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Unerwünscht

Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte

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Unerwünscht — Inhalt

Die drei Brüder Mojtaba, Masoud und Milad wachsen im Iran der achtziger Jahre als Kinder regimekritischer Eltern auf. Als ihre Mutter bei einer verbotenen Flugblattaktion auffliegt, müssen sie untertauchen. Bis sie 1996 die Flucht nach Deutschland wagen, ohne Geld, ohne Papiere und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Wie ihnen dennoch eine Integration gegen alle Widerstände gelingt, in einem Land, das sie nicht haben will, davon erzählen sie in diesem Buch. Es ist das Protokoll eines Flüchtlingsschicksals – vor allem aber eine so noch nicht gelesene Parabel über Brüderlichkeit, Mut und Menschlichkeit.

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 02.05.2016
256 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30879-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 10.09.2012
256 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7562-8

Leseprobe zu »Unerwünscht«

Vorwort

 


»Ein Buch, das ich Thilo Sarrazin gern auf den Nachttisch legen würde.« – Mit diesen eindringlichen Worten würdigte die Autorin Julia Friedrichs die Erstausgabe unseres Buches im September 2012. Seitdem hatten wir mehr als hundert Lesungen, Interviews und Medienauftritte. Wir begegneten vielen Menschen, die von unseren persönlichen Erfahrungen als Flüchtlinge hören wollten, mit denen wir aber auch über die jeweils aktuelle Situation diskutierten. Dieser Austausch hat unser Leben bereichert – Taschakkor und Dank euch allen, die ihr ihn [...]

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Vorwort

 


»Ein Buch, das ich Thilo Sarrazin gern auf den Nachttisch legen würde.« – Mit diesen eindringlichen Worten würdigte die Autorin Julia Friedrichs die Erstausgabe unseres Buches im September 2012. Seitdem hatten wir mehr als hundert Lesungen, Interviews und Medienauftritte. Wir begegneten vielen Menschen, die von unseren persönlichen Erfahrungen als Flüchtlinge hören wollten, mit denen wir aber auch über die jeweils aktuelle Situation diskutierten. Dieser Austausch hat unser Leben bereichert – Taschakkor und Dank euch allen, die ihr ihn ermöglicht habt.
Die Erstausgabe liegt nun gut drei Jahre zurück. Mittlerweile spricht kaum noch jemand über Sarrazin. Die so genannte »Flüchtlingskrise« hat ihm den Rang abgelaufen. Und dennoch spüren wir ein ununterbrochen lebhaftes Interesse an unserer Biographie. Das zeugt davon, dass die Debatten über Sarrazins Thesen und über die aktuelle »Flüchtlingskrise« nicht grundverschieden sind. Vielmehr bilden sie Knotenpunkte an ein und demselben Diskussionsstrang. In der Sarrazin-Debatte verschlangen sich Fragen und Meinungen um das Schlagwort »Integration« zu einem Knoten. Oft hörte man den Vorwurf, Ausländer seien nicht integrationswillig. Dem stellten wir unsere Geschichte entgegen. Auf Lesungen sprachen wir darüber, dass allem voran die gesellschaftlichen Bedingungen uns das Gefühl gaben, unerwünscht zu sein. Sie waren es, die uns an der Integration hinderten.
In der gegenwärtigen »Flüchtlingskrise« hat sich das Interesse verschoben. Das erkennen wir auch an den Fragen, die auf unseren Lesungen gestellt werden: Gibt es genügend Unterkünfte für Flüchtlinge? Werden Gerichte und Verwaltung die vielen Asylanträge bewältigen? Kann Deutschland die Kosten tragen? Es sind solche und ähnliche Fragen, die sich aktuell zu einem neuen Knoten verschlingen. Wir subsumieren sie unter dem Stichwort Ressourcenverwaltung. Und allzu oft erschallen Mahnrufe, dass die Ressourcen ausgeschöpft seien, dass die »Flüchtlingskrise« Deutschland überfordere.
Wir leben mittlerweile seit zwanzig Jahren in Deutschland. Im vergangenen Jahr erlebten wir, wie etwa eine Million Menschen hier Schutz suchten. Damit erreichte die Zahl der Asylanträge ein Rekordhoch. Wir erlebten aber auch das Gegenteil: 1996, das Jahr unserer Flucht nach Deutschland, fiel in eine Phase schrumpfender Flüchtlingszahlen. Sie dauerte weitere zwölf Jahre an und mündete schließlich 2008 in ein Rekordtief – die Zahl der neuen Asylanträge betrug nur noch rund 20.000. Trotzdem gestalteten sich die Asylverfahren nicht wesentlich schneller oder einfacher, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge nicht bedeutend besser. Denn damals hatte auch die Menge der gebilligten Ressourcen ein Rekordtief erreicht. Je weniger Asylanträge gestellt wurden, desto mehr wurde gekürzt. So herrschte auch 2008 Knappheit – genau wie in den Jahren davor und danach. Die Ressourcenknappheit hängt nicht von der Zahl der Flüchtlinge ab, sondern von der Entscheidung, wie es Flüchtlingen in diesem Land ergehen soll. Es ist die Entscheidung darüber, wer hierher gehört und wer nicht, wer als »Deutscher« und wer als »Ausländer« gilt.
Als wir 1996 in Deutschland ankamen, hatten wir das Glück, Menschen zu begegnen, die uns nicht als Ausländer betrachteten, welche im Grunde kein Recht haben, hier zu sein. Für sie war es kein Zugeständnis, dass wir in »ihr« Land kommen durften. Sie verlangten deshalb nicht, dass wir tatenlos alle Einschränkungen und Strapazen des Asylverfahrens ertragen sollten. Im Gegenteil: Diese Menschen unterstützten uns, wo immer sie konnten. Sie akzeptierten uns als Gleichwertige.
Wir möchten unsere Geschichte erzählen und den aktuellen Mahnrufen, Deutschland sei wegen der ankommenden Flüchtlinge überfordert, widersprechen. Wir möchten zeigen, dass die Ressourcenknappheit Hand in Hand geht mit einer Politik, für die Flüchtlinge unerwünschte Fremde sind und als Menschen minderer Klasse behandelt werden dürfen. Diese Politik hat unser Leben bestimmt. Aber auch im heutigen Deutschland ist sie noch gegenwärtig. Die folgenden Kapitel könnten daher von einer Mutter und ihren drei Kindern erzählen, die nicht 1996 ein neues Leben als Flüchtlinge begannen, sondern es hier und jetzt tun.
Die Familie wäre nach wie vor angewiesen auf Menschen, die sie unabhängig von ihrer Herkunft und Nationalität als Gleichwertige behandeln und damit die Grenzen des Möglichen neu setzen. Unser Buch legen wir nicht Sarrazin oder einer anderen namhaften Person ans Herz, sondern jedem Menschen, der bereit ist, die bestehenden Grenzen zu überdenken – und sie zu überwinden.

 

 

Prolog

 


Es ist ein wundervoller Wintermorgen. Hinter dem Kü­chen­fenster erblickt man Bäume, an deren Äste sich einige Zentimeter dick junger Schnee schmiegt. Der Himmel ist klar und die sanften Sonnenstrahlen lassen den Schnee glitzern.
Auf dem Küchentisch, an dem wir drei sitzen, sind mehrere Zeitungen verstreut. »Die Brüder Sadinam sind perfekt integriert! Sie sind ein Vorbild für andere!«, lesen wir in dem Blatt, das ganz oben liegt. Wir schlagen es zu und durchforsten den Rest. Eine andere Schlagzeile springt ins Auge. »Sie haben es geschafft!«, verkündet sie und dar­un­ter folgt in kleinerer Schrift die Geschichte »Von Flüchtlingen zu Elite-Studenten«, deren Kurzversion dann in etwa so lautet:
Vor ungefähr sechzehn Jahren, noch als Kinder, mussten die drei Brüder mit ihrer regimekritischen Mutter in Teher­an untertauchen. Nach Monaten des Versteckens vor den Revolutionswächtern gelang ihnen schließlich die Flucht aus dem Iran. Mit nichts als einem Koffer erreichten sie Deutschland. Ohne Geld, ohne Papiere und ohne ein Wort Deutsch zu sprechen begann ihr Leben in Asylbewerberheimen. Bald waren sie sogar ausreisepflichtig und sollten abgeschoben werden.
Trotz aller Widerstände gaben sie nicht auf. Die Brüder schafften den Sprung von der Hauptschule aufs Gymnasium, gehörten am Ende zu den Besten ihres Abi­turjahrgangs und bekamen schließlich Stipendien und Studienplätze an drei privaten Elite-Unis.
Draußen zieht eine Brise an den Bäumen vorbei und wirbelt mehrere Schneeflocken hoch in den blauen Himmel. Sie tanzen im Wind, beschreiben Spiralen und fliegen währenddessen immer weiter aus­ein­an­der, um kurz dar­auf gänzlich zu verschwinden. Es kehrt wieder stille Regungslosigkeit ein. Nur noch der Schnee treibt mit den Sonnenstrahlen sein funkelndes Spiel.
Unter lautem Rascheln falten wir die Zeitungen zusammen und legen sie weg. Das, was sie erzählen, ist viel zu einfach. Es wirkt märchenhaft – ähnlich dem Naturgeschehen auf der anderen Seite des Fensters. Wer es wirklich will, der schafft es auch – das ist die Moral ihrer Geschichte.
Doch wir drei sind keine Helden eines Märchens, die alle Hürden und Widrigkeiten allein mit ihrer unermüdlichen Willenskraft überwinden konnten. Hätten wir dar­an geglaubt, wären wir schon längst abgeschoben worden und nicht mehr in Deutschland. Wir müssen diesem Märchen etwas entgegensetzen. Wir müssen unsere Lebensgeschichte erzählen, wie sie sich wirklich zugetragen hat.
Und weil wir seit unserer Kindheit alles zusammen erlebt haben, weil wir die schwierigsten Momente nur Hand in Hand überlebt haben, wollen wir unsere Geschichte auch wirklich gemeinsam erzählen. Abwechselnd ergreift jeder von uns dreien das Wort. Jeder berichtet aus seiner Perspektive, gefüllt mit eigenen Erfahrungen, Ängsten und Sehnsüchten. Wir hoffen, damit ein wahrhaftiges, facettenreiches Bild unseres Lebens zu entwerfen.
Ein Leben, in dem nicht Integration, Erfolg und gesellschaftliches Ansehen die Leitmotive sind, sondern unsere Suche nach Selbstbestimmung und Glück.

Über Masoud Sadinam

Biografie

Masoud Sadinam durchläuft dieselben Stationen wie sein Zwillingsbruder Mojtaba. Nach dem Abitur mit Auszeichnung beginnt er mit Unterstützung der Begabtenförderung ein Geschichts- und Politikstudium an der internationalen Jacobs University in Bremen, das er inzwischen in Frankfurt am Main fortsetzt.

Über Milad Sadinam

Biografie

Milad Sadinam, geboren 1986 in Teheran, studierte nach dem Abitur als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes Wirtschaftsinformatik an der International University in Bruchsal und arbeitet heute als Programmierer für Computerspiele in Essen.

Über Mojtaba Sadinam

Biografie

Mojtaba Sadinam wird 1984 in Teheran geboren, wo er bis 1996 zur Schule geht. In Deutschland besucht er zunächst eine Auffangklasse für Flüchtlinge, dann die Realschule und schließlich das Gymnasium von Lengerich bei Osnabrück. 2006 macht er Abitur als Jahrgangsbester. Als Stipendiat der...

Inhaltsangabe

Inhalt


Vorwort
Prolog
1 Die Flucht
2 Willkommen in Deutschland?
3 Stadt, Heim, Wurst
4 Ein Spiel mit dem Feuer
5 Pedar kommt und muss wieder gehen
6 Das Ti-MMM
7 Mit dem Rücken zur Wand
8 Eintrittskarte ins Leben
9 Gestatten: Elite
Taschakkor – Dank

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