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VampirjagdVampirjagd

Vampirjagd

Roman

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Vampirjagd — Inhalt

Mysteriöse Verführung, Blut und dunkle Rache - ein Urban Fantasy Roman für alle Fans von »True Blood«

In Wien leben die Vampire unerkannt inmitten der Gesellschaft – so auch die junge Daniela. Als ein Brandanschlag auf sie verübt wird, erkennt Daniela, dass sie im Kreuzfeuer dunkler Mächte steht. Ein rachsüchtiger Feind ist ihr auf den Fersen, und er verbreitet mit furchtbarer Grausamkeit Angst und Schrecken. Um ihn zu stoppen, muss Daniela sich ihren eigenen übernatürlichen Kräften stellen – und der verführerischen Vampirin Vanessa, die selbst zum Opfer eines unvorstellbaren Verbrechens geworden ist …

€ 19,99 [D], € 20,60 [A]
Erscheint am 04.12.2018
480 Seiten
EAN 978-3-492-50198-9
€ 6,99 [D], € 6,99 [A]
Erscheint am 04.12.2018
480 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-98449-2

Leseprobe zu »Vampirjagd«

Personenliste

 

Der Club der Vampire:

 

Daniela – junge Vampirin
Dilia – Vampirspürerin
Cynthia – Dilias Freundin
Istvan – Ungar aus der k. u. k. Zeit
Holger – Rechtsanwalt
Lukas – junger Vampir
Urban – Malerfürst, Danielas Ehemann
Andere:

 

Brunner, Erwin – entlassener Häftling
Cerny – Chefinspektor
Duback, Martin – Unternehmensberater
Grametz, Florian – Freund Ferdinand Rubanters
Hafner – Kollege Prallingers
Mattuschek, Bernhard (Berni) – Geschäftsmann
Mattuschek, Vanessa – Berni Mattuscheks Ehefrau
Oberhuber, Toni – Freund Ferdinand Rubanters
Prallin [...]

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Personenliste

 

Der Club der Vampire:

 

Daniela – junge Vampirin
Dilia – Vampirspürerin
Cynthia – Dilias Freundin
Istvan – Ungar aus der k. u. k. Zeit
Holger – Rechtsanwalt
Lukas – junger Vampir
Urban – Malerfürst, Danielas Ehemann
Andere:

 

Brunner, Erwin – entlassener Häftling
Cerny – Chefinspektor
Duback, Martin – Unternehmensberater
Grametz, Florian – Freund Ferdinand Rubanters
Hafner – Kollege Prallingers
Mattuschek, Bernhard (Berni) – Geschäftsmann
Mattuschek, Vanessa – Berni Mattuscheks Ehefrau
Oberhuber, Toni – Freund Ferdinand Rubanters
Prallinger – Kriminalbeamter
Rubanter, Ferdinand junior – Milliardärssohn
Rasso – Ferdinand Rubanters Rottweiler
Sametsammer, Jonny – Erwin Brunners Komplize
Sametsammer, Rainer – Erwin Brunners Komplize
Stephanie – Vanessas jüngere Schwester

Stela – kleine Bettlerin
Wiedl – Prallingers Assistent

 

Eins

 

Blutige Träume

 

1

 

Daniela fuhr erschrocken aus dem Schlaf hoch und sah sich um. Doch da gab es keinen verlockenden See aus Blut. Trotzdem war der Heißhunger auf den Lebenssaft, der sie eben noch im Traum gequält hatte, unverändert groß.
So wild hatte sie schon lange nicht mehr geträumt, stellte sie fest, während sie die Bettdecke zurückschlug und mit zitternden Beinen aufstand. Ihr Blick streifte Urban, der unbeirrt weiterschlummerte. Sein Schlaf wurde offenbar nicht von Albträumen und einer schier unersättlichen Gier nach Blut beherrscht. Daniela beneidete ihn darum. Ihr Traum war so intensiv gewesen, dass sie nun dringend etwas brauchte, obwohl sie ihre wöchentliche Ration erst vor zwei Tagen getrunken hatte.
Seufzend ging sie um das Bett herum zu der Wand an Urbans Seite, drückte gegen ein Paneel der hölzernen Wandverkleidung und öffnete die verborgene Tür, hinter der in einem gekühlten Safe Urbans und ihre Notrationen lagen. Sie zog eine volle Halbliterflasche heraus und trank gierig. Erst beim Absetzen bemerkte sie, dass Urban wach geworden war und sie beobachtete.
»Ist etwas mit dir?«, fragte er besorgt.
»Wenn ich das wüsste, wäre mir wohler.« Daniela verzog das Gesicht. »Ich habe von einem See aus Blut geträumt und fühle eine Gier danach, die mich beinahe zerreißt. Ich hoffe nur, ich laufe nicht Gefahr zu entarten.«
»Mal den Teufel nicht an die Wand!« So schnell war Urban nur selten aus dem Bett gekommen. Er legte die Hand auf die Stirn seiner Frau und horchte in sie hinein. Zwar spürte er den Nachhall ihres Albtraums, aber nichts, was darauf hindeutete, dass Daniela kurz davorstand, sich in das schrecklichste Geschöpf zu verwandeln, das es in seinen Augen gab, in einen entarteten Supervampir.
»Unsinn!«, brummte er. »Du bist genau wie immer. Wahrscheinlich hat dich dieser komische Traum aus dem Konzept gebracht.«
»Ich frage mich nur, was diese Bilder in mir ausgelöst hat. Unser Leben liefert doch wahrlich keinen Grund für solche Albträume. Schließlich haben wir uns behaglich eingerichtet und nach der Sache mit Monique Prestl immer genug zu trinken gehabt.«
Urban schüttelte sich. »Erwähne dieses Miststück bitte nicht mehr! Sie hat mich einige meiner ältesten Freunde gekostet.«
»Aber wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken! Es muss eine Ursache für diesen intensiven Traum geben, und ich will dahinterkommen.«
»Doch bittschön nicht heute Nacht! Es ist noch nicht einmal drei Uhr, und wir sind erst um eins ins Bett gegangen.«
Auch wenn Urban damit recht hatte, so fühlte Daniela doch, dass sie nicht mehr würde einschlafen können. Sie zog ihren Morgenrock an und ging zur Tür. »Ich werde ein bisschen fernsehen.«
»Aber wir haben doch gar keinen Fernseher! Oder willst du das Fräulein Lieserl oder die Anita wecken, damit du bei ihnen schauen kannst?«
Urban klang amüsiert, sodass Daniela unwillkürlich die Fäuste ballte. Dann aber schüttelte sie den Kopf über sich selbst. »Stimmt schon! Es nützt uns nichts, wenn ich jetzt hysterisch werde. Außerdem haben unsere beiden Perlen den Schlaf verdient. Wegen unserer kleinen Feier sind sie nicht eher ins Bett gekommen als wir beide.«
»Sogar eher noch später, weil sie partout noch aufräumen wollten. Soll ich dir den Nacken massieren, damit du dich entspannen kannst?«, bot Urban an.
»Das wäre famos! Allerdings hoffe ich doch, dass es nicht allein beim Massieren bleibt …« Danielas Morgenrock flog ebenso in die Ecke wie ihr Nachthemd, und sie legte sich nackt auf Urbans Bett.
Dieser ließ genüsslich seinen Blick über ihren schlanken, wohlgeformten Körper schweifen. Dann holte er das sanfte, nach Blütenessenzen duftende Massageöl, goss ein wenig davon in seine rechte Hand und begann, ihren Nacken und die Schulterpartie einzureiben. Urban spürte, wie der Nachhall des Traumes in ihr erlosch und sie sich langsam entspannte. Seine Hände glitten tiefer über ihre Schulterblätter und erreichten schließlich ihren Po, der so knackig war, wie man es von einer nur wenig über zwanzig Jahre alten Vampirin erwarten konnte.
Daniela stöhnte genussvoll, als ihr Mann die Pobacken zärtlich knetete. Lächelnd tastete sie mit der Rechten nach hinten. Ihre Finger zeigten ihr, dass Urban nicht weniger bereit war als sie. Sie wollte nicht länger auf ihre Erfüllung warten. Geschmeidig rollte sie sich herum, schälte ihren Mann aus seinem Schlafanzug und musterte ihn genüsslich.
Für einen über Zweihundertjährigen sah er noch sehr gut aus. Er war mittelgroß und leicht untersetzt, ohne ein Gramm Fett zu viel auf den Rippen zu haben. Seine Haut war wie bei allen Vampiren blass, doch in den Augen glühte ein Feuer, wie es nur wenige Männer besaßen. Und was seine Fähigkeiten als Liebhaber betraf, nahm er es mit jedem jungen Mann auf.
Kurz entschlossen drückte Daniela ihn rücklings auf das Bett und stieg auf ihn. »Was machst du jetzt?«, fragte sie und hielt seine Hände fest.
»Ich? Gar nichts! Das überlasse ich dir«, antwortete er grinsend.
»Wie du meinst!« Daniela rückte ihr Becken ein wenig zurecht, bis sie sein Glied an der rechten Stelle spürte, und schob sich mit leichten Bewegungen immer tiefer, bis sie ihn zur Gänze in sich spürte. Das Gefühl, das sie dabei empfand, überraschte sie selbst in seiner Intensität. Es schien alles zu übertreffen, was sie bislang miteinander erlebt hatten. Sie presste sich so fest an Urban, dass er zu keuchen begann.
»Du bist heute aber äußerst wild!«
Zur Antwort küsste sie ihn und fuhr dann mit den Lippen über seinen Hals. Er zuckte zusammen, hielt aber still, als sie mit ihrer Zunge über die Stelle strich, an der sie seine Halsschlagader spürte. Jeder andere Vampir wäre dabei in Panik ausgebrochen, denn den Hals mit dem Mund zu berühren war Tabu. Die Tatsache, dass Urban es zuließ, zeigte ihr, wie stark er ihr vertraute.
Der erste, wilde Rausch wich nun einem wohltuenden, befriedigenden Gefühl. Daniela gab seinen Hals wieder frei, bewegte ihr Becken noch ein paarmal, dann stieg sie von ihm herab und forderte ihn auf, sie so zu lieben, wie er es gewohnt war. Dabei reckte auch sie den Hals und genoss den Reiz der Gefahr, der sie durchfuhr, als er ihr mit den Lippen über die Halsschlagader strich.
Er gab ihren Hals jedoch sofort wieder frei, stützte sich auf die Unterarme, um nicht zu schwer auf ihr zu liegen, und bewegte sich dann in einem langsamen, aber steten Takt vor und zurück, bis sie glaubte, ihre Lust nicht mehr aushalten zu können. Für einen Augenblick dachte sie noch einmal an ihren Traum und spürte instinktiv, dass er ein Vorbote neuer Gefahren war, denen sie die Stirn würden bieten müssen. Dann ließ sie sich fallen.

 

2

 

In einem anderen Viertel, weit entfernt von der prachtvollen Villa, in der der Malerfürst Urban Lassky mit seiner Ehefrau Daniela wohnte, kniete eine junge Frau vor der Kloschüssel und würgte alles aus sich heraus, was sie an diesem Abend gegessen und getrunken hatte.
Verzweifelt fragte Vanessa sich, wovon ihr so übel war. Als es vor ein paar Wochen begann, hatte sie noch gehofft, schwanger zu sein. Doch diese Illusion war nach einem Besuch beim Frauenarzt zerstoben. Weder der Gynäkologe noch der Internist hatten einen Grund für ihre Übelkeitsanfälle entdeckt.
»Ihre Beschwerden sind offenbar psychisch bedingt«, hatte der Hausarzt ihr schließlich erklärt und ihr Beruhigungspillen verschrieben. Doch die halfen rein gar nichts.
»Es ist zum Kotzen«, stöhnte sie, als die Würgekrämpfe endlich nachließen.
Sie schleppte sich zum Waschbecken, wusch sich das Gesicht und spülte den Mund gründlich aus. Dabei stieg ein Gefühl in ihr auf, als hätte sie Blut getrunken. Bei dem Gedanken wurde ihr sofort wieder übel.
Diesmal klangen die Krämpfe rasch wieder ab, und so konnte sie ein paar Minuten später die Zähne putzen, um den seltsamen Geschmack im Mund loszuwerden. Doch als sie ins Schlafzimmer zurückkehrte, fühlten ihr Gaumen und ihre Zunge sich an, als hätte sie mit Blut statt mit Mundwasser gegurgelt. Zu allem Überfluss verspürte sie plötzlich eine starke sexuelle Spannung, die ihr schier den Unterleib verbrannte. Zunächst überlegte sie, ihren Mann schlafen zu lassen und sich selbst mit der Hand Entspannung zu verschaffen. Sie begriff jedoch rasch, dass ihr dies nicht reichen würde. Kurz entschlossen stupste sie Berni an.
»Was ist?«, murmelte er schlaftrunken.
»Komm, machen wir was zusammen«, sagte Vanessa lockend.
Berni warf einen Blick auf den Wecker. »Geht᾿s dir noch gut? Es ist drei Uhr in der Nacht!«
»Berni, ich brauche dich!« Vanessas Stimme klang bettelnd.
Da ihr Mann nicht reagierte, griff sie ihm in den Schritt und begann das, was sich derzeit noch recht schlaff anfühlte, zu massieren. Sie spürte, wie es unter ihren Fingern hart wurde und Berni zu keuchen begann. Schließlich stand er auf, streifte seine Pyjamahose ab und sah sie auffordernd an.
»Also gut … Zieh dich aus!«
So schnell hatte Vanessa ihr Nachthemd nur selten abgestreift. Noch während es in eine Ecke flog, legte sie sich für ihren Mann bereit. Berni stieg auf sie und drang ohne Vorspiel in sie ein. Das Gefühl, das sie dabei empfand, war schmerzhaft schön. Vanessa presste die Kiefer zusammen, um ihre Lust nicht hinauszuschreien.
Doch nach in ihren Augen viel zu kurzer Zeit war Berni nach ein paar letzten heftigen Stößen befriedigt und glitt von ihr herab.
»War das schon alles?«, fragte sie enttäuscht.
Berni fuhr wütend herum. »Passt dir meine Potenz vielleicht nicht?«
»Doch, aber …« Vanessa brach ab, denn in diesem Punkt war Berni wie wahrscheinlich die meisten Männer sehr empfindlich. Er hielt sich für einen ausgezeichneten Liebhaber, und bisher hatte es ihr auch gereicht. Doch nun erschien es ihr, als führe ihr Körper ein Eigenleben und verlangte ganz andere Leistungen, als Berni sie eben vollbracht hatte. Das war ihr in letzter Zeit schon zwei- oder dreimal so gegangen, und sie fragte sich unwillkürlich, ob mit ihr etwas nicht stimmte. Mit Berni darüber reden wollte sie jedoch nicht, um ihn nicht zu verärgern. Gerade zog er seinen Schlafanzug wieder an, legte sich auf seine Seite und hüllte sich in seine Bettdecke. Wenige Augenblicke später klangen leise Schnarchgeräusche durch das Schlafzimmer, während Vanessa halb befriedigt im Bett lag und nicht wusste, ob sie sich jetzt über ihren Mann oder sich selbst ärgern sollte.

Unterdessen schnarchte Berni immer lauter. Obwohl sie bereits mehr als ein Jahr verheiratet waren, war ihr das Geräusch noch nie so durchdringend erschienen. Mit angewiderter Miene verließ Vanessa das gemeinsame Schlafzimmer, holte sich eine Decke und legte sich im Wohnzimmer auf die Couch. Als sie endlich wieder einschlief, fand sie sich ansatzlos vor einem See aus Blut wieder und verging fast vor Gier, darin einzutauchen. Doch jedes Mal, wenn sie sich ihm näherte, wurde sie zurückgeschleudert und musste es von Neuem versuchen. Obwohl sie sich sagte, dass es sinnlos war, machte sie immer weiter – und kam sich dabei vor wie ein weiblicher Sisyphos, der auf ewig verdammt war, diesen See zu erreichen und es doch niemals schaffte.

 

3

 

Daniela hatte im weiteren Verlauf der Nacht wieder von einem Blutsee geträumt, auf dessen Ufer sie zurannte, ohne von der Stelle zu kommen. Sie warf einen Blick auf ihren schlafenden Ehemann und überlegte, ob sie mit ihm darüber reden sollte. Mittlerweile war sie sicher, dass ihre Träume eine tiefere Bedeutung hatten, aber die Sorge, die der Albtraum in ihr auslöste, würde ihr auch Urban nicht nehmen können. Daher ging sie leise ins Badezimmer, erledigte dort ihre Morgentoilette und betrat noch im Morgenrock das Esszimmer.
Ihre Köchin war bereits dabei, den Frühstückstisch zu decken. Lieserl war über fünfzig, stammte aus dem Waldviertel und war stolz darauf, mit ihren Kochkünsten im Hause des gefeierten Kunstmalers Lassky glänzen zu können.
»Wünschen gnädige Frau Kaffee oder Tee?«, fragte sie.
Diese seufzte. Die Zeit, in der sie beide sich noch geduzt hatten, lag noch nicht lange zurück, doch seit Daniela den Maler geheiratet hatte, bestand Lieserl darauf, sie wie eine vornehme Dame anzusprechen.
»Tee bitte«, sagte sie leise.
Während Lieserl das Frühstückszimmer verließ, um das Verlangte zu holen, überflog Daniela die Post, die Anita ihr bereits hingelegt hatte. Es fiel ihr schwer, sich darauf zu konzentrieren, weil sich immer wieder der Gedanke an Blut in ihre Überlegungen schlich. Daher legte sie jenen Teil der Briefe, die ihr im Augenblick nicht wichtig erschienen, ungeöffnet beiseite. Eine Zeit lang hielt sie sich mit dem Brief einer Pariser Galerie auf, die gerade mehrere von Urbans Bildern ausstellte. Ein chinesischer Geschäftsmann hatte sich ausgerechnet in ein Bild verliebt, das Urban als unverkäuflich bezeichnet hatte, und bot eine unverschämt hohe Summe dafür.
Daniela schwankte, ob sie ihrem Mann zureden sollte, das Bild doch zu verkaufen. Von dem Geld würden sie einige Jahre gut leben können. Andererseits würden sie auch ohne das Geld auskommen. Vielleicht könnten sie die Summe dem Club spenden. Nicht jedes Mitglied war so auf Rosen gebettet wie Urban, sie oder Dilia, die das Modegeschäft weiterführte, das einst ihre Geliebte Andrea Lupacani gegründet hatte.
Da sie sich nicht entscheiden konnte, nahm Daniela den nächsten Brief zur Hand. Auch hier ging es um den Verkauf eines von Urbans Bildern. Da diesmal keine Gründe dagegensprachen, beschloss Daniela, die Verhandlungen noch am gleichen Tag zu beginnen.
Als sie zu einem weiteren Schreiben griff, kam von der einen Seite Urban und von der anderen ihre Hausdame herein. Es war noch nicht lange her, da waren sie selbst und Anita Studentinnen an der Uni Wien gewesen. Inzwischen aber zählte sie als Ehefrau des berühmten Malers Urban Lassky zur besseren Gesellschaft von Wien, und Anita war ihre Angestellte.
»Das Fräulein Lieserl hat gesagt, du willst Tee!«
Wenigstens spricht Anita mich noch so an wie früher, dachte Daniela. Das geschah allerdings nur, wenn sie unter sich waren. In Gesellschaft siezte Anita ihre ehemalige Kommilitonin und sprach sie mit »gnädige Frau« an.
»Ja, danke! Stell die Kanne bitte dorthin!« Daniela schob ein paar Briefe beiseite, um Platz zu schaffen, und sah zu, wie Anita ihre Tasse füllte.
»Danke! Könnte ich vielleicht noch ein Kipferl dazu haben?« Anita ließ sich nicht anmerken, wie verwundert sie über diesen Wunsch war, denn im Allgemeinen zog Daniela ein kräftiges Frühstück mit Wurst und Käse vor. Sie fragte auch Urban nach dessen Wünschen und ging, als dieser erklärte, er brauchte nichts, in die Küche, um das Kipferl zu holen.
Kaum war sie draußen, sah Urban Daniela an. »Geht es dir jetzt besser als heute Nacht?«
Daniela horchte in sich hinein und nickte. »Das schlimmste Gefühl ist weg. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich diesen Traum ernst nehmen muss. Irgendetwas hat es damit auf sich.«
»Wenn das so ist, sollten wir eine außerordentliche Clubsitzung einberufen. Vielleicht hat einer der anderen ähnliche Albträume oder weiß etwas, das uns weiterhelfen kann«, schlug Urban vor.
»Das dürfte das Beste sein.« Zwar glaubte Daniela nicht, dass sie von den anderen Clubmitgliedern viel erfahren würde, aber auf diese Weise konnte sie sich unauffällig mit Dilia treffen, ohne dass ein übereifriger Klatschreporter in seinem Käseblatt schrieb, die Ehefrau des Malers Urban Lassky sei schon wieder bei ihrer Schneiderin gewesen.

 

4

 

Vanessa fühlte sich am Morgen so schlecht, dass sie sich ein liebes Wort von Berni gewünscht hätte. Ihr Mann starrte jedoch in die Zeitung und hob nicht einmal den Kopf, als sie die Küche betrat. Der Kaffee stand schon auf dem Tisch, doch den hatte nicht Berni gemacht, sondern Stephanie.
Erleichtert lächelte Vanessa ihre Schwester an. Es war nicht leicht gewesen, die Sechzehnjährige nach dem Unfalltod der Eltern zu sich zu holen. Bernis Begeisterung hatte sich ebenso in Grenzen gehalten wie die des Jugendamts.
»Ich muss gleich ins Geschäft, und du solltest so schnell wie möglich nachkommen! Es müssen wichtige Mails und Briefe raus«, erklärte Berni, nachdem er sich das letzte Stück Schinkensemmel in den Mund geschoben hatte.
»Ich beeile mich!«, versprach Vanessa und füllte ihre Tasse.
Ihre Schwester wartete, bis Berni die Wohnung verlassen hatte, und sah sie dann missbilligend an. »Ehrlich gesagt könnte dein Mann sich auch einmal selbst an den Computer setzen und eine E-Mail schreiben. Aber du tust ja alles für ihn!«
Ganz unrecht hatte Stephanie nicht, durchfuhr es Vanessa. Sie war Bernis Ehefrau, Sekretärin und noch ein paar andere Dinge mehr in einem. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, wie er seine Geschäfte geregelt hatte, bevor er ihr begegnet war. Dabei war sie zunächst froh gewesen, dass er ihr eine Aufgabe übertragen hatte. Doch mittlerweile war er mehr und mehr zum Pascha geworden, der hinten und vorne bedient werden wollte. Darüber aber wollte sie nicht mit Stephanie sprechen.
»Berni hat einfach zu viel zu tun«, antwortete sie stattdessen. »Manchmal hat er gleich drei Telefonanrufe auf einmal am Hals.«
»Ich begreife immer noch nicht, wie dein Mann Geschäfte mit so unmöglichem Krempel machen kann.«
»Er handelt eben mit allem, was nicht massenweise in normalen Geschäften zu haben ist. Die Sachen kauft er billig an und verkauft sie teurer weiter. Das funktioniert so ähnlich wie bei Maklern«, erklärte Vanessa.
»Ein Makler verkauft Häuser, aber keine CD-Rohlinge oder Ersatzteile von Rasenmähern.«
»Dann eben wie ein Warenterminhändler!«, antwortete Vanessa verärgert. Auch wenn Stephanie Berni nicht mochte, hatte sie kein Recht, seine Fähigkeiten als Geschäftsmann infrage zu stellen.
»Ich muss jetzt los.« Energisch schob sie die noch halb volle Kaffeetasse zurück.
Ihre Schwester sah sie kopfschüttelnd an. »Du hast ja noch nichts gegessen!«
»Ich besorge mir bei der nächsten Fleischhauerei eine Wurstsemmel«, erklärte Vanessa und wunderte sich über ihren plötzlichen Heißhunger auf Fleisch. Bisher hatte sie zum Frühstück Marmelade vorgezogen und nur hie und da eine Käsesemmel gegessen. Wurst mochte sie eigentlich nicht.
Auch Stephanie wirkte verblüfft, tippte sich dann aber an die Stirn. »Wenn ich deine Ehe so betrachte, sage ich mir, dass ich lieber nicht heiraten möchte. Dein Mann behandelt dich wie eine Sklavin, und du Schaf lässt es dir auch noch gefallen.«
Vanessa verkniff sich eine Antwort, denn die wäre sehr drastisch ausgefallen. Stattdessen suchte sie ihre Sachen zusammen und verließ die Wohnung. Unterwegs fiel ihr ein, dass sie kein Pausenbrot für Stephanie vorbereitet hatte, und konnte nur hoffen, dass ihre Schwester selbst daran dachte.

Über Mara Volkers

Biografie

Mara Volkers wurde im Rheinland geboren. Sie studierte Medizin, brach aber das Studium ab und arbeitete als Angestellte in einem weltweit operierenden Konzern. Zur gleichen Zeit erschienen ihre ersten Kurzgeschichten in verschiedenen Fantasy-Anthologien. Gemeinsam mit ihrem Ehemann schreibt sie...

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