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The Bone Season - Die DenkerfürstenThe Bone Season - Die Denkerfürsten

The Bone Season - Die Denkerfürsten

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The Bone Season - Die Denkerfürsten — Inhalt

Es ist Paiges einzige Chance: Wenn sie es schafft, die geheimen Gruppen der Denkerfürsten im Londoner Untergrund zu vereinen, könnte die Rebellion gelingen und das diktatorische System von Scion gestürzt werden. Doch diese Gruppen sind zutiefst verfeindet und denken überhaupt nicht an einen gemeinsamen Aufstand. Als plötzlich die Rephaim in London auftauchen, wird die Zeit knapp. Und wo ist eigentlich der Wächter? Seine Hilfe könnte Paige jetzt dringend gebrauchen. Denn die Jagd auf die Seherin hat begonnen ...

€ 17,99 [D], € 18,50 [A]
Erschienen am 14.09.2015
Übersetzer: Charlotte Lungstrass-Kapfer
624 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8270-1230-2
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 14.09.2015
Übersetzer: Charlotte Lungstrass-Kapfer
512 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7771-4
»Originell, spannend und fantastisch - ein Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.«
leser-welt.de
»Mein persönliches Jahreshighlight 2015«
buechermops.wordpress.com
»Die letzten 150 Seiten sind extrem spannend. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.«
lesemomente.blogspot.de
»Ein epischer Fantasyroman voller Originalität.««
back-down-to-earth.de
»Das Universum der Geschichte ist so wunderbar komplex und interessant, dass man sich am liebsten in ihm verlieren möchte, der Schreibstil der Autorin so gekonnt fesselnd, dass man es manchmal vor Spannung gar nicht aushalten kann.«
collectionofbookmarks.blogspot.de
»Mystische Kräfte, fantastische Wesen und geheime Gilden«
Freizeit Exklusiv
»Die Denkerfürsten von Samantha Shannon ist eine spannende Fortsetzung, die vor allem mit überraschenden Wendungen, kurzen Schockmomenten sowie dem großen Ideenreichtum der Autorin punktet. Mit Paige Mahoney wird dem Leser eine unglaublich willensstarke Protagonistin präsentiert, die für ihre Vorstellungen und Ansichten einsteht und trotz Schwierigkeiten nicht von ihrem Ziel abweicht.«
meine-buecherwelt.blogspot.de
»Auch in 'The Bone Season - Die Denkerfürsten' punktet Samantha Shannon mit vielschichtigen Charakteren in einer detailliert beschriebenen, magischen Welt der Zukunft, mit der sie mich verzaubern konnte. Spannend präsentiert sich die Fortsetzung und ich bin abermals überrascht von dem Ideenreichtum der Autorin und der gekonnten Umsetzung.«
books-are-fantastic.blogspot

Leseprobe zu »The Bone Season - Die Denkerfürsten«

TEIL I
STAATSFEIND SEVEN DIALS
Denn sind wir ihnen nicht haushoch überlegen, wir Widernatürlichen? Auch wenn wir die Knochen der Gesellschaft abnagen, auch wenn wir in der Gosse hausen und uns alles erbetteln müssen, sind wir doch lebende Kanäle zur Welt des Jenseitigen. Wir sind der Beweis für eine weiterführende Existenz. Wir sind die Katalysatoren der ultimativen Energie, des ewigen Aethers. Wir legen dem Tod Zügel an. Wir holen den Schnitter von seinem Pferd.
– Über die Vorzüge der Widernatürlichkeit,
Verfasser unbekannt –

1
ANKUNFT
Nur selten beginnt [...]

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TEIL I
STAATSFEIND SEVEN DIALS
Denn sind wir ihnen nicht haushoch überlegen, wir Widernatürlichen? Auch wenn wir die Knochen der Gesellschaft abnagen, auch wenn wir in der Gosse hausen und uns alles erbetteln müssen, sind wir doch lebende Kanäle zur Welt des Jenseitigen. Wir sind der Beweis für eine weiterführende Existenz. Wir sind die Katalysatoren der ultimativen Energie, des ewigen Aethers. Wir legen dem Tod Zügel an. Wir holen den Schnitter von seinem Pferd.
– Über die Vorzüge der Widernatürlichkeit,
Verfasser unbekannt –

1
ANKUNFT
Nur selten beginnt eine Geschichte an ihrem Anfang. Im großen Bild des Ganzen trat ich eigentlich erst am Anfang vom Ende dieser Geschichte auf. Immerhin begann die Geschichte von Scion und den Rephaim fast zweihundert Jahre vor meiner Geburt. Und für die Rephaim hat ein Menschenleben nicht mehr Substanz als ein Herzschlag.
Manche Revolutionen verändern die Welt an nur einem Tag. Andere brauchen dazu Jahrzehnte, Jahrhunderte oder noch länger, und wieder andere schaffen es nie bis zu ihrer Blüte. Meine begann mit einem Moment und einer Entscheidung. Meine begann, als in einer geheimen Stadt an der Grenze zwischen den Welten eine kleine Blume erblühte.
Habt nur Geduld, dann könnt ihr sehen, wie sie endet.
Willkommen zurück in Scion.
*
2. September 2059
Die zehn Waggons des Zuges waren so opulent ausgestattet wie kleine Salons. Dicker roter Teppich, glänzende Tische aus Rosenholz, auf jedem Sitz ein goldener Anker – das Symbol von Scion – eingestickt. Aus einem verborgenen Lautsprecher kam klassische Musik.
Ganz am Ende unseres Wagens saß Jaxon Hall – Denkerfürst von Sektor I-4 und Anführer meiner Bande von Londoner Sehern – auf seinem Platz, stützte die verschränkten Hände auf seinen Spazierstock und starrte ohne zu blinzeln ins Leere.
Auf der anderen Seite des Ganges klammerte sich mein bester Freund Nick Nygård an einem der Metallringe fest, die von der Decke hingen. Nach sechs Monaten Trennung kam mir der Anblick seines sanftmütigen Gesichts vor wie eine Erinnerung. Die Adern an seinem Handrücken traten hervor, während er beobachtete, wie vor dem Fenster immer wieder vereinzelte Sicherheitsleuchten vorbeizogen. Verteilt auf den Sitzen hockten drei weitere Mitglieder unserer Gang: Danica hatte eine Wunde am Kopf, Nadines Hände waren blutverschmiert und ihr Bruder Zeke griff sich krampfhaft an seine verletzte Schulter. Das letzte Mitglied, Eliza, war in London geblieben.
Ich saß ein wenig abseits und sah zu, wie der Tunnel hinter uns im Dunkeln verschwand. An der Stelle, wo Danica den Mikrochip von Scion aus meinem Oberarm entfernt hatte, war meine Haut verbrannt.
Noch immer ging mir der letzte Befehl des Wächters im Kopf herum: Lauf, kleine Träumerin. Aber wohin sollte der Wächter fliehen? Der Eingang zum Bahnhof war von bewaffneten Wachen abgeriegelt worden. Trotz seiner enormen Größe konnte er sich zwar so lautlos bewegen wie ein Schatten, aber selbst der wäre nicht an ihnen vorbeigekommen. Und Nashira Sargas, seine ehemalige Verlobte und Anführerin der Rephaim, würde keine Kosten und Mühen scheuen, um ihn zu erwischen.
Irgendwo im Dunkeln verborgen verknüpfte das Goldene Band mein Bewusstsein mit dem des Wächters. Doch als ich den Aether durch mich hindurchfließen ließ, kam keine Antwort vom anderen Ende.
Scion musste längst von dem Aufstand erfahren haben. Irgendetwas war bestimmt nach außen gedrungen, bevor der Brand die Kommunikationskanäle lahmgelegt hatte. Eine Botschaft, eine Warnung – ein einziges Wort hätte ausgereicht, um sie auf die Krise in ihrer Kolonie aufmerksam zu machen. Bestimmt warteten sie schon mit ihren Fluxpistolen auf uns, um uns direkt zurück ins Lager zu schicken.
Sollten sie es doch versuchen.
»Lasst uns mal schätzen.« Ich stand auf. »Wie lange dauert es noch, bis wir in London ankommen?«
»Zwanzig Minuten vielleicht«, antwortete Nick.
»Will ich wissen, wo der Tunnel endet?«
Mit einem grimmigen Lächeln erklärte er: »Im Archonitat. Direkt darunter befindet sich der Bahnhof S-Whitehall.«
Mir sank das Herz fast in die Hose. »Jetzt sag nicht, ihr wolltet quer durchs Archonitat fliehen.«
»Nein. Wir werden den Zug vorher anhalten und einen anderen Weg nach draußen suchen. In diesem Netz muss es noch mehr Bahnhöfe geben. Dani sagt, durch die Servicetunnel könnte man vielleicht sogar auf direktem Weg in die normale U-Bahn gelangen.«
»Aber in diesen Servicetunneln könnte es auch von verdeckten Wachen wimmeln«, gab ich zu bedenken und wandte mich dann direkt an Danica: »Bist du dir da sicher?«
»Die sind nicht bewacht. Die sind nur für Techniker gedacht«, versicherte sie. »Aber über die älteren Tunnel weiß ich nichts. In die hat SciORE bestimmt noch nie einen Fuß gesetzt.«
SciORE war die Scionabteilung für Ingenieurswesen und Technik. Falls irgendjemand von diesen Tunneln wusste, dann die. »Es muss einen anderen Weg nach draußen geben«, beharrte ich. Selbst wenn wir es bis in das normale U-Bahn-Netz schafften, würden sie uns spätestens am Ausgang verhaften. »Können wir den Zug vielleicht umleiten? Oder gibt es einen Weg nach oben aufs Straßenniveau?«
»Keine manuelle Steuerung möglich. Und so dämlich, dass sie von dieser Linie aus einen Zugang zur Straße schaffen, sind sie nicht.« Danica nahm den Lappen von ihrer Kopfwunde und inspizierte den großen Blutfleck. Inzwischen war es mehr Blut als Lappen. »Der Zug ist darauf programmiert, direkt nach S-Whitehall zurückzufahren. Wir werden den Feueralarm auslösen und durch den ersten Bahnhof abhauen, den wir finden können.«
Mir kam es nicht sonderlich klug vor, eine große Gruppe durch ein verfallenes Tunnelsystem ohne Beleuchtung zu schleusen. Sie waren alle geschwächt, ausgehungert und erschöpft. Wir mussten schnell vorankommen. »Unter dem Tower muss es doch auch eine Haltestelle geben«, überlegte ich. »Die benutzen für die Sehertransporte und die Scionleute doch sicher nicht denselben Bahnhof.«
»Dafür, dass wir das nicht wissen, müssten wir aber ganz schön weit laufen«, warf Nadine ein. »Der Tower liegt meilenweit vom Archonitat entfernt.«
»Sie halten die Seher im Tower gefangen. Da ist es doch nur logisch, da auch eine Haltestelle zu haben.«
»Wenn wir davon ausgehen, müssen wir ganz genau planen, wann wir den Alarm auslösen«, überlegte Nick weiter. »Irgendeine Idee, Dani?«
»Was?«
»Wie können wir feststellen, wo wir sind?«
»Wie gesagt, ich kenne dieses Tunnelsystem nicht.«
»Dann rate doch einfach mal drauflos.«
Es dauerte etwas länger als sonst, bis sie eine Antwort für uns hatte. Dunkle Ringe zeichneten sich rund um ihre Augen ab. »Vielleicht … haben sie Markierungen in den Tunneln, damit die Arbeiter sich nicht verlaufen. In den Sciontunneln gibt es Plaketten, auf denen die Entfernung zum nächsten Bahnhof angegeben ist.«
»Aber um uns die anzusehen, müssten wir aus dem Zug raus.«
»Ganz genau. Und wir haben nur einen einzigen Versuch, um anzuhalten.«
»Denkt euch was aus«, sagte ich. »Ich suche uns solange etwas, womit wir den Alarm auslösen können.«
Während sie weiterdiskutierten, ging ich in den nächsten Wagen. Jaxon wandte das Gesicht ab, als ich an ihm vorbeikam. Trotzdem blieb ich vor ihm stehen.
»Hast du ein Feuerzeug dabei, Jaxon?«
»Nein.«
»Auch gut.«
Die einzelnen Zugabschnitte waren durch Schiebetüren miteinander verbunden, die sich nicht verriegeln ließen. Und die eingelassenen Scheiben waren nicht kugelsicher. Wenn sie uns hier drin erwischten, gab es kein Entkommen.
Ein Haufen Gesichter wandte sich mir zu – die überlebenden Seher, alle dicht zusammengedrängt. Bis jetzt hatte ich noch gehofft, dass Julian vielleicht eingestiegen war, als ich gerade nicht hinsah, aber es gab keine Spur von meinem Mitverschwörer. Tiefe Trauer breitete sich in mir aus. Selbst wenn es ihm und seiner Akrobatentruppe gelang, den Rest der Nacht zu überstehen, würde Nashira sie bis zum Sonnenaufgang unter Garantie aufknüpfen.
»Wo fahren wir hin, Paige?«, fragte Lotte, eine der Akrobatinnen. Sie trug noch immer ihr Kostüm von der Zweihundertjahrfeier, jenem historischen Ereignis, das wir durch unsere Flucht gesprengt hatten. »Nach London?«
»Ja«, bestätigte ich. »Passt auf, wir werden den Zug vorher anhalten und dann zum nächsten Ausgang laufen müssen. Der Zug ist unterwegs Richtung Archonitat.«
Entsetzt sogen sie die Luft ein, und es wurden panische Blicke gewechselt. »Das klingt aber nicht sehr sicher«, sagte Felix dann.
»Es ist unsere einzige Chance. War irgendjemand bei Bewusstsein, als sie uns in den Zug nach Sheol I gebracht haben?«
»Ich«, meldete sich ein Augur.
»Dann gibt es also eine Haltestelle im Tower?«
»Definitiv. Sie haben uns direkt von den Zellen zur Bahn gebracht. Aber da gehen wir doch nicht hin, oder?«
»Falls wir keine andere Haltestelle finden, schon.«
Während sie diese Neuigkeit leise besprachen, zählte ich durch. Mich und meine Freunde nicht mitgerechnet, waren es zweiundzwanzig Flüchtlinge.
Wie sollten diese Menschen in der richtigen Welt überleben, nachdem sie jahrelang wie Tiere behandelt worden waren? Einige von ihnen konnten sich wahrscheinlich kaum noch an die Zitadelle erinnern, und ihre Gangs hatten sie längst vergessen. Ich verdrängte diese Überlegungen und hockte mich neben Michael, der etwas abseits von den anderen saß. Der liebe, sanftmütige Michael, der einzige andere Mensch, den der Wächter unter seine Fittiche genommen hatte.
»Michael?« Ich berührte ihn sanft an der Schulter. Seine fleckigen Wangen waren nass. »Hör mir zu, Michael. Ich weiß, dass du Angst hast, aber ich konnte dich doch nicht in Magdalen zurücklassen.«
Er nickte. Stumm im eigentlichen Sinne war er nicht, aber er setzte Worte nur sehr bedacht ein.
»Du musst nicht zu deinen Eltern zurück, das verspreche ich dir. Ich werde versuchen, einen Platz für dich zu finden.« Ich konnte ihn nicht länger ansehen. »Falls wir es schaffen.«
Michael wischte sich mit dem Ärmel das Gesicht ab.
»Hast du das Feuerzeug des Wächters?«, fragte ich vorsichtig. Er wühlte in der Tasche seiner grauen Jacke herum und holte das rechteckige Feuerzeug hervor. Ich nahm es ihm ab. »Danke.«
Noch jemand saß allein: Ivy, die Handleserin. Mit ihrem rasierten Kopf und den eingefallenen Wangen wirkte sie wie ein lebendes Beweisstück für die Grausamkeit der Rephaim. Ihr Hüter Thuban Sargas hatte sie behandelt wie seinen persönlichen Sandsack. An ihren verkrampften Fingern und dem zitternden Kinn erkannte ich, dass man sie besser nicht zu lange allein ließ. Ich setzte mich ihr gegenüber und musterte die dunklen Blutergüsse in ihrem Gesicht.
»Ivy?«
Ein kaum sichtbares Nicken. Die schmutzige gelbe Tunika hing schlaff von ihren Schultern herab.
»Du weißt, dass wir dich nicht ins Krankenhaus bringen können«, begann ich, »aber ich möchte dafür sorgen, dass du an einen sicheren Ort kommst. Gehörst du einer Gang an, die sich um dich kümmern könnte?«
»Keine Gang«, antwortete sie mit brüchiger Stimme. »Ich war … ein Straßenköter in Camden. Aber da kann ich nicht wieder hin.«
»Warum nicht?«
Stumm schüttelte sie den Kopf. Camden war der Distrikt in II-4, in dem die meisten Seher lebten, ein lebendiger Marktbezirk am Großen Kanal.
Ich legte das Feuerzeug auf den glänzenden Tisch zwischen uns und verschränkte die Hände. Unter meinen Fingernägeln hatte sich uralter Dreck angesammelt.
»Gibt es dort denn wirklich niemanden, dem du vertrauen kannst?«, fragte ich leise. Am liebsten hätte ich ihr angeboten, bei uns zu bleiben, aber Jaxon würde niemals Fremde in seinem Unterschlupf dulden, vor allem, da ich nicht vorhatte, wieder dorthin zurückzukehren. Und auf der Straße würde keiner dieser Seher lange überleben.
Krampfhaft bohrte sie die Finger in ihren Oberarm, ließ locker, packte wieder zu. Nach einer langen Pause sagte sie: »Eine gibt es, Agatha. Sie arbeitet in einem Laden auf dem Markt.«
»Und wie heißt der?«
»Agathas Preziosen.« Ein Tropfen Blut quoll aus ihrer Unterlippe. »Sie hat mich lange nicht mehr gesehen, aber sie wird sich um mich kümmern.«
