Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Solo

Solo

Ein James-Bond-Roman

E-Book
€ 9,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Solo — Inhalt

William Boyd, Meister der Täuschung und des doppelten Spiels, ist prädestiniert wie kein zweiter, den neuen James Bond zu schreiben. Seit »Ruhelos« gilt er als Großer der Spionageliteraturund führt nun erstmals 007 selbst auf Abwege – großartigerNervenkitzel für alle Boyd-Leser und Bond-Fans.

 

Von Ian Fleming Publications auserkoren, der berühmtesten Agentenfigurder Welt neues Leben einzuhauchen, hat William Boyd ein raffiniert-verwickeltes Bond-Abenteuer geschrieben. Klassisch, voll unerwarteter Wendungen, mit zwei enigmatischenBondgirls und endlich wieder einem 007, der Wodka Martini trinkt, geschüttelt, nicht gerührt.

 

 

 

Der Countdown läuft:

 

www.jamesbondsolo.co.uk

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.10.2013
Übersetzt von: Patricia Klobusiczky
368 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7617-5
»Spannend, zynisch und humorig. Gefällt Ihnen, wenn Sie ein Doppelnull-Fan sind.«
Playboy
»"Solo" ist klassisch in bester Fleming-Tradition.«
Stern
»Ian Flemings Erben haben zweifellos einen guten Griff getan, als sie nun dem 1952 in Ghana geborenen Autor ("Ruhelos", "Einfache Gewitter") den berühmtesten Geheimagenten der Welt anvertrauten. Boyd zeichnet ihn nicht als Übermenschen im kugelfesten Smoking, sondern als Mann, der einen hohen Preis für seinen Job bezahlt. […] William Boyd kratzt den Glamour im zweiten Teil fast rückstandslos von der Geheimdienst-Fassade und entlarvt den Westen mit seinem unersättlichen Öldurst als zweifelhaften Mitspieler. Letztlich rettet Bond unserer Zivilisation hier nicht das Leben, sondern nur ihre gewohnte Mobilität - und das bei erheblichem Blutzoll. Guter Wein und Affären sind da kaum mehr als kurzfristige Betäubungsmittel.«
Kölnische Rundschau
»Zum Jubiläum (60 Jahre James-Bond-Roman) geht 007 auf eine neue Mission - sexy und cool wie immer, aber auch zügellos wie nie. [...]. Der Thriller ist großartig geschrieben und überbrückt perfekt die Zeit bis zum nächsten Bond-Film: Denn der kommt erst 2015 ins Kino.«
Jolie
»'Solo' heißt der Roman, weil 007, nachdem bei gleichem Personal der Schauplatz nach Washington D.C. gewechselt ist, auf eigene Rechnung arbeitet, ohne Auftrag - als einsamer Racheengel dessen, was ihm in Afrika widerfahren ist. Hier spielt Boyd alle seine Erzählerqualitäten aus, hier kommt die dunkle Seite dieses James Bond zu voller Geltung: er ist eruptiv-brutaler, unkontrollierter, weniger professionell-kühl als sein Vorgänger. Er hat einen Doppelgänger in sich, der noch nicht auserzählt ist. Ein neuer Anfang ist gemacht.«
Süddeutsche Zeitung
»Der Schotte William Boyd hat mit 'Solo' einen klassischen Spionageroman ganz im Stil von 007-Erfinder Ian Fleming geschrieben. [...]. Am Ende hat man ein spannendes, klischeefreies und politisches Buch gelesen, das dem Mythos James Bond neue persönliche Seiten abgewinnt.«
Die Presse am Sonntag
»Man freut sich an der Begeisterung, mit der Boyd seinen Helden geheime Waffenverstecke erschnüffeln, waghalsige Action-Kunststücke vollführen und mit einem Betäubtem im Kofferraum durch den afrikanischen Busch brettern lässt. [...]. Und man staunt über Boyds Ehrgeiz, James Bond als einen Mann zu etablieren, der sogar eine Art politisches Bewusstsein offenbart.«
Der Spiegel
»Bond wird bei seiner Mission von zwei undurchsichtigen Gestalten schwer verletzt. Ohne Wissen des MI6 übt er Vergeltung und deckt bei seinem Solo gleich mehrere dunkle Machenschaften auf. Eine geradlinige, dynamische Geschichte mit einem Bond aus dem Analogzeitalter, der von Ängsten geplagt und von Eros und Rache getrieben vielschichtiger ist als sein aktueller Wiedergänger auf der Leinwand.«
WDR 5 "Bücher"
»Der Spion, der die Frauen liebte: Der Londoner Schriftsteller William Boyd schrieb den offiziellen neuen James-Bond-Roman 'Solo'. Agent 007 ist darin ein charmanter Romantiker.«
WAZ
»Sein Name ist Boyd, William Boyd. Der Autor so erfolgreicher Romane wie 'Einfache Gewitter', 'Ruhelos' und 'Eines Menschen Herz' gilt als Großmeister der Spionageliteratur. Jetzt wurde er von den Ian-Fleming-Erben ausersehen, den Bond-Mythos wiederzubeleben - 60 Jahre nach dem ersten Auftritt von 007 in 'Casino Royal'.«
ORF Ö1
»Dem neuen Bond-Roman 'Solo', aus der Feder William Boyds, darf man sich auf keinen Fall mit Bond-Klischees aus der älteren Filmgeschichte nähern. Vor uns liegt ein eigenes Meisterwerk, das um den Bond der Leinwand einen Riesenbogen schlägt und uns Flemings Helden in seiner literarischen Urform ein großes Stück näherbringt. [...]. William Boyd hat mit 'Solo' und James Bond einen weiteren Test seiner erzählerischen Meisterschaft bestanden.«
Die Welt am Sonntag
»Bond und Boyd - hier haben sich zwei gefunden. Dort Bond, MI6-Agent 007, Gentleman und Frauenheld, der durch Flemings Bücher und die Verfilmungen mit Sean Connery & Co. in der Hauptrolle fast der ganzen Welt ein Begriff ist; da Boyd, Verfasser der zwei Spionage-Romane 'Ruhelos' und 'Eine große Zeit', Freund von Daniel Craig und königlich geadelter Commander of the British Empire, der mit seinen gut 20 Büchern weltweit ein Millionenpublikum erreicht und Preise wie den Costa Book Award bekommen hat. [...]. 'Solo' ist süffig, reichhaltig und mit starkem Abgang.«
SonntagsZeitung
»Boyds Einsatz ist rundum gelungen, 'Solo' dürfte die 007-Fangemeinde begeistern. [...]. Boyd gönnt dem Geheimagenten einen geradezu napoleonischen Auftritt als militärischer Stratege der Schlacht am Kololo-Staudamm. Wie der immerhin 45-jährige Bond sein anstrengendes Afrika-Programm aus Krieg und Verführung bewältigt, ist ebenso beeindruckend wie der detailliert aufgelistete Konsum des Kettenrauchers und harten Trinkers.«
Abendzeitung München
»Auch Agent James Bond kehrt in literarischer Gestalt zurück. Geschrieben hat den Roman William Boyd, ideeller Ian-Fleming-Erbe und Spionageliteratur-Kronprinz von John le Carrés Gnaden.«
Weser Kurier

Leseprobe zu »Solo«

1. Im Traum beginnt Verantwortung

James Bond träumte. Seltsamerweise wusste er auf Anhieb,
wo und wann der Traum sich abspielte – es war im
Krieg und er war sehr jung und lief allein auf einem eingesunkenen
Feldweg in der Normandie, inmitten von dichten
Schlehenhecken. In seinem Traum bog Bond ab und
erblickte in einem flachen Graben am Rand des schlammigen
Pfads die durchnässten, zusammengedrängten
Leichen von drei britischen Fallschirmjägern. Schockiert
hielt er inne – der leblose Haufen schien auf eigenartige
Weise Teil des Erdreichs zu sein, er erinnerte [...]

weiterlesen

1. Im Traum beginnt Verantwortung

James Bond träumte. Seltsamerweise wusste er auf Anhieb,
wo und wann der Traum sich abspielte – es war im
Krieg und er war sehr jung und lief allein auf einem eingesunkenen
Feldweg in der Normandie, inmitten von dichten
Schlehenhecken. In seinem Traum bog Bond ab und
erblickte in einem flachen Graben am Rand des schlammigen
Pfads die durchnässten, zusammengedrängten
Leichen von drei britischen Fallschirmjägern. Schockiert
hielt er inne – der leblose Haufen schien auf eigenartige
Weise Teil des Erdreichs zu sein, er erinnerte eher an
ein aufkeimendes Gewächs als an menschliche Wesen –,
aber von hinten kam wütendes Gebrüll, er solle weitergehen.
Jenseits des Grabens schritt ein Bauer hinter seinem
Kaltblütergespann einher und pflügte geschäftig seinen
Acker, als fände der Krieg nicht statt und als hätten diese
toten Männer und die kleine Kommandopatrouille, die
bang und wachsam seinen Wirtschaftsweg entlangging,
absolut nichts mit seinem Alltag zu tun –
Bond fuhr aus dem Schlaf hoch. Der Traum hatte ihn
durch seine ungeheure Anschaulichkeit und gespenstische
Präzision nachhaltig verstört. Sein Herz pochte vernehmlich,
als liefe er immer noch zielstrebig über diesen
schlammigen Weg an den toten Fallschirmjägern vorbei.
Er dachte über den Zeitpunkt nach: Er konnte ihn genau
benennen – es war am späten Vormittag des 7. Juni 1944
gewesen, einen Tag nach der Invasion in Frankreich – am
Tag nach dem D-Day. Warum träumte er vom Krieg? Bond
verirrte sich nur selten in den finsteren Wald seiner Erinnerungen
an damals. Mit beiden Händen fuhr er sich
durchs Haar und schluckte. Er hatte Halsschmerzen. Zu
viel Alkohol am Vorabend? Er griff nach dem Wasserglas
auf seinem Nachttisch und trank ein paar große Schlucke.
Dann legte er sich wieder hin, um über die Ereignisse vom
7. Juni 1944 zu sinnieren.
Mit einem grimmigen Lächeln stand er schließlich auf
und ging nackt ins Bad. Das Dorchester verfügte über die
besten Duschen ganz Londons, mit kraftvollem Wasserstrahl,
der seine Haut auf fast schmerzhafte Weise zum
Prickeln brachte, während die traumatischen Erinnerungen
an jenen Tag im Jahr 1944 langsam fortgespült wurden.
Die letzten zwanzig Sekunden duschte er kalt. Allmählich
wurde es Zeit für das Frühstück. Sollte er es im
Zimmer oder unten im Speisesaal einnehmen? Unten, beschloss
er, dort würde alles frischer sein.
Bond rasierte sich und schlüpfte in einen Anzug aus
dunkelblauem Kammgarn, kombiniert mit einem hellblauen
Hemd und einer schwarzen Seidenstrickkrawatte.
Als er den Knoten festzog, fielen ihm unwillkürlich weitere
Details ein. Damals war er neunzehn Jahre alt, Leutnant
im Sicherheitsdienst der Marine-Freiwilligenreserve
und als »Beobachter« der BRODFORCE zugeteilt, die zur
30 Assault Unit gehörte, einem Elitekommando, das Geheimnisse
der Gegenseite – Dokumente, Akten und Verschlüsselungsgeräte
– aufspürte und alle Plünderungen,
die nach der Schlacht zulässig sind, durchführte. Tatsächlich
hielt Bond Ausschau nach einer neuen Version der
Chiffriermaschine, die die Wehrmacht benutzte, und
wollte durch rasches Eingreifen den Feind überrumpeln
und jede Gegenwehr von vornherein ausschließen.
Am D-Day und am Tag danach landeten verschiedene
kleine Untereinheiten der 30 AU an den Stränden der Normandie.
BRODFORCE war die kleinste, nur zehn Kommandosoldaten,
mit einem Offizier, Major Niven Brodie – und
Leutnant Bond. Eine Stunde nach Sonnenaufgang hatten
sie im Jig-Sektor von »Gold Beach« ihr Landungsboot verlassen
und wurden in einem Armeelaster nach Sainte Sabine
gebracht, einem Provinzstädtchen unweit des Chateau
Malflacon, Hauptquartier der SS in dieser Region.
Von dort aus rückten sie gemeinsam mit einem Vorstoßtrupp
der Kanadischen Infanterie zu Fuß über die tiefen,
schmalen Wege der normannischen Bocage vor. Der Vorstoß
vom »Gold Beach« ins Hinterland war so schnell erfolgt,
dass es keine richtige Front gab. BRODFORCE eilte
den britischen und kanadischen Einsatzkräften voraus,
um sich so schnell wie möglich die Beute einzuverleiben,
die sie im Chateau Malflacon vorfinden würden. Und als
sie unterwegs die toten Fallschirmjäger gesehen hatten,
war es Major Brodie höchstselbst, der Bond angeherrscht
hatte, er solle weitergehen …
Bond kämmte sich und strich die widerspenstige Locke
zurück, die ihm ständig in die Stirn fiel. Vielleicht sollte
er sich anders frisieren, so wie dieser Fernsehfritze – wie
hieß er doch gleich? –, mit einem kurzen Pony, ganz ohne
Scheitel, wie es jetzt Mode war. Nein, dachte er, pas mon
style. Wieder schluckte er – er hatte wirklich Halsschmerzen.
Er verließ das Zimmer, schloss die Tür ab und ging
zum Lift. Während er den Knopf drückte, dachte er, ja,
Rührei mit Speck, jede Menge Kaffee, eine Zigarette, dann
wäre alles wieder im Lot –
Die Lifttüren öffneten sich.
»Guten Morgen«, sagte eine Frauenstimme von drinnen.
»Morgen«, erwiderte Bond mechanisch und trat hinein.
Den Duft erkannte er auf Anhieb – die Vanille- und Irisnoten
von Guerlains Shalimar. Ein unvergesslicher Duft,
den seine Mutter früher benutzt hatte. Ihm war, als hätte
er die Tür zu seiner Kindheit geöffnet. So vieles aus seiner
Vergangenheit stürmte heute auf ihn ein, dachte Bond
und blickte zu der Frau, die in der Ecke lehnte. Sie lächelte
ihm zu, mit einer fragend hochgezogenen Augenbraue.
»Alles Gute zum Geburtstag?«, sagte sie.
»Woher wissen Sie, dass ich Geburtstag habe?« Bond gelang
es mit einiger Mühe, nicht allzu überrascht zu klingen.
»War bloß geraten«, erklärte sie. »Es ist mir nicht entgangen,
dass Sie gestern Abend gefeiert haben. Genau wie
ich – das merkt man sofort. Feiernde unter sich.«
Bond räusperte sich, die Hand am Krawattenknoten,
und rief sich den Vorabend in Erinnerung. Die Frau hatte
ebenfalls im Speisesaal gesessen, ein paar Tische von ihm
entfernt.
»Stimmt«, sagte er etwas zerknirscht. »Ich habe Geburtstag
…« Er spielte auf Zeit, sein Verstand kam nur langsam
in Gang. An diesem Morgen war er definitiv nicht auf dem
Posten. Der Lift surrte nach unten in die Lobby.
»Und Sie … was haben Sie gefeiert?«, fragte er. Jetzt fiel
es ihm wieder ein – sie hatten beide Champagner getrunken
und einander von fern zugeprostet.
»Den vierten Jahrestag meiner Scheidung«, antwortete
sie trocken. »Das ist mittlerweile ein festes Ritual. Ich gönne
mir Cocktails, ein festliches Abendessen, Jahrgangs-
champagner und eine Nacht im Dorchester – und dann
schicke ich ihm die Rechnung.«
Die Frau war hochgewachsen, langgliedrig, Bonds
Schätzung nach etwa Mitte dreißig, sie hatte ein schönes,
markantes Gesicht und dicke, honigblonde Haare, schulterlang
und in einer schwungvollen Welle nach außen
frisiert. Blaue Augen. Skandinavierin? Sie trug einen einteiligen
Hosenanzug aus marineblauem Jersey mit einem
auffälligen goldenen Reißverschluss, der knapp oberhalb
der Lenden ansetzte und bis zum Hals reichte. Der enganliegende
Stoff brachte ihre vollen Brüste zur Geltung,
wie Bond anerkennend registrierte. Für den Bruchteil einer
Sekunde flackerte Lust in seinen Augen auf, ein bewusstes
Signal, das von seinem Gegenüber sofort erwidert
wurde: Botschaft angekommen.
Die Lifttüren gingen mit einem »Ping« auf – Erdgeschoss.
»Einen schönen Tag noch«, sagte sie lächelnd und entschwand
in die weitläufige Lobby.
Im Speisesaal bestellte Bond eine große Portion Rührei
und dazu ein halbes Dutzend Scheiben grünen Speck, gut
durchgebraten. Während er auf sein Frühstück wartete,
nahm er einen tüchtigen Schluck starken, schwarzen Kaffee
und steckte sich die erste Zigarette des Tages an.
Man hatte ihm den gleichen Tisch zugewiesen wie am
Vorabend. Die Frau hatte zu seiner Linken gesessen, drei
Tische weiter in der Ecke, so dass Bond den Kopf nur leicht
zu drehen brauchte, um eine perfekte Sicht zu haben und
ihr eine ebenso perfekte Sicht zu bieten. Vor dem Essen
hatte Bond zwei Dry Martinis im Fielding’s getrunken,
dem privaten Spielkasino, wo er beim Chemin de fer binnen
zwanzig Minuten fast hundert Pfund verlor, aber davon
wollte er sich auf keinen Fall den Abend verderben lassen.
Zur Vorspeise, gebratenen schottischen Jakobsmuscheln
mit einer Beurre-Blanc-Sauce, hatte er eine Flasche Taittinger
Rosé 1960 bestellt, und als er das Glas erhob, um
sich selbst – im Stillen – zum 45. Geburtstag zu gratulieren,
fiel ihm die Frau ins Auge, die wenige Tische von ihm
entfernt mit einer geradezu spiegelbildlichen Geste ebenfalls
ihr Champagnerglas erhob. Ihre Blicke trafen sich –
Bond zuckte mit den Schultern, lächelte und prostete ihr
amüsiert zu. Sie prostete zurück, und damit war die Sache
für ihn erledigt gewesen. Als sie ging, nahm er gerade
die Flasche Chateau Batailley 1959 in Augenschein, die er
zum Hauptgang – Rinderfilet, blutig, mit Pommes dauphinoises
– trinken wollte, so dass er die Frau kaum wahrgenommen
hatte, als sie flink an seinem Tisch vorbeilief.
Er bemerkte nur, dass sie groß und blond war, ein cremefarbenes
Kleid trug und ihre Schuhe mit kleinen, klobigen
goldenen Absätzen versehen waren, die im Licht der
Tischlampen aufleuchteten, als sie den Speisesaal verließ.
Er streute ein bisschen Pfeffer auf sein Rührei. Eine ordentliche
Mahlzeit war die erste unabdingbare Voraussetzung
für einen gelungenen Start in den Tag. Er hatte
seiner Sekretärin gesagt, dass er nicht ins Büro kommen
würde – das war Teil seines Geschenks an sich selbst. Unmöglich,
seinen 45. Geburtstag mit der Aussicht auf einen
ganz gewöhnlichen Arbeitstag zu begehen, genauso
unmöglich, wie ihn ohne ein anständiges Frühstück zu
beginnen. Er bestellte ein weiteres Kännchen Kaffee – die
heiße Flüssigkeit tat seinem Hals gut. Seltsam, dass diese
Frau im Lift aufgetaucht war, noch seltsamer, dass sie seinen
Geburtstag erraten hatte … Komischer Zufall. Er rief
sich einen der wichtigsten Leitsätze seines Berufsstands
in Erinnerung: Was nach Zufall aussieht, ist höchstwahrscheinlich
keiner. Dessen ungeachtet gab es im Leben
ständig echte Zufälle, das war nicht zu leugnen. Außerdem
war diese Frau sehr attraktiv. Ihm gefiel die Art, wie
sie sich frisierte. Gepflegt, aber natürlich –
Der Oberkellner bot ihm ein Exemplar der Times an.
Bond warf einen Blick auf die Schlagzeile – »Vietcong-Offensive
mit herben Verlusten abgewehrt« – und winkte
ab. Heute nicht, vielen Dank. Dieser Reißverschluss an ihrem
Anzug – ihrem Catsuit – war die reinste Provokation,
er schrie danach, aufgezogen zu werden. Bond lächelte
insgeheim, während er sich den Vorgang ausmalte, und
trank weiter Kaffee – noch gehörte er nicht zum alten Eisen.
Bond kehrte in sein Zimmer zurück und packte ein, was
er am Vorabend getragen hatte, Smoking, Hemd und Unterwäsche.
Dann steckte er seinen Kulturbeutel in die Reisetasche
und vergewisserte sich, dass er nichts vergessen
hatte. Wegen seiner Schmerzen würde er ein paar Aspirin
nehmen müssen. Der Kaffee hatte sie vorübergehend
gelindert, doch jetzt fühlte sich sein Hals dick und geschwollen
an, er konnte kaum schlucken. Grippe? Eher
eine Erkältung – Fieber hatte er zum Glück nicht. Außerdem
stand ihm der ganze Tag zur freien Verfügung – er
musste zwar ein paar Pflichten nachkommen, aber er
würde sich auch etliche Geburtstagsfreuden genehmigen.
Am Empfang scharte sich ein Dutzend japanische Touristen,
die offenbar alle gleichzeitig nach der Rechnung
verlangten. Bond nahm eine Zigarette aus seinem Etui
und stellte dabei leicht beunruhigt fest, dass er am Vor-
abend mehr als dreißig geraucht haben musste. Er hatte
das Etui aufgefüllt, bevor er ins Kasino ging. An diesem
Tag verbat sich allerdings jeder Gedanke an Verzicht und
Selbstdisziplin, ganz im Gegenteil, er wollte ihn in vollen
Zügen genießen. Just als er sein Feuerzeug aus der Tasche
holte, stieg ihm wieder der Duft von Shalimar in die Nase
und eine vertraute Frauenstimme fragte: »Hätten Sie mal
Feuer für mich?«
Während Bond ihr Feuer gab, hielt sie seine Hand mit
zwei Fingern fest. Zu ihren Füßen lag eine kleine Reisetasche
aus cremefarbenem Leder. Sie checkte also ebenfalls
aus – Zufall? Bond steckte seine Zigarette an und sah ihr
direkt in die Augen. Sie blies den Rauch seitlich weg und
erwiderte ungerührt seinen Blick.
»Folgen Sie mir oder folge ich Ihnen?«, sagte sie.
»Wir laufen uns recht oft über den Weg, so viel steht
fest«, antwortete er. Er streckte die Hand aus. »Mein Name
ist Bond, James Bond.«
»Bryce Fitzjohn.« Beim Händeschütteln bemerkte Bond
mit Wohlgefallen, dass sie kurze, unlackierte Fingernägel
und einen festen Händedruck hatte. »Feiern Sie Ihren Geburtstag
immer allein?«
»Nicht immer«, sagte Bond. »Dieses Jahr war mir einfach
nicht nach Gesellschaft.«
Sie blickte auf, als die Japaner sich zerstreuten.
»Na endlich«, sagte sie. Bond meinte den Hauch eines
Akzents zu erkennen. Bryce Fitzjohn – Irin?
»Nach Ihnen«, sagte Bond.
Sie öffnete ihre Handtasche und zog eine Visitenkarte
heraus.
»Meinen Scheidungstag begehe ich am Schluss immer
mit einer kleinen Cocktailparty. Heute Abend bei mir. Es
kommen ein paar unterhaltsame und interessante Leute.
Sie sind herzlich eingeladen. Um sechs geht es los, und
dann sehen wir, wie sich der Abend entwickelt.«
Bond nahm die Visitenkarte entgegen – jetzt läuteten
bei ihm ganz leise die Alarmglocken. Sie spielte mit offenen
Karten. Die blauen Augen waren aufrichtig. Ich würde
Sie gern wiedersehen, war die Botschaft – und vielleicht
könnten wir uns später auch anders verlustieren,
lautete der Subtext.
»Leider bin ich schon vergeben«, sagte Bond mit einem
verbindlichen Lächeln und steckte die Karte dennoch ein.
»Das bedaure ich sehr.«
»Macht nichts«, sagte sie fröhlich. »Vielleicht treffen
wir uns nächstes Jahr hier. Auf Wiedersehen, Mr Bond.«
Während sie zum Empfang schlenderte, ließ Bond die
Rückseite ihrer perfekten Figur auf sich wirken. Er hatte
genau das Richtige getan, es war die korrekte Vorgehensweise,
und trotzdem fragte er sich, ob seine entschiedene
Ablehnung nicht ein wenig voreilig gewesen war …
Bond fuhr mit dem Taxi zu seiner Wohnung in Chelsea.
Als sie auf den Sloane Square bogen, hellte sich seine Stimmung
auf. Der Sloane Square und die Albert Bridge waren
die beiden Londoner Wahrzeichen, die sein Herz zu jeder
Tages-, Nacht- und Jahreszeit höher springen ließen – hier
war er zu Hause. Er wohnte gern in Chelsea – »jener belaubte
stille kultivierte Spielraum …, wo ich werkte und
wanderte«. Von wem stammten diese Zeilen? Spielt keine
Rolle, dachte er, als er den Taxifahrer bat, ihn kurz vor
dem baumbestandenen Wellington Square abzusetzen,
denn sie drückten so oder so genau das aus, was er empfand.
Er schlenderte über den Square zu seiner Haustür
und noch während er in seinen Taschen nach dem Schlüssel
suchte, machte ihm seine Haushälterin Donalda auf.
»Ach, schön, dass Sie wieder da sind, Sir. Wir haben leider
ein Problemchen – die Maler haben im Wohnzimmer
eine feuchte Stelle entdeckt.«
Bond folgte ihr in die Wohnung und ließ seine Reisetasche
im Flur stehen. Donalda arbeitete seit sechs Monaten
für ihn – sie war die Nichte von May, seiner langjährigen,
treu ergebenen Haushälterin, die nach langem Zaudern
schließlich doch in den Ruhestand getreten war, als sich
Arthritis bemerkbar machte. May hatte sie ihm empfohlen:
»So bleibt alles in der Familie, Mr James. Wir stehen
uns sehr nah.« Donalda war eine schlanke junge Frau Ende
zwanzig, wirkte streng und lächelte kaum. Sie schminkte
sich nie und trug einen kurzen Pagenkopf mit Stirnfransen
– in Bonds Augen eine Nonnenfrisur. Vermutlich
hätte sie nur ein bisschen Mühe investieren müssen, um
anziehender zu erscheinen, aber die Übergabe von Mays
Verantwortungsbereich war so reibungslos vonstattengegangen,
dass er nicht den geringsten Wunsch verspürte,
diesen geregelten Ablauf in irgendeiner Weise zu stören.
Nach einer zweiwöchigen Einarbeitungsphase, in der
beide Frauen sich gemeinsam um seinen Haushalt gekümmert
hatten, war May verschwunden und Donalda an ihre
Stelle getreten. Für ihn hatte sich rein gar nichts geändert:
Sein Kaffee war so stark wie immer, sein Rührei hatte die
gleiche Konsistenz, seine Hemden wurden weiterhin perfekt
gebügelt, die Einkäufe erledigt, die ganze Wohnung
makellos sauber gehalten. Donalda hatte sich so nahtlos
in seinen Alltag eingefügt, als hätte sie von Kindesbeinen
an dafür geübt.

William Boyd

Über William Boyd

Biografie

William Boyd, 1952 in Ghana geboren, gehört zu den überragenden europäischen Erzählern unserer Zeit. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher und wurde vielfach ausgezeichnet. Im Berlin Verlag erschienen zuletzt »Ruhelos« (2007), »Einfache Gewitter« (2009), »Nat Tate« (2010), »Eine große...

Pressestimmen

Playboy

»Spannend, zynisch und humorig. Gefällt Ihnen, wenn Sie ein Doppelnull-Fan sind.«

Stern

»"Solo" ist klassisch in bester Fleming-Tradition.«

Kölnische Rundschau

»Ian Flemings Erben haben zweifellos einen guten Griff getan, als sie nun dem 1952 in Ghana geborenen Autor ("Ruhelos", "Einfache Gewitter") den berühmtesten Geheimagenten der Welt anvertrauten. Boyd zeichnet ihn nicht als Übermenschen im kugelfesten Smoking, sondern als Mann, der einen hohen Preis für seinen Job bezahlt. […] William Boyd kratzt den Glamour im zweiten Teil fast rückstandslos von der Geheimdienst-Fassade und entlarvt den Westen mit seinem unersättlichen Öldurst als zweifelhaften Mitspieler. Letztlich rettet Bond unserer Zivilisation hier nicht das Leben, sondern nur ihre gewohnte Mobilität - und das bei erheblichem Blutzoll. Guter Wein und Affären sind da kaum mehr als kurzfristige Betäubungsmittel.«

Jolie

»Zum Jubiläum (60 Jahre James-Bond-Roman) geht 007 auf eine neue Mission - sexy und cool wie immer, aber auch zügellos wie nie. [...]. Der Thriller ist großartig geschrieben und überbrückt perfekt die Zeit bis zum nächsten Bond-Film: Denn der kommt erst 2015 ins Kino.«

Süddeutsche Zeitung

»'Solo' heißt der Roman, weil 007, nachdem bei gleichem Personal der Schauplatz nach Washington D.C. gewechselt ist, auf eigene Rechnung arbeitet, ohne Auftrag - als einsamer Racheengel dessen, was ihm in Afrika widerfahren ist. Hier spielt Boyd alle seine Erzählerqualitäten aus, hier kommt die dunkle Seite dieses James Bond zu voller Geltung: er ist eruptiv-brutaler, unkontrollierter, weniger professionell-kühl als sein Vorgänger. Er hat einen Doppelgänger in sich, der noch nicht auserzählt ist. Ein neuer Anfang ist gemacht.«

Die Presse am Sonntag

»Der Schotte William Boyd hat mit 'Solo' einen klassischen Spionageroman ganz im Stil von 007-Erfinder Ian Fleming geschrieben. [...]. Am Ende hat man ein spannendes, klischeefreies und politisches Buch gelesen, das dem Mythos James Bond neue persönliche Seiten abgewinnt.«

Der Spiegel

»Man freut sich an der Begeisterung, mit der Boyd seinen Helden geheime Waffenverstecke erschnüffeln, waghalsige Action-Kunststücke vollführen und mit einem Betäubtem im Kofferraum durch den afrikanischen Busch brettern lässt. [...]. Und man staunt über Boyds Ehrgeiz, James Bond als einen Mann zu etablieren, der sogar eine Art politisches Bewusstsein offenbart.«

WDR 5 "Bücher"

»Bond wird bei seiner Mission von zwei undurchsichtigen Gestalten schwer verletzt. Ohne Wissen des MI6 übt er Vergeltung und deckt bei seinem Solo gleich mehrere dunkle Machenschaften auf. Eine geradlinige, dynamische Geschichte mit einem Bond aus dem Analogzeitalter, der von Ängsten geplagt und von Eros und Rache getrieben vielschichtiger ist als sein aktueller Wiedergänger auf der Leinwand.«

WAZ

»Der Spion, der die Frauen liebte: Der Londoner Schriftsteller William Boyd schrieb den offiziellen neuen James-Bond-Roman 'Solo'. Agent 007 ist darin ein charmanter Romantiker.«

ORF Ö1

»Sein Name ist Boyd, William Boyd. Der Autor so erfolgreicher Romane wie 'Einfache Gewitter', 'Ruhelos' und 'Eines Menschen Herz' gilt als Großmeister der Spionageliteratur. Jetzt wurde er von den Ian-Fleming-Erben ausersehen, den Bond-Mythos wiederzubeleben - 60 Jahre nach dem ersten Auftritt von 007 in 'Casino Royal'.«

Die Welt am Sonntag

»Dem neuen Bond-Roman 'Solo', aus der Feder William Boyds, darf man sich auf keinen Fall mit Bond-Klischees aus der älteren Filmgeschichte nähern. Vor uns liegt ein eigenes Meisterwerk, das um den Bond der Leinwand einen Riesenbogen schlägt und uns Flemings Helden in seiner literarischen Urform ein großes Stück näherbringt. [...]. William Boyd hat mit 'Solo' und James Bond einen weiteren Test seiner erzählerischen Meisterschaft bestanden.«

SonntagsZeitung

»Bond und Boyd - hier haben sich zwei gefunden. Dort Bond, MI6-Agent 007, Gentleman und Frauenheld, der durch Flemings Bücher und die Verfilmungen mit Sean Connery & Co. in der Hauptrolle fast der ganzen Welt ein Begriff ist; da Boyd, Verfasser der zwei Spionage-Romane 'Ruhelos' und 'Eine große Zeit', Freund von Daniel Craig und königlich geadelter Commander of the British Empire, der mit seinen gut 20 Büchern weltweit ein Millionenpublikum erreicht und Preise wie den Costa Book Award bekommen hat. [...]. 'Solo' ist süffig, reichhaltig und mit starkem Abgang.«

Abendzeitung München

»Boyds Einsatz ist rundum gelungen, 'Solo' dürfte die 007-Fangemeinde begeistern. [...]. Boyd gönnt dem Geheimagenten einen geradezu napoleonischen Auftritt als militärischer Stratege der Schlacht am Kololo-Staudamm. Wie der immerhin 45-jährige Bond sein anstrengendes Afrika-Programm aus Krieg und Verführung bewältigt, ist ebenso beeindruckend wie der detailliert aufgelistete Konsum des Kettenrauchers und harten Trinkers.«

Weser Kurier

»Auch Agent James Bond kehrt in literarischer Gestalt zurück. Geschrieben hat den Roman William Boyd, ideeller Ian-Fleming-Erbe und Spionageliteratur-Kronprinz von John le Carrés Gnaden.«

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden