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Sophie und die SibylleSophie und die Sibylle

Sophie und die Sibylle

Roman

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Sophie und die Sibylle — Inhalt

»Ein kraftvoller, kluger Roman, ungeheuer unterhaltsam!« The Guardian

Berlin, September 1872. Still sitzt sie am Kamin, die Beine übereinander geschlagen, den Blick konzentriert auf ihn gerichtet. Ihr Ruhm hallt durch ganz Europa, doch ihr deutscher Verleger Max Duncker steht ihr zum ersten Mal gegenüber: der gefeierten Autorin, die die Welt als George Eliot kennt. Der rätselhaften Sibylle, die als zu anstößig gilt, um bei respektablen Familien geladen zu werden, und von der doch jedes Wort verschlungen wird.

Max mit seinem Hang zum Spiel und zu schönen Frauen ist von seinem Bruder angesetzt, die große Dame zu umgarnen und die Rechte an ihrem neuen Werk zu sichern. Zudem soll er sich mit der Gräfin Sophie von Hahn verloben, Tochter aus vermögendem Hause und glühende Verehrerin der Eliot. Als Sophie auf ein Treffen mit der bewunderten Autorin dringt, das Max ihr jedoch entschieden verwehrt, entspinnt sich ein wahres Dramolett der Eifersucht.

Wie in ihrem großen Erfolg »Die Germanistin« beschreibt Patricia Duncker ein obsessives Verhältnis zwischen Autorin und Leserin, erzählt von Begehren und Verfehlung. Ein rachsüchtiges kleines Spiel, hintertrieben von Liebe.

 

€ 22,00 [D], € 22,70 [A]
Erschienen am 04.10.2016
Übersetzt von: Barbara Schaden
384 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1274-6
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 04.10.2016
Übersetzt von: Barbara Schaden
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7917-6

Leseprobe zu »Sophie und die Sibylle«

Kapitel 1
in welchem der Leser mit zwei Hauptfiguren 
dieser Geschichte bekannt gemacht wird

»Gnädige Frau, darf ich Ihnen meinen jüngeren Bruder Max vorstellen? Er arbeitet gegenwärtig an einem großen Werk über die Baudenkmäler der Antike. Ich vertraue darauf, dass seine Bemühungen am Ende das Licht der Welt erblicken, aber so weit ich weiß, steckst du noch im ersten Band fest, oder, Max?«
Mit lustigem Lächeln verbeugte sich der Verleger vor seiner bedeutenden Besucherin und offenbarte dabei eine unerwartete Glatze, die mit der Definiertheit einer [...]

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Kapitel 1
in welchem der Leser mit zwei Hauptfiguren 
dieser Geschichte bekannt gemacht wird

»Gnädige Frau, darf ich Ihnen meinen jüngeren Bruder Max vorstellen? Er arbeitet gegenwärtig an einem großen Werk über die Baudenkmäler der Antike. Ich vertraue darauf, dass seine Bemühungen am Ende das Licht der Welt erblicken, aber so weit ich weiß, steckst du noch im ersten Band fest, oder, Max?«
Mit lustigem Lächeln verbeugte sich der Verleger vor seiner bedeutenden Besucherin und offenbarte dabei eine unerwartete Glatze, die mit der Definiertheit einer frischen Tonsur erglänzte. Sein Lächeln schloss den einigermaßen verlegenen Max mit ein, der sich in kräftesparende Höflichkeit flüchtete. Er hob ihre Hand seinen Lippen entgegen und murmelte in beflissenem Ton: »Enchanté, madame.« Dann trat er zurück und sah sie an. Dies war also Mrs Lewes, die Autorin von Adame Bede und Romola, und der Ruhm ihres Middlemarch hallte schon damals wie eine Sieges­trommel durch Europa. Dies war die Frau, die als zu anstößig galt, um bei respektablen englischen Familien – die gleichwohl jedes Wort von ihr lasen: jedes einzelne Mitglied – zum Dinner geladen zu werden.
Seine erste Reaktion war Enttäuschung: Sie war alt. Ihre altersfleckige Hand mit der runzeligen Haut roch ein wenig nach Zimt, in den sich ein Hauch Alkohol von jener starken Sorte mischte, die gelegentlich zur Konservierung wissenschaftlicher Proben dient. Er hob den Blick zu ihrem Gesicht. Ein zarter Schleier war von der Stirn zurückgeschlagen und enthüllte das lange, schmale Antlitz, das mächtige Kinn und die großen, seelenvollen Augen. Die Dame ist alt. Die Dame ist hässlich. Die Dame hat wunderbare Augen. Max begegnete ihrem unbeirrten Blick seinerseits mit erkundender Neugier. Sie repräsentierte ein nicht unerhebliches Einkommen des Familienunternehmens Duncker & Duncker. Andere Schriftsteller wandten sich nur deshalb an ihren Verlag und erbaten ihre Unterstützung, weil sie zu ihren Autoren zählte. Er warf einen Blick auf seinen Bruder. Sei höflich, sei charmant. Mach Eindruck auf diese hässliche, herrliche Dame. Aber es wollte ihm nichts einfallen. Unerwarteterweise war sie es, die zu seiner Rettung herbeisprengte, indem sie sowohl die Sprache vorgab, in der die Konversation zu führen sei (Deutsch), als auch das Gesprächsthema (seine unvollendete, ja eigentlich kaum begonnene Geschichte des Altertums).
»Ihr Bruder sagt, Sie haben Lukian gelesen. Ich war als sehr junge Frau eine große Bewunderin sowohl der Philosophie als auch der Dichtung Lukians. Leider kam meine Familie zu dem Schluss, dass sein Einfluss verderblich sei.«
Sie lächelte. Das Gebiss, das dabei zum Vorschein kam, schimmerte wie Hauer, gelblich, riesig und unregelmäßig. Verblüfft vom Ausmaß ihrer verbliebenen Zähne, beugte Max sich unwillkürlich vor. Es zeigten sich ein, zwei Lücken, die den noch nicht eingestürzten Säulen das tragische Erscheinungsbild einer Tempelruine gaben.
»Dennoch betrachte ich seine späte Lyrik und das berühmte Fragment als jene Werke, die mein frühes Denken formten. Das Fragment ist unbedingt außergewöhnlich. Es hat die Kraft einer Prophezeiung. Wir können es heute in keinem anderen Licht lesen. Wie konnte er damals, in den ersten Jahren des ersten Jahrhunderts, wissen, dass diese neue Religion, die er gleichwohl auszurotten entschlossen blieb, sich wie eine mächtige Welle erheben und anschwellen und dass die auf ihrem Kamm einherreitende Zerstörung alle Götter hinwegfegen würde, denen er so treu gedient hatte? Lukian sah die Zukunft sich abzeichnen, und sie schien ihm schrecklich; er erfasste die Schönheit dieses neuen Glaubens ebenso wie das unheilvolle Grauen in seinem Gefolge. Sagen Sie, lieber Herr, wie denken Sie über das Fragment?«
Max zermarterte sich das Hirn, das von der vergangenen Nacht in Hetties Keller noch leicht vernebelt war. Er hatte sich dort prächtig unterhalten, leider aber auch eine nicht unerhebliche Spielschuld angehäuft. Als er tags darauf ins Geschäftszimmer seines Bruders trottete, um mit einer Miene zerknirschter Bußfertigkeit dessen sofortige Nothilfe zu erbitten, hatte er die Sibylle, die mit überkreuzten Füßen in halbhohen Stiefeletten und ordentlich gerolltem Schirm still am Feuer saß, zunächst gar nicht bemerkt. Dass ihn Wolfgang augenblicklich vorstellte, überrumpelte ihn. Die Geschichte der frühchristlichen Kirche in Kleinasien verweigerte sich seinem Gedächtnis: Es ließ sich nicht die leiseste Erinnerung an das berühmte Fragment heraufbeschwören. Entweder war die große Dame, die, ganz Geduld und gütiges Interesse, seine wohldurchdachten Ansichten erwartete, zu trivialer Unterhaltung nicht in der Lage oder sie hatte sich noch niemals herabgelassen, weniger Hochfliegendes als den Niedergang und Fall der Weltreligionen zu erörtern. Wie sie wohl ihrer Kleidung habhaft wurde? Er nahm schlichten weinroten Brokat zur Kenntnis, schwarze Spitze, sehr wenig Schmuck und diesen abscheulichen Schleier, der in zurückgeschlagenen Falten über der kolossalen Stirn thronte. Sie sah aus wie eine geschmückte Statue.
»Ach ja, das Fragment …«
Hatte er es überhaupt gelesen? Mit Denkermiene starrte Max auf seines Bruders Klassiker, die Regalmeter füllten. Sie waren die Bücher des Vaters gewesen, und er kannte sie seit seiner Kindheit; jetzt aber standen sie völlig nutzlos, reglos und goldgeprägt vor ihm – Herodot, Thukydides, Plinius, Titus Livius, Tacitus … Sollte Lukian – der lateinische Lukian, nicht der griechische – nicht hier irgendwo stehen? Oder stand er bei den Dichtern? Hatte Wolfgang die Römer und Griechen etwa ausgelagert? Aber die Dame, die sein Zögern unverkennbar erheiterte, gewährte ihm noch eine Galgenfrist.
»Natürlich können wir nicht wissen, welchen Titel das Fragment hatte oder wie es sich entwickelt hätte. Vielleicht war es ursprünglich als vergleichende Studie über die Religionen in der antiken Welt konzipiert? Wir wissen, dass sich Lukian für die Kulte um Mithras interessierte und selbst für seine heimatlichen Wassernymphen, denn er erstellte eine Liste heiliger Quellen. Aber der weithin bekannte Titel, Ein Fragment über die Ursprünge des Frühchristentums, wurde ihm von seinem ersten Verleger, Professor Heinrich Klausner, 1782 verliehen.«
Du lieber Gott im Himmel, das! Ein unwillkürliches Schaudern des Grauens und der Erleichterung überlief ihn. Lukians rudimentäre Abhandlung, die er sich seinerzeit sofort wieder zu vergessen bemüht hatte, war ihm eine schlaflose Nacht gewesen. Gewiss, das Latein war elegant, ja von bestechender Klarheit, doch hatte ihn das unselige Zusammentreffen von Geschichte und dem, was er in der Kirche stets als Sammlung bezaubernder Märchen empfunden hatte, bis ins Mark erschüttert. Ohne seinen Bruder zu beachten, blickte er der großen Dame ins Auge und ließ sein Herz sprechen.
»Lassen Sie mich offen sein, Madame. Ich kann mir über das Fragment keinen wissenschaftlichen Kommentar erlauben. Ich war, als ich es las, aufgewühlt, ja tief verstört, sowohl als Mensch wie als Christ. Die Kernaussage unserer Religion lautet doch, dass Gott in die Geschichte eingreift, dass Er diese endgültige edle Geste vollbrachte, die Opferung seines Sohnes, eine Tat, die für alle Zeiten Bestand hat, und doch – und doch! –, als ich diese Worte las, diese kalten Bemerkungen Lukians, die Christen seien einfach Handwerker, Händler, Kaufleute gewesen und ihr Glaube der Abkömmling einer ketzerischen jüdischen Sekte, deren junger Prophet unter Pontius Pilatus hingerichtet wurde, und als ich seinen Überlegungen über die Zukunft dieser noch ganz jungen Religion folgte – Worte, die nur für die Augen des Kaisers bestimmt waren! –, da wurde mir klar, dass ich den Mythen den Vorzug vor der Geschichte gebe. Mythen sind ewig, sie sind immerwährend, und die Geschichte ist endlich, bedingt von besonderen zeitlichen Kräften. Ich wollte an meinen Überzeugungen festhalten, wollte sie unbeschadet behalten. Denn wenn Lukian recht hat und das Christentum sich aus einer bestimmten Konstellation zeitlicher Umstände heraus entwickelt hat, dann wird es auch ein Ende in der Zeit haben. Wie er ja gehofft hat.«
Niemals hatte Max unter den Nachwirkungen des Alkoholgenusses eine so lange Rede gehalten. Die Prachtaugen der Sibylle weiteten sich mitfühlend und überrascht. Sein Bruder schaltete sich gleich ein.
»Du lieber Himmel, Max, ich hatte ja keine Ahnung, dass zu deiner Forschung auch derart verstörende Lektüre gehört. Das Fragment habe ich nicht hier im Regal stehen, oder?« Anklagend blickte er über die edle Klassikersammlung seines Vaters hin. Die große Dame nahm den Einwurf ihres Verlegers mit einem Neigen des Kopfes zur Kenntnis, ohne den Blick von Max zu wenden.
»Ihr Bruder, mein Herr, hat sich soeben als ein Mann erwiesen, der wachsam und aufmerksam mit allen Sinnen und Fähigkeiten liest. Solche Hingabe und Leidenschaft sind selten bei Literaten. Denn er ist bereit, am eigenen Leib zu erkennen, dass Lukian keine abstrakte Stimme aus einer vergessenen Antike ist, sondern ein Mensch, ein von Glauben und Zweifeln erfüllter Mensch wie wir alle.«
Sie senkte ihr mächtiges Haupt. Der Schleier war an einem schwarzen Häubchen befestigt, das ihr Haar bedeckte und, da frei von allem Zierrat, der Kopfbedeckung eines Scharfrichters ähnelte. Wolfgang setzte eine fromme Miene auf. Max erschauderte; es zog ihn heftig fort von den stickigen Räumen seines Bruders, den Kisten voller handschriftlicher Übersetzungen, dem mit Rechnungen und Geschäftsbüchern gefüllten Rollschreibtisch, den Klassikern, die als bedrohliche Türme über ihm aufragten. In diesem Geschäftsraum roch es auf einmal wie in einem Mausoleum. Die Dame erhob sich, stand kerzengerade. Max begriff, dass der fesselndere Geruch, der nach frisch umgegrabener Erde, von ihren Stiefeln aufstieg; die Fußbekleidung der Dame hatte eine kleine Spur erdiger Abdrücke zwischen Tür und Sessel hinterlassen, hier und dort waren Klumpen von ihren Absätzen gefallen, die im Feuerschein trockneten. Sie war nicht auf Straßen, sondern über Felder gekommen. Max beugte sich über ihre runzeligen Hände, die jetzt unter bestickten Spitzenhandschuhen verschwunden waren.
»Wir sind sonntagnachmittags zu Hause, Herr Duncker. Und wir wären entzückt, Sie dann einmal empfangen zu dürfen.« Er missverstand ihren Tonfall durchaus nicht: Er wurde nicht eingeladen, sondern herbeizitiert. »Ihr Bruder kennt den Weg zu meiner Tür. Er und Mr Lewes sind in fortgesetzter Verbindung.«
Ihr Lächeln, leicht, liebenswürdig, beängstigend insofern, als das dabei erfolgende theatralische Heben der Oberlippe abermals ihre unregelmäßigen Zähne erscheinen ließ, versetzte beide Brüder in verblüfftes Schweigen. Als die äußere Tür hinter ihr zuschlug, ergriff Wolfgang die Schultern seines Bruders.
»Gut gemacht! Ausgezeichnet. Du hast ihr gefallen. Normalerweise ist es Lewes, der die Einladungen ausspricht. Wenn alles gut geht, bekommen wir ihr neuestes Werk zum Preis des letzten. Sonntagnachmittag, mein Lieber – merk es dir – Sonntag. Du musst da sein. Wir gehen gemeinsam!«

Patricia Duncker

Über Patricia Duncker

Biografie

Patricia Duncker, 1951 auf Jamaika geboren, wurde in Deutschland durch ihren Roman »Die Germanistin« bekannt. Sie ist die Autorin von fünf Romanen, Kurzgeschichtensammlungen und zahlreichen Essays. Patricia Duncker lebt in Aberystwyth und Südfrankreich.

Im Berlin Verlag erschienen bisher ihre...

Pressestimmen

Wiener Zeitung (A)

»Ein großes Lesevergnügen.«

Freie Presse

»Patricia Duncker gestaltet diese fiktiven Beziehungen sinnfällig und mit großer Meisterschaft. (…) Man liest und leidet mit den Liebenden.«

Hamburger Morgenpost

»Eine Dreiecksgeschichte entspinnt sich (...) ›Sophie und die Sibylle‹ ist eine spannende Hommage an die englische Schriftstellerin Mary Anne Evans.«

Weser-Kurier

»Die Autorin versteht es ausnehmend gut, ironisch, philosophisch die Entstehung weiblicher englischer Erzähltraditionen zu präsentieren und gleichzeitig sehr humorvoll und spannend Liebesverwicklungen mit einzuflechten. Ein Roman, der sicher Lesern Spaß bereiten wird, die Klassiker wie von George Eliot, Ch. Bronte, E. Gaskell, Virginia Woolf schätzen, oder aber einfach einen spannenden, historischen Roman, der gekonnt erzählt ist, genießen mögen.«

Zuhause Wohnen

»Ein anspielungsreiches, virtuoses Meisterwerk.«

Buch-Magazin

»Patricia Duncker, der unübertroffenen Meisterin schillernder Beziehungen, gelingt ein rachsüchtiges kleines Spiel, hintertrieben von Liebe.«

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