viel von Ihren eigenen Erfahrungen während des Studiums fließt da mit ein?

Ohne das Jurastudium hätte ich dieses Buch sicherlich nicht geschrieben, es stecken schon sehr viele Erfahrungen und Beobachtungen aus dieser Zeit in dem Buch. Sobald es allerdings um Personen und Handlungen geht, die in den Kriminalfall verwickelt sind, ist natürlich alles erfunden.

Zentrales Thema ist der Gebrauch sogenannter Neuro-Enhancer – leistungssteigernde Medikamente, die die Studenten vor den Prüfungen einnehmen. Im Roman klingt es so, als wäre das heute ganz alltäglich… Kommt man nur noch mit Doping durchs Studium? 

Natürlich schafft man es auch ohne, allerdings hat sich die Bereitschaft dazu und die Selbstverständlichkeit der Anwendung verändert – angefangen beim Energy-Drink oder der Koffeintablette, die einen länger wach halten soll. Ich denke, das hat viel mit dem Druck zu tun, den die Studenten von außen spüren, den sie sich aber auch selbst machen. Es gilt die Maxime, dass man unter allen Umständen erfolgreich sein muss. Das geht ja schon in der Schule los und zieht sich durch das Studium bis hin in das Berufsleben. Beruflicher Erfolg oder ein hohes Gehalt werden zu oft mit tatsächlichem Glück verwechselt.

Christoph Schönlieb testet im Roman eine Ritalin-Tablette. Selber auch mal probiert? 

Ehrliche Antwort: Nein.

Vor drei Jahren haben Sie den Förderpreis für Literatur der Stadt Hamburg gewonnen – allerdings für eine Fantasy-Geschichte. Warum jetzt ein Krimi? 

Das ist schwer zu beantworten. Ich schreibe immer das, worauf ich Lust habe. Die Idee zu einem Krimi hatte ich schon länger. Ich hatte auch schon angefangen zu schreiben, nach den ersten Seiten aber immer aufgegeben. Bei der Fantasy-Geschichte habe ich einfach drauf los geschrieben, bei dem Krimi funktionierte das nicht. Mit dem Preisgeld hatte ich dann endlich die Zeit, mich wirklich in Ruhe mit dem Schreiben des Krimis, der Recherche und vor allem der Strukturierung der Geschichte zu befassen. Ich merkte dann sehr schnell, dass es diesmal klappt.

Ihr Buch ist voller Hamburger Lokalkolorit. Gibt die Stadt viel her für einen Krimi – und wie haben Sie recherchiert?

Um Lokalkolorit einzubauen, musste ich nicht viel recherchieren, schließlich wohne ich seit meiner Geburt in Hamburg. Da kennt man die eine oder andere Ecke schon sehr gut. Die Stadt ist ideal für einen Krimi, hier hat man die Reeperbahn und den Kiez, dort den Hafen und nicht weit weg eine ruhige Einzelhaussiedlung oder eine der Hochhaussiedlungen. Das alles sind eigenständige Welten, die aber immer wieder aufeinanderprallen und sich mischen. Dass dabei Konflikte nicht ausbleiben, ist klar – und wo Konflikte sind, gibt es immer guten Stoff für Krimis.

Was lesen wir als nächstes von Kristian Schlüter? Und wird Kommissar Schönlieb weiterermitteln?

Ideen für weitere Bücher sind jede Menge vorhanden, auch für Kommissar Schönlieb. Ob es allerdings als Nächstes tatsächlich ein Krimi wird, Fantasy, oder doch etwas ganz anderes, kann ich noch nicht sagen. Ich arbeite an verschiedenen Geschichten parallel. Was letztendlich davon als Nächstes veröffentlicht wird, hängt ja nicht nur vom Autor ab.


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