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Stiller HassStiller Hass

Stiller Hass

Kriminalroman

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Stiller Hass — Inhalt

In einer kalten Märznacht kommt ein Krankenwagen in der Nähe von Ringkøbing von der Fahrbahn ab. Der Patient ist ein zu lebenslanger Haft verurteilter Mörder, der nach dem Unfall spurlos verschwindet. Als kurz darauf ein Pfarrer und ein Landwirt ermordet werden, wird Kommissarin Rebecca Holm zu den Ermittlungen hinzugezogen. Bei einem der Opfer findet sie ein altes Foto, auf dem sechs jungen Leute abgelichtet sind. Darunter nicht nur die beiden Toten, sondern auch der entflohene Mörder, dessen Rachefeldzug gerade erst begonnen hat.

Erschienen am 01.03.2016
Übersetzer: Hanne Hammer
368 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30814-4
Erschienen am 01.03.2016
Übersetzer: Hanne Hammer
368 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97126-3

Leseprobe zu »Stiller Hass«

Prolog


Blaue Blitze zerrissen den schwarzen Himmel und ließen die stumme Landschaft erzittern.
Das Beben übertrug sich auf die umstehenden Baumkronen, rüttelte leicht an den skelettartigen Ästen und machte die Vögel unruhig. Es war die kälteste Februarnacht seit vielen Jahren, und alles war mit einer dünnen Schicht Raureif bedeckt. Der Mond glitt aus dem schwarzen Himmelsteppich hervor und warf sein Licht auf das Gefängnis, das wie ein schwarzer Koloss in der Dunkelheit aufragte. Lautlos öffnete sich das Gefängnistor, und zwei Sanitäter schoben schnell [...]

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Prolog


Blaue Blitze zerrissen den schwarzen Himmel und ließen die stumme Landschaft erzittern.
Das Beben übertrug sich auf die umstehenden Baumkronen, rüttelte leicht an den skelettartigen Ästen und machte die Vögel unruhig. Es war die kälteste Februarnacht seit vielen Jahren, und alles war mit einer dünnen Schicht Raureif bedeckt. Der Mond glitt aus dem schwarzen Himmelsteppich hervor und warf sein Licht auf das Gefängnis, das wie ein schwarzer Koloss in der Dunkelheit aufragte. Lautlos öffnete sich das Gefängnistor, und zwei Sanitäter schoben schnell eine Trage in den wartenden Rettungswagen, der kurz darauf mit Sirene und Blaulicht durch die Nacht sauste.
Der Patient auf der Trage stöhnte laut. Er war blass, auf seiner Stirn standen Schweißperlen. Sein T-Shirt war aufgeschnitten und entblößte den Brustkorb, auf dem blaue Elektroden klebten.
» Wo genau tut es weh ? « Der junge Sanitäter betrachtete den Mann auf der Trage konzentriert. Es war ein wahrer Hüne – weshalb er wohl einsaß ?
» Hier «, flüsterte der Mann und zeigte auf seinen Brustkorb. » Es krampft ganz furchtbar, und es kribbelt im linken Arm . . . «
Der Sanitäter warf einen Blick auf den kleinen Herzmonitor über der Trage.
» Merkwürdig, Ihr Herzrhythmus sieht auf den ersten Blick ganz normal aus. «
» Ich bekomme ganz schlecht Luft . . . «
Der Mann keuchte und wand sich leicht auf der Trage. Der Sanitäter fingerte hektisch an dem Gerät herum und bat mit leicht schriller Stimme den Kollegen im Führerhaus, doch schneller zu fahren.
Es waren zehn Kilometer bis ins Krankenhaus in Horsens.
Während er in Gedanken die Anwendung des Defibrillators durchging, falls es zu einem Herzstillstand kommen sollte, warf der Sanitäter einen besorgten Blick auf den Patienten. Er machte seinen Job erst seit zwei Monaten und war noch immer unsicher, wenn sie Patienten im Wagen hatten, die in Lebensgefahr schwebten. Nicht auszudenken, wenn er am Tod eines Menschen schuldig wäre.
Der Patient hatte die Augen geschlossen und atmete stoßweise. Der Sanitäter sah auf den Monitor. Das Elektrokardiogramm zeigte noch immer keine Anomalien. Da der Patient ei­nigermaßen stabil wirkte, griff der junge Mann nach dem Rettungsdienstprotokoll, das ausgefüllt werden musste.
Sie fuhren schnell, und der Wagen schwankte. Deshalb rutschte ihm der Stift mehrmals auf dem Papier aus und hinterließ einige lange Striche. Der Sanitäter machte ein paar Notizen, schrieb noch ein EKG und überprüfte, ob der Zugang, den er beim Eintreffen im Gefängnis gelegt hatte, noch ordnungsgemäß saß. Dann schloss er die Finger um das Handgelenk des Patienten. Der Puls war regelmäßig. Forschend betrachtete er den Mann auf der Trage. In diesem Moment öffneten sich die Lider des Patienten. Ihre Blicke begegneten sich kurz, dann erstarrte der junge Sanitäter. Er gab einen überraschten Laut von sich und schaffte es kaum noch, sich von seinem Klappsitz zu erheben, bevor ihn auch schon der erste Schlag ins Gesicht traf.
Der Rettungswagen raste durch die Nacht. Auf der Landstraße waren so gut wie keine anderen Autos unterwegs. Der Wagen beschleunigte. Plötzlich geriet er kräftig ins Schleudern, schoss auf die gegenüberliegende Fahrbahn, drehte sich um sich selbst und kam mit einem lauten Krachen von der Straße ab.
Dann war wieder alles still. Ganz still. Nach einigen Minuten kroch eine Gestalt aus dem verunglückten Fahrzeug und verschwand in der Dunkelheit.



Rebekka erwachte davon, dass jemand weinte.
Verwirrt richtete sie sich im Bett auf. Ein schmaler Streifen Morgenlicht drang durch einen Spalt zwischen den Gardinen, und es vergingen einige Sekunden, bis sie begriff, dass sie selbst es war, die geweint hatte. Sie führte die Hände zum Gesicht, spürte ihre warmen, nassen Wangen und wusste mit jedem Schluchzer, der ihren Körper erbeben ließ, dass es leider kein böser Traum war, aus dem sie gerade erwacht war, sondern grausame Wirklichkeit. Ihr geliebter Vater war tot. Für immer aus ihrem Leben verschwunden.
Sie schniefte laut, während sie sich an die letzten Tage erinnerte. Es hatte so gut angefangen. Ihrem Vater war eine neue Lunge transplantiert worden, nachdem er jahrelang an einer Lungenfibrose gelitten hatte und rund um die Uhr an ein Sau­er­stoffgerät angeschlossen gewesen war. Die Operation war planmäßig verlaufen, doch anschließend hatte er sich eine schlimme Infektion zugezogen, und seine Organe hatten langsam versagt.
Das Krankenhaus hatte sie benachrichtigt, und sie hatte ein paar bewegende Minuten mit ihm verbracht, in denen er ihr das Geheimnis seines Lebens anvertraut hatte. Er hatte noch einen Sohn, der ein paar Jahre älter war als sie. Sie hatte also einen Halbbruder, von dem sie bisher nichts gewusst hatte.
Um sich ein bisschen zu beruhigen, war Rebekka nach unten auf den Parkplatz vor dem Krankenhaus gegangen und hatte eine Zigarette geraucht. Währenddessen hatte ihr Vater seinen letzten Atemzug getan. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Ihr Vater war tot, und sie war nicht bei ihm gewesen, als er gestorben war. Das würde sie sich nie verzeihen. Oder ihm. Sie wusste, dass sie sich im Lauf der Zeit damit würde aussöhnen müssen, doch im Moment erschien ihr das völlig unmöglich. Reiß dich zusammen. Steh auf und komm in die Gänge, er­­mahnte sie sich, aber sie schaffte es nicht. Sie blieb einfach liegen – außerstande, sich zu rühren.


——


Eine Stunde später kämpfte sie sich schließlich aus dem Bett, fest entschlossen, nicht mehr zu weinen. Sie spürte den rauen Kokosteppich unter ihren nackten Füßen, und eine frühe Kindheitserinnerung drängte sich ihr auf. Sie erinnerte sich an die roten Abdrücke auf ihren Knien, die leicht gebrannt hatten, wenn sie und ihr kleiner Bruder Robin stundenlang auf dem Teppich gesessen und mit Lego gespielt hatten. Sie meinte plötzlich, sein heiseres Kinderlachen im Zimmer zu hören, und die Sehnsucht regte sich. Sie schlüpfte in ihre Jeans und schnallte den Gürtel ein Loch enger als sonst. Dann fuhr sie sich durch die langen, dunklen Haare und ging nach unten, wo sie ihre Mutter in der Küche hantieren hörte.
» Guten Morgen. «
Rebekka steckte den Kopf in die kleine Küche, in der ihre Mutter gerade abspülte.
» Guten Morgen. « Ihre Mutter drehte sich zu ihr herum und nickte in Richtung der roten Thermoskanne, die auf dem Tisch stand. » Kaffee ist in der Kanne. «
Aus dem Schrank holte sich Rebekka eine Tasse, auf die eine rote Vier gedruckt war. Die Glückszahl ihres Vaters. Und ihre. Sie goss sich von dem dampfenden, schwarzen Kaffee ein und sah ihre Mutter lange an.
» Wie geht es dir, Mama ? «
Die Mutter hörte auf, das Besteck zu schrubben, und stand einen Moment schweigend da.
» Ich kann nicht verstehen, warum ich so hart bestraft werde. « Ihre Stimme zitterte. » Zuerst verliere ich meinen einzigen Sohn und jetzt meinen Mann . . . «
Rebekka stellte die Kaffeetasse ab, ging zu ihrer Mutter und legte ihr eine Hand auf den kräftigen Rücken. So blieben sie kurz stehen. Dann schüttelte die Mutter ihre Hand mit einem kleinen Seufzer ab und meinte : » Wir müssen noch Papas Sachen sortieren. «
» Das stimmt. Aber schaffst du das denn ? «
Rebekka sah ihre Mutter fragend an.
» Es geht nicht darum, was ich schaffe. Es geht darum, was ich tun muss «, antwortete sie entschlossen, trocknete sich die Hände gründlich an dem Geschirrtuch ab und begann im Unterschrank unter der Spüle zu kramen.
» Ich kann das machen «, schlug Rebekka vor, obwohl sie wusste, dass ihre Mutter ihr Angebot ablehnen würde. Aber sie brannte darauf, etwas zu tun, irgendetwas, statt nur mit ihrer Mutter in dem engen Haus zu sitzen.
» Danke, Rebekka, aber du weißt doch nicht, wer was bekommen soll «, sagte ihre Mutter. » Aber jetzt muss ich den Kuchenteig anrühren. Inge und Kjeld kommen später vorbei. «
» Inge und Kjeld ? «
» Unsere Nachbarn, Inge und Kjeld. Sie waren auch auf der Beerdigung. Kannst du dich nicht an sie erinnern ? Sie wohnen ein paar Häuser weiter. Sie waren . . . oder vielmehr sind unsere engsten Freunde. Sie sind alles, was mir geblieben ist . . . und du natürlich. «
Ihre Mutter seufzte und suchte die Zutaten für den Kuchen zusammen. Rebekkas Blick wanderte nach draußen. Der Garten wirkte vernachlässigt. Bäume und Büsche standen nackt und schwarz da, und der Rasen war lehmig mit vereinzelten verdorrten Grasbüscheln hier und dort. Sie kam sich plötzlich verloren vor. Inge und Kjeld waren mehr, als sie selbst im Moment hatte. Hier in ihrer Heimatstadt Ringkøbing gab es niemanden, dem sie sich anvertrauen konnte. Ihr Freund Niclas war weit weg in Stockholm. Dorte, ihre beste und einzige Freundin, hatte nur Augen für ihren neuen Freund, und Rebekkas Kollege Reza war an ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz, dem Polizeipräsidium in Kopenhagen. Obwohl sie mit allen in den letzten Tagen mehrmals telefoniert hatte, schienen sie ihr unendlich weit weg.
» Willst du nicht frühstücken, Rebekka ? «
Die Frage ihrer Mutter holte Rebekka zurück in die Wirklichkeit. Sie nickte geistesabwesend und nahm eine Packung Weizen-Poppies aus dem Schrank. Dass ihre Eltern die immer noch kauften. Die gepufften Weizenkörner mit Honig waren das Lieblingsgericht von ihr und Robin gewesen, sie hatten sie zu jeder Tages- und Nachtzeit essen können, und an ihren Geburtstagen hatten sie zur Feier des Tages statt Milch Kakao nehmen dürfen.
Rebekka setzte sich an den kleinen, runden Ecktisch. Vor ihr lag das Ringkøbing-Skjern Dagblad. Geistesabwesend warf sie einen Blick in die Zeitung, während sie sich langsam einen Löffel nach dem anderen in den Mund schob.
» Hast du das gelesen ? «
Rebekka sah von ihren Weizen-Poppies auf. Ihre Mutter zeigte mit dem Finger auf einen kurzen Artikel mit der Überschrift : Mörder erschlägt Sanitäter und flüchtet aus Rettungswagen.
» Nein, ich habe meinen Gedanken nachgehangen. «
» Das solltest du aber lesen. Das muss man sich einmal vorstellen ! Da hat ein Häftling den einen Sanitäter umgebracht, und der andere ist schwer verletzt. Das Todesopfer war erst dreiundzwanzig. « Sie seufzte laut. » Ja, da hat noch eine Mutter ihren Sohn verloren. «
» Das ist wirklich traurig «, stimmte Rebekka ihr zu.
» Ich verstehe nicht, warum niemand von euch mitfährt, wenn ein so gefährlicher Häftling ins Krankenhaus überführt wird ! « Ihre Mutter sah sie vorwurfsvoll an.
Rebekka zuckte mit den Schultern. » Es gibt kein Geld für zusätzliches Bewachungspersonal. Es fehlt an Ressourcen, du weißt schon. Das erhöht natürlich das Risiko, dass ein Häftling die Chance nutzt und abhaut. «
Ihre Mutter schüttelte langsam den Kopf.
» Ich finde, es passiert so viel Schreckliches da draußen . . . das weißt du natürlich, Rebekka, aber trotzdem. Man hat das Ge­­fühl, als würde es gar nicht mehr aufhören. «


——


Irgendetwas hatte Ernst geweckt. Ein Geräusch ? Er blinzelte und sah sich in dem spartanisch eingerichteten Schlafzimmer um. Wie auf Kommando drehte Rufus sich in seinem Hundekorb – und schon diese Bewegung ließ ihn winseln.
Das arme Tier, dachte Ernst. Bald konnte er es nicht länger hinausschieben. Rufus würde im Mai vierzehn Jahre alt werden. Er hörte so gut wie nichts mehr, und was das Sehen anging, war es nicht viel besser. Das hieß, dass er ständig gegen Möbel und Wände lief – und seine Beine waren steif vom Rheuma. Genau wie seine eigenen.
Etwas Schweres legte sich auf seinen Brustkorb und ließ ihn nach Luft schnappen. Ernst zog sich die dünne Steppdecke bis zum Kinn, der Kachelofen in der Küche musste ausgegangen sein, und der Gedanke, die nackten Füße auf den kalten Boden zu stellen, verursachte ihm eine Gänsehaut.
Er würde noch etwas liegen bleiben. Nur ein paar Minuten. Das konnte er sich erlauben. Niemand wartete auf ihn. Er hatte keine Pläne. Gestern nicht, heute nicht und morgen nicht.
Irgendwo dort draußen sang eine Amsel, und Ernsts Blick wanderte zu dem kleinen Fenster über dem Bett, vor das er nie eine Gardine gehängt hatte, obwohl er inzwischen seit über zwanzig Jahren auf dem Hof wohnte. Ein paar graue Wolken zogen über den weißen Himmel, doch es herrschte ein ganz besonderes Licht. Neulich, als er seine übliche Runde über das Grundstück gedreht hatte, hatte er überall Anemonen in der feuchten, schwarzen Erde gesehen, ein sicheres Zeichen, dass der Frühling im Anmarsch war.
Es raschelte im Hundekorb. Ernst drehte sich um und sah in Rufus’ runde, braune Augen. Das Tier richtete sich langsam auf, setzte die steifen Pfoten auf den Boden und schaffte es nach mehreren Versuchen schließlich, auf die Beine zu kommen.
» Soso, Rufus «, murmelte Ernst und spürte einen Kloß im Hals. » So, alter Junge. «
Der Hund winselte leise. Ernst schlug die Steppdecke zur Seite und schwang die Beine über die Bettkante.
Ein kalter Luftzug traf ihn, und er stand fröstelnd auf. Rufus wedelte freudig mit dem Schwanz und kam ihm auf steifen Beinen entgegen. Ernst spürte das struppige Fell an seiner Haut und beugte sich zu ihm hinunter, um ihn zu streicheln. Der Schwanz des Hundes schlug eifrig von einer Seite zur anderen, und wieder wurde ihm eng um die Brust. Er räusperte sich und zwang sich, seine Konzentration auf die immer gleichen Tätigkeiten zu richten. Ein Tag glich dem anderen, nur das Wetter wechselte, aber der tägliche Trott hatte auch seine kleinen Freuden. Er dachte an eine Tasse starken Kaffee und ging in die Küche.
Dort füllte er Kaffee in den Topf, füllte mit Wasser auf und stellte ihn auf den Gasherd. Er griff nach der Streichholzschachtel am Fenster, das auf den kleinen, zugewachsenen Hofplatz hinausging. Nach drei Versuchen ging das Feuer an, und er sah einige Sekunden in die bläuliche Flamme. Rufus rumorte hinter ihm herum, der Fressnapf kratzte über den abgenutzten Boden, und Ernst holte die letzte Tüte Hundefutter aus dem hintersten Fach des Küchenschranks. Mit zitternden Händen riss er die Tüte auf und schüttete das Futter in eine Schüssel. Es raschelte laut, und er spürte die Vorfreude des Hundes, während sich der Kaffeeduft in der Küche ausbreitete. Sein Rücken tat weh, als er sich hinunterbeugte und die Schale auf den Boden stellte. Rufus’ feuchte Schnauze streifte seine Hände, bevor er sich wieder aufrichtete. Der Kaffee brodelte auf dem Herd. Ernst holte das Sieb und seihte die schwarze Flüssigkeit durch, wobei ihm der Kaffee­duft in die Nase stieg.
Das war der beste Geruch, den er kannte.
Ein ungewohnter Laut drang plötzlich an seine Ohren. Waren das Schritte auf dem Kies ?
Er schaute aus dem Fenster und ließ den Blick über den Hof, die Büsche und die nackten Bäume wandern, die sich durch den dauernden Wind nach Osten neigten. Selbst die Allee, die zur Landstraße führte, lag verlassen da. Alles sah aus wie immer. Da war niemand. Ernst kniff die Augen zusammen, während er die Tasse zum Mund führte und vorsichtig einen Schluck trank. Jetzt war das Geräusch wieder da. Leise, aber trotzdem . . . Irgend­etwas war da draußen . . . Oder irgendjemand ?
Er stellte die Kaffeetasse auf die rissige Tischplatte, zog den Riegel zur Seite und öffnete die Tür. Die feuchte Luft war kühler als erwartet, aber es roch frisch. Ernst horchte, doch das Ge­­räusch war nicht mehr da, und bis auf Rufus’ Schmatzen war nichts zu hören. Er wollte gerade die Tür wieder schließen, als sein Blick auf die Steine fiel, die auf der Treppenstufe vor ihm lagen.
Zuerst begriff er nicht, was er da sah – als wäre seine Sicht verschleiert, unscharf. Er blinzelte, starrte die Steine an und stand einen Augenblick unbeweglich da, während die Botschaft langsam ankam.