»Okay.« Ich stand auf. »Einer der anderen wird dich begleiten.«
Ihre tief eingesunkenen Augen waren starr auf das Fenster gerichtet, offenbar war sie innerlich ganz weit weg. Bei dem Gedanken, dass ihr Hüter vermutlich noch am Leben war, wurde mir ganz schlecht.
Die Tür glitt auf, und die anderen fünf kamen herein. Ich schnappte mir das Feuerzeug und ging ihnen entgegen. »Das ist der Weiße Fesselmeister aus I-4«, flüsterte jemand. Jaxon hielt sich ganz hinten und umklammerte weiter seinen Spazierstock, in dem sich eine Klinge verbarg. Sein anhaltendes Schweigen zerrte an meinen Nerven, aber ich hatte jetzt keine Zeit für Spielchen.
»Woher kennt Paige ihn denn?«, hörte ich eine zweite, verängstigte Stimme. »Du meinst doch nicht, sie ist …?«
»Wir wären dann so weit, Träumerin«, sagte Nick.
Dieser Name würde ihre Vermutungen bestätigen. So gut es ging, konzentrierte ich mich auf den Aether. In meinem Bewusstsein flammten so viele Traumlandschaften auf wie Bienen in einem Stock. Wir befanden uns direkt unter London.
»Hier.« Ich warf Nick das Feuerzeug zu. »Leg los.«
Er hielt es unter den Sensor und öffnete die Kappe. Innerhalb von Sekunden leuchtete der Feueralarm rot auf.
»Achtung«, ertönte die Stimme von Scarlett Burnish. »Feuer im letzten Waggon entdeckt. Türen werden verriegelt.« Die Schiebetür zum letzten Waggon schloss sich mit einem Knall, dann verriet ein gedämpftes Summen, dass der Zug an Fahrt verlor. »Bitte begeben Sie sich an die Spitze des Zuges oder bleiben Sie, wo Sie sind. Es wurde bereits eine Rettungsmannschaft entsandt. Verlassen Sie unter keinen Umständen den Zug. Versuchen Sie nicht, Türen oder Fenster zu öffnen. Bitte betätigen Sie den Schiebemechanismus, falls zusätzliche Luftzufuhr benötigt wird.«
»Das System wird nicht lange darauf reinfallen«, warnte Danica. »Sobald es erkennt, dass es keine Rauchentwicklung gibt, wird der Zug wieder losfahren.«
Am Ende des Zuges gab es eine kleine Plattform mit Geländer. Ich kletterte drüber und bat Zeke: »Gib mir mal eine Taschenlampe.« Sobald ich sie hatte, richtete ich den Strahl auf die Schienen. »Es ist zu eng, um daneben zu laufen. Kann man die Schienen irgendwie lahmlegen, Megäre?« Ganz automatisch wechselte ich zu ihrem Syndikatsnamen. Nur so hatten wir in Scion so lange überleben können.
»Nein.« Danica schüttelte den Kopf. »Und höchstwahrscheinlich werden wir hier unten in absehbarer Zeit ersticken.«
»Großartig, vielen Dank.«
Ohne den dritten Schienenstrang aus den Augen zu lassen, sprang ich herunter und landete vorsichtig auf dem Schotter. Zeke fing bereits an, den anderen Überlebenden beim Abstieg zu helfen.
Im Gänsemarsch gingen wir los und machten einen möglichst weiten Bogen um Schienen und Schwellen. Meine verdreckten weißen Stiefel ließen das Schienenbett hörbar knirschen. Der Tunnel schien sich ewig hinzuziehen, es war kalt und in den langen Abschnitten zwischen den Sicherheitsleuchten auch verdammt dunkel. Insgesamt hatten wir fünf Taschenlampen, aber bei einer waren die Batterien schon schwach. Ich hörte meinen Atem in meinem Kopf. Auf meinen Armen bildete sich Gänsehaut. Immer wieder stützte ich mich mit einer Hand an der Wand ab und konzentrierte mich darauf, meine Füße nur dorthin zu setzen, wo es sicher war.
Nach zehn Minuten fingen die Schienen an zu vibrieren und wir pressten uns gegen die Mauer. Der leere Zug, mit dem wir aus unserem Gefängnis entkommen waren, raste in einem verschwommenen Streifen aus Metall und Lichtern an uns vorbei, weiter Richtung Archonitat.
Als wir schließlich eine Weiche erreichten, an der eine grüne Signallampe brannte, zitterten mir vor Erschöpfung die Knie.
»Megäre«, rief ich, »sagt dir das hier irgendwas?«
»Es bedeutet, dass der Weg vor uns frei ist und dass der Zug an der zweiten Abzweigung rechts gefahren ist«, erklärte Danica.
Der Tunnel links von uns war blockiert. »Sollen wir dann die erste nehmen?«
»Wir haben gar keine andere Wahl.«
Hinter der Biegung wurde der Tunnel breiter. Wir begannen zu laufen. Nick trug Ivy, die so schwach war, dass ich mich wunderte, wie sie es überhaupt in den Zug geschafft hatte.
An der zweiten Abzweigung brannten weiße Laternen. Auf einer Schwelle war eine schmutzige Plakette festgeschraubt, auf der stand: WESTMINSTER, 2500 M. Der erste Tunnel hingegen war ein gähnendes schwarzes Loch und war mit der Plakette TOWER 800 M versehen. Warnend hob ich einen Finger an die Lippen. Falls in Westminster eine Einsatztruppe wartete, hatten sie inzwischen einen unbemannten Zug in Empfang genommen. Vielleicht waren sie auch schon in den Tunneln unterwegs.
Eine dünne braune Ratte huschte zwischen den Schienen vorbei. Michael wich zurück, aber Nadine leuchtete ihr neugierig hinterher. »Wovon die hier wohl leben?«
Bald sollten wir es herausfinden. Je weiter wir gingen, desto mehr Ratten tauchten auf, und bald hörte man überall leises Fiepen und nagende Geräusche. Zekes Hand zitterte, als sein Lichtstrahl den Leichnam erfasste. Die Ratten ließen sich noch die letzten Überreste von seinem Fleisch schmecken. Er war in die traurigen Lumpen eines Clowns gekleidet, und sein Brustkorb war mit Sicherheit mehr als einmal von einem Zug zermalmt worden.
»Seine Hand liegt auf der dritten Schiene«, stellte Nick fest. »Der arme Kerl hatte wohl keine Taschenlampe.«
Kopfschüttelnd fragte einer der Seher: »Wie konnte er ganz allein so weit kommen?«
Jemand schluchzte leise. Fast hätte er es bis nach Hause geschafft, der Clown, der seinem Gefängnis entronnen war.
Endlich zeigten die Taschenlampen uns einen Bahnsteig. Vorsichtig stieg ich über die Schienen hinweg und zog mich hoch. Mit brennenden Muskeln hievte ich die Taschenlampe auf eine Höhe mit der Bahnsteigkante. Ihr Strahl vertrieb die drückende Finsternis und ich sah weiße Steinwände, einen tragbaren Tank mit Desinfektionsmittel und einen Lagerraum voller faltbarer Tragen. Das genaue Ebenbild des Empfangsbahnhofs am anderen Ende der Linie. Der Gestank des Wasserstoffperoxids trieb mir die Tränen in die Augen. Glaubten diese Leute vielleicht, sie könnten sich von uns die Pest holen? Wuschen sie sich die Hände mit Bleiche, nachdem sie uns in den Zug gestopft hatten? Hatten sie solche Angst, dass die Sehergabe auf sie abfärben könnte? Vor meinem inneren Auge sah ich mich selbst, festgebunden auf einer Trage, von Fantasmagorien gepeinigt und von Ärzten in weißen Kitteln herumgeschubst.
Keine Spur von irgendwelchen Wachen. Wir leuchteten jeden Winkel aus. An der Wand hing ein riesiges Schild: ein roter Diamant, der von einem blauen Streifen in zwei Hälften geteilt wurde. Auf dem blauen Untergrund stand in weißen Buchstaben der Name der Haltestelle:
TOWER VON LONDON
Ich brauchte keine Karte, um zu wissen, dass der Tower von London keine offiziell gelistete U-Bahn-Haltestelle war.
Unter dem Schild hing noch eine kleinere Tafel. Nachdem ich den Staub von den eingeprägten Buchstaben gepustet hatte, konnte ich sie lesen: PENTAS LINE. Auf einer Karte waren fünf geheime Haltestellen unter der Zitadelle verzeichnet. Der in winzigen Buchstaben gedruckte Text dazu verriet mir, dass diese Haltestellen während des Baus der Metropolitan Railway angelegt worden waren, was nichts anderes war als der alte Name der Londoner U-Bahn.
Nick tauchte neben mir auf. »Wie konnten wir das zulassen?«, murmelte er.
»Manche von uns stecken jahrelang im Tower, bevor sie hier runtergeschickt werden.«
Er drückte sanft meine Schulter. »Kannst du dich noch daran erinnern, wie du hergebracht wurdest?«
»Nein, ich stand unter Flux.«
Winzige schwarze Punkte flackerten vor meinen Augen auf. Ich massierte mir die Schläfen. Durch das Amaranth, das der Wächter mir verabreicht hatte, war zwar der größte Schaden in meiner Traumlandschaft geheilt worden, aber mein Kopf fühlte sich noch etwas merkwürdig an, und hin und wieder verließ mich meine Seherkraft.
»Wir müssen weiter«, sagte ich, während ich beobachtete, wie die anderen auf den Bahnsteig kletterten.
Es gab zwei Ausgänge: einen geräumigen Aufzug, in dem mehrere Tragen gleichzeitig Platz fanden, und eine schwere Metalltür mit der Aufschrift NOTAUSGANG. Die stieß Nick nun auf.
»Sieht so aus, als müssten wir die Treppe nehmen«, stellte er fest. »Der Aufzug scheint kaputt zu sein. Kennt irgendjemand den ungefähren Grundriss des Towers?«
Mir war nur ein markanter Punkt bekannt, der White Tower, Herzstück und Festung des Gefängniskomplexes, der unter der Leitung einer Elitesicherheitstruppe stand, der sogenannten Spezialwache. Im Syndikat nannten wir sie nur die Raben: grausame, schwarz gekleidete Wachen, die über ungezählte Foltermethoden verfügten.
»Ich.« Nell hob die Hand. »Zumindest teilweise.«
»Wie heißt du?«, wollte Nick wissen.
»9. Ich meine, Nell.« Sie sah meiner Freundin Liss so ähnlich, dass wir mit Maske und Kostüm den Oberaufseher hatten täuschen können: schwarze Locken, zart gebaut. Aber ihr Gesicht wirkte härter, ihre Haut war olivfarben und statt schwarzer Augen wie Liss hatte sie klare blaue.
Mit sanfter Stimme bat Nick: »Sag uns alles, was du weißt.«
»Das ist zehn Jahre her. Vielleicht haben sie was verändert.«
»Alles ist besser als nichts.«
»Bei ein paar von uns haben sie auf das Flux verzichtet«, berichtete Nell. »Ich habe nur so getan, als wäre ich bewusstlos. Falls diese Treppe an der gleichen Stelle rauskommt wie der Aufzug, müssten wir direkt hinter dem Traitor’s Gate landen, aber das ist mit Sicherheit verschlossen.«
»Mit Schlössern komme ich schon klar.« Nadine hob demonstrativ das Ledermäppchen mit ihren Dietrichen. »Und mit Raben auch, wenn sie es auf einen Kampf anlegen.«
»Jetzt werd mal nicht übermütig. Wir werden nicht kämpfen.« Nick hob den Blick zur niedrigen Decke. »Wie viele sind wir, Paige?«
»Achtundzwanzig.«
»Wir gehen in kleinen Gruppen, Nell mit uns zuerst. Fesselmeister, Diamant, könntet ihr –?«
»Ich will doch stark hoffen, dass du nicht gerade dabei bist, mir einen Befehl zu erteilen, Gesicht«, fiel Jaxon ihm ins Wort.
Bei der ganzen Hektik mit dem Zug und der Suche nach einer Haltestelle hatte ich ihn kaum wahrgenommen. Auch jetzt hielt er sich im Schatten, nur sein Spazierstock glänzte wie eine frisch angesteckte Kerze.
Nach einem Moment des Schweigens presste Nick hervor: »Ich wollte dich nur um Hilfe bitten.«
»Ich werde hierbleiben, bis der Weg frei ist«, verkündete Jaxon naserümpfend. »Meinetwegen könnt ihr euch an den Raben die Finger schmutzig machen.«
Ich packte Nick am Arm. »War ja klar«, murmelte er so leise, dass Jaxon es nicht mitbekam.
»Ich werde sie bewachen«, versprach Zeke. Während der Zugfahrt hatte er kein einziges Wort gesagt. Immer noch hielt er sich mit einer Hand die Schulter, während er die andere so fest zur Faust ballte, dass die Knöchel weiß hervortraten.
Nick schluckte, dann winkte er Nell. »Zeig mir den Weg.«
Während die Flüchtlinge im Bahnhof zurückblieben, folgten wir drei Nell über eine steile Wendeltreppe nach oben. Sie bewegte sich so unbeschwert wie ein Vogel, und irgendwann fiel es mir schwer, noch mit ihr mitzuhalten. Jeder einzelne Muskel in meinen Beinen brannte wie Feuer. Viel zu laut hallten unsere Schritte durch den Treppenschacht. Nick, der hinter mir ging, blieb an einer Stufe hängen. Gerade noch rechtzeitig packte Nadine ihn am Ellbogen.
Oben angekommen, schlich Nell zur Ausgangstür und stieß sie auf. Aus einiger Entfernung drang das Heulen einer Zivilschutzsirene zu uns herein. Wenn sie wussten, dass wir verschwunden waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch herausfanden, wo wir uns gerade befanden.
»Alles klar«, flüsterte Nell.
Ich holte mein Jagdmesser aus meinem Rucksack. Wenn wir Pistolen benutzten, wäre bald jeder Rabe der gesamten Festung hier. Hinter mir zog Nick ein kleines graues Handy hervor und tippte eine Nummer ein.
»Komm schon, Eliza«, murmelte er. »Jävla telefon …«
Mit einem kurzen Seitenblick meinte ich: »Schick ihr doch ein Bild.«
»Habe ich schon. Aber wir müssen wissen, wie lange sie braucht.«
Genau wie Nell vermutet hatte, lag der Zugang zum Treppenhaus gegenüber von dem stillgelegten Aufzug. Rechts sah ich eine massige, mit Mörtel verputzte Wand, und links unter einem sanft geschwungenen Torbogen befand sich Traitor’s Gate: ein bedrohliches schwarzes Gebilde mit vergitterter Lünette. Zur Zeit der Könige war dies der Eingang zur Festung gewesen. Wir standen hier direkt am Fuß der Anlage, zu weit unten, um von den Wachtürmen aus gesehen zu werden. Hinter dem Tor führte eine mit Flechten bewachsene Steintreppe nach oben, direkt daneben gab es eine schmale Rampe für die Rolltragen.
Im fahlen Mondlicht erkannte ich Teile des White Tower. Zwischen Tor und Festung ragte eine hohe Mauer auf – dahinter konnten wir uns verstecken. An einem der Türmchen war ein starker Suchscheinwerfer angebracht. Und noch immer plärrten die Sirenen ihren eintönigen Alarm. In Scion verkündete das einen eklatanten Sicherheitsvorfall.
»Dort leben die Wachen.« Nell zeigte zur Festung hinüber. »Im Bloody Tower sperren sie die Seher ein.«
»Und wo führt diese Treppe hin?«, wollte ich wissen.
»Ins Innere der Festung. Wir müssen uns beeilen.«
Noch während sie das sagte, marschierte direkt gegenüber vom Tor eine Gruppe Raben vorbei. Hastig drückten wir uns gegen die Mauer. An Nicks Schläfe glitzerte ein Schweißtropfen. Wenn sie am Tor nichts Auffälliges bemerkten, sahen sie vielleicht nicht genauer nach.
Wir hatten Glück. Die Raben gingen weiter. Sobald sie außer Sichtweite waren, stieß ich mich mit zitternden Armen von der Mauer ab. Nell rutschte zu Boden und fluchte leise.
Über unserem Versteck stimmten mehrere Sirenen in den Chor der Warnungen mit ein. Ich versuchte, das Tor zu öffnen, aber ohne Erfolg. Es war mit einem Vorhängeschloss an einer Kette gesichert. Sobald Nadine das sah, schubste sie mich beiseite und zog einen winzigen Schraubenzieher aus ihrem Gürtel. Nachdem sie ihn ganz unten in das Schlüsselloch geschoben hatte, griff sie nach einem silbernen Dietrich.
»Das könnte eine Weile dauern.« Bei dem Lärm war sie kaum zu verstehen. »Die Bolzen scheinen verrostet zu sein.«
»Wir haben aber keine Zeit.«
»Holt inzwischen die anderen«, schlug Nadine vor, ohne den Blick von dem Schloss abzuwenden, »wir sollten besser zusammenbleiben.«
Gleichzeitig hob Nick das Telefon ans Ohr und flüsterte: »Muse?« Mit gedämpfter Stimme sprach er mit Eliza, dann sagte er zu mir: »Sie kommt, so schnell sie kann. Bis dahin schickt sie uns ein paar von Spring-heel’d Jacks Strauchdieben.«
»Wie lange?«
»Zehn Minuten, aber die Strauchdiebe müssten früher hier sein.«
Uns blieben keine zehn Minuten.
Über unseren Köpfen glitt das gleißende Licht des Scheinwerfers vorbei und suchte das Innere der Festung ab. Nell wich zurück und kniff die Augen zusammen, um nicht geblendet zu werden. Sie duckte sich in eine Ecke und verschränkte fest die Arme vor dem Körper. Dabei atmete sie stoßweise durch die Nase.
Ich wanderte zwischen den Wänden hin und her und überprüfte jeden einzelnen Ziegelstein. Falls die Raben den Komplex in Runden abgingen, würde es nicht lange dauern, bis sie wieder hier auftauchten. Wir mussten das Tor aufkriegen, die Gefangenen wegschaffen und das Schloss wieder anbringen, bevor das passierte. Mit aller Kraft schob ich die Fingerspitzen in den Spalt zwischen den Aufzugtüren und versuchte, sie aufzustemmen, aber sie rührten sich keinen Millimeter.
Ein paar Meter weiter versuchte Nadine es mit einem anderen Dietrich. Sie musste in einem blöden Winkel arbeiten, weil das Schloss auf der anderen Seite des Tores hing, aber ihre Hände waren vollkommen ruhig. In der Tür zur Treppe tauchte Zeke auf, gefolgt von einer Schar nervöser Flüchtlinge. Mit einem Kopfschütteln signalisierte ich ihm, nicht näher zu kommen.
Endlich hatte Nadine das Schloss geknackt. Wir halfen ihr dabei, die Kette zwischen den Stäben durchzuziehen, schön vorsichtig, damit sie nicht klapperte, dann schoben wir zusammen das Tor auf. Schwer schabte es über den Kies, die seit Ewigkeiten ungenutzten Scharniere quietschten, aber das alles ging im Lärm der Sirenen unter. Nell rannte die Stufen hinauf und winkte uns zu sich.
»Die Ausgänge sind bestimmt alle dicht«, meinte sie, als ich näher kam. »Dieses Schloss war die einzige Schwachstelle hier. Wir werden über die Südmauer klettern müssen.«
Klettern, meine Spezialität. »Gesicht, du holst die anderen«, bestimmte ich. »Haltet euch bereit, es muss schnell gehen.«
Geduckt schlich ich die letzten Stufen hinauf und umklammerte meinen Revolver. Vor mir führte eine weitere Treppe zu einem der Türme neben dem Torbogen. Mit einem Sprung konnten wir die angrenzende Mauer erreichen und uns zwischen zwei Zinnen verstecken; sie war viel niedriger als erwartet. Bestimmt hatte Scion nicht damit gerechnet, dass die wenigen Seher, die es vielleicht aus dem Bloody Tower rausschafften, je so weit kommen würden. Ich signalisierte Nick, die anderen loszuschicken, dann lief ich leichtfüßig die zweite Treppe hoch, immer schön im Schatten. Als ich die Lücke zwischen den beiden Zinnen erreichte, stockte mir kurz der Atem.
Da war es.
London.
Hinter der Mauer führte ein steiler Uferstreifen zur Themse hinunter. Links von mir lag die Tower Bridge. Aber wenn wir nach rechts gingen, konnten wir unbemerkt um den Festungskomplex herumlaufen und es bis zur Hauptstraße schaffen. Nick holte ein Beutelchen aus seiner Tasche und rieb sich die Hände mit Kreide ein.
»Ich gehe als Erster«, sagte er leise. »Du hilfst den anderen beim Abstieg. Eliza wartet an der Straße auf uns.«
Ich suchte die Brücke nach Scharfschützen ab. Zu sehen war niemand, aber ich nahm drei Traumlandschaften wahr.
Nick schob sich zwischen den Zinnen hindurch, hielt sich an ihnen fest und drehte sich mit dem Gesicht zur Mauer. Auf der Suche nach einem Halt für seine Füße trat er kleine Steinchen los. »Vorsicht«, warnte ich ihn, obwohl es eigentlich überflüssig war. Nick konnte besser klettern, als er laufen konnte. Er schenkte mir noch ein kurzes Lächeln, dann ließ er sich ein Stück weit absinken, bevor er ganz losließ und geduckt auf dem Boden aufkam.
Irgendwie bekam ich ein komisches Gefühl, als die Mauer plötzlich zwischen uns war.
Ich streckte dem ersten der Gefangenen die Hand entgegen. Michael und Nell tauchten auf, sie trugen Ivy zwischen sich. Ich stützte sie unter den Armen und führte sie zu den Mauerzinnen.
»Hier rauf, Ivy.« Schnell streifte ich Nicks Mantel ab, hängte ihn ihr um und machte die Knöpfe zu. Jetzt blieben mir nur noch die kümmerlichen Überreste meines weißen Kleides. »Gib mir deine Hände.«
Mit Michaels Hilfe bugsierte ich Ivy über die Mauer. Nick packte sie um die schmalen Hüften und trug sie zum Ufer hinunter. »Hol die Verletzten hier rauf, Michael, schnell.« Meine Stimme klang härter als beabsichtigt. Er ging und half Felix, der stark humpelte.
Einer nach dem anderen kletterte über die Mauer: Ella, Lotte, dann ein völlig aufgelöster Kristallomant, danach ein Augur mit gebrochenem Handgelenk. Sie blieben alle dicht bei der Stelle, an der sie landeten, wo Nick sie mit gezogener Pistole bewachte. Als ich Michael die Hand hinstreckte, um ihm zu helfen, wurde er von Jaxon beiseitegeschubst. Mühelos erklomm er die Zinnen, warf seinen Spazierstock voraus und beugte sich dann zu mir runter, um mir ins Ohr zu flüstern: »Eine Chance hast du noch, mein Liebchen. Komm zurück nach Seven Dials, dann werde ich vergessen, was du in Sheol I gesagt hast.«
Ohne ihn anzusehen, erwiderte ich: »Danke, Jaxon.«
Er sprang so elegant von der Mauer, dass es fast aussah, als würde er schweben. Ich drehte mich zu Michael um. Aus der Schnittwunde in seinem Gesicht lief Blut über seinen Hals und durchnässte sein Hemd.
»Los.« Ich packte seine Handgelenke. »Einfach nicht runterschauen.«
Mit Mühe gelang es Michael, ein Bein über die Mauer zu schieben. Seine Finger krallten sich in meine Unterarme.
Ein ersticktes Keuchen drang aus Nells Kehle. Auf ihrem Hosenbein breitete sich ein Blutfleck aus. Mit ängstlich aufgerissenen Augen starrte sie mich an. Ein starker Sog lief durch meinen Körper.
»Runter!«, brüllte ich so laut, dass ich die Sirenen übertönte. »Runter, sofort!«
Aber es blieb ihnen keine Zeit mehr, zu gehorchen. Die wartenden Flüchtlinge auf der Treppe wurden von einem Kugelhagel erfasst.
Zuckende, sich windende Körper. Ein schriller Schrei. Michaels Handgelenke glitten mir durch die Finger. Ich duckte mich hinter die Balustrade und hielt schützend die Arme über den Kopf.
Ihr oberstes Ziel würde sein, uns aufzuhalten: töten, ohne zu zögern.
Unten brüllte Nick meinen Namen, schrie mir zu, dass ich springen sollte, aber ich war starr vor Angst. Meine Wahrnehmung schrumpfte zusammen, bis ich nur noch meinen Herzschlag, meinen flachen Atem und das gedämpfte Dröhnen der Waffen hörte. Dann packte mich jemand, schob mich über die Mauer und ich fiel.
Meine Sohlen kamen so hart auf dem Boden auf, dass ich es bis in die Hüften spürte und noch ein paar Meter vorwärts katapultiert wurde. Mit einem dumpfen Knall und einem schmerzerfüllten Stöhnen landete jemand neben mir – Nell, die krampfhaft die Zähne zusammenbiss. Sie kroch mühsam über den Boden, dann rappelte sie sich auf und humpelte so schnell sie konnte davon. Ich krabbelte in dieselbe Richtung, bis ich Nick erreichte, der sich sofort meinen Arm um den Hals schlang. Mit einer ruckartigen Bewegung wollte ich mich losreißen.
»Wir müssen die anderen … –«
»Paige, komm!«
Auch Nadine hatte es über die Mauer geschafft, aber die beiden anderen kletterten gerade erst auf die Zinnen. Eine neue Salve vom White Tower ließ die Überlebenden in alle Richtungen flüchten. Danica und Zeke sprangen und wurden zu zwei Silhouetten im viel zu hellen Mondlicht.
Da spürte ich den Scharfschützen über uns. Ein amaurotisches Mädchen fiel, ihr Schädel explodierte wie eine weiche Frucht. Fast wäre Michael über sie gestolpert. Jetzt konzentrierte sich der Scharfschütze – eine Frau – auf ihn.
Die Nerven in meinem Körper verwandelten sich in Feuerzungen. Mit einem Ruck löste ich mich aus Nicks Griff. Kaum mehr als ein Tropfen Kraft war mir geblieben, aber mit ihm schleuderte ich mein Bewusstsein durch die Traumlandschaft der Schützin, schickte ihren Geist in den Aether und ihren Körper über die Mauer. Als ihr leerer Leichnam auf dem Gras aufschlug, rannte Michael weiter zum Fluss. Ich brüllte seinen Namen, aber er war schon fort.
Meine Füße waren schneller als meine Gedanken. Die Risse in meiner Traumlandschaft klafften auf wie frische Wunden. Wir waren jetzt dicht an der Straße, ganz nah, fast hatten wir es geschafft. Ich konnte schon die Straßenlaternen sehen. In der Festung dröhnten die Waffen. Dann heulte ein Motor auf und bläuliche Scheinwerfer tauchten auf. Leder unter meinen Fingern. Motor. Schüsse. Ein einzelner, schriller Ton. Um die Kurve, über die Brücke. Und dann verschwanden wir in der Zitadelle wie Staub im Schatten, nur die Sirenen heulten uns noch hinterher.

2
LANGE GESCHICHTE
Pünktlich um sechs Uhr morgens erschien sie. Wie immer.
Meine Hand griff nach dem Revolver auf dem Nachttisch. Die Erkennungsmelodie von ScionEye ertönte, eine mitreißende, theatralische Komposition, in die man das Glockenspiel von Big Ben integriert hatte.
Ich wartete.
Da war sie: Scarlett Burnish, Großreferentin von London, im schwarzen Kleid mit weißem Spitzenkragen. Natürlich sah sie immer gleich aus, wie ein Automaton aus der Hölle, aber bei bestimmten Gelegenheiten, zum Beispiel, wenn ein armer Bürger von einem Widernatürlichen »getötet« oder »angegriffen« worden war, konnte sie auch hausgemachtes Mitleid versprühen. Heute jedoch lächelte sie strahlend.
»Guten Morgen und willkommen zu einem neuen Tag in Scion London, der mit guten Nachrichten beginnt. Wie die Vereinigten Wachmannschaften bekannt gegeben haben, werden sie die Reihen der Tagwache um mindestens fünfzig Mann aufstocken, die diesen Montag bereits vereidigt werden sollen. Der Leiter der Wachen erklärte, dass das neue Jahr die Zitadelle vor ganz neue Herausforderungen stellen werde, und dass die Bürger von London in solch gefährlichen Zeiten weiterhin eng zusammenrücken müssen, um –«
Ich schaltete den Apparat ab.
Keine Sondermeldungen. Überhaupt nichts, dachte ich wieder und wieder. Keine Fotos, keine Hinrichtungen.
Klappernd landete die Waffe wieder auf dem Tisch. Ich hatte die Nacht auf einer Couch verbracht und war bei dem kleinsten Geräusch hochgeschreckt. Jetzt waren meine Muskeln so steif, dass es wehtat, daher brauchte ich eine Weile, bis ich mich aufrichten konnte. Jedes Mal, wenn der Schmerz nachließ, kam eine neue Welle von irgendeinem Bluterguss oder einer Zerrung. Eigentlich gehörte ich jetzt ins Bett, wie immer im Morgengrauen, aber ich musste wenigstens für eine Minute aufstehen. Ein wenig Tageslicht würde mir guttun.
Sobald ich meine Beine gelockert hatte, machte ich die Stereoanlage in der Ecke an. Billie Holidays Guilty setzte ein. Nick hatte auf dem Weg zur Arbeit ein paar verbotene Platten, so viel Geld, wie er erübrigen konnte, und einige Bücher aus unserem Unterschlupf vorbeigebracht. Letztere hatte ich noch nicht angerührt. Irgendwie vermisste ich das Grammofon des Wächters. Man konnte sich tatsächlich daran gewöhnen, von den liebeskummergeplagten Schnulzenstars der Freien Welt in den Schlaf gesungen zu werden.
Seit unserer Flucht waren drei Tage vergangen. Mein neues Zuhause war eine schäbige Absteige in I-4, irgendwo im Gewirr der Seitenstraßen von Soho. Die meisten Herbergen für Seher waren widerliche Bruchbuden, in denen man kaum leben konnte, aber der Vermieter hier – ein Kleidomant, der wahrscheinlich nur eine Pension eröffnet hatte, um ständig an Schlüsseln herumfingern zu können – hatte zumindest die Ratten vertrieben, wenn auch nicht die Feuchtigkeit. Er hatte keine Ahnung, wer ich war, sondern wusste nur, dass ich in Deckung bleiben musste, weil ich angeblich von einem Wachmann zusammengeschlagen worden war, der vielleicht noch immer nach mir suchte.
Bis die Sache mit Jaxon geklärt war, würde ich von einem Mietzimmer zum nächsten ziehen müssen, im wöchentlichen Wechsel. Schon jetzt kostete das ein Vermögen – noch kam ich mit dem Geld hin, das Nick mir gegeben hatte –, aber nur so konnten wir sichergehen, dass Scion mich nicht aufspürte.
Die Jalousien waren heruntergelassen, sodass kein bisschen Licht ins Zimmer drang. Vorsichtig schob ich sie einen Spalt weit auf. Goldenes Sonnenlicht blendete meine geröteten Augen. Auf der schmalen Straße unter dem Fenster gingen gerade zwei Amaurotiker vorbei. An der Ecke hielt ein Wahrsager Ausschau nach Seherkunden, die vielleicht eine schnelle Voraussage haben wollten. Wenn er verzweifelt genug war, versuchte er es vielleicht sogar bei einem Amaurotiker. Manche wurden neugierig, andere entpuppten sich als Spione. Scion schickte schon seit Ewigkeiten Lockspitzel auf die Straßen, die Seher dazu verführen sollten, sich zu verraten.
Ich ließ die Jalousie wieder fallen. Es wurde dunkel. Sechs Monate lang war ich nachtaktiv gewesen, hatte meinen Schlafrhythmus dem der Rephaim angepasst. So schnell änderte sich das nicht. Ich ließ mich auf die Couch sinken, nahm das Wasser, das auf dem Tisch bereitstand, und schluckte zwei blaue Schlaftabletten.
Meine Traumlandschaft war noch immer instabil. Während des Kampfes auf der Bühne, als Nashira versucht hatte, mich vor einem Publikum aus Scionfunktionären umzubringen, hatte sie mit ihren Gefallenen Engeln haarfeine Risse hinterlassen, durch die Erinnerungen bis in mein schlafendes Bewusstsein vordringen konnten: die Kapelle, in der Seb gestorben war; mein Zimmer in Magdalen; die verdreckte, verwinkelte Hüttensiedlung und Ducketts Psychomanteum, in dem mein Gesicht monströs angeschwollen und verzerrt ausgesehen hatte und mein Kiefer abplatzte wie brüchiges Porzellan.
Dann Liss, der man die Lippen mit goldenem Faden zusammengenäht hatte. Rausgezerrt, um an die Emim verfüttert zu werden, jene Monster, die in den Wäldern rund um die Kolonie hausten. Sieben blutverschmierte Karten flatterten hinter ihr her. Ich fing sie auf, wollte unbedingt die letzte Karte sehen – meine Zukunft –, aber im gleichen Moment, in dem ich sie berührte, ging sie in Flammen auf. Als ich mich am frühen Abend selber aus dem Schlaf riss, war ich von Kopf bis Fuß in Schweiß gebadet. Meine Wangen waren feucht und glühend heiß und meine Lippen schmeckten salzig.
Diese Karten würden mich noch lange verfolgen. Liss hatte mir in sechs Stufen die Zukunft vorausgesagt: fünf der Kelche, König der Stäbe umgekehrt, der Teufel, die Liebenden, Tod umgekehrt, acht der Schwerter. Aber sie war nie bis zum Ende der Sitzung gekommen.
Mühsam schleppte ich mich ins Badezimmer und schluckte noch ein paar von den Schmerzmitteln, die Nick mir dagelassen hatte. Die große Graue war vermutlich irgendein Sedativum, um das Zittern zu mildern, den rebellierenden Magen zu beruhigen und den Drang zu bekämpfen, mich an meine Waffe zu klammern und sie nie wieder loszulassen.
Es klopfte leise an der Tür. Ganz langsam holte ich den Revolver, prüfte die Munition und versteckte ihn dann hinter meinem Rücken. Mit der freien Hand öffnete ich die Tür.
Auf dem Flur stand der Vermieter, bereits vollständig angezogen. Um seinen Hals hing ein uralter eiserner Schlüssel, den er niemals abnahm.
»Guten Morgen, Miss«, sagte er.
Ich rang mir ein Lächeln ab. »Schlafen Sie eigentlich nie, Lem?«
»Nicht sehr oft. Die Gäste sind rund um die Uhr aktiv. Oben findet gerade eine Séance statt«, erklärte er mit müdem Blick, »und die fuhrwerken ganz schön mit dem Tisch herum. Sie sehen heute schon viel besser aus, wenn ich das sagen darf.«
»Vielen Dank. Hat mein Freund angerufen?«
»Er wird heute Abend um neun hier sein. Bitte klingeln Sie einfach, wenn Sie etwas brauchen.«
»Danke. Dann noch einen schönen Tag.«
»Ebenfalls, Miss.«
Für einen Absteigenwirt war er überraschend hilfsbereit. Ich machte die Tür zu und drehte den Schlüssel um.
In der nächsten Sekunde glitt der Revolver durch meine Finger. Ich sank zu Boden und drückte das Gesicht gegen die Knie.
Ein paar Minuten später kehrte ich in das winzige, stickige Bad zurück, schälte mich aus meinem Nachthemd und inspizierte im Spiegel meine Verletzungen. Am auffälligsten waren der tiefe Schnitt über dem Auge, der bereits genäht worden war, und die oberflächliche Wunde an der Wange. Alles an mir war kraftlos und ausgezehrt: die Fingernägel brüchig, die Haut bleich, Rippen und Hüftknochen stachen hervor. Als er mir das erste Essen gebracht hatte, hatte der Wirt vorsichtig meine zerfleischten Hände und das dunkle Veilchen in meinem Gesicht gemustert. Aber er hatte in mir nicht die Fahle Träumerin erkannt, Ganovenbraut seines Sektors und Schützling des Weißen Fesselmeisters.
Als ich in die Dusche stieg und am Hahn drehte, wurde mir kurz schwarz vor Augen. Das heiße Wasser massierte sanft meine Schultern und lockerte meine Muskeln.
Eine Tür fiel zu.
Sofort fand meine Hand das verborgene Messer unter der Seifenschale. Mit einem Sprung katapultierte ich mich aus der Dusche und presste mich an die gegenüberliegende Wand. Getrieben vom Adrenalin schob ich mich hinter die Tür und drückte die Klinge an die Brust.
Es dauerte mehrere Minuten, bis mein Herzschlag sich normalisierte. Langsam löste ich mich von den Fliesen und hinterließ einen nassen Fleck aus Schweiß und Wasser. Nichts, es ist nichts. Nur der Séancetisch von oben.
Zitternd stützte ich mich am Waschbecken ab. Nasse Locken umrahmten mein mageres, farbloses Gesicht.
Ich schaute meinem Spiegelbild direkt in die Augen. Mein Körper war in der Kolonie nicht anders behandelt worden als eine Ware, herumgeschubst, begrabscht und verprügelt von Rephaim und Rotjacken. Ich drehte mich halb um und strich mit den Fingern über die feinen Narben an meiner Schulter. XX-59-40. Dieses Brandzeichen würde ich für den Rest meines Lebens mit mir herumtragen.
Aber ich hatte überlebt. Entschlossen zog ich mein Shirt über das Brandmal. Ich hatte überlebt, und die Sargas würden das auch noch merken.
*
Als ich Nick zum ersten Mal seit zwei Tagen aufmachte, umarmte er mich sanft, um meine diversen Wunden und Blutergüsse zu schonen. In den durch die Numen des Wächters hervorgerufenen Erinnerungen hatte ich ihn so oft gesehen, aber nichts davon reichte an den echten Nick Nygård heran.
»Hallo, sötnos.«
»Hi.«
Wir lächelten uns an; still und freudlos.
Nick stellte das Essen auf den Tisch, während ich die Tür öffnete, die auf den kleinen Balkon hinausführte. Der Wind trug den Geruch von Scion im Herbst herein: Petroleum und Rauch von den Feuergruben der Straßenkünstler. Aber der Duft aus den Pappschachteln war so herrlich, dass ich das kaum wahrnahm. Ein wahres Festessen: kleine Pasteten mit Hühnchen und Schinken, frisch gebackenes Brot, goldbraune Pommes mit Salz und Pfeffer. Nick schob mir eine kleine Nährstoffkapsel hin.
»Guten Appetit, aber mach langsam.«
Auf den Pasteten glänzte geschmolzene Butter, und wenn man sie aufbrach, quoll dicke, deftige Soße heraus. Brav legte ich die Kapsel auf meine Zunge.
»Wie geht es deinem Arm?« Nick nahm ihn und untersuchte das runde Brandmal. »Tut es noch weh?«
»Inzwischen nicht mehr.« Und um diesen Mikrochip loszuwerden, hätte ich jeden Schmerz ertragen.
»Behalte es im Auge. Ich weiß, Dani ist gut, aber sie ist keine Ärztin.« Er fühlte meine Stirn. »Kopfschmerzen?«
»Nicht mehr als üblich.« Ich nahm mir ein Stück Brot und zerbröselte es. »Immer noch nichts in ScionEye.«
»Sie schweigen sich darüber aus. Und zwar gründlich.«
Wir schwiegen ebenfalls. Die Ringe unter Nicks Augen zeigten, dass er einige schlaflose Nächte hinter sich hatte. Voller Sorgen. Und endloser Warterei. Ich legte beide Hände um meinen Kaffeebecher und starrte hinaus auf die Zitadelle, jene unsichere Krisenregion aus Metall, Glas und Lichtern, die endlos weit hinauf in den Nachthimmel leuchteten. Irgendwo dort draußen war Michael, wahrscheinlich hatte er unter einer Brücke oder in einem Hauseingang Schutz gesucht. Falls er irgendwie an etwas Geld kam, konnte er in einem Armenhotel übernachten, aber die wurden jede Nacht von Wachen überprüft, die ihre Arrestquote erfüllen wollten, bevor ihre Schicht rum war.
»Ich habe dir etwas mitgebracht.« Nick legte ein Handy auf den Tisch, dasselbe Modell wie das, mit dem er im Tower telefoniert hatte. »Ein Wegwerftelefon. Solange du immer die Karte austauschst, kann Scion dich darüber nicht orten.«
»Wo hast du das her?« Solche Telefone waren in Scion nie hergestellt worden, es musste also Importware sein.
»Von einem Freund auf dem Markt in Old Spitalsfield. Im Idealfall wirft man das ganze Ding weg, aber die Händler verlangen ein Vermögen für die Geräte.« Er reichte mir auch noch eine kleine Schachtel. »Angerufen werden kann man damit quasi nicht, weil sich ja ständig die Nummer ändert, aber man kann telefonieren. Ist ja auch nur für Notfälle.«
»Gut.« Ich steckte das Handy ein. »Wie war es bei der Arbeit?«
»Gut. Glaube ich zumindest.« Angespannt rieb er über die Bartstoppeln an seinem Kinn. »Falls irgendjemand gesehen hat, wie ich in diesen Zug gestiegen bin –«
»Hat aber keiner.«
»Ich hatte eine Scionuniform an.«
»Nick, Scion ist eine Riesenorganisation. Die Chancen, dass irgendjemand eine Verbindung zwischen dem angesehenen Dr. Nicklas Nygård und der Strafkolonie herstellt, gehen gegen null.« Ich strich etwas Butter auf mein Brot. »Es wäre viel verdächtiger, wenn du nicht mehr hingehen würdest.«
»Ich weiß. Und ich habe schließlich nicht jahrelang an ihren Universitäten studiert, um jetzt einfach aufzugeben.« Als er meinen Blick bemerkte, rang er sich ein Lächeln ab. »Woran denkst du gerade?«
