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Treffen sich zwei Knochen

Treffen sich zwei Knochen

Fit und gelenkig bis ins hohe Alter. Das Buch der gesunden Gelenke

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Treffen sich zwei Knochen — Inhalt

Das Buch gegen die Volkskrankheit Nummer Eins

Unser vom Sitzen geprägter Alltag machte die Arthrose zur Volkskrankheit Nummer Eins – dieses Buch zeigt, wie Sie ihr vorbeugen:
Es macht Sie mit den über 100 Gelenken unseres Körpers bekannt und zeigt Ihnen die Stärken der Wundersubstanz namens „Knorpel“, die unsere Knochen davor schützt, sich zu nahe zu kommen – und ihre größte Schwäche. Sie erfahren, wie dankbar unsere Gelenke und Muskeln sind, wenn wir uns ausreichend und richtig bewegen. Die allermeisten von uns erwischt die Arthrose irgendwann, aber wie schnell und wie schlimm, das können wir beeinflussen.

„Sein Buch ist eine faszinierende Entdeckungsreise durch unseren Bewegungsapparat.“NDR DAS

„Verständlich geschrieben, übersichtlich gegliedert.“Frankfurter Rundschau

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 11.01.2019
240 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31333-9

Leseprobe zu „Treffen sich zwei Knochen“

Vorwort
Wie gesund leben wir Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts eigentlich?
Keine ganz einfache Frage, oder? Einerseits haben wir
die meisten Infektionskrankheiten im Griff, können Krankheiten
besser behandeln, wissen mehr über Hygiene und Vorbeugung
und sterben nicht mehr an Hunger und Kälte. Andererseits sind
wir Umweltgiften, Stress, Lärm und ungesunder Ernährung ausgesetzt.
Und auch, was unsere Gelenke angeht, kann man geteilter
Meinung sein: Natürlich werden viele schwere körperliche Arbeiten,
die die Leute früher buchstäblich kaputt gemacht haben,
mittlerw [...]

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Vorwort
Wie gesund leben wir Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts eigentlich?
Keine ganz einfache Frage, oder? Einerseits haben wir
die meisten Infektionskrankheiten im Griff, können Krankheiten
besser behandeln, wissen mehr über Hygiene und Vorbeugung
und sterben nicht mehr an Hunger und Kälte. Andererseits sind
wir Umweltgiften, Stress, Lärm und ungesunder Ernährung ausgesetzt.
Und auch, was unsere Gelenke angeht, kann man geteilter
Meinung sein: Natürlich werden viele schwere körperliche Arbeiten,
die die Leute früher buchstäblich kaputt gemacht haben,
mittlerweile von Maschinen übernommen; so erreichen immer
mehr Menschen ihren Ruhestand in einem erstaunlichen Fitnesszustand.
Andererseits belastet die überwiegend sitzende Arbeitsund
Lebensweise der meisten Zeitgenossen ohne jeden Zweifel
unseren Bewegungsapparat.
Denn der menschliche Körper ist für die Bewegung geschaffen.
Und weil die oft fehlt, ist die Arthrose, also der Gelenkverschleiß,
leider die Volkskrankheit Nummer eins.
Das ist ein wirklicher Jammer, weil unsere erstaunliche und
vielfältige Beweglichkeit eigentlich ein Geschenk der Natur ist –
das wir aber nur mit gesunden Gelenken genießen können.
Wie kostbar die Gabe ist, sich schmerzfrei zu bewegen, begreifen
wir in der Regel erst, wenn es in den Gelenken zwickt und
schmerzt, weil uns Arthrose oder Rheuma (Arthritis) zu schaffen
machen. Aber was genau schmerzt da eigentlich, und warum?
Wie ist ein Gelenk aufgebaut, und wie funktioniert das Zusammenspiel
von Knochen und Knorpeln, Muskeln und Sehnen, Bändern
und Nerven, das unsere Gelenke zu wahren Wunderwerken der Evolution macht? Was nehmen unsere Gelenke übel? Womit
können wir ihnen Gutes tun? Und wie kann die Medizin helfen,
wenn ein angeknackstes Pflänzchen der Stützung bedarf? Das
Wort „Orthopädie“ stammt von griechisch orthos pais „gerades
Kind“. Der Wuchs einer verkrümmten Wirbelsäule soll, wie ein
Bäumchen durch einen Pfahl, gelenkt und begradigt werden.
Dieses Buch nimmt Sie mit auf eine
Reise durch den menschlichen Körper.
Wir dringen gemeinsam zu seinen über
100 Gelenken vor und lernen die Stärken
und Schwächen der Wundersubstanz
namens Knorpel kennen, die die
Knochenenden an ihren Treffpunkten
davor schützt, sich zu nahe zu kommen.
Ihre größte Schwäche wird Ihnen wie
ein Mantra immer wieder begegnen:
Knorpel heilen nicht. Sie wachsen
nicht nach. Sind sie einmal weg, kommen sie nicht mehr wieder.
Das andere Mantra dieses Buchs ist eine ziemlich schlechte
Nachricht für Couch Potatoes, aber eine gute für alle Freunde
sanfter Sportarten wie Radfahren und Schwimmen: Unsere Gelenke
und Muskeln bleiben nur gesund, wenn wir uns ausreichend
bewegen. Wobei die Zauberformel heißt: Bewegen, ohne
zu belasten.
Aber die meisten erwischt die Arthrose irgendwann doch – in
der Schulter, im Knie, in der Hüfte oder auch in einem der kleineren
Gelenke. Dann müssen wir Orthopäden ran. Deshalb handelt
dieses Buch auch von den mittlerweile vielfältigen Therapiemöglichkeiten,
mit denen wir die Lebensqualität von Gelenkpatienten
wiederherstellen oder zumindest verbessern können.
Die Anregung zu diesem Buch stammt von meinem Verleger
Markus Karsten. Ihm danke ich ebenso wie Claudia Stursberg
und Oliver Domzalski für ihre sachkundige Unterstützung.

1 Plauderei mit den Muskeln
„Guten Morgen, Streckmuskel des rechten Oberschenkels!“
„Guten Morgen. Guck mal, was ich kann!“
„Fa-bel-haft! Ich bin beeindruckt.“
„Darf ich das noch zwanzig Mal machen?“
„Was, zwanzig Mal?! Also meinetwegen zehn Mal. Mehr geht
nicht.“
„Ok, erledigt. Jetzt wollen dir meine kleinen Geschwister auch
noch was zeigen.“
„Ach ja? Ich wollte jetzt eigentlich frühstücken.“
„Erstmal zeigen!“
„Ja ... wie viele Geschwister hast du denn?“
„Am Bein? So dreißig ungefähr. Zehn am Oberschenkel, elf am
Unterschenkel, vierundzwanzig am Fuß ... ach, es sind doch
fünfundvierzig insgesamt.“
„Was, so viele? Na, dann zeigt mal, aber die Füße jetzt nicht,
die kommen nach dem Frühstück dran.“ (Hebt das Bein hoch,
beugt und streckt es, in Bauch-, Seiten und Rückenlage etc.)
„Na, was sagst du?“
„Super! Danke, dass ihr so viel für mich arbeitet!“
„Du hast uns in letzter Zeit auch geholfen, die Arbeit fällt uns
jetzt viel leichter. Und übrigens – wir haben in der Zeit noch einen
Nebenjob erledigt. Hast du’s gemerkt?“
„Äh, ich weiß nicht?“
„Wir haben jeden Tag eine Gießkanne voll Synovia bei deinen
Gelenken vorbeigebracht.“
„Voll – was?“
„Synovia. Das ist Dünger und Gießwasser für deine Knorpelkissen.“
„Oh, danke! Wo hattet ihr die denn her, diese Synovia?“
„Die hatte sich in die Ritzen verkrochen, wir mussten sie da
rauspumpen. War ganz schön Arbeit. Wir haben das immer gemacht,
während du Walken warst. Deine neuen Stöcke sind supergut!

„Also, ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll!“
„Einfach in Bewegung bleiben! Wolltest du dir nicht ein neues
Fahrrad kaufen? Kann auch eins mit Elektromotor sein, für die
steilen Anstiege, die sind ja für deine Knie nicht mehr so gut.“
„Tolle Idee.“
Manchmal läuft der Dialog aber eher so:
„Hallo! Hallo! Wo seid ihr denn?“
„Piep.“
„Das war zu leise, ich verstehe nichts.“
„Wir sind ganz klein und dünn geworden. Fast sind wir verschwunden
...“
„Ich muss jetzt aber zum Bus rennen! Ich muss den Bus kriegen,
sonst komme ich zu spät zur Arbeit!“
„Rennen? Da lachen ja die Hühner! Das können wir nicht
mehr. Sei froh, dass wir dich heute Morgen noch zum Aufstehen
gekriegt haben!“
„Meine Güte, das ging aber schnell. Ich habe doch nur nochmal
sämtliche Staffeln von How I met your mother angeguckt.“
„Das hat sechs Wochen gedauert. Sechs Wochen, in denen du
abends nach der Arbeit nur einen einzigen kleinen Muskel bewegt
hast. Den für die Fernbedienung.“
„Vergiss nicht den für die Mikrowelle.“
„Meist war es der App-Daumen, um Pizza zu bestellen.“
„Jaaa, ich weiß ja ...“


2 Bewegung, Bewegung!
Hm. Dieses Buch handelt doch von Gelenken – ob gesund oder
geplagt durch Arthrose und Arthritis. Wieso fängt es dann mit
einem Muskeldialog an? Nun ja, das Buch hat auch ein heimliches
Thema, und das ist Bewegung. Und zwar in vierfacher
Hinsicht.
Beginnen wir – Punkt 1 – mit einer ganz einfachen Frage: Was
ist eigentlich das Besondere an einem Gelenk? Ganz allgemein
gesprochen, verbindet ein Gelenk zwei feste Elemente – und
sorgt zugleich dafür, dass sie sich gegeneinander bewegen können.
Ein Beispiel aus dem Alltag ist die Türangel, die dafür sorgt,
dass die Tür ihre Position zur Wand, mit der sie verbunden ist,
verändern kann. Dahingegen ist die Astgabel kein Gelenk – sie
verbindet zwar zwei Äste, aber deren Position zueinander ist immer
gleich.
Punkt 2: Gelenke sorgen für Beweglichkeit. Die Grenze zwischen
Pflanze und Tier wird häufig genau dadurch definiert: dass
Tiere sich eigenständig an einen anderen Ort begeben können,
also beweglich sind – und das trotz ihres steifen Skeletts. Dasselbe
gilt selbstverständlich auch für uns Menschen.
Überlegen Sie einmal, was Sie den ganzen Tag so tun: Rennen,
gehen, sitzen, sich hinlegen, sich bücken, Dinge heben, tragen,
balancieren und werfen, sich hinknien, putzen und wieder aufstehen.
Aber auch kauen, gähnen, lächeln, die Zähne putzen, die
Haare kämmen und sich kratzen. Und auch Sex haben, Mails
schreiben und den Müll rausbringen. Nichts davon funktioniert
ohne Gelenke. (Und wenn Sie jetzt das Buch oder den E-Reader
sinken lassen, um darüber nachzudenken, welche Tätigkeiten Sie auch ohne Gelenke ausführen können, brauchen Sie erneut
diverse davon. Zwar nicht für das Nachdenken – aber für das Sinkenlassen
des Buchs.)
Punkt 3: Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir die Gesundheit
unserer Gelenke und damit unsere Mobilität nur erhalten
können, wenn wir uns regelmäßig und ausreichend bewegen.
Und das ist wichtig. Denn nur gesunde Gelenke machen unsere
erstaunliche und vielfältige Beweglichkeit zu einer schmerzfreien
Angelegenheit.
Kinder wissen das ganz intuitiv – sie toben sich aus, ununterbrochen
und mit beneidenswerter Energie. Frühere Generationen
haben den Fehler gemacht, diesen Bewegungsdrang einzuschränken.
Er galt als Laster, das es durch strenge Erziehung zu
besiegen galt. Das Ideal hieß einst: kerzengerades Stillsitzen, als
ob man einen Stock verschluckt hätte.
Und kaum hatten die Eltern und die Schulen begriffen, dass
das Unsinn ist, wurde die Bewegungsfreude der Kinder erneut
torpediert, diesmal durch Verführungen: Überfürsorgliche Eltern
ersparen ihren Kindern jeden Schritt. Und elektronische Medien
fesseln die Kinder viel zu lange an Bett, Sessel oder Sofa.
Als Arzt kann ich nur sagen: Kinder stundenlang stillsitzen zu
lassen ist geradezu verantwortungslos. Warum? Leichter als im
Kindesalter lernt man nie mehr. Und das gilt nicht nur für den
Schulstoff, sondern auch für Bewegungen. Deswegen braucht
der kindliche Organismus viele Stunden am Tag maximale Freiheit
zum Austoben. In dieser Zeit wird die Basis für einen gesunden
Bewegungsapparat gelegt – für das ganze spätere Leben.
Und der 4. Aspekt der Bewegung: Sie hilft uns, Übergewicht zu
vermeiden und so unsere Knochen und Gelenke nicht übermäßig
zu belasten.
Bevor ich nun aber weiter die Articulatio metacarpophalangealis
II und Articulationes interphalangeales, also die Fingergelenke meines Zeigefingers strapaziere, gucken Sie mit mir in so ein Gelenk
hinein und verstehen, wie es aufgebaut ist. Und lernen Sie
den körpereigenen Airbag kennen, der die regelmäßigen Treffen
der Knochen in einem gesunden Gelenk zu schmerzlosen Veranstaltungen
macht.


3 Die Gelenke
Welche Teile unseres Skeletts nennen wir eigentlich Gelenke und
wie viele haben wir davon?
Im engeren Sinne sind es etwa 122:
„„2 Kiefergelenke (die übrigens in Deutschland nicht zum Tätigkeitsfeld
der Orthopäden gehören, sondern zu dem der Zahnärzte.
Wegen ihrer großen Kompliziertheit sind sie die einzigen,
die man nicht ersetzen kann. Also die Kiefergelenke, nicht
die Zahnärzte.)
„„Ca. 48 kleine Wirbelgelenke (Die Zahl dieser „unechten Gelenke
“ ist nicht bei allen Menschen gleich.)
„„2 Schultergelenke
„„2 Schultereckgelenke
„„2 Ellenbogengelenke
„„2 Handgelenke
„„2 Daumensattelgelenke
„„10 Fingergrundgelenke
„„8 Fingermittelgelenke (Die Daumen haben kein Mittelglied.)
„„10 Fingerendgelenke
„„2 Hüftgelenke
„„2 Kniegelenke
„„2 Sprunggelenke
„„10 Zehengrundgelenke
„„8 Zehenmittelgelenke (Die großen Zehen haben ebenfalls kein
Mittelglied.)
„„10 Zehenendgelenke
Im Griechischen heißt das Gelenk arthros – unschwer zu erkennen
also, woher die Wörter Arthrose und Arthritis stammen. Arthros – das hört sich ehrwürdig an. Ein bisschen wie Atlas, der
Riese, der auf seinen Schultern die ganze Erde trug. Mit den
beiden R und dem T klingt arthros ein wenig knarrend. Wenn
wir zur Welt kommen, knarrt es aber überhaupt noch nicht, wie
die unglaubliche Beweglichkeit von Kindern beweist.
Schauen wir uns also das gesunde Gelenk, mit dem wir zur
Welt kommen, einmal genauer an.

Was soll das Ganze?
Und wie sieht die Konstruktion aus?
Sie erinnern sich, die herausragenden Eigenschaften eines Gelenks
sind:
1. Es verbindet zwei Knochen.
2. Es ist beweglich.
3. Die Bewegung soll schmerzfrei sein.
Unsere Knochen und Gelenke sowie die dazugehörigen Weichteile
sorgen dafür, dass wir uns zielgerichtet bewegen können,
ohne dabei unsere Form zu verlieren.
Für die mobile, also Beweglichkeit ermöglichende Verbindung
der Knochen untereinander sorgen die Bänder, für die Verbindung
zu den Muskeln die Sehnen. Und die Muskeln liefern die
Kraft, die die Bewegung erst in Gang setzt.
Auf die Gelenke wirken dabei teilweise enorme Kräfte (siehe
Kasten nächste Seite). Sie brauchen also Halt. Um die Gelenkteile
herum schmiegt sich deshalb die Gelenkkapsel. Ohne sie
würde alles auseinanderfallen. Die Kapsel sitzt manchmal straff,
zum Beispiel beim Hüftgelenk, und manchmal lose – etwa bei
den Schultern, und auch bei den Fingergelenken, deren etwas
faltige „Bewegungsreserve“ wir sogar sehen können.

Wie hoch ist der Druck in einem Gelenk?
Im Daumensattelgelenk: Beim Öffnen einer Flasche bis zu
1 Tonne.
In den Kniegelenken: Beim Gehen (auf flachem Terrain oder
treppauf) das Dreifache des Körpergewichts.
Beim Treppab-Gehen das Dreieinhalbfache des Körpergewichts.
Beim Joggen bis zum Sechsfachen des Körpergewichts.

Dass ein Gelenk weit mehr „stemmen“ muss, als der Körper
wiegt, hat mit der hocheffizienten Hebelwirkung zu tun, deren
sich die Gelenke bedienen. Aber wie halten die Knochen
und Gelenke eine solch ungeheure Belastung aus, und zwar
tausendfach und über Jahrzehnte? Knochen sind zwar hart,
aber alles hat seine Grenzen. (Außerdem sind sie nicht immer
gleich hart, sondern manchmal ziemlich mürbe, wie etwas
weiter unten erläutert wird.) Einer der Tricks: Die Knochen
werden an den Enden etwas breiter. So wird die Last auf eine
größere Fläche verteilt und dadurch für jeden einzelnen Punkt
gemindert.
Aber wieso tut uns das nicht bei jeder Bewegung schrecklich
weh? Auf den Beinen lastet schließlich fast das gesamte Körpergewicht.
Bei jedem Schritt senkt sich der Oberschenkelknochen
unter diesem Gewicht herab und trifft auf das obere Ende des
Schienbeins.
Sie können sich ausmalen, was passiert, wenn diese sensiblen
Kollegen sich treffen, also direkt aneinanderstoßen. Können Sie
nicht? Und Sie wollen es jetzt sofort wissen? Dann lesen Sie direkt
im Kapitel über Arthrose weiter.
Wenn wir geboren werden, ist jedenfalls dafür gesorgt, dass
sich Knochenenden nicht berühren. Zu diesem Zweck sind alle
Knochenenden mit einem phantastischen Material überzogen.
Ein Hauptziel dieses Buchs ist es, Sie mit dieser Wundersubstanz
richtig bekanntzumachen. Sie sollen sie lieben und es zu einem
Ihrer Lebensziele machen, hingebungsvoll für sie zu sorgen. Leider
klingt ihr Name nicht annähernd so lieblich und wohltuend,
wie ihre Wirkung ist: Das Zeug heißt Knorpel. (Siehe die dunkle
Schicht in der Abbildung 2 links.)
Die Knorpelschicht lässt also die Knochenenden unmerklich,
lautlos, geschmeidig und sanft aneinander vorbeigleiten. Tag für
Tag, bei jeder einzelnen Bewegung, die Sie machen.

Was hat das Gelenk mit der Lenkung zu tun?
Das Wort Gelenk bezeichnete ursprünglich nur den weichen,
biegsamen Teil des Körpers zwischen Rippen und Becken.
(Der „Gelenk-Omnibus“ mit seinem flexiblen Teil in
der Mitte ist das perfekte Bild dafür.) Die Bedeutung ging
dann allmählich auf alle beweglichen, also „biegsamen“
Teile des Körpers über. Und das Verb „lenken“ bedeutete ursprünglich
„umbiegen“.

Was gehört alles dazu?
Harter Knochen
Sie müssen hier nicht lernen, wie Knochen genau aufgebaut
sind. Eine Sache aber lohnt sich zu merken: Die Härte der
Knochen, die unser verlässliches Skelett bilden, uns tragen und
aufrecht halten, kommt durch einen bestimmten Anteil an Kalk
zustande. (Wie, Sie wollten nie verkalkt sein? Richtig, in Adern
und im Gehirn möchte keiner die harten weißen Krümel haben.
Aber in den Knochen ist der Mineralstoff willkommen.) Zwei
Dinge entscheiden darüber, ob Ihre Knochen genug Kalk enthalten,
also „mineralisiert“ sind und damit stabil und bruchresistent.
Erstens nehmen Sie Kalk durch die Nahrung auf, die
entsprechend calciumhaltig sein sollte. Und zweitens: Wieviel
von dem Kalk, der zur Verfügung steht, wirklich in die Knochen
eingelagert wird, hängt davon ab, wieviel Sie sich bewegen. Je
mehr Sie sich bewegen, desto fester sind Ihre Knochen.
Morsche Knochen, die bei jeder Gelegenheit brechen, sind eine
Krankheit; das Endstadium des Knochenabbaus nennt man Osteoporose.

Knorpelschicht
Die Knorpelschicht ist, wie Sie vielleicht schon an meiner Liebeserklärung
weiter oben gemerkt haben, so wichtig (und gleichzeitig
so unbekannt), dass ich ein großes Extrakapitel für sie reserviert
habe: Kapitel 4.

Bänder
Bänder sind sozusagen Bremsen und Sicherheitsgurte in einem:
Sie sorgen dafür, dass ein Gelenk nicht zu beweglich ist, sondern
nur genau so viel wie nötig. Dadurch verhindern sie das Überdehnen
von Muskeln und Sehnen. Als sogenannte passive Struktur
verbinden sie immer zwei Knochen miteinander, an denen
sie angewachsen sind. Bänder bestehen aus festem, faserartigem
Bindegewebe und sind kaum elastisch. Leider erfahren wir
von ihrer Existenz meist nur, wenn eines von ihnen gezerrt oder
gerissen ist.
In einem Gelenk (na gut, in zweien) spielen Bänder eine besonders
wichtige Rolle, nämlich im Knie. Man nennt es deshalb auch
ein bändergeführtes Gelenk.

Kapsel
Damit ein Gelenk in sich funktioniert, ist es komplett umgeben
von einer Kapsel. Sie stabilisiert es, schließt es dicht nach außen
ab und badet es permanent in einer Flüssigkeit, der „Gelenkschmiere“ oder Synovia.
In der Technik hat man das Prinzip des Flüssighaltens nachgebaut,
unter anderem beim Auto: Um die „Gelenke“ der Radachsen
herum ist eine Gelenkmuffe aus Gummi, in der sich zur
Schmierung das Fett befindet. Nur so sind die Motorteile beweglich
und bleiben es.

Kapsel und Bänder haben also eine verwandte Aufgabe: Stabilisierung.
In jedem Gelenk stehen sie in einem anderen Verhältnis
zueinander. Oft ist die Kapsel verstärkt durch Bandstrukturen.
Diese liegen manchmal in der Kapsel (Kreuzbänder im Knie),
manchmal auch außerhalb (Außenbänder am Kniegelenk).
Wie die Bänder besteht auch die Kapsel aus festem Bindegewebe.
Dieses in allen Organen massenhaft vorhandene körpereigene
Material heißt Kollagen. Kollagenfasern haben dieselben
Eigenschaften, die wir uns von Führungspersönlichkeiten wünschen:
Sie besitzen Zähigkeit, sind untereinander vernetzt wie eine Gitterstruktur und dadurch stabil, reagieren aber bei aller
Festigkeit auch elastisch und flexibel auf Veränderungen.
Innen ist die Gelenkkapsel zusätzlich von einer extrem nützlichen
Schleimhaut überzogen. Diese Gelenkinnenhaut ist stark
durchblutet, von vielen Nerven durchzogen und sehr potent, also
mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegnet. Und da sie ihre
Zeit nicht mit Sex vertut (obwohl sie sich ständig erneuert),
kommt diese Potenz ausschließlich anderen Zwecken zugute:
Die Gelenkinnenhaut produziert die Gelenkflüssigkeit (Synovia)
und ist zudem in der Lage, im Falle einer Störung die Verteidigung
zu organisieren. Dabei – und das hat weiterhin nichts mit
Sex zu tun – kommt es zu einem Erguss. Wir kennen das alle:
Wenn Schleimhäute gereizt werden, produzieren sie Wasser. Haben
wir ein Sandkorn im Auge, fängt es an zu tränen. Haben wir
etwas Scharfes im Mund, produzieren wir Speichel – manchmal
in erstaunlichen Mengen.
Und dasselbe passiert auch im Körperinneren: Sobald ein
Fremdkörper oder feindliche Wesen (zum Beispiel Viren oder
Bakterien) auftauchen, reagiert der Körper mit einer Entzündung.
Diese ist also strenggenommen nicht das Problem, sondern
der körpereigene Versuch der Lösung. Die vier typischen
Anzeichen einer Entzündung sind: rubor (Rötung), dolor
(Schmerz), calor (Erwärmung) und tumor (Schwellung) – wobei
die Schwellung durch das Heranführen von Flüssigkeit in Form
von Blut, Blutplasma oder Wasser erzeugt wird. Mit der Flüssigkeit
werden die Antikörper herbeitransportiert, die den Eindringling
bekämpfen. So ist das auch im Gelenk: Reißt zum Beispiel
im Knie ein Meniskus und zieht an der Gelenkkapsel, mit
der er fest verwachsen ist, dann fängt die Kapsel an zu „tränen“:
Sie produziert Wasser – und das Knie wird dick.
Und wenn infolge einer Verletzung Knorpelstückchen im Knie
resorbiert, also „verdaut“ werden müssen, führt dieser Reizzustand
ebenfalls zur Freisetzung von Flüssigkeit. Wieder haben
wir ein dickes Knie.
Die Kapsel ist also ein wichtiger Ort der Immunabwehr, mit
der Gelenkinnenhaut als Hauptakteurin. Ausgerechnet diesem
dünnhäutigen Sensibelchen verdanken wir das Überleben unserer
Gelenke. Was wir sehen – und spüren –, ist aber erst einmal
nur das dicke und schmerzende Gelenk. Warum es so reagiert,
wissen wir noch nicht.

Sehnen
Wie erwähnt, verbindet eine Sehne jeweils einen Knochen mit einem
Muskel, während das Band sich zwischen zwei Knochen
spannt. Die Aufgabe der Sehnen ist es, die Kraft der Muskeln in
Bewegungen der Knochen zu übertragen. Die Sehne selbst ist nur
in geringem Maße dehnbar, aber zum Ausgleich hat sie auf der
einen Seite den – stets hochelastischen – Muskel.
Wie die Bänder bestehen auch die Sehnen aus biegsamem,
festem Bindegewebe; es enthält allerdings weniger Blutgefäße
und Nerven, weshalb die Sehnen nicht besonders regenerationsfähig
sind.
Sowohl Bänder als auch Sehnen sind bis zu einem gewissen
Grad zugfest. Wird dieser überschritten, passiert das, was wir
als Bänderriss und – seltener – Sehnenriss kennen. Und für
beide gilt, dass ihre Verletzungsanfälligkeit umso geringer ist,
je besser die Muskeln trainiert sind. Bei sportlichen Menschen
können die Sehnen und Bänder starken Zug aushalten – selbst
wenn er plötzlich kommt. Wonach also sehnen sich die Sehnen?
Gute Nachricht für Freunde der Bewegung: Baut man
die Muskeln durch Training auf, werden die Sehnen dicker
und fester.

Muskeln
Muskeln verbinden – über ein oder mehrere Gelenke hinweg –
zwei Knochen miteinander. Die Muskulatur ist der aktive Stabilisator der Gelenke; ist sie zu schwach, entsteht zwangsläufig eine
Fehlbelastung. Und diese Fehlbelastung führt zu einer vorzeitigen
Arthrose.
Erinnern Sie sich an den Anfang des Buchs, an die morgendliche
Plauderei mit den Muskeln? Mehrfach kam jetzt schon zur
Sprache, wie abhängig wir vom Fitnesszustand unserer Muskeln
sind. Ja, sogar die Stärke, Härte und Festigkeit der Knochen hängen
damit zusammen. Ohne Muskeln hätten wir keine Möglichkeit,
etwas zu bewegen, zu erreichen, zu verändern.
Und wovon hängen die Muskeln ab? Ganz einfach: von uns
selbst. Genauer: von unserem Willen. Denn wir haben immer die
Möglichkeit, unseren eigenen Körper zu verändern. Ihn zu gestalten,
zu modellieren, oder, wie die Bodybuilder das so ulkig
nennen: zu „definieren“. Dafür müssen wir unsere Muskeln möglichst
oft fordern und beschäftigen. Wir müssen sie nach Ruhephasen
wieder aufbauen und stärken. Profisportler kennen die
Quälerei nach verletzungsbedingten Phasen der erzwungenen
Inaktivität – der Großteil der Reha besteht aus dem Wiederaufbau
der Muskeln.
Muskeln werden nur stärker, wenn sie arbeiten. Es ist also ganz
falsch, die Muskeln zu schonen im Glauben, man spare dadurch
Kraft, die man dann im Notfall zur Verfügung hat. Mit den Muskeln
ist es vielmehr wie mit einem geparkten Auto, bei dem das
Licht brennt. Je länger es ungenutzt herumsteht, desto mehr
leert sich die Batterie. Und irgendwann kann man es nicht mehr
starten und bewegen.

Thomas Dr. Pfeifer

Über Thomas Dr. Pfeifer

Biografie

Dr. Thomas Pfeifer studierte Medizin in Padua, Aachen, Münster und München. Er absolvierte seine Facharztausbildung an der LMU München und im Klinikum Großhadern. Außerdem wirkte er als Gastarzt am Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School in Boston und erhielt das Stipendium der...

Inhaltsangabe
Vorwort

1 Prolog: Plauderei mit den Muskeln

2 Bewegung, Bewegung!

3 Die Gelenke
Was soll das Ganze?
Was gehört alles dazu?
Welche Arten von Gelenken gibt es?
Strammstehen oder wie?
Gelenke mögen Bewegung – und was noch?

4 Das sanfte Kissen: die Knorpelschicht
Was leistet sie?
Wie ist sie aufgebaut?
Warum kann ein Knorpel nicht wehtun?
Wie wird für den Knorpel gesorgt?
Kann man das reparieren?
Knochen und Knorpel im Vergleich

5 Nochmal: Bewegung! Aber welche?
Belastung vermeiden!
Das hat gesessen!
Dynamisch sitzen
Hände hoch! Keine falsche Bewegung!
Welche Sportarten sind denn gut?
Und was ist mit Tanzen?
Bewegungspausen – kurze und lange
Was geht mich das an?

6 Das Knie
Was leistet es?
Bitte gehen Sie!
Wie geht Gehen eigentlich?
Warum ist das Knie so anfällig?
Wenn alle Stricke reißen
Symptome
Diagnose

7 Die Hüfte
Schwachstellen
Diagnose
Was kann ich selbst tun?

8 Die Schulter
Ein muskelgeführtes Gelenk
Was kann schiefgehen?
Diagnose

9 Die übrigen Gelenke
Die Hand
Der Ellenbogen
Der Fuß
10 „Ich hab Rücken!“
Die Wirbel
Schmerzen
Blockade
Hexenschuss
Ischias
Bandscheibenvorfall
Prävention

11 Arthrose und Arthritis – die ungleichen Schwestern
Arthrose
Arthritis

12 Therapie
Man kann etwas tun!
Schmerztherapie
Letzter Ausweg Operation
Schulter
Arthritis
Risiken

13 Künstliche Gelenke (Endoprothesen)
Die Entscheidung
Voraussetzungen
Was wird gemacht?
Wie geht es einem nach der Operation?
Und zehn Jahre danach?
Endoprothesen bei Rheuma / Arthritis
Wie alt darf man sein?
Seit wann gibt es Endoprothesen?
Endoprothesen in aller Welt
Tabuthema Kosten

14 Was Sie selbst tun können: Prävention

15 Schlussbetrachtung

Epilog

Liste der Übungen

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