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Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar

Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar

Russische Liebesgeschichten

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Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar — Inhalt

Ali-Baba verliebt sich in einen Blauäugigen in fi nnischem Anzug, den sie beim Schlangestehen in einer Bierbar kennenlernt. Olga, die fast kahle Großmutter, geht zum Rendezvous ins Kino. Und der Elektriker Viktor verknallt sich in der Disko in Tanja, von der er sofort weiß, „was für ein Schatz ihm da in den Schoß gefallen ist". Nach den Russischen Schauergeschichten legt Ljudmila Petruschewskaja in ihrem neuen Band siebzehn Russische Liebesgeschichten nach. Wieder versammelt sie unendlich komische, fantastische Storys - ein minibisschen romantisch, aber vor allem wieder schaurig-schön und schräg zugleich.

 

»So grausam, dass man beim Lesen oft lachen muss.Aus Ljudmila Petruschewskajas Humor entsteht ein

wüster Zauber.« KulturSpiegel

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 20.08.2012
Übersetzt von: Antje Leetz
192 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7546-8

Leseprobe zu »Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar«

I. Verliebte Frauen

TAMARAS BABY
Warum ihn keiner einlädt?
Ach, weil kein Mensch über die Haussprechanlage hören will: »Sobald Sie den elementaren Anstand über Bord geworfen haben, geht alles Übrige ganz leicht, hallo!«
Weil er so viel gelitten hat, so sehr in Einsamkeit und Hässlichkeit ausgetrocknet ist (die Zähne sind bis auf einen alle ausgefallen, wie bei der Hexe Baba Jaga), dass er in jedem Haus, in das er kommt, augenblicklich alles vergisst und mit seinem einzigen Wackelzahn (unten) schreit und deklamiert, redet und redet, und weil das Essen aus [...]

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I. Verliebte Frauen

TAMARAS BABY
Warum ihn keiner einlädt?
Ach, weil kein Mensch über die Haussprechanlage hören will: »Sobald Sie den elementaren Anstand über Bord geworfen haben, geht alles Übrige ganz leicht, hallo!«
Weil er so viel gelitten hat, so sehr in Einsamkeit und Hässlichkeit ausgetrocknet ist (die Zähne sind bis auf einen alle ausgefallen, wie bei der Hexe Baba Jaga), dass er in jedem Haus, in das er kommt, augenblicklich alles vergisst und mit seinem einzigen Wackelzahn (unten) schreit und deklamiert, redet und redet, und weil das Essen aus seinem Mund spritzt und manchmal sogar in ganzen Brocken herausfällt.
Dabei sagt er wichtige Dinge, kluge und interessante, die er aus den täglichen Gesprächen (den stummen) mit den alten toten Autoren schöpft, wenn er in Bibliotheken sitzt, aber wenn er tatsächlich mal irgendwo zu Besuch ist, sind alle Zuhörer irgendwie verlegen und wenden die Augen ab.
Es könnte ja passieren, dass er einem in die Fresse spuckt, unbeabsichtigt! Denn er will unbedingt essen und sich gleichzeitig satt reden.
Er drückt sich so aus:
»Endlich wieder was Warmes zwischen den Zähnen!«
Er isst hastig. Und die Früchte seiner Überlegungen spritzen den Zuhörern ins Gesicht.
»Für Sie bleiben die Türen des ersehnten Hortes ver10
schlossen, ein Zitat!«, ruft er völlig zusammenhanglos. »Wie auch für mich, nebenbei.«
Er ist voller Gedanken, die den anderen nicht immer verständlich sind, und er redet so schnell, dass er nichts erklärt, keine Zeit!
Er ist einfach ein Monster, das im Warmen hockt.
Wie könnte es anders sein! Er ist in seinem Element, er ist gebildet, Jahr für Jahr trottet er in Lesesäle und auf Raucherinseln, hat das Material erforscht (wenn der Mensch kein Geld hat, hat er wenigstens Zeit!), die Folianten auf den Schreibtisch gewuchtet, gesucht und gewühlt.
Das heißt, er wühlt nicht einfach ins Blaue hinein. Er stellt so was wie die Bibliographie eines vergessenen Halbautors zusammen, ein Verzeichnis der veröffentlichten Werke. (Schade, dass kein Computer da ist zum Hinpinseln.) Sein Held hat nur wenig hinterlassen, kaum was zum Entdecken, aber das war dann Gold wert. Nebenbei durchforstet er die gesamte Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen dem unbekannten Schriftsteller und seinen Zeitgenossen, vergegenwärtigt sie sich usw.
Ganz zu schweigen von den Polemiken, den hundert Jahre jungen Streitschriften, Fakten und Feuilletons – das sind ganze Romane unter Beteiligung von Dirnen und Streithammeln, die Geschichte gemacht haben.
Damit würde er hundertprozentig Erfolg haben! Ein paar berühmte Namen und das Publikum schlackert mit den Ohren!
Er hofft auf die Hilfe ausländischer Universitätsfonds. Die sind legendär, diese Fonds. Wie ein himmlischer Gott, wie ein Deus ex Machina.
Seine Vorträge hält er allerdings vorerst nur auf den Raucherinseln der Bibliothek, und da gibt es ein Handicap – er hat keine eigenen Zigaretten dabei, kommt mit leeren Lip11
pen, ohne Papirossa, daher sein Kichern, die Anspannung bei den Gesprächen, als wolle er mit seinem Reden nur auf eine Bitte hinaus, die er wie nebenbei hervorbringt: Kann ich bei Ihnen eine schlauchen, ich habe so wenig zu essen, dass mir buchstäblich das Dach überm Kopf abhanden gekommen ist!
Seine Reden kreisen um allgemein bekannte Paradoxe – die Friedhöfe, predigt er, seien voller Simulanten, und Gott habe nichts mit Religion zu tun, und das einzige, was die Politiker interessiert, sei die Wiederwahl, ham Se mal ne Lulle für mich?
Die gleichen Reden hält er, wenn er bei jemandem zu Besuch ist, was selten vorkommt (er wird nicht eingeladen, kommt ungerufen, steht plötzlich vor der Haustür und haucht zahnlos und einschmeichelnd seine Bitte in die Sprechanlage, bin gerade über euer Territorium geflogen, kann ich rein?).
Das Geheimnis ist, dass die Frauen Angst vor ihm haben, am Ende will er noch für immer bleiben (der Lieblingssatz der Frauen: »Ich fühle, er will bleiben.«).
Dabei ist er auch noch alt. Was ihn nicht daran hindert, in die Sprechanlage zu jammern: »Lass mich rein und fühl, wie er steht!« Nach einer Pause schreit er wieder hinein: »Das Leben ist kurz, das Warten auf eine Antwort unendlich. Hallo!«
Wer will ihm schon angesichts solcher Argumente die Tür öffnen?
Zumal man nach solcherart Übernachtung alles waschen und den Diwan bis zu den Sprungfedern aufmöbeln muss, wirklich wahr.
Dabei hat er irgendwo eine Hütte, aber die ist überflutet, auf dem Fußboden Wasser, ohne Zimmerdecke, eingestürzt. Das Klobecken rausgerissen. Ein Geruch! Von den Wänden
tropft Wasser. Und der Mieter dieser Wohnung ist nach der Scheidung und dem darauf folgenden Auszug (sie haben ihn in diese miese Unterkunft gesetzt, die Schweine!) nur noch in der Lage zu lesen, er hat in Bibliotheken Unterschlupf gefunden. Bringt sein Brot mit, trinkt Wasser aus der Leitung, in der Bibliothekskantine kann er essen, was die anderen stehen lassen. Ein Tellerablecker, wenn Sie es wissen wollen. Von der Frau verlassen und mit den Kindern im Clinch. Sehnt sich nach warmem Essen und kauft, sobald er seine Rente kriegt, sofort was Warmes – ein Würstchen oder (sein Lebenstraum) zwei, manchmal auch drei Hamburger. Kann nicht mit Geld umgehen!
Von der Rente bezahlt er unverzüglich (Triumph des Gewissens!) die Schulden und hat dann nichts mehr, aber diese feierliche Rückzahlung ist noch ein weiterer Türöffner, – nicht mehr und nicht weniger als ein direkter Anlass für sein »Ich fliege gerade über euer Territorium. Ich will euch das Geld zurückgeben« – das heißt, er will was zu essen.
Dann hat er in irgendeinem Text den Satz aufgeschnappt: »Ich habe kein Geld für Augentropfen, ich werde blind! Ich zahl’s von meiner Rente zurück, das weißt du doch!«
So geht alles seinen Gang, aber eines Tages geschieht etwas: Sein schriftlicher Antrag für eine kostenlose Kur (auf der Raucherinsel der Bibliothek hatten ihm die Freunde, Kämpfer für Menschenrechte, geraten, wie und in welcher Institution er seinen Antrag stellen müsse, sie halfen ihm mit Rat und Tat, diktierten ihm sogar den Text) – sein Gesuch also, das er noch im vergangenen Sommer gestellt und auf der Post mit einem staatseigenen Kuli geschrieben hatte, ist bis zu seinem nächsten Besuch beim Amt unbeantwortet liegen geblieben.
Da erzählt wieder jemand in der Bibliothek (er nennt sie kurz seine »Biblio«) stolz von einer kostenlosen Kur. Unser Held, der wegen der Verletzung seiner Menschenrechte betrübt und neidisch ist und schmollt, wird plötzlich munter, stapft erneut zum Amt und bettelt kläglich wegen seiner Kur, über ein Jahr sei vergangen.
Die Beamtin kramt seinen Antrag raus, und dort steht, wie sich herausstellt, dass die Kur bewilligt worden ist. »Warum sind Sie nicht früher gekommen? Sie kriegen eine kostenlose Kur, hier steht’s, sofort, seit vorgestern! Haben Sie die Dokumente dabei? Den Ausweis?« Die Beamtin hat listige Augen. Sie teilt ihm einen schlechten Monat zu – Oktober! »Ach du …«, braust er auf.
Auf der Raucherinsel macht er seiner Wut Luft. Ihm wird widersprochen, der Oktober sei noch eine gute Zeit. Andere bekämen was im November.
Er geht auf die Straße und ordnet seine Gedanken. Es riecht nach Rauch, nach herabgefallenem Laub.
Das ist Puschkins Zeit, der Augen Zauber, Oktober. Die Wäldchen schütteln die Blätter ab, tatsächlich.
In solch einer Zeit ins Sanatorium! Ein Traum, wenn man’s recht bedenkt. Mittag, Abendbrot, Frühstück! Brot könnte er für die Nacht mit ins Zimmer nehmen, fällt ihm gleich ein. Bitterer Speichel läuft in seinem Mund zusammen, er hat noch nichts gegessen. Kehrt um, stürzt in die Kantine. Auf einem Pappteller liegt ein angebissenes Brot. Heißes Wasser im Thermosbehälter, gerettet. Er gießt es sich in ein benutztes Glas.
Dann begann er mit den Vorbereitungen.
Im Übernachtungsasyl, wo er sich nach vergangenen Konflikten eigentlich nicht mehr zeigen wollte, zog er seine alten Sachen aus, und nach dem Versprechen, dass er bestimmt bald eine Arbeit habe, bekam er anständige Secondhandkleider und übernachtete dort, wobei er sich wieder mit einem Zimmernachbarn verzankte. Dann klapperte er alle Mülldeponien ab, wühlte, suchte nach einer Tasche, stets bedacht, sich nicht schmutzig zu machen. Und fand einen Koffer aus Lederimitat!
Eine alte warme Baskenmütze hatte er selbst.
Den Schal luchste er der Garderobenfrau in der Bibliothek ab: »Ich hab ihn hier vergessen … Wann, weiß ich nicht mehr. Neulich bin ich einsam aufgewacht in meinem Bett … Eine Kälte! Wie sehr braucht ein einsamer Mann die Hand einer Frau! Wo ist mein Schal? Versuchte mich zu erinnern … Wahrscheinlich hier bei Ihnen. Sie sind meine einzige Hoffnung …«
(Angewidert) »Ist er das? Ich hab ihn nicht weggeworfen, diesen Lappen.«
»Herzlichsten Dank!«
Ihm kamen fast die Tränen!
Den fremden Schal gleich umzubinden hatte er nicht den Mut. Ging raus. Zu der dunklen Jacke und der Mütze passte der grüne Schal hervorragend (war ins Kaufhaus gegangen und hatte sich im Spiegel von allen Seiten betrachtet).
Die Leute von der Raucherinsel in der Bibliothek verrieten ihm, wo er Schuhe finden könnte – bei den Buden auf dem Markt, dort wo die Leute neue kaufen und die alten wegwerfen. Fand welche gegen Abend! Halbstiefel, ein bisschen zu groß, aber auch das freute ihn!
Den Kuraufenthalt bekam er tatsächlich, zwölf Tage, mit den verfallenen vier Tagen war das mehr als eine Woche.
Er legte seine Manuskripte und den auf der Post (nun doch) gestohlenen Kuli in den Koffer.
Verängstigt und vor Kälte zitternd kroch er um fünf Uhr früh aus seiner überfluteten Höhle und fuhr im Dunkeln mit dem Regionalzug schwarz ins Sanatorium.
Am Ende des Geldes war noch so viel Monat übrig.
Er kam zum Sanatorium, traf in der Empfangshalle niemanden an und schlief gleich an Ort und Stelle ein, wohlgesittet, nicht mit den Füßen auf dem Diwan, sondern im Sitzen – und gleich nach dem Frühstück (er verdrückte einen ganzen Teller mit Brot, dazu Milchbrei und ein Omelett, trank drei Tassen Tee mit Zucker) stolzierte er in die Sanatoriums-Bibliothek, gestärkt, schön! Etwas zerknittert. Den grünen Schal um den Hals, die schwarze Baskenmütze keck auf der Seite! Mit seinen Aufzeichnungen und dem Kuli!
Nachdem er sich flüchtig umgesehen hatte (natürlich, wie soll man hier auch was zu meinem Thema finden), hielt er dort einen Vortrag über die miese Ausstattung der Bibliothek und über seine Verbindungen zu Bücherkreisen und deren Lagern mit nicht verkauften Büchern, dort wolle man die ungewollte Ware loswerden, und das seien keine billigen Krimis, sondern ernsthafte Bücher fürs Selbststudium, wenn sich ein Auto fände, könnte er morgen-übermorgen ein paar hundert Exemplare herschaffen! Er könnte ihnen helfen! Geschichtsbücher, populärwissenschaftliche Broschüren über Medizin!
Eine ältere Dame war brennend interessiert, die Bibliothekarin selbst jedoch reagierte lahm – woher soll sie ein Auto nehmen und wie die Bücher einordnen, laber, laber, euch beiden scheint das nur so, dass wir hier solche Bücher brauchen, die Leute lesen nicht wirklich hier, die wollen auf der Kur nur Krimis.
»Woher kommen Sie, Gnädigste?« (Er, freundlich:) »Aus dem Süden, stimmt’s?«
»Ja, aus Melitopol.«
Bei ihr sitzt alles am rechten Fleck. Sie senkt die Augen. Ein bisschen zu füllig.
Er rückt die Baskenmütze zurecht, wirft den Schal über die Schulter. Ordnet die Bücher auf dem Tresen.
»Schauen Sie nur, die Märchen! Wussten Sie, dass in einem der Märchen von Afanassjew steht ›Der Kerl streifte ihren Rock hoch und begann zu spielen?‹ Das bedeutet …«
Die Bibliothekarin ist sehr distanziert. Sie versteht es, Männer abzuwimmeln.
»Mein Herr, was soll das? Überlegen Sie, wo Sie sind!«
»Moment! Das erfahren Sie sonst nirgends! Den Dummkopf spielen hatte früher noch eine andere Bedeutung! Der Phallus wurde im Russischen oft als ›Dummkopf‹ bezeichnet! Und die Abenteuer des dummen Iwan sind zweideutig!«
»Was wollen Sie ausleihen?«
(Diese Bibliothekarin! Versteht überhaupt nichts!)
»Haben Sie Kierkegaard?«, sagt er scharf, bitter. »Spengler?«
»Ach, gucken Sie selbst nach. Die Krimis stehen dort.«
»Fräulein! Keine Krimis!«
Die ältere Dame jedoch wird munter, sie mischt sich ein, Pardon, sie aber wolle die Adresse dieses Buchlagers wissen, sie habe schon Legenden darüber gehört!
Auch sie widerspricht der Bibliothekarin. Man brauche solche Bücher, für eine bestimmte Leserschaft – Kierkegaard und Spengler, und sie finde hier ebenfalls absolut nichts zum Lesen, genauso so wie der Herr Professor (guckt in Richtung des grünen Schals), sie habe auch einen Doktortitel! Fast. Diese Promotionen nützten heutzutage keinem mehr. Die Doktorarbeit liege in der Schublade.
»Wie bei mir! Haargenau! Die Dissertation! Liegt bei mir auch in der Schublade! Wie tief sind wir gefallen! Eine Diss bringt keinen Nutzen mehr!«, erklärt er.
Dabei hat er zu Hause weder Schreibtisch noch Schublade.
Sie stehen in der Bibliothek, diskutieren laut und achten
nicht mehr auf die lahme Bibliothekarin, sie gehen zusammen hinaus (die ältere Fast-Frau-Doktor lässt er vorangehen, das beeindruckt sie stark), sie disputieren laut im Gehen, stoßen sich gegenseitig mit den Ellenbogen, setzen sich auf eine Bank. Um überzeugender zu sein, zerrt er die ältere Dame am Ärmel, dann springen sie auf und gehen durch die Allee des alten bemoosten Parks, und der Oktober riecht nach dem süßen Rauch des Vaterlands.
D. h. Nebel, nasse Bäume, Blätterfall, Abfallkörbe aus Beton …
»… Will man diesen Weg beschreiten, muss man all sein Eigentum hergeben! Und wenn Sie nichts besitzen? Dann bleiben für Sie die Türen des ersehnten Hortes verschlossen!«
»Jaa!«, stimmt sie ihm laut zu.
»Und wenn Sie Reichtum besitzen, ist es geistiger.«
»Jaa!!!«
»Und dann – o, hülle dich im Geist in eine Mönchskutte! Wenn du dich dazu berufen fühlst!«
Vor einem Jahr wollte er tatsächlich ins Kloster gehen.
Er schluchzt beinahe, als er sich an das Resultat erinnert.
Wie die Mönche ihn angebellt haben.
(Auch im Himmel gibt es keine Wahrheit.)
Dann schaut sie auf die Uhr (sie besitzt alles, Tasche, Uhr, Handschuhe, feste Schuhe, Regenschirm, auch einen Schal und ebenfalls eine schwarze Baskenmütze!) und sagt: »Mittagessen! Wir sind schon zu spät«.
Kommen außer Atem ins Haus gekrochen.
Er bittet die Kellnerinnen hitzig, ihn an Tamara Leonardownas Tisch zu setzen. Aber an ihrem Tisch, an dem man schon mit Essen fertig ist, sind alle Plätze belegt.

Über Ljudmila Petruschewskaja

Biografie

Ljudmila Petruschewskaja, 1938 geboren, stammt aus einer Moskauer Intellektuellenfamilie, die vom russischen Staat über drei Generationen zu »Volksfeinden« erklärt wurde. Sie studierte in Moskau Journalistik,schrieb fürs Radio und fürs Fernsehen. In den Sechzigern begann sie, Prosatexte zu...

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