Die besten Thriller 2019
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Die besten Thriller 2019

Gänsehaut garantiert

Thriller-Fans sind süchtig nach dem Kick des Cliffhängers, dem Nervenkitzel auf jeder neuen Seite, der atemlosen Spannung beim Showdown. Nachschub gibt es auch 2019 wieder mit vielen guten Thrillern: An dem spannenden Debüt des schwedischen Autors Natt och Dag »1793« fürht kein Weg vorbei. Mit Megan Goldin »The Wrong Girl« erscheint im Februar ein Psychothriller, der wie ein Kanonenschlag daher kommt. 

Gänsehaut bleibt also auch 2019 garantiert!

The Wrong Girl – Die perfekte TäuschungThe Wrong Girl – Die perfekte Täuschung

Thriller

Julie West ist außer sich. Sie vermutet, dass ihr Mann Matt sie betrügt. Mit einer jungen Studentin, die seiner Ex-Frau Laura wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Laura, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Um auf andere Gedanken zu kommen, geht Julie joggen – und wird in einen merkwürdigen Unfall verwickelt. Doch Matt versichert ihr, dass es diesen Unfall nie gegeben hat. Julie sei beim Laufen ohnmächtig geworden und habe sich alles nur eingebildet.Zur gleichen Zeit wird in der Nähe eine Frauenleiche entdeckt. Alles deutet darauf hin, dass es sich um Laura Wests Leichnam handelt. Julie gerät unter Mordverdacht, doch sie kann sich an so vieles nicht mehr erinnern. Ist sie nicht das Opfer? Oder doch die Täterin?

1Julie

Nach dem Kalender haben wir schon Frühling. Doch der Winter mit seiner anhaltenden Kälte zögert noch. Es heißt, es wäre der kälteste Winter seit Jahren gewesen. Ganz ehrlich? Ich erinnere mich kaum daran. Die letzten Monate sind in einem dumpfen Pillendunst an mir vorübergezogen.

Ich wage nicht, darüber nachzudenken, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht in einem Schuhkarton ganz hinten im Schrank zufällig auf meine Joggingschuhe gestoßen wäre. Sie haben mich daran erinnert, dass in mir noch etwas anderes steckt, dass ich eine Überlebenskünstlerin bin. Ich habe sie angezogen und bin zum ersten Mal seit Langem wieder joggen gegangen. Danach war ich jeden Tag laufen.

Selbst heute Morgen habe ich mich aufgerafft, obwohl ich müde bin und es nieselt. Laufen ist die einzige Möglichkeit, um gegen das Grauen anzukommen, das mich quält, seit Matt und ich gestern Abend gestritten haben. Es war ein hässlicher Streit, der mir das Gefühl gab, unsere Ehe wäre in Gefahr. Als ich endlich einschlief, wurde ich von seltsamen, beunruhigenden Träumen überfallen, durchsetzt von peitschendem Wind und dem Prasseln des Regens auf den Schieferplatten unserer Einfahrt. Beim Aufwachen fühlte ich mich merkwürdig beraubt.

In dem Augenblick, als ich die Augen aufschlug, begann die morgendliche Routine. Es war hektisch wie immer. Alice hatte einen kleinen Tobsuchtsanfall, weil ihre Lieblingsfrühstücksflocken leer waren, und Matt machte ihr, um sie zu besänftigen, rasch Rührei mit Toast. Ich flocht ihre dunklen Haare, während sie aufgedreht vor dem Flurspiegel herumzappelte. Alice sollte einen Gegenstand mit in die Schule bringen und ein kurzes Referat darüber halten. Auf der Suche nach der Muschel, die sie dafür ausgewählt hatte, stellten wir zusammen das ganze Haus auf den Kopf. Trotz des Chaos war die Atmosphäre eisig. Matt und ich wechselten kein einziges Wort.

Als ich Alice endlich ins Auto verfrachtet hatte, um sie zur Schule zu fahren, kehrte der nächtliche Sturm zurück. Unablässig schlug der Regen gegen die Windschutzscheibe, und während ich an unserer örtlichen Ladenzeile mit ihren Cafés und Geschäften voller nutzlosem Schnickschnack vorbei die vertraute Strecke fuhr, kam es mir so vor, als verhöhnte er mich. Durch die Schlieren, die die Scheibenwischer auf ihrem Weg über die Scheibe hinterließen, sah ich den Spielzeugladen vorbeiziehen und dachte bei mir: Wenn die Makel meines Lebens doch auch so leicht verwischt werden könnten. Ich schaltete das Radio ein. Die Musik half nicht. Meine Gedanken wanderten unablässig zurück zu unserem nächtlichen Streit.

Es fing beim Abendessen an. Matt erklärte mir in demselben ausdruckslosen Tonfall, mit dem er mich auch bitten würde, ihm das Salz zu reichen, dass ich nicht zum Gedenkdinner für Laura eingeladen bin. Er versuchte, es mir schmackhaft zu machen, indem er es so darstellte, als täte er mir damit einen Gefallen. Es wäre sicher langweilig, dazusitzen und den einschläfernden Reden zuzuhören. Es würde ein sehr langer Abend werden, und meine Medikamente würden mich ohnehin müde machen. Und dann zog er die Alice-Karte. »Schatz«, sagte er, »jemand muss bei Alice bleiben. Mit der neuen Babysitterin fühlt sie sich noch nicht so richtig wohl.«

Ich konnte es nicht fassen. Ich kann’s noch immer nicht fassen. Hält er mich für so dumm, dass er glaubt, ich wüsste nicht, warum ich dort nicht erwünscht bin? Denn das weiß ich ganz genau. Matt kann wohl kaum den trauernden Witwer spielen, wenn ich neben ihm am Ehrentisch sitze und höflich klatsche, weil im Namen seiner ersten Frau Stipendien vergeben werden. Der lieben Laura, die in seinem Bett und in seinem Herzen stets den ersten Platz eingenommen hat. Und bis in alle Ewigkeit wird. Laura wird nie altern, nie dick werden, nie Falten bekommen, ihn nie so enttäuschen, wie ich ihn enttäuscht habe. Alle sprechen nur in den höchsten Tönen von ihr, auch nach all den Jahren. Mich nehmen sie kaum zur Kenntnis.

»Das ist fantastisch, Matt«, sagte ich, in dem Versuch, einen Witz darüber zu machen. »Mir war gar nicht klar, dass ich die Leiche in deinem Keller bin. Die lästige zweite Frau. Vor der Öffentlichkeit versteckt.«

»Jetzt übertreib nicht, Julie«, schoss er zurück. »Du hasst solche Veranstaltungen. Wenn ich dich gebeten hätte, mich zu begleiten, hättest du dich unter einem Vorwand davor gedrückt. So läuft es doch, oder? Ein Vorwand nach dem nächsten?«

»Du hättest fragen können, bevor du für mich entscheidest. Ich habe doch wohl das Recht, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.« Ich lief hoch in unser Schlafzimmer und weinte in die Steppdecke auf unserem Bett. Tief in mir drin wusste ich, dass Matt recht hatte. Ich wäre nicht mitgekommen. Ich gehe kaum noch unter Leute.

Es heißt, Laufen ist ein Sport für Einzelgänger. Ich bin sowohl vom Körperbau als auch vom Temperament her eine Langstreckenläuferin. Am glücklichsten bin ich, wenn ich allein laufe und der Wind in meinen Ohren braust und alles andere überdeckt.

Der Kellers Way mit seinen steilen Anstiegen und seiner tiefen Stille ist meine Lieblingslaufstrecke. Egal, was andere sagen, kein Fitnessgerät kann das Gefühl von Freiheit vermitteln, das man beim Laufen im Wald hat. Nicht einmal das Hightech-Laufband, das Matt mir vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt hat. Es steht unten im Gästezimmer und staubt ein. Ich habe das Laufband zweimal benutzt, aber nur, weil ein heftiger Schneesturm wütete und wir das Haus nicht verlassen konnten.

Matt mag es nicht, wenn ich draußen laufe. Er sagt nicht, warum, aber das weiß ich auch so. Wir leben im Schatten von Lauras Tragödie. Er will, dass ich zu Hause trainiere oder die Platinmitgliedschaft nutze, die er im Fitnessstudio für mich abgeschlossen hat.

Warum begreift er nicht, dass das alles Schwindel ist? Die quirlige Step-Aerobic-Lehrerin, die unmöglich so glücklich sein kann; der Personal Trainer, der schamlos mit seinen Kundinnen flirtet, damit er mehr Trinkgeld bekommt; die Vollzeitmütter, die heimlich während des Trainings die Lücke zwischen ihren Oberschenkeln messen. Diese Frauen verurteilen und beneiden einander gleichzeitig. Nach dem Kurs schlürfen sie dann an der Bar des Fitnessclubs mit durchsichtigen Strohhalmen Gemüsesaft und kichern dabei wie aufgeregte Schulmädchen, die sich mit selbst gemixten Cocktails betrinken. Ich kann’s nicht glauben, dass ich da mitgemacht habe und meinen Vitaminshake getrunken habe wie eine, die sich um die Mitgliedschaft in einer Schwesternschaft bemüht und verzweifelt versucht dazuzugehören. Und elend scheitert.

Inzwischen laufe ich lieber allein. Der kalte Wind schlägt mir ins Gesicht, bis meine Wangen brennen, und der Regen prasselt auf mich nieder, bis ich nass bin bis auf die Knochen. Heute ist die Morgenluft so eisig, dass mein Atem in kleinen Wolken vor mir steht wie geisterhafte Erscheinungen, die sich auflösen, wenn ich hindurchlaufe.

Ich biege von der Hauptstraße ab und laufe den Kellers Way hinunter. Der Regen ist jetzt zu einem leichten Nieseln geworden. Ich laufe, bis ein ohrenbetäubendes Summen alles andere ausblendet, selbst die qualvollen Schmerzen in meinem Körper. Lange höre ich gar nichts, bis lautes Keuchen durch den Nebel der Benommenheit dringt, der mich einhüllt. Erst nach einem Augenblick begreife ich, dass ich das bin, die so keucht. Ich habe Mühe zu atmen. Unbeholfen zerre ich mein Asthmaspray aus der Tasche und inhaliere, bis die Enge in meiner Brust nachlässt.

Hinter mir knacken Zweige. Ich schieße herum. Ich bin von Bäumen umgeben, die meisten ohne Laub. Dann sehe ich es. Die sanften Augen eines Rehs schauen mich an, bis Entsetzen in ihnen aufscheint. Das Tier wirft mir noch einen beinahe vorwurfsvollen Blick zu, bevor es davonläuft.

Als ich zur Universität komme, ist Matts Vorlesung bereits in vollem Gange. Alle lauschen hingerissen. Ich habe schon immer bewundert, wie mühelos Matt einen Raum beherrscht. In dem marineblauen Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellbogen aufgerollt sind, und mit den kurzen dunklen Stoppeln am Kinn wirkt er eher wie ein Revolutionär, der einen Aufstand plant, als wie ein Professor der Psychologie.

Ich sitze anonym im Schatten und sehe zu, wie seine weiblichen Fans die Beine überschlagen und wieder lösen, während sie nervös auf ihren Stühlen hin und her rutschen und seiner sonoren Stimme lauschen. Ich erkenne den Hunger in ihren geschminkten Augen.

In College-Foren im Internet habe ich Kommentare über Matt gelesen, die mir die Röte ins Gesicht getrieben haben. Die Dinge, die diese jungen Frauen über meinen Mann sagen und denken. Er tut so, als bemerkte er die Phalanx pastellfarbener Slips nicht, die aufreizend unter ihren Röcken aufblitzt.

»Impuls.« Matt schreibt den Begriff mit rotem Marker auf das Whiteboard und unterstreicht ihn doppelt.

»Wir alle haben Triebe, Begierden. Einige Triebe teilen wir mit anderen Tieren. Zum Beispiel Hunger, einen der primitivsten Triebe. Andere Triebe sind höher entwickelt und ein Spiegel unseres Menschseins. Der Machttrieb. Das Bedürfnis nach Besitz oder Erfolg. Oder nach Anerkennung.« Er unterbricht sich.

»Wenn jetzt hier alle ihren Trieben nachgeben würden, würde schnell Chaos ausbrechen. Anarchie.« Er macht eine Pause, bis das verlegene Lachen sich legt. »Trieben nicht nachzugeben, Begierden widerstehen zu können unterscheidet uns von unseren Verwandten, den Primaten. Es macht uns zu Menschen. Ja, es macht uns zu zivilisierten Wesen.« Matt wartet mit verschränkten Armen, bis die Anspannung im Raum so groß ist, dass die Luft förmlich knistert. Seine Studentinnen und Studenten spitzen die Ohren, denn sie möchten seinen nächsten Satz auf keinen Fall verpassen.

»Es hat sich herausgestellt, dass es zu größerem Erfolg führt, wenn man die Fähigkeit besitzt, der Versuchung einer unmittelbaren Belohnung zu widerstehen und auf eine bessere Belohnung zu einem späteren Zeitpunkt zu warten. Mehr Punkte beim Aufnahmetest an der Uni. Bessere Berufe. Höheres Einkommen. Da stellt sich die Frage, warum Menschen, die in der Lage sind, die Befriedigung ihrer Triebe aufzuschieben, erfolgreicher sind. Nun?«

Ziemlich weit hinten hebt jemand die Hand. »Es ist ein Zeichen für Selbstbeherrschung.«

»Richtig. Selbstkontrolle. Wir üben sie unablässig aus.« Matt macht eine Pause. »Wir widerstehen jeden Augenblick unseres Lebens Begierden. Schokolade, Zigaretten, Kaffee.« Er macht eine Pause. »Sex.«

Er hält einen Moment inne und richtet den Blick direkt auf eine junge Frau mit langem schwarzem Haar. Ich schnappe nach Luft. Die Ähnlichkeit ist unheimlich. Kein Wunder, dass Matt die Augen nicht von ihr lassen kann. Von allen Studentinnen, die er dieses Semester unterrichtet, muss er ausgerechnet die ficken, die aussieht wie Laura.


2Mel

Im Winter ist die Zahl der Mordfälle meist niedrig, bevor sie mit Beginn des Frühjahrs plötzlich sprunghaft ansteigt und dann langsam immer weiter zunimmt, bis sie im Hochsommer, wenn die Hitze am drückendsten ist, den Höhepunkt erreicht.

Manche meinen, der jährliche Anstieg an Tötungsdelikten im Frühling werde durch die Veränderung des Schlafrhythmus beim Wechsel auf die Sommerzeit ausgelöst. Die Wahrheit ist viel banaler. Die Schneeschmelze fördert Geheimnisse zutage, die über den Winter verborgen waren. Hauptsächlich alte Knochen. Bleich und brüchig. Sie stoßen durch die feuchte Erde und werden von Wanderern gefunden, die zwangsläufig davon ausgehen, dass es menschliche Überreste sind. Ab und zu haben sie recht. Meistens aber sind es Tierknochen, oft von überfahrenen Tieren, zur Seite gefegt und unter Schnee begraben. Im Frühling verwenden wir verdammt viel Zeit darauf, alten Knochen nachzujagen.

Das Opfer im Kellers Way wäre nie gefunden worden, wenn wir nicht die schlimmsten Frühjahrsstürme seit zwei Jahrzehnten gehabt hätten. Drei Tage lang hat es so stark geregnet, dass es in den Niederungen der Stadt zu Überschwemmungen gekommen ist. Mehrere Straßen, die durch die Wälder führen, wurden gesperrt, weil die Gefahr bestand, dass Bäume umfallen könnten. Eine dieser Straßen war der Kellers Way.

»Du musst rüber in den Nationalpark, Mel.« Die Stimme des Kollegen in der Leitstelle hallte vom Lautsprecher meines Handys durch die Küche und übertönte das Brutzeln der Eier, die ich für meine Kinder briet, bevor sie in die Schule gingen. »Auf einer Lichtung in der Nähe der Straße wurde eine Leiche gefunden.«

An der Abzweigung zum Kellers Way lenkte ich meinen Wagen um ein Schild mit der Aufschrift »Straße gesperrt« herum. Loser Kies knirschte, als ich einer Reihe von Haarnadelkurven zu den aufblitzenden Lichtern von Einsatzfahrzeugen irgendwo weiter vorn folgte.

Die Spurensicherung war mir zuvorgekommen. Carls allzu vertrauter grauer Schopf beugte sich über den mit gelbem Band abgesperrten Fundort. Dahinter steckte eine Schaufel in einem ordentlichen Haufen Erde. Das Loch im Boden direkt daneben hatte Carl mit Plastikplanen ausgelegt.

»Hey, Carl.« Meine Stimme drang durch die Stille. Carls Kopf schoss hoch.

»Tut mir leid«, sagte er und stand auf. »Ich hab ohne dich angefangen.« Sein silberner Schnurrbart hing herab, als äffte er den freudlosen Zug seiner Lippen nach.

»Was hast du gefunden?«

»Pack dich ein, dann zeig ich’s dir.« Er warf mir ein Set Schutzkleidung zu und wartete mit verschränkten Armen, bis ich in den weißen Overall gestiegen war, Schutzüberzüge über die Schuhe gestreift und die Hände in blaue Gummihandschuhe gezwängt hatte.

Der süßliche Geruch des Todes wehte mir entgegen. Ich setzte die Atemmaske auf und zog die weiße Kapuze über den Kopf, bis ich nur noch ein blasses Gesicht in weißem Plastik war. Dann bückte ich mich unter der Absperrung durch.

Ich trat in die Fußspuren von Carl, der sich langsam auf die Leiche zubewegte. Es gibt nichts Schlimmeres, als Dutzende von Fußspuren von Polizisten und Sanitätern ausschließen zu müssen, die einen Tatort verunreinigt haben, indem sie kreuz und quer darübergelaufen sind, als wäre es ein Familienpicknick.

Der Strahl von Carls Taschenlampe traf auf die Leiche, die unter einem Baum lag, zum Teil mit Erde bedeckt. Ich betrachtete die knorrigen Äste und den eindrucksvollen Stamm und dachte: Wenn Bäume doch nur reden könnten.

»Die Waldarbeiter haben die vom Sturm beschädigten Bäume entlang der Straße gefällt. Dabei ist ein abgesägter Ast hier in der Nähe gelandet. Als sie herkamen, um ihn wegzuschaffen, haben sie das Bein des Opfers entdeckt, das der Regen zum Teil freigelegt hatte.«

»Was hast du bisher?« Ich hockte mich neben Carl.

»Das Opfer ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine erwachsene Frau«, sagte er. »Wer sie vergraben hat, ist davon ausgegangen, dass sie nicht gefunden wird.«

Ich ließ den Strahl der Taschenlampe über die Rinde des mächtigen Stamms wandern und schaute nach Initialen oder anderen Zeichen, die der Mörder womöglich hineingeritzt hatte.

»Carl, ich will Fotos von diesem Baum. Der Mörder hat vielleicht etwas in die Rinde geschnitzt, um die Stelle zu markieren.«

Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Leiche. Stofffetzen deuteten darauf hin, dass das Opfer eine schwarze Hose getragen hatte. An dem freigelegten Fuß steckte ein schwerer schwarzer Lederstiefel.

»Sieh dir das an«, sagte Carl und fegte mit einer Bürste Erde weg, bis eine Hand mit manikürten Nägeln zum Vorschein kam. Ein exquisiter Farbton, eher klassisch. Kein aufdringlicher Nagellack, wie ihn Huren und Stripperinnen auflegen. Am Handgelenk eine Uhr mit elegantem, hauchdünnem Ziffernblatt. Es war beschlagen, aber ich konnte trotzdem erkennen, dass die Uhr um 2:44 Uhr stehen geblieben war.

Das Opfer hatte Geld und Geschmack gehabt. Das eine geht nicht immer mit dem anderen Hand in Hand. Dies war weder eine Ausreißerin noch ein Callgirl, dessen Verschwinden der Polizei nicht gemeldet worden war. Das Opfer war eine Frau, deren Abwesenheit sicher bald bemerkt worden war.

»Wie lange dauert es noch, bis wir die Leiche hier rausholen und mit der Identifizierung anfangen können?«, fragte ich.

Carl zuckte die Achseln. »Bei Einbruch der Dunkelheit haben wir sie bestimmt raus. Sonst holen wir Scheinwerfer und arbeiten bis in die Nacht weiter. Wenn dafür heute keine Zeit mehr bleibt, kommen wir morgen wieder, um den Mutterboden ums Grab herum zu bergen und ins Labor zu bringen.«

Das war in einem solchen Fall üblich. Immerhin war es möglich, dass der Mörder etwas fallen gelassen hatte, während er das Opfer begrub.

Als ich noch oben in New York arbeitete, fanden wir einmal neben einer Leiche, die in einem Müllcontainer entdeckt worden war, einen Hotelzimmerschlüssel. Er führte uns direkt zum Täter, der in seinem Hotelbett tief und fest schlief, ohne zu ahnen, dass er am Tatort seine Ersatzschlüsselkarte verloren hatte.

»Sag mir Bescheid, sobald sie im Leichenschauhaus ist«, sagte ich zu Carl und bückte mich wieder unter dem Absperrband durch. »Bis zur Obduktion kann ich nicht viel tun.«

So war das mit Obduktionen. Sie konnten einen Fall voranbringen oder vollkommen ausbremsen. Als ich vor vier Jahren gerade hierhergezogen war, wurde ich an einen Tatort in einem Haus am Stadtrand gerufen. Das Opfer, eine Frau, lag mit eingeschlagenem Schädel im Hinterhof unter der Wäscheleine auf dem Boden. Ein weißes Bettlaken, das sie gerade aufhängte, als sie umgebracht wurde, war voller Blutflecken. Wir dachten, der Exmann wäre es gewesen. Er hatte an dem Abend, an dem sie starb, gesoffen und hatte nicht die geringste Erinnerung daran, wo er gewesen war und was er gemacht hatte.

Dann kamen die Laborergebnisse. Es stellte sich heraus, dass mikroskopisch kleine Fasern aus der Wunde des Opfers von den Klauenfedern eines Uhus stammten. Das Opfer war zwar durch stumpfe Gewalteinwirkung umgekommen, aber nicht von der Art, wie wir gedacht hatten. Ein Uhu hatte sich von hinten auf die Frau gestürzt und sie zu Boden geworfen, wo sie an einer Gehirnblutung gestorben war. Der Uhu hatte wahrscheinlich seine Jungen beschützt, wie die Tiere das im Frühling eben machen.

Der Fall wäre allenfalls als Anekdote für Dinnerpartys gut gewesen und ansonsten in Vergessenheit geraten, hätte er uns nicht eine Lektion fürs Leben erteilt. Der kristallene Briefbeschwerer in Form einer Eule, der jeden Morgen, wenn ich die Dienststelle betrat, auf meinem Schreibtisch aufblitzte, war eine Erinnerung an die Lektion, die kein Polizist je vergessen sollte: Manchmal muss man hinter das Offensichtliche schauen, um zur Wahrheit zu gelangen.

Das hatte nie mehr Gültigkeit als im Fall der Leiche aus dem Kellers Way.


Julie

Egal wie viel Mühe ich mir gebe, ich kann nicht aufhören, an den selbstgefälligen Ausdruck im makellosen Gesicht dieses Flittchens zu denken, als Matt während der Vorlesung mit ihr flirtete. Die Erinnerung daran zieht mir in sämtlichen Einzelheiten in einer Endlosschleife durch den Kopf: wie sie kokett ihr dunkles Haar nach hinten warf, als Matt in ihre Richtung sah, das heimliche, selbstzufriedene Lächeln auf ihren hübschen Lippen, während sie sich Notizen machte, die leichte Röte auf ihren frischen, jungen Wangen, als sie nach der Vorlesung an ihm vorbeiging. Vor allem aber erinnere ich mich an die kaum verhüllte Begierde in Matts Augen, während er ihr hinterhersah. Diesen Blick kenne ich sehr gut. Früher galt er mir.

Wie um Salz in meine Wunden zu reiben, ist er gestern Abend spät nach Hause gekommen. Ohne Erklärung. Ich war im Bett und hatte bereits das Licht gelöscht, als er sich neben mich legte. Ich hätte schwören können, dass er ganz leicht nach einer anderen Frau roch. Ich tat, als würde ich schlafen. Er zog mich an sich, strich über meine Brüste und schob mir dann die Hand zwischen die Beine. Ich hielt so lange still, wie ich konnte. Ich habe es satt, ihn mit anderen zu teilen. Doch Matt kann sehr hartnäckig sein, wenn er etwas will. Ich hörte also auf, so zu tun, als schliefe ich, und drehte mich zu ihm um.

Ich wische mir eine Träne fort, als ich den Hügel hinunterlaufe, und ziehe die Kapuze meiner Jacke über mein dunkelblondes Haar. Das entfernte Dröhnen eines Rasenmähers ist der einzige Hinweis darauf, dass ich nicht allein bin in unserer protzigen Straße, wo man nicht einmal weiß, wie die Nachbarn heißen. Wo jeden Morgen die Tore zu den Einfahrten verschlossen und Alarmanlagen eingeschaltet werden und gelangweilte, vernachlässigte Hunde sich über die Zäune der Gärten hinter den Häusern anbellen. Wo Kinder nach der Schule die Straße auf und ab radeln in dem verzweifelten Bemühen, ihrem reglementierten Vorstadtleben zu entfliehen.

Ich lebe seit fast fünf Jahren in diesem grünen Viertel mit prächtigen Anwesen und gepflegten Rasenflächen, und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das alles bloß Zuckerwatte ist. Aus der Ferne scheint es perfekt. Wenn man es endlich schmeckt, ist es widerlich und unbefriedigend.

Ich biege um eine Ecke in eine Durchgangsstraße. Autos zischen vorüber, verwischte Schatten ausgewaschener Metallicfarben. Ihr Motorenlärm ist tröstlich und beängstigend zugleich. Ich zähle im Geiste vor mich hin, während ich um die nächste Ecke biege. Bei zwanzig fange ich wieder von vorn an. Ich konzentriere mich auf meine Atmung, meine Schritte, das Pumpen meiner Arme. Ich atme hörbar ein und aus.

Zwei Blocks später hält direkt vor mir ein Lieferwagen am Straßenrand. Der Fahrer springt heraus und drückt die Schiebetür auf. Ich laufe an ihm vorbei. Ein Stück weiter bewegt sich eine Frau mit drei kläffenden Mischlingshunden wie in Zeitlupe. Sie lächelt, ich nicke. Und dann ist sie fort.

Als ich die Häuser hinter mir lasse und den Waldrand erreiche, biege ich in den Kellers Way. Auf dieser engen, hügeligen Straße sind selten Autos unterwegs. Es gibt schnellere Strecken. Bequemere Routen. Wie es der Zufall will, fährt heute auf der Straße aber doch ein Auto an mir vorbei. Die Reifen knirschen auf dem Asphalt. Der Motor jault, während es mich überholt.

Ich sprinte, bis mein Hals brennt und meine Beine sich anfühlen, als wollten sie mir jeden Moment den Dienst versagen. Am Fuß der steilsten Steigung trinke ich an meinem üblichen Haltepunkt unter den Ästen einer Pappel aus meiner Wasserflasche. Es ist die einzige Pappel in diesem Teil des Waldes.

Ich knote die Schnürsenkel meiner Laufschuhe fester, und meine Finger sind steif von der Kälte. Ich will gerade den letzten Hügel zu der Straße hochlaufen, die zur Universität führt, da höre ich ein Rumpeln. Wie Donnerdröhnen. So laut, dass ein Schwarm Blauhäher erschrocken von einem Baum auffliegt. Ich blicke nach oben und sehe, wie die Vögel hektisch mit den Flügeln flattern.

Ein Auto schießt um die Kurve. Es fährt viel zu schnell für eine so enge Straße. Ich warte darauf, dass es bremst. Doch es verlangsamt nicht. Es beschleunigt und hält auf mich zu.

 

Fühlt es sich so an, tot zu sein? Ich liege auf dem Boden und sehe zu, wie die Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervorkriechen wie ein gottloser Heiligenschein. Vage erinnere ich mich an das Knacken meines Schädels, nachdem ich einen Hechtsprung die Böschung runtergemacht hatte, um dem auf mich zurasenden Auto auszuweichen.

Als ich aufstehe, tut mir alles weh. Mein Kopf pocht. Doch die Schmerzen sind mir egal. Adrenalin schießt durch meinen Körper, während ich den matschigen Hang hochklettere und mich dabei an Wurzeln hochziehe. Ich rieche die Trümmer, bevor ich die Rauchwolke sehe, die unter der verbeulten Motorhaube aufsteigt. Die Windschutzscheibe ist geborsten, ein Spinnennetz aus Rissen.

Mit zitternder Hand ziehe ich die Beifahrertür auf. Der Fahrer ist über dem Lenkrad zusammengesunken. Er stöhnt leise wie ein verletztes Tier vor dem Todesschuss. Blut tropft ihm aus einer klaffenden Stirnwunde über das Kinn aufs Hemd.

Mein Hals ist wie zugeschnürt vor Angst. Ich versuche zu sprechen. Es kommt kein Wort heraus. Ich schlucke und probiere es noch einmal. »Geht es Ihnen gut?«

Die einzige Reaktion ist eine so minimale Bewegung, dass ich sie mir auch eingebildet haben kann.

»Es wird alles gut«, versichere ich ihm. Ich versuche, überzeugend zu klingen, doch es gelingt mir nicht.

Plötzlich schlägt er die Augen auf. Beim Anblick seiner hellen Iris regt sich in den tiefsten Tiefen meiner Erinnerung etwas. Sein Haar ist gewellt und kastanienbraun meliert.

»Julie?«, sagt er mit brüchiger Stimme. »Mein Gott. Ich hab ja nicht gewusst …« Sein Satz bleibt unvollendet, als ihn starke Schmerzen übermannen.

»Was haben Sie nicht gewusst? Wer sind Sie?«, frage ich unter Tränen. Er ist ein gesichtsloser Mann mit stoppeligem Bart und voller Blut. Er hätte mich beinahe umgebracht. Warum weine ich?

»Ich hätte es niemals getan, wenn ich gewusst hätte, dass du es bist.« Seine Worte sind kaum mehr als ein Flüstern.

»Was getan?«

Er antwortet nicht. Seine Wunde blutet stark. Ich sage ihm, dass ich weiterlaufe, um Hilfe zu holen. Dass es nicht lange dauert, bis der Krankenwagen kommt. Dass alles gut wird.

»Nein«, krächzt er und hustet Blut. Es spritzt über das Armaturenbrett. »Es tut mir leid.« Er drückt meinen Arm, sodass mein Ärmel voller Blut ist.

»Es ist nicht Ihre Schuld. Es war ein Unfall«, erkläre ich ihm. »Wahrscheinlich haben die Bremsen versagt.«

»Nein.« Er schüttelt den Kopf. »Du täuschst dich. Es war kein Unfall.«

Er flüstert etwas. Ich verstehe ihn nicht. Die Verwirrung steht mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn er hebt den Kopf und flüstert, indem er alle Kraft zusammennimmt: »Du bist nicht sicher, Julie. Du musst hier weg.«

Diese Worte hallen noch in mir nach, als ich eine halbe Stunde später in Matts unverschlossenes Büro humpele. Mich quälen rasende Kopfschmerzen, und ich habe mir bei dem Sturz wohl die Schulter geprellt. Ich begreife noch immer nicht ganz, was passiert ist. Er starb so schnell, dieser Mann in dem zerbeulten Wagen. Seine Atmung wurde flach. Und dann setzte sie abrupt aus, und sein Kopf fiel mit einem dumpfen Geräusch gegen das Fenster.

»Du musst hier weg«, hat er gesagt, bevor er starb. Also rannte ich. Ich lief durch den Wald, im Slalom um Bäume herum, den Hügel hinauf, durch dichtes Unterholz zum Unicampus. Ich bin direkt hierhergekommen, um Matt zu suchen. Er weiß sicher, was zu tun ist. Doch er ist nicht in seinem Büro. Ich stehe an seinem Bürofenster und sehe zu, wie Studierende wie Ameisen über den rechteckigen Rasen zwischen den Fakultätsgebäuden ziehen. Lehrveranstaltungen sind gerade zu Ende gegangen. Matt müsste bald kommen.

Ich will das Blut aus meinen Kleidern reiben, doch es ist tief ins Gewebe eingedrungen. Ein bleibender Fleck. Das letzte Mal, als ich so viel Blut gesehen habe, war in der Nacht, als ich mit dem Gefühl aufwachte, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich ging ins Bad, eigentlich um zur Toilette zu gehen, und sah stattdessen mit morbider Faszination zu, wie der weiße Satin meiner Schlafanzughose sich knallrot färbte.

Matt rief einen Krankenwagen. Die Sanitäter haben mich auf einer Trage festgeschnallt und mir Riesenbinden zwischen die Beine geschoben. Bis wir in der Notaufnahme ankamen, waren sie zweimal durchgeweicht. Inzwischen war ich halb bewusstlos, aber ich wusste, dass es sehr schlimm um mich stand. Selbst eine Ausschabung reichte nicht, um die Blutung zu stoppen. Der Chirurg musste mir die Gebärmutter herausnehmen. Matt gab, als nächster Verwandter, sein Einverständnis. Ich hatte nichts zu melden. Ich war bewusstlos.

Verdammt, Julie. Hör auf, an die Blutung zu denken.

Ich schiebe einen Stapel Bücher auf der Couch in Matts Büro zur Seite und lege den Kopf auf ein Samtkissen. Ich bin vollkommen fertig. Das Klicken der Pfennigabsätze einer Frau im Flur lullt mich in den Schlaf.

Als ich Matts charakteristischen Zitrusduft wahrnehme, wache ich auf. Er beugt sich über mich, Besorgnis tief ins Gesicht gegraben.

»Schatz«, sagt er leise. »Was ist passiert? Julie, du bist verletzt.«

»Es hat einen Unfall gegeben. Ich bin gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen.«

Er sieht sich meinen Schädel an. Als er mit dem Daumen über die Beule streicht, zucke ich zusammen.

»Du hast vielleicht eine Gehirnerschütterung. Ich muss dich zum Arzt bringen.«

»Nein, mir geht’s gut«, protestiere ich. »Matt, ein Mann hätte mich beinahe mit dem Auto überfahren. Er hat etwas Komisches gesagt von wegen, ich wäre in Gefahr. Und dann ist er gestorben. Matt, er ist wirklich gestorben.« Ich breche in Tränen aus, die ganze angestaute Angst und der Schock lösen sich in lauten, würgenden Schluchzern. Matt zieht mich an sich, um mich zu trösten. »Wir müssen zur Polizei und denen sagen, was passiert ist«, erkläre ich ihm, den Kopf an seiner Brust, erleichtert, dass ich in Sicherheit bin.

»Julie.« Matt drückt mir einen Kuss auf den Scheitel und streicht mir zärtlich übers Haar. Er spricht geduldig mit mir, als wäre ich ein Kind. »Du bist gestürzt. Wahrscheinlich hast du eine leichte Gehirnerschütterung, so etwas kann schnell zu Verwirrung führen. Ich bringe dich jetzt erst einmal nach Hause und kümmere mich um dich. Danach spreche ich mit der Polizei.«

Zu Hause lässt Matt eine heiße Badewanne einlaufen und zieht mich derweil vorsichtig aus. Dann setzt er sich auf den Rand der Wanne und seift meine Haare mit Shampoo ein. Seine Finger reiben sanft über meine Kopfhaut. Er fährt mit dem Seifenstück über meine Schürfwunden und die blauen Flecken, die meine Schulter und meinen Oberschenkel entstellen.

Keiner von uns spricht, während er mich mit der Brause abspült und in ein Handtuch wickelt. Im Schlafzimmer zieht er mir einen frischen Schlafanzug an und hilft mir ins Bett.

»Das habe ich ganz vergessen. Ich muss Alice von der Schule abholen.« Hektisch setze ich mich auf.

»Ich hole Alice heute ab«, versichert er mir. »Ich habe mir den Nachmittag freigenommen, um nach dir zu schauen.«

»Mir geht’s gut«, sage ich. »Es ist nur eine Beule.«

»Es ist mehr als eine Beule, Julie, Schatz«, sagt er. »Du hast womöglich eine Gehirnerschütterung von dem Sturz. Und du hast schlimme Prellungen. Du solltest dich untersuchen lassen.«

Matt geht nach unten. Er spricht leise am Telefon. Sicher mit der Polizei. Ich bin erleichtert. Die Treppe knarrt, als er wieder hochkommt. Er setzt sich zu mir aufs Bett, in den Händen ein Glas Orangensaft und zwei Kapseln.

»Gegen die Kopfschmerzen und damit du schlafen kannst«, sagt er entschieden. Mir wird schwer ums Herz.

Ich nehme seit Wochen keine Medikamente mehr. Ich will sie nicht mehr. Das würde ich Matt gern sagen, doch ich habe keine Kraft, mich zu wehren, als er das Glas an meine Lippen hebt. Er schiebt mir die Kapseln in den Mund, eine nach der anderen, als wäre ich krank. Ich muss nur noch schlucken.

»Es wird alles gut.« Matt nimmt das Glas weg und drückt mich sanft aufs Kissen. »Es wird alles wieder gut.« Er wiederholt die Worte wie ein Mantra, bis mein Körper dahintreibt und mein Geist sich von mir löst.


4Mel

Man sollte eine Stadt nicht nach der Größe ihres Leichenschauhauses beurteilen. Unser Leichenschauhaus war riesig. Es hatte zwei Dutzend Kühlfächer. Ich wüsste nicht, dass es je auch nur annähernd an die Grenzen seiner Kapazität gekommen wäre.

Doch man sollte auch niemals nie sagen. Im Laufe des letzten Jahres gab es einen deutlichen Anstieg von Tötungsdelikten durch Methamphetamin und chemische Cocktails mit ähnlich unaussprechlichen Namen. Es war so schlimm, dass unsere Abteilung die Einstellung zwei weiterer Detectives beantragen musste. Es ist kein gutes Zeichen für eine Stadt, wenn sie die Mordkommission aufstocken muss.

Das Leichenschauhaus lag in einem weißen Gebäude mit vorkragenden Fenstern aus schwarzem Rauchglas. Ein gescheiterter Entwurf aus den Achtzigern, der eher an ein abgewracktes Kasino erinnerte als ein öffentliches Gebäude, in dem das Institut für Rechtsmedizin untergebracht war.

Ich zog meine Zugangskarte durch das Lesegerät und tippte auf einem Zahlenfeld neben der gepanzerten Tür an den Parkplätzen hinter dem Gebäude einen Zugangscode ein. Die Tür sprang mit einem Klicken auf, und ich folgte einem leeren, gefliesten Flur, in dem es nach Desinfektionsmitteln roch.

Den Vormittag hatte ich hauptsächlich damit zugebracht, mit dem stellvertretenden Staatsanwalt den Fall Wilson durchzugehen. Er erklärte, er wolle eine außergerichtliche Einigung erreichen, um die Sache rasch vom Tisch zu haben. Er deutete an, dass er keine Kapazitäten hatte, den Fall vor Gericht zu bringen, und zeigte auf einen Aktenstapel auf dem Boden, der so hoch war, dass er jeden Augenblick ins Rutschen zu geraten drohte.

Mary Wilson war in einem Trailerpark von ihrem Freund zusammengeschlagen worden. Sie war zwanzig gewesen, als sie starb, Mutter dreier Kinder von zwei verschiedenen Vätern, von denen einer sie bei einem Streit über die Fernbedienung mit dem Kopf durch die Schlafzimmerwand gestoßen hatte. Drei Tage später war sie an einem Blutgerinnsel gestorben, das laut rechtsmedizinischem Gutachten vermutlich eine Folge der Kopfverletzung war.

Der stellvertretende Staatsanwalt erklärte mir, der Anwalt des Angeklagten könne behaupten, dass das Gerinnsel in keinerlei Zusammenhang mit der Kopfverletzung stünde. Dass sie so oder so gestorben wäre. Was die medizinische Seite betraf, konnte ich ihm nichts entgegensetzen, doch ich hatte ausreichend Material zusammengetragen, um zu beweisen, dass Mary Wilsons Freund sie über Monate geschlagen hatte. Und dass er mehr als einmal gedroht hatte, sie umzubringen.

Wenn es nach mir ginge, würde der Typ erst wieder frei herumlaufen, wenn er so alt war, dass er einen Gehstock brauchte. Das sagte ich auch dem Staatsanwalt. Ich sah, dass er hin- und hergerissen war zwischen dem, was richtig, und dem, was machbar war. Ich hoffte bei Gott, dass ich ihn überzeugt hatte, über die volle Distanz zu gehen.

Als wir fast fertig waren, bekam ich eine SMS vom Chef der Rechtsmedizin, dass sie bald mit der Obduktion der Leiche aus dem Kellers Way beginnen würden. Er hatte am Freitag eine erste Untersuchung vorgenommen, nachdem die Leiche am späten Abend ins Leichenschauhaus gebracht worden war. Dabei war es hauptsächlich darum gegangen, Gewebeproben zu entnehmen und Maden und andere Insekten einzusammeln, anhand derer der forensische Entomologe den Todeszeitpunkt bestimmen und herausfinden konnte, ob an der Stelle, wo sie vergraben gewesen war, etwas verändert worden war.

Die Leiche war nicht am Wochenende eilig obduziert worden, denn ich hatte nicht darum gebeten. Ich war mir, um ehrlich zu sein, nicht sicher, ob diese Überstunden genehmigt worden wären, wenn ich sie beantragt hätte. Es war ohnehin nicht besonders dringend. Das Opfer war schon eine Weile tot.

Im Vorraum zum Sektionssaal legte ich Schutzkleidung an. Ich setzte eine Einmalkappe auf, zog mir Maske und Gummihandschuhe über und tunkte die Finger in ein Gläschen mit extrastarker Mentholsalbe, das ich immer in der Handtasche hatte, weil die Salbe den Obduktionsgeruch überlagerte. Der Tod riecht übel, und verweste Leichen sind am schlimmsten.

Seit wir vor ein paar Jahren einen an sich wasserdichten Mordfall verloren haben, achten wir penibel darauf, dass auch nicht der geringste Verdacht einer Kontamination aufkommt. Der Verteidiger, ein teurer Anwalt aus Charlotte, hatte behauptet, dass forensische Beweismittel – die so belastend waren, dass sein Mandant unter normalen Umständen, nein, verdammt, unter allen Umständen schuldig gesprochen worden wäre – kontaminiert seien.

Sein Mandant war sympathisch. Weiß. Pfarrer. Er hatte eine hübsche Frau mit einem herzförmigen Gesicht und vier blonde, leicht hyperaktive Söhne, die während des Plädoyers im Gerichtssaal hinter ihm saßen. Sie trugen alle cremefarbene Anzüge und hellblaue Krawatten, die zu ihren blauen Augen passten.

Als der Staatsanwalt sprach, hörte ich einen Jungen den anderen flüsternd fragen: »Was ist Vergewaltigung?« Es war vollkommen unangebracht, dass sie im Saal waren. Doch Kinder zu beschützen war nicht die Aufgabe der Verteidigung. Diese Kinder waren Requisiten. Sie waren da, damit die Geschworenen in ihre altklugen blauen Augen blicken konnten, bevor sie ins Geschworenenzimmer gingen, um über das Schicksal ihres Vaters zu entscheiden.

Ihr Daddy, der Pfarrer, hatte eine junge Prostituierte vergewaltigt und sie dann erwürgt. Wir hatten Spuren seines Spermas auf ihrer Kleidung gefunden. Er hatte ein Kondom benutzt, doch ein paar Tropfen waren danebengegangen. Wir hatten Glück, seine DNA fand sich von einem Vergewaltigungsfall aus seiner Zeit auf dem College, der nie vor Gericht gekommen war, in den Akten. Diese Information war nicht für die Geschworenen bestimmt, doch sie half uns, ihn zu finden.

Er hatte einen guten Anwalt, der tat, was ein guter Strafverteidiger tut: Er streute allen Sand in die Augen. Er besorgte sich die Unterlagen aus dem rechtsmedizinischen Institut und stellte fest, dass an dem Nachmittag, als in zwei verschiedenen Laboren im selben Gebäude die Spuren vom Opfer und vom Beschuldigten untersucht worden waren, ein Mitarbeiter in beiden Laboren gewesen war.

Er besaß die Dreistigkeit, eine Kontamination des Beweismaterials als Argument vorzubringen. Die Geschworenen hatten förmlich einen Vorwand gesucht, ihn freisprechen zu können. Und der Verteidiger servierte ihnen diesen auf dem Silbertablett: berechtigter Zweifel. Er wusste, dass die Geschworenen lieber den Unschuldsbeteuerungen seines Mandanten glauben würden, als vier flachsköpfigen Jungen ihren Daddy wegzunehmen und sich der Tatsache zu stellen, dass selbst Pfarrer zu bestialischen Taten fähig waren.

Ich habe Staatsanwälte sagen hören, dass Geschworene forensischen Beweisen zu viel Gewicht beimessen, weil Fernsehserien sie glauben lassen, die Forensik besäße eine nahezu gottgleiche Macht. Dieser Prozess war so ein typischer Fall. Obwohl es sogar einen Zeugen gab, einen Tankwart, der das Opfer am Abend ihres Verschwindens im Auto des Pfarrers gesehen hatte. Der Verteidiger zerriss die Zeugenaussage des Mannes in der Luft, indem er auf dessen Vergangenheit als Drogensüchtiger herumritt. Eigentlich war der Fall eine todsichere Sache. Und doch war der Angeklagte – trotz der ausführlichen Aussage eines Zeugen und trotz erdrückender DNA-Beweise – als freier Mann aus dem Gerichtsgebäude spaziert.

Die internen Ermittlungen im Anschluss an den Prozess hatten ein sehr strenges Protokoll für den Umgang mit Spuren zur Folge gehabt. Keiner von uns wollte wegen einer beschissenen Verteidigungsstrategie noch einen Fall verlieren. Deswegen steckte ich von Kopf bis Fuß in Schutzkleidung aus Plastik, als ich den Sektionssaal betrat, in dem unter einem weißen Laken die Tote aus dem Kellers Way auf einem Tisch lag.

Um anzuzeigen, dass er meine Ankunft bemerkt hatte, blickte Mike kurz vom Computerbildschirm auf, wo er sich gerade Röntgenbilder ansah. Mike und ich arbeiteten schon lange zusammen, und ich wusste, dass er seinen Gedankengang nicht unterbrechen wollte.

Ich nutzte die Zeit, um mir die Sachen des Opfers anzusehen, die in einer langen Reihe von Asservatenbeuteln auf der Arbeitsfläche lagen. Auf jeder Plastiktüte stand mit Permanentmarker eine Nummer und die Beschreibung des Inhalts.

Im ersten Beutel war ein schwarzer linker Stiefel mit geschlossenem Reißverschluss von der Art, die bis knapp unters Knie reichen. Der rechte Stiefel befand sich in einem anderen Beutel daneben. Beide Schuhe waren zum Teil mit Matsch bedeckt, doch es war so viel von dem Leder zu erkennen, dass man ihre außergewöhnliche Qualität ausmachen konnte, vielleicht waren sie sogar handgenäht. Solche Stiefel waren nicht billig. Die Absätze waren dick. Stabil. Keine Stilettos. Dies waren keine modischen Stiefel.

In einem weiteren Asservatenbeutel befand sich eine Garnitur schwarzer Damenunterwäsche. Nichts Ausgefallenes. Ich hielt den Beutel unter das Licht einer der Leuchtstoffröhren an der Decke, um mir die Unterwäsche genauer anzusehen.

»Die Wäsche ist nicht vorsätzlich zerrissen worden«, sagte Mike, ohne den Blick vom Computerbildschirm zu lösen. »Wir überprüfen sie im Labor auf Spermaspuren.«

Der BH war eher maulwurfsgrau und voller Schmutzflecken. Eine weiße Bluse sah durch das Plastik der Tüte grau aus. In einem weiteren Beutel steckte eine rote Jacke, ein Einreiher mit Messingknöpfen am Revers und, soweit ich es erkennen konnte, ohne Etikett. Sie sah nicht aus, als wäre sie von der Stange. Ich schätzte, dass sie maßgeschneidert war.

Zwei goldene Ohrstecker mit Diamanteinsätzen waren ebenfalls in einen kleinen Asservatenbeutel gesteckt worden, und in einem weiteren befand sich eine goldene Halskette mit einem Halbedelsteinanhänger. Auch die Armbanduhr, die ich am Tatort gesehen hatte, war da, elegant und modisch. Ich machte mir Notizen, um die Besitztümer des Opfers mit den Vermisstenlisten abzugleichen.

»Keine Geldbörse, nehme ich an. Kein Ausweis?« Ich wandte mich an Mike. Die Frage war überflüssig. Er hätte mich sofort angerufen, wenn er etwas gefunden hätte, anhand dessen wir sie hätten identifizieren können. Er schüttelte den Kopf.

»Hast du den Zahnstatus überprüft?«

»Klar«, sagte er. »Viel hat der Zahnarzt da nicht gemacht, außer eine Zahnspange als Kind. Zwei kleine Füllungen. Die Weisheitszähne wurden ihr als Jugendliche gezogen. Bring mir die Zahnarztunterlagen potenzieller Opfer, dann können wir ihre Identität bestätigen.«

Das war das Problem mit dem Zahnstatus. Er nützte nur etwas, wenn man die Zahnarztunterlagen potenzieller Opfer zum Abgleichen hatte. Umgekehrt funktionierte es nicht so gut.

»Irgendwelche besonderen Merkmale am Körper?«

»Nichts Auffälliges.« Mike stand auf und schob seinen Hocker nach hinten. »Angesichts der Zeit, die nach unserer Schätzung verstrichen ist, ist noch überraschend viel Körpergewebe vorhanden. Aber wir haben nichts gefunden, was für ihre Identifizierung hilfreich wäre. Keine Tätowierungen oder Ähnliches. Im Laufe der Woche machen wir uns an die Gesichtserkennung.«

Er rollte, während er sprach, seine Werkzeugrolle aus und reihte seine Instrumente fein säuberlich neben der Leiche auf.

»Was ist mit der Kleidung? Gibt es da etwas, womit wir sie identifizieren könnten?«

»Die Etiketten waren zu verblasst, um sie noch zu lesen«, sagte er. »Dennis untersucht sie im Labor. Die goldenen Ohrringe haben übrigens achtzehn Karat.«

»Trug sie einen Ehering?«, fragte ich.

»Keine Ringe«, antwortete er, ohne aufzublicken. »Das Labor siebt diese Woche die Erde durch. Sie müssen vierunddreißig Säcke Erde durchsuchen. Sind noch Kollegen am Tatort?«

Ich nickte. Wir hatten über das Wochenende und an diesem Morgen Leichenspürhunde draußen. Die Spurensicherung suchte mit Metalldetektoren und Bodensonden einen größeren Bereich um den Leichenfundort ab, für den Fall, dass sich dort weitere Spuren oder womöglich gar Leichen fanden.

»Irgendeine Idee, wann sie gestorben ist?«

»Ich habe noch keinen endgültigen Zeitrahmen«, antwortete Mike. »Ich bezweifle, dass es weniger als fünf Jahre her ist. Es ist unwahrscheinlich, dass es mehr als zehn Jahre sind. Damit hast du ein Fenster von fünf Jahren, mit dem du vorerst arbeiten kannst. Konkreteres kann ich sagen, sobald wir die Testergebnisse haben.«

»Und ihr Alter?«

»Ihr Alter«, wiederholte er, als würde er zum ersten Mal darüber nachdenken. »Den Zähnen nach zu urteilen, würde ich Mitte dreißig schätzen. Vielleicht Anfang vierzig. Sie ist weiß, eventuell auch Hispanoamerikanerin.«

»Hast du schon eine Idee von der Todesursache, Mike?« Ich stellte die Frage, obwohl ich die Antwort bereits kannte.

»Es gibt nichts Offensichtliches.« Er zuckte die Achseln. »Sobald ich mit der Obduktion fertig bin und mir die Röntgenbilder gründlich angesehen habe, bekommst du eine Arbeitshypothese.« Das war die Standardantwort.

»Verdammt«, sagte ich leise.

»Tut mir leid, Mel«, sagte Mike, ohne aufzublicken. »Bei einer Leiche, die so stark verwest ist, würde ich nur im Dunkeln stochern, wenn ich dir etwas anderes sagen würde.«

Mike hob das Laken an. Das Opfer hatte die Beine an die Brust gezogen. Die rechte Hand der Frau lag über ihrem Gesicht.

»Die Körperhaltung deutet darauf hin, dass sie versucht hat, sich zu schützen, als sie umgebracht wurde«, sagte Mike.

Wer auch immer die Frau war, sie hatte gewusst, dass sie sterben würde.

Thriller 2019
Marlow. Signierte Ausgabe

Der siebte Rath-Roman

Berlin, Spätsommer 1935. In der Familie Rath geht jeder seiner Wege. Pflegesohn Fritz marschiert mit der HJ zum Nürnberger Reichsparteitag, Charly schlägt sich als Anwaltsgehilfin und Privatdetektivin durch, während sich Gereon Rath, mittlerweile zum Oberkommissar befördert, mit den Todesfällen befassen muss, die sonst niemand haben will. Ein tödlicher Verkehrsunfall weckt seinen Jagdinstinkt, obwohl seine Vorgesetzten ihm den Fall entziehen und ihn in eine andere Abteilung versetzen. Es geht um Hermann Göring, der erpresst werden soll, um geheime Akten, Morphium und schmutzige Politik. Und um Charlys Lebenstrauma, den Tod ihres Vaters. Und um den Mann, mit dem Rath nie wieder etwas zu tun haben wollte: den Unterweltkönig Johann Marlow.
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Eine andere Geschichte

Marlow, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
Sonntag, 28. Juli 1918

Das Gut liegt nicht allzu weit außerhalb der Stadt. Außerhalb von Marlow, einem kleinen, verschlafenen Nest im Mecklenburgischen, das sich nur deshalb Stadt nennen darf, weil es vor Hunderten von Jahren, aus Gründen, an die sich niemand mehr erinnert, irgendwann einmal die Stadtrechte erhalten hat. Das Meer ist nicht weit, doch die meisten Marlower haben es nie gesehen, die wenigsten sind überhaupt je aus ihrem Städtchen hinausgekommen. Bis der Krieg die jungen Männer in alle Himmelsrichtungen getrieben hat. Doch auch von den Soldaten, die Marlow dem Weltkrieg geopfert hat, haben nur die wenigsten das Meer sehen dürfen, der Großteil ist in Eisenbahnwaggons zur Front gekarrt worden, direkt in den Schlamm der Schützengräben, in dem die allermeisten dann auch verreckt sind.

So gesehen hast du Glück gehabt: Obwohl in Marlow geboren, bist du herausgekommen, hast einen großen Teil deiner Jugend am anderen Ende der Welt verbracht, die Zeit danach in der Schweiz, im Internat, und an der Universität. Dann kam der Krieg, auch für dich, doch du hast ihn überlebt, bislang, obwohl an der Ostfront, wohin es dich verschlagen hat, genauso gestorben wird wie an der Westfront.

Und nun hat ausgerechnet der Krieg dich wieder zurückgebracht; deine Sanitätskompanie ist von der Front ins Reservelazarett Pasewalk verlegt worden. Nicht Mecklenburg, sondern Pommern, aber nah genug, dass die Gerüchte dich erreichen konnten. Von der chinesischen Hure in Marlow und ihrem Bastard. Und dass Gott sie in seiner Gerechtigkeit gestraft habe mit einer schlimmen Krankheit.

Schon als du die Geschichte das erste Mal hörtest, hat sie dich elektrisiert, und als du dann nachgefragt hast, jedoch nichts Genaueres in Erfahrung bringen konntest, wusstest du, dass du hinfahren musst. Nach Marlow. Nach Altendorf.

Es ist bereits dunkel, als du das Gut erreichst. Du parkst vor dem Haupthaus und steigst aus dem Automobil. Während du wartest, dass jemand auf dein Klopfen reagiert, lässt du deinen Blick über den Hof wandern, der dir in den ersten Jahren deines Lebens so etwas wie Heimat gewesen ist und den du eigentlich niemals wiedersehen wolltest. So wenig wie du das Land hinter der Küste wiedersehen wolltest. Das Schicksal hält sich nicht immer an solche Pläne. Und der Krieg noch weniger.

Du hörst Schritte, und dann steht der alte Engelke in der Tür, eine Laterne in der Hand, und blinzelt den späten Besucher an. Engelke, der einzige, der Gut Altendorf immer treu geblieben ist, auch in den Jahren, als der Gutsherr in Tsingtau weilte, im Schutzgebiet Kiautschou.

Die Miene des Alten ist unergründlich, nur ein leichtes Zucken der Augenbrauen verrät dir, dass er dich erkannt haben muss, doch ob diese Regung Erschrecken ausdrückt, ob sie Überraschung zeigt oder etwas völlig anderes, vermagst du nicht zu sagen.

Für einen Moment glaubst du, Engelke werde die Tür sofort wieder zuschlagen. Dann aber macht der Alte den Mund auf.

»Der junge Herr! Welche Überraschung! Ich wusste gar nicht, dass Sie …«

»Ist sie hier?«

»Wie meinen?«

»Sie ist hier, nicht wahr? Er hat sie aus Tsingtau mitgebracht! Ich weiß es.«

»Sie sollten mit Ihrem Herrn Vater reden, junger Herr, ich werde …«

Du drängst dich an dem Alten, der vergeblich versucht, dich aufzuhalten, vorbei in die Halle.

»Sag mir, wo sie ist, Engelke! Bring mich zu ihr!«

»Nicht hier, Herr, nicht hier.«

Engelke zerrt dich am Ärmel wieder aus der Halle, ihr verlasst das Haus. Vor der Tür deutet der Diener mit seiner Laterne quer über den Hof, als wäre es ihm peinlich.

Nicht zu glauben. Vater hat sie mit nach Deutschland genommen, doch er lässt sie nicht im Herrenhaus wohnen. Nicht einmal jetzt, wo sie krank ist. Du nimmst dem Alten die Laterne ab und stiefelst zu den Gesindehäusern hinüber, die sich im Mondschatten des Herrenhauses ducken wie schüchterne Kinder. Bevor du das erste Haus erreichst, zerschneidet ein unmenschlich hoher Schrei die Nacht. Du erstarrst für einen Moment, dann läufst du umso schneller, läufst über den Hof, hinüber zu dem kleinen Häuschen, aus dem der Schrei gekommen ist, und stürzt hinein ohne anzuklopfen.

Sie liegt in der Schlafkammer, im Schein einer Petroleumlampe. Ihr Sohn, von dem du schon gehört, den du aber nie gesehen hast, sitzt neben dem Bett und hält ihre Hand, schaut auf, als du den Raum betrittst. Ihr Gesicht glänzt vor Schweiß und ist vom Schmerz gezeichnet. Kaum zu glauben, dass sie gerade einmal Mitte dreißig ist, so zerfurcht wirken ihre Züge, so tief haben sich die Falten in ihre Haut gegraben. Und doch schimmert ihre Schönheit durch all dieses Leid hindurch.

»Du bist es«, sagt sie, und es hört sich an, als traue sie ihren Sinnen nicht.

Ihr Deutsch ist makellos, ohne jeden Akzent, das hat dich früher schon erstaunt. Gleichwohl hat sie es nie geschafft, dir auch nur ein einigermaßen passables Mandarin beizubringen, obwohl genau das ihre Aufgabe war.

Du hast geglaubt, sie nie wiederzusehen, aber vergessen hast du sie nie.

»Chen-Lu«, sagst du und nimmst ihre Hand. »Was ist mit dir? Du bist krank.«

»Entschuldige. Aber manchmal tut es so weh!«

Und ihr schmerzzerfurchtes, schweißglänzendes Gesicht bringt tatsächlich ein Lächeln zustande. Sie schaut den Jungen an. »Geh schlafen, Kuen-Yao«, sagt sie. »Der Mann hier ist ein guter Freund.«

Der Junge schaut dich an, mit einer Mischung aus Misstrauen und Zuneigung. Über seine unergründlich dunklen Augen huscht ein kleiner Schimmer der Hoffnung. Dann steht er auf und verlässt den Raum.

»Dein Sohn?«

Sie nickt.

»Ein hübscher Junge.«

»Nicht wahr?« Sie lächelt. »Ach, Magnus! Ich mache mir Sorgen um ihn. Wer soll sich um ihn kümmern, wenn ich nicht mehr da bin? Er ist erst elf.«

»Red doch nicht so.«

»Doktor Erichsen sagt, man kann es nicht heilen. Es ist in der Leber. Es wuchert überall.«

Du lässt dir dein Erschrecken nicht anmerken. »Warum ist der Doktor nicht hier?«, fragst du. »Welche Medizin gibt er dir?«

Ihr Blick weist zum Nachttisch. Dort liegt ein Röhrchen Aspirin neben einem Wasserglas.

»Das ist ein Witz! Du brauchst stärkere Schmerzmittel.«

»Ach, es hilft doch eh nichts mehr.« Wieder lächelt sie. »Wie schön, dass du hier bist. Ich dachte, ich würde dich nie wiedersehen.«

Du nimmst ihre Hand. »Ich bin Arzt«, sagst du. »Das heißt: Noch nicht ganz. Sanitätsfeldwebel, das Studium muss ruhen, wenn das Vaterland ruft. Aber ich weiß, was dir hilft. Ich … Warte!«

Du gehst hinaus zum Auto. In deiner Arzttasche, die du immer mit dir führst, muss noch eine Ampulle sein. Das wichtigste Medikament, das ihr im Krieg habt. Als du in die Stube zurückkehrst, merkst du, dass sie wieder Schmerzen leidet und den Schrei nur mit Mühe unterdrücken kann. Du beeilst dich, die Spritze aufzuziehen. Ihre Haut ist so dünn und durchscheinend, dass du nicht einmal nach der Vene tasten musst. Du kannst förmlich zusehen, wie das Morphin sich in ihrem Körper ausbreitet und den Schmerz vertreibt. Die verkrampften Muskeln lösen sich, die Anspannung weicht aus ihrem Gesicht.

»Es wird alles gut«, sagst du, obwohl du weißt, dass es nicht stimmt.

Sie nickt. Obwohl sie weiß, dass du lügst.

Ihre Gesichtszüge werden immer entspannter, ihr Lächeln so gelöst, dass man meinen könnte, sie sei auf dem Weg der Genesung. Aber das ist sie nicht. Sie spürt lediglich keine Schmerzen mehr.

Mehr kannst du nicht für sie tun. Kann niemand für sie tun. Und Doktor Erichsen, dieser Quacksalber, hat ihr selbst das verweigert. Vielleicht auch nur, weil es ihm niemand bezahlen will. Aspirin! Wie lächerlich! Dieser Dreckskerl hätte Chen-Lu einfach elendig und qualvoll verrecken lassen.

Du streichelst ihr die Stirn und bleibst am Bett sitzen, bis sie in den Schlaf fällt. Bevor du das Haus verlässt, schaust du noch nach dem Jungen. Auch der schläft tief und fest. Wieviel Schlaf die Krankheit den beiden wohl schon geraubt hat?

Du bringst die Arzttasche zurück ins Auto und gehst zum Herrenhaus. Diesmal klopfst du nicht, du öffnest die schwere Tür und gehst hinein, die Laterne leuchtet dir den Weg. Du findest deinen Vater im Salon, die Füße hochgelegt, derweil Engelke ihm gerade Wein nachschenkt.

»Magnus«, sagt er und richtet sich auf, »kommst du doch noch zu mir! Und ich dachte schon, die kleine Hure ist dir wichtiger als der eigene Vater.«

Du fragst dich, ob der Alte immer schon so zynisch und verbittert war oder ob ihn erst der Tod seiner Frau, nur wenige Monate nach eurem Eintreffen in China, zu dem misanthropischen Ekel gemacht hat, das jetzt vor dir sitzt. Das letzte Mal gesehen hast du ihn vor zehn Jahren ungefähr. Im Schutzgebiet, im Hafen von Tsingtau. Friedrich Larsen winkte nicht einmal, als sein Ältester an Bord des Dampfers ging, der ihn zurück nach Europa und ins Internat bringen sollte, weit weg von jeglicher Versuchung, weit weg von der jungen Frau, in die sich der Sechzehnjährige bis über beide Ohren verliebt hatte.

Vielleicht ist Vater tatsächlich beleidigt, dass sein Ältester ihn seither niemals besucht hat. Nicht einmal, als der kaiserliche Forstinspektor Friedrich Larsen wenige Monate nach Kriegsausbruch von japanischen Truppen aus dem Schutzgebiet vertrieben wurde und nach Mecklenburg zurückkehren musste. Das alles hast du erst viele Monate später aus einem knapp gehaltenen Feldpostbrief erfahren. Auch, dass deine Brüder inzwischen eingezogen waren. Nach wenigen Monaten gefallen sind. Aber dass sie Chen-Lu mit nach Deutschland genommen haben, das hat dir der Alte verschwiegen.

Und jetzt sitzt er da und trinkt, gibt unflätige Bemerkungen von sich, trinkt und lacht, während nebenan ein Mensch dem Tod entgegensieht.

»Warum bringt ihr sie nicht ins Herrenhaus? Warum ist Doktor Erichsen nicht hier? Sie hat Schmerzen!«

»Ins Herrenhaus? Mein Gott, Magnus, sie ist keine Larsen, sie ist eine Bedienstete. Natürlich bleibt sie im Gesindehaus. Ihr Geschrei ist auch so schon laut genug.«

»Sie liegt im Sterben, verdammt!«

»So ist das eben. Wenn der Herr beschlossen hat, eines seiner Schäfchen zu sich zu holen, was kann der Mensch da …«

»Halt deinen Mund, ich kann dein bigottes Gerede nicht ertragen! Redest du so auch über deine Söhne, die im Krieg geblieben sind?«

Friedrich Larsen erhebt sich aus seinem Sessel und greift zu einem Krückstock. Das Gehen fällt ihm schwer.

»Bigott?«, sagt er, als er vor seinem Ältesten steht. »Wer hat sich denn all die Jahre um sie gekümmert? Hat den Scherbenhaufen zusammengekittet, den der liebe Herr Sohn hinterlassen hat?«

»Du hast mich weggeschickt! Ans andere Ende der Welt!«

Der Alte tritt ganz nah an dich heran, so nah, dass du den Alkohol riechen kannst.

»Wenn dir immer noch so viel an der kleinen Hure liegt«, zischt Friedrich Larsen, »dann kümmere dich doch selbst um sie. Und ihren kleinen Bastard. Aber dieses Haus betrittst du nie wieder! Verstanden?« Und damit weist er zur Tür. »Geh! Verschwinde! Ich will dich nicht mehr sehen.«

Du drehst um und würdigst deinen Vater keines weiteren Blickes.

Du weißt, du wirst dein Elternhaus nie wieder betreten. Du weißt, du wirst wiederkommen.



Erster Teil

Samstag, 24. August, bis Samstag, 31. August 1935


1

Als Gerhard Brunner aus dem Bahnhof trat und in den wolkenbetupften Spätsommerhimmel blickte, fühlte er sich, als sei er gerade erst in der Stadt angekommen. Und ein bisschen so war es ja auch: Der Mann, der da auf dem Askanischen Platz stand, wie aus dem Ei gepellt in seinem sommerhellen Dreiteiler, sah völlig anders aus als der, der den Bahnhof gut zehn Minuten zuvor betreten hatte. Brunner genoss dieses Gefühl. Ein anderer zu sein. Vielleicht hatten sie ihn auch deshalb für diese Aufgabe ausgewählt. Weil er es liebte, in die Haut eines anderen zu schlüpfen, weil er es so glaubhaft erscheinen ließ, ein anderer zu sein. Dass er einen Schlag bei Frauen hatte, spielte natürlich auch eine Rolle. Aber das Entscheidende war die absolute Vertrauenswürdigkeit, die er ausstrahlte.

Auch Irene vertraute ihm, und das war das Wichtigste, wichtiger noch als ihre Liebe, die allein nichts ausgerichtet hätte. Liebe machte blind, aber sie löste niemandem die Zunge, das vermochte allein das Vertrauen. Brunner hatte viel Zeit und Geduld investiert, um Irenes Vertrauen zu gewinnen, und jetzt zahlte sich das endlich aus. Führte aber auch zu ungeahnten Schwierigkeiten. Bei ihrem letzten Treffen hatte sie tatsächlich das Thema Heirat angesprochen, vorsichtig zwar, aber unmissverständlich. So war das wohl in der heutigen Zeit, in der Frauen sich nicht schämten, auch selbst die Initiative zu ergreifen. Er war nicht darauf eingegangen, aber er hatte die Sache am nächsten Tag gleich mit seinem Vorgesetzten besprochen, und der hatte sich bereiterklärt, die nötige Summe für einen Verlobungsring bereitzustellen. Eine Investition, die sich auszahlen dürfte. Die Frage war nur, wie lange Brunner die Hochzeit würde hinauszögern können. Denn dazu war er, bei aller Liebe, nun doch nicht bereit.

Er kramte ein paar Münzen aus seinem Portemonnaie. Von einer der Blumenfrauen, die im Schatten der Vorhalle ihre Ware feilboten, erstand er einen hübschen Strauß roter Rosen, dann machte er sich, die Blumen in der Hand, die Aktentasche unterm Arm, auf den Weg zum Taxistand.

Der Lindwurm der wartenden Kraftdroschken glänzte in der Sonne. Brunner steuerte den ersten Wagen in der Reihe an, doch dessen Fahrer winkte ab, der zweite ebenso, der dritte wickelte gerade eine Stulle aus dem Butterbrotpapier und bedachte den an die Scheibe klopfenden Fahrgast mit einem Achselzucken. Berliner Taxifahrer waren eigen, diese Erfahrung hatte Brunner schon oft genug machen dürfen: Wenn sie eine Pause einlegen wollten, dann machten sie die und ließen sich dafür im Zweifel sogar eine Fuhre durch die Lappen gehen.

Weiter hinten in der Reihe stand ein Chauffeur neben seiner Kraftdroschke und winkte. Na also, dachte Brunner. Der Mann wirkte trotz seiner einladenden Geste zwar nicht gerade freundlich, doch war Freundlichkeit auch eine Gabe, die man von einem Berliner Taxifahrer nicht unbedingt erwarten durfte. Hilfsbereit war der Mann gleichwohl, er lüftete seine Chauffeursmütze und öffnete dem Fahrgast beflissen die Tür. Brunner warf die Aktentasche in den Fußraum und ließ sich in die Lederpolster fallen. Den Blumenstrauß legte er neben sich auf die Rückbank.

»Wilmersdorf«, sagte er, als der Taxifahrer hinter dem Steuer saß. »Rüdesheimer Platz.«

Der Fahrer nickte, startete den Motor und legte den Gang ein. Brunner lehnte sich zurück, nestelte eine Ernte 23 aus der Schachtel und steckte sie an.

Gemächlich zockelte das Taxi die Möckernstraße hinunter, in einem Schneckentempo, das Brunner nervös machte. Er hatte es wirklich nicht eilig, nicht sonderlich jedenfalls, doch ein solches Geschleiche konnte er einfach nicht ertragen. Normalerweise hetzten Berliner Taxifahrer durch die Straßen ihrer Stadt, als seien sie auf der Flucht, doch dieser hier fuhr, als wäre er auf dem Weg zu seinem Zahnarzt und wolle am liebsten niemals ankommen.

Brunner klopfte gegen die Trennscheibe. »Drücken Sie ruhig mal ein bisschen auf die Tube«, sagte er, im freundlichsten Tonfall, zu dem er trotz seiner Gereiztheit imstande war. »Soll Ihr Schaden nicht sein.«

Der Fahrer reagierte nicht. Weder sagte er etwas, noch fuhr er schneller. Mit sturem Blick unterquerte er die Hochbahn am Landwehrkanal. Die Fahrbahn der Möckernbrücke vor ihnen war völlig frei und bot keinerlei Anlass, sie mit höchstens zwanzig Stundenkilometern zu überqueren. Sie wurden so langsam, dass sie sogar von einem Radfahrer überholt wurden, dann von einer anderen Kraftdroschke, und Brunner wünschte sich, er säße im überholenden Taxi und nicht in diesem. Warum nur war er ausgerechnet an diesen Lahmarsch geraten? Irene konnte ruhig eine Weile warten, so etwas schadete nicht, er wusste, dass sie ihn umso inniger empfangen würde, wenn er sich ein wenig verspätete. Wichtiger war es, die Post noch rechtzeitig vor der nächsten Leerung am Rüdesheimer Platz einzuwerfen. Er nutzte den Briefkasten dort, so oft es ging; die Kästen in der Nähe des Büros und rund um den Anhalter Bahnhof waren nicht sicher. Das Forschungsamt hörte nicht nur Telefone ab.

»Haben Sie Petersilie in den Ohren, Mann?«, herrschte er den Fahrer an. »Nun fahren Sie schon schneller! Wofür bezahle ich Sie eigentlich?«

Der Fahrer drehte sich kurz um und schaute ihn an, wachsbleich im Gesicht, Schweißperlen auf der Stirn, dabei war es gar nicht mehr warm, die Sonne war hinter den Wolken verschwunden.

»Oder geht es Ihnen nicht gut?«, fragte Brunner.

»Wie?«

Die Stimme des Fahrers klang heiser und, ganz im Gegensatz zu seiner Fahrweise, seltsam gehetzt, fast hektisch.

»Sie sehen krank aus. Wenn Sie sich nicht wohl fühlen, fahren Sie doch rechts ran und ruhen sich aus. Ich finde schon eine andere Taxe.«

»Nein, nein!«

Der Fahrer schüttelte den Kopf, derart energisch, als könne er sich alles vorstellen, nur eines nicht: rechts ranzufahren und seinen Fahrgast wieder aussteigen zu lassen.

Und endlich, endlich gab er nun Gas. Das Taxi beschleunigte spürbar, Brunner wurde in den Sitz gedrückt. Sie wurden schneller und schneller. Der Taxifahrer schaltete hoch und trat das Gaspedal durch. In halsbrecherischem Tempo rasten sie die Möckernstraße hinunter, dass die Bäume am Straßenrand nur so an ihnen vorbeiflogen. Instinktiv hielt Brunner seinen Hut fest, obwohl das Verdeck geschlossen war. An was für einen Fahrer war er hier verdammt noch mal geraten? Schnecke oder Windhund, und dazwischen gab es nichts?

Die Ampel an der Yorckstraße kam in Sicht. Sie sprang gerade auf Rot um, doch der Fahrer machte keinerlei Anstalten, sein Tempo zu verringern.

»Bremsen Sie, Mann! Wir haben Rot!«

Brunner klang panischer, als er wollte, er war dabei, die Beherrschung zu verlieren. Er trat mit seinem Fuß auf eine Bremse, die gar nicht da war, als könne er den Wagen so zum Stehen bringen, doch der überfuhr die rote Ampel und bog auf die Yorckstraße. Autos hupten, es grenzte an ein Wunder, dass sie mit keinem anderen Fahrzeug kollidierten.

Brunners Erleichterung darüber währte nur kurz, denn sein Fahrer gab wieder Gas und raste auf die Yorckbrücken zu. Die Panik kehrte in dem Moment zurück, als Brunner merkte, dass sie die Rechtskurve niemals schaffen würden, die sie nehmen mussten, um dem Verlauf der Straße zu folgen. Der Fahrer machte nicht einmal Anstalten, die Kurve zu fahren, stattdessen steuerte er das Taxi quer über den Fahrdamm durch den Gegenverkehr, löste ein weiteres Hupkonzert aus und nötigte einen Passanten auf dem Gehweg zum Hechtsprung.

»Bremsen Sie doch, Mann! Sind Sie wahnsinnig?«

Brunners Stimme überschlug sich, doch der Fahrer antwortete nicht. Und er bremste nicht. Saß mit weit aufgerissenen Augen und verzerrtem Gesichtsausdruck hinter dem Lenkrad, das er festhielt wie im Krampf und keinen Millimeter bewegte. Bevor Brunner sich erklären konnte, was zum Teufel da gerade passierte, spürte er den Schlag, den der Bordstein ihrem Taxi versetzte, und dann sah er auch schon die Mauer auf sich zukommen, eine jener gelb-roten preußischen Klinkermauern, die er so hasste und von denen es in dieser Stadt so viele gab. Er öffnete die Tür, als gebe es noch irgendein Entkommen, obwohl er ahnte, dass es bereits zu spät war. Den Türgriff in der Hand wandte er den Blick von der heranrasenden Mauer im letzten Moment ab, als könne er das unerbittliche Schicksal durch Wegschauen doch noch besiegen. Das Letzte, was er in seinem Leben sehen sollte, war der Blumenstrauß auf dem Rücksitz, der ihm einen eigentümlichen Trost spendete.


2

Es war einfach nur ekelhaft.

Charly wollte eigentlich gar nicht hinsehen, aber der rote Schaukasten befand sich nun einmal direkt gegenüber der Volksbadeanstalt, und in der Spiegelung des Glases konnte sie unauffällig beobachten, was auf der anderen Straßenseite geschah.

Hinter dem Glas jedoch hing die aktuelle Ausgabe des Stürmer aus, und die dicken Buchstaben der Schlagzeilen und der antisemitischen Parolen sprangen sie an wie kleine Vampire, die ihre giftigen Zähne in ihre Gedanken schlagen wollten.

Wer gegen den Juden kämpft, ringt mit dem Teufel!

Geht nur zu deutschen Ärzten und Rechtsanwälten!

Ohne Lösung der Judenfrage keine Erlösung des deutschen Volkes!

Es war wie bei einem schrecklichen Verkehrsunfall: Sie schaute hin, obwohl sie eigentlich nicht hinsehen wollte.

Las die Schlagzeile. Jud Rennert – Der Rassenschänder in Mannheim – Wie er die Notlage einer deutschen Frau ausnützen wollte – Vom Schäferstündchen ins Konzentrationslager

Und dann die Karikatur auf der Titelseite, die einen mit allen antisemitischen Klischees ausgestatteten unrasierten und offensichtlich wollüstigen Juden an der Hotelrezeption zeigte, in Begleitung einer deutlich jüngeren blonden Frau, und darunter den Text: Keine Angst, Kindchen, lass mer nur machen, a Hotel is schließlich ka Rasseforschungsinstitut, es genügt hinzuschreiben »verheiratet« und es Paradies steht uns offen.

Neben Charly standen Menschen, die diesen antisemitischen, pornographischen und denunziatorischen Schund wirklich lasen und offensichtlich ernst nahmen. Mit zustimmendem Nicken Artikel für Artikel lasen. Und das im roten Wedding.

Da endlich kam die Frau, auf die sie gewartet hatte. Pünktlich wie jeden Sonnabend. Dunkelblauer Rock, grüner Hut. Ging die backsteinerne Fassade entlang, deren strenge Architektur auf den ersten Blick an ein Gefängnis erinnerte, hinter der sich jedoch, wie die Buchstaben über den beiden Eingängen verrieten, die Volksbadeanstalt Wedding verbarg. Verschwand dann im Gebäude, nachdem sie sich noch einmal umgesehen hatte.

Charly wartete einen Moment, bevor sie hinüberging. Ganz wohl war ihr nicht bei der Sache, zu groß war die Gefahr entdeckt zu werden, doch ihr Klient bestand darauf. Nachdem sie im Stillen und mit geschlossenen Augen einmal bis hundert gezählt hatte, überquerte sie die Straße und betrat die Badeanstalt durch den rechten Eingang, den für die Damen. Eine unangenehme Schwüle und ein stechender Geruch empfingen sie. Und eine ganz in weiß gekleidete Frau, die im Kassenkabuff saß und ihr ebenso erwartungsvoll wie unfreundlich entgegenblickte.

»Einmal bitte«, sagte Charly und zückte ihr Portemonnaie.

»Einmal wat? Schwimmen? Baden? Brausen?«

Die Frau hinter der Glasscheibe erinnerte mit ihrer stämmigen Gestalt eher an eine Gefängniswärterin als an eine Bademeisterin. Und so hörte sie sich auch an.

»Muss ich das hier entscheiden?«, fragte Charly. »Kann ich nicht einfach rein?«

»Kommt drauf an, wieviel Jeld Sie ausjeben wollen. Schwimmhalle is teurer als Wannenbad, Wannenbad teurer als Brausebad. Aber bei Schwimmhalle is Brause inklusive. Ohne Abbrausen dürfen Se jar nich ins Wasser.«

»Soso.«

»Und? Wat darf’s denn sein?«

»Das ist mir jetzt irgendwie peinlich.« Charly schaute sich um, als sei sie noch nie in ihrem Leben in einer Badeanstalt gewesen. »Aber ich bin mit einer Freundin hier verabredet … Weiß nur nicht genau wo.«

Die Frau an der Kasse sagte nichts, sie guckte nur streng.

»Martha müsste vor wenigen Augenblicken erst gekommen sein«, fuhr Charly fort, »hab sie noch hier reingehen sehen. Hab auch gerufen, aber da war sie schon drinne.« Sie schaute sich um. »Und nun ist sie nirgends zu sehen.«

»Jerade eben hier rin?« Ein kleiner Schleier des Misstrauens huschte über das Gesicht der Frau; sie schaute Charly prüfend an, ehe sie antwortete. »Is Ihre Freundin so ’ne hübsche Blonde?«

Charly nickte und lächelte.

»Die kommt jeden Sonnabend.« Die Kassenfrau riss eine Karte von der Rolle. »Einmal Wannenbad also. Um zusammen zu baden, dafür sind Se aber zu spät. Ick könnte Ihnen die Kabine nebenan jeben.«

»Das wäre nett.«

»Brauchen Se ’n Handtuch?«

»Äh, ja … bitte.«

»Denn macht det dreißich Pfennije.«

»Bitte.« Charly legte die Münzen in die Durchreiche und bekam im Gegenzug ein weißes Handtuch, eine Eintrittskarte und einen Schlüssel, der mit einer Nummer versehen war.

»Kabine hundertfuffzehn, erstet Oberjeschoss. Die Kollegin zeicht Ihnen den Weg. Is direktemang neben Ihre Freundin. Da können Se sich wenigstens unterhalten, während Se im Wasser liegen.«

Mit dem Handtuch auf dem Arm war Charly schon unterwegs zum Treppenhaus, als sie noch einmal gerufen wurde.

»Frollein?«

»Ja?«. Sie drehte sich um.

»Kenn ick Sie nich irjendwoher?« Die Frau an der Kasse musterte sie eindringlich. »Na sicher, Sie sind bei Blum und Scherer, nich wahr? Anwaltsjehilfin, stimmt’s?«

Charly fühlte sich ertappt, aber sie ließ sich nichts anmerken. Sie nickte. Und lächelte.

»War mal bei Ihnen«, fuhr die Kassenfrau fort. »Wejen unsere Mieterhöhung. Wissen Se noch? Der Doktor Scherer hat uns da sehr jeholfen.«

»Freut mich.«

»Jrüßen Se man schön, den Herrn Doktor.«

»Gerne. Von Frau …«

»Schwaak. Else Schwaak.« Sie lächelte. »Kommen Se nächstes Mal zusammen mit Ihre Freundin, dann kriegen Se ’ne jemeinsame Kabine. Spart baret Jeld.«

Sie zwinkerte verschwörerisch, als habe sie gerade Geheimwissen verraten.

Charly drehte wieder um. Als sie die Treppen hochstieg, endlich außer Sichtweite der Kassenfrau, fluchte sie leise vor sich hin. Das war nur passiert, weil diese dämliche Observierung sie in die Nähe der Kanzlei führte! Ausgerechnet einer Mandantin von Blum & Scherer über den Weg zu laufen!

Die Bademeisterin, die sie oben empfing, die Karte kontrollierte und ihr die richtige Kabine zuwies, war weniger redselig. Dafür jünger und hübscher als ihre Kollegin an der Kasse.

»Ick klopfe, wenn Ihre Zeit abjeloofen is. Denn haben Se noch fünf Minuten.«

Das war alles, was sie sagte, als sie Kabine 115 öffnete.

Charly nickte und schloss ab. Während das Wasser in die Wanne lief, schaute sie sich um. Einfache Holzwände trennten die Badekabinen voneinander, Wände, die nicht zum Boden reichten, sondern aufgeständert waren und eine Lücke von einigen Zentimetern ließen, damit man den Fliesenboden besser wischen konnte.

Das einlaufende Wasser machte anständig Lärm. Charly hockte sich auf den Boden und lugte durch den Spalt zu ihrer Linken. Auf dem hölzernen Hocker neben der Wanne lagen ordentlich gefaltete Kleidungsstücke. Sie erkannte den dunkelblauen Rock wieder, den sie eben noch im spiegelnden Glas des Stürmerkastens gesehen hatte. Bis der Rock mit seiner Trägerin im Volksbad verschwunden war, wie jeden Sonnabend. Was Charly bereits gewusst hatte, bevor es die Kassenfrau ihr verraten hatte.

Die Sonnabendnachmittage waren die einzigen dunklen Flecken, die es im Leben von Martha Döring noch gab. Ansonsten wussten sie mehr oder weniger lückenlos Bescheid über den Alltag und die Gewohnheiten der Frau, einer hübschen Mitdreißigerin. Über eine Stunde verbrachte sie jeden Sonnabend in der Badeanstalt, und niemand wusste, was sie dort tat. Dass sie ausgerechnet dort den heimlichen Liebhaber traf, dessen Siegmund Döring, ihr Ehemann, sie verdächtigte und dessentwegen er die Detektei Böhm engagiert hatte, das hielten weder Charly noch ihr Chef Wilhelm Böhm für wahrscheinlich, so streng wurden die Geschlechter hier voneinander getrennt; es gab sogar zwei Schwimmhallen, eine große für die Herren, eine kleinere für die Damen. Deswegen hatten sie bei ihren bisherigen Observierungen immer geduldig im Café gegenüber gewartet, bis Martha Döring wieder aus der Badeanstalt gekommen war, und hatten die Beobachtung erst dann wieder aufgenommen.

Doch das reichte Siegmund Döring nicht. Bei seinem jüngsten Besuch hatte der eifersüchtige Ehemann darauf bestanden, seiner Frau ins Bad zu folgen, also hatte Charly diese Aufgabe übernommen.

Sie holte die kleine Kamera aus der Handtasche und ihren Schminkspiegel, legte den Spiegel auf den Boden und probierte so lange herum, bis der Winkel stimmte und sie die Nachbarkabine, den Stuhl mit der Kleidung und die Kabinentür im Blick hatte, ohne sich auf den Boden hocken zu müssen. Dann setzte sie sich auf den Wannenrand und spannte die Kamera.

Charly kam sich schäbig vor, aber was sollte sie tun? Sie hatte die Spesenrechnung um dreißig Pfennige erhöht, nun brauchte sie auch Beweismaterial. Und wenn es eben der Beweis wäre, dass Martha Döring sich einmal in der Woche ausgiebig ihrer Körperpflege widmete. Vielleicht gab ihr eifersüchtiger Klient dann endlich Ruhe. Charly fand den Kerl unerträglich, aber Männer wie Siegmund Döring brachten der Detektei Böhm nun einmal das Geld.

Die Wanne war beinahe voll, und Charly drehte den Wasserhahn zu. Das Nachplätschern der letzten Tropfen erinnerte sie daran, dass es ratsam wäre, ein paar Geräusche zu machen, die vortäuschten, dass auch in Kabine 115 jemand in der Wanne lag. Sie zog Schuhe und Strümpfe aus und planschte ein wenig herum. Danach musste sie erst einmal das Kameraobjektiv wieder freiwischen. Auch der Spiegel auf dem Boden war beschlagen.

Sie lauschte. Aus der linken Kabine war leises Plätschern zu hören und noch leiseres Summen. Martha Döring schien sich wohlzufühlen. Und Charly saß in der Kabine nebenan auf dem Wannenrand, in der Hand einen Fotoapparat, und fühlte sich völlig fehl am Platz. Vielleicht wäre es sinnvoller, die gut zwanzig Minuten, die ihr noch blieben, für ein Wannenbad zu nutzen und den Fotoapparat wieder einzupacken.

Die warme feuchte Luft machte sie schläfrig, bis ein Klopfen sie hochschrecken ließ. War ihre Zeit etwa schon abgelaufen? Nein, das kam von nebenan, in der Nachbarkabine regte sich etwas. Sie hörte ein Poltern und Plätschern: Martha Döring stieg aus der Wanne.

Charly schaute in den Schminkspiegel und konnte nasse nackte Beine sehen. Hörte, wie der Riegel zurückgeschoben wurde, sah, wie die Tür sich öffnete, dann ein weiteres Paar Beine, Stoffschuhe mit Gummisohle, den Saum eines weißen Kittels. Sie rutschte vom Wannenrand, versuchte, einen günstigeren Blickwinkel zu finden, um das Gesicht der Besucherin zu erkennen. Es war dieselbe Bademeisterin, die ihr die Kabine zugewiesen hatte.

Musste man hier nachlösen, wenn man zu lange badete? Das fragte sich Charly noch, da sah sie, wie die Bademeisterin die Kabinentür wieder zuzog und verriegelte. Von innen.

Die nackten Füße und die weiß beschuhten standen sich für eine Weile gegenüber. Charly lauschte angestrengt, doch kein Wort wurde gesprochen. Sie brachte die Kamera in Anschlag.

Und sah durch den Sucher, was die beiden Frauen machten.

Es war nicht das, was Charly erwartet hatte. Eigentlich hatte sie überhaupt nichts erwartet an diesem Ort. Hatte den Fall für abgeschlossen gehalten, die Eifersucht ihres Klienten für krankhaft und seinen Verdacht für Einbildung. Aber es war keine Einbildung. Martha Döring betrog ihren Siegmund tatsächlich. Allerdings nicht mit einem anderen Mann.

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»Ich habe die Wut gespürt, die seinen Wahn nährt. Kein Stolz, kein Hochmut, wie sein mörderischer Vorgänger. Nur unberechenbare Wut.«Ibsen BachZwei Regierungsstädte.Zwei grausame Verbrechen.Ein dunkles Geheimnis.Eiskalt und tödlich.Ibsen ist nur noch ein Schatten des einst so brillanten und geschätzten Profilers Ibsen Bach, seit ihm vor fünf Jahren ein Unfall seine Frau Lara nahm und seine Karriere beendete. Mit den Folgen seiner Verletzungen kämpfend pflegt er im Innenministerium in Berlin Daten ein. Eines Tages wird am Tatort eines grausamen Verbrechens eine Postkarte für Ibsen gefunden, die Bezug nimmt auf eine Reihe von Morden, die einige Jahre zuvor in Berlin begangen wurden. Ibsen wird in den aktiven Polizeidienst zurückgeholt. Gleichzeitig recherchiert die Russin Leonela Sorokin, eine investigative Bloggerin in Moskau, in einer alten Vermisstensache und sticht in ein Wespennest, denn beide Fälle sind durch dasselbe dunkle Geheimnis verbunden …Der Thriller »Die Akte Rosenrot« von Bestseller-Autorin Astrid Korten ist der Auftakt zu einer Serie um den Ermittler Ibsen Bach.
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