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Wurmloch

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Rho Agenda 3

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Wurmloch — Inhalt

Eine Anomalie erschüttert die Wissenschaftler am Europäischen Kernforschungszentrum in der Schweiz. Ein Schwarzes Loch scheint sich gebildet zu haben, das die gesamte Erde zu verschlingen droht. Einzig Dr. Stephensons Erkenntnisse aus dem Rho-Projekt können dies noch verhindern. Doch was lässt man auf die Menschheit los, wenn der unberechenbare Stephenson aus dem Gefängnis freikommt? Heather, Mark und Jenn versuchen derweil, in das Informationszentrum des Zweiten Schiffs vorzudringen, um endlich hinter die Absichten der Aliens zu kommen. Was sie dort entdecken, übersteigt jedoch ihre schlimmsten Befürchtungen. Sie beobachten die Vorbereitungen zu einer Invasion. Das Ziel: Die Erde.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 13.07.2015
Übersetzer: Birgit Reß-Bohusch
432 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97019-8

Leseprobe zu »Wurmloch«

Kapitel 1

 

Als Dr. Rodger Dalbert aus dem schwarzen Mercedes stieg, hätte er durch die Glätte um ein Haar den Boden unter den Füßen verloren. Sein Fahrer streckte den Arm aus, um ihn zu stützen, aber er winkte ab.
»Schon gut, Carl. Ich schaffe das allein.«
»Wir haben heute Morgen besonders tückisches Glatteis. Mich hätte es vorhin beinahe aus der Kurve getragen.«
Rodger lächelte den kräftig gebauten Mann an. »Den Eindruck hatte ich auch.«
Ein eisiger Windstoß zwang Rodger, den Kopf einzuziehen und schützend den Mantelkragen hochzuschlagen. Verdammt, war [...]

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Kapitel 1

 

Als Dr. Rodger Dalbert aus dem schwarzen Mercedes stieg, hätte er durch die Glätte um ein Haar den Boden unter den Füßen verloren. Sein Fahrer streckte den Arm aus, um ihn zu stützen, aber er winkte ab.
»Schon gut, Carl. Ich schaffe das allein.«
»Wir haben heute Morgen besonders tückisches Glatteis. Mich hätte es vorhin beinahe aus der Kurve getragen.«
Rodger lächelte den kräftig gebauten Mann an. »Den Eindruck hatte ich auch.«
Ein eisiger Windstoß zwang Rodger, den Kopf einzuziehen und schützend den Mantelkragen hochzuschlagen. Verdammt, war das kalt ! Aber was konnte man von einem Märztag in der Schweiz schon anderes erwarten ?
Andererseits war Meyrin nur einen Katzensprung von Genf entfernt. Rodger hatte schon immer eine besondere Vorliebe für Genf besessen. Zu schade, dass ihm sein Terminplan nur für die Fahrt zwischen Flughafen und Forschungsanlage Zeit ließ. Nun ja. Er hatte gewusst, dass sein Privatleben darunter leiden würde, als er zugestimmt hatte, den Vorsitz von PCAST zu übernehmen.
Rodger zog den Mantelkragen noch enger um den Hals und floh vor dem Wind in das Gebäude, in dem die heutige Konferenz stattfinden sollte. Es sollte um eine Bewertung der laufenden Reparaturen am Großen Hadronen-Speicherring gehen, dem besser als Large Hadron Collider oder LHC bekannten Teilchenbeschleuniger des Kernforschungszentrums CERN. Das ehrgeizigste Wissen­-
­schaftsprojekt, das die Menschheit je in Angriff genommen hatte, nutzte als wichtigste Komponente einen hundert Meter unter der Erde angelegten Ringtunnel westlich des Genfer Sees, der eine Ausdehnung von siebenundzwanzig Kilometern besaß und mehrfach die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich überquerte. Das Bauwerk, das Rodger betreten hatte, befand sich siebzig Meter über der Kaverne mit dem gigantischen ATLAS-Detektor, der Punkt Eins des LHC umschloss, in dem zwei auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigte Protonen-Strahlen zur Kollision gebracht wurden … zumindest dann, wenn das ganze Ding mal funktionierte.
»Dr. Dalbert, ich freue mich sehr, dass Sie es einrichten konnten hierherzukommen !«
Rodger wandte sich dem Sprecher zu. Dr. Louis Dubois, der ­renommierte französische Physiker, der das ATLAS-Forschungs­team leitete, kam quer durch den Raum auf ihn zu. Der Mann war gealtert, seit Rodger ihn zuletzt auf einer Konferenz in New York gesehen hatte, wo er mit mehr als schulterlangen kohlschwarzen Haaren, aufgestylt, als käme er gerade aus einem Pariser Mode­salon, mehr dem jungen Yanni geähnelt hatte als einem Nobelpreisträger in Quantentheorie. Jetzt trug er jedoch einen fettigen Pferdeschwanz, der so aussah, als hätte er sich seit Wochen die Haare nicht mehr gewaschen. Seine Augen schienen tief in die Höhlen gesunken zu sein und verrieten eine Müdigkeit, die kein Schlaf der Welt mehr tilgen konnte.
»Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Dr. Dubois. Tut mir leid, dass ich so spät komme, aber die Fahrt heute Morgen hat etwas länger gedauert als erwartet.« Rodger deutete mit dem Kinn zum Empfangsschalter. »Muss ich mich anmelden ?«
»Nicht nötig. Ich habe Ihren Besucherausweis bereits vorbereitet. Wenn Sie mir bitte folgen wollen … die Konferenz beginnt gleich.«
Dr. Dubois steuerte einen Ausgang an, führte Rodger einen kurzen Korridor entlang und betrat einen Raum zur Rechten, der sehr viel kleiner war, als Rodger erwartet hatte. Der Konferenztisch hatte zwölf Plätze, aber nur drei Leute waren anwesend. Mit Rodger im Schlepptau ergänzte Dr. Dubois die Gruppe nun zu einer glorreichen Fünf.
Während Rodger Platz nahm, trat Dr. Dubois ans Kopfende des Tisches und begann mit der obligaten Einführung.
»Guten Morgen allerseits. Obwohl sich die meisten von Ihnen bereits kennen, möchte ich Sie doch der Reihe nach kurz vorstellen.
Zu meiner Linken sehen Sie Dr. Robert Craig, den leitenden wissenschaftlichen Berater des britischen Verteidigungsministeriums.«
Der gedrungene Rotschopf nickte Rodger zu.
»Machen wir weiter im Uhrzeigersinn. Dr. Klaus Gotlieb, wissenschaftlicher Berater der EU‑Kommission.«
Rodger erinnerte sich an das Raubvogelgesicht des kahlköpfigen älteren Mannes, dem er im August bei einer Tagung in Stockholm begegnet war. Obwohl er damals nur ein paar Worte mit dem Wissenschaftler gewechselt hatte, war ihm das Gespräch endlos vorgekommen.
