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Töte, wenn du kannst!Töte, wenn du kannst!

Töte, wenn du kannst!

Kriminalroman

Taschenbuch
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Töte, wenn du kannst! — Inhalt

Ein Moment der Unachtsamkeit wird zum schlimmsten Alptraum: Mitten in Göteborg verschwindet Tinka Hanssons Tochter spurlos. Vier Jahre später haben die Eltern immer noch nichts von Lucie gehört, bis der Vater plötzlich einen Anruf vom Entführer erhält: Die Tochter lebt, doch für weitere Informationen soll er zum Mörder werden…Gleichzeitig nehmen Kommissar Gregor Forsberg und seine Kollegin Selma Valkonen den Fall neu auf: Können sie das Schlimmste verhindern?

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 10.06.2014
448 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8333-0960-1
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 26.02.2013
448 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7645-8

Leseprobe zu »Töte, wenn du kannst!«

Licht strahlt durch die Baumkronen wie die Finger Gottes. Allmählich verliert sich der Pfad im Dickicht. Strauchwerk greift nach seinen Füßen und die Last, die er trägt, zerrt an seinen Armen.
War ihm der Wald zunächst still vorgekommen, so hört er jetzt unzählige Geräusche, es raschelt und knistert, es murmelt und summt. Ein klagender Schrei lässt ihn zusammenzucken. Seine Nerven liegen blank.
Unter einem Baum, dessen Rinde silbrig schimmert, legt er das Bündel ab, bettet es zwischen hohen Farnen. Sogar hier, im tiefsten Schatten, sind noch Farben zu [...]

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Licht strahlt durch die Baumkronen wie die Finger Gottes. Allmählich verliert sich der Pfad im Dickicht. Strauchwerk greift nach seinen Füßen und die Last, die er trägt, zerrt an seinen Armen.
War ihm der Wald zunächst still vorgekommen, so hört er jetzt unzählige Geräusche, es raschelt und knistert, es murmelt und summt. Ein klagender Schrei lässt ihn zusammenzucken. Seine Nerven liegen blank.
Unter einem Baum, dessen Rinde silbrig schimmert, legt er das Bündel ab, bettet es zwischen hohen Farnen. Sogar hier, im tiefsten Schatten, sind noch Farben zu erkennen, doch er hat keinen Blick für die düstere Schönheit des Ortes. Zitternd und horchend wie ein gejagtes Tier richtet er sich auf. Möchte am liebsten weglaufen.
Er umklammert den Spaten, sticht das Metall in den Boden, durchtrennt Blätter und Wurzeln, die den Grund durchziehen wie Blutgefäße, gräbt tiefer und tiefer. Dann schleift er das Bündel heran. Schwarz gähnt die Grube, Erdgeruch steigt auf. Er weiß, er sollte die Plastiksäcke entfernen, doch schon der Gedanke daran macht ihn panisch, und er stößt das Paket mit dem Fuß hinab ins Loch. Dumpf schlägt der Körper auf. Ihn fröstelt. Zuschaufeln, schnell! Seine Stiefel stampfen die Erde fest, ein Zweig verwischt die letzten Spuren, und dann ist es plötzlich totenstill. Als hielte der Wald den Atem an. Er hört sein Blut durch die Adern rauschen, sieht sich um. Die Bäume sind näher herangerückt, umzingeln ihn wie Monster. Hastig stolpernd folgt er seinem eigenen Weg durch niedergetretene Preiselbeerbüsche. Das Gestrüpp, so hofft er, wird sich in ein paar Tagen erholt haben. Alles wird sein wie vorher.


Erster Teil

Der 17. A ugust 2007 begann harmlos. Sie frühstückten zusammen.
Lucie thronte auf ihrem Hochstuhl und kaute auf einem Stück Brot mit Frischkäse herum. Sie war ein zartes, hübsches Kind. Ihr herzförmiges Gesicht mit dem niedlichen Schmollmund wurde von großen blauen Augen beherrscht, weshalb Leander irgendwann bemerkt hatte, dass seine Tochter einem dieser Äffchen glich, die es nur auf Madagaskar gab. Seitdem nannten sie Lucie manchmal ihren kleinen Mausmaki.
Leander trank den letzten Rest des Milchkaffees aus. Seit Tinka die Zeitung abbestellt hatte, wirkte er morgens immer etwas verloren, als wüsste er nicht, wohin mit seinen Blicken.
Jetzt stand er auf und sagte:
»Was plant ihr beiden Frauen denn heute Schönes?« Tinka machte es nur noch schlimmer und sagte mit derselben künstlichen Munterkeit, sie habe vor, mit Lucie in die Stadt zu fahren und sich das Kinderprogramm im Botanischen Garten anzusehen.
»Für die meisten Sachen wird sie noch zu klein sein, aber vielleicht finden wir was, nicht wahr, mein Mäuschen?« Diese falschen Töne gab es zwischen ihnen erst seit dieser Sache. Als wären sie ihre eigenen Karikaturen und müssten einem unsichtbaren Publikum ein glückliches Familienleben vorspielen.
Leander stand auf, zog das Sakko über und klemmte sich die Aktentasche unter den Arm. Lucie fing an, aus Leibeskräften zu brüllen und fegte ihren Plastikteller vom Tisch.
Neuerdings machte sie jeden Morgen Theater, wenn Leander das Haus verließ. Der verharrte unschlüssig zwischen dem plärrenden Kind, das ihm die Arme entgegenstreckte wie ein Ertrinkender, und der Küchentür.
»Geh nur, ich mach das schon«, erlöste ihn Tinka.
Erleichtert zerzauste Leander seiner Tochter die hellblonden Locken, dann drückte er Tinka einen Kuss auf die Wange.
Die Haustür fiel zu. Tinka klaubte Brotstückchen vom Boden auf. Noch immer schrie Lucie wie am Spieß. Sie war ein Papakind. Tinka hatte mal irgendwo gelesen, dass das in dem Alter normal sei. Lucies Wutgeheul war bis auf die Straße zu hören. Leander blieb stehen, wartete. Herrgott, warum unternimmt Tinka nichts? Sie kann das Kind doch nicht einfach schreien lassen! Er war kurz davor, umzukehren, als das Gebrüll abrupt abbrach.
Leander hielt den Atem an. Was war passiert? Sie wird doch nicht … Aber da hörte er durch das gekippte Fenster Tinkas Stimme, brummig verstellt in der Rolle des kleinen Stoffaffen, und gleich darauf ein glucksendes Lachen von Lucie. Erleichtert und beschämt zugleich ging Leander los.
Dieses Lachen war das Letzte, was er von seiner Tochter hörte.
Nein, nicht ganz. Gegen Mittag klingelte sein Telefon. Er kam gerade mit Eyja de Lyn, einer recht bekannten Fantasy- Autorin, aus dem Aufnahmestudio und begleitete sie zurück in sein Büro, wo sie Jacke und Handtasche zurückgelassen hatte. Tinka war dran. Sie sei in der Stadt und frage sich, was sie fürs Wochenende besorgen solle: Lamm, Huhn, Fisch oder etwas anderes? Tinka konnte einem aus dem Schlaf gerissen den Zitronensäurezyklus im Detail erläutern, aber die Essensplanung für zwei Tage überforderte sie. Allerdings hegte Leander den Verdacht, dass sie mit ihren mangelnden hausfraulichen Qualitäten kokettierte und diese sogar noch kultivierte. Am Wochenende delegierte sie das Kochen grundsätzlich an Leander.
In seiner vorehelichen Balzphase hatte er seine Kochkünste eingesetzt, um Tinka rumzukriegen. Das rächte sich jetzt.
Innerlich seufzend schielte er unwillkürlich nach dem Foto auf dem Aktenschrank. Tinka kniete im Sand und lächelte verhalten in die Kamera. Das Haar war hochgesteckt und betonte ihren grazilen Hals. Ihr Körper in einem schwarzen Badeanzug, schlank, fast schon mager, wurde halb verdeckt von Lucie in Badeshorts. Sie blickte neugierig ins Objektiv.
Im Vordergrund war eine Sandburg zu sehen. Familienurlaub auf Korfu, drei Monate her. Leander sandte einen gequälten Blick in das zaghafte Blau von Tinkas Augen.
»Wenn du an der Markthalle vorbeikommst, nimm Fisch! Und für Sonntag Lamm und etwas Gemüse. Ich muss aufhören, ich hab …«
»Was für Gemüse?« Seine Besucherin lächelte ihm und dem Foto verständnisvoll zu, nahm ihre Tasche, hängte sich die Jacke über den Arm und strebte zur Tür. Leander machte ihr ein Zeichen, zu warten.
»Tinka, bitte, ich kann nicht länger sprechen, ich habe in zwei Minuten eine Livesendung«, schwindelte er.
»Kauf irgendwas. Ciao, ihr zwei Süßen.« Er hörte sie einen Gruß murmeln und im Hintergrund ein Quengeln, das sich sehr nach Lucie anhörte, wenn sie anfing, sich zu langweilen. Das war der letzte Laut, den er von Lucie hörte. Er schaltete das Handy aus und begleitete seinen Gast bis zur Pforte, wie es die Höflichkeit verlangte.
Tinka schleppte sich über die Avenyn. Wie schon befürchtet, war im Botanischen Garten nichts dabei gewesen, was Lucie amüsiert hätte. Im Gegenteil. Ein Clown hatte ihnen beiden Furcht eingejagt, und erst mithilfe einer roten Schildkappe ließ sich Lucie ablenken und beruhigen. Die Kappe, Werbegeschenk eines Mobilfunkanbieters, hielt sie nun in den Händen und kaute darauf herum.
Die Stadt glich einem Ameisenhaufen, wie immer im Sommer, wenn ein Ereignis das nächste ablöste. Aber das Kulturfest, der Göteborgskalaset, Mitte August, schien stets der Höhepunkt zu sein. Früher waren Leander und Tinka an diesen Tagen regelmäßig losgezogen, hatten den Konzerten gelauscht, dem Straßentheater zugesehen oder sich einfach irgendwo ins Freie gesetzt und den Strom der Besucher an sich vorbeiziehen lassen. Spätabends waren sie dann in einer Bar gestrandet und erst in den Morgenstunden ziemlich angetrunken nach Hause gekommen. Damals hatten sie noch im Linnéviertel gewohnt. Als Tinka schwanger wurde, waren sie nach Mölndal gezogen, hauptsächlich, weil Leander der Meinung war, dass ein Kind einen Garten brauche.
»Es heißt ja auch Kindergarten und nicht Kinderhinterhof«, hatte er rechthaberisch argumentiert. In dem Vorort gab es doppelt so viel Platz für ein Drittel weniger Miete, nette Nachbarn, viele Kinder. Aber an Tagen wie dem heutigen sehnte sich Tinka zurück nach der unmittelbaren Nähe zum kulturellen Leben. Allerdings würde sie im Moment wohl kaum die nötige Energie aufbringen, um das Angebot zu nutzen.
Lucie war kein einfaches Kind. Da sie nachts schlecht schlief, quengelte sie tagsüber. Sie war häufig krank und dazu kam noch das ewige Drama mit dem Essen. Jede Mahlzeit artete in ein Geduldsspiel aus. Jetzt, mit zwanzig Monaten, war sie achtzig Zentimeter groß und wog gerade einmal zehn Kilo.
»Sie wird doch nicht schon magersüchtig sein«, hatte Tinka den Kinderarzt halb im Scherz, halb besorgt gefragt, doch der hatte sie beruhigt, das würde sich einspielen.
»Sie braucht eben ihre Zeit.« Zeit, dachte Tinka, und: Nur noch zwei Wochen! Zum ersten September hatten sie überraschend kurzfristig für Lucie einen Platz im Kindergarten zugesagt bekommen. Nach dieser Nachricht hatte Tinka sich wie ein Soldat in den allerletzten Kriegstagen gefühlt. Leander dagegen hätte es lieber gesehen, mit dem Kindergarten noch bis zu Lucies zweitem Geburtstag im Dezember zu warten.
»So war es doch auch abgesprochen, oder nicht?«, beharrte er. Aber das stimmte nicht ganz. Ursprünglich hatten sie sogar nur ein Jahr Pause eingeplant.
Doch als Lucies erster Geburtstag nahte, hatte sich keiner von ihnen vorstellen können, dieses kleine, zarte Wesen fremden Menschen anzuvertrauen. Also hatte Tinka eingewilligt, noch ein weiteres Jahr zu Hause zu bleiben. Aber nun, nach dieser Sache, fühlte sie sich an Absprachen nicht mehr gebunden.
»Bleib du doch bis zu ihrem zweiten Geburtstag zu Hause«, hatte sie vorgeschlagen und hinzugefügt:
»Wie die jüngsten Erfahrungen gezeigt haben, erscheint es mir nicht ratsam, meine Karriere noch länger zu vernachlässigen.« Vor diesem Geschütz hatte Leander erwartungsgemäß kapituliert und Tinka reumütig gedacht: Ich lasse Lucie für Leanders Verfehlung büßen. Aber schließlich hatte sie sich gesagt, dass ein Kindergarten das Normalste auf der Welt wäre, keine Buße oder Strafe.
Tinka drängelte sich zuerst in die Markthalle, in der sich mehr Schaulustige als Käufer aufhielten. Sie stellte sich für norwegischen Kabeljau an und dann noch einmal für eine Lammkeule. Die Preise in der Stora Saluhallen waren gesalzen, aber dafür erhielt man gute Qualität. Sie kaufte für Lucie, die langsam unruhig wurde, eine Zimtschnecke und trat wieder hinaus auf den Kungstorget.
Jetzt noch Gemüse und Obst. Zwischen dem großen Marktstand und der Halle war einiges los. Einheimische erledigten ihre Wochenendeinkäufe, herumschlendernde Touristen lauerten vor den Cafés, die die Markthalle säumten, auf einen Tisch im Freien und verstopften den Durchgang. Lucie begann erneut zu quengeln. Die Zimtschnecke hatte sie offenbar aufgegessen oder, was wahrscheinlicher war, fallen gelassen. Hoffentlich würde sie den Rest des Einkaufs noch durchhalten.
Tinka stellte den Buggy an die Seite des Marktstands neben ein paar grüne Plastikkisten mit Salatköpfen und reihte sich in die Schlange ein. Vor ihr war eine ältere Dame an der Reihe, die von nahezu jeder Sorte Obst und Gemüse winzige Mengen kaufte. Während Tinka die Auslage betrachtete und überlegte, was sie auswählen sollte, horchte sie auf Lucie, jeden Augenblick darauf gefasst, jenen typischen Jammerton zu vernehmen, der ihr Weinen für gewöhnlich einleitete und sich dann mit jedem Atemzug zu einem durchdringenden Brüllen steigern würde. Aber Lucie blieb ruhig, und Tinka versuchte, sich auf den Einkauf zu konzentrieren. Was nicht ganz einfach war, denn von beiden Seiten riefen die Kunden dem Standpersonal ihre Fragen und Wünsche zu, und hinter ihr schob sich laut schnatternd eine Gruppe französischer Touristen vorbei. Tomaten, Äpfel, Lauch, Karotten. Bohnen zum Lamm. Rucolasalat. Noch was? In letzter Zeit fiel es Tinka immer schwerer, ihren Alltag zu bewältigen. Sie verlegte Dinge und vergaß, warum sie in ein Zimmer gegangen war.
Neulich hatte sie im Parkhaus eine halbe Stunde nach ihrem Wagen gesucht, weil sie sich einfach nicht mehr erinnern konnte, wo sie ihn geparkt hatte, und vorige Woche hatte sie im Nordstan ihre Einkäufe dalassen müssen. Sie hatte an der Kasse gestanden und plötzlich die PIN ihrer Bankkarte nicht mehr gewusst. Die vier Zahlen, seit Jahren dieselben, waren einfach weg gewesen. Als hätte man sie ihr aus dem Gehirn radiert.
»Noch etwas?« Die Verkäuferin blickte sie ungeduldig an.
Hatte sie die Frage etwa schon einmal gestellt? Tinka verneinte und folgte der Verkäuferin zur Kasse. Der Korb mit dem Fisch und der Lammkeule hing schwer an ihrem Arm. Sie bezahlte, verstaute das Gemüse im Korb und das Wechselgeld in der Geldbörse. Als sie sich umwandte, fiel ihr Blick auf einen Mann, der in einem der Cafés vor der Markthalle saß und in seiner Tasse rührte.
Axel?! Es war ein Flirt gewesen. Anders als er hatte Tinka nie vorgehabt, Leander zu betrügen. Aber es hatte gutgetan, ein wenig umworben zu werden. Seit Tinka nicht mehr in der Firma war, schrieben sie sich E-Mails. Nicht oft und nicht regelmäßig, nur gerade so viele, um den Faden nicht ganz abreißen zu lassen. Er berichtete, was in der Firma los war, und sie kommentierte es auf launige, lustige Art. Sie selbst hatte wenig zu erzählen, denn ob Lucie Zähne bekam, Durchfall hatte oder Husten, würde ihn wohl kaum interessieren.
Hatte er sie gesehen? Sie konnte es nicht sagen, denn er trug eine dunkle Sonnenbrille. Oder erkannte er sie womöglich gar nicht? Tinka hatte seit Lucies Geburt abgenommen, und in den Augenwinkeln zeigten sich erste Fältchen. Besser, er sieht mich nicht, dachte sie, aber etwas in ihr wünschte sich doch, er würde ihr zulächeln. Einen Kaffee mit ihr trinken.
Vielleicht würde sie jetzt sogar … Unsinn! Hatte er ihren Blick gespürt? Nun stand er auf und nahm dabei die Sonnenbrille ab. Verlegen senkte Tinka den Blick auf ihre Schuhe.
Er war es gar nicht. Nicht Axel vom Marketing. Der Mann war jünger, kleiner und hatte ganz andere Augen. Ich alberne Gans! Sie musste sich durch einen Pulk Touristen zwängen bis zu der Stelle, an der sie Lucies Buggy abgestellt hatte. Aber da stand kein Buggy mehr. Die Salatkisten waren noch da, aber der Buggy nicht. Ganz ruhig, befahl sie sich, denk nach! Sie hatte ihn doch dort abgestellt und die Bremse herabgedrückt.
Oder? Doch, ganz sicher! Er musste dort sein. Aber er war es nicht.
Tinka wurde von einem eisigen Schrecken gepackt, gleichzeitig brach ihr der Schweiß aus. War sie vielleicht ans falsche Ende des Standes gegangen oder sogar an den falschen Stand? Sie hastete hin und her und stieß dabei rücksichtslos Leute zur Seite, die ihr im Weg waren. Auf der linken Seite machte der Stand einen Knick, dort sah es ganz anders aus, dort war sie nie gewesen. Auch der rechte Nachbarstand kam ihr fremd vor und der linke verkaufte Blumen.
Die Panik ließ sich nun nicht mehr aufhalten.
»Lucie?« Was ein Schrei werden sollte, kam nur als seltsam gequetschtes Wimmern aus ihrem Mund.
Wie konnte das sein? Lucie konnte doch nicht allein aus dem Wagen klettern und ihn wegschieben, wie sie es schon getan hatte, als sie nicht angeschnallt gewesen war. Denn sie war angeschnallt gewesen, ganz bestimmt! Hatte jemand den Wagen verwechselt? Tinka schaute sich um. Es waren etliche Mütter mit Kinderwagen unterwegs. Da! Über den Kungsportsplatsen lief eine Frau, die einen schwarzen Buggy schob. Das Kind darin hatte etwas Rotes auf dem Kopf. Die Vodafone-Kappe! Tinka rannte los.

Susanne Mischke

Über Susanne Mischke

Biografie

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren und lebt heute bei Hannover. Sie war mehrere Jahre Präsidentin der »Sisters in Crime« und erschrieb sich mit ihren fesselnden Kriminalromanen eine große Fangemeinde. Für das Buch »Wer nicht hören will, muß fühlen« erhielt sie die »Agathe«, den...

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