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Zeit der Lügen

Zeit der Lügen

Roman

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Zeit der Lügen — Inhalt

Die vier Freundinnen Sarah, Maeve, Liz und Julie verbringen gemeinsam ein Wochenende in einem Cottage in den Hügeln Westirlands. Doch nur drei von ihnen kehren nach Hause zurück. Auf der Suche nach Sarah führen alle Spuren ins Leere. Weiß eine der Freundinnen mehr, als sie zugibt? Fünfundzwanzig Jahre später taucht ein Mann auf, der die alten Wunden erneut aufreißt: Er behauptet zu wissen, was damals mit Sarah geschah …

€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 16.02.2015
Übersetzt von: Karin Dufner
400 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96824-9

Leseprobe zu »Zeit der Lügen«

Kapitel 1

Maeve

 

»Hallo, Maeve, bist du das? Ich bin es, Liz.«

Die Stimme war durchdringend und angespannt.

Maeves Griff um den Telefonhörer wurde fester. Im Wintergarten war es plötzlich kühl geworden.

»Liz?«, wiederholte sie. Sie wusste genau, wer am Apparat war. Die wenigen kurzen Wörter hatten eindeutig einen irischen Akzent gehabt.

»Ja, Liz Dillon.«

»Liz, aber natürlich. Was für eine Überraschung! Entschuldige, ich habe deine Stimme nicht gleich erkannt.«

Sie war eine ziemlich gute Lügnerin.

»Tut mir leid, dass ich dich so überfalle. Es ist nur, [...]

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Kapitel 1

Maeve

 

»Hallo, Maeve, bist du das? Ich bin es, Liz.«

Die Stimme war durchdringend und angespannt.

Maeves Griff um den Telefonhörer wurde fester. Im Wintergarten war es plötzlich kühl geworden.

»Liz?«, wiederholte sie. Sie wusste genau, wer am Apparat war. Die wenigen kurzen Wörter hatten eindeutig einen irischen Akzent gehabt.

»Ja, Liz Dillon.«

»Liz, aber natürlich. Was für eine Überraschung! Entschuldige, ich habe deine Stimme nicht gleich erkannt.«

Sie war eine ziemlich gute Lügnerin.

»Tut mir leid, dass ich dich so überfalle. Es ist nur, dass… nun, sie haben jemanden erwischt… Ich dachte, das würdest du wissen wollen…«

Maeve sackte in ihrem Sessel zusammen und starrte auf die Rasenfläche. Sie hatte seit vielen Jahren nicht mehr mit Liz gesprochen, seit fünfzehn, um exakt zu sein, und dennoch wusste sie genau, wovon die Rede war.

»Wer ist es denn?«, flüsterte sie. »Es kam nichts in den Nachrichten.«

Maeve lebte zwar schon seit zehn Jahren in Windsor, hielt sich aber noch immer über die aktuellen Ereignisse in Irland auf dem Laufenden.

»Irgend so ein Spinner. Ist einfach in Limerick ins Polizeirevier spaziert.«

»Ist er… ist er so ein Perverser… du weißt schon, der auf einer von diesen Listen steht…?« Sie brachte es nicht über sich, das Wort auszusprechen, und spürte, wie ihr vor Angst plötzlich die Knie weich wurden.

»Du meinst, ein registrierter Sexualstraftäter? Keine Ahnung… ich habe nur gehört, dass er selbstständiger Fliesenleger und über sechzig ist.«

Sofort hatte Maeve einen Gelegenheitsarbeiter vor Augen – ein teigiges, pockennarbiges Gesicht. Das Böse im Blaumann.

»Woher weißt du das alles, Liz?« Sie musste sich an der Armlehne des Sessels festhalten.

»Einer von Vinnys Kollegen ist in Limerick stationiert. Der Typ ist einfach gestern Abend dort aufgekreuzt. Vinny hat mich gleich heute Morgen angerufen.«

Liz’ Bruder Vinny war bei der Polizei. So funktionierte das eben in Irland. Während normalerweise jeder Mensch jeden anderen über sechs Ecken kannte, waren es in Irland drei. Jeder war mit jedem entweder verwandt oder bekannt.

»Ich nehme an, er hat gestanden?«

»Wie ich schon sagte, weiß ich auch nicht mehr. Er wird noch verhört. Vinny meint, sie wollten die Sache diskret behandeln. Keine Presse. Nicht so wie beim letzten Mal.«

»Hast du mit Julie gesprochen?«

Eine Pause entstand.

»Nein…« Liz zögerte. »Wir haben schon seit einer Ewigkeit keinen Kontakt mehr. Ich glaube, mit Jules steht es seither nicht zum Besten. Ich kann nicht abschätzen, wie sie darauf reagieren wird. Du kennst sie ja. Seit damals ist sie nicht mehr wie früher.«

Als wäre auch nur eine von ihnen wie früher.

Sie hatten versucht, nach vorne zu schauen. Nicht, um zu vergessen, sondern um ihren Frieden zu finden und weiterleben zu können. Nur Julie war einfach nicht in der Lage gewesen loszulassen. Sie war völlig in ihrer Trauer aufgegangen, hatte sich in ihre Verzweiflung gehüllt wie in eine Decke. Sie hatte sich von ihren Freundinnen zurückgezogen, vom Leben, ja, von allem.

»Es war für uns alle nicht gerade das reinste Honigschlecken.« Maeve wusste, dass sie verbittert und gehässig klang.

Schweigen.

Jede von ihnen hatte Wunden davongetragen, nur dass der Schmerz bei Julie offensichtlicher und näher an der Oberfläche lag. Ihre Lebensumstände waren härter und fordernder gewesen. Und Maeve war schon seit Langem mit ihrer Geduld am Ende.

»Und was treibt unsere Diva inzwischen so?«, brach Maeve das Schweigen.

»Aber, Maeve! Mir ist klar, dass ihr euch nicht gerade in Freundschaft getrennt habt, doch das ist jetzt ein bisschen unfair…«

»Ach, mach mal ’nen Punkt, Liz, du brauchst sie nicht in Schutz zu nehmen! Wir alle wissen, dass sie ein Katastrophengebiet auf zwei Beinen ist. Das war sie schon immer, und das wird sie auch immer bleiben. Einige Dinge ändern sich nie.«

»Es war wirklich nicht leicht für sie…«

»Ja, ja, schon verstanden«, entgegnete Maeve. »Aber jemand muss es ihr sagen. Soll ich das übernehmen?« Sie würde nicht lange um den heißen Brei herumreden und sofort auf den Punkt kommen.

»Würdest du das wirklich tun, Maeve? Ich glaube nämlich, ich könnte das nicht.«

Maeve spürte, wie erleichtert Liz war. Nach all den Jahren hatte sich nichts an der Rollenverteilung geändert. Es war immer das Gleiche – Probleme zu lösen war Maeves Aufgabe.

Den Großteil dieses letzten Jahres an der Uni waren die drei Freundinnen geblieben. Aber dann hatten sie sich, langsam und unaufhaltsam, aus den Augen verloren. Sie hatten es einfach nicht ertragen, dass etwas so Unaussprechliches sie miteinander verband. Nun, Jahre später, wusste Maeve, dass sie für immer und ewig zusammengekettet sein würden, auch wenn noch so viele Kilometer zwischen ihnen lagen. Die Ereignisse jenes längst vergangenen Wochenendes würden ihre Beziehung bis in alle Ewigkeit überschatten.

Sie saß wie erstarrt in ihrem Sessel. Die Furcht kroch ihr aus den Knochen in den Bauch und stellte ihr die Nackenhaare auf. Eine tiefe Wunde war wieder aufgerissen worden.

Als Maeve ein unterdrücktes Schluchzen hörte, wurde sie laut. »Herrgott, Liz, nicht. Fang jetzt nicht damit an. Das halte ich nicht aus. Wir haben vor fünfundzwanzig Jahren genug geweint. Es war nicht unsere Schuld.«

»Ich weiß, ich weiß, du hast natürlich recht…«, schniefte Liz. »Als Vinny es mir erzählt hat, ist mir so schlecht geworden, dass ich geglaubt habe, ich müsste mich übergeben. Inzwischen habe ich keine Ahnung mehr, was ich empfinden soll. Freude, weil sie das Schwein endlich haben? Erleichterung? Angst? Ich bin absolut ratlos.«

»Dass es ein Ende nimmt, Liz. Das wollen wir doch? Mehr können wir uns nicht erhoffen.« Maeve klang um einiges ruhiger, als sie sich fühlte.

Voller Neid betrachtete sie den wunderschönen Golden Retriever im Garten. Sie hätte in diesem Moment so gern mit ihm getauscht und sich auf einem von Büschen gesäumten Rasen geräkelt. Sie wollte die Geister von früher nicht wieder auferstehen lassen. Sie wollte nicht die Frau mit der dunklen Vergangenheit sein.

Sie spürte einen Stich im Herz. Es gab so wenige schöne Erinnerungen an ihre Zeit als Maeve Molloy. Doch sie hatte es überstanden. Sie und Kieran hatten sich hier in England ein angenehmes Leben aufgebaut, überdurchschnittlich angenehm. Ganz gleich, was jetzt auch geschah, sie würde sich daran festklammern.

»Soll ich dir Julies Mobilnummer geben?« Liz hörte sich unsicher an.

»Das ist wahrscheinlich das Beste. Und ich gebe dir meine«, übernahm Maeve das Kommando. »Dann können wir uns per SMS auf dem Laufenden halten. Du hast mir noch nicht erzählt, was Jules jetzt so macht…« Maeve war neugierig.

»Ach, entschuldige, hab ich das wirklich noch nicht gesagt? Alternative Therapie…«

»Das gibt’s doch nicht! Wirklich? Ich hätte gedacht, dass man bei ihr schwerere Geschütze auffahren muss…«

»Stopp… du hast mich falsch verstanden, Maeve. Sie ist die Therapeutin.«

Maeve saß da wie vom Donner gerührt – Julie heilte andere Menschen, obwohl sie selbst so kaputt war.

»Maeve?«

»Ja, Liz?«

»Vielen Dank. Ich habe mir gleich gedacht, dass du weißt, was zu tun ist. Und du warst schon immer gut im Umgang mit Julie.«

Und du warst immer gut darin, dich vor unangenehmen Dingen zu drücken, dachte Maeve.

»Kein Problem.«

»Vielleicht erfahren wir jetzt ja, wie es passiert ist«, flüsterte Liz.

Maeves Herz fing an, wie wild zu klopfen. Genau davor hatte sie Angst. Ihre Handflächen wurden feucht. Sie holte tief Luft, und ihre Fingernägel bohrten sich in ihre Haut.

»Vielleicht… vielleicht nach all dieser Zeit. Es war die Hölle auf Erden.«

Zurück in der Küche bei ihrem unangetasteten grünen Tee betrachtete Maeve den silbrigen Schaum, der sich darauf abgesetzt hatte. Eine silbrige Schaumschicht, dachte sie – die hat mein Leben in den letzten Jahren überdeckt. Sie sah sich in der Küche um, blickte auf die blitzblanken Geräte, die Arbeitsflächen aus Granit, den Marmorfußboden. Die Putzfrau war gerade gegangen. Maeve gefiel das Leben, das sie jetzt führte. Trotz allem. Sie würde tun, was in ihrer Macht stand, um es zu behalten.

Maeve wohnte gerne in Windsor. Kierans Baufirma hatte ihr zu einem Lebensstandard verholfen, von dem sie nie zu träumen gewagt hatte. Jill und Hugo besuchten Privatschulen, und sie saß in beiden im Elternbeirat. Außerdem war sie als Kandidatin für den Vorsitz der Damenabteilung des Golfclubs im Gespräch. Sie war schlicht und ergreifend nicht bereit, zu einer der Frauen zu werden, über die die Damen beim Lunch hinter vorgehaltener Hand tuschelten.

Ihr Freundeskreis bestand aus wohlhabenden und interessanten Menschen. Sie unterschieden sich sehr von den Freundinnen, die sie an der Uni in Galway gehabt hatte. Man hatte sich in schweigender Übereinkunft aus den Augen verloren. In den letzten zehn Jahren war nicht einmal eine Weihnachtskarte gekommen. Sie alle waren erleichtert gewesen, eine Freundschaft hinter sich lassen zu können, in deren Mittelpunkt ein Mensch stand, der fehlte.

Allerdings machte es ganz den Eindruck, als würde ihre Vergangenheit ihnen jeden Moment um die Ohren fliegen, sodass sich ihre Wege wieder kreuzen würden. Maeve, Liz und Julie waren aneinander gekettet, vereint in einem unheiligen Bund. Und das alles nur wegen dem, was mit Sarah Devereaux geschehen war.

Über Siobhan MacDonald

Biografie

Siobhan MacDonald wurde in Cork, Irland, geboren. Nach ihrem Studium in Galway arbeitete sie mehrere Jahre in Schottland und Frankreich als technische Redakteurin, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte. Heute wohnt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Limerick. »Zeit der Lügen« ist ihr...

Pressestimmen

news – Das Magazin für Bielefeld und Umgebung

»Ein bis zur letzten Seite spannender Schmöker über Freundschaft und Verlust.«

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