»Wir haben im Tower eine Menge Leute verloren.« Augenblicklich war mein Appetit wie weggeblasen. »Ich hatte ihnen versprochen, ich würde sie alle nach Hause bringen.«
»Hör auf, Paige. Wenn du so denkst, machst du dich nur kaputt. Scion ist schuld daran, nicht du.«
Ich antwortete nicht. Nick kniete sich neben meinen Stuhl. »Schau mich an, Süße. Schau mich mal an.« Ich hob den Kopf und sah in seine müden Augen, aber das machte mich nur noch trauriger. »Wenn irgendjemand Schuld hat, dann doch wohl dieser Rephait, oder nicht? Er hat euch in den Zug gesetzt. Er hat euch gehen lassen.« Als ich immer noch nichts sagte, legte er mir einen Arm um die Schultern. »Wir werden die anderen Flüchtlinge finden, versprochen.«
Eine ganze Weile blieben wir so sitzen. Er hatte recht. Natürlich hatte er recht.
Aber vielleicht trug noch jemand anders die Schuld. Jemand, der sich hinter dem Schleier von Scion verbarg.
Hatte der Wächter gewusst, dass dieser Zug nach Westminster fuhr, mitten ins Herz der Bestie? Hatte er mich im letzten Moment doch noch verraten? Immerhin war er ein Rephait – ein Monster, kein Mensch –, trotzdem musste ich darauf vertrauen, dass er sein Möglichstes getan hatte.
Als wir gegessen hatten, räumte Nick die Reste weg. Plötzlich klopfte es wieder an der Tür, und ich griff hastig nach meiner Waffe, aber Nick hob beschwichtigend die Hand.
»Keine Sorge.« Er öffnete die Tür. »Ich habe eine Freundin angerufen.«
Eliza Renton kam herein, noch mit Regentropfen in den Locken, doch sie sagte nicht einmal Hallo, sondern lief ohne stehen zu bleiben auf das Sofa zu, auf dem ich saß. Ihrer Miene nach zu schließen, hätte sie mir am liebsten eine reingehauen, doch stattdessen zog sie mich in ihre Arme.
»Paige, du Idiotin.« An ihrer Stimme war deutlich zu hören, wie wütend sie war. »Du verdammte Idiotin. Warum musstest du an diesem Tag auch unbedingt die U-Bahn nehmen? Du wusstest doch, dass da verdeckte Wachen unterwegs waren, du wusstest von den Kontrollen …«
»Ich bin das Risiko eingegangen, dumm von mir.«
»Warum hast du nicht einfach gewartet, bis Nick dich heimgebracht hätte? Wir dachten, Hector hätte dich umgelegt, oder dass Scion –«
»Haben sie ja auch.« Ich tätschelte ihren Rücken. »Aber mir geht’s gut.«
Sanft, aber bestimmt löste Nick ihre Hände von meinem Hals. »Sei vorsichtig, sie besteht fast nur noch aus blauen Flecken.« Er führte Eliza zur anderen Couch. »Ich dachte mir, vielleicht sollte mehr als einer von uns es wissen, Paige. Wir brauchen jeden Verbündeten, den wir nur kriegen können.«
»Ihr habt doch Verbündete«, fauchte Eliza. »Jax war krank vor Sorge um dich, Paige.«
»Davon war aber nichts zu spüren, als er mich fast erwürgt hat«, erwiderte ich.
Das war ihr neu. Mit einem gereizten Stirnrunzeln schaute sie zwischen uns hin und her. Ich zog die Vorhänge zu. Dann saßen wir im Halbdunkel auf den Sofas und füllten unsere Gläser mit Saloop aus Nicks Flachmann. Das cremige Getränk aus Orchideenwurzeln und heißer Milch, das mit einem Hauch Zimt abgeschmeckt wurde, war der Renner in den Kaffeehäusern. Nach Monaten des Hungerns schmeckte es einfach himmlisch.
Im Fernsehen war gerade einer von Burnishs kleinen Unterreferenten auf Sendung.
»In den nächsten Wochen wird die Anzahl der Wachen in Parzelle I verdoppelt werden, da in dieser Zeit der zweite Prototyp des Sensorschirmscanners installiert werden soll. Mit der Einführung dieser einzigartigen Technologie, die das Aufspüren von Widernatürlichkeit ermöglicht, wird noch vor Dezember gerechnet. Die Bürger sollten sich auf vermehrte Kontrollen in U-Bahn, Bussen und von Scion lizenzierten Taxis einstellen. Vor allem das Personal der Verdeckten Wache bittet die Bevölkerung um verstärkte Kooperation in diesem Zeitraum. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten! Und nun zum Wetterbericht für diese Woche.«
»Noch mehr Wachen«, stellte Nick fest. »Was haben sie vor?«
»Sie wollen die Flüchtlinge aufspüren«, vermutete ich. »Ich verstehe sowieso nicht, warum sie nichts darüber gebracht haben.«
»Vielleicht geht es gar nicht darum. Immerhin ist in zwei Monaten Novembertide«, gab Eliza zu bedenken. »Da stocken sie die Überwachung jedes Mal auf. Und dieses Jahr ist der Großinquisitor von Paris eingeladen worden.«
»Aloys Mynatt war auf der Zweihundertjahrfeier, das ist der Assistent von Inquisitor Ménard. Falls er tot ist, wird Ménard wohl kaum nach Feiern zumute sein.«
»Das würden sie niemals absagen.«
»Glaub mir: Wenn Nashira befiehlt ›absagen‹, dann sagen sie es ab.«
»Wer ist Nashira?«
So eine harmlose Frage. Und es gab keine einfache Antwort. Wer war Nashira? Ein Albtraum. Ein Monster. Eine Mörderin.
»Der Sensorschirm wird alles verändern«, prophezeite ich, ohne den Blick vom Fernseher zu lösen. »Hat die Versammlung der Widernatürlichen in dieser Richtung schon irgendetwas unternommen?«
Die Versammlung der Widernatürlichen setzte sich aus den sechsunddreißig Denkerfürsten und Denkerköniginnen der Zitadelle zusammen, die sämtliche Aktivitäten des Syndikats in den ihnen zugeteilten Sektoren zu überwachen hatten. Dabei waren sie alle relativ unabhängig, auch wenn der Herr der Unterwelt – zurzeit Haymarket Hector – dafür zuständig war, ihre Versammlungen zu organisieren.
»Im Juli gab es einiges Gerede«, erzählte Nick. »Grub Street hat Nachrichten verbreitet, in denen es hieß, man sei sich der Situation bewusst. Aber seitdem kam nichts mehr.«
»Hector hat keine Ahnung, was er tun soll«, begriff ich. »Und sonst auch niemand.«
»Dieser Prototyp ist noch nicht das Schlimmste, was auf uns zukommt. Nach allem, was man so hört, können damit nur die ersten drei Kasten aufgespürt werden.«
Unwillkürlich wandte Eliza den Kopf ab. Sie war ein Medium und damit in der dritten Kaste. Nick griff nach ihrer Hand.
»Dir wird nichts geschehen. Dani arbeitet bereits an einem Abschirmgerät«, wandte er sich wieder an mich. »Irgendetwas, das den Sensorschirm lahmlegt. Eine ziemlich komplexe Aufgabe, aber sie ist ja auch verdammt clever.«
Eliza nickte, ergänzte dann jedoch trübsinnig: »Sie meint, im Februar könnte sie fertig sein.«
Das war zu spät, wie wir alle wussten.
»Wie habt ihr es eigentlich in die Kolonie geschafft?«, fragte ich Nick. »Die Sicherheitsvorkehrungen müssen doch enorm gewesen sein.«
»Im August war Jax kurz davor, aufzugeben«, gab Nick zu. »Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns ganz sicher, dass du nicht mehr in London bist. Weder gab es Erpresserschreiben von anderen Gangs noch irgendeinen Beweis für deinen Tod, und wir fanden keinerlei Hinweise, dass du irgendwann mal bei deinem Vater aufgetaucht wärst. Erst nach dem Vorfall am Trafalgar Square hatten wir wieder eine Spur, als du gesagt hast, man hätte dich nach Oxford gebracht.«
»Danach gab es für Jaxon nichts anderes mehr«, warf Eliza mit einem scharfen Blick ein. »Er war vollkommen davon besessen, dich zurückzuholen.«
Das überraschte mich nicht besonders. Für Jaxon wäre es höchst frustrierend gewesen, seine wertvolle Traumwandlerin zu verlieren, fast schon eine Demütigung. Trotzdem hatte ich nicht erwartet, dass er so viel riskieren würde, um mich aus Scions Klauen zu befreien. Ein solches Opfer brachte man eigentlich nur für Menschen, denen gegenüber man Mitgefühl empfand und keinen reinen Besitzanspruch.
»Ich habe bei der Arbeit versucht, mehr über Oxford in Erfahrung zu bringen, aber die Daten waren alle verschlüsselt«, fuhr Nick fort. »Es hat mehrere Wochen gedauert, bis ich mich ins Büro meiner Vorgesetzten schleichen und an ihren Computer gehen konnte. Da bin ich dann in eine Art schwarzes Netzwerk geraten, einen Bereich des allgemeinen Netzwerks, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. Einzelheiten gab es da aber auch keine, nur die Angabe, dass Oxford in einem Sperrgebiet der Kategorie A läge – was wir ja bereits wussten – und dass es unter dem Archonitat einen Bahnhof gäbe, was allerdings neu für uns war. Und ich fand eine Liste mit Namen, die allem Anschein nach Jahrhunderte weit zurückreichte. Alles Vermisste. Fast ganz unten auf der Liste tauchte dann dein Name auf.«
»Von da an hat Dani übernommen«, berichtete Eliza weiter. »Sie hat den Zugangstunnel entdeckt. Eigentlich durfte da nur eine handverlesene Gruppe von Technikern rein, aber sie hat rausgekriegt, wann der Tunnel das nächste Mal geöffnet werden würde. Der Zug sollte am einunddreißigsten August gewartet werden. Also hat Jax bestimmt, dass es an diesem Tag losgeht. Ich bin hiergeblieben, um alles im Auge zu behalten.«
»Das sieht Jax gar nicht ähnlich, dass er sich selbst die Hände schmutzig macht«, wunderte ich mich.
»Du bedeutest ihm viel, Paige. Er würde alles tun, damit wir in Sicherheit sind. Vor allem du.«
Nein, das stimmte nicht ganz. Eliza hatte in Jaxon Hall immer eine Lichtgestalt gesehen – immerhin hatte er dafür gesorgt, dass wir wieder Licht in unserem Leben hatten –, aber ich hatte schon zu viele Facetten an ihm entdeckt, die etwas anderes sagten. Er war zu Güte fähig, aber er war nicht gütig. Er konnte so tun, als wären wir ihm wichtig, aber es würde immer nur Theater bleiben. Ich hatte Jahre gebraucht, um aufzuwachen und das zu begreifen.
»Am Abend nach der Wartung hat sich Dani mit einer gestohlenen Zugangskarte in den Tunnel geschlichen und uns reingelassen«, setzte Nick den Bericht fort.
»Hat euch denn niemand entdeckt?«
»Sie haben uns gar nicht gesehen. Als die Funktionäre den Zug bestiegen, hatten wir uns längst in einem Lagerraum am Ende des Zuges versteckt. Die Wachen hatten da keinen Zutritt, also waren wir für diesen Teil der Reise sicher. Aber irgendwie mussten wir natürlich auch wieder aus dem Zug rauskommen.«
»Vorbei an den seherisch begabten Wachen, die zum Schutz der Funktionäre abgestellt waren? Wie zum Teufel habt ihr das geschafft?«
»Wir haben gewartet, bis die Funktionäre von der Haltestelle nach draußen gebracht worden waren. Dann hat eine Wache den Eingang wieder verriegelt, wodurch wir erst mal im Bahnhof festsaßen, aber dann haben wir hinter einem Gitter einen alten Wartungsschacht entdeckt. So kamen wir raus auf die Straße. In die Guild Hall sind wir dann einfach durch den Hintereingang rein.«
Ein Wartungsschacht. Hätte der Wächter davon gewusst, hätte er sich ebenfalls in Sicherheit bringen können. Ich stieß hörbar den Atem aus. »Ihr seid alle total verrückt.«
»Wir mussten dich doch zurückholen, Paige«, sagte Eliza. »Jax hätte buchstäblich alles versucht.«
»Jax ist nicht dumm. Aber einen zusammengewürfelten Haufen Unterweltler in einen Scionzug zu schmuggeln, ohne überhaupt zu wissen, was einen am Ende der Fahrt erwartet, klingt ganz schön dämlich.«
»Na ja, vielleicht war es ihm ja zu langweilig geworden, immer nur in seinem Arbeitszimmer zu hocken.«
»Wir haben dich wieder, das ist die Hauptsache.« Nick beugte sich erwartungsvoll vor. »Und jetzt bist du an der Reihe.«
Ich starrte in meinen Saloop. »Das ist eine lange Geschichte.«
»Fang mit der Nacht an, in der sie dich geschnappt haben«, schlug Eliza vor.
»Das ist aber nicht der Anfang. Angefangen hat alles 1859.«
Verwirrt schauten die beiden sich an.
Es dauerte wirklich lange. Ich erklärte ihnen, wie im Jahr 1859 zwei Spezies namens Rephaim und Emim aus einer anderen Welt, die genau zwischen Leben und Tod angesiedelt war, zu uns gekommen waren. Dass zuvor die Schwelle zwischen den Welten verschwunden war, weil zu viele ruhelose Geister die Grenze zwischen den Welten hatten brüchig werden lassen.
»Okay.« Eliza sah aus, als müsse sie sich das Lachen verkneifen. »Aber was genau sind denn nun diese Rephaim?«
»Das weiß ich bis heute nicht«, gab ich zu. »Sie sehen aus wie wir, aber ihre Haut glänzt metallisch und sie sind sehr groß. Normalerweise sind ihre Augen gelblich, aber wenn sie sich nähren, spiegeln sie die Farbe der Aura wider, die sie gerade aufgenommen haben.«
»Und die Emim?«
Da fehlten mir endgültig die Worte. »Ich habe nie einen bei Licht gesehen, aber …« Ich seufzte hilflos. »In der Kolonie hießen sie entweder Summer oder verrottende Riesen. Geister kommen nicht in ihre Nähe. Und sie fressen Menschenfleisch.«
Nick wirkte von Natur aus schon blass, aber jetzt noch viel mehr.
Ich erzählte ihnen von dem Pakt zwischen den Rephaim und der Regierung – Schutz vor den Emim im Austausch gegen Seher als Sklaven –, der letztlich zur Einführung von Scion geführt hatte. Von der Strafkolonie Sheol I, für die in den Ruinen der Stadt Oxford eine Art spirituelles Leuchtfeuer erschaffen wurde, um die Emim von Zitadellen wie London wegzulocken. Und ich erzählte ihnen, wie ich an jenem Abend in der U-Bahn in die Kontrolle geraten war. Wie ich zwei verdeckte Wachen angegriffen hatte, aus der Wohnung meines Vaters hatte fliehen müssen und dann vom Oberaufseher mit Flux vollgepumpt worden war. Um dann im Straflager wieder aufzuwachen.
Ich erzählte ihnen, wie ich an Arcturus Mesarthim übergeben worden war, auch bekannt als der Wächter – und Nashiras Verlobter –, der mich zur Soldatin ausbilden sollte. Ich erklärte ihnen die Hierarchien in der Strafkolonie, beschrieb ihnen jede der dort vorhandenen Klassen: die elitären Rotjacken, die als Soldaten dienten und dafür mit dem Wohlwollen der Rephaim belohnt wurden; die Akrobaten, die in Slums lebten und lediglich als Auralieferanten dienten; die amaurotischen Bediensteten, die hinter Gittern dahinvegetierten, wenn sie sich nicht gerade zu Tode schufteten. Ich erzählte ihnen, wie die Rephaim die Menschen schlugen und aussaugten, nur um sie wegzuwerfen wie Müll, wenn sie durch ihre Prüfungen fielen.
Langsam wurden unsere Getränke kalt.
Ich erzählte ihnen, wie ich durch Sebs Tod in die nächste Klasse aufgestiegen war. Wie ich mit dem Wächter trainiert hatte. Ich erzählte ihnen von dem Reh und von dem Summer im Wald, und von Julian und von Liss. Von unserem Versuch, Antoinette Carter am Trafalgar Square festzuhalten, was damit geendet hatte, dass Nick auf mich schoss.
Langsam tat mir der Hals weh vom vielen Sprechen, aber ich erzählte ihnen alles, die ganze Geschichte. Bis auf die Wahrheit über meine Beziehung zum Wächter. Bei jedem neuen Detail über die Rephaim sah ich Ekel und Entsetzen in ihren Gesichtern. Sie würden es nicht verstehen, wenn ich ihnen sagte, wie nah ich meinem Hüter gekommen war. Deshalb erzählte ich nichts von den durch Salvia erzeugten Erinnerungen, oder von seiner Musik in der Kapelle, oder von dem einen Mal, als er mich in seine Traumlandschaft gelassen hatte. Laut meiner abgespeckten Beschreibung war er ein zurückhaltendes Geschöpf, mit dem ich kaum ein Wort gewechselt hatte, das mir hin und wieder etwas zu essen gab und mich letztlich freigelassen hatte. Aber natürlich fiel Nick die Lücke in meiner Darstellung auf.
»Eines verstehe ich nicht«, sagte er. »Als man euch zum Trafalgar Square gebracht hat, hätte er dich dortlassen können, aber er hat dich wieder nach Sheol zurückgebracht. Und jetzt behauptest du, er hätte dir geholfen?«
»Damit ich ihm helfe. 2039 hat er versucht, die Sargas zu stürzen. Dafür hat Nashira ihn gefoltert.«
»Und dann beschlossen, ihn zu heiraten?«
»Keine Ahnung, ob das eine etwas mit dem anderen zu tun hatte. Vielleicht waren sie auch schon lange verlobt, bevor sie überhaupt herkamen.«
Eliza verzog das Gesicht. »Na, das ist ja mal eine tolle Verbindung.« Sie hatte die nackten Füße angezogen und lag auf der Seite. »Aber wäre solch ein Verrat nicht ein hinreichender Grund, um das Bündnis zu lösen?«
»Ich denke, das war Teil seiner Bestrafung. Sie wusste, wie sehr er sie hasst. Da war die Qual doch größer für ihn, wenn er als ihr Gefährte bei ihr bleiben musste, gehasst von den anderen Rephaim.«
»Warum hat sie ihn nicht einfach getötet? Warum hat sie nicht alle Verräter umgebracht?«
»Vielleicht ist der Tod keine Strafe für sie«, überlegte Nick. »Immerhin sind sie keine Sterblichen, keine Menschen.«
»Oder vielleicht haben wir Menschen auch Wichtigeres zu tun, als uns darüber den Kopf zu zerbrechen.« Ich starrte wieder auf den Fernseher. »Der Wächter ist jetzt bedeutungslos.«
Lügnerin.
Ich hörte seine Stimme so deutlich, als stünde er hier im Raum, die Erinnerung war förmlich greifbar. Sie jagte leichte Schauer über meine Arme, bis in die Fingerspitzen.
»Glaubst du, dieser Deal läuft immer noch?«, fragte Nick. »Wir sind aus der Kolonie ausgebrochen, was zur Folge hat, dass nun ihr Geheimnis in Gefahr ist.«
»Offenbar schon.« Ich deutete mit dem Kopf auf den Bildschirm. »Meiner Meinung nach hat die erhöhte Sicherheit nichts mit der Novembertide zu tun. Sie müssen jeden auslöschen, der etwas weiß.«
»Und was dann?«, wollte Eliza wissen.
»Dann kommt die nächste Knochenernte, um all die Menschen zu ersetzen, die sie verloren haben.«
»Aber die müssen sie dann irgendwo anders unterbringen«, gab Nick zu bedenken. »Die erste Kolonie können sie nicht weiterbetreiben, nicht nachdem ihr Standort bekannt geworden ist.«
»Es gibt Pläne für ein Sheol II in Frankreich, aber bisher haben sie noch nicht mal mit der Konvertierung begonnen«, erklärte ich. »Ihr oberstes Ziel wird jetzt sein, uns zu finden.«
Es folgte ein kurzes Schweigen. »Der Wächter will den Menschen also helfen«, resümierte Eliza schließlich. »Und wo ist er jetzt?«
»Auf der Jagd nach Nashira.«
»Wir haben keinen Beweis dafür, dass er auf unserer Seite ist, Paige.« Nick legte sein Datenpad beiseite. »Ich traue niemandem. Die Rephaim sind unsere Feinde, bis das Gegenteil einwandfrei erwiesen ist. Und das gilt auch für den Wächter.«
In meinem Inneren brannte es, als hätte mich ein Nagel in den Bauch gestochen, aber Nick stand nur auf und starrte aus dem Fenster.
Ich konnte ihm nicht von dem Kuss erzählen. Dann hielt er mich für komplett irre. Ja, ich vertraute dem Wächter, aber es stimmte auch, dass ich mir einiges an ihm nach wie vor nicht erklären konnte: wer er war, oder was er war.
Eliza beugte sich über den Tisch hinweg zu mir rüber. »Du kommst doch zurück nach Seven Dials, oder?«
»Ich bin ausgestiegen«, erwiderte ich knapp.
»Jax nimmt dich schon wieder auf. In Seven Dials ist es am sichersten für dich, und er ist ein guter Denkerfürst. Er hat dich nie gezwungen, mit ihm zu schlafen. Es gibt weitaus schlimmere Arbeitgeber.«
»Dann bin ich ihm jetzt also etwas schuldig, nur weil er aus mir nicht sein persönliches Freudenmädchen gemacht hat? Weil er nicht so ist wie Hector? Du warst nicht dabei. Dir hat er nicht das hier verpasst.« Ruckartig zog ich meinen Ärmel zurück und zeigte ihr die weiße Narbe auf meinem rechten Arm. »Er ist total irre.«
»Als er das getan hat, wusste er doch nicht, wer du bist.«
»Er wusste, dass er einem Traumwandler die Scheiße aus dem Leib prügelt. Und ich bin der einzige Traumwandler, den wir kennen.«
»Das hilft uns jetzt nicht weiter.« Nick massierte sich die Schläfen. »Eliza, du sagst Jax, dass Paige und ich bald nach Seven Dials zurückkommen werden. Bis dahin müssen wir uns einen Plan zurechtlegen.«
Verwirrt runzelte Eliza die Stirn. »Was denn für einen Plan?«
»Na ja, jemand muss etwas gegen die Rephaim unternehmen. Wir können sie doch nicht einfach mit ihren Knochenernten weitermachen lassen.«
»Das sehe ich ganz anders.« Eliza zog sich ihren Mantel an. »Schau mal, wir haben Paige doch gerettet. Jetzt sollten wir alle einfach … versuchen, wieder an die Arbeit zu gehen. Jax sagt, wir haben eine Menge Geld verloren, seit du verschwunden bist«, wandte sie sich an mich. »Wir brauchen dich dringend im Garden.«
»Ihr wollt mich allen Ernstes auf den Schwarzmarkt zurückschicken?« Fassungslos starrte ich sie an. »Scion ist eine Marionettenregierung. Sie stecken Seher in Todeslager.«
»Wir sind nur kleine Lichter, Paige. Wenn wir schön den Kopf unten halten, werden wir sicher nicht deportiert.«
»Wir sind keine kleinen Lichter. Wir sind die Sieben Siegel, eine der berüchtigsten Banden der Zentralparzelle. Und wenn Scion nicht wäre, müssten wir gar nicht erst den Kopf einziehen. Dann wären wir nämlich keine Kriminellen. Wir müssen das Syndikat versammeln, und zwar schnell, bevor sie den Sensorschirm einführen.«
»Und was sollen wir dann tun?«
»Kämpfen.«
»Gegen Scion?« Kopfschüttelnd fuhr sie fort: »Komm schon, Paige. Da macht die Versammlung der Widernatürlichen niemals mit.«
»Ich werde um eine Audienz ersuchen und ihnen die Lage schildern.«
»Und du meinst, sie werden dir glauben?«
»Na ja, du glaubst mir doch auch, oder nicht?« Als sie mich nur reglos anstarrte, stand ich auf. »Tust du doch, oder?«
»Ich war ja nicht dabei«, antwortete sie lahm. »Hör mal, bestimmt haben sie in dieser Gegend irgendeine Art Gefängnis, aber … aber du standest unter Flux, und das klingt einfach so …«
»Hör auf, Eliza. Ich war ebenfalls dort«, unterbrach Nick sie.
»Ich hatte bestimmt keinen sechs Monate langen Flux-Flash«, zischte ich. »Ich habe gesehen, wie unschuldige Menschen gestorben sind bei dem Versuch, aus diesem Höllenloch zu entkommen. Und das war mit Sicherheit nicht das letzte Mal. Sheol II, Sheol III, Sheol IV. Ich werde garantiert nicht so tun, als wäre das nie passiert.«
Lange Zeit sagte niemand ein Wort.
»Ich richte Jax aus, dass ihr bald wieder da seid«, versprach Eliza schließlich und wickelte sich ihren Schal um den Hals. »Hoffentlich entspricht das auch der Wahrheit. Es gibt bereits Gerüchte, dass du aus seinen Diensten ausgeschieden bist.«
»Und wenn es so wäre?«, fragte ich leise.
»Denk nach, Paige: Ohne eine Gang überlebst du nicht lange, das weißt du ganz genau.«
Sie zog die Tür hinter sich zu. Ich wartete, bis ihre Schritte verklungen waren, erst dann legte ich los: »Sie hat komplett den Verstand verloren. Was meint sie denn, wie es weitergeht, wenn wir erst mal Sensorschirme auf allen Straßen haben?«
»Sie hat Angst, Paige.« Nick seufzte schwer. »Eliza kennt nichts außer dem Syndikat. Schon als kleines Kind ist sie auf der Straße gelandet und dann in irgendeinem schäbigen Loch in Soho groß geworden. Hätte Jaxon sie nicht eingestellt, wäre sie heute wohl ein Leichtes Mädchen.«
Das nahm mir den Wind aus den Segeln. »Ich dachte, sie war beim Theater?«
»Stimmt auch. Dadurch konnte sie ihre Miete bezahlen, aber irgendwann hat sie alles nur noch für Aster und Kneipentouren ausgegeben. Als sie Jaxon begegnete, hat er sofort ihr Talent erkannt. Er verschaffte ihr teure Farben, einen sicheren Schlafplatz und Musen, von denen sie nie zu träumen gewagt hätte. Ich weiß noch, wie sie damals bei uns im Unterschlupf auftauchte. Sie war so überwältigt von allem, dass sie in Tränen ausbrach. Für sie gibt es nichts Wichtigeres, als die Siegel zusammenzuhalten.«
»Wenn sie morgen geschnappt würde, hätte Jaxon innerhalb eines Tages einen Ersatz für sie organisiert, das weißt du doch ganz genau. Wir sind ihm vollkommen gleichgültig, ihm geht es nur um unsere Talente.« Ich rieb vorsichtig die schmerzende Stelle über meinem Auge. »Nick, ich weiß doch, wie schwierig das alles ist. Unvorstellbar schwierig. Aber wenn wir jetzt aufgeben, haben sie gewonnen.«
Nick sah mich wortlos an.
»Die Rephaim wissen, dass das Syndikat ihnen gefährlich werden kann«, fuhr ich fort. »Es ist ein Monster, das sie zwar erschaffen haben, aber nicht kontrollieren können. Bloß, unter der Führung von Hector sind wir nicht mehr als ein Haufen kleiner Diebe. Im Syndikat gibt es Hunderte von Sehern. Es ist organisiert. Es ist mächtig. Wenn wir das Syndikat gegen die Rephaim einsetzen könnten, anstatt die ganze Zeit nur Tarocchi zu spielen und uns gegenseitig umzubringen, könnten wir sie vielleicht loswerden. Ich muss einfach vor der Versammlung der Widernatürlichen sprechen.«
»Und wie? Hector hat kein Treffen mehr anberaumt seit …« Er unterbrach sich kurz. »Hector hat überhaupt noch nie ein Treffen anberaumt.«
»Jeder kann um ein Treffen bitten.«
»Wirklich?«
»Ein bisschen was habe ich als Ganovenbraut schon gelernt.« Ich holte mir Papier und Schreibzeug vom Nachttisch. »Jedes Syndikatsmitglied hat das Recht, einen Aufruf an den Herrn der Unterwelt zu schicken, der dann die Versammlung einberuft.« Ich formulierte mein Schreiben, fügte am Ende noch meine Sektornummer hinzu, steckte das Ganze in einen Umschlag und reichte ihn Nick. »Könntest du das bitte im Zirkulum Spiritistum abgeben?«
Er nahm den Brief. »Das ist ein Aufruf an die Versammlung?«
»Hectors Postfach ist bestimmt voll, er leert es nie. Der Zirkel schickt einen Kurier zu ihm, der das persönlich abgibt.«
»Jaxon geht die Wände hoch, wenn er das mitkriegt.«
»Ich habe gekündigt, schon vergessen?«
»Ohne einen Denkerfürsten wirst du aber wohl nicht weit kommen. Eliza hat recht. Du brauchst eine Gang, sonst schließt das Syndikat dich aus.«
»Ich muss es versuchen.«
Nick schob den Umschlag zwar in seine Tasche, aber er wirkte nicht überzeugt. »So etwas geschieht nicht über Nacht. Sie werden dir kein Wort glauben, und vor allem Hector wird es auch nicht kümmern. Und selbst wenn, stehen dir Jahrzehnte der Tradition und Korruption im Weg. Jahrhunderte sogar. Du weißt doch, was passiert, wenn man die Pferde scheu macht.«
»Dann gehen die Pferde durch.« Ich stützte mich mit beiden Händen auf dem Fensterbrett ab. »Wir können nicht warten. Die Rephaim brauchen Futter, und sie haben nicht mehr viele Seher in ihrer Stadt. Früher oder später werden sie uns holen kommen. Ich weiß nicht, wie wir sie bekämpfen können, ich weiß ja nicht mal, ob wir sie bekämpfen können, aber ich werde bestimmt nicht den Schwanz einziehen und Scion darüber entscheiden lassen, wie mein Leben aussieht. Das kann ich einfach nicht, Nick.«
Stille.
»Nein«, sagte er schließlich. »Ich auch nicht.«

Samantha Shannon

Über Samantha Shannon

Biografie

Samantha Shannon, geboren 1991, wuchs im Londoner Westen auf, wo sie mit fünfzehn das Schreiben begann. Sie hat gerade ihr Literaturstudium am St Anne’s College in Oxford beendet. »Die Träumerin« ist der erste Band einer siebenteiligen Serie um die junge Seherin Paige Mahoney. Die...

Pressestimmen

leser-welt.de

»Originell, spannend und fantastisch - ein Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.«

buechermops.wordpress.com

»Mein persönliches Jahreshighlight 2015«

lesemomente.blogspot.de

»Die letzten 150 Seiten sind extrem spannend. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.«

back-down-to-earth.de

»Ein epischer Fantasyroman voller Originalität.««

collectionofbookmarks.blogspot.de

»Das Universum der Geschichte ist so wunderbar komplex und interessant, dass man sich am liebsten in ihm verlieren möchte, der Schreibstil der Autorin so gekonnt fesselnd, dass man es manchmal vor Spannung gar nicht aushalten kann.«

Freizeit Exklusiv

»Mystische Kräfte, fantastische Wesen und geheime Gilden«

meine-buecherwelt.blogspot.de

»Die Denkerfürsten von Samantha Shannon ist eine spannende Fortsetzung, die vor allem mit überraschenden Wendungen, kurzen Schockmomenten sowie dem großen Ideenreichtum der Autorin punktet. Mit Paige Mahoney wird dem Leser eine unglaublich willensstarke Protagonistin präsentiert, die für ihre Vorstellungen und Ansichten einsteht und trotz Schwierigkeiten nicht von ihrem Ziel abweicht.«

books-are-fantastic.blogspot

»Auch in 'The Bone Season - Die Denkerfürsten' punktet Samantha Shannon mit vielschichtigen Charakteren in einer detailliert beschriebenen, magischen Welt der Zukunft, mit der sie mich verzaubern konnte. Spannend präsentiert sich die Fortsetzung und ich bin abermals überrascht von dem Ideenreichtum der Autorin und der gekonnten Umsetzung.«

Kommentare zum Buch

Erscheinungstermin Dritter Band
Kerstin am 25.08.2017

Hallo, Können Sie mittlerweile etwas genauers zum Erscheinungstermin des dritten Bandes sagen? Danke schön! 

@Marion
Piper-Team am 19.10.2016

Liebe Marion, leider haben wir bislang noch keine genaueren Informationen zum Erscheinungstermin des dritten Bandes. Sollte sich daran etwas ändern, geben wir gerne Bescheid. Herzlich, dein Piper-Team

Dritter Band
Marion am 18.10.2016

Liebes Piper-Team, wann wird denn der dritte Band von "The Bone Season" erscheinen?

The Bone Season - die Denkerfürsten
@ J am 29.09.2016

Liebe J., da das Hardcover ursprünglich beim Bloomsbury Verlag erschienen ist, ist bei Piper bislang noch keine Taschenbuchausgabe geplant. Falls sich daran etwas ändern sollte, geben wir gerne Bescheid. Viele Grüße, dein Piper-Team.

taschenbuch
J am 22.08.2016

Wird der zweite Teil auch noch als Taschenbuch erscheinen und wenn ja wann? Würde mich über eine Antwort sehr freuen

dritter Band
Sandy W. am 12.07.2016

Hallo Piper-Team,   Wird der dritte und alle Folgebände von The bone Season denn jetzt bei Ihnen statt im Berlin Verlag erscheinen? Und gibt es schon ein ungefähres Erscheinungsdatum?

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