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Sonnenkätzchen

Sonnenkätzchen

Sommerliche Katzengeschichten

Taschenbuch
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Sonnenkätzchen — Inhalt

Wann, wenn nicht im Sommer, erinnern wir uns, dass es mehr gibt als Arbeit, Chef und Karriere? Und wer, wenn nicht die Katzen, könnte uns dazu besser inspirieren? Carpe Diem – dieses Motto muss dem römischen Dichter Horaz von einer Katze eingeflüstert worden sein. Dieses Buch versammelt freche, besinnliche und philosophische Geschichten von Katzen und Menschen, die uns der Kunst zu leben ein gutes Stück näher bringen.

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 03.07.2017
Herausgegeben von: Jone Heer
256 Seiten
EAN 978-3-492-31158-8

Leseprobe zu »Sonnenkätzchen«

John


»Auf unseren vierunddreißigsten Nicht-Hochzeitstag!«
Mein Vater hob sein Glas.
Ich saß neben meinem Bruder auf dem Sofa und prostete
meinen Eltern zu. Seit sie sich vor vierunddreißig Jahren
vor der Tür des Standesamtes spontan entschieden hatten,
dass Heiraten ihnen doch zu spießig war, feierten sie jedes
Jahr diesen Tag als ihren Nicht-Hochzeitstag. Beide vergaßen
ihn nie.
»Und auf unseren Familienzuwachs!« Meine Mutter hielt
ihr Glas in die Höhe und nahm dann einen großen Schluck.
Ich sah meinen Bruder an. »Wen hast du geschwängert ? «
Mein Bruder [...]

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John


»Auf unseren vierunddreißigsten Nicht-Hochzeitstag!«
Mein Vater hob sein Glas.
Ich saß neben meinem Bruder auf dem Sofa und prostete
meinen Eltern zu. Seit sie sich vor vierunddreißig Jahren
vor der Tür des Standesamtes spontan entschieden hatten,
dass Heiraten ihnen doch zu spießig war, feierten sie jedes
Jahr diesen Tag als ihren Nicht-Hochzeitstag. Beide vergaßen
ihn nie.
»Und auf unseren Familienzuwachs!« Meine Mutter hielt
ihr Glas in die Höhe und nahm dann einen großen Schluck.
Ich sah meinen Bruder an. »Wen hast du geschwängert ? «
Mein Bruder schüttelte den Kopf. »Der neue Kater«, sagte
er aus dem Mundwinkel und goss sich Sekt ein. »Auf eure
Gesundheit«, sagte er dann und leerte sein Glas in einem
Schluck.
Ich nippte an meinem Sekt und sah mich um. »Wo ist
denn eigentlich euer neuer Kater?«
Meine Mutter lachte. »Na, da, neben Papa! Er hat sein
Köpfchen auf Papas Bein gelegt, ist das nicht süß ?« Sie
wies mit ihrem Sektglas neben sich auf meinen Vater.
Ich sah meinen Vater von oben bis unten an.
»Pspspspspspspsps«, machte mein Vater und kraulte
etwas, das auf seinem Schoß lag.

Ich sah genauer hin. Neben meinem Vater auf dem Sofa
lag ein schwarzer Plüschkater.
»Ist er nicht süß?« Meine Mutter strahlte mich an.
»Wer, Papa?«
Mein Bruder gab mir einen Tritt.
»Wir haben ihn vor zwei Wochen bekommen, er ist noch
ganz jung!« Meine Mutter hielt meinem Bruder ihr leeres
Glas hin. Er füllte es bis zum Rand. »Er heißt John!« Mit
einem Schluck leerte meine Mutter das halbe Glas. »Am
Anfang war er noch ziemlich scheu. Aber Papa hat er
gleich völlig vertraut. « Sie sah meinen Vater sehr stolz und
liebevoll an. Der Blick überraschte mich; fast erschrak ich.
Ich hatte diesen Blick schon fast vergessen: So hatte meine
Mutter meinen Vater angesehen, als mein Bruder noch
ganz klein war.
»John«, sagte mein Vater und kraulte weiter den Plüschkater,
»ist ein englischer Kurzhaarkater. Ziemlich teuer, der
kleine Kerl!« Er lachte und sah dabei sehr glücklich aus.
» Aber er war jeden Cent wert.« Meine Mutter griff den
Plüschkater, schwenkte ihn leicht hin und her und machte
dabei maunzende Geräusche. »Oh«, sagte mein Vater, » ich
glaube, er hat Hunger! Ich geh ihm mal was machen,
nimmst du ihn solange? « Vorsichtig fasste er den Kater
unter den Vorderbeinen und legte ihn meiner Mutter auf
den Schoß. Dann stand er auf und ging in die Küche. Einen
Moment später hörte man Klappern und dann ein Rascheln.
»Maunz!«, rief meine Mutter, sprang auf den Boden und
ließ den Kater über den Teppich springen. Kurz vor der
Wohnzimmertür drehte sie sich zu uns um. » Wenn Papa die
Schachtel mit dem Futter schüttelt, ist der Kater nicht zu
halten!« Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Dann war sie draußen.Ich sah meinen Bruder an. Der zuckte ebenfalls mit den
Schultern und sah dabei meiner Mutter so ähnlich, dass es
mich wütend machte. »Wie lange geht das schon ? «, fragte
ich schließlich.
»Sie haben ihn seit zwei Wochen, hat Mama dir doch
erzählt. «
»John«, ich sah ihm fest in die Augen, »ist dir aufgefallen,
dass er John heißt ?«
Mein Bruder lächelte. »Ja, er ist wohl, wie es aussieht,
nach mir benannt.« Wieder dieses Schulterzucken.
Ich spürte, wie ich meine Wut immer weniger unter Kontrolle
halten konnte. »Und was planst du dagegen zu unternehmen,
wenn ich fragen darf ?«
Mein Bruder seufzte. »Ach, weißt du, von mir aus können
sie ihn so nennen, das macht mir . . . «
»Nicht gegen den Namen, du Depp !« Ich flüsterte. » Dagegen,
dass unsere Eltern mit einem Plüschkater spielen !
Sie füttern ihn sogar ! «
»Jonie.« Mein Bruder legte mir die Hand auf den Oberarm,
was vermutlich beruhigend wirken sollte, mich aber
noch wütender machte. »Ich habe mir dazu Folgendes
überlegt. Punkt A: Es schadet niemandem. Punkt B: Es
macht sie glücklich. Conclusio: Wir lassen ihnen den
Spaß.«
Ich schüttelte seine Hand ab. »Du gehst mir mit deiner
Pseudologik so auf den Geist.«
Er ließ meinen Arm los und hob entschuldigend die
Hand. »Sorry.«
» Du spielt das also mit ? «
Er nickte und füllte unsere leeren Gläser. Aus der Küche
hörte ich Geklapper, Geschnurr und die Stimmen meiner
Eltern. Mein Bruder prostete mir zu. » Wie Papa diese Katzengeräusche hinkriegt, ist einmalig. Wir sollten ihn bei
Wetten, dass . . . ? anmelden ! «
» Wetten, dass unser Vater komplett verrückt geworden ist,
oder was ? « Ich trank nichts. » Wir können sie doch nicht vor
unseren Augen durchdrehen lassen, wir müssen was tun ! «
» Jonie. « Mein Bruder stellte sein leeres Glas ab. » Ich sage
nur : Hähnchen, Igelschrank und Björn. « Er sah mich bedeutungsvoll
an. Jetzt zuckte ich mit den Schultern. Mein
Bruder lachte.
» Du siehst aus wie Mama. « Ich nahm mein Glas und
trank. » Und weiter ? «
» Na, Hähnchen, Igelschrank und Björn, das sind . . . «
» Plüschtiere, ich weiß ! « Hähnchen war ein neurotisches
und genderfluides Huhn, Igelschrank ein fanatischer Igel
( der lange in einem Schrank verschüttet gewesen war, daher
auch der Name und die psychischen Probleme ), und
Björn war ein schlecht gelaunter Bär mit zu viel Selbstbewusstsein.
» Wir haben alle mitgespielt, obwohl du dir für die ganzen
niedlichen Tiere total verkorkste Persönlichkeiten ausgedacht
hast. « Mein Bruder sah mich an. » John der Kater
ist wenigstens normal ! «
» Ja, aber ich war damals ein Kind, das war ein Spiel, verstehst
du ? «
» Vielleicht ist das mit John ja auch ein Spiel, und . . . «
Mein Bruder hatte noch nicht ganz zu Ende gesprochen,
als meine Eltern wieder hereinkamen. Meine Mutter hatte
den Plüschkater auf dem Arm. » Wir gehen dann mal ins
Bett. Gute Nacht, ihr Lieben ! « Der Kater schnurrte, dann
sagte auch mein Vater : » Gute Nacht ! «
» Noch eine Frage «, rief ich ihnen hinterher, als sie schon
fast draußen waren.Sie drehten sich um. Meine Mutter kraulte dem Plüschkater
den Kopf. » Ja ? «
» Kann John eigentlich auch schnurren, wenn Papa
gleichzeitig was sagt ? «
Meine Mutter schaute erstaunt.
» Ja, natürlich ! «, sagte meine Vater. Meine Mutter
schnurrte dazu.
» Und du auch, Mama ? «
» Also, Jonie, ich weiß wirklich nicht, was das soll ! «,
sagte meine Mutter über das laute Schnurren meines Vaters
hinweg.
» Nein, ich meine, dass ihr beide und John gleichzeitig
. . . «
» Sei nicht albern, Jonie ! « Mein Vater sah mich böse an.
» Kater schnurren nicht auf Befehl, das liegt nicht in ihrer
Natur ! « Damit drehten sich die beiden um und gingen
hinaus.
» Ich hab’s dir gesagt. « Mein Bruder sah mich triumphierend
an.
» Albern. « Mehr sagte ich dazu an diesem Abend nicht.
Als mein Bruder weg war, ging ich in mein Zimmer. Hier
sah noch alles genauso aus wie an dem Tag, als ich mit 18
ausgezogen war. Auf dem Bett saßen Hähnchen, Igelschrank
und Björn. In einem plötzlichen Impuls packte ich
sie und schmiss sie in der Küche in den Müll. Dann legte
ich mich ins Bett und beneidete meinen Bruder, der jetzt
in seiner eigenen Wohnung schlafen konnte. Meine war
genau 529 Kilometer weit entfernt. An diesem Abend
kamen sie mir vor wie Lichtjahre.

Inhaltsangabe

Jana Scheerer, John 
Julia Franck, Die Schöne aus Siam im kalten Norden 
Christine Haiden, Katz oder Maus ? 
Sophie Winter, Felix, . . . 
Herbert Völker, Katzenkino 
Werner Koch, Liebes Leid und Lust 
Hajo Steinert, Der Kaschmirpullover ( II ) 
Nadja Einzmann, Sie ist wie ein Kind . . . 
Detlef Bluhm, Kater Tiger, Detective wider Willen 
John Ron Goulart, Groucho 
Armin Ayren, Bastet 
Hanna Kulessa, Katzentagundnacht 
Eva Berberich, Von einem Heiligen Vater . . . 
Christa Schmitt, Die Eroberung 
Era Zistel, Chris: einer Katze Lebenslauf 
Wolfram Siebeck, Vom Preis der Mobilität
Pamela Sargent, Im Ungleichgewicht
Dorothy Sayers, Die Moschuskatze
Quellenverzeichnis 

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