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Seelen unter dem EisSeelen unter dem Eis

Seelen unter dem Eis

Psychothriller

Taschenbuch
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Seelen unter dem Eis — Inhalt

Ein eindringlicher Psychothriller über die dunklen Seiten der Anziehungskraft und den Verrat aus Habgier von Bestseller-Autorin Astrid Korten
„Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein“ (Joh. 8, 7)
„Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist.“
Nach dem Tod seiner Mutter spürt der erfolgreiche Werbe-Macher Tom eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Dabei kommt es zur Konfrontation mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist. Gegen seinen Willen verfällt Tom der seltsamen jungen Frau mehr und mehr und gibt zum ersten Mal die Zügel aus der Hand. Obwohl Amal oft irrationales Verhalten an den Tag legt, vermag sich Tom ihrem erotischen Sog nicht mehr zu entziehen und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre – bis sein Doppelleben zu einer Katastrophe führt ...

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 05.10.2020
272 Seiten, Broschur, WMEPUB
EAN 978-3-492-50319-8
€ 4,99 [D], € 4,99 [A]
Erschienen am 05.10.2020
300 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-98645-8

Leseprobe zu „Seelen unter dem Eis“

DIENSTAG

„Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein“.

Joh. 8, 7

Klischees

Mein Name ist Tom Döbbe, aber innerhalb der Mauern vom Paradies nennen sie mich Mozart, seit ich in der ersten Woche in der gefühlsarmen Leere des Innenhofs meine Runden gedreht und dabei ständig das Allegro aus Eine kleine Nachtmusik gepfiffen habe.

Die anderen Insassen sahen verärgert zu mir her, und Steel, der seine Freiluftpausen stoisch auf der Bank am Gefängniszaun verbrachte und dabei ständig seinen stählernen Glatzkopf polierte, brüllte mich jedes Mal [...]

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DIENSTAG

„Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein“.

Joh. 8, 7

Klischees

Mein Name ist Tom Döbbe, aber innerhalb der Mauern vom Paradies nennen sie mich Mozart, seit ich in der ersten Woche in der gefühlsarmen Leere des Innenhofs meine Runden gedreht und dabei ständig das Allegro aus Eine kleine Nachtmusik gepfiffen habe.

Die anderen Insassen sahen verärgert zu mir her, und Steel, der seine Freiluftpausen stoisch auf der Bank am Gefängniszaun verbrachte und dabei ständig seinen stählernen Glatzkopf polierte, brüllte mich jedes Mal an, wenn ich an ihm vorbeikam, ich solle mit dem Pfeifen aufhören, sonst würde er mich schon dazu bringen, aber meiner Gesundheit würde das nicht guttun. Ich ignorierte diesen tätowierten Ochsen mit dem IQ eines Spatzen wie jeden anderen in der ersten Woche.

Bereits nach zwei Tagen ertönte eine Bassstimme aus der gegenüberliegenden Zelle, die eine recht freie Interpretation des Allegros zum Besten gab. Ziemlich disharmonisch, aber immerhin erkennbar. Nach einer Woche ertönte die Melodie den ganzen Tag über, stets von derselben Stimme vorgetragen, aber immer in einer anderen Tonlage und von Mal zu Mal besser klingend.

Am nächsten Tag kam Steel im Innenhof direkt auf mich zu. Es war das erste Mal, dass ich sah, wie er sich über den Hof bewegte.

„Ich bekomme diesen Song nicht mehr aus dem Kopf“, knurrte er und wollte wissen, was ich dagegen unternehmen würde.

„Das ist nicht irgendein Song, sondern das berühmte Allegro von Mozart“, antwortete ich gelassen. Meine Aufklärung brachte mir eine geplatzte Oberlippe, eine Gehirnerschütterung und meine neue Identität ein. Außerdem erlangte ich ewigen Ruhm, denn als Reaktion auf Steels Kopfstoß trat ich den Glatzkopf reflexartig mit voller Wucht in die Hoden. Ich wusste bis zu diesem Tag nicht einmal, dass ich so verdammt hart zutreten konnte.

Ich taumelte kurz, kämpfte gegen den Drehschwindel, begleitet von heftigen Kopfschmerzen und Übelkeit, aber ich blieb auf den Beinen stehen und starrte ihn benommen an.

Tränen schossen in seine Augen, während er mich anglotzte, als würde er mich jeden Moment mit seinen Zähnen in Stücke reißen wollen.

„Und ich wollte dich schon nach deiner Telefonnummer fragen!“, zischte ich.

Ich wagte es nicht, mich zu bewegen, dachte nur, dass die Giftspritze mir keine Sorgen mehr bereiten sollte, weil mich vorher ein klobiger Todesbote mit kahl geschorenem, knallhartem Schädel töten würde. Als Steel aber nichts dergleichen tat, sondern mich nur mit einem vernichtenden Blick musterte, streckte ich ihm vorsichtig meine Hand entgegen, die er mit einem schmerzverzerrten Lächeln ergriff.

„Ich mag dich“, sagte er, grinste und zerquetschte mir fast die Hand.

Goodman, einer der Wachmänner, meinte später, ich hätte Glück gehabt. „Die Tatsache, dass Sie anders sind als der Durchschnittshäftling, hat Ihnen vermutlich das Leben gerettet, Tom.“ Goodman behauptete auch, Steel habe wohl nicht erwartet, dass ein hoch aufgeschossener, spindeldürrer Mann wie ich bei seinem Kopfstoß auf den Beinen bleiben könnte – vom Zurückschlagen ganz zu schweigen. Ein Häftling, der mit Steel aneinandergeriet, verbringe nach der Konfrontation im Durchschnitt drei Wochen auf der Krankenstation.

 

Seit meiner Ankunft im Paradies habe ich das Gefühl, dass ich mitten in Die Verurteilten oder in Lock Up mit dem grauenvollen Sylvester Stallone versetzt worden bin. Denn nach dieser ersten Woche wusste ich: Die Klischees aus Hollywood entsprachen der Realität – mit einer Ausnahme: Im Todestrakt wurde man nicht sexuell belästigt. Hier wartete jeder Mitgefangene auf seine Hinrichtung, da vergeht einem das Verlangen. So blieben Annäherungsversuche unter der Dusche aus.

Der Innenhof ist in drei Abschnitte unterteilt, ähnlich wie der Todestrakt im Paradies. In seinem östlichen Teil sitzen vor allem Gangmitglieder ein, die für andere Insassen eine Gefahr darstellen. Sie sind die schlimmsten Gewaltverbrecher, die einen, ohne mit der Wimper zu zucken, erstechen würden. Wie Steel. Im Nord-Block mit seinen zweiundzwanzig Zellen sind jene Häftlinge untergebracht, die nach Einschätzung der Gefängnisleitung keine größeren Probleme bereiten. Zu ihnen gehöre auch ich. Dann gibt es noch den Südtrakt zur Hofseite hin; dort quartiert man die Sträflinge mit schweren mentalen Störungen ein, die sich dem großen Stumpfsinn und der endlosen Apathie hingeben dürfen. Wir nennen ihn den Zauberberg.

Merkwürdigerweise war mir das Leben innerhalb dieser Mauern von Anfang an vertraut, sodass ich keine Erklärung der Regeln, Gepflogenheiten und Protokolle benötigte. Alles, was ich wissen musste, hatte ich bereits aus Büchern, Filmen und Fernsehserien gelernt, die scheinbar mit einem Mal einen geheimen Sinn bekommen hatten. Als hätten sie mich schon immer auf diese Situation vorbereiten sollen. Auch war ich mir bewusst, dass in dieser krampfartigen, lärmenden Umtriebigkeit im Grunde genommen eine große Leere lag, still wie eine Sphinx.

Mein Name ist also Mozart. Mein Zuhause ist eine 2,70 Meter lange und 2,90 Meter breite Zelle mit einem Tisch, einem Stuhl und glatt verputzten Wänden, aus denen eine schmucke Toilette und ein Waschbecken aus Stahl ragen.

Sobald du die Türen dieses Flügels durchschreitest, blickst du wie durch einen Schleier auf deine bisherige Existenz. Dein Name, deine Persönlichkeit und Herkunft, deine Intelligenz und deine Gefühlstiefe, das Aussehen der Frau, die du zurücklassen musstest, die Vitalität deiner leiblichen Kinder, die Bücher, die dich faszinieren oder langweilen, die Musik, die dich trösten kann, die Sportarten, in denen du dich auszeichnest, das Geschlecht, auf das du stehst – all das bekommt einen neuen Stellenwert und eine andere Bedeutung. Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist. Im Paradies existieren viele Wahrheiten, aber es sind immer die, die sich andere über dich in ihrem Kopf zurechtgelegt haben. Doch so verschieden sind die vermutlich gar nicht.

Hier scheint es niemanden zu stören, dass er seine frühere Persönlichkeit am Tor ablegen musste, weil man für einige Zeit durchaus eine andere Person sein kann. Die meisten Insassen bleiben ohnehin nicht länger als vier Jahre hier; daher wäre Shorty Island vielleicht die passendere Bezeichnung für den Todestrakt, aber wir finden, Paradies klingt schöner.

Jedes Mal, wenn der Zeitpunkt des Todes naht, herrscht bei uns eine morbide Stille, und wenn wir den Innenhof am Morgen nach der Vollstreckung betreten, flüstern wir uns respektvoll zu, dass wieder eine beeindruckende Persönlichkeit von uns gegangen ist – vom Paradies direkt ins Paradies.

Eine alte Schreibmaschine

Goodman meint, ich solle alles aufschreiben, denn Geheimnisse gedeihen nicht in der kalten schwarzen Erde.

„Geheimnisse sind Eigentum des Lebens“, behauptete er vor einigen Tagen, als er mich in den Innenhof begleitete. Ich zuckte mit den Schultern.

Es war zehn Uhr morgens. Wir schritten durch die widerhallenden Gefängnisgänge. Ich hatte keine Lust zu reden. Schweigen ist das einzige Recht eines Insassen im Todestrakt einer Haftanstalt. Goodman bemerkte anscheinend die Spur Verzweiflung in meinen Augen, denn als ich zwei Stunden später in meine Zelle zurückkehrte, wartete eine alte Schreibmaschine auf mich. Es war fast unmöglich, sie hochzuheben, so schwer war sie. In der Schreibwalze steckte bereits ein Blatt Papier, auf dem ein Zitat von Konfuzius stand: Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.

Inzwischen ist eine Woche ohne nennenswerte Ereignisse vergangen. Ich habe die Tasten der Schreibmaschine kein einziges Mal mit meinen Fingern berührt, aber ich zog sofort das Papier aus der Walze, zerknüllte es und warf es in eine Ecke meiner Zelle. Allerdings mit wenig Überzeugung, das schon. Dort lag das Zitat die ganze Zeit, und heute Morgen, als ich nach einer kurzen Nacht im Dunkeln erwachte und das Gefühl hatte, dass es nie wieder hell werden würde, schlich ich mich aus meinem Bett und glättete die Seite vorsichtig.

Das Zitat schenkte mir weder Trost, noch spornte es mich an, aber mit einem Mal fand ich es respektlos, das Blatt so leichtfertig in die Ecke geworfen zu haben. Goodman verdient ein solches Verhalten nicht. In dieser Zeit der Leere ist er zu meinem Freund geworden.

Nachdem ich das Papier einigermaßen glatt gestrichen hatte, legte ich mich wieder ins Bett, rollte mich in die Laken und linste in der Dunkelheit wieder und wieder zur Schreibmaschine. Aber es brachte mir nicht die ersehnte Ruhe. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere und strampelte mit den Beinen, bis ich schweißgebadet war und die Bettlaken an meinem Körper klebten.

Über den Todestrakt kann man vieles sagen, aber niemand würde behaupten, dass die Temperaturen dort sehr angenehm sind. Im Winter ist es hier so kalt, dass ich vor dem Schlafengehen ein zusätzliches Paar Socken, lange Hosen und einen Pullover über den Schlafanzug anziehe; im Sommer wiederum senkt sich eine Hitze in diese Hölle, die der tanzenden Luft über einer Asphaltstraße gleicht. Riesige Ventilatoren versuchen, ein wenig Kühlung zu verschaffen. Die einzige Art und Weise, nicht fortwährend in Schweiß auszubrechen, ist, bewegungslos liegen zu bleiben.

Seufzend schob ich die Laken von mir, stand auf und setzte mich hinter die Schreibmaschine. Es musste ja so kommen. Goodman hatte recht, es gibt zu viele Geheimnisse in der Geschichte, die mit mir in der schwarzen Erde verschwinden würden.

 

Ich drehe ein leeres Blatt in die Walze und lege meine Finger auf die Tasten. So verharre ich mindestens eine Stunde, ohne einen Buchstaben zu Papier zu bringen. Ich kann meine Aufmerksamkeit nicht auf das Blatt konzentrieren; meine Augen suchen nach einem Fixpunkt, den sie nicht finden. Und ich finde in mir keine Sätze, um das zu beschreiben, was erzählt werden soll. Dies ist umso bemerkenswerter, da ich früher nicht nur Geschäftsführer einer großen Werbeagentur war, sondern auch Dozent für kreatives Schreiben an der Universität. Das war, bevor ich zum Mörder wurde.

Soll ich lieber schreiben, dass die Tat ein Unfall war? Natürlich kam der Tod unbeabsichtigt! Und da ist sie schon wieder: die hässlichste Sache der Welt, die wie ein Dämon an die Oberfläche kommt. Ich locke ihn an, sobald ich darüber nachdenke. Soll ich schreiben, dass es nicht geplant war? Natürlich hatte ich nicht vor, mich in eine meiner Studentinnen zu verlieben! Und auch noch in die schlechteste Studentin von allen und, wenn ich ganz ehrlich bin, in die mit Abstand unattraktivste.

Wenn ich Amal an einem Samstagabend in einer Diskothek oder tagsüber in einem Café getroffen hätte, wäre ich sicher an ihr vorbeigegangen, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Na ja, ein flüchtiger Blick vielleicht, um sie zu scannen. Aber das wäre es dann auch schon gewesen. Sie war so gar nicht mein Typ. Nichts an ihr war wirklich schön. Ihr Haar war glatt, in der Mitte gescheitelt, ihr Gesicht länglich, ihr Körper alles andere als wohl proportioniert; eine Frau wie aus einem manieristischen Gemälde mit hohem Kreuz und langem Rücken, mit großen, aber festen Brüsten, langen Armen, kleinen Händen und schmalen, knochigen Schultern. Für mich war es keine Liebe auf den ersten Blick. Widerwille auf den ersten Blick … schon eher. Abscheu am Ende … ganz sicher.

 

Es ist totenstill im Todestrakt. Alle schlafen, außer mir und dem Nachtwächter. Er spielt Solitär am Computer im Aquarium, einem Raum, von dem aus er alle Zellen leicht überwachen kann. Faktisch braucht er in einer Nachtschicht gar keinen Überblick, denn jeder ist hier auf sich gestellt. Es herrscht absolute Ruhe. Manchmal gibt es jedoch diese grauen Nächte, in denen ein Neuankömmling urplötzlich angstvoll zu schreien beginnt oder in untröstliches Weinen ausbricht, aber darauf reagieren die Wachleute ohnehin nicht. Sie drehen dann das Radio etwas lauter oder setzen Kopfhörer auf. Das Schreien ebbt in der Regel nach fünfzehn Minuten ab, da alles in diesem Gebäude langsam erstirbt.

Ich werde in einer Woche hingerichtet. Das steht seit Langem fest. In einigen Stunden werde ich ein Schreiben erhalten, in dem mir die genaue Uhrzeit meiner Hinrichtung mitgeteilt wird. Damit wird der bevorstehende Tod fassbar und die kommende Woche sehr kurz.

Mir wird kurz schwach vor Wut. Ich versuche, nicht an den Tod zu denken, und suche mir einen Fixpunkt, konzentriere mich auf die Todesanzeige eines ehemaligen Mitarbeiters, die auf dem Tisch liegt, versuche, runterzukommen, aber die Buchstaben flirren vor meinen Augen; ich starre sie an, es hilft nichts.

Ein Blick auf meine Uhr sagt mir, dass es sechs Uhr morgens ist. Das erste Sonnenlicht frisst sich langsam in die Dunkelheit am Osthimmel. Die Farben erinnern mich an das Haar meiner Frau. In einer Woche wird Helen das Erbe bekommen, auf das sie seit vier Jahren wartet.

Eine Luke ist eine Öffnung

In der vergangenen Woche hat mich Goodman jeden Tag besucht, um sich nach meinen literarischen Fortschritten zu erkundigen. Und jedes Mal, wenn ich ihm sagte, dass es nichts zu schreiben gebe, und ihm deutlich machte, dass er die Schreibmaschine, soweit es mich betreffe, wieder mitnehmen könne, wirkte er enttäuscht und versuchte, mich davon zu überzeugen, dass ich folglich „unwürdig“ sterben würde.

Ich musste ihn nicht fragen, was er damit meinte.

Goodman gehört nicht zu den Wachleuten, die dir den Rest von dem bisschen Leben, das dir noch bleibt, auch noch nehmen. Er ist ein überzeugter Katholik, und seine religiöse Einstellung zwingt ihn, meine Hinrichtung als Selbstmord zu betrachten. Denn von seinem Standpunkt aus maße ich es mir an, über Leben und Tod zu bestimmen, was jedoch einzig und allein der Schöpfer aller Welten darf. Dass ich mich mit meinem Schicksal abfinde und meine Finger verstummen lasse, hält er für die größtmögliche Sünde.

Jeden Tag sieht er mich etwas unfreundlicher an als am Vortag, er spricht auch weniger mit mir, wenn er mich in den Innenhof führt. Vor zwei Tagen schlug er sogar die Klappe der Luke, durch die dreimal täglich das Essen gereicht wird, mit einem lauten Knall zu.

„Verdammter Heide!“, fauchte er mich laut durch die Metalltür an. Seine Stimme hallte kurz nach. Goodman erkennt offenbar in meinen Augen, dass Wahrheit und Wahrheit nicht dasselbe sein müssen.

Ich habe das Gefühl, dass ich den Wachmann zutiefst kränke, indem ich nichts schreibe. Für gewöhnlich müssen Häftlinge für eine Schreibmaschine Miete bezahlen. Es wird ein hoher Aufpreis für Bänder berechnet, ebenso für Blankopapier. Womöglich hat sich Goodman selbst um die Kosten gekümmert, denn keiner seiner Kollegen hat mich gefragt, wie dieses Monstrum in meine Zelle gelangt ist.

Und dann geschah es, einfach so. Ich begann zu schreiben. Bisher nur Fragmente ohne erkennbaren Zusammenhang und nicht in chronologischer Reihenfolge, aber ich schrieb. Zunächst – es war im Anschluss an den Innenhof – ließ es sich zäh an. Ich wollte, aber ich konnte nicht. Noch war ich selbst zu sehr präsent und zugleich zu distanziert. Buchstaben kristallisierten sich zuerst heraus, dann die Worte, dann die Sätze und mit ihnen der Sinn. Ich tippte den ersten Satz: Mein Name ist Tom Döbbe, und wurde in den Text hineingesogen, als ob ich einen Nerv getroffen hätte. Meine Finger bewegten sich auf einmal wie von selbst über die Tastatur, als könnten sie gar nicht schnell genug arbeiten.

Goodman wird sich freuen, mich später hinter der Schreibmaschine sitzen zu sehen. Ich gebe dem Nicht-Gesagten und seinen Komparsen eine Bühne aus weißem Papier: Lügen, Begierde, Scham, Geheimnisse, die dunklen Seiten der Anziehungskraft, Verwandlungen, Nähe und Fremdheit, Erniedrigung und Verrat erhalten Worte, ebenso der Schmerz von gestern und heute. Nicht aber das Bedauern, denn ich bereue nichts. Nicht einmal das Törichte, dessen ich mich schuldig gemacht habe. Bedauern ist eine völlig sinnlose Emotion. Damit befasse ich mich erst gar nicht!

Es dauert nicht mehr lange, bis Goodman mir das Frühstück bringt; es ist Viertel vor sieben. Tagtäglich beginnen sie morgens um halb sieben mit der Ausgabe der Mahlzeiten. Pünktlich um sieben Uhr steht der Wachmann jedes Mal vor meiner Tür, klopft dreimal – was er nur bei mir macht –, öffnet die Luke und schiebt ein Plastiktablett mit einem Teller Müsli, einem Ei, vielleicht sogar einem Pfannkuchen und einer Tasse Milch hindurch. Mit nur einem Blick erfassen seine hellwachen grauen Augen – das Bemerkenswerte an ihm – zuerst meine Zelle, dann nickt er mir zu.

Tagein, tagaus zur gleichen Uhrzeit das gleiche Ritual. Heute wird derselbe Tagesablauf wie gestern sein, und gestern war es so, wie es morgen sein wird. Keine Überraschungen im Paradies, denn sie machen Menschen in unserer Lage rastlos.

Wenn Goodman mir mein Frühstück bringt, werde ich ihm sagen, dass ich von heute an nicht mehr in den Innenhof gehe. Ich brauche mehr Zeit, um meine Geschichte zu Papier zu bringen. Außerdem kann ich während meiner letzten Woche auf dieser Welt gerne auf das entwürdigende Ritual verzichten, nur um eine Stunde im Innenhof meine Runde zu drehen und frische Luft zu schnappen. Vom ersten Tag an fühlte ich mich gedemütigt, wenn ich vor dem Spaziergang nackt vor meiner Zellentür zu warten hatte, bis Goodman kam. Sobald er die Luke in der Tür geöffnet hat, muss ich mich nach vorne bücken, damit er überprüfen kann, ob ich eine Stichwaffe zwischen meinen Gesäßbacken versteckt habe. Dann muss ich mich umdrehen, mich wieder nach vorne beugen und meinen Mund weit aufreißen. Sobald alle Öffnungen überprüft worden sind, folgt der scheußlichste Moment. Die Wache greift durch die Gitter nach meinen Hoden und zieht sie hoch, um nachzusehen, ob sich etwas dahinter verbirgt.

Erst nach dieser Inspektion kann ich meine Unterwäsche und meine Schuhe anziehen. Sie legen mir Handschellen an, und nach einer zweiten Untersuchung betritt Goodman die Zelle und checkt meine Kleidung für eine neue Untersuchung. Sobald ich das Gütesiegel „sicher“ erhalten habe, steckt er die Klamotten unter meinen Arm und führt mich durch die kalten Gänge ins Freie. Den meisten Häftlingen macht es nichts aus, aber ich komme mir stets wie ein Dorftrottel vor, wenn ich in Handschellen und Fußfesseln und nur in Unterwäsche durch die Korridore gehe. Erst im Hof Nord darf ich mich ordentlich anziehen.

Besonders schlimm ist dieser Akt der Erniedrigung, wenn nicht Goodman, sondern seine Vertretung, den wir im Block Nord „Evil“ nennen, die Inspektion durchführt. Ich weiß zu jeder Zeit, wann er seine Runden dreht, höre es an seinem schlürfenden Gang, an der Art und Weise, wie seine Schlüssel klappern, und an seinem typischen Schnauben.

„Leiden ist die Ankunft von Dunkelheit und Tod“, hat Evil mir einmal ins Ohr geflüstert. Er genoss es – mit einem satanischen Grinsen im Gesicht –, mir bei der Inspektion Schmerzen zuzufügen. Durch seine Brutalität vermehrte er meinen inneren Schmerz und meine Zerrissenheit.

In einer solchen Situation ist die Inspektion eine besonders schwere Last und eine einsame Angelegenheit, denn ich kann das niemandem anvertrauen, weil dieser Verrat von den Wachen noch härter bestraft würde. Ich weiß es, und selbst jetzt, wenn ich nur an Evil denke, möchte ich in der Dunkelheit schreien.

So lief es in den vergangenen zwei Jahren jeden Tag. Aber ab heute wird es anders sein. Amal hätte mich ausgelacht, wenn sie mich vor der Luke hätte stehen sehen: nackt, gebeugt, meinen Hintern dem spähenden Auge des Wachmannes zugewandt, mit Gänsehaut an meinen dünnen Armen und gegen die Tränen ankämpfend.

Keine Sekunde hätte Amal Mitleid mit mir gehabt.

Astrid Korten

Über Astrid Korten

Biografie

Das geschriebene Wort begleitet Astrid Korten seit ihrer Kindheit. Die in den Niederlanden geborene Autorin schrieb mit 13 Jahren bereits ihre erste Kriminalgeschichte. Doch bevor es zu Veröffentlichungen kam, studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Nach dem...

Kommentare zum Buch
Seelen unter dem Eis
Ramona Pöd am 15.10.2020

Ein wahnsinns starker Psychothriller   Seelen unter dem Eis ist für mich ein mega starker Psychothriller mit einer wahnsinns Geschichte, die mich extrem gefordert hat. Erzählt wird uns die Geschichte von Tom Döbbe, der nun schon seit zwei Jahren im Todestrakt des Gefängnisses sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Dieser Trakt wird auch "Paradies" genannt. Tief lässt uns die Autorin in die Abgründe der schwarzen menschlichen Seele, ihrer Verderbtheit, in Hass, Wut, Habgier, Neid blicken. Nach und nach formt sich ein Bild, dass selbst Tom und natürlich auch der Leser so niemals erwartet hätte. Die, die er glaubte schützen zu müssen haben ihr eigenes Spiel gespielt, aber lest selbst. Astrid Korten brilliert mit ihrer fantastischen, tiefschürfenden Schreibweise und einer großartig recherchierten Hintergrund Thematik, an die sich wohl so schnell kein anderer heranwagt, der immer noch vollzogenen Todesstrafe in Teilen der vereinigten Staaten von Amerika. So packend, so fesselnd, so außergewöhnlich, so emotional, so dramatisch, so glaubwürdig geschildert, dass mir beim Lesen der Atem gestockt ist. Die Charaktere wurden meisterhaft ausgearbeitet. Ein Buch über das man sprechen, sich austauschen möchte, eine Thematik die die Gemüter erregt und zum Nachdenken bewegt. Ein Buch das mir in Erinnerung bleibt und für mich ein absolutes LeseHighlight darstellt. Ich kann hier nur eine unbedingte, ganz klare Leseempfehlung aussprechen. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar, dies hatte keinerlei Einfluss auf meine dargelegte Meinung zu diesem starken Psychothriller.

Ein Buch, das nachhallt
Nancy Frohberg am 09.10.2020

„Seelen unter dem Eis“ war mein erstes Buch von Astrid Korten und ich sage euch direkt: Es wird nicht mein Letztes sein.   Die Geschichte wird aus der Sicht von Tom Döbbe geschildert, der im Todestrakt eines US-amerikanischen Gefängnisses sitzt. Nach und nach gibt Tom preis, wie es dazu kommen konnte. Sein fast perfektes Leben wurde auf den Kopf gestellt, als er eine Affäre mit seiner Studentin Amal beginnt. Amal ist mittlerweile tot und Tom sitzt im Todestrakt. Klingt einfach?! Ist es aber nicht. Lange Zeit war mir nicht klar, was mich im Buch erwartet. Ich blieb jedoch trotzdem gespannt, da ich so viele Fragen im Kopf hatte, die ich beantwortet haben musste.   „Amal wirkte fremd, eiskalt und unerschütterlich, und ich wusste, dass ich es mit einer vollkommen unberechenbaren Frau zu tun hatte.“ S. 68   Die Figuren in „Seelen unter dem Eis“ blieben lange Zeit für mich unergründlich. Weder Tom, von dem man am meisten erfährt, noch Amal oder Helen konnte ich wirklich einschätzen. Ich wusste nicht, wie viel die Frauen über die Andere wissen oder wieso sie auf eine bestimmte Art und Weise handeln. Keine der Hauptfiguren war mir sonderlich sympathisch und doch interessierte mich ihr Schicksal.   Tom, der eigentlich alles im Leben hatte, was er brauchte, hat sich von Amal lenken lassen wie von einer Puppenspielerin. Amal war (laut Tom) unattraktiv und untalentiert und doch hatte sie eine enorme Anziehungskraft auf ihn. Er war es gewohnt die Fäden zu ziehen und plötzlich war sie es, die bestimmte. Die toxische Beziehung der beiden Figuren ist der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte und ich fand es extrem spannend, zu verfolgen, wie Tom dieser Frau verfiel ohne es zu verstehen. Und dann war da noch Helen: Toms Ehefrau. Sie wirkte sehr zerbrechlich und tat mir unendlich leid, weil Tom sie so hinterging. Auch Helen hat natürlich eine andere Seite. Aber sie wirkte lang nicht so unberechenbar wie Amal.   „Sobald du die Türen durchschreitest, blickst du wie durch einen Schleier auf deine bisherige Existenz.“ S. 16   Der Aufenthalt im Todestrakt wurde seitens der Autorin mehr als packend beschrieben. Die anderen Gefangenen, die Wärter, die Gefahr, die Tag für Tag lauert, das Warten auf den Tod. All das beschreibt Astrid Korten sehr authentisch. Die Stimmung ist angespannt und bedrückend. Selbst wenn Tom nicht ohne Grund dort sitzt, denkt man doch darüber nach, ob Menschen anderen Menschen so etwas antun sollten. Die Autorin thematisiert genau das auch hintergründig in Toms Gedanken und in seinen Gesprächen mit einem der Wärter. Dabei ging sie jedoch so geschickt vor, dass es nie belehrend wirkte.   „Der Mond schwimmt am staubgrauen Himmel als kahler Schatten vor dahinziehenden Wolkenfetzen.“ S. 117   Der Schreibstil gefiel mir richtig gut. Astrid Korten wählte oft eine bildgewaltige Darstellung und wechselte dann doch wieder zu einer kürzeren und prägnanteren Erzählweise, je nachdem, was gerade im Buch geschah. Die Kapitel hatten eine angenehme Länge und animierten mich zum Weiterlesen. Die ganze Zeit über hatte ich einen Film vor Augen und konnte mir alle Figuren und Szenenbilder direkt vorstellen. Besonders toll fand ich auch die Abwechslung in den Kapiteln. Mal lag der Fokus auf den voraus gegangen Ereignissen, mal lag er wieder in der Gegenwart. Die Übergänge waren sehr gut gewählt und ließen es so nie langweilig werden.   Das Highlight jedoch war das ausgeklügelte Ende. Einen Großteil davon habe ich erwartet, da im Buch mit Andeutungen daraufhin gearbeitet wurde. Aber auch ich wurde durch das ein oder andere Detail wirklich überrascht. Es gefiel mir richtig gut, dass das Buch mit einem „Knall“ endete.   Zusammenfassend kann ich sagen, dass „Seelen unter dem Eis“ ein eher ruhiges und bedrückendes Buch ist. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der psychischen Komponente, die durch die verschiedenen Charaktere und deren Beziehungen zueinander auch genug Spannung bietet. Ich empfehle das Buch sehr gern an alle Thriller- und Spannungsroman-Liebhaber. Hier findet ihr ein einzigartiges Buch, das nachhallt.

Ein absolut klasse Psychothriller
Danny am 08.10.2020

Das Cover sprang mir sofort ins Auge. Einfach ein Thriller-Eyecatcher. Da ich schon einige Bücher der Autorin gelesen habe, war ich gespannt auf ihr neuestes Werk. Der Klappentext hat auf jeden Fall neugierig gemacht.   Anfangs war ich irritiert, weil ich nicht diesen Anfang und Erzählverlauf erwartet hatte, da Tom, der Hauptprotagonist, schon im Todestrakt saß und auf seine Hinrichtung wartete. Aber dadurch wurde es richtig interessant. Tom war eigentlich ein intelligenter, erfolgreicher Mann. Aber falsche Entscheidungen führten zu seiner persönlichen Katastrophe. Und seine Geschichte im Jetzt und der Vergangenheit zu erfahren, war richtig interessant. Die Spannung baute sich sehr langsam auf, aber dann richtig. Da ich inhaltlich wegen Spoilergefahr gar nichts schreiben möchte, kann ich nur noch eines sagen. Das Buch war klasse. Auch die kurzen Kapitel gefielen mir sehr gut. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.   Wie nicht anders zu erwarten, hat mir diese Geschichte spannende Lesestunden beschert. Dieses Buch kann ich nur empfehlen.   Fazit: Ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen

Psychothriller mit Tiefgang
Elisabeth Sauerbaum am 06.10.2020

Klappentext:   Ein eindringlicher Psychothriller über die dunklen Seiten der Anziehungskraft und den Verrat aus Habgier von Bestseller-Autorin Astrid Korten „Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein“ (Joh. 8, 7) „Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist.“ Nach dem Tod seiner Mutter spürt der erfolgreiche Werbe-Macher Tom eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Dabei kommt es zur Konfrontation mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist. Gegen seinen Willen verfällt Tom der seltsamen jungen Frau mehr und mehr und gibt zum ersten Mal die Zügel aus der Hand. Obwohl Amal oft irrationales Verhalten an den Tag legt, vermag sich Tom ihrem erotischen Sog nicht mehr zu entziehen und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre – bis sein Doppelleben zu einer Katastrophe führt …   Meinung:   Neben dem Klappentext sprach mich sofort das Cover an. Es ist sehr passend zur Story gewählt und zeigt das traurige, erstarrte Gesicht einer Frau, der eine schwarze Träne aus dem Auge läuft, und genau dieser schwarzