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Über Bruce Springsteen

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Über Bruce Springsteen — Inhalt

Um zu begreifen, was Amerika ist, hat es schon immer auch der Rockmusik bedurft. Bruce Springsteen ist wohl der amerikaniste aller Musiker und so erzählt David Remick nicht nur die Geschichte einer lebenden Legende, sondern ihm gelingt ein Griff ins Herz Amerikas. Es öffnet die Augen für den Menschen Springsteen, genauso wie für eine verlorene Generation, die Generation der Väter, die die Träume ihrer Kinder nicht mehr verstanden, die Band als Familie, die Familie als Unternehmen. Ein Blick so nah und aufwühlend, so scharf ohne ein Wort zu viel, dass dieser Text zu den großen Texten der Musikgeschichte wird, genau wie sein Gegenstand.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 14.05.2013
Übersetzt von: Eike Schönfeld
80 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7670-0
»Es sind schon Dutzende Porträts über Bruce Springsteen erschienen, aber nur die wenigsten öffnen die Augen für den wohl amerikanischten aller Rockstars so weit wie die schlanke, 78-seitige Timetravel-Tour von New-Yorker-Chefredakteur David Remnick. [...]. Mit fesselnden Zeilen gelingt dem Autor ein tiefer Einblick in das Leben eines Mannes, der seit über vierzig Jahren wie kein zweiter zwischen dem American Dream und der American Reality hin und her pendelt. Für seine Recherchen wich der Autor dem Boss, seinem E-Street-Gefolge und diversen Ex-Vertrauten monatelangt nicht von der Seite. Dabei kam es zu allerlei emotionalen und hintergründigen Plaudereien, die Remnick für den Leser zu Papier bringt, als wäre man selbst mit dabei gewesen. Großartige Lektüre. Nicht nur für Fans ein Muss.«
laut.de
"Der Chefredakteur des 'New Yorker' setzt weniger auf die bekannten Mythen oder tiefgründige Analysen, sondern schreibt aus dem Bauch heraus. Er lässt das halbe Jahrhundert, das Bruce Springsteen in wesentlichen Teilen mitprägte, nie aus dem Blickfeld. So hat das auf den ersten Blick recht schmale 80-Seiten-Buch am Ende mehr zu bieten als so manche, in weiten Teilen überflüssige dicke Springsteen-Biografie. Wer an spektakulären Nebenschauplätzen interessiert ist, wird hier vergeblich suchen. Wer aber tief hinein ins Auge des von Springsteen ausgelösten Sturms blicken will, sollte zugreifen."
Melodie & Rhythmus
"Remnick, Pulitzer-Preis-gekrönter Chefredakteur des 'New Yorker', trifft mit dieser zielsicheren Psycho-Akkupunktur zugleich Nervenstränge der Nation."
Kölnische Rundschau
"'Über Bruce Springsteen' ist der schmale Band betitelt, ziemlich prosaisch, und doch gehört dieses Psychogramm zu den Höhepunkten der Rockgeschichtsschreibung."
Rheinische Post
„Der kleine, elegant geschriebene Essay verrät viel über den Menschen und den Künstler Bruce Springsteen, aber auch über die amerikanische Gesellschaft.“
Süddeutsche Zeitung online
„In Springsteen sieht Remnick eine Figur, die die amerikanische Nation repräsentiert und prägt – wie Ali, wie Obama. Im Wahlkampf 2008 setzt Springsteen sich ein für den ersten schwarzen Präsidenten der USA. Obama spreche „für das Amerika, das ich mir in den letzten fünfunddreißig Jahren in meiner Musik vorgestellt habe, ein großzügiges Land mit Bürgern, die bereit sind, differenzierte und komplexe Probleme anzupacken, ein Land, das sich für seine kollektive Bestimmung und das Potential seines versammelten Geistes interessiert.«In seinem Essay porträtiert David Remnick den Sänger als Nationaldichter auf den Spuren von John Steinbeck und Woody Guthrie, den großen Chronisten der Arbeitskämpfe des 20.Jahrhunderts. … Aus kleinen Beobachtungen und Momentaufnahmen entsteht das Bild eines Mannes, der sein Leben lang hart gearbeitet hat für seinen amerikanischen Traum.“
WDR 5 "Scala"
"Das beste Porträt über Springsteen, das jemals erschienen ist"
Rolling Stone (USA)

Leseprobe zu »Über Bruce Springsteen«

Vor fast einem halben Jahrhundert, als Elvis Presley »Harum
Scarum« drehte und »Help!« in den Charts war, erwarb sich ein launischer,
von seinem Vater geplagter und dennoch auf unheimliche
Weise charismatischer Junge von der Küste New Jerseys namens
Bruce Springsteen einen bescheidenen Ruf als Gitarrist in einer
Band, die sich nach der Lieblingsseife des Leadsängers The Castiles
benannt hatte. Ihre Mitglieder kamen aus Freehold, eine Industriestadt
eine halbe Stunde landeinwärts von den Buden an der
Promenade und vom Meer entfernt. Die Castiles spielten bei [...]

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Vor fast einem halben Jahrhundert, als Elvis Presley »Harum
Scarum« drehte und »Help!« in den Charts war, erwarb sich ein launischer,
von seinem Vater geplagter und dennoch auf unheimliche
Weise charismatischer Junge von der Küste New Jerseys namens
Bruce Springsteen einen bescheidenen Ruf als Gitarrist in einer
Band, die sich nach der Lieblingsseife des Leadsängers The Castiles
benannt hatte. Ihre Mitglieder kamen aus Freehold, eine Industriestadt
eine halbe Stunde landeinwärts von den Buden an der
Promenade und vom Meer entfernt. Die Castiles spielten bei sechzehnten
Geburtstagen und auf Tanzabenden, in Autokinos und bei
Supermarkteröffnungen. Einmal traten sie vor den Patienten einer
psychiatrischen Klinik in Marlboro auf. Ein Herr im Anzug betrat
die Bühne und erklärte in einer zwanzigminütigen Einleitung, die
Castiles seien »größer als die Beatles«. Worauf ihn ein Arzt unterbrach
und auf sein Zimmer geleitete.
Eines Nachmittags im Frühjahr 1966 begaben sich die Castiles,
im Gepäck ihren Traum, nach ganz oben zu kommen, und
zwar schnell, in ein Studio in Bricktown und nahmen zwei ihrer
eigenen Songs auf, »Baby I« und »That’s What You Get«. Vor allem
aber spielten sie eine Reihe Coverversionen ein, von Glenn Millers
»In the Mood« bis »I Understand« von den G-Clefs. Sie probierten
auch Sachen von Sonny and Cher, Sam and Dave, Don & Juan, den
Who, den Kinks, den Stones und den Animals.
Andere Musiker, meist spätpubertierende Grauhaarige, haben nur
noch vage Erinnerungen an ihre frühen Tage auf der Bühne. (Nicht
wenige haben nicht mal welche an die letzte Woche.) Springsteen
dagegen, inzwischen über sechzig Jahre alt und einer der haltbarsten
Musiker seit B. B. King und Om Kalthoum, erinnert sich
offenbar an jeden einzelnen schrillen Abend – seit dem Moment
im Jahr 1957, als er und seine Mutter Elvis in der Ed Sullivan Show
sahen (»Ich sah sie an und sagte: ›So will ich … auch … sein.‹«),
bis zu seinen jüngsten Großtaten, wenn er als millionenschwerer,
volksnaher Rockstar sich von seinem hingebungsvollen Publikum
Eines Nachmittags im Frühjahr 1966 begaben sich die Castiles, im Gepäck ihren
Traum, nach ganz oben zu kommen, und zwar schnell, in ein Studio in
Bricktown
und nahmen zwei ihrer eigenen Songs auf, »Baby I« und »That’s What You Get«.
auf Händen tragen lässt. Und er ist heute schon Gegenstand historischer
Ausstellungen; im Rock and Roll Hall of Fame Museum in
Cleveland und im National Constitutional Center in Philadelphia
werden seine Textblätter und alten Autos ausgestellt, seine verblichenen
Bühnenklamotten präsentiert wie Fetzen eines Leichentuchs.
Aber anders als etwa die Rolling Stones, die seit der Disco-Ära
keinen großen Song mehr geschrieben haben und nur noch zusammenkommen,
um als ihre eigene Coverband ihr Vermögen zu vermehren,
verweigert Springsteen die Rolle des gewinnsüchtigen Kurators
seiner eigenen Vergangenheit. Er entwickelt sich als Künstler
weiter, füllt ein Spiralheft nach dem anderen mit Ideen, Zitaten,
Fragen, Ausschnitten und letztlich auch neuen Liedern. Sein neuestes
Album, »Wrecking Ball«, ist eine melodische Anklage gegen
die Rezession, besingt ungleiche Einkommen, ausgelaugte Arbeiter
und das, was er »die Entfernung zwischen der amerikanischen
Wirklichkeit und dem amerikanischen Traum« nennt. Diese Arbeit
ist weit entfernt von seinen frühen Operetten über schwüle
Sommeraffären und Ausschweifungen auf dem Highway. Bewusst
gegen die Tradition des politischen Progressivismus gewendet, zitiert
Springsteen aus irischen Rebellenliedern, Dust-Bowl-Balladen,
Bürgerkriegsmelodien und Sträflingsgesängen.
Die ersten Proben für die Welttournee fanden in Fort Monmouth
statt, einem Armeestützpunkt, der im Jahr davor geschlossen wurde,
nachdem er seit dem Ersten Weltkrieg ein Außenposten für den
militärischen Geheimdienst gewesen war; der Spion Julius Rosenberg
sowie Tausende militarisierter Brieftauben waren dort stationiert.
Das sechshundert Hektar große Gelände ist jetzt eine Geisterstadt,
einsame Stahlpuppen verscheuchen die allgegenwärtigen
Kanadagänse, die auf das mittlere Jersey einen grünen Teppich
sprühen. Ich fuhr durch den ganzen Stützpunkt, bis ich schließ
lich ein unansehnliches Kino erreichte, das Springsteen und Jon
Landau, sein langjähriger Manager, für die Proben gemietet hatten.
Siebenundvierzig Jahre davor hatte Springsteen mit den Castiles
im »Teen Club« (Tanz, kein Alkohol) von Fort Monmouth vor Offizierskindern
gespielt.
Die Atmosphäre war konzentriert, aber locker. Die Musiker standen
auf der Bühne und dudelten auf ihren Instrumenten mit der
lässigen Art von Außenfeldspielern, die sich in der Sonne aufwärmen.
Max Weinberg, der vulkanische Schlagzeuger der Band, trug
eine eher bequem geschnittene Jeans, wie sie Freizeitpapis beim
Grillen tragen. Steve Van Zandt, Springsteens Jugendfreund und
zweiter Gitarrist, hat immer einen brutalen Terminplan als Schau-
spieler und DJ; an diesem Tag wirkte er lustlos, die Lider schlaff
unter einem lila Piratenkopftuch. Bassist Garry Tallent, Charlie
Giordano an der Orgel und Pianist Roy Bittan vertrieben sich die
Warterei mit einer Rollschuhbahn-Melodie. Gitarrist Nils Lofgren
organisierte am Handy seinen Rückflug nach Scottsdale fürs Wochenende.
Dann kam Springsteen und begrüßte alle mit einem kurzen Hallo
und seinem typischen Kichern. Er ist eins achtundsiebzig groß
und hat einen wiegenden Rodeogang. Registriert er etwas Neues
– einen Besucher, einen Gedanken, ein vorbeifahrendes Auto
in der Ferne –, werden seine Augen schmal, als würde ihn grelles
Licht blenden, und sein Unterkiefer reckt sich leicht vor. Seine
Stirn wirkt höher, und für alle, die spekulieren wollen, schaut es
so aus, als habe er im Lauf der Jahre angesichts hochauflösender
Kamerabeobachtung und des Kampfs gegen die Zeit die kostspieligen
Dienste kosmetischer Chirurgen und Zahnärzte in Anspruch
genommen. Er sieht nach wie vor deprimierend gut aus und ist unfassbar
fit. (»Er hat praktisch denselben Taillenumfang wie damals,
als wir uns mit fünfzehn kennenlernten«, sagt Steve Van Zandt,
bei dem das nicht so ist.) Das hat zum Teil mit seiner enthaltsamen
Art zu tun; Van Zandt zufolge ist Springsteen »der Einzige, den ich
kenne – ich glaube, der Einzige, den ich überhaupt kenne –, der
nie Drogen genommen hat«. Und seit dreißig Jahren betreibt er
mehr oder weniger das gleiche Sportprogramm: Er läuft auf einem
Laufband und stemmt mit einem Trainer Gewichte. Das hat sich
ausgezahlt. Sein Muskeltonus ist fast der eines neuen Tennisballs.
Doch an diesem Tag in Fort Monmouth lachte er nur über die Vorstellung,
er wäre schon bereit für die Tournee zu »Wrecking Ball«.
»Nicht annähernd«, sagte er und ließ sich auf einen Stuhl zwanzig
Reihen vor der Bühne fallen.
Die Vorbereitung auf eine Tournee ist ein Prozess, der viel mehr
bedarf als eines Trainings, das einem vorzeitigen Infarkt vorbeugen
soll. »Sieh’s mal so: Ein Auftritt ist wie Sprinten und dabei drei,
vier Minuten lang schreien«, sagte Springsteen. »Und dann macht
man’s wieder. Und dann macht man’s wieder. Und dann läuft man
ein wenig rum und brüllt die ganze Zeit dabei. Und so weiter. Das
Adrenalin lässt dich schnell über die Kondition hinausgehen.« Sein
Konzertstil ist fröhlich-dämonisch, so nahe, wie man als Weißer
im Rentenalter James Brown um 1962 kommen kann, ohne einen
Bandscheibenvorfall oder ein kaputtes Becken zu riskieren. Die
Konzerte dauern über drei Stunden, ohne Pause, und dabei tanzt
er unablässig, schreit, beschwört, fuchtelt, tritt und rudert mit den
Armen, dann wieder Crowdsurfing, steigt aufs Schlagzeugpodest,
hüpft auf einen Verstärker, springt von Roy Bittans Klavier. Diese
Energie und ihre totale Ausbeutung wird von ihm erwartet. Das
Publikum dankt es ihm mit gemeinschaftlicher Verehrung. Wie
Pilger bei einer riesigen Freiluftmesse – vergleichbar mit Johannes
Paul II. in Danzig – kennen die Leute ihre Rolle: wann sie die Hände
heben sollen, wann sich wiegen, wann singen, wann seinen
Namen schreien, wann seinen Körper tragen, von Hand zu Hand,
von hinten im Raum bis nach vorn zur Bühne. (Van Zandt: »Messianisch?
Ist das das Wort, das Sie suchen?«)
Springsteens Ruhm entstand während der Zeiten von Letterman,
doch er ist gegen Ironie. Keith Richards will den Eindruck vermitteln,
als sei ihm alles scheißegal. Bei ihm fragt man sich, was wohl
schwieriger ist, die Riffs von »Street Fighting Man« zu spielen oder
eine Zigarette an einem Speichelfaden baumeln zu lassen. Springsteen
ist das Gegenteil. Bei ihm geht es nur darum, sich bis zum
Letzten zu verausgaben.
In einem Springsteen-Konzert kommt unweigerlich der Augenblick,
so wie damals bei James Brown, wenn er den Konflikt zwischen
Erschöpfung und dem Drang, weiterzumachen, durchspielt.
Brown inszenierte ihn, indem er auf die Knie fiel, schweißgebadet,
außerstande, noch einen einzigen Schritt zu tanzen, und dennoch
seinen Helfer wegscheuchte, denjenigen, der ihm den Umhang
umlegte und ihn von der Bühne brachte. Springsteen sackt gegen
den Mikroständer, ausgepumpt und reglos, kommt dann wieder zu
sich, schüttelt den Schweiß ab – Nein! Das kann nicht sein! – und
fordert die Band zu einer weiteren Strophe, einem weiteren Lied
auf. Völlig durchnässt verlässt er die Bühne, als wäre er in Kleidern
durch die Halle geschwommen, von Barrakudas gehetzt. »Ich will
ein extremes Erlebnis«, sagt er. Er will, dass sein Publikum die Arena
verlässt, wie er es ihnen befiehlt, »mit schmerzenden Händen,
schmerzenden Füßen, schmerzendem Rücken, rauer Stimme und
erregten Geschlechtsorganen!«.
Der zur Schau gestellte Überschwang ist als Kritik an den Verhältnissen
zu verstehen. »Für einen Erwachsenen besteht die Welt
meist aus Knebeln«, sagt er. »Routine, Verantwortung, Niedergang
der Institutionen, Korruption: darauf läuft’s doch raus. Die Musik
aber, wenn sie richtig gut ist, die bricht das Ganze wieder auf und
lässt die Leute rein, lässt Licht rein und Luft und Energie, und damit
schickt sie die Leute nach Hause und mich ins Hotel. Manchmal
tragen die Leute das noch sehr lange mit sich herum.«
Die Band probt weniger, um zu lernen, wie sie bestimmte Songs
spielt, als um zu sehen, welche Songs zu welchen passen, um eine
rudimentäre Songliste (mit zahllosen Alternativen) zu erstellen,
die allen Anforderungen Springsteens gerecht wird: dass die neuen
Sachen und seine neuesten Themen kommen, dass für die Gelegenheitsfans
die erwarteten Hits, für die Fans, die ihn schon hundertmal
gesehen haben, genügend Überraschungen und Raritäten
eingebaut werden, vor allem aber soll das Konzert von tobend zu
still und wieder zurück führen. Seit einigen Jahren nimmt Springsteen
Wünsche aus dem Publikum an. Er ist nie in Verlegenheit geraten.
»Man kann die Band aus dem Rhythmus bringen, aber nicht
den Rhythmus aus der Band«, sagt Van Zandt.
Die Mitglieder der E Street Band sind Springsteen nicht gleichgestellt.
»Das sind nicht die Beatles«, wie Weinberg es formuliert.
Sie bekommen ein Gehalt; 1989 wurden sie en masse gefeuert. Sie
harren seines Anrufs zum Aufnehmen, zur Tournee, zum Proben.
Als Springsteen von seinem Stuhl aufsprang und sagte: »O. k., an
die Arbeit«, machten sie sich umstandslos bereit und warteten auf
seinen Einsatz.
Ha … zwei … drei … vier.
Während das hymnenartige Eröffnungsstück »We Take Care of Our
Own« über die leeren Sitze wallte, stand ich hinten in der Halle
neben dem Toningenieur John Cooper, ein langgliedriger Kerl aus
Indiana, den nichts aus der Ruhe bringt; er überwachte ein riesiges
Soundboard und eine Reihe Laptops. Eine Festplatte enthält
Text und Tonart von Hunderten Songs, sodass der Song, sollte
Springsteen einmal etwas Unvorhergesehenes machen, sofort auf
den Telepromptern in Sichtweite von ihm und seinen Kollegen
erscheint. (Diese Krücke ist nichts Besonderes – Sinatra benutzte
einen am Ende seiner Karriere, ebenso die Stones und viele andere
Bands.) Über die Hälfte des Gigs wird jeden Abend gleich sein, aber
der Rest passiert spontan.
»Bis auf wenige Ausnahmen ist hier noch alles live«, sagte
Cooper.
Ohne Playback geht es heute kaum noch. Coldplay verdicken
ihren Sound mit haufenweise vorher aufgenommenen Instrumenten
und Synthesizern. Der einzige künstliche Klang in
Springsteens Gig ist ein Snaredrum-Sound in »We Take Care of Our
Own«, der sich offenbar nicht so leicht wiedergeben lässt.
An jenem Nachmittag in Fort Monmouth wollte Springsteen unbedingt
die »ersten vier« festlegen, die ersten Songs, die dicht aufeinander
folgen. Band und Team legten besonderes Augenmerk
auf die schwebenden Sekunden, in denen die Tonart wechselt und
die Techniker den Musikern andere Instrumente reichen. Das ist
eine knifflige Arbeit; die Techniker müssen mit der Präzision von
Pitcrews in Daytona funktionieren.

David Remnick

Über David Remnick

Biografie

David Remnick, Verfasser der weltweit erfolgreichen Biographie "Barack Obama: Leben und Aufstieg" und preisgekrönter Chefredakteur des New Yorker, hat an den Universitäten Columbia und Princeton gelehrt. "King of the World" wurde weltweit zum phänomenalen Best- und Longseller, für sein Buch...

Pressestimmen

laut.de

»Es sind schon Dutzende Porträts über Bruce Springsteen erschienen, aber nur die wenigsten öffnen die Augen für den wohl amerikanischten aller Rockstars so weit wie die schlanke, 78-seitige Timetravel-Tour von New-Yorker-Chefredakteur David Remnick. [...]. Mit fesselnden Zeilen gelingt dem Autor ein tiefer Einblick in das Leben eines Mannes, der seit über vierzig Jahren wie kein zweiter zwischen dem American Dream und der American Reality hin und her pendelt. Für seine Recherchen wich der Autor dem Boss, seinem E-Street-Gefolge und diversen Ex-Vertrauten monatelangt nicht von der Seite. Dabei kam es zu allerlei emotionalen und hintergründigen Plaudereien, die Remnick für den Leser zu Papier bringt, als wäre man selbst mit dabei gewesen. Großartige Lektüre. Nicht nur für Fans ein Muss.«

Melodie & Rhythmus

"Der Chefredakteur des 'New Yorker' setzt weniger auf die bekannten Mythen oder tiefgründige Analysen, sondern schreibt aus dem Bauch heraus. Er lässt das halbe Jahrhundert, das Bruce Springsteen in wesentlichen Teilen mitprägte, nie aus dem Blickfeld. So hat das auf den ersten Blick recht schmale 80-Seiten-Buch am Ende mehr zu bieten als so manche, in weiten Teilen überflüssige dicke Springsteen-Biografie. Wer an spektakulären Nebenschauplätzen interessiert ist, wird hier vergeblich suchen. Wer aber tief hinein ins Auge des von Springsteen ausgelösten Sturms blicken will, sollte zugreifen."

Kölnische Rundschau

"Remnick, Pulitzer-Preis-gekrönter Chefredakteur des 'New Yorker', trifft mit dieser zielsicheren Psycho-Akkupunktur zugleich Nervenstränge der Nation."

Rheinische Post

"'Über Bruce Springsteen' ist der schmale Band betitelt, ziemlich prosaisch, und doch gehört dieses Psychogramm zu den Höhepunkten der Rockgeschichtsschreibung."

Süddeutsche Zeitung online

„Der kleine, elegant geschriebene Essay verrät viel über den Menschen und den Künstler Bruce Springsteen, aber auch über die amerikanische Gesellschaft.“

WDR 5 "Scala"

„In Springsteen sieht Remnick eine Figur, die die amerikanische Nation repräsentiert und prägt – wie Ali, wie Obama. Im Wahlkampf 2008 setzt Springsteen sich ein für den ersten schwarzen Präsidenten der USA. Obama spreche „für das Amerika, das ich mir in den letzten fünfunddreißig Jahren in meiner Musik vorgestellt habe, ein großzügiges Land mit Bürgern, die bereit sind, differenzierte und komplexe Probleme anzupacken, ein Land, das sich für seine kollektive Bestimmung und das Potential seines versammelten Geistes interessiert.«In seinem Essay porträtiert David Remnick den Sänger als Nationaldichter auf den Spuren von John Steinbeck und Woody Guthrie, den großen Chronisten der Arbeitskämpfe des 20.Jahrhunderts. … Aus kleinen Beobachtungen und Momentaufnahmen entsteht das Bild eines Mannes, der sein Leben lang hart gearbeitet hat für seinen amerikanischen Traum.“

Rolling Stone (USA)

"Das beste Porträt über Springsteen, das jemals erschienen ist"

Salzburger Nachrichten

„Die Proben zur „Wrecking Ball“ Tour nutzte David Remnick vor einem Jahr, um tief in die Seele und Arbeitswelt von Springsteen zu blicken. […] Remnick mag den Boss und lässt es sich auch anmerken. Dennoch behält er Distanz. Das ist - neben vorzüglicher Beobachtungsgabe – der Grund, warum seine Reportage schlau, hintergründig und packend zu lesen ist.“

Der Neue Tag

"Ein Blick so nah und aufwühlend, so scharf ohne ein Wort zu viel, dass dieser Text zu den großenTexten der Musikgeschichte wird, genau wie sein Gegenstand."

Die Welt am Sonntag

„David Remnick, der Chefredakteur des "New Yorker", erklärt es uns in einem brillanten Buch: Bruce Springsteen ist ein Meister der Konvention.“

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