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Stimmen der Wildnis

Stimmen der Wildnis

100 Tiere aus aller Welt und ihre Rufe

Hardcover
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Stimmen der Wildnis — Inhalt

Sie bellen, röhren, grollen und flöten – die Kommunikation unserer Tierwelt ist ein melodiöses Abenteuer. Vom sagenumwobenen Heulen des Wolfs und berührenden Gesang des Buckelwals über das kuriose Brummen des Motorradfroschs, Kettensägensummen der Zikade bis hin zum trompetenartigen Ruf des Paradiesvogels: Bildgewaltig und mit zahlreichen integrierten Tonbeispielen setzt der Band 100 Tierarten aller Kontinente und Meere mit ihren Stimmen in Szene. Er nimmt uns mit zu den Elefanten in der afrikanischen Savanne, den Orang-Utans im asiatischen Regenwald und den Kaiserpinguinen im ewigen Eis der Antarktis. Eine fantastische Schau der Tiere, die große und kleine Leser aus dem Sessel und einmal um die Welt lockt.

€ 19,99 [D], € 19,99 [A]
Erschienen am 13.10.2014
Übersetzer: Einhard Bezzel
264 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-89029-447-6

Leseprobe zu »Stimmen der Wildnis«

Die Stimmen der Natur

Der Klang des Vogelliedes im Frühjahr ist Balsam für die Seele nach der langen Stille des Winters. Die kreischenden Rufe der Lachmöwen und die ersten Flötenstrophen der Amsel verkünden, dass eine hellere und wärmere Jahreszeit herannaht. Das Bellen der Rehe am frühen Morgen und das Quaken der Frösche im Teich zeugen davon, dass die Natur wieder auflebt und der Sommer vor der Tür steht.

Wenn es im Spätsommer wieder früher dunkel wird und ich von meinem Balkon das Zirpen der Grillen höre, weiß ich, dass der Herbst da ist. Die in [...]

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Die Stimmen der Natur

Der Klang des Vogelliedes im Frühjahr ist Balsam für die Seele nach der langen Stille des Winters. Die kreischenden Rufe der Lachmöwen und die ersten Flötenstrophen der Amsel verkünden, dass eine hellere und wärmere Jahreszeit herannaht. Das Bellen der Rehe am frühen Morgen und das Quaken der Frösche im Teich zeugen davon, dass die Natur wieder auflebt und der Sommer vor der Tür steht.

Wenn es im Spätsommer wieder früher dunkel wird und ich von meinem Balkon das Zirpen der Grillen höre, weiß ich, dass der Herbst da ist. Die in schnatternden Keilformationen nach Süden ziehenden Gänsetrupps wiederum machen mir bewusst, dass bald der erste Schnee fällt.

Wir nehmen die Welt vor allem mit den Augen wahr. Dennoch sind für uns solche Eindrücke untrennbar mit den Stimmen der Natur verbunden. Viele von ihnen sind leicht zu hören, wie etwa der Gesang der Vögel, weitaus mehr jedoch sind unbekannt, schwer zu erfassen oder gar unhörbar. So kann etwa der Schreckruf eines Rehs leicht mit Hundegebell verwechselt werden. Schwierig wird es, wenn wir einen uns nicht vertrauten Platz aufsuchen, an dem uns die Geräuschkulisse herausfordert und in Spannung versetzt.

Kurz nach der Rückkehr von Tansania legte ich letzte Hand an dieses Buch. Obwohl ich zuallererst Fotograf bin, war mir bewusst, dass es die Stimmen der Tierwelt Afrikas waren, die meine mit nach Hause gebrachten Eindrücke bereicherten. Im Tarangire-Nationalpark schlief ich unter der Plane eines Safarizelts, und wenn ich in der Abenddämmerung hineinschlüpfte, war die Luft von Geräuschen erfüllt: von hohen Zicklauten der Fledermäuse, die Insekten im Lichtkegel der Lampen fingen; feinen, wohltönenden Flötenrufen einer Zwergohreule aus dem nahen Affenbrotbaum; quiekenden Mäusen – und dem Grollen eines Löwen, das vibrierend durch die Nacht drang, als mir die Augen zufielen. Die Löwen kamen näher und näher, und ihr Gebrüll schwoll von Stunde zu Stunde an, sodass mein Feldbett fast darunter erzitterte. In der Morgendämmerung verstummten die großen Katzen und wurden vom Chor der Drosseln, Buschwürger und Papageien abgelöst.

Fast drei Jahrzehnte reiste ich durch die Welt, schrieb, fotografierte und zeichnete Stimmen auf – zu Fuß, auf Kamelrücken, im Kajak oder im Geländefahrzeug mit Allradantrieb. Und doch ist für mich der lieblichste Klang das Lied der Feldlerche im Frühjahr, wenn die jubilierenden Triller hoch am blauen Himmel erklingen.

Ich widme dieses Buch meinen Söhnen Mattias und Kristian.

Jan Pedersen

 

EUROPA

Europa ist der zweitkleinste und am dichtesten besiedelte Kontinent und liegt am Westrand der großen eurasischen Landmasse. Von der Barentssee und der arktischen Taiga bis zur subtropischen Vegetation Südeuropas weist er zahlreiche Lebensräume auf und bietet unzähligen Tieren ein Zuhause. Eine lange Küstenlinie (Inseln und Halbinseln machen ein Drittel der Landfläche Europas aus) verbindet sich mit einem Mosaik von Kulturlandschaften, in das Flecken natürlicher Vegetation eingestreut sind. In der Vergangenheit drohten durch die Bejagung von Großtieren manche Populationen auszusterben. Naturschutzinitiativen, Gesetzgebung und die Wiederherstellung traditioneller Ackerbau- und Gründlandflächen haben zur Rückkehr von Braunbär, Wolf oder Elch geführt. Ursprüngliche Lebensräume existieren noch in den Alpen, den Pyrenäen, auf den Fjälls und im Kaukasus.

 

Rothirsch

Cervus elaphus

Selbst an einem nebligen Morgen beleben die Farben des Herbstes die Szenerie im Jægersborg-Hirschpark nördlich von Kopenhagen. Ein unter Testosteroneinfluss stehender Rothirsch röhrt seinen Brunftschrei aaauuerr aaauuerr. Seit Urzeiten gehört zu seinem Kampf ums Überleben, ein Revier zu verteidigen und Rivalen vom Harem fernzuhalten.

 

Nach dem Elch ist der Rothirsch die größte Hirschart Europas. Mit einer Körperlänge von 165 – 260 cm, einer Körperhöhe von 130 – 160 cm und einem Gewicht bis zu 255 kg – Hirschkühe wiegen bis zu 150 kg – ist er ein mächtiges Tier. Größe und Gewicht variieren allerdings je nach Lebensraum und Unterart. An seinem schlanken Kopf sitzen lange Ohren. Geruchssinn, Gehör und Sehfähigkeit sind hoch entwickelt. Der Sommerpelz, der im Mai angelegt wird, ist rötlich braun. Dieser Farbton weicht mit dem Haarwechsel im September einem dichteren braunen Winterkleid. Das ganze Jahr über sieht man am Hinterende des Rothirschs einen hellen Fleck.

Ein Geweih tragen nur die Männchen. Bis zu einem Alter von etwa zehn Jahren nimmt es an Größe zu, danach gehen die Länge der Stangen und die Zahl der Sprossen allmählich zurück. Jährlich wird das Geweih im März/April abgeworfen, um dann wieder durch ein neues ersetzt zu werden. Das wachsende Geweih ist zunächst mit einer samtartigen, das Wachstum fördernden Haut umgeben, dem Bast. Im Spätsommer reiben die Hirsche das Geweih gegen Baumstämme, um ihn abzustreifen. Das erste Miniaturgeweih wächst, wenn das Männchen ein Jahr alt ist. Von Jahr zu Jahr wird es dann größer und erreicht sechs bis acht Enden an jeder Geweihstange und insgesamt ein Gewicht von bis zu 6 kg.

Hirsche leben einzeln, Hirschkühe bilden mit Jungtieren Herden. In der Brunftzeit treibt ein Hirsch ein oder mehrere Weibchentrupps zusammen und verteidigt sie gegen andere Männchen. Dann wälzt sich der Platzhirsch in einer flachen Mulde im Staub und in seinem eigenen Urin – also seinem Geruch – und signalisiert mit hohen bellenden Lauten, die an Rufe des Braunbären erinnern, den Weibchen seine Stärke. Ist er stark genug, um seine Position zu behaupten, paart er sich mit den Weibchen. Hirschkühe und Jungtiere blöken, Hirschkühe lassen auch ein warnendes Bellen hören.

Paarungszeit ist von September bis Oktober. Die Kitze werden im Mai und Juni nach einer Tragzeit von 225 – 245 Tagen geboren, fast ausnahmslos eines pro Hirschkuh. Zwillinge sind selten. Während der ersten beiden Lebensmonate trägt das Junge ein rotbraunes Fell mit weißen Flecken. Es dient als Tarnung, bis das Kitz kräftig genug ist, um seine Mutter zu begleiten. Die Kitze werden sechs bis zehn Monate gesäugt, dann findet der Übergang zum Pflanzenfresser statt (gelegentlich saugen die Jungen noch bis zu einem Alter von einem Jahr). Hirsche erreichen die Geschlechtsreife nach ein bis drei Jahren, Hirschkühe nach ein bis zwei.

Die Nahrung setzt sich aus Trieben, Blättern, Gras, Kräutern, Pilzen, Eicheln, Nüssen, Borke (vor allem von Fichte und Eiche) sowie Körnern zusammen. Hirschkühe ziehen die dichteren, zentralen Teile von Waldgebieten vor, während Hirsche sich mehr an Waldränder halten. In Bergländern weiden Hirsche in größeren Höhen als Hirschkühe, die sich stets an die besten Weidegründe halten.

Rotwild ist in Europa, Asien und Nordafrika weit verbreitet und kommt vor allem in Laubwald, in der Macchie, in Parks, Bergwäldern, Heidelandschaften und Mooren vor. In den meisten Gebieten lebt Rotwild in lokalen Populationen, die durch Straßen, Zäune und andere Hindernisse voneinander räumlich isoliert sind. Die größten Bestände finden sich im südlichen Skandinavien, im nördlichen und mittleren Europa, in Schottland und in der Türkei. Kleinere Vorkommen gibt es in England, Irland, Frankreich, Spanien und Italien, auf dem Balkan, in den baltischen Staaten, auf Sardinien und im Atlasgebirge. Die Art wird als nicht gefährdet eingestuft.

 

Rotfuchs

Vulpes vulpes

In einer mondhellen Dezembernacht verfolgt ein Fuchs seine Spur im Schnee zurück in einen Garten, bewegt sich schnüffelnd ums Haus und zieht sich wieder lautlos in den Wald zurück. Ein Furcht einflößender Schrei dringt durch die Dunkelheit. Nicht nur der Nahrung wegen ist der Fuchs jetzt aktiv – die Paarungszeit steht bevor, und weiter entfernt antwortet ein Rivale. Ein Fuchs unmittelbar an menschlichen Siedlungen ist überraschend. Doch nicht von ungefähr gelten Füchse als die anpassungsfähigsten und am weitesten verbreiteten tierischen Jäger der Welt.

Die normale Farbvariante ist rot, doch können manche grauer oder brauner sein. Im Bergland tragen Füchse oft einen silbrig schwarzen Pelz. Das dünnere Sommerfell macht mit haarlosen Stellen oft den Eindruck, als es sei von Motten zerfressen. Der neue Pelz beginnt von den Beinen an zu wachsen und erreicht etwa im August den Schwanz. Dieser ist 32 – 48 cm lang und endet oft in einer schwarzen Spitze, die mit einigen weißen Haaren durchsetzt ist. Die spitzen, nach oben gerichteten Ohren sind 8,5 – 10 cm lang und auf der Hinterseite schwarz gezeichnet. Schwarze Gesichtszeichnung in Kombination mit weißen Wangen und einer langen Nase geben dem Fuchs sein charakteristisches Aussehen, allerdings variiert es geografisch. Bei Füchsen sind die Beine etwas kürzer als bei ihren Verwandten Schakal und Wolf. Rechnet man den Schwanz nicht mit, erreichen Füchse eine Körperlänge von 58 – 90 cm und eine Höhe von 35 – 40 cm. Rüden wiegen im Mittel 6,7 kg, Weibchen (Fähen) 5,4 kg.

Füchse verfügen über ein reiches Lautrepertoire, 28 verschiedene Rufe hat man registriert. Am bekanntesten ist ein harsches bellendes wao-wao-wao, das oft von mehreren Tieren gleichzeitig zu hören ist. Dazu kommt ein hohes Kreischen während der Paarungszeit, das vor allem Weibchen hören lassen. Soziale Rufe umfassen eine Vielfalt von quiekenden, fiependen, heulenden, zischenden, knurrenden und grummelnden Lauten, je nachdem, ob die Tiere Aggression, Dominanz oder Unterordnung kundtun wollen. Um die Jungen zu warnen und sie bei Gefahr in den Bau zu scheuchen, geben die Fähen ein einsilbiges, kurzes Bellen von sich. Füchse kommunizieren auch mit einem komplexen Netz von Gerüchen. Sie markieren ihre Reviere mit Urin und setzen ihren Kot an exponierten Stellen gewissermaßen als »Visitenkarte« ab.

Außerhalb der Paarungszeit leben die Rüden allein und halten sich in der Umgebung der locker zusammenhaltenden Familie aus miteinander verwandten Weibchen und halbwüchsigen Jungen auf. Junge Weibchen und solche ohne eigenen Nachwuchs helfen bei der Fütterung und Betreuung der Jungen, die oft nur von dominanten Weibchen stammen. Fuchsbaue können sehr groß sein und werden in Bodenwellen, am unteren Rand eines Abhangs, in Bahndämmen, in der Nähe von Gebäuden oder in einem leeren Kaninchenbau angelegt. Manchmal teilen sich Füchse ihre Höhlen mit Dachsen.

Nach der von Dezember bis Februar währenden Paarungszeit und einer Tragzeit von 52 – 53 Tagen werden von März bis Mai die Jungen geboren. Die rund 100 g schweren Jungen kommen blind und taub auf die Welt; ihr Pelz ist schwärzlich. Im Mittel besteht ein Wurf aus vier bis fünf Jungen; ein Weibchen bekommt einmal pro Jahr Junge. In den ersten zwei oder drei Wochen brauchen die Jungtiere die Körperwärme der Mutter. Pro Tag nehmen sie etwa 50 g zu. Wenn ihnen nach sieben oder acht Wochen die Milchzähne gewachsen sind, gleichen sie einer Miniaturausgabe ihrer Eltern. Die Entwöhnung von der Mutter beginnt mit sechs Wochen, doch können Jungfüchse noch bis zu zwölf Wochen saugen.

Das Männchen hilft bei der Fütterung der Jungen und versorgt auch die Fähe mit Nahrung, wenn sie die Jungen säugt. Sind die Jungtiere entwöhnt, bringt das Männchen Beute zum Bau, reinigt ihn und spielt mit dem Nachwuchs. Eine Fuchshöhle mit Jungfüchsen ist ein übel riechender Ort; Knochen, Federn und Nahrungsreste sind um den Eingang verteilt, ihr Geruch lockt Fliegen und andere Insekten an. Die Jungen bleiben bis zu ihrer Selbstständigkeit im Herbst bei der Mutter. Im ersten Lebensjahr beträgt ihre Sterblichkeit bis zu 80 Prozent. Viele Jungfüchse werden Opfer des Straßenverkehrs oder verhungern. Die maximale Lebenserwartung liegt bei zehn Jahren.

Rotfüchse sind Opportunisten und fressen jeweils, so viel sie können und was immer sie finden. Gutes Nahrungsangebot hat sie auch in die Innenstädte gelockt, wenngleich sich die meisten auf die Vorstädte konzentrieren. Hier können sich bis zu fünf Familien pro Quadratkilometer ansiedeln. In kargem Hochland lebt dagegen oft nur eine Familie auf 40 km2. Etwa 500 g Nahrung täglich braucht ein Fuchs: Insekten, Würmer, Frösche, Nagetiere, Igel, Vogeleier und -nestlinge, Rehkitze, Aas, Fallobst, Beeren, Körner, Vogelfutter, organischen Abfall, Kompost, kleine Katzen, Hunde und Geflügel. In städtischen Lebensräumen regulieren Füchse die Bestände von Wildkaninchen und Ratten. In der Regel jagen sie nachts und in der Morgen- und Abenddämmerung und können auf der Nahrungssuche 15 – 20 km zurücklegen. In Agrarlandschaften ernähren sich Füchse vor allem von kleinen Nagetieren.

In nahezu allen Lebensräumen gibt es Füchse. In Skandinavien, Russland und Nordamerika hat sich der Rotfuchs auf Kosten des Polarfuchses weiter nach Norden ausgebreitet. In Europa ist er (mit Ausnahme von Island) häufig, ebenso in Nordafrika (einschließlich Ägyptens und des Sudans), in Nordamerika und Asien (in östlicher Richtung bis China und Japan, in südlicher Richtung bis Indien und Vietnam). In Australien als Neubürger eingeführt, üben Füchse einen verheerenden Einfluss auf die einheimische Fauna aus. Als Träger des Tollwuterregers wurden sie lange Zeit intensiv gejagt, haben aber die Gebiete, in denen sie ausgerottet wurden, meist rasch wieder besiedelt. In einigen Gegenden sind Füchse gelegentlich der Räude ausgesetzt, die oft zum Tod führt. Doch auch hier neigen die Bestände dazu, sich rasch wieder zu erholen. Nur in Gebieten, in denen Wolf, Luchs oder andere im Vergleich zu den Füchsen große Beutegreifer zunehmen, deuten sich Rückgänge des häufigsten und vielseitigsten Jägers der Welt an.

 

Reh

Capreolus capreolus

Als ein Fuchs an einem Frühlingsmorgen die Wiese quert, hallt ein hundeartiges Gebell vom Waldrand durch die Stille. Ein anderer Fuchs? Nein, eine Rehgeiß, die ihren Alarmruf ausstößt, aufgeregt wegen ihres neugeborenen Kitzes, das irgendwo zwischen den Gräsern im Verborgenen liegt.

 

Mit 95 – 135 cm Körperlänge, 65 – 75 cm Höhe und einem Gewicht von 15 – 30 kg ist das Reh der kleinste unter den acht in Europa wild lebenden Hirschen. Beide Geschlechter sind etwa gleich groß und tragen ein Fell, das im Sommer rötlich braun und im Winter graubraun gefärbt ist. Von März bis Juni können die Tiere recht zerrupft aussehen, da sie ihr Sommerkleid anlegen. Im Oktober/November wächst dann wieder rascher das dichtere Winterfell. Am Hinterende tragen beide Geschlechter einen gelblich weißen Fleck, den Spiegel. Böcke haben einen weißen Fleck am Kinn und beiderseits der Oberlippe und sind daran auch zu erkennen, wenn sie kein Geweih tragen. Das Rehgeweih hat höchstens drei Spitzen, Jährlinge haben keine Sprossen. Das Geweih wächst während des Winters und ist dann von einem samtartigen Bast überzogen, der im Mai/Juni abgerieben wird. Geweihe werden etwa 25 cm lang und von Oktober bis Januar abgeworfen.

Der Alarmruf ist ein kurzes, raues Bellen, das oft wiederholt wird. In der Brunftzeit hört man von Böcken auch ein pfeifendes Schnauben. Mit lautem Fiepen ruft das Weibchen das Kitz, das ebenso antwortet. Der Bock markiert sein Revier mit Duftdrüsen an Kopf und Hufen, die Gerüche hinterlassen.

Das Revier eines voll erwachsenen Bocks überlappt sich oft mit dem Aufenthaltsgebiet mehrerer Geißen. Auch Weibchen können gegen Geschlechtsgenossinnen Reviere behaupten, akzeptieren aber immer ihren eigenen Nachwuchs. Die dominanten Böcke richten sich während der Brunftzeit im Juli und August in den besten Revieren ein. Nach der Paarung wird die Entwicklung im Mutterleib für etwa 150 Tage unterbrochen und dadurch sichergestellt, dass die Kitze im Frühjahr nach einer Tragzeit von 144 Tagen geboren werden. Pro Jahr werfen die Weibchen einmal, meist mehr als ein Kitz: 75 Prozent sind Zwillingsgeburten, fünf Prozent Drillinge. Die Jungen sind rotbraun mit weißen Flecken. Dieses Muster bietet ihnen eine gute Tarnung, wenn sie in den ersten Wochen in der Krautschicht versteckt liegen, während ihre Mutter weidet. Nach sechs bis zehn Wochen werden die Kitze allmählich entwöhnt und bleiben etwa ein Jahr bei der Mutter, bevor sie im Folgejahr vor der Geburt der neuen Jungen vertrieben werden. Mit einem Jahr erreichen die Jungtiere die Geschlechtsreife. Ihre Lebenserwartung beträgt sieben bis acht, in seltenen Fällen bis zu 20 Jahre.

Die Nahrung besteht aus einer proteinreichen Mischung aus Kräutern, Pilzen, Blättern, Schösslingen, Beeren und zellulosearmen Gräsern. Rehe äsen auch auf frisch gesäten Feldern sowie in Parks und Gärten. Hier bevorzugen sie Blumen, Knollen und Früchte. Im Winter ernähren sie sich von Knospen, Zweigen und Kräutern, die bei rauem Wetter oft schwer zu finden sind. In kalten Wintern ist die Sterblichkeit daher hoch.

Der Lebensraum ist der Wald mit offenen Grünflächen und Feldern, die etwas Deckung bieten. In Europa sind Rehe überall häufig mit Ausnahme von Irland, Portugal, Griechenland, Nordskandinavien, Süditalien und den Mittelmeerinseln.

Jan Pedersen

Über Jan Pedersen

Biografie

Jan Pedersen ist prämierter schwedischer Fotograf, Abenteurer und Autor zahlreicher Tierbücher, unter anderem über unsere Vogelwelt und Wildtiere. Er war nach seinem Studium Inspektor in Schwedens Naturschutzgebieten und leitete mehr als 25 Jahre naturkundliche Expeditionen in die ganze Welt. Von...

Pressestimmen

Schwäbische Zeitung

»Dieser fabelhafte Bildband des schwedischen Fotografen (...) macht einfach tierischen Spaß.«

Iserlohner Kreisanzeiger

»Pedersens multimediales Buchprojekt eignet sich ausgezeichnet als ebenso unterhaltsames wie auch bildungsintensives Weihnachtsgeschenk für Tierfreunde jeden Alters.«

SG Stadt Gottes (A)

»Eine fantastische Tierschau für alle Generationen!«

erlebe wigner!

»Eine phantastische Schau der Tiere, die alle Generationen aus dem Sessel lockt und um die Welt führt.«

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