Daniel Silvas Romanfiguren
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Dienstag, 12. März 2013 von Piper Verlag


Daniel Silvas Romanfiguren

Erfahrene Geheimdienstler stehen skrupellosen Schurken gegenüber – es macht Spaß zu beobachten, wie die Figuren in Silvas Romanen miteinander spielen.

Silvas Held in den vergangenen elf Romanen sticht dabei besonders heraus: Mit dem israelischen Agenten Gabriel Allon hat Silva eine sehr spezielle Figur geschaffen. Allon ist kein strahlender Held: Er ist ein Topspion, der im Auftrag des israelischen Geheimdienstes Mossad Menschen tötet. 

Er wird noch als Student an der Jerusalemer Kunstakademie vom späteren Chef des Dienstes, Ari Shamron, angeworben. Dieser überzeugt ihn, seine Malpalette gegen eine Pistole einzutauschen, und erteilt ihm seinen ersten Auftrag: die Teilnahme an der Operation »Zorn Gottes«, also die Liquidierung der Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation »Schwarzer September«. 

Diese waren an der Entführung und Ermordung von elf israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele 1972 in München beteiligt. »Du wirst die Terroristen terrorisieren. Du wirst Israels Racheengel sein«, lässt Silva Shamron sagen. Drei Jahre lang verfolgt Allon die Drahtzieher und tötet sechs der zwölf Gesuchten. 

Der Rachefeldzug der israelischen Agenten, der in den Jahren 1972 bis 1981 tatsächlich stattgefunden hat, hinterlässt Spuren: »Als sie nach Hause kamen, war Gabriel an den Schläfen ergraut und um zwanzig Jahre gealtert«, heißt es in »Das Moskau-Komplott«.

Obwohl er an der Legitimation der Operation »Zorn Gottes« und auch folgender Aufträge nicht zweifelt, kommt Allons Gewissen nicht zur Ruhe: »In den düstersten Momenten fragte er sich, ob nicht alles, was ihm seither zugestoßen war, eine Strafe Gottes dafür war, dass er einen Mann vor den Augen seiner Familie erschossen hatte.« Seine mahnende innere Stimme und seine ständigen Zweifel machen Allon zu einer außergewöhnlichen Romanfigur. 

Allon, der Getriebene, der tragische Held »Das Schicksal hat es mit ihm nicht gut gemeint«, sagt Silva über seinen Helden. Seine persönliche Katastrophe erlebt Allon in Wien: Seine Frau Leah und sein Sohn Dani werden Opfer eines Bombenanschlags. Dani wird getötet, Leah überlebt schwer verletzt. Sie bleibt traumatisiert, verloren in neurotischen Zuständen und verbringt ihr Leben in einer psychiatrischen Klinik in Jerusalem.Allon will danach nichts mehr mit dem Mossad zu tun haben, erledigt für diesen trotzdem widerwillig immer wieder einzelne Sonderaufträge: »Du bist Geheimagent des Staates Israel. Du hast nicht das Recht, das Kämpfen anderen zu überlassen«, herrscht ihn die graue Eminenz Ari Shamron in »Gotteskrieger« an. 

Nur beim Restaurieren alter Bilder findet Allon seinen inneren Frieden. Der Beruf des Kunstrestaurators wird nach der Operation »Zorn Gottes« seine Tarnung, die italienischen alten Meister sein Spezialgebiet. Wie kam Silva auf die Idee, seinem Topspion einen so ungewöhnlichen Beruf zu geben? »Das war wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Ich besuchte mit meiner Frau Jamie einen Freund, der Kunstrestaurator ist. ›Warte‹, sagte ich, ›ein Spion, ein Killer und ein Kunstrestaurator – eine Hälfte Zerstörer, eine Hälfte Heiler. Das ist ein großartiger Charakter!‹«

Man darf gespannt sein, wie es mit Gabriel Allon weitergeht. »Ich weiß nie, wie ein Buch endet, wenn ich anfange zu schreiben«, erzählt Silva. »Der Hintermann« ist sein elfte Gabriel-Allon-Roman.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Revolverblatt.


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