»Und dann haben wir noch Dr. Pierre Boudre, einen der führenden Astrophysiker der ESA.«
Rodger zog kaum merklich die linke Augenbraue hoch, als er dem schlanken Franzosen über den Konferenztisch einen Blick zuwarf. Er kannte und mochte Pierre seit den Tagen ihrer ISS-Zusammenarbeit für die NASA. Der Mann war brillant und die Liebenswürdigkeit in Person, ganz gleich, ob er sich mit Einheimischen in einem Stehcafé in Houston oder mit der Creme der Gesellschaft auf einem Empfang auf Long Island unterhielt. Aber was hatte ­Pierre hier zu suchen ?
Und überhaupt, was hatte er selbst hier zu suchen ? Diese Zusammenkunft schien alles andere zu sein als die angekündigte Konferenz zum Status der LHC-Reparaturen. Fünf Teilnehmer ? Das reichte nicht einmal für eine Diskussion am runden Tisch, geschweige denn für eine Tagung. Dazu die Zusammensetzung der Gruppe. Zwei Franzosen, ein Deutscher, ein Brite und ein Amerikaner. Die Mischung stimmte einfach nicht. An dem Projekt des Teilchenbeschleunigers waren Wissenschaftler aus der ganzen Welt beteiligt. Was also sollte das Ganze ?
»Und zu meiner Rechten sehen Sie Dr. Rodger Dalbert aus den USA, den Vorsitzenden des President’s Council of Advisors in Science and Technology.
Ich bin Dr. Louis Dubois, der Leiter des ATLAS-Forschungs­teams, ein etwas hochtrabender Titel, wenn man bedenkt, dass an diesem Experiment mehr als zweitausendfünfhundert Physiker aus insgesamt siebenunddreißig Ländern zusammenarbeiten. ­Sagen wir es lieber so : ATLAS ist mein Baby – und ein ziemlich großes Baby obendrein.«
Ein beifälliges Lachen folgte seinen Worten.
Dr. Dubois machte eine kleine Pause und spreizte dann die Hände wie ein Prediger, der seine Schäflein zum gemeinsamen Gebet auffordert. »Ihnen ist mittlerweile sicher klar geworden, dass es sich bei diesem Treffen keineswegs wie behauptet um eine Konferenz über den Zeitplan der LHC-Reparaturen handelt. Ich entschuldige mich, zu dieser Ausflucht gegriffen zu haben, aber sobald ich Ihnen die gegenwärtige Situation erklärt habe, werden Sie sicherlich verstehen, weshalb wir diesen Schritt für notwendig erachteten. Denn es ist eine Situation, die umsichtiges Handeln erfordert, um jegliches unerwünschte Medieninteresse zu vermeiden.«
Rodgers Puls begann zu rasen. Medieninteresse ? War den CERN-Forschern etwa ein Durchbruch gelungen ? Hatten sie endlich den schlüssigen Beweis für das Standardmodell der Teilchenphysik gefunden ? Aber warum gingen sie dann mit ihren Erkenntnissen nicht einfach an die Öffentlichkeit ? Das alles ergab einfach keinen Sinn.
»Anstelle langer Erklärungen möchte ich Ihnen zeigen, weshalb ich Sie hierher gebeten habe.«
Dr. Dubois drückte auf die Taste der kleinen Fernbedienung, die vor ihm auf dem Tisch lag. Der Flachbildschirm an der gegenüberliegenden Wand erwachte zum Leben. Das Display zeigte eine Unzahl von farbigen Linien, die von einem zentralen Punkt ausgingen. Sie erinnerten an das Geschnörkel eines Kindes, das einen Tag lang mit einem Spirografen herumgespielt hatte.
Dr. Dubois kreiste mit dem Mauszeiger den zentralen Punkt ein.
»Das hier ist eine ATLAS-Aufnahme von Tests, die am frühen Morgen des letzten Freitags im November stattfanden, kurz bevor das System abgeschaltet wurde. In den USA hatten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch Donnerstagabend – den vierten Donnerstag im November. Thanksgiving Day.«
Rodger studierte den Bildschirm. Ohne eine gründliche Unter­suchung des kompletten Datensatzes konnte er auf dem Bild nichts Ungewöhnliches erkennen. Fest stand anhand der zahlrei­chen auf dem Monitor abgebildeten Teilchenspuren nur, dass die extreme Energie, die bei den Protonen-Kollisionen freigesetzt wurde, eine Vielzahl von Partikeln der verschiedensten Ladungen, Spins und Massen erzeugt hatte.
Dr. Dubois schaltete weiter. »Und diese Aufnahme zeigt die ­ATLAS-Daten von heute Morgen.«
Obwohl bereits die erste Abbildung auf ein extremes Energie-Ereignis hingewiesen hatte, zeigte die jüngste Aufnahme ­einen Anstieg der Teilchen-Interaktionen um eine ganze ­Größenordnung. Es waren so viele, dass man die einzelnen Spuren kaum noch voneinander unterscheiden konnte.
»Verzeihung«, warf Dr. Craig ein. »Haben Sie bei dem heutigen Ereignis die gleichen Filter- und Triggereinstellungen wie im ­November verwendet ?«
»Sämtliche Instrumenteneinstellungen des ATLAS-Experiments blieben unverändert«, erklärte Dr. Dubois.
Etwas an dem Dialog ließ Rodger aufhorchen. »Diese Aufnahme stammt von heute Morgen ? Mir war nicht bekannt, dass die Reparaturen an den beschädigten Elektromagneten bereits abgeschlossen sind und das System wieder unter Vakuum arbeitet. Ist es Ihnen tatsächlich gelungen, Strahlenenergien von mehr als zehn Tera-Elektronenvolt zu erreichen ?«
Dr. Dubois lehnte sich in seinem Stuhl zurück. »Das bringt uns zum Kernpunkt unserer Zusammenkunft. Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Es gab weder irgendwelche Schäden an den Elektromagneten noch einen Vakuumverlust im Strahlrohr. Diese Geschichte sollte lediglich die Presse ablenken, um uns die nötige Zeit zu einem besseren Verständnis der Anomalie zu verschaffen.«
Sämtliche Anwesenden ergriffen gleichzeitig das Wort. Das Stimmengewirr wurde so laut, dass die einzelnen Fragen im Lärm untergingen. Dubois wartete geduldig, bis die Wissenschaftler endlich verstummten.
»Ich verstehe, dass Sie Näheres erfahren möchten, aber bevor ich das Wort an Sie weitergebe, sollten Sie sich den Rest meines Berichtes anhören. Er wird viele der Dinge beantworten, die Sie eben angesprochen haben, aber ganz sicher auch eine Reihe neuer Fragen aufwerfen. Darf ich jetzt fortfahren ?«
Dr. Dubois warf einen Blick in die Runde. Niemand erhob Einwände. Er stand unvermittelt auf, als könnte er die Anspannung nicht mehr ertragen.
»Wie Sie meiner Einleitung entnehmen können, erzielten die Ende November durchgeführten Versuche eine Reihe von hochinteressanten Ergebnissen. Doch am Morgen des letzten Freitags dieses Monats verzeichneten sämtliche ATLAS-Instrumente während eines Tests ein merkwürdiges Hochschnellen der Werte. Das betraf die Messungen des inneren Detektors, der Kalorimeter, des Myon-Spektrometers und selbst der äußeren Toroid-Magneten.
Noch verwirrender war, dass die Messwerte auch nach Abschalten des Strahlenkanals bestehen blieben. Natürlich suchten wir zunächst nach irgendwelchen ausgefallenen Instrumenten, kontrollierten die Elektronik und überprüften die für das Speichern und Verarbeiten der Daten zuständige Software auf Fehler.«
Blässe hatte die Züge von Dr. Dubois überzogen, eine Blässe, die sich nicht allein auf die künstliche Beleuchtung im Raum ­zurückführen ließ. Rodger verstand, was ihn bewegte. Die Implikationen waren enorm. Wenn die ATLAS-Instrumente ohne das Zutun von Teilchen-Kollisionen ein so gewaltiges Ereignis verzeichneten, konnte das nichts Gutes bedeuten.
»Wir haben sämtliche LHC-Tests ruhen lassen, um das Phänomen genau zu bestimmen. Seit jenem Tag ist kein einziger Teilchenstrahl mehr abgefeuert worden.«
»Einen Augenblick.« Dr. Gotlieb erhob sich von seinem Platz und deutete auf den Bildschirm. »Sagten Sie nicht, dass diese Aufnahme von heute Morgen stammt ?«
Dr. Dubois nickte. »Korrekt. Das hier ist ein Ausschnitt der Daten, die der ATLAS-Detektor heute Morgen gesammelt hat.«
»Aber wenn es im LHC-Ringtunnel zu keiner Protonenbeschleunigung kam, wie kann dann … ?«
Dr. Gotliebs Frage endete in einem entsetzten Schweigen.
»Heiland !« Rodger murmelte das Wort wie eine Beschwörung. Das hier war weit schlimmer, als er gedacht hatte.
»Die November-Anomalie, wie wir das Phänomen mittlerweile nennen, erschien am Interaktionspunkt des ATLAS-Detektors und konnte irgendwie so etwas wie Stabilität erlangen. Wir setzten sofort alles daran, die Anomalie mit einem starken elektromagnetischen Feld zu umschließen und sie so daran zu hindern, aus der Vakuumkammer zu entweichen. Seit ihrem ersten Auftauchen hat ein Team von Ingenieuren rund um die Uhr daran gearbeitet, die Vakuum-Umhüllung zu verbessern und eine Reihe ­zusätzlicher Absicherungen zu schaffen, die ein Versagen der Elektromagnete oder des Vakuums verhindern sollen.«
Dr. Dubois kramte ein Taschentuch hervor und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. »Ich denke, Ihnen ist jetzt klar, weshalb wir diese Fakten zurückhielten, während die besten Köpfe des Programms sich abmühten, genau zu verstehen, was sich da ereignet hatte.«
»Aber das ist einfach undenkbar«, meinte Dr. Boudre. »Zugegeben, ich bin eher Astrophysiker als Quantenexperte, aber selbst die durch LHC-Kollisionen erzeugten Energien haben einen viel zu geringen Wirkungsquerschnitt, um die Entstehung eines Schwarzen Lochs im Mikrobereich zu erklären. Außerdem sollte die Hawking-Strahlung jedes Schwarze Loch mit einer Masse von weniger als zweihunderttausend Kilogramm in knapp einer Sekunde auflösen. Und ein Schwarzes Mikroloch wie das Ihre müsste in einem Bruchteil dieser Zeit verdampft sein.«
»Wir glauben nicht, dass wir es mit einem derartigen Phänomen zu tun haben.«
»Was heißt da glauben ?«, warf Dr. Gotlieb empört ein.
Rodger merkte, dass er ebenfalls aufgestanden war und sich mit beiden Händen auf der Tischplatte abstützte.
»Und welche Erkenntnisse haben Sie nun nach drei Monaten geheimer Untersuchungen gewonnen ?«
Dr. Dubois setzte zum Sprechen an, machte eine Pause und begann dann noch einmal. »Die Anomalie widerspricht sämtlichen anerkannten Theorien. Wir haben alle Veröffentlichungen der letzten fünfzig Jahre durchforstet, die auch nur entfernt mit dieser Materie zu tun haben, und haben nur eine entdeckt, die zu beschreiben scheint, was wir hier sehen. Es handelt sich um einen vor drei Jahren erschienenen Aufsatz mit dem Titel ›Quasistabile Quanten-Singularitäten‹.«
»Und was hat der Verfasser dieser Arbeit über Ihre Anomalie zu sagen ?«, drängte Rodger.
»Ich weiß es nicht. Wir haben noch nicht mit ihm gesprochen.«
»Warum zum Teufel nicht ?«, fuhr Dr. Craig auf.
»Meine Herren, bitte nehmen Sie wieder Platz. Danke. Ich weiß, dass Sie sich alle wundern, weshalb ich Sie hier versammelt habe, anstatt mich direkt an die Regierungen der Welt zu ­wenden. Was wir hier haben, ist ein Phänomen völlig außerhalb unseres aktuellen Wissensstandes auf dem Gebiet der Physik. Im Moment erscheint es quasistabil, aber es besitzt das Potenzial, sich in ­etwas weit Gefährlicheres zu verwandeln, möglicherweise sogar in ein Schwarzes Loch, das unseren Planeten verschlingen könnte. Ist Ihnen bewusst, was uns droht, wenn eine Regierung auf diese Mitteilung mit Panik reagiert ?«
Die Tischplatte erzitterte, als Dr. Craigs Faust niedersauste. »Man würde Ihr gottverdammtes Experiment mit ein paar Atombomben vernichten. Hätte längst geschehen müssen, wenn Sie mich fragen.«
Rodger verstand Dr. Craigs Zorn. Er selbst saß wie gelähmt da und war zu keiner Reaktion fähig.
Dr. Dubois beugte sich vor. »Mit einem solchen Schritt würde aller Voraussicht nach genau die Katastrophe ausgelöst, die wir alle befürchten. Unsere Analyse der Gleichungen in dem bereits erwähnten Aufsatz hat ergeben, dass eine Anomalie dieses Typs zwischen einer Reihe von stabileren Zuständen steht, die jedoch fast alle schnell ihren Wendepunkt erreichen. Selbst ein relativ geringer Störfaktor kann das prekäre Gleichgewicht kippen und die Menschheit in einem Sturm der Zerstörung hinwegfegen.
Deshalb sind wir zu dem Schluss gelangt, dass Sie vier als hoch geachtete Wissenschaftsvertreter der EU, Großbritanniens und der USA am besten geeignet sind, Ihren jeweiligen Regierungen die neuen Erkenntnisse zu unterbreiten. Sobald die führenden Poli­tiker mit den Fakten vertraut sind, können sie gemeinsam überlegen, wie wir am besten weiter verfahren.«
Dr. Craigs Gesichtsfarbe war inzwischen purpurrot. »Ich wiederhole meine Frage von vorhin. Warum haben Sie keinen Kontakt zu dem Physiker aufgenommen, von dem dieser verdammte Aufsatz stammt ?«
»Weil uns das bis jetzt nicht möglich war.« Dr. Dubois richtete seinen Blick auf Rodger. »Ohne die Hilfe der amerikanischen Regierung können wir ihn nicht erreichen.«
Rodger atmete tief durch. »Was wollen Sie damit sagen ?«
»Dass sich der Mann in einem amerikanischen Gefängnis befindet. Ich spreche von dem allseits bekannten und berühmten Dr. Donald R. Stephenson.«
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Richard Phillips

Über Richard Phillips

Biografie

Richard Phillips, geboren 1956 in Roswell, New Mexico, schloss die Akademie West Point 1979 als Army Ranger ab und diente mehrere Jahre der amerikanischen Armee. 1989 erwarb er einen Master der Physik und arbeitete in mehreren wissenschaftlichen Labors, die Projekte für die US-Regierung entwickeln....

Pressestimmen

Nautilus

»Richard Phillips präsentiert mit "Wurmloch", dem atemberaubenden Finale seiner Trilogie "Rho Agenda" packende Science Fiction.«

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