Die Steine auf der Treppe bildeten das Wort STIRB. Ernst schluckte. Was sollte das ? Dann dämmerte es ihm langsam. Jemand hatte die Steine so hingelegt, um ihm Angst einzujagen. Aber wer ? Er hob den Blick und sah sich schnell um, war sich der plötzlichen Gefahr bewusst. Niemand war zu sehen. Wieder be­­trachtete er die Steine und spürte die Wut in sich aufflammen. Diese Motorradlümmel würden ihm keine Angst einjagen, verdammt ! Er trat nach den Steinen und streifte dabei die Türschwelle mit den nackten Zehen, schluckte den Schmerz aber hinunter. Er wollte gerade zurück zu seinem Kaffee gehen, als ihm auffiel, dass die Tür zum Schweinestall offen stand. Die Tür bewegte sich im Wind.
Verdammt . . .
Barfuß stürzte er nach draußen. Er spürte die Kälte kaum, nur die Wut, die in ihm aufwallte. Nun wusste er, wer hinter der Schikane steckte. Es war nicht das erste Mal, dass er mit den Motorradrockern von Skjern aneinandergeriet. » Black Devils « nannte sich dieser Abschaum. Die acht bis zehn Mann hielten sich für gewöhnlich in einem baufälligen Klubhaus auf der anderen Seite der Landstraße auf und bretterten zum großen Verdruss der umliegenden Hausbesitzer unablässig auf ihren getunten Maschinen die Landstraße entlang. Er hatte sich schon mehrmals bei der Polizei beschwert, aber man könne nichts unternehmen, wenn keine kriminelle Handlung vorliege, hatte man ihm gesagt.
Deshalb hatte Ernst die Sache selbst in die Hand genommen. Er hatte die Motorradlümmel angeschnauzt und ihnen gedroht, wenn sie an ihm vorbeigedonnert waren. Doch auch das hatte nichts bewirkt, ganz im Gegenteil. Sie hatten die Schikanen nur noch verschärft und hielten nun regelmäßig an seiner Einfahrt, um die Motoren ihrer Maschinen aufheulen zu lassen, ein Ge­­räusch, das ihn beinahe in den Wahnsinn trieb. Er hatte Be­­schwerdebriefe an die Gemeinde und die Lokalzeitung geschrieben, aber keiner schien seine Zuschriften ernst zu nehmen, und bis jetzt hatte niemand etwas getan, um der Sache einen Riegel vorzuschieben. Die Halbstarken terrorisierten die Gegend weiter mit ihrem elenden Krach.
Ernst schnaubte vor Ärger. Der Wind griff nach der Stalltür und ließ sie gegen die Mauer schlagen. Etwas Farbe blätterte ab. Er trat in den leeren Stall, und obwohl inzwischen drei Jahre vergangen waren, seit die letzten Schweine hier gelebt hatten, roch es noch immer nach Gülle und Schimmel.
Er ging an den Boxen entlang und fuhr mit dem rauen Finger über das morsche Holz, während die Erinnerungen langsam die Wut verdrängten. Die Jahre als Schweinezüchter waren die besten in seinem Leben gewesen.
Seine bescheidene Schweinemast hatte sich nur gerade so rentiert, doch für ihn hatte es gereicht. Er war genügsam und hatte keine nennenswerten Ausgaben bis auf die Bewirtschaftung des Hofs. Ein paar Flaschen Bier am Wochenende und einen Schnaps zum Morgenkaffee – das war alles. Es gab keine Frauen, für die er Geld ausgab, und es hatte auch nie welche gegeben. Nicht, dass er es nicht versucht hätte. Über die Jahre hatte er mehrfach Frauen zum Essen eingeladen. Aber mehr als peinliche Unterhaltungen und verschwitzte Handflächen unter der Tischdecke waren nicht dabei herausgekommen, und jedes Mal, wenn er die Geldbörse gezückt hatte, hatte sich etwas in ihm gesträubt, und er hatte sich nur noch nach Hause zu seinen Sauen und Ferkeln gewünscht. Selbst den Güllegestank hatte er vermisst. Jeden Abend war er durch den Stall gegangen und hatte seinen Schweinen Gute Nacht gesagt, die gutmütig in ihren Boxen gegrunzt hatten. Hier gehörte er hin.
Ernst hatte das eine Ende des Stalls erreicht, als er hinter sich eine kraftvolle Bewegung wahrnahm. Er drehte sich gerade noch rechtzeitig um, dass er die Heugabel sehen konnte, die auf ihn zugesaust kam. Verblüfft öffnete er den Mund, während die halb verrosteten Eisenzinken in seine Haut eindrangen und sich tief in seinen Körper bohrten. Er wollte schreien, bekam aber keinen Laut über die Lippen. Erst als die Gestalt vor ihm die Heugabel mit einem Ruck wieder aus ihm herauszog, kam der Schmerz, intensiv und so heftig, dass er den Schrei nicht zurückhalten konnte. Sein ganzer Körper brannte, er spürte, wie das Blut die Mundhöhle ausfüllte, und rutschte mit einem Röcheln langsam an der Stallwand hinunter.
In der Ferne hörte er Rufus winseln. Die Person über ihm rammte ihm ein weiteres Mal die Forke in den Körper, setzte den Fuß auf die Gabel und trat zu. Ernst merkte, wie etwas in seinem Brustkorb zerriss. Das Herz ? Er konnte nicht atmen, bekam keine Luft mehr. Panik erfasste ihn, während das Blut warm aus ihm herausströmte und sich auf dem Steinboden unter ihm ausbreitete.
Der Mann über ihm beugte sich vor und sah ihn eindringlich an. Ernst stöhnte leise. Irgendetwas an dem Mann kam ihm bekannt vor. Dann trafen sich ihre Blicke, die Zeit stand einen Augenblick still, und Ernst begriff, warum der Mann zu ihm gekommen war.


——


Rebekka brauchte frische Luft, nachdem sie den ganzen Vormittag in der engen Küche ihres Elternhauses verbracht hatte. Ihre Mutter hatte es doch nicht geschafft, die Sachen ihres Vaters zu sortieren. Stattdessen hatten sie die Zeit damit verbracht, in der angespannten Atmosphäre mehrere Tassen Kaffee zusammen zu trinken. Als Inge und Kjeld schließlich gekommen waren, hatte Rebekka endlich das Gefühl gehabt, ihre Mutter alleine lassen zu können.
Sie hatte einen langen Spaziergang am Fjord gemacht und den kalten Wind in ihrem Gesicht genossen. Dabei hatte sie einen kurzen, aber kräftigen Guss abbekommen, doch sie hatte den Platzregen wie eine Art Reinigung empfunden. Inzwischen hatte sie sich völlig durchnässt auf den Heimweg zu ihrem Elternhaus gemacht. Sie war ganz in Gedanken versunken, als jemand ihren Namen rief.
» Rebekka ! Hallo, Rebekka ! «
Sie blieb abrupt stehen, drehte sich um und entdeckte Michael Bertelsen, ihren früheren Kollegen und Lebensgefährten. Er stand auf der gegenüberliegenden Seite des Kongevej, wo das Polizeipräsidium von Ringkøbing lag, und winkte ihr zu.
Sie schluckte und zwang sich zurückzuwinken. Michael kam schräg über die Straße auf sie zu. Eine Unterhaltung war unvermeidbar. Sie ärgerte sich kurz über ihr Aussehen. War es eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass man immer dann seinem Exfreund in die Arme lief, wenn man besonders grässlich aussah ? Sie trug den dicken, beigefarbenen Wintermantel ihrer Mutter, der jetzt nasse, dunkle Flecken aufwies und in dem sie doppelt so füllig aussah, wie sie eigentlich war. Ihr langes Haar klebte an ihren Wangen, und wie stark die Wimperntusche verlaufen war, mochte sie sich gar nicht vorstellen.
Dann stand Michael vor ihr. Groß, blond und lächelnd.
» Hallo, Rebekka, wie schön, dich zu sehen. « Plötzlich schien ihm einzufallen, warum sie in ihrer Heimatstadt war, und seine Augen verdunkelten sich.
» Das mit deinem Vater tut mir wirklich leid «, fügte er schnell hinzu und sah sie ernst an.
» Ja, das ist sehr traurig «, sagte sie mit einem wehmütigen Lächeln.
» Ich konnte leider nicht zur Beerdigung kommen. Ich hatte Dienst . . . sonst wäre ich selbstverständlich gekommen. «
» Danke, das ist nett von dir . . . Wie geht es Amalie ? «, fragte Rebekka mit einem Anflug von schlechtem Gewissen. Amalie war Michaels zehnjährige Tochter. Ein nettes Mädchen, das Rebekka damals, als sie und Michael zusammen gewesen wa­ren, sehr gern gehabt hatte. Nachdem sie Schluss gemacht hatten, hatte Amalie sie noch mehrmals angerufen, aber sie selbst hatte nichts getan, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, und mit der Zeit waren die Anrufe des Mädchens immer seltener ge­­worden.
» Amalie geht es gut. Sie wird immer größer . . . aber das ist wohl der Lauf der Dinge. «
Rebekka nickte, und eine peinliche Pause entstand. Seit ihrer Trennung hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen – ­einer Trennung, für die alleine sie verantwortlich gewesen war. Sie hatte eine Affäre mit Niclas gehabt und kurz darauf mit Michael Schluss gemacht. Er hatte es schwer genommen, doch später hatte sie von ihrer Mutter erfahren, dass er sich mit Bettina Pallander verlobt hatte, einer Sekretärin im Präsidium, die Rebekka nicht sonderlich mochte, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Natürlich gönnte sie Michael die neue Liebe, selbst wenn sie dieser Frau galt, und sie musste zugeben, dass Michael einen fröhlicheren Eindruck machte als bei ihrem vorigen Zusammentreffen.
» Und wie läuft es bei euch ? «, fragte sie, und als sie sah, dass er bei ihrer Frage zusammenzuckte, fügte sie schnell hinzu : » Im Präsidium, meine ich. «
» Danke, ganz gut. Wir hatten keine besonders aufregenden Fälle, seit du weg bist. «
Vor knapp zwei Jahren hatte Rebekka die Polizei in Ringkøbing bei der Aufklärung eines brutalen Mordes an einer jungen Frau unterstützt. Es war ein spektakulärer Fall gewesen, der wochenlang die Zeitungen gefüllt hatte.
» Was man von dir ja nicht gerade behaupten kann, soweit ich gehört habe ? «, fuhr er fort und sah sie interessiert an.
Sie nickte. » Das kannst du laut sagen. Ich hatte mit ein paar richtig brutalen Morden zu tun . . . «
» Und wärst beinahe ums Leben gekommen «, unterbrach Michael sie. » Deine Mutter hat mir das erzählt, als wir uns mal in der Fußgängerzone begegnet sind. Du musst mir versprechen, gut auf dich aufzupassen. « Er drückte sie und ließ sie gleich wieder los.
» Ich hoffe, es geht dir wieder einigermaßen. Ich weiß, wie viel dein Vater dir bedeutet hat «, fügte er mit einem ernsten Blick hinzu.
Der Satz traf sie mitten in die Magengrube, und sie starrte auf ihre schmutzigen Schuhspitzen, außerstande zu antworten. Es ging ihr beschissen, aber sie musste sich zusammenreißen. Um ihrer Mutter willen. Ihre eigene Trauer musste warten.
Sie räusperte sich, hob den Blick und sah ihn an.
» Es ist hart, aber ich kriege das schon hin «, antwortete sie und wusste, dass das stimmte.
» Das freut mich zu hören. Wie lange bleibst du ? «
Sie zuckte mit den Schultern. Die Kälte drang durch den nassen Mantel. Sie fror.
» Das weiß ich noch nicht. Vielleicht noch eine Woche. «
» Schön. Schau vorbei, wenn du Zeit . . . und Lust hast, ja ? «, sagte er, und als er ihren verwirrten Gesichtsausdruck sah, fügte er schnell hinzu : » Im Präsidium, meine ich. «
Sie nickte und verabschiedete sich. Dann ging sie das letzte Stück bis zu ihrem Elternhaus, während der Himmel sich um sie zusammenzog, dunkelgrau und schwer von Regen. Als sie nur noch wenige hundert Meter vom Haus entfernt war, öffnete der Himmel seine Schleusen über ihr.


——


» Would you accept this phone call from the Correctional Center in Huntsville, Texas, Madam ? «
Birgitte Skytte flüsterte : » Ja «, während ein kribbelndes Ge­­fühl ihren Körper erfüllte. Sie hatte den ganzen Tag auf diesen Anruf gewartet, hatte verstohlen auf die Uhr gesehen und Schwierigkeiten gehabt, sich auf irgendetwas zu konzentrieren. Ihr Chef hatte sie mehrfach mit langen, fragenden Blicken bedacht. Birgitte stand an der Spitze der Kampagne » Dialog durch Gitter «, die am nächsten Tag im Internet gestartet werden sollte und im Hauptquartier von Amnesty International am Gammeltorv für Stress und lange Arbeitstage sorgte. Obwohl sie eine der erfahrensten und engagiertesten Mitarbeiterinnen der Organisation war, hatte sie heute vorzeitig Schluss gemacht. Zu Hause hatte sie dagesessen, ihr Festnetztelefon angestarrt und auf den Anruf gewartet. Sie hatte nicht einmal gewagt, ein Glas Wasser zu trinken, um nicht auf die Toilette zu müssen, wenn das Telefon klingelte, und sie spürte, dass Kopfschmerzen im Anmarsch waren.
Mehrmals hatte sie geprüft, ob mit dem Telefon alles okay war. Saß der Stecker in der Dose ? War er überhaupt in Ordnung ? Und dann endlich – das lange erwartete Läuten.
Eine Sekunde später war Joe am Apparat.
» Happy anniversary, lovely Birgitte. «
Seine Stimme war tief, fast zärtlich, und sie schloss die Augen und genoss ihren Klang und die Weise, wie sie sich aneinander annäherten – mit kleinen, liebevollen Sätzen. Es gab so viel, das sie in die fünf Minuten packen mussten, die ihre Unterhaltung dauern durfte, und schon bald war sie in ein intensives Gespräch mit Joe Mitchell vertieft, dem Mann, mit dem sie seit einem Jahr verheiratet war.
Als sie nach fünf Minuten auflegen musste, übermannte sie die Verzweiflung, und sie lehnte sich weinend über den Tisch und gab den Tränen nach, die so heftig flossen, dass sie in we­­nigen Sekunden alles Schöne zerstörten, das sie gerade noch erfüllt hatte.
Sie hatten vor allem über Joes neuen Verteidiger gesprochen, Mr. Eurillo, der auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken konnte und zahlreiche Berufungsverfahren gewonnen hatte. Es hatte sie mehrere Monate und den letzten Teil ihres Erbes gekostet, ihn zu überreden, Joes Fall zu übernehmen, aber glücklicher­weise hatte er eingewilligt, und es gab wieder Hoffnung.
Birgittes Herz klopfte bei dem Gedanken an das Leben, das vor ihnen lag, wenn Joe freigesprochen wurde.
Sie hatte in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt, wie ein Fall nach dem anderen wieder aufgerollt worden war und mehrere zum Tode verurteilte Häftlinge freigesprochen worden waren – aufgrund von neuen DNA-Beweisen, Verfahrensfehlern oder wegen Pfuscherei seitens der Staatsanwaltschaft. So würde es auch in Joes Fall gehen. Ganz sicher !
Birgitte stand langsam vom Schreibtisch auf und warf einen Blick aus dem Fenster zu der amerikanischen Botschaft, die wie ein Orientierungspunkt in der Dunkelheit lag.
Als sie seinerzeit mit ihrem Erbvorschuss auf einem zerfledderten Sparbuch nach Kopenhagen gekommen war, um eine Wohnung zu kaufen, hatte sie bei der Besichtigung dieser Wohnung keinen Moment gezweifelt. Die Lage gegenüber gerade dieser Botschaft war nahezu perfekt. Die konstante Mahnung würde sicherstellen, dass sie nicht einen Moment den Fokus auf das verlor, wofür sie kämpfte. Niemals.
Birgitte nahm ihre Brille ab und wischte die Tränen von den beschlagenen Gläsern.
Sie musste sich zusammenreißen. Durchhalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren : dass Joes Fall wiederaufgenommen wurde. Joe Mitchell. Ihr Joe. Ihr Ein und Alles und der Mann, den sie von allen, die sie in ihrem Leben kennengelernt hatte, am meisten geliebt, mit dem sie bisher jedoch noch nie geschlafen hatte.


——


» Der dreiundzwanzigjährige Sanitäter war auf der Stelle tot, während der neunundzwanzigjährige Fahrer des Rettungswagens schwer verletzt wurde. Der ausgebrochene Häftling . . . «
Das Läuten des Telefons riss Rebekka aus dem Nachrichtenstrom des Fernsehers, vor dem sie mit ihrer Mutter saß und die Reste des Kuchens vom Vormittag aß.
Sie nahm das Gespräch draußen in der dunklen Diele an und lächelte, als sie die Stimme ihres Partners Reza hörte.
» Rebekka, verdammt, wie geht es dir ? «
Vorsichtig schloss sie die Wohnzimmertür hinter sich, bevor sie antwortete.
» Es könnte besser sein. Ich muss zugeben, dass es mich langsam wahnsinnig macht, hier zu sein. «
» Oh, ist es so schlimm ? «
Bei Rezas Mitgefühl stiegen ihr die Tränen in die Augen, und sie musste sich räuspern, bevor sie seine Frage beantworten konnte.
» Leider ja. Die beste Medizin für mich wäre es, mich in die Arbeit zu stürzen. Stattdessen sitze ich mit meiner Mutter in diesem winzigen Haus. Wir sind beide am Boden zerstört vor Trauer und nehmen uns gegenseitig die Luft zum Atmen. Verstehst du ? «
» Das tut mir sehr leid für dich. «
Sie atmete tief durch. » Und was gibt es Neues im Präsidium ? «
» Ruhig ist es ja nie, aber im Moment passiert auch hier nichts Weltbewegendes, glücklicherweise. Tatjana ist übrigens wieder auf den Beinen, sie erinnert sich natürlich nicht an den Überfall, doch es scheint, als würde sie wieder ganz die Alte. «
Rebekka spürte, wie sich Erleichterung in ihr ausbreitete. Ihre Kollegin Tatjana Melchior hatte gerade bei der Mordkommission angefangen, als Rebekka sie vor anderthalb Monaten mitgenommen hatte, um einen Serienmörder zu verhaften. Die Verhaftung war aus dem Ruder gelaufen, und der Serienmörder hatte sich auf Tatjana gestürzt, bevor Rebekka ihn ausschalten konnte. Nach dem brutalen Überfall hatte Tatjana mehrere Tage und Nächte im Koma gelegen, und die Ärzte hatten zunächst nicht sagen können, inwieweit ihr Gehirn von den vielen Schlägen Schaden genommen hatte. Rebekka plagten seitdem Schuldgefühle.
» Oh, das freut mich. Da ist Gundersen bestimmt froh. Ich vermisse ihn sogar, aber nur ein ganz kleines bisschen. «
Rebekkas Chef Gundersen war berüchtigt für sein aufbrausendes Temperament. Im Lauf der Zeit hatte Rebekka zahlreiche Kontroversen mit ihm gehabt, doch in den letzten Wochen schie­nen sie sich einander vorsichtig angenähert zu haben, und Gundersen hatte sie sogar getröstet und ihr das Schuldgefühl wegen Tatjana auszureden versucht, obwohl er eine besonders enge Be­­ziehung zu Tatjana hatte.
» Gundersen ist ganz der Alte «, sagte Reza lachend, und Rebekka lächelte.
» Wie läuft es mit dir und Hugo ? «, fragte sie weiter.
» Ehrlich gesagt sind wir nicht mehr zusammen . . . «
» Das ist nicht wahr . . . «
» Doch. « Reza zögerte, bevor er fortfuhr. » Hugo ist neulich nach einem Streit gegangen. «
» O nein, das tut mir so leid «, sagte Rebekka aufrichtig und biss sich auf die Lippe.
Reza hatte jahrelang mit der Tatsache gekämpft, dass er auf Männer stand, und Rebekka war die Einzige, der er erzählt hatte, dass er homosexuell war. Weder seine iranische Familie noch seine Kollegen im Polizeipräsidium wussten davon, und sie sollten auch nichts erfahren, bevor er bereit war, sich zu outen.
» Ich bin verwirrt . . . « Rezas Stimme zitterte ein wenig, und sie erkundigte sich danach, wie es ihm jetzt ging. Sie ärgerte sich, dass sie so viele Kilometer trennten.
Er räusperte sich.
» Geht so einigermaßen. Wird schon werden «, sagte Reza, doch sie meinte, eine Unsicherheit in seiner Stimme zu hören. Gerade wollte sie noch mal nachhaken, als er hinzufügte : » Ich befinde mich nur momentan in einer Art Vakuum. Im Moment stelle ich alles infrage. Führe ich das Leben, das ich führen will ? Und wenn nicht, was kann ich tun, um es zu führen ? Das ist ziemlich kompliziert . . . « Er lachte trocken. » Aber genug von mir. Erzähl mir, wie es mit dir und dem verrückten Schweden läuft. «
Rebekka musste lachen. Niclas war im Zuge der dänisch-schwedischen Zusammenarbeit vergangenes Jahr zu ihnen ins Präsidium geschickt worden. Er hatte die dänischen Kollegen bei der Jagd nach einem Serienvergewaltiger unterstützt. In dieser Zeit hatte er etwas mit Rebekka angefangen, und das, was als Affäre gedacht gewesen war, hatte sich zu einer Liebesgeschichte über die Landesgrenzen hinweg entwickelt.
» Gut. Das heißt, eigentlich weiß ich das gar nicht. Es ist mehrere Wochen her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Er arbeitet intensiv an einem Fall, und ich hatte mit unserer Ermittlung und nicht zuletzt mit meinem Vater ja genug zu tun. «
» Hat er dich denn nicht besucht ? War er nicht auf der Beerdigung ? « Reza konnte seine Missbilligung nicht verbergen.
Rebekka schwieg. Sie hatte Reza noch gar nicht erzählt, was vor knapp einem Monat passiert war, als sie Niclas in seiner Woh­nung in Stockholm besucht hatte. Niclas war gerade unterwegs gewesen, um etwas zu essen zu holen. Auf einmal hatte sie die Panik befallen, fast nichts über ihren neuen Freund zu wissen, weshalb sie in seinen Sachen herumgewühlt hatte und dabei auf ein gerahmtes Hochzeitsfoto von ihm und einer schönen, jüngeren, dunkelhaarigen Frau gestoßen war. Rebekka war vor lauter Schreck der Rahmen aus der Hand gefallen, das Glas war zerbrochen, und sie hatte alles zurück in die Schublade gestopft. Niclas gegenüber hatte sie nichts erwähnt, denn sie hatte einfach nicht den Mut aufgebracht, doch ein paar Tage später hatte er sie angerufen und mit dem zerbrochenen Rahmen konfrontiert. Sie hatte ihm alles gebeichtet, und er hatte ihr versprochen, ihr die ganze Geschichte zu erzählen, wenn sie sich das nächste Mal sahen.
Zu diesem nächsten Mal war es bisher jedoch nicht gekommen, denn sie hatte mit dem Tod ihres Vaters und nicht zuletzt mit der Enthüllung, dass sie noch einen unbekannten älteren Halbbruder hatte, genug im Kopf gehabt. Als ihr Vater gestorben war, hatte Niclas sofort angeboten, sich in den nächsten Flieger zu setzen und ihr beizustehen. Aber sie hatte sein Angebot abgelehnt. Schließlich hatte er ihre Eltern nie kennengelernt, da wollte sie ihn lieber heraushalten. Sie hatte das Gefühl, allein mit ihrer Trauer zurechtkommen zu müssen. Doch sie vermisste ihn, daran bestand kein Zweifel.
» Er hat mir Blumensträuße und unzählige SMS geschickt und auch mehrmals angeboten zu kommen, aber ich habe ihm ge­­sagt, dass er zu Hause bleiben soll. Er arbeitet, wie gesagt, an einem wichtigen Fall, und außerdem kennt er meine Eltern gar nicht. «
Reza billigte diese Erklärung mit einem leisen Brummen.
» Okay, okay. Ich werde nichts sagen, wenn ich ihn sehe. Wenn du dich im Übrigen zu sehr langweilst, kannst du ja unseren Kollegen in Westjütland bei der Aufklärung ihres neuesten Mordfalls helfen. «
Etwas in ihr erwachte. Wie ein Bluthund, der Lunte gerochen hatte.
» Ein Mordfall ? «, fragte sie. » Wovon sprichst du genau ? «
» Hast du das gar nicht mitbekommen ? « Reza lachte. » Vor Kurzem hat man außerhalb von Skjern die Leiche eines älteren Mannes gefunden. Er wurde ermordet, und zwar mit einer Heugabel. Nicht zu fassen ! Aber so ist das wohl auf dem Land. Wahrscheinlich geht es um eine interne Auseinandersetzung, aber trotzdem – Mord ist natürlich Mord. «
——
Birgitte Skytte gab Joes Foto jeden Abend einen Gutenachtkuss. Er stand auf ihrem Nachttisch – mit seinem Afrohaar, seinem brennenden, schwarzen Blick und dem Lächeln seiner Zähne, die durch den Kontrast zu seiner dunkelbraunen Hautfarbe noch weißer wirkten. Es fühlte sich beruhigend an, ihn dort stehen zu haben, als würde er auf sie aufpassen – obwohl er 8369 Kilo­meter von ihr entfernt war und außerdem hinter Gittern. Sie drückte ihre Lippen auf das kühle Glas. Drei Küsse. Jeden Abend. Ein Ritual. Glaube, Hoffnung und Liebe, dachte sie wehmütig. Sie hatte immer einen Druck auf der Brust, wenn sie das Bild zurückstellte. Sie freute sich darauf, ihn das nächste Mal zu besuchen. Im Alltag sparte sie an allem, damit sie sich die teure Reise leisten konnte. Bisher war sie dreimal drüben gewesen – und in einem Monat war es Zeit für ihren vierten Besuch. Sie konnte es kaum erwarten, und selbst die gläserne Trennwand zwischen ihnen störte sie nicht länger, wenn sie ihn nur sehen konnte. Die Vorfreude auf die bevorstehende Reise hielt die größte Sehnsucht in Schach, aber wenn es richtig schlimm wurde, holte sie seine Briefe heraus, die sie in einer großen Plastikkiste auf Rollen unter ihrem Bett verwahrte. Sie lag sozusagen auf ihm, hatte sie ihm irgendwann einmal erzählt, und er hatte gelacht. Sein Lachen war tief und schallend gewesen und hatte ihren Körper zum Singen gebracht. Sie hatte seine Briefe mindestens hundertmal gelesen und dabei so viele Tränen vergossen, dass manche seiner Worte nicht mehr zu lesen waren, verschwunden. Sie musste in Zukunft vorsichtiger sein. Seine Worte bedeuteten ihr alles. Sie waren das Einzige, das sie hatte. Obwohl Joe nur einen Highschool-Abschluss hatte, war er ein Formulierungskünstler, und einige seiner Liebeserklärungen waren so emotional, dass sie spürte, wie sich beim Lesen die Wärme in ihrem Unterleib ausbreitete. Es fühlte sich fast so an, als säßen sie sich physisch gegenüber und sähen einander an, während sie miteinander sprachen.
Hin und wieder fragte sie sich, ob Joe noch mit anderen Frauen korrespondierte, und allein bei dem Gedanken wurde ihr ganz schwindelig. Sie hatte ihm die Frage wiederholt in ihren Briefen gestellt, und jedes Mal hatte er richtig süß geantwortet : » Pumpkin, I am all yours ! « Der Satz ließ ihr Herz vor Freude einen Schlag aussetzen – sie war seine Frau.
Sie hatte ihn nur einmal angefasst – an ihrem Hochzeitstag, wo man es ihnen allergnädigst erlaubt hatte, nebeneinander­zustehen, während der Gefängnispfarrer sie getraut hatte. Joe hatte Handschellen und Fußfesseln getragen, und es war nicht leicht für sie gewesen, ihm den Ehering überzustreifen und umgekehrt – trotzdem war der Moment genau so romantisch gewesen, wie sie sich das immer erträumt hatte, und sie konnte sehr gut von den Handschellen und den Fußfesseln abstrahieren, die bei der Zeremonie leise geklirrt hatten.


——


Die Nacht war kalt, und winzig kleine Schneeflocken malten Tupfen an den blauschwarzen nächtlichen Himmel.
Rebekka saß mit einer Flasche Rotwein, einem Glas und einer Packung Zigaretten auf der Fensterbank ihres alten Zimmers und blickte gedankenverloren hinaus, während sie die dramatischen Geschehnisse des letzten Monats zu verdauen versuchte.
Die Arbeit war – die Arbeit. Sie war an hektische und hin und wieder blutige Ermittlungen gewöhnt, bei denen sie und ihre Kollegen vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiteten und manchmal in Situationen gerieten, die so gefährlich waren, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben riskierten. Das war einfach so. Sie war so viele Jahre dabei, dass sie die Spiel­regeln kannte, und sie erschreckten sie nicht.
Die privaten Turbulenzen, die sie gerade erlebte, erschütterten sie hingegen sehr. Der Tod ihres Vaters machte ihr am meisten zu schaffen. Sie war immer ein Vaterkind gewesen, was dadurch noch verstärkt worden war, dass ihr jüngerer Bruder Robin mit sieben Jahren ertrunken war. Sie war damals neun gewesen, als ihr Leben sich im Bruchteil einer Sekunde verändert hatte. Sie waren alleine am Strand gewesen, als das Unglück passiert war, und noch viele Jahre später hatte ihre Mutter sie für den Tod ihres Bruders verantwortlich gemacht. Die Bindung zwischen ihr und ihrer Mutter war schon vor dem Unfall nicht sonderlich stark gewesen, und nach Robins Tod hatte ihre Mutter ihre Anwesenheit nicht ertragen und alles getan, sie von sich zu stoßen.
Mit der Zeit hatten sie jedoch eine annehmbare Beziehung zueinander aufgebaut, nicht zuletzt weil Rebekka schließlich erkannt hatte, dass ihre Eltern nun einmal die Familie waren, die ihr zugeteilt worden war, und dass sie das Beste daraus machen musste. Allerdings hatte sie stets einen gewissen Abstand ge­­halten – das schien ihr das Beste. Doch dann hatte ihr Vater beschlossen, das Geheimnis um ihren älteren Halbbruder zu lüften. Diese Enthüllung hatte einen wilden Aufruhr in ihr entfacht. Wie sollte sie mit diesem Wissen umgehen ? Wer war er ? Was, wenn sie ihn kannte ? Mit ihm gesprochen hatte, ohne zu wissen, wer er war ? Oder schlimmer noch – wenn er einer der Männer war, mit denen sie im Bett gewesen war ? Nach dem Tod ihres Vaters war es ihr zunächst ganz logisch erschienen, Kontakt zu ihrem Halbbruder aufzunehmen. Wenn aus keinem anderen Grund, dann um ihm zu ermöglichen, sich von seinem biologischen Erzeuger zu verabschieden. Doch sie hatte es nicht fertiggebracht. Sie hatte nicht einmal seinen Namen gegoogelt oder nachgeprüft, ob er ein Profil auf Facebook hatte oder in einem anderen sozialen Netzwerk aktiv war. Das war schlimm, und sie schämte sich für ihre eigene Feigheit.
Sie zündete sich die nächste Zigarette an der soeben gerauchten an, saugte gierig das Nikotin in sich hinein und leerte ihr Rotweinglas. Die Fragen überschlugen sich in ihrem Kopf, während sie in die schwarze Leere vor dem Fenster starrte. Auch nach langem Nachdenken war sie nicht weiter als bis zu der Erkenntnis gekommen, dass sie das Geheimnis um ihren unbekannten Halbbruder mit niemandem teilen konnte. Nicht einmal mit Reza, dem sie sonst alles erzählte. Noch nicht.


——


Pfarrer Gert Asmussen fühlte sich in der Horizontalen am wohlsten. Nicht nur wenn er schlief, sondern auch sonst – sooft es sich machen ließ. Er schätzte sich glücklich, dass er allein wohnte und arbeitete – im Großen und Ganzen zumindest. Die Kirchenvorstandssitzungen waren immer eine Herausforderung, und er gab sich die größte Mühe, so gelassen wie möglich auszusehen, wenn er Stunde um Stunde auf seinem harten Stuhl saß, während sein Körper hinter der blassen Haut revoltierte und ihn wahnsinnig machte. Er konnte es kaum erwarten, dass die Kirchenvorstände endlich gingen und er in die Pfarrwohnung eilen und sich hinlegen konnte. Es war nicht so, dass er faul war, sein Körper fühlte sich einfach in der horizontalen Lage am wohlsten – weshalb er auch für seine kurzen, aber prägnanten Predigten bekannt war.
Vielleicht rührte das von dem Liegen in seiner Kindheit her. Die einzigen glücklichen Erinnerungen, die er aus dieser Zeit hatte, waren die an die Sommerferien auf dem Hof seiner Tante und seines Onkels, als er und seine gleichaltrige Cousine Vivi mit einem Stapel Donald-Duck-Hefte und einer Kanne vom selbst gemachten Rhabarbersaft seiner Tante im Gras gelegen hatten. Noch heute konnte er sich an den säuerlichen Geschmack auf der Zunge und an die Ruhe erinnern, die sie wie eine schwere Decke eingehüllt hatte.
Gert richtete sich langsam auf. Er fror leicht in seinem dünnen Schlafanzug, als er auf die Toilette trottete. Der Strahl war schlaff, stellte er fest. Er spülte, wusch sich notdürftig die Hände und ging in die Diele, wo schon die Morgenzeitung auf der Fußmatte lag. Er überlegte kurz, sich einen Morgenkaffee zu machen, verwarf den Gedanken aber wieder und eilte stattdessen zum Sofa in seinem Arbeitszimmer. Das Möbelstück stand im Erker, von wo aus man einen schönen Blick in den üppig wuchernden Garten hatte, der durch eine baufällige Steinmauer vom Friedhof getrennt wurde. Gert ließ sich mit einem zufriedenen Brummen auf das Sofa fallen und machte es sich mit einem Kissen im Nacken und einer Decke bequem. Die Zeitung knisterte freudig in seinen weichen Händen, als er sie aufschlug. Er begann wie immer ganz hinten mit dem Wetterbericht und dem Cartoon und ging dann zu den Todesanzeigen über. Dabei sah er nach, ob einer der von ihm Beerdigten er­­wähnt wurde.
Gert las die Todesanzeigen jedes Mal mit gemischten Gefühlen, auch die der Wildfremden, mit deren Begräbnissen er nichts zu tun gehabt hatte. Er freute sich, wenn der Verstorbene ein langes Leben gehabt hatte und viele um ihn trauerten, und fühlte sich verzagt, wenn es sich bei dem Toten um einen Gleichal­trigen handelte oder, schlimmer noch, wenn niemand um den Toten trauerte. Nichtsdestotrotz konnte er es nicht lassen und kam zu dem Schluss, dass das wohl eine Berufskrankheit sein musste.

Julie Hastrup

Über Julie Hastrup

Biografie

Julie Hastrup, geboren 1968 in Ringkøbing, ist ausgebildete Journalistin und eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Dänemarks. Sie arbeitete für dänische Radio- und Fernsehanstalten, ehe sie 2009 mit »Vergeltung« den Auftakt zu ihrer erfolgreichen Thriller-Serie um die Ermittlerin Rebekka...

Pressestimmen

Südhessen Woche

»Spannende, solide Krimikost.«

Ruhr Nachrichten

»Ein fesselnder Krimi in bester skandinavischer Tradition (...), der dem Leser die Nachtruhe raubt.«

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