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Unanständige Frauen lesen und trinken KaffeeUnanständige Frauen lesen und trinken Kaffee

Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee

Roman

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Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee — Inhalt

Eigentlich wollte Estelle nur eine Lesegruppe gründen, um mehr Kunden in ihr kleines Café zu schleusen. Und mit ihrem Vorschlag, gemeinsam den erotischen Bestseller »Ten Sweet Lessons« zu lesen, wollte sie lediglich ein bisschen Leben in ihre kleinstädtische Leserunde bringen. Doch inspiriert von Estelles erotischer Lektüreliste lässt die nette, schüchterne Gruppe nach und nach ihre Hemmungen fallen und entdeckt, dass ihre eigenen Lebensgeschichten mindestens genauso skandalös sein können wie die ihrer Romanhelden …

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 08.12.2014
Übersetzt von: Andrea Brandl
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30521-1
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 08.12.2014
Übersetzt von: Andrea Brandl
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96814-0

Leseprobe zu »Unanständige Frauen lesen und trinken Kaffee«

1

»Du warst ein böses Mädchen, Christina … ein sehr böses sogar.«

Mit geröteten Wangen blickte Christina voller Sehnsucht zu Alexander auf. »Es tut mir leid«, stieß sie atemlos hervor. »Ich werde es bestimmt nicht wieder tun.«

»Ich muss mir ganz sicher sein.« Alexander durchquerte den Raum und zog dabei sein Hemd aus, unter dem sein muskelbepackter Oberkörper zum Vorschein kam. »Ich muss dir eine Lektion erteilen.«

Sein Blick fiel auf die Kerze auf dem Nachttisch, deren Flamme im Halbdunkel tanzte.

Wachs perlte an der weißen Kerze in dem antiken, [...]

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1

»Du warst ein böses Mädchen, Christina … ein sehr böses sogar.«

Mit geröteten Wangen blickte Christina voller Sehnsucht zu Alexander auf. »Es tut mir leid«, stieß sie atemlos hervor. »Ich werde es bestimmt nicht wieder tun.«

»Ich muss mir ganz sicher sein.« Alexander durchquerte den Raum und zog dabei sein Hemd aus, unter dem sein muskelbepackter Oberkörper zum Vorschein kam. »Ich muss dir eine Lektion erteilen.«

Sein Blick fiel auf die Kerze auf dem Nachttisch, deren Flamme im Halbdunkel tanzte.

Wachs perlte an der weißen Kerze in dem antiken, silbernen Halter hinunter. Sie sah zu, wie es auf dem Weg nach unten erkaltete und fest wurde.

»Und ich glaube, du weißt ganz genau, was ich im Sinn habe«, murmelte Alexander mit rauer, kehliger Stimme.

Stumm vor Lust konnte Christina lediglich nicken.

»Aber zuerst – die Süße«, erklärte Alexander, trat vor sie und beugte sich vor, um seine Lippen über ihren Mund, ihren Hals, ihr Schlüsselbein wandern zu lassen.

Christina stöhnte vor Verlangen, als sein Mund weiterwanderte – vorbei an ihrem Nabel über die weiche, weiße Wölbung ihres Bauches und noch tiefer, bis sie seine heißen Lippen auf dem zarten, rosigen Fleisch ihrer …

Abrupt hob Estelle Humphreys den Kopf, schlug das Buch zu und schob es hastig unter einen Stapel Papier, während sie mit klopfendem Herzen lauschte.

Da war es wieder, das Poltern – bumm, bumm, bumm. Erst jetzt registrierte sie erleichtert, dass es vermutlich von Joe, ihrem vierzehnjährigen Sohn, stammte, der sich in der Wohnung über ihr aufhielt. Der Lärm bedeutete, dass er mit den Hausaufgaben fertig war und Musik hörte – Kasabian, soweit sie es beurteilen konnte.

Einen Moment lang saß sie reglos da und spürte, wie sich ihr Herzschlag allmählich beruhigte und die flammende Röte aus ihren Wangen wich.

Schuldbewusst zog sie die Ausgabe von Zehn sündige Lektionen unter dem weitaus weniger spannenden Steuerformular hervor und betrachtete sie. Der Umschlag mochte ganz unschuldig wirken – eine einzelne rote Seidenschleife auf dunkelgrauem Hintergrund –, doch das Buch war ein Erotikroman, der im Moment im ganzen Land für Furore sorgte. Jede Minute wurden Hunderte Exemplare davon verkauft, seit Wochen stand es ganz oben auf der Bestsellerliste. Außerdem war Estelle seit einer Ewigkeit keinem halb nackten Mann mit glühend heißen Lippen und hemmungslosem Verlangen mehr so nahe gekommen …

Mit einem sehnsüchtigen Seufzer steckte sie das Buch in ihre Handtasche, band ihr mausbraunes, mit den ersten grauen Strähnen durchzogenes Haar zu einem Pferdeschwanz und beugte sich wieder über die Unterlagen vor ihr auf dem Tresen.

Zurück zur Realität.

Die Buchhaltung ihres kleinen Cafés bot nur wenig Anlass zur Freude. Sie rechnete die Tageseinnahmen zusammen und trug die Zahlen in eine Tabelle ein. Der Umsatz war in den letzten Wochen bedenklich zurückgegangen – eine Entwicklung, die Estelle offenbar nicht aufhalten konnte, auch wenn sie es noch so sehr versuchte. Um diese Jahreszeit – so kurz nach dem Weihnachtstrubel saß das Geld bei den Leute nicht gerade locker, außerdem verspürte keiner den Drang, in der eisigen Februarkälte einen Fuß vor die Tür zu setzen – liefen die Geschäfte immer sehr schleppend, aber wenn sich der Zustand nicht bald änderte … Nun ja, sie wollte lieber gar nicht erst daran denken.

Estelle hatte ihr Café Crumb vor fünf Jahren eröffnet, nach der Scheidung von ihrem Mann Ted. Damals war sie siebenunddreißig gewesen, und das Leben als Ehefrau und Mutter hatte ihr das Gefühl gegeben, allmählich ihre eigene Identität zu verlieren, deshalb hatte sie nach der Trennung (Ted und sie waren irgendwann zu dem Schluss gelangt, dass sie als Freunde wesentlich besser zurechtkamen als in ihrer Ehe) beschlossen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Und sie hatte ihre Sache gut gemacht, dachte sie und ließ stolz den Blick durch das kleine Café mit den rot-weiß karierten Tischdecken und den kleinen weißen Vasen mit jeweils einer einzelnen roten Gerbera schweifen. Inzwischen war geschlossen, Estelle hatte alles sauber gemacht und die verlockende Auswahl an Kuchen und Gebäck aus dem Fenster und den Vitrinen genommen.

Es ist vielleicht nicht groß, dachte sie zufrieden, aber immerhin gehört es mir.

Fragt sich bloß, wie lange noch. Erschaudernd betrachtete sie die deprimierenden Zahlen in der Tabelle, die vor ihren Augen zu verschwimmen schienen.

Natürlich hatte sie ihre Stammgäste – die Geschäftsleute, die sich für die Fahrt in die Innenstadt von Bristol mit ihrem Milchkaffee und Croissants eindeckten; die jungen Mütter, die bei einer Tasse grünem Tee und einem fettarmen Muffin auf einen Plausch hereinsahen, nachdem sie die Kinder in die Schule gebracht hatten; die Mittagsgäste, die massenweise getoastete Sandwiches verschlangen, und die Rentner, die sich nachmittags zum Tee versammelten, trotzdem schienen es nicht genug zu sein, um sie über Wasser zu halten.

Und wenn sie ihr Café verlor – Estelle wagte kaum, die Möglichkeit auch nur in Betracht zu ziehen –, würde sie automatisch ihr Zuhause verlieren; die Wohnung über dem Café, wo sie gemeinsam mit Joe lebte. Der arme Joe. Er war ein prima Junge, allerdings befand er sich gerade in einer extremen Wachstumsphase; sie hatte das Gefühl, als wäre er schon wieder zehn Zentimeter gewachsen, kaum dass sie ihn fünf Minuten aus den Augen gelassen hatte, und seine Sachen passten ihm bestenfalls einen Monat. Er bemühte sich, möglichst keine Ansprüche zu stellen, aber Estelle wusste nur zu gut, wie es in diesem Alter war: Um dazuzugehören, musste man die richtigen Turnschuhe tragen, das neueste Handy und die neueste Spielekonsole besitzen. Wäre doch nicht alles so schrecklich teuer.

Besorgt nahm sie ein Stück von dem Zitronenkuchen, brach eine Ecke ab und schob sie sich in den Mund. Hm. Sie stieß einen befriedigten Seufzer aus. Er war perfekt. Feucht, wunderbar würzig und köstlich, genau wie es sein sollte. Zumindest das Backen klappte nach wie vor bestens. Was fehlte, waren lediglich noch mehr Gäste, die hereinkamen und ihre Köstlichkeiten probierten.

Sie registrierte eine Bewegung auf der anderen Straßenseite und spähte durch die beschlagene Fensterscheibe. Es war bereits dunkel, doch im bernsteinfarbenen Schein der Straßenlampe sah sie zwei Gestalten aus dem Laden treten – Bainbridge Books, die einzige unabhängige Buchhandlung im Ort.

Estelles Herz zog sich zusammen, als sie feststellte, dass es die Besitzer selbst waren, Mary und Peter Bainbridge, die ein letztes Mal den Blick über die Fassade ihrer Buchhandlung schweifen ließen. Ein paar vereinzelte Bücherkartons standen auf dem Bürgersteig – die Exemplare, die sie beim Räumungsverkauf nicht losgeworden waren –, und selbst aus der Entfernung sah Estelle, dass Mary den Tränen nahe war, als Peter den Schlüssel aus der Tasche fischte.

Spontan nahm Estelle eine der weißen Schachteln, die normalerweise den Kunden vorbehalten waren, die ihre Kuchen in rauen Mengen kauften, aus dem Regal und begann sie zu füllen: zwei Stücke Pekannusskuchen, ein großes Stück Ingwerkuchen, zwei glasierte und mit Zuckerstreuseln bestreute Donuts. Oh, und ein paar ihrer Double-Chocolate-Brownies, die Peter so gerne aß.

Eilig griff sie nach der Schachtel und hastete hinaus. Das Glöckchen über der Eingangstür bimmelte.

»Ich habe noch etwas für euch!«, rief sie, überquerte die Straße und drückte Mary die Schachtel in die Hand.

»Danke, Estelle.« Ein gefährliches Zittern hatte sich in Marys Stimme geschlichen. »Das ist wirklich nett von dir.«

»Es tut mir so leid, dass ihr schließen müsst«, sagte Estelle mit einer hilflosen Geste und wünschte, sie könnte irgendetwas für sie tun. Über dreißig Jahre lang waren Mary und Peter die Besitzer von Bainbridge Books gewesen, doch nun konnten sie sich den Laden schlicht und einfach nicht länger leisten. Sie würden nach Devon ziehen, um näher bei ihren Enkeln zu sein, und obwohl sie schon länger vorgehabt hatten, in den Ruhestand zu gehen, hatten sie sich den Abschied ganz bestimmt nicht so vorgestellt – keinen Käufer für ihren Laden zu finden und gezwungen zu sein, ihn aufzugeben, weil nicht mehr genug Kunden kamen. Das Schicksal der Bainbridges war die beängstigende Mahnung, was auch ihr jederzeit passieren könnte, wenn sie nicht schleunigst mehr Gäste anzog.

»Tja, wir alle müssen uns den Tatsachen stellen. Die Zeiten ändern sich nun mal«, meinte Peter gefasst.

»Ihr werdet mir fehlen.« Estelle musste schlucken, als die Rührung sie zu überwältigen drohte. Sie hatte die behagliche Atmosphäre der Buchhandlung immer gern gemocht und häufig bei einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen mit den Besitzern über Bücher geplaudert.

Betrübt schüttelte Mary den Kopf. »Oh, wir haben wundervolle Zeiten dort drin verlebt.« Schniefend blickte sie durchs Fenster in den verwaisten Verkaufsraum mit den leeren Regalen. »Soll ich dir sagen, was ich am allermeisten vermissen werde?« Tränen glitzerten in ihren Augen hinter den großen Brillengläsern. »Die Gespräche mit unseren Kunden jeden Tag. Alle denken, Lesen sei eine einsame Beschäftigung, dabei muss es das gar nicht sein.«

Estelle nickte, während Mary sich allmählich in Fahrt redete. »Eigentlich sollte man über die schönsten Bücher sprechen. Man sollte andere daran teilhaben lassen und darüber diskutieren. Das ist eine jahrhundertealte Tradition. Jeder liebt doch gute Geschichten. Oh, wie wird mir dieser Laden fehlen!« Schluchzend tupfte sie sich die Augen mit einem Papiertaschentuch trocken.

Tröstend umarmte Estelle Mary. Mary hat vollkommen recht, dachte sie und musste an ihre Plauderstündchen zurückdenken; daran, wie sie über ihre Lieblingsromane von Jane Austen diskutiert und sich darüber unterhalten hatten, wer als romantischer Held geeigneter war – Mr Rochester oder Heathcliff. Schuldbewusst dachte sie an die zerlesene Ausgabe von Sündige Lektionen in ihrer Handtasche – sie hatte es nicht über sich gebracht, Mary zu gestehen, dass sie es gekauft hatte.

In diesem Moment durchzuckte sie die Erkenntnis wie ein elektrischer Schlag. Abrupt löste sie sich von Mary. »Ja, genau, das ist es!«, rief sie. Ihre Augen leuchteten, und ihre Züge erhellten sich vor Begeisterung.

»Was denn, Liebes?«, fragte Mary und sah verwirrt ihren Mann an. Peter zuckte lediglich die Achseln und musterte Estelle, als hätte sie den Verstand verloren.

»Die Lösung all meiner Probleme«, erwiderte Estelle. »Du, Mary Bainbridge«, verkündete sie und schlang erneut überschwänglich die Arme um sie, »bist ein Genie!«

 

 

2

»Bruce Willis gehört definitiv zu den Top Five meiner Lieblingsactionhelden aller Zeiten. Oder wie siehst du das?«

»Hm«, antwortete Rebecca geistesabwesend. Es war Freitagabend, und sie befanden sich auf dem Nachhauseweg vom Kino. Arm in Arm gingen sie durch die eisige Kälte. Der Bürgersteig war von einer dünnen Eisschicht bedeckt, und über ihnen funkelten die Sterne am tiefdunklen Himmel.

»Bruce, ganz klar.« Andy nickte nachdenklich. »Und natürlich Arnie. Und Sly Stallone. Wer sonst noch?«

»Hm?«

»Wer gehört sonst noch zu deinen fünf Lieblingsactionhelden, Schatz?«

»Hm, ich bin mir nicht ganz sicher.«

Andy warf seiner Frau einen Blick zu. »Alles in Ordnung, Schatz? Du wirkst ein bisschen zerstreut heute Abend.«

»Nein, nein, mir geht’s gut«, beteuerte Rebecca und zog ihre Strickmütze ein wenig tiefer über ihren brünetten Bob. Hoffentlich wechselte Andy bald das Thema.

»Denkst du über die vielen Arbeiten nach, die du am Wochenende korrigieren musst?«, erkundigte er sich. »Was war es noch mal? Zehnte Klasse? Ein Aufsatz über die Tudors?«

»Genau.«

»Keine Sorge, ich werde dir nicht in die Quere kommen. Ich wollte sowieso anfangen, die Tapete im Gästezimmer abzukratzen.«

»Ach ja.«

»Und nächste Woche erwartet uns ein ganz besonderer Leckerbissen.« Strahlend wandte Andy sich ihr zu.

»Ach ja?«

»Aber hallo. Der neueste Spiderman läuft an«, ereiferte er sich, ohne zu bemerken, dass Rebeccas Lächeln in sich zusammenfiel. »Na, was sagst du – du und ich und ein Rieseneimer Popcorn.«

»Klingt super«, erwiderte Rebecca schwach.

»Ist wirklich alles in Ordnung?«, fragte Andy nach ein paar Minuten. »Ich hätte gedacht, du freust dich viel mehr darüber.«

Augenblicklich überkamen Rebecca Gewissensbisse. »Es ist alles in Ordnung«, wiederholte sie. »Ich bin nur ein bisschen neben der Spur. Es war eine anstrengende Woche, viel Arbeit und so …«

»Klar.« Andy schien mit der Erklärung vollauf zufrieden zu sein. »Immerhin bin ich ja noch da, um dich aufzumuntern, was?« Er verpasste ihr einen kameradschaftlichen Schubs.

Schweigend gingen sie weiter, während Rebecca überlegte, was eigentlich mit ihr los war. Schon seit Wochen ging das so, und sie wurde dieses Gefühl nicht los – was war das? Rastlosigkeit? Langeweile?

Inzwischen waren Rebecca und Andy seit einem Jahr verheiratet, und alles lief … gut. Nicht phantastisch, nicht absolut unglaublich, sondern … na ja, gut eben. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine angenehme Alltagsroutine eingestellt: Während der Woche ließen sie es abends ruhig angehen, freitags gingen sie ins Kino, und an den Wochenenden gab es immer irgendetwas im Haus zu tun. An sich gab es nichts dagegen einzuwenden, nur lief Woche für Woche alles nach exakt demselben Schema ab.

Dabei hatte ihre Zukunft nach Andys Antrag so rosig ausgesehen, dachte Rebecca und verspürte einen leisen Stich im Herzen. Sie hatte sich mit Feuereifer auf die Aufgaben einer künftigen Braut gestürzt: die Suche nach einer passenden Location, die Jagd auf das perfekte Brautkleid und die Wahl der passenden Blumen für den Brautstrauß. Es war zwar stressig gewesen, alles mit ihrem Job als Lehrerin unter einen Hut zu bringen, trotzdem hatte sie jede Sekunde in vollen Zügen genossen.

Die Trauung selbst war absolut perfekt gewesen, die Flitterwochen in Sorrent ein Traum, und dann hatte der Alltag mit gnadenloser Härte zugeschlagen. War es so unfair, offen zuzugeben, dass sie ihr Leben ein klein wenig langweilig fand?

Natürlich war es nicht Andys Schuld. Er war ein lockerer, unbeschwerter Typ (manchmal vielleicht eine Spur zu locker) und sah gut aus, auch wenn sein sandfarbenes Haar allmählich schütter wurde und sich das kleine Bäuchlein, mit dem sie ihn anfangs aufgezogen hatte, zu einem dauerhaften Bestandteil seines Körpers entwickelte. All ihre Freunde beteuerten, was für ein hübsches Paar sie doch seien, und Rebecca war sich bewusst, dass sie für ihr geregeltes, sorgenfreies Leben eigentlich dankbar sein sollte.

Trotzdem fragte sie sich immer wieder, ob das tatsächlich schon alles gewesen sein sollte. Sie war gerade einmal dreiunddreißig, doch es kam ihr vor, als würde sie überdurchschnittlich schnell altern, und erst kürzlich hatte sie der schreckliche Verdacht beschlichen, dass sie auf dem besten Weg war, so zu werden wie ihre Mutter.

Es gab keinen Zweifel: Sie und Andy mussten dringend das Feuer in ihrer Beziehung wieder auflodern lassen. »Wieso gehen wir nicht noch auf einen Sprung in den Pub?«, platzte es aus ihr heraus.

Andy musterte sie zweifelnd. »In den Pub?«

»Ja! Noch ist es nicht allzu spät. Einen letzten Drink kriegen wir noch. Es wäre vielleicht lustig, mal was anderes …«

Sie verstummte, als Andy herzhaft gähnte.

»Na ja, ich habe eine anstrengende Woche hinter mir und freue mich ehrlich gesagt auf mein Bett. Vielleicht nächste Woche.«

»Na gut. Vielleicht nächste Woche.« Rebecca rang sich ein Lächeln ab, während sie innerlich seufzte. Was war aus ihnen geworden? Früher waren sie doch auch nicht so träge gewesen. Sie sehnte sich danach, etwas Spontanes zu unternehmen, doch Andys Vorstellung von Verlockungen jedweder Art bestand neuerdings nur in einer extragroßen Portion Popcorn bei ihrem allwöchentlichen Kinobesuch. Ganz zu schweigen von seiner Heimwerker-Leidenschaft – inzwischen stürzte er sich mit größerem Feuereifer auf die Tapete im Gästezimmer als auf seine Pflichten im Schlafzimmer.

Rebecca war durchaus realistisch, und natürlich war ihr klar gewesen, dass das anfängliche Feuer irgendwann verglühen würde, trotzdem hätte sie nicht gedacht, dass ihr Liebesleben so schnell zum Erliegen kommen würde. Nicht einmal in der Hochzeitsnacht hatten sie die Ehe vollzogen – Andy hatte sich mit seinen alten Kumpels von der Uni volllaufen lassen und war vollständig angezogen auf dem Bett kollabiert, noch bevor Rebecca die Schnüre ihrer Korsage hatte lösen können. Vielleicht hätte sie das ja als Zeichen werten müssen, dachte sie mit einem Seufzer.

Und selbst wenn sie inzwischen die Zeit und Energie aufbrachten, miteinander zu schlafen, war es irgendwie … routiniert. Rebecca konnte die (zwei oder drei) Stellungen vorhersagen, ehe sie danach ein paar Minuten kuschelten, das Licht ausmachten und einschliefen. Es war ihr zu peinlich, mit ihren Freundinnen darüber zu reden, und Andy gegenüber das Thema anzuschneiden, traute sie sich ebenfalls nicht. Was, wenn das bedeutete, dass sie irgendwie abartig war? Oder dass Andy nicht mehr auf sie stand? Aber die Wahrheit ließ sich nicht abstreiten: Rebecca wurde immer frustrierter, und zwar in jeder Hinsicht.

»Hey, Bex. Komm mal her. Das musst du dir ansehen.«

Erst als sie Andy ihren Namen rufen hörte, merkte sie, dass er vor einem der Geschäfte stehen geblieben war und das Plakat im Fenster las.

»Was ist denn?«

»Komm her.« Grinsend winkte er sie zu sich.

Widerstrebend ging Rebecca in seine Richtung. Vermutlich fand demnächst ein großer Pflanzenmarkt in der hiesigen Kirche statt, oder das Phoenix Cinema veranstaltete eine Star-Wars-Nacht, in der sämtliche Filme hintereinander gezeigt wurden.

»Was ist denn?«, fragte sie noch einmal und trat neben ihn.

Triumphierend deutete Andy auf das Plakat im Schaufenster eines Cafés.

Lust auf Bücher?

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Wir treffen uns jeden zweiten Donnerstag, um über Bücher und über das Leben im Allgemeinen und Besonderen zu plaudern.

Genaueres erfahren Sie unter

Estelle@cafecrumb.co.uk.

Kaffee und Kuchen gibt’s beim ersten Treffen gratis

»Willst du etwa einem Buchclub beitreten?«, fragte Rebecca verwirrt. Andy war eher der Zeitungsleser, ausnahmsweise durfte es auch mal die Biografie irgendeines Sportlers sein, doch dass er freiwillig einen Roman in die Hand nahm, hatte sie noch nie erlebt.

»Nicht ich, sondern du

Sophie Hart

Über Sophie Hart

Biografie

Sophie Hart lebt mit ihrem Freund und ihrer Sammlung skandalöser Romane in London. Sie liebt es zu reisen, ihr Fitnesstraining ausfallen zu lassen und Daniel Craig anzuschmachten.

Pressestimmen

JOY

»Charmanter Blick auf unsere Hemmungen!«

LoveLetter

»Der Roman bietet neben durchweg sympathischen Charakteren (...) auch jede Menge Humor.«

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