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The Stone Age

Lesley-Ann Jones
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60 Jahre The Rolling Stones

„Aber weil Lesley-Ann Jones so schreibt, wie sie schreibt, parteiisch, engagiert, beteiligt, geschliffen, erhalten die Geschichten die nötige Auffrischung.“ - Hamburger Abendblatt

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The Stone Age — Inhalt

„When I'm 33, I quit.“ – Mick Jagger
Unaufhaltsam rocken, tanzen und posieren die Rolling Stones – wirklich Siebzigjährige oder ewig Dreißigjährige? Ihr Sound und ihre Einstellung scheinen lauter und einflussreicher denn je zu sein.

Doch wie wurden die ultimativen Anti-Establishment-Außenseiter zu der globalen Marke, die wir heute kennen? Lesley-Ann Jones verfolgt die Entwicklung dieser widersprüchlichen Band von den Anfängen bis zur Gegenwart, wo die Stones mehr denn je mit den Werten, gegen die sie immer rebelliert haben, im Widerspruch zu stehen scheinen.

In ihrem Buch zeigt sie die Stones, wie man sie noch nie gesehen hat.

  • mit zahlreichen farbigen Fotos
€ 28,00 [D], € 28,80 [A]
Erschienen am 01.09.2022
Übersetzt von: Conny Lösch
464 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-07148-2
Download Cover
€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erscheint am 29.02.2024
Übersetzt von: Conny Lösch
464 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-32011-5
Download Cover
€ 27,99 [D], € 27,99 [A]
Erschienen am 29.09.2022
Übersetzt von: Conny Lösch
400 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-60218-1
Download Cover

Leseprobe zu „The Stone Age“

Kapitel eins: Karma

Samstag, 5. März 2016

 

Die Braut mit den hellen Augen strahlt und wirkt triumphal, sie trägt das kühle Blau einer Eiskönigin bei Disney. Das Kleid aus Seide und Tüll, eine Sonderanfertigung von Vivienne Westwood im Wert von achttausend Pfund, umschmeichelt ihre
im klassischen Sinne schöne Figur. Auf flachen silberfarbenen Pumps von Roger Vivier, die sie wählte, um ihren kleineren Ehemann nicht zu überragen (sonst bevorzugt sie hohe Schuhe von Manolo Blahnik), gleitet sie am Arm ihres Sohnes über den Marmorboden des Kirchenschiffs zum [...]

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Kapitel eins: Karma

Samstag, 5. März 2016

 

Die Braut mit den hellen Augen strahlt und wirkt triumphal, sie trägt das kühle Blau einer Eiskönigin bei Disney. Das Kleid aus Seide und Tüll, eine Sonderanfertigung von Vivienne Westwood im Wert von achttausend Pfund, umschmeichelt ihre
im klassischen Sinne schöne Figur. Auf flachen silberfarbenen Pumps von Roger Vivier, die sie wählte, um ihren kleineren Ehemann nicht zu überragen (sonst bevorzugt sie hohe Schuhe von Manolo Blahnik), gleitet sie am Arm ihres Sohnes über den Marmorboden des Kirchenschiffs zum Altar.

Ihr Kopf nickt wie der eines Wackeldackels auf der Hutablage. Ihr gelbliches Haar fällt locker unter dem feinen Netzschleier. Sie hat noch nie großen Wert auf die Hilfe von Visagisten gelegt und sich auch heute wieder selbst geschminkt. Sie lächelt breit, Lachfältchen zeigen sich, ihr mattfarbener Preiselbeermund rahmt ihre leicht schiefen Schneidezähne, die sie nie richten ließ. Mit einem weißen Brautstrauß in der Hand schwebt sie so dicht
an mir vorbei, dass ich ihre Zahnpasta riechen kann. Ihr Verlobungsring glitzert betörend. Der riesengroße Stein, ein Marquise-Diamant[i] mit zwanzig Karat im Wert von lässigen 2,8 Millionen Pfund, wirkt ein bisschen zu groß an ihrem Finger und ist zur Seite gerutscht.

Eigentlich findet hier keine Hochzeit statt. Die Ehe wurde bereits am Vortag in Spencer House[ii] geschlossen, im Anschluss daran speiste man nobel bei Scott’s of Mayfair. Heute hat man sich hier versammelt, um der Segnung des ehelichen Bundes zwischen dem bereits dreimal verheirateten, vierundachtzigjährigen Medienmogul Rupert Murdoch[iii] und der ein Vierteljahrhundert jüngeren, ehemaligen Rockstar-Freundin Jerry Faye Hall beizuwohnen.

Da alle vier gemeinsamen Kinder von Jerry Hall und Mick Jagger anwesend sind, lassen sich ringsum zwar Gesichter erkennen, die starke Ähnlichkeit mit den Zügen des Rockstars aufweisen, doch Jerrys größte Liebe lässt sich erwartungsgemäß nicht persönlich blicken. Umso pikanter wirkt der elegante Auftritt seiner ersten und einzigen Ehefrau Bianca, die er einst wegen des langbeinigen texanischen Supermodels verließ, das heute vor den Altar tritt. Micks Ex-Frauen haben ihre Differenzen längst begraben und sind eng befreundet.

Wen haben wir noch? Ungefähr einhundert geladene Gäste, darunter Kabinettsmitglied Michael Gove und seine Frau, die Kolumnistin Sarah Vine; Star-Fotograf David Bailey, der mit Turnschuhen, karierter Jacke und einer Wollmütze sehr leger gekleidet erscheint, er wird den Clan im Verlauf der Veranstaltung fotografieren; Rebekah Brooks, die berüchtigte ehemalige Redakteurin der News of the World und der Sun, inzwischen Vorsitzende von Murdochs British Newspapers, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum News-International-Skandal eine sehr fragwürdige Rolle spielte, wirkt matronenhaft am Arm ihres Ehemannes Charlie; Sir Michael Caine und seine wunderbare Frau Shakira, Lord Lloyd Webber und Lady Madeleine, Bob Geldof und Jeanne Marine, die Künstlerin Tracey Emin (berühmt für ihr ungemachtes Bett) und der Bühnenschriftsteller Tom Stoppard. Außerdem Karis Hunt Jagger, Micks Tochter mit der Schauspielerin Marsha Hunt, deren Vaterschaft Mick lange abgestritten, schließlich aber doch anerkannt und so sparsam wie möglich für ihren Unterhalt gesorgt hatte. Sie ist bildschön.

Brautjungfern? Gleich ein ganzer Schwarm. Auftritt der Töchter in unterschiedlichen Blautönen. Dear Prudence, Murdochs älteste Tochter, trägt ein elegantes Petrol. Seine zweite Tochter Elisabeth erstrahlt glockenblumenfarben. Micks dritte Tochter Lizzy, die erste mit Jerry, in Azur. Ihre Schwester Georgia May in Rittersporn. Die Blumenmädchen Chloe und Grace, Ruperts Töchter mit seiner letzten Verflossenen Wendi Deng, erscheinen in züchtigem Himmelblau.

Schauplatz ist die St. Bride’s Church, die Kirche mit dem an eine Hochzeitstorte erinnernden Turm aus fünf übereinandergesetzten Oktogongeschossen am Ende der Fleet Street, unweit des Ludgate Circus, seit 1703 ein vertrautes Markenzeichen der Londoner Skyline. Nach wie vor ist hier die geistige Heimat
der britischen Medien, auch wenn die Zeitungsbranche bereits vor dreißig Jahren abgewandert ist. Ich erinnere mich noch gut daran. Damals arbeitete ich für die Daily Mail als Musik- und Showbiz-Journalistin in der sogenannten „Street of Shame“. Rupert Murdoch, der heute über achtzigjährig heiratet, war für die Verlagerung verantwortlich. Er wollte einen Teufel tun und sich von überholten Druckergewerkschaften erpressen lassen, weshalb er, gestärkt durch Margaret Thatchers gewerkschaftsfeindliche Politik, kurzerhand sechstausend streikende Drucker entließ und Hunderte von Journalisten auf die Straße setzte, die sich weigerten, seine technischen Neuerungen zu übernehmen. Anschließend verlegte er den Hauptsitz seiner Zeitungen – The Sun, The Times, The Sunday Times und die inzwischen eingestellte News of the World – in die Docklands. Wapping wurde zum Epizentrum erbitterter Auseinandersetzungen, die 1986 schließlich zu Massendemonstrationen, blutigen Aufständen, dem gewaltsamen Tod eines jungen Arbeiters und einer vernichtenden Niederlage der Gewerkschaften führten. Innerhalb von zwei Jahren folgten die meisten überregionalen Zeitungen seinem Beispiel, verlegten ihre Stammhäuser in günstigere Bezirke und stellten die Produktion auf Computertechnologie um.

Zuvor war die Fleet Street knapp dreihundert Jahre lang das Mekka der schreibenden Zunft gewesen. Vor der Erfindung der Fernsehnachrichten, des Internets und der sozialen Medien gelangten neunzig Prozent aller Informationen über Zeitungen an die Öffentlichkeit. Dank Murdochs Maßnahmen wurde unser lebendiges Zentrum eingedampft, der Schmelztiegel unserer Träume, die wir alle mit dem Wunsch aufgewachsen waren, Journalisten zu werden.

Man mag es allen, die sich noch daran erinnern, nachsehen, wenn sie sich fragen, woher Murdoch die Frechheit nimmt, sich an diesem heiligen Ort – der wahlweise auch „Journalisten-Kirche“, „Kathedrale der Fleet Street“ oder „Pfarrkirche des Journalismus“ genannt wird – blicken zu lassen. Einige empfinden es als „dreist“, dass er zurückkehrt, um den Segen der Straße zu erbitten, die er einst zerstörte. Andere sprechen von einer „Läuterung“, einem Reinwaschen der Geschichte, einem schamlosen Verlangen nach Absolution für seine „Schandtaten“. Zyniker ergänzen dies mit der Bemerkung, Murdoch habe schon immer allen gerne eine lange Nase gezeigt. Warum sollte er also jetzt damit aufhören? „Vergleichbar wäre nur“, meint jemand, „wenn Dracula in einer Blutbank heiratet.“

Stunden vor dem Gottesdienst gehen Sicherheitsbeamte das Gelände mit Spürhunden ab. Demonstranten bringen anstößige Transparente an den Fenstern eines Gebäudes gegenüber dem Kircheneingang auf der Nordseite an, scheitern aber letztlich mit ihrer Aktion, da der Eingang geschlossen wird. Die Hochzeitsgäste werden über eine Seitenstraße umgeleitet und betreten die Kirche durch einen anderen Eingang. Ladies and Gentlemen, bitte erheben Sie sich.


Damals dachte ich – und denke immer noch –, dass nicht Rupert Murdoch eine Eroberung gemacht hat, sondern Jerry. Immerhin ist Rache ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Als sie Bryan Ferry, den Sänger von Roxy Music, 1977 wegen Jagger verließ, geschah dies aus Liebe. Sie schenkte dem Stone vier Kinder und zweiundzwanzig Jahre ihres Lebens. Mit einer an Heimtücke grenzenden Herzlosigkeit belog und betrog er sie während der gesamten Dauer ihrer Beziehung, schlief mit Dutzenden von Frauen und hin und wieder auch mal einem Mann, wann immer und wo immer er wollte, ohne auch nur einen Gedanken an
sie zu verschwenden. Jerry fühlte sich gedemütigt und schlug zurück. Als sie 1982 eine kurze Affäre mit dem steinreichen königlichen Pferdezüchter Robert Sangster einging, einem persönlichen Freund von Frank Sinatra, der sie Mick „zehnmal“ hätte abkaufen können, gab sie Letzterem dessen eigene Medizin zu kosten. Sie hatte den Spieß umgedreht. Wie vorauszusehen war, setzte Mick nun alles daran, sie zurückzugewinnen. „Das war das einzige Mal, dass er mich je vom Flughafen abgeholt hat“, beklagte sie sich, nachdem das Paar wieder zusammengefunden hatte.

Sie heirateten 1990 auf Bali und blieben weitere neun Jahre zusammen. Als herauskam, dass er erneut ein Kind mit einer Geliebten gezeugt hatte – Lucas Morad Jagger mit dem brasilianischen Model Luciana Gimenez Morad –, und zwar nur siebzehn Monate nachdem seine vermeintliche Frau ihr jüngstes gemeinsames Kind Gabriel zur Welt gebracht hatte, war es aus. Jerry reichte die Scheidung ein. Als sie Jagger auf ihren persönlichen Unterhalt und den der Kinder sowie einen Anteil seines Vermögens verklagen wollte, stellte sie jedoch entsetzt fest, dass sie nie verheiratet gewesen war.

Der legendär knausrige Jagger ging vor Gericht gegen sie an. Sein Kontostand gewann. Die „Ehe“, die im Rahmen einer hinduistischen Zeremonie geschlossen worden war, galt sowohl in Indonesien wie auch in Großbritannien als juristisch nicht bindend und wurde für null und nichtig erklärt. Und was sollte das mit den schönen Hochzeitsfotos, Mick? Auf Grundlage dieses Urteils gelang es ihm, Jerrys Abfindung in den Keller zu drücken. Der sonst so unbekümmerte Jagger verlor jedoch selbst unter eingefleischten Stones-Fans, die davon überzeugt waren, er könne über Wasser wandeln, gewaltig an Respekt. Seit der sorglosen Glanzzeit des Rock ’n’ Roll, als Frauen jederzeit verfügbar und nur für eine Sache gut waren und sein ungezügelt lüsterner Lebensstil noch als erstrebenswert galt – zumindest in den
Augen gewisser sexuell perspektivloser Männer, die man später als „Incels“ bezeichnete –, hatte sich die Welt verändert.

Mick setzte damit dem ausschweifenden und egoistischen Verhalten, das er im Lauf der Jahre an den Tag gelegt hatte, die Krone auf. Jerry Hall trug seine Ringe, dritter Finger, linke Hand, und hatte seine Kinder zur Welt gebracht. Ihre Zurückweisung zeitigte katastrophale Folgen; ihre vier geliebten Kinder galten nun als unehelich und hatten dies dem eigenen Vater zu verdanken.

Da lauert es, das Karma Chameleon, red, gold and green. Es kriecht hinter den Steinsäulen und schlängelt sich unter den Kirchenbänken durch. Während Ruperts Sohn James und Jerrys Sohn Gabriel aus dem ersten Korintherbrief und dem alten chinesischen Daodejing lesen, rührt es sich nicht. Als „Amazing Grace“, „Jerusalem“ und William Waltons „Set Me As a Seal Upon Thine Heart“ ertönen, schlägt es mit dem Schwanz. Dann hält es inne, verhält sich wieder still und wartet geduldig. In einem anderen Leben wäre es vielleicht „pleased to meet you“, ein „man of wealth and taste“. Denn was wir säen, werden wir ernten. Jetzt ist Jerry diejenige, die zuletzt lacht. Sie hat’s ihm gezeigt, dem Stone. Nicht nur für sich selbst, sondern für jede andere Stones-Frau, die erst verschlungen und dann ausgespuckt wurde. Jerry revanchiert sich hier, auch wenn sie ausgerechnet in diesem Moment gewiss nicht an Rache denkt. Sie hat das Karma auf ihrer Seite. Das Chamäleon ist wegen ihr hier, „hope you guess his name“.


Als Rupert Murdoch 1969 die News of the World kaufte, erbte er damit eine bereits über Jahre unvermindert andauernde Fehde zwischen dem Skandalblatt und den Rolling Stones. Die Autoren der Zeitung hatten die drogenverliebte Band in enger Zusammenarbeit mit korrupten Polizeibeamten ins Visier genommen, prangerten sie als Architekten der Verdorbenheit und Geißeln der Gesellschaft an und wollten ihren Einfluss auf die leicht beeinflussbare Jugend unterbinden. Die Journaille agierte lüstern und scheinheilig, missbilligte staunend die gesetzeswidrigen „Eskapaden“ und das „verderbte Verhalten“ der Stones, widmete der Berichterstattung darüber aber riesige Schlagzeilen und unendlich viele Artikel. Verlockung und Verdammnis gingen Hand in Hand. Ein verdeckt recherchierender Reporter erwischte Brian Jones beim Konsum illegaler Substanzen in einem Club, verwechselte ihn in dem später veröffentlichten Artikel aber mit Mick Jagger (aus Versehen oder absichtlich?). Jagger ging vor Gericht. Die legendäre Drogenrazzia in Redlands, dem Haus des Gitarristen Keith Richards in West Wittering (West Sussex), wo Jaggers nur mit einem Fellteppich bekleidete Freundin Marianne Faithfull angeblich Schokoriegel aus einem ungewöhnlichen fleischlichen Behältnis zum Verzehr anbot, war sozusagen die Retourkutsche.

Als die News of the World 2011 infolge des Abhörskandals[iv] eingestellt wurde, was über zweihundert Arbeitsplätze kostete, erhob Mick zur Feier des Tages vermutlich sein Glas. Er konnte kaum ahnen, dass die Zeitung, sein alter Widersacher, in Gestalt ihres ehemaligen Inhabers zurückkehren und ihn verfolgen würde. Was nicht nur dazu führte, dass herrlich skurrile alte Stones-Geschichten noch einmal ausgepackt und in Leitartikeln aufbereitet wurden, sondern Jagger auch persönlich höchst öffentlich zurechtgestutzt wurde, da Murdoch nun die wunderschöne Frau vor den Altar führte, die Jagger selbst verschmäht hatte. Indem
er die Bindung einging, der Jagger sich verweigert hatte, wurde Murdoch zum Sieger und machte den Verlierer zum Gespött. Geld regiert die Welt. In Jaggers Welt ist es das Einzige, was zählt. Rupert Murdochs Vermögen wird auf circa zwanzig Milliarden Dollar geschätzt. Mick darf sich auf gerade einmal fünfhundert Millionen ausruhen. Ein schwerer Schlag.


Ich hatte damit gerechnet, dass Jerrys Hochzeit eine Stones-freie Veranstaltung bleiben würde. Und natürlich sind weder Charlie und Shirley noch Ronnie und Sally, Keith und Patti oder Ronnies hübsche, quirlige Ex-Frau Jo erschienen. Aber Phantomen kann man schlecht den Zutritt verbieten. Und als solche sind sie hier, bilden eine kollektive Verbindung zu einer alles andere als glücklichen Vergangenheit, die Jerry möglichst schnell hinter sich lassen wollte. Ich entdecke sie erst, als die letzten Gäste schon wieder gehen, ihre Ankunft habe ich verpasst: eine verblühte Blondine im blauen Blümchenkleid, grünen Schuhen und einem schwarzen Mantel mit Pelzkragen am Arm eines älteren Mannes im dunkelblauen Anzug mit grauem V-Ausschnittpullover und offenem Hemdkragen. Nicht unbedingt passend für eine Hochzeit. Sie bleiben für die wartenden Pressefotografen stehen und wechseln ein paar Abschiedsworte. Der Alte zwinkert hinter seinem schwarzen Brillengestell. Er hat einen dicken Bauch und Hängebacken. Irgendwie kommt er mir entfernt bekannt vor. Sein schütteres graues Haar und der Schnurrbart könnten mal gestutzt werden. Unsere Blicke begegnen sich, und wir erkennen einander. Vor über dreißig Jahren geriet ich als junge Fernsehmoderatorin und Zeitungskolumnistin unfreiwillig in einen Skandal, der die Welt schockierte. Der Mann wurde als pädophil abgestempelt. Und der Vorwurf blieb wie Gestank an ihm haften. Letztlich führte er trotz aller Unschuldsbeteuerungen zu seinem Ausstieg bei den Rolling Stones.


[i] Der Marquise-Schliff geht auf den französischen König Ludwig XV. zurück, der 1745 einen Diamanten in Auftrag gab, der das Lächeln seiner Geliebten Madame de Pompadour widerspiegeln sollte.

[ii] Spencer House ist das vornehmste noch erhaltene Londoner Stadthaus aus dem achtzehnten Jahrhundert. Es befindet sich im Besitz der Familie Spencer, deren Titelinhaber aktuell Charles Spencer ist, der 9. Earl und Bruder der verstorbenen Prinzessin Diana. Es ist öffentlich zugänglich und kann für Hochzeiten und private Anlässe gemietet werden.

[iii] Rupert Murdoch hatte vier Ehefrauen. Seine erste war Patricia Booker, eine Stewardess aus Melbourne. Heirat 1956, eine Tochter, Prudence, Scheidung 1967. Mit der zweiten, Anna Maria Torv, einer schottischen Journalistin, blieb er ab 1967 zweiunddreißig Jahre lang verheiratet. 1999 wurden sie geschieden. Die dritte, Wendi Deng, eine chinesische Geschäftsfrau, heiratete er 1999, als er achtundsechzig und sie dreißig Jahre alt war; aus der Verbindung gingen zwei Töchter hervor, Grace und Chloe. 2013 ließ Murdoch sich wegen eines unbewiesenen Skandals von ihr scheiden, angeblich war sie mit dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair fremdgegangen. Jerry Hall ist seine vierte Frau.

[iv] Im Abhörskandal 2005 wurden Angestellte der News of the World und anderer im Besitz von Murdoch befindlicher Zeitungen beschuldigt, Telefonleitungen angezapft, Polizeibeamte bestochen und auf andere Weise gegen geltende Gesetze verstoßen zu haben, um an Sensationsgeschichten zu gelangen. Betroffen waren Mitglieder der königlichen Familie, Prominente und Politiker. Im Juli 2011 kam heraus, dass die Telefone der ermordeten Schülerin Milly Dowler, der Opfer der Londoner Bombenanschläge vom Juli 2007 und verstorbener Armeeangehöriger ebenfalls gehackt worden waren, was den Rücktritt verschiedener Vorstandsmitglieder nach sich zog. Im Rahmen der sogenannten „Leveson Inquiry“ wurde wegen dieser Abhör- und Bestechungsfälle ermittelt. Es folgten mehrere Festnahmen und Verurteilungen. Schließlich stellte die News of the World aufgrund des Boykotts ihrer Werbekunden nach einhundertachtundsechzig Jahren ihr Erscheinen ein. Murdochs Befähigung als Zeitungsinhaber wurde infrage gestellt.

Lesley-Ann Jones

Über Lesley-Ann Jones

Biografie

Lesley-Ann Jones arbeitete für Plattenfirmen, das Fernsehen und als Journalistin. In den 80er Jahren war sie u.a. Rock-Korrespondentin bei der britischen Tageszeitung Daily Mail. Die Jugendfreundin von David Bowie hat fast alle großen Rockstars interviewt, darunter Paul McCartney, Freddie Mercury...

Pressestimmen
Hamburger Abendblatt

„Aber weil Lesley-Ann Jones so schreibt, wie sie schreibt, parteiisch, engagiert, beteiligt, geschliffen, erhalten die Geschichten die nötige Auffrischung.“

titel-kulturmagazin.de

„Die Rock’n’Roll-Journalistin beschwört in ihrem neuen Buch das Vermächtnis der Rolling Stones: ikonisch, kommerziell unaufhaltsam als Band; aber auch widersprüchlich und gelegentlich verstörend als Individuen und Solokünstler.“

buchundton.de

„So kann man als Leser mit ›The Stone Age‹ auf eine sehr unterhaltsame, kurzweilige und informative Weise in das Leben und die Bandgeschichte der Rolling Stones eintauchen.“

radioszene.de

„Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch einer Insiderin über die Rock'n Roll-Band, The Rolling Stones!“

Buchkultur

„Eine kurze Darstellung der musikalischen Blues-Referenzen, eine Galerie der Frauen und Nachkommen der Bandmitglieder, eine Chronik ihrer öffentlichen Präsenz sowie Stones-Kommentare einiger Zeitgenossen runden diese gelungene Retrospektive des ›Stone Age‹ ab.“

OWL am Sonntag

„Sorgt schlüssig argumentierend für neue Erkenntnisse.“

General-Anzeiger

„Überaus lesenswerten Buch“

bochum macht spaß

„Eine außergewöhnlich fakten-, facetten- und erlebnisreiche Lektüre für jeden Fan der Band und guter Rockmusik.“

ffm-rock.de

„Jones schreibt recht flott und erzählt kurzweilige Geschichten.“

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