Der letzte Whisky im »Revolverblatt«
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Mittwoch, 01. Oktober 2014 von


»Der letzte Whisky« im »Revolverblatt«

Schotten dicht - Mord im Whisky-Milieu

Ein Leichenfund rüttelt die eingeschworene Gemeinde der schottischen Insel Islay auf. Prof. Dr. Dr. Bietigheim ermittelt – und stößt auf eine Mauer des Schweigens.

Schottland im 16. Jahrhundert. Die hohe Kunst der Destillation ist weit verbreitet. Der Whisky erfreut sich dank seiner wohltuenden Wirkung großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Als die Gerste knapp wird, erklärt der schottische Adel das Brennen von Whisky zum Privileg für die Oberschicht – jedoch ohne die Rechnung mit dem einfachen Mann zu machen. Die sturen Schotten sind nicht bereit auf ihren Whisky zu verzichten. Illegale Brennereien schießen im ganzen Land, vor allem in den Highlands, wie Pilze aus dem Boden. Es ist die Geburtsstunde der Schwarzbrennerei und der Beleg: Ein guter Whisky war schon immer ein Verbrechen wert.

Bietigheims Lohn für seine Ermittlung: Ein kostbarer Whisky – was sonst?
Auch Prof. Dr. Dr. Bietigheim, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Kulinaristik, ist Kenner und Liebhaber der Edelspirituose, die der Schriftsteller George B. Shaw einmal als flüssiges Sonnenlicht bezeichnet hat. Als Verfasser einer Abhandlung über den Haggis,verweilt der Professor gerade als Ehrengast auf dem Edingburgh Castle, als der Distillery Manager von Laphroaig ihm vom Fund einer vermutlich jahrhundertealten Moorleiche auf dem Gelände seiner Destillerie auf Islay erzählt. Da der einzige Polizist der Insel immer betrunken sei und er mit diesem eine alte Familienfehde um einen Lachsgrund austrägt, bittet der Manager Professor Bietigheim den Fund in Augenschein zu nehmen. Als Gegenpfand macht er dem Professor ein unwiederstehliches Angebot: einen wertvollen, 50 Jahre alten Laphroaig.

Mordermittlung hin oder her – die Schotten halten dicht.
Bietigheims Weg führt von Edingbourgh nach Islay. Die Insel ist für ihre preisgekrönten Brennereien bekannt. Von einem historischen Leichenfund im Moor jedoch keine Spur. Der guten Nase des Professors entgeht nicht, dass er es mit einer frischen Leiche zu tun hat – nicht zuletzt weil diese ein Handy bei sich trägt. Der Unbekannte wurde lebendig begraben. In einem Notizbuch in der Hosentasche des Toten fi ndet Bietigheim Verkostungsnotizen. Es besteht kein Zweifel: Der Mann war vom Fach und auf Whisky-Recherche. Doch was hat er entdeckt? Die Ankunft des Professors aus Deutschland spricht sich in der kleinen Inselgemeinde schnell herum und erschwert die Identifizierung des Toten: Niemand traut dem Fremden – schon gar nicht, wenn er ihnen in die Brennkessel, das Heiligtum einer jeden Destillerie, schauen will. Jeder dieser Kessel: ein Unikat. Jede noch so kleine Delle verantwortlich für den unverkennbaren Geschmack – und Erfolg – eines Whiskys. Prof. Bietigheim findet heraus, dass es sich bei dem Toten um den Inhaber der besten Whiskybar Edinburghs handelt, der auf dem Weg in die alte Port Ellen Destillerie war, die vor vielen Jahren die Tore schließen musste – etwa, weil jemand die Brennkessel sabotiert hat? soto


»Auf Islay pflegt man die Dinge in der Gemeinschaft zu regeln.«
Ross Martin, Distillery- Manager von Bowmore

Blick ins Buch
Der letzte WhiskyDer letzte Whisky

Ein kulinarischer Krimi

Auf der sturmumtosten Hebrideninsel Islay wird im Moor die Leiche eines Mannes gefunden. Doch sie ist nicht, wie anfangs vermutet, Jahrhunderte alt. Stattdessen handelt es sich um den Besitzer der besten Whiskybar Edinburghs. Der Eigentümer des Landes, auf dem der Tote gefunden wurde, bittet Professor Adalbert Bietigheim um Hilfe, der sich sogleich an seinen bislang hochprozentigsten Fall macht. Doch über Islay liegt ein dichter Nebel des Schweigens, und die Bewohner der kleinen Dörfer misstrauen dem Deutschen mit der perfekt sitzenden Seidenfliege ...
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Prolog

 

 

Die Wolken zogen am Nachthimmel nordwärts, so zügig, als wollten sie sich nicht mit dem befassen, was unter ihnen geschah. Die Sterne blitzten am Himmel wie Eisstücke in einem kühlen Drink.

Er blickte zu ihnen empor und wusste, dass sie das Letzte waren, was er je sehen würde. Das samtige Schwarz des Himmels war tief und beruhigend, doch sein Atem, der nur durch die Nasenlöcher entweichen und eintreten konnte, da ein alter Lumpen als Knebel in seinem Mund steckte, ging schnell und panisch. Seinen Gaumen wärmte noch der letzte Schluck Whisky und begleitete ihn diese letzten Augenblicke. Nach verbrannten Autoreifen hatte dieser geschmeckt und nach Torf, und er hatte es geliebt.

Er sah den, der es tat, doch dieser blickte nicht zu ihm, blickte nur auf den Spaten, mit dem er eben das Loch ausgehoben hatte und nun Erdreich emporhob, um ihn damit zu bedecken.

Die erste Schippe Torf traf wie der Tiefschlag eines Schwergewichtsboxers seinen Bauch. Er wand sich, doch die Schnüre um die Handgelenke unter seinem Rücken und die Fußgelenke schnitten so tief ins Fleisch, dass sie keine große Bewegung zuließen.

Die nächste Schippe. Auf sein Gesicht. Der Torf verfing sich in der Nase, kroch in die Augen, schmerzte dort wie Stacheln. Immer mehr Erdreich wurde auf ihn geschaufelt, kühl und schwer, es würde sein Grabdeckel sein. Der Mann warf Schaufel um Schaufel auf ihn, ohne Unterlass. Nur seinen Kopf ließ er weitgehend unbedeckt, ließ ihn bei Bewusstsein.

Er dachte an seine Frau, die er nie wiedersehen würde, jetzt, da die Schwärze kam. Er hatte mit ihr gestritten, hatte sie zum Weinen gebracht und war hart geblieben. Nun wünschte er, dieses eine Mal weich geworden zu sein.

»Hier. Für dich.«

Der Mann mit dem Spaten leerte eine Flasche Whisky über ihm. Bis zum letzten Tropfen.

Seine Augen brannten wie Feuer. Der Whisky vermischte sich mit Erde, drang durch den Lumpen in seinen Mund. Trotzdem konnte er erkennen, dass er nicht nach Mullbinde schmeckte, nicht nach Torf, nicht Seetang oder Jod, sondern nach Heidekraut, Akazienhonig und Herbstlaub in der Sonne.

So schmeckte nur ein Whisky auf der ganzen Welt.

Und es würde nie wieder einen solchen geben.

Er wusste sofort, welcher es war.

Und sah ein, dass er diesen Tod, das Leiden, das ihm bevorstand, verdient hatte.

Jede verdammte Sekunde davon.

 

 

 

Kapitel 1

Der Anteil der Engel

 

 

Mit Benno von Saber an der Leine stand Professor Adalbert Bietigheim auf der Mill's Mount Battery im nördlichen Teil des Edinburgh Castle, nahe der berühmten Kanone. Und zwar genau in dem Moment, als sie schoss und das dumpf knallende Geräusch wie eine mächtige Welle über die Stadt bis zur Meerenge Firth of Forth raste. Der District Gunner des 105th Regiment Royal Artillery hatte die L118 Light Gun, wie jeden Tag, exakt um ein Uhr abgeschossen, deswegen auch ihr Name: One o'clock Gun. Erstmals in der Geschichte des Regiments war der Gunner eine junge Frau, die nun zackig salutierte. Adalberts treuer, aber leider aus tiefster Überzeugung ungehorsamer Foxterrier bellte anerkennend. Zwar war dieser schottische Brauch völlig unnütz geworden, denn die Seefahrer der nahen Bucht hatten heutzutage exakt gehende Uhren und brauchten keinen Kanonenschuss mehr, um diese einzustellen, aber der schönen Tradition wegen schoss man weiterhin von Montag bis Samstag sowie an Neujahr in den Himmel über Edinburgh. Adalbert trat an die steinernen Zinnen und blickte hinab auf die winterliche Stadt, welche sich zu den Füßen des Castle in edlem Grau und Braun ergoss, als gehöre sie nicht zum 21.Jahrhundert. Edinburgh war zeitlos wie ein edler Frack.

Adalbert hatte sich in Tweed gewandet, maßgeschneidert, von der Londoner Savile Row selbstverständlich. Blau und Weiß dominierten im feinen Stoff, entsprechend den Farben der schottischen Nationalflagge. Benno von Saber trug ein passendes Hundehalsband, von einem Rollkragenpullover hatte Adalbert abgesehen, obwohl dieser ausgesprochen schmuck an seinem vierbeinigen Freund ausgesehen hatte. Benno konnte einfach alles tragen.

»Meine Damen, meine Herren, ich darf Sie nun in den Crown Room bitten, zu den Honours of Scotland: der Krone, dem Zepter und dem Schwert.«

In angenehmer Erwartung folgte die kleine Gruppe Edward Macallan, der dieses Treffen heute, am 25.Januar, organisiert hatte. Den Highland-Chocolatier aus Pitlochry hatte Bietigheim bei der Weltmeisterschaft der Schokoladenkünstler in Brügge kennengelernt – unter sehr unerfreulichen und blutigen Umständen. Der jungenhafte und stets leger gekleidete Macallan galt als Jamie Oliver der Chocolatiers. Trotz der kühlen Winterluft lief er nur mit einer Caprihose in Tarnfarben und einem Sex-Pistols-T-Shirt herum. An seiner rechten Wade prangte das Tattoo eines Messers, das in einer blutenden Wunde steckte. In Adalberts Augen war er ein völliger Spinner, aber mit dem braunen Gold der Kakaobohne konnte er fraglos umgehen. Und das war eindeutig wichtiger als geistige Gesundheit.

Den Nachmittag verbrachte die Gruppe mit einem Besuchsprogramm des Castle und seiner Museen, das Adalbert bereicherte, indem er den jeweiligen Führer unterbrach, um Wichtiges zu ergänzen oder richtigzustellen. Es war beileibe keine angenehme Aufgabe, aber irgendwer musste sie schließlich übernehmen. Adalbert war sich des Danks der Anwesenden sicher, auch wenn sie diesen in ihrer zurückhaltenden schottischen Art natürlich nicht zeigten. In den zahlreichen Ausstellungssälen ging es seiner Meinung nach, und das hatte er mehrfach zum Ausdruck gebracht, viel zu sehr um Militärgeschichte. Das Edinburgh Castle war unzählige Male erobert und zurückerobert, belagert, zerstört und neu aufgebaut worden. Engländer und Schotten hatten sich die Klinke in die Hand gegeben. Die wichtigste Frage wurde dabei geflissentlich übergangen: Was hatten sie beim Klinkenwechseln gegessen?

Vor dem feierlichen Abendessen zogen sich alle in ihre Hotelsuiten zurück. Adalbert kleidete sich um und dachte darüber nach, wo er die entsprechenden historischen Rezepte auftreiben könnte. Ein echtes Belagerungsmenü wäre dem Ort angemessen. Gleichzeitig kamen ihm Ideen für drei wissenschaftliche Schriften, die er gleich nach seiner Rückkehr an die Hamburger Universität angehen wollte. Akribisch notierte er alles in sein ledernes Notizbuch. Dann war es so weit. Der eigentliche Höhepunkt, der wirkliche Knalleffekt des Tages. Etwas, gegen das der Schuss der L118 Light Gun nur ein kleiner Böller sein würde.

Das Burns Supper.

Mit dem Ehrengast vom Kontinent: Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Adalbert Bietigheim, Deutschlands einzigem Inhaber eines Lehrstuhls für Kulinaristik und Verfasser der bahnbrechenden Schrift »Von der Poesie des Haggis – Wie gefüllter Schafsmagen die Schotten zu Dichtern werden ließ. Mit einem interkulturellen Vergleich hinsichtlich der Krone der deutschen Speisekunst: dem Pfälzer Saumagen.« Diese hatte für viele in Ehrfurcht emporgezogene Augenbrauen gesorgt. Selbst der Altkanzler, der seinerzeit die Saumagen-Diplomatie in Deidesheim begründete, hatte ihm ein Dankesschreiben zukommen lassen. Es hing gerahmt neben den unzähligen anderen in seinem Hamburger Universitätsbüro. Die Runde heute Abend konnte sich wirklich glücklich schätzen, dass er zugesagt hatte.

 

Das Burns Supper fand ebenfalls im Edinburgh Castle statt. Dort hatte Edward Macallan die noble Gatehouse Suite für das Festessen gemietet. Sie befand sich im Eingangsbereich der großen, mächtigen Anlage, die mit ihren dicken Mauern wirkte, als könne sie Jahrtausende überdauern. Der Raum aus dem 19.Jahrhundert besaß holzgetäfelte Wände, einen imposanten Kamin, mit schwarzem Leder bezogene Stühle, goldene Kronleuchter, und in der Mitte stand eine festlich gedeckte Tafel. Ein Raum, fand Adalbert, in dem man den Drang verspürte, sich eine Pfeife anzustecken. Was er deshalb auch umgehend tat. Wen Schottland nicht zum Pfeiferauchen inspirierte, dessen Seele war ohne Frage verloren.

Genüsslich schmauchend trat er auf die Terrasse, die exklusiv zur Gatehouse Suite gehörte, und wo nun der erste Drink des Abends eingenommen wurde. Selbstverständlich ein Whisky, für den besonderen Anlass hatte Macallan einen »Robert Burns« der Arran Distillery ausgewählt, ein Porträt des schottischen Nationaldichters schmückte die Flasche. Der Whisky war im jungen Alter abgefüllt worden, um an den frühen Tod von Burns zu erinnern, der von 1759 bis 1796 lebte und somit gerade einmal 37 Jahre alt geworden war. Der Manager der Distillery war anwesend und beschrieb das blumig-obstige Bukett mit viel Vanille und Gerste, am Gaumen sei er angenehm mild und weich, malzig mit einem Hauch von Gebäck und sogar etwas zitronig, nicht außergewöhnlich lang, doch angenehm. Kein Raubtier, kein Biest, wie die Whiskys der Hebrideninsel Islay, sondern eher ein schmusiges Kätzchen. Lächelnd prostete er dem exklusiven Kreis zu.

Rund zwanzig Personen waren anwesend, allesamt Berühmtheiten der schottischen Kulinarik: Köche, Fischer, Metzger, Bäcker, Distillery Manager, sogar ein Rinderzüchter sowie ein Cocktailmixer. Heute würde der Professor mit ihnen zusammen den Geburtstag des großen Dichters begehen. In Schottland feierte man stets die Geburtstage der großen Vorfahren – in Deutschland die Todestage. Das sagte mehr über die deutsche Mentalität aus, als es Adalbert lieb war.

Plötzlich ertönte ein Geräusch, das an ein untergehendes Schiff erinnerte, auf dem letztmalig das Horn erklang, oder an einen Eisenträger, der unter einer gewaltigen Last zusammenbrach, vielleicht auch ein wenig an Hochlandrinder in der Brunft. Ein Dudelsackspieler erschien in voller Montur, mit Kilt, dem schottischen Wickelrock in Clan-Tartan-Muster, daran eine silberne Nadel in Form einer Distel und – da der Kilt keine Taschen hatte – direkt unter der Gürtelschnalle ein Sporran mit Fuchsfellbesatz vor dem Gemächt. An den Füßen die Ghillie Brogues genannten Schnürschuhe ohne Zunge, ja, er trug sogar ein Sgian dubh, das traditionelle schottische Messer, im rechten Strumpf.

Was er unter dem Kilt trug, blieb sein Geheimnis.

Er führte die Gruppe zurück ins Innere, und man versammelte sich um den Tisch, wo Edward Macallan Burns Gedicht »Selkirk Grace« in schottischer Sprache vortrug – bei ihm klang es wie ein Rapsong. Adalbert saß zwischen ihm und einer charmanten jungen Pâtissière von der Isle of Skye, die zu einer gepflegten Konversation fähig war, obwohl es Adalbert nicht entging, dass sie eigentlich nur Augen für den Gastgeber hatte. Zu seinen Füßen lag derweil Benno von Saber, ausgesprochen ruhig, was an der ausgiebigen Fütterung im Hotel liegen mochte. Es hatte dem Stopfen einer Gans geglichen.

Dann begann das Abendmahl. Als Vorspeise gab es stets eine Suppe, in diesem Fall den Klassiker Cullen Skink, die aus geräuchertem Haddock, also Schellfisch, Zwiebeln, Milch, Kartoffeln, Butter, Salz und Pfeffer bestand und die nach Adalberts Meinung nur in einem Land als Delikatesse gelten konnte, in dem nicht viel mehr als Moos und Flechten wuchs. Doch die Suppe war nur der Aufgalopp. Direkt nachdem die tiefen Teller abgeräumt waren, folgte der Höhepunkt des Abends: die Rezitation von Burns »Address to a Haggis« und das Auftischen ebendieses. Eine Aufgabe, die heute dem Gast aus Deutschland zufiel, der sich darauf schon sehr freute. Denn die Ehre, das Messer in den Haggis zu stecken, glich der in den USA, beim Erntedankfest den Truthahn tranchieren zu dürfen.

Adalbert nahm am Ende der Tafel Aufstellung, putzte seine Brille pedantisch und räusperte sich. Dann klopfte er dreimal auf das Rednerpult und gab damit das Signal. Die Tür öffnete sich, und der Koch trug den Haggis herein, hinter ihm der Dudelsackspieler, welcher, kulinarisch im weitesten Sinne passend, »Brose & Butter« spielte. Mit dieser Melodie wurden die Scots Guards nämlich traditionell zum Essen gerufen.

Die Prozession endete bei Adalbert, vor dem der auf einem Silbertablett präsentierte und bis zum Bersten gefüllte, kochend heiße Sack gräulicher Farbe abgesetzt wurde. Sein Dampf erfüllte den Raum, sein Geruch ergriff Bietigheims Nase und rüttelte heftig daran. Der Haggis bestand aus einem mit Schafsinnereien gefüllten Schafsmagen. Neben Herz, Leber, Lunge und Nierenfett des Tieres waren auch noch Zwiebeln und Hafermehl sowie ein gerüttelt Maß an Pfeffer im Magen, aber im Kern war es doch Schaf, gefüllt mit Schaf.

Nur eben nicht mehr mit der Originalfüllung.

Hinter Adalbert wurde die schottische Nationalflagge mit dem Andreaskreuz aufgehängt, dann zog der Dudelsackspieler sein Sgian dubh aus der Messerscheide an der rechten Wade und reichte ihm feierlich das alte Schneidegerät. Adalbert holte tief Luft und stellte sich in Position, um den laut Burns »Great Chieftain o' the Puddin-race«, den »Großer Häuptling des Pasteten-Stammes«, zu loben, doch dann fiel ihm noch etwas ein. Er hatte eine kleine Überraschung für die versammelten Schotten vorbereitet.

»Ladies and Gentlemen, es ist eine gleichermaßen große Ehre für Sie wie für mich, dass ich heute an Robert Burns Geburtstag dessen »Address to a Haggis« vortragen darf, wohl eines der größten kulinarischen Poeme der Weltliteratur. Zuvor möchte ich Ihnen jedoch mein Gastgeschenk überreichen, oder besser: einschenken lassen!« Er wandte sich an den befrackten Kellner. »Sie dürfen nun, neue Gläser bitte!« Interessiert verfolgten die Versammelten, was nun geschah. »Allzu gerne hätte ich Ihnen eine Flasche aus der vor Islay gesunkenen ›S.S. Prime Minister‹ spendiert.« Amüsiertes Lachen erklang. »Aber zu unser aller Bedauern ist dies ja nur eine der vielen Whiskylegenden Schottlands. Doch einen ungehobenen Schatz habe ich nichtsdestotrotz mitgebracht. Und zwar aus meiner Heimat. Nun ja, es ist nicht ganz meine Heimat, eine gute Stunde vom Stammsitz meiner Familie in Bietigheim entfernt liegt die Distillery schon. Es ist ein Black Forrest aus der badischen Staatsbrauerei Rothaus im Hochschwarzwald, ein echter deutscher Single Malt, gebrannt in kleinen Kupferbrennblasen, mit ausgesprochen weichem Rothauser Brauwasser gemaischt. Er reifte vier Jahre in Bourbon-Fässern, die in den Eiskellern lagerten.«

»Ist das Ihre bevorzugte Marke, Professor?«, fragte Tom Kitchin, der als bester Koch Edinburghs galt.

»Mein eigentliches Interesse gilt den rauen Whiskys der Insel Islay.« Ein Raunen ging durch die Runde. »Hört, hört!«, rief ein Wildmetzger aus den Highlands.

»Sie sind so maritim, das erfreut mein hanseatisches Herz. Destilliertes Meer sozusagen!«

»Sammeln Sie auch?«, meldete sich die junge Pâtissière, und auch jetzt wurde Adalbert das Gefühl nicht los, ihre Fragestellung sei eigentlich nur auf Edward Macallan ausgerichtet.

»Nur alte Whiskys, mindestens dreißig Jahre.«

»Aber Sie wissen, dass Alter nicht alles ist?«, setzte sie nach, Wissen dokumentierend. Um nicht zu sagen: klugscheißend. Und auch wenn Adalbert dieses Wort niemals in den Mund nehmen oder denken würde: Klugscheißen war sein Metier, und er war darin führend.

»Ja, manche Whiskys erreichen mit zehn Jahren Reife ihr Optimum, andere mit zwölf oder sechzehn. Manche sind sogar schon mit der Mindestreifezeit von drei Jahren ein Hochgenuss. Doch mich faszinieren vor allem die Aromen der Reife: Butterscotch, Zartbitterschokolade, Holzrauch, schwarzer Pfeffer, Mandeln und Nüsse, Rosinen und Zimt. Und natürlich müssen sie im Fass gereift sein, denn sobald ein Whisky auf der Flasche ist, stoppt die Entwicklung.«

»Wissen wir alles«, raunte der Älteste in der Runde, ein Jakobsmuschelfischer von der Insel Mull.

»Dann sind wir nun ja alle auf demselben Wissensstand! Famos!« Er hob sein Glas und prostete allen zu. Der Whisky schien zu munden, man nahm schnell einen zweiten und dritten Schluck.

Adalbert hob das Kinn, sog laut die Luft ein, um seine Lungen zu füllen, damit er nun mit voller Stimme rezitieren konnte:

 

 

Fair fa' your honest, sonsie face,

Great chieftain o' the puddin'-race!

Aboon them a' ye tak your place,

Painch, tripe, or thairm:

Weel are ye wordy o' a grace

As lang's my arm.

 

Das Gedicht war acht Strophen lang, die Adalbert beim Frühstück auswendig gelernt hatte. Der entscheidende Moment kam in der dritten – und diese näherte sich nun. Adalbert hob das Messer in die Höhe. Die Schlachtung des dampfenden Haggis stand bevor.

 

His knife see rustic Labour dight,

An' cut you up wi' ready slight.

 

Adalbert stieß zu, mitten in den Haggis, mit großer Wucht und Präzision.

Die Spitze der Klinge drang ein.

Der Haggis riss auf.

 

Sein kochend heißes Inneres spritzte heraus wie eine Fontäne aus Schafsaft, sie hätte die Nächstsitzenden getroffen – doch diese hielten ihre Servietten schützend empor. Großes Gelächter erklang, das plötzlich noch lauter wurde. Finger deuteten auf den Platz rechts neben dem Haggis. Als der Professor dorthin blickte, sah er Bennos Schnauze und den aufgeplatzten Haggis. Ersteres in Letzterem. Sein Foxterrier riss den ganzen Kladderadatsch nun herunter und schüttelte den Haggis auf dem Boden knurrend hin und her, als wäre dieser noch nicht tot. Dann gab er ihm den Rest.

Adalbert räusperte sich vernehmlich. »Dieser Haggis war nicht korrekt zubereitet! Er hatte so viel Druck wie eine Champagnerflasche, die man über den Gotthard gefahren hat!«

Edward Macallan stand auf und klopfte ihm breit grinsend auf den Rücken. »Doch, es war genau richtig! Wir sagen dem Koch immer, er soll ihn so kochen, dass er spritzt wie Sau. Ist das nicht ein Spaß?«

Bietigheim wischte sich den Haggissaft aus dem Gesicht. »Ich bevorzuge Späße, über die ich im Vorfeld informiert werde, damit ich mich darauf einstellen kann, herzhaft zu lachen. Zudem haben wir nun nichts mehr zu speisen. Benno benimmt sich sonst nie so, der Koch muss etwas in das Gericht getan haben, das Hunde lieben.«

»Ja, Fleisch!«, rief der Jakobsmuschelfischer und schlug sich vor Vergnügen auf die Oberschenkel.

»Wir lassen zur Sicherheit immer mehrere Haggis zubereiten«, erklärte Macallan. »Ist also nicht schlimm, dass Ihr Jagdhund seinen Haggis schon erlegt hat.«

Die Schotten hatten ihre Freude, aber zum Gespött machen ließ Adalbert sich nicht. Und er wusste genau, wie er die Runde wieder zur Besinnung bringen konnte. Indem er weiter rezitierte.

 

Trenching your gushing entrails bright,

Like ony ditch;

And then, O what a glorious sight,

Warm-reekin', rich!

 

Adalbert warf sich in die Brust, je dicker er Pathos draufschmierte, desto besser mundete der Vortrag den Zuhörern, und er begann das »R« nach Schottenart zu rollen, also so, als stecke ihm eine große Gräte im Hals. Mit jeder Zeile ließ er sich weiter forttragen von den enthusiastisch-lukullischen Versen Burns, er stieg, einem Impuls folgend, sogar auf den Tisch und endete schließlich geradezu euphorisch mit »But, if ye wish her gratefu' prayer / Gie her a haggis!«.

Auch als Hanseat konnte man sich einmal gehen lassen – zumindest wenn man dabei angemessen gekleidet war.

Nach dem Ende seines Vortrags herrschte Stille.

Offene Münder.

Dann brach Jubel aus, die anwesenden Schottinnen und Schotten erhoben sich von ihren Sitzen, sie applaudierten, pfiffen, johlten, dem alten Fischer standen die Tränen in den Augen, und er sagte später, es sei gewesen, als hätte Burns selbst vor ihm gestanden.

Noch beim Essen wurde über Adalberts Vortrag gesprochen, als der Haggis traditionell mit Neeps und Tatties verspeist wurde, mit Steckrüben und Kartoffeln. Benno startete keinen neuen Versuch einer Haggisjagd, lag stattdessen zusammengerollt vor Adalberts Füßen und gab ab und an ein tiefes Stöhnen von sich. Haggis stand zu Recht selten auf dem Speiseplan eines Foxterriers.

Nach dem Essen ging es wieder hinaus auf die Terrasse. In der klirrend kalten Winterluft genoss man einen weiteren Whisky, und was für einen. Ein 50 Jahre alter Single Malt, den James Bond, und damit einer der berühmtesten Schotten, wie Edward Macallan stolz bemerkte, im Film »Skyfall« als sein Lieblingsgetränk bezeichnete. Er stammte von der Speyside Distillery Macallan, mit dessen Eigentümern der Gastgeber, wie er mit Bedauern feststellte, leider nicht verwandt oder verschwägert war.

Der Professor war gerade in ein Gespräch mit dem Wildmetzger versunken, diskutierte die Unterschiede in der Verarbeitung von Rot- und Schwarzwild, als ihm auffiel, dass der Highland-Chocolatier verschwunden war. Er tauchte erst wieder auf, als die Gesellschaft sich zurück an ihre Plätze begab, um die kommenden Gedichte und Lieder von Burns mit einer ordentlichen Menge Whisky herunterzuspülen. Auch diese Texte würden in einem festen Ritual vorgetragen werden, wie Adalbert recherchiert hatte. Bei einem würden zum Beispiel die Frauen in Witzen auf den Arm genommen, bevor man ihnen einen Trinkspruch widmete. Jedes Jahr aufs Neue. Und immer wieder amüsierte es die Anwesenden, so wie man in Deutschland alljährlich darüber lachte, wenn James in »Dinner for One« über den Tigerkopf stolperte – und erst recht, wenn er es nicht tat.

Als Adalbert sich nach all den Vorträgen zurückziehen wollte, hielt ihn Edward Macallan auf und bat um ein kurzes Gespräch unter vier Augen. Er führte ihn fort vom Eingang zur Gatehouse Suite, zu den schweren Zinnen, die sie vom Abgrund trennten.

»Mein Freund Cameron ist Distillery Manager von Laphroaig auf Islay.«

Adalbert hatte wenig Lust, mit seinem Gegenüber zu reden, die Sache mit dem Haggis war für ihn noch nicht vergeben. »Damit ist er so weit von Ihnen fort, wie ich es nun gerne wäre.«

Macallan ging nicht darauf ein. »Und er hat etwas gefunden.«

»Schön für ihn.«

»Im Moor.«

»Wie idyllisch.« Adalbert blickte demonstrativ nicht zum Chocolatier, sondern über die Stadt, die nun die Lampen eingeschaltet hatte und dem dunklen Nachthimmel einen heimeligen Schein entgegensetzte.

»Er hat eine Leiche gefunden«, erzählte Macallan weiter.

»So, so.« Der Professor zeigte seine Aufregung angesichts dieses Substantives nicht. Doch bei Leiche dachte er sogleich an Mord, und bei Mord daran, einen Täter seiner Strafe zuzuführen. Dies war stets ein besonderer Moment, zu sehen, wie Gerechtigkeit hergestellt wurde – zumindest so viel, wie nach einer Gewalttat noch möglich war.

»Nun will er Archäologen informieren.«

»Eine weise Entscheidung.«

»Aber vorher sollen Sie sich die Leiche anschauen.«

»Ich?« Bietigheim drehte sich um.

»Ja, Sie, Professor.«

»Leichen sind nicht mein Spezialgebiet.«

»Na ja.«

Adalbert konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. »Frische Leichen. Alte sind etwas anderes.«

»Wenn Cameron Archäologen auf die Insel holt, und es stellt sich heraus, die Leiche ist nur einer, der vor fünfzig Jahren besoffen im Moor umgekippt ist, dann macht er sich lächerlich. Und auf einer kleinen Insel bekommt man so etwas sehr, sehr lange aufs Brot geschmiert.«

»Dann soll er zuerst die Polizei informieren.«

»Die ist betrunken.«

»Ja, aber doch nicht konstant!«

»Doch. Auf Islay schon. Die Polizei heißt Derek, und Derek ist betrunken. Er ist das letzte Mal vor siebenundvierzig Jahren nüchtern gewesen, da lag er für zwei Tage im Koma vom Saufen, und der Alkohol hatte Zeit, zu verdunsten. Ich habe Cameron von Ihnen erzählt, Professor, und er will Sie.«

»Nun ja, das ist sehr schmeichelhaft. Aber was habe ich davon? Meine Zeit ist wirklich kostbar. Ich muss zurück nach Hamburg, das Amt des Kanzlers der Universität wird neu besetzt, und wenig überraschend bin ich einer der Favoriten. Es gilt, Wahlkampf zu führen.«

»Weiß ich doch. Ihre süße Assistentin hat mir davon erzählt, als ich Sie für heute Abend angefragt habe.«

»Na, dann wäre das ja geklärt.«

»Nachdem ich knallhart verhandelt habe, bietet Cameron Ihnen eine Flasche fünfzig Jahre alten Laphroaig für einen kurzen Blick auf die Moorleiche.«

»Es gibt doch gar keinen fünfzig Jahre alten! Der Älteste auf dem Markt ist vierunddreißig Jahre.«

Macallan kam näher und senkte die Stimme. Er sprach nun sehr langsam und leise. »Wenn der Distillery Manager sagt, dass es einen fünfzig Jahre alten gibt, dann…«

Bietigheim beendete den Satz: »…muss ich ihn natürlich unbedingt verkosten! Also, wann fahren wir los?«

»Morgen Mittag geht es nach Kennacraig, und von da nehmen wir zwei Hübschen die Fähre nach Port Ellen.« Er legte dem Professor seinen Arm um die Schulter. »Vorher haben wir noch einen langen Abend vor uns. Die Leiche wird uns bis dahin schon nicht weglaufen.«

»Dafür«, sagte Adalbert, »müsste sie schon einiges an Whisky trinken.«

 

***

 

Der Professor hatte darauf bestanden, am nächsten Morgen früh aufzubrechen, er wollte nicht kurz auf knapp an der Fähre ankommen. Macallan saß mit glasigem Blick am Steuer. Es war unklar, wie viel hochprozentiger Restalkohol sich am Nachmittag noch in Edward Macallans Blut befand, doch die Schwarzmeerflotte wäre damit wohl ein paar Tage hingekommen.

Zwar gab es Autobahnen in Schottland – jedoch nur um Glasgow und Edinburgh. Darüber hinaus existierten selbst auf Strecken zu größeren Ortschaften wie Inverness oder Aberdeen nur Straßen, denen es häufig an korrekter Begrenzung, einem geraden Verlauf oder zwei Spuren mangelte – meist jedoch an allem dreien. Nichtsdestotrotz fuhren in beide Richtungen Wagen, darunter Lkws, und alle gern in hohem Tempo. Bietigheim hielt sich die ganze Zeit am Handgriff fest und versuchte, den von Edward Macallan schwungvoll gesteuerten Wagen mittels der Kraft seiner Gedanken auf der Straße zu halten.

Adalbert kam es vor, als hätte er mit dem Atmen erst wieder begonnen, als sie das Fährschiff »MV Hebridean Isles« der »Caledonian MacBrayne« im Hafen von Kennacraig erreichten und der Wagen endlich im Bauch des weißen Ungetüms zum Stehen kam.

Edward Macallan trank drei Kaffee, schlief aber trotzdem ein.

Die spiegelnde Oberfläche des heute auffallend ruhigen Nordatlantiks wirkte auf den am Bug des Schiffes stehenden Professor wie ein Leichentuch, das nichts preisgab.

Kulinarisch war die Überfahrt ein einziges Desaster, was Adalbert dem Küchenpersonal auch mitteilte, als er seine Speisen zurückbrachte. Er probierte trotzdem alle durch. Und wollte danach den Kapitän sprechen, der sich wunderte, wie der Mann mit dem Foxterrier auf seine Brücke vorgedrungen war. Er erhielt einen kostenlosen Vortrag über die weltweite Entwicklungsgeschichte der Kantine, unter besonderer Berücksichtigung von Militärküchen sowie Kombüsen.

Der Kapitän wies mehrfach höflich darauf hin, dass er arbeiten müsse, was Bietigheim keineswegs beeindruckte. In seiner Not löste der Schiffsführer einen Alarm aus, und alle mussten an Deck.

Dort verbrachte der Professor – wie auch alle übrigen Passagiere – den Rest der Überfahrt. Die Winterluft fühlte sich aufgrund des Fahrtwinds geradezu polar an. Die Stimmung war bombig, um nicht zu sagen: explosiv. Der Professor inspizierte ausführlich die Rettungsboote, bei denen ein Hinweisschild die Inbetriebnahme wie auch das zu Wasser lassen erklärte. Er las sich alles gründlich durch. Falls er wieder mit solch einem kulinarischen Desaster konfrontiert werden würde, hatte er wenigstens eine Fluchtmöglichkeit.

Die Ankunft auf Islay war für Adalbert eine wahre Erleichterung, Benno nahm er dafür sogar auf den Arm. Der Foxterrier bellte die Insel prophylaktisch an, um Hunden am Ufer zu melden, wer der neue Chef war. Sein Herrchen genoss die Aussicht auf drei der weiß gestrichenen Whisky-Distilleries der Hebrideninsel, die wie Perlen vorbeizogen: Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig. Legenden, eine wie die andere. Diese südlichste Insel der Inneren Hebriden bestand aus Moor und Stein, war übersät mit Geschichten und Legenden – und getränkt mit Whisky.

Doch nun wartete auf diesem außergewöhnlichen Flecken Erde eine Leiche darauf, von Adalbert begutachtet zu werden. Wobei dies der Leiche selbst wohl völlig unwichtig war.

Der Hafen Port Ellen war klein, der Anleger stieß aus einem halb runden natürlichen Hafen, dem Loch Leodamais, hervor, um den die weiß gekalkten Häuser wie brave Chorknaben angeordnet waren. Zur Linken erhob sich eine Art Fabrik, die wie ein ungelenker Riese in der friedlichen Gegend stand.

»Was ist das dort drüben?«, fragte der Professor den bei der Einfahrt neben ihm stehenden Edward Macallan.

»Das ist Port Ellen. Also nicht der Ort.«

»Selbstverständlich nicht der Ort.«

»Sondern die Mälzerei. Ursprünglich war es eine Distillery. Die Kleinste von dreien, die damals DCL gehörten, das ist ein Riesenkonzern. Die andern beiden sind Lagavulin und Caol Ila. 1983 war dann Schluss, damals war die Nachfrage Whisky betreffend halt nicht so groß. Port Ellen hat gerade einmal läppische sechzehn Jahre produziert. Nachdem sie abgebaut wurde, gingen die Brennblasen nach Indien, und das Ganze wurde in eine Mälzerei umgewandelt, die heute alle Distilleries der Insel beliefert.«

»Ich weiß selbstverständlich alles über diese Distillery. Auch dass die in den sechzehn Jahren gebrannten Whiskys äußerst selten sind.«

»Und supergut! Der Name ist mittlerweile Legende. Vielleicht haben wir nach der Leichenschau noch Zeit für einen Besuch der Maltings.«

»Nein, danke. Ich bin nur hier, um eine Leiche in Augenschein zu nehmen.«

»Und wegen des fünfzigjährigen Laphroaig.« Macallan grinste breit.

»Sie müssen mich nicht auf materialistische Beweggründe reduzieren!«

»Unter uns: Sie sollten echt hoffen, dass Bowmore auch eine Moorleiche hat.«

»Wieso? Eine Leiche ist wahrlich mehr als genug. Sie sind unangemessen makaber.«

Macallan biss in einen Schokoriegel mit Karamellfüllung. »Aber auf diese Weise könnten Sie vielleicht an ein Fläschchen des Bowmore 1957 herankommen, des ältesten Islay Single Malt Whiskys, der jemals auf den Markt gebracht wurde. Vierundfünfzig Jahre lagerte der Kerl im Fass, es gibt nur zwölf Flaschen, jede kostet hunderttausend Pfund.«

Der Professor konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Nun gut, dafür würde ich mir tatsächlich ein Dutzend Moorleichen anschauen.«

»Dann hoffen wir mal, dass wir noch ein paar finden!«

 

Es war dunkel, als sie endlich aus dem Bauch der »MV Hebridean Isles« fuhren.

Nach fünfzig Metern kamen sie an ihrer Pension an.

Das »Trout Fly Bed & Breakfast« war ein schmales Haus, das zwischen zwei anderen wie eingeklemmt wirkte. Der Vorgarten sah so perfekt aus, als würde er mit der Maniküreschere gepflegt.

Der Professor rollte seinen Koffer zum Eingang, Benno zog so stark an der Leine, dass er mehrfach umzufallen drohte. Der Foxterrier wollte die Insel erkunden. Beziehungsweise einnehmen.

Die Hausherrin erwartete ihre Gäste bereits vor dem Haus, die Arme vor der Brust verschränkt, ihre dauergewellten braunen Haare hatten die Elastizität von Stahlbeton.

»Ich bin Elisabeth Harrington. Sie kommen sehr spät.« Sie hielt ihm ihre Armbanduhr ins Gesicht. So nah, dass er unmöglich die Uhrzeit erkennen konnte.

»Nun ja, wir erhielten nur einen Platz auf der letzten Fähre.«

»So ist es, wenn man sich erst zu spät um ein Ticket kümmert. Seien Sie leise, die anderen Gäste schlafen bereits, und die Wände sind dünn. Wann stehen Sie morgen auf?«

»Nun ja, darüber habe ich noch nicht…«

»Das muss ich wissen, und nicht erst zu nachtschlafender Stunde. Alle anderen Gäste stehen früh auf, da wäre es am besten, Sie stünden auch früh auf. Ich hoffe, Ihr Hund bellt nicht.«

»Niemals ohne guten Grund.« Das stimmte sogar. Aber manchmal war der Grund schlicht Langeweile.

»Wo ist der Herr vom zweiten Zimmer?« Bietigheim blickte zurück zur Straße, dem Frederick Crescent. Kein Edward Macallan. Auch sein Auto, ein schokoladenbrauner Land Rover Defender mit dem Logo seiner Highland-Chocolaterie, war fort.

»Er trifft später ein«, sagte der Professor zu Mrs Harrington.»Spät in der Nacht und vermutlich ausgesprochen laut.« Er schenkte der Hausherrin ein Gratislächeln, doch es wurde nicht erwidert.

»Ich werde nicht aufmachen, am Telefon habe ich ihm deutlich gesagt, wie die Hausregeln sind.«

Mittlerweile war Adalbert klar, warum es nur in dieser Pension noch freie Zimmer gegeben hatte. Trotz des hohen Preises. Diesen zahlte man vermutlich für die herzliche Atmosphäre.

Sie reichte ihm den Schlüssel und zeigte, wo es zu seinem Zimmer ging. »Gehen Sie noch in die Bar vom ›Islay Hotel‹?«, fragte Elisabeth Harrington. »Da ist heute Abend Ceilidh. Eilidh Shaw und Ross Martin spielen. Aber nur, dass Sie es wissen: Ich dulde hier keine Betrunkenen. Und wenn Sie sich übergeben müssen: bitte draußen!«

»Ich hatte weder vor, mich zu betrinken, noch zu übergeben, noch den Abend in einer Bar zu verbringen. Ich werde mit Benno spazieren gehen, ihn sein Bächlein machen lassen und früh zu Bett gehen. Denn morgen habe ich eine Verabredung mit dem Tod.«

Ohne ein weiteres Wort ging er in sein Zimmer und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Nur einen kleinen Hauch zu laut.

 

***

 

Als Adalbert am nächsten Morgen am Frühstückstisch saß, war er sich sicher, dass das freie Zimmerkontingent nur mit der fehlenden Herzlichkeit seiner Hausherrin zusammenhängen konnte.

Denn das Essen war famos!

Ein Full Scottish Breakfast. Mit geräuchertem Lachs, Haddock und Kippers. Dazu noch Jakobsmuscheln und, wie Mrs Harrington mitteilte, ein frisch gefangener Brown Trout. Es sah aus wie ein Besuch im Aquarium. Dazu gab es Black Pudding, Würste, Tattie Scones sowie natürlich angebratene Tomaten und Pilze, Haggis und auf Wunsch Porridge. Ein Frühstück, nach dessen Verzehr man fraglos Baumstämme werfen oder die Engländer aus dem Land vertreiben konnte.

Edward Macallan aß all dies mit großem Vergnügen und ohne ein Wort darüber zu verlieren, wo er am Vorabend war. Auch Benno von Saber hatte merklich Freude an dem Frühstück, denn der Professor reichte nach kurzem Produkttest und Abfotografieren alles weiter unter den Tisch, damit die Herbergsmutter nicht über einen noch zu vollen Teller mäkelte. Zusätzlich machte er sich mentale Notizen, um später darüber referieren zu können, und genoss den tatsächlich hervorragenden Scottish Breakfast Tea.

Die Laphroaig Distillery lag gerade einmal anderthalb Meilen entfernt an der Südküste, weshalb Bietigheim beschloss, die Strecke in der herrlichen, winterlichen Morgenluft zu Fuß zu gehen, Macallan hingegen wollte fahren, um vor Ort schon mal einen Guten-Morgen-Whisky zu nehmen.

Bietigheim musste ihn unbedingt fragen, was man darunter verstand.

Gleich nachdem sie aus dem Hotel traten, erklärte Benno die Hafenpromenade von Port Ellen kläffend zu seinem Herrschaftsbereich und machte so viele Bächlein, dass der dick eingemummelte Adalbert sich ernsthaft fragte, wie die Blase eines kleinen Foxterriers so viel fassen konnte.

So schottisch und alt die eng stehenden Häuser aussahen, beherbergten sie doch auch ein indisches Restaurant und einen Supermarkt. Allerdings war niemand zu sehen, das Dorf war wie ausgestorben, kein Wagen fuhr. Es wäre ganz still gewesen, doch das Meer war laut und ungestüm, vor lauter Schaumkronen wirkte es wie sprudelnd kochende Milch. Der Wind war hart und pur, schneidend in seiner Klarheit, es war ein Wind, der vor dem Meer, seiner Kraft und Tiefe warnte. Was solch ein Wind wohl mit den Menschen anstellte, die ihm ständig ausgesetzt waren, dem durchdringenden Geruch nach Tang, den Salzkristallen, die in ihm gelöst waren?

Er würde herausfinden, ob dieser die Bewohner Islays härter oder weicher werden ließ.

 

Laphroaig war von Port Ellen aus die nächstliegende der acht Insel-Distilleries. Eine kleine Straße führte dorthin, linker Hand die Torffelder, welche nicht zu enden schienen, rechts das stetig noch aufgewühlter werdende Meer, wie eine wilde Bestie ans Ufer springend und sich nur zurückziehend, um abermals Anlauf zu nehmen.

Es war beruhigend, die massiv wie eine Trutzburg errichtete Distillery zu sehen. Der Name hieß übersetzt »Schöne Niederung an der breiten Bucht« – und er sah sofort, wieso. Aus dem typischen Schornstein mit dem Pagodendach stieg Rauch, sie mussten heute Gerste mälzen. Edward Macallans schokoladenbrauner Land Rover stand auf dem Parkplatz vor dem Eingang. Besucher sollten links entlang, doch der Professor nahm den Weg, der für Lkws und Mitarbeiter gedacht war. Schließlich hatte man ihn hergebeten.

Er betrat den Eingang, der zum kleinen Museum und dem Shop der Distillery führte. Hinter dem Tresen stand eine junge, braunhaarige Dame mit Pferdeschwanz im Laphroaig-Sweatshirt und begrüßte ihn freundlich.

»Willkommen bei Laphroaig!«

»Professor Dr. Dr. Bietigheim mein Name, ich werde erwartet.« Den Doktor ehrenhalber ließ er meistens weg, das wäre sonst angeberisch.

»Oh, schön. Von wem?«

»Dem Manager dieser Distillery«, antwortete Bietigheim harsch.

Die junge Frau zögerte. »Und wie ist sein Name?«

Macallan hatte ihn nie genannt. »Das müssen Sie doch wissen!«

»Er ist heute leider nicht zu sprechen.« Sie lächelte.

»Kann ich Ihnen mit etwas anderem weiterhelfen? Wir haben heute Käse mit Laphroaig im Angebot.«

»Ach, bleiben Sie mir doch weg mit Käse! Den sollen Sie mir weder erzählen noch verkaufen! Ich bin eine Koryphäe, was Käse betrifft.« Wobei ihm gerade auffiel, dass er diesen Käse noch nicht verkostet hatte. Er sah wirklich interessant aus. Ausgehend von diesem könnte er eine Abhandlung über die Verwendung von Whisky in der Käseproduktion schreiben – und damit die erste ihrer Art. »Ich nehme ein Stück!«

Die Verkäuferin nickte überrascht. »Sehr gern. Auch etwas Lachs mit…«

»Haben Sie zufällig einen gewissen Herrn namens Edward Macallan gesehen? Er wollte mit mir zum Distillery Manager.«

»Sie gehören zu Eddie?« Mit einem Mal strahlte sie. »Der ist schon oben bei Cameron. Warten Sie, ich bring Sie hoch, und den Käse nehmen wir gleich mit. Geht aufs Haus!«

Das Namensschild an der Bürotür wies den Distillery Manager als Cameron McFallon aus. Cameron war ein groß gewachsener Mann mit braunem Lockenschopf, den man aufgrund des festen Händedrucks und seines breiten Lächelns im Dreitagebartgesicht eher für einen Lagerarbeiter als einen Bürohengst gehalten hätte. Er trug ein Holzfällerhemd, Jeans und grüne Gummistiefel.

Allerdings alles mit dem Logo des Hauses.

»Mann, was bin ich froh, dass Sie so kurzfristig auf unser kleines Eiland gekommen sind, Professor.« Er reichte ihm beide Hände und schüttelte die des Professors kräftig.

»Es ist nicht allein Gutmenschentum, welches mich herführt, sondern auch der versprochene Fünfzigjährige.«

Cameron sah Edward Macallan an und nickte anerkennend. »Der Mann gefällt mir! Er setzt die Prioritäten richtig.« Der Manager griff sich einen dunkelgrünen Pullover, den er über den Kopf zog. »Aber erst die Moorleiche. Wir müssen nur über die Straße. Vorher alle Mann Gummistiefel anziehen. Wir haben immer welche für Besucher da.«

Sie hatten sogar welche in allen Größen, denn man konnte kostenlos Besitzer eines Fleckchens Moor werden und dieses dann besuchen. Ohne Gummistiefel war dieser Ausflug jedoch ein Desaster für die Hosen.

Sie mussten nur den Weg zur Straße zurück, über diese, ein Gatter öffnen, und schon waren sie da. Adalbert ließ Benno von der Leine, dieser jagte los und sah nach drei Sekunden aus, als habe er eine Fangopackung erhalten. Das Moor war trotz der Temperaturen nicht gefroren, allerdings sehr kalt. Heidekraut bedeckte es, aber auch allerlei Gräser, überall standen kleine Nationalflaggen, manchmal auch ausgewachsene Exemplare. Es waren viele deutsche und schweizer darunter. Einige hatten bereits die Farbe verloren. Adalberts Gummistiefel schmatzten im feuchten Boden, als er zwischen ihnen Slalom ging.

»Damit kennzeichnen die Besitzer ihr Stück Land«, erklärte Cameron. »Es gibt eine Urkunde mit GPS-Koordinaten – und die kleinen Fähnchen hier kostenlos dazu. Ein großer Spaß.« Hinter einer kleinen Hügelgruppe lag das, was kein Spaß war. Cameron hatte eine Lkw-Plane darüberlegen lassen und sie mit schweren Steinen fixiert, aus denen sonst die typischen niedrigen Mäuerchen errichtet wurden.

»Dieses Stück wollten wir bald für die Landstücke unserer ›Friends of Laphroaig‹ freigeben. Doch dann fanden wir die Leiche. Sie ist wirklich kein schöner Anblick. Sind Sie bereit, Professor?«

»Es ist leider nicht die erste Leiche für mich. Ich will nicht sagen, dass ich mich daran gewöhne, das werde ich hoffentlich nie, aber mein Magen reagiert mittlerweile sehr gelassen.«

»Hilfst du mir, Eddie?«, fragte der Manager. Gemeinsam schoben sie die Steine von der Plane und klappten sie zur Seite.

Adalbert stellte sich ganz nah an den Rand des ausgehobenen Bereichs, in dem, noch zum Teil von Torf bedeckt, die Leiche lag. Zu sehen waren das freigelegte Gesicht und der Brustbereich. Es wirkte, als sei die Haut schwarz angemalt worden. Der Professor hatte so etwas erwartet, nachdem er sich am Abend in Edinburgh noch über derlei konservierte Leichname kundig gemacht hatte.

»Durch das saure Milieu des Moors und den Sauerstoffabschluss werden Leichen gut konserviert, allerdings lösen sich die mineralischen Anteile der Knochen auf.«

»Ah, so«, Cameron McFallon schien ehrlich beeindruckt.

»Was meinen Sie, wie alt der Bursche ist?«

»Wenn es sich überhaupt um einen ›Er‹ handelt. Der erste Eindruck kann täuschen. Sie sollten diese wertvolle Moorleiche zur Konservierung übrigens gleich wieder vollständig mit Torf bedecken, sonst droht sie zu verschimmeln wie auch zu verwesen.«

Die Leiche lag auf dem Rücken, die Arme mussten hinter dem Rücken verschränkt sein, vielleicht ein besonderes Beerdigungsritual der Hebriden. Es sah auf jeden Fall nicht aus, als wäre der Tote einfach bei der Arbeit gestorben und ins Moor gefallen. Der Zufall ließ niemanden so ordentlich liegen.

Der Professor geriet in Referiermodus. »Wussten Sie eigentlich, dass bis in die frühe Neuzeit solche Leichen zu sogenanntem Mumia verarbeitet und als Arzneimittel verkauft wurden? Sie sollten bei dieser aber davon absehen. Seit der Mechanisierung des Torfabbaus sind die Funde nämlich sehr selten geworden. Die meisten werden zerstört, ohne dass es jemand mitbekommt.« Er klatschte entschlossen in die Hände. »Dann werde ich mal hinuntersteigen.«

Adalbert kam sich ein wenig wie ein Grabräuber vor. Das führte zu einem angenehmen Prickeln entlang seines Rückgrats.

Benno war natürlich vor ihm unten. Auf der Brust der Leiche. Der Professor hob ihn empor und drückte den Foxterrier Macallan in die Arme. Zu seiner Überraschung nahm Cameron McFallon den sich wie einen Aal windenden Benno ohne Mühe an sich. »Ich habe Erfahrung mit denen.« Und tatsächlich, Benno war Butter in seinen Armen.

Bietigheim ging in die Knie und wandte sich der Leiche zu. Er hatte eine Taschenlampe dabei und sein Schweizer Offiziersmesser, aus dem er nun die große Klinge klappte, um das Gesicht der Moorleiche von Erde zu befreien. Es stellte sich heraus, dass der Hals fürchterlich zerfetzt war, als wäre ein Wolf an die Kehle gesprungen. Erde war tief in Luft- und Speiseröhre gedrungen, Bietigheim musste eine aufkommende Übelkeit unterdrücken. Dann befreite er den Oberkörper vorsichtig von Erde, um den Stoff der Kleidung zu erkennen.

Er kratzte etwas mehr, dann nahm er die Hände zu Hilfe und legte die komplette Brust frei.

»Und? Können Sie schon was sagen?«, fragte Cameron McFallon von oben. »19.Jahrhundert? Achtzehntes? Oder noch älter?«

»Nein, nicht älter. Das Jahrhundert kann ich zwar nicht ganz genau bestimmen, aber ich denke, der Zeitraum, in dem er lebte, ist trotzdem gut eingrenzbar.«

Bietigheim stand auf und gab den Blick frei. Die Männer über ihm sagten zeitgleich: »Heilige Scheiße!«

»Der erste Hinweis«, fuhr Adalbert seelenruhig fort, »ist, dass es T-Shirts erst seit Anfang des 20.Jahrhunderts gibt. Exemplare mit Logo sogar erst bedeutend später. Und solche mit dem Aufdruck des Logos einer Whisky-Distillery noch viel später.« Er stieg aus dem Grab. »Besonders delikat wird es dadurch, dass dieses zu dem Betrieb gehört, der nur wenige Hundert Meter entfernt liegt und meines Wissens Ihr stärkster Konkurrent ist.«

Damit drehte er sich zum Grab und schoss mit seiner alten Leica ein Foto. Der Name auf dem T-Shirt war verschnörkelt geschrieben, jedoch gut lesbar.

Es war Lagavulin.

Und damit war eines klar.

Diese Leiche käme nicht ins Museum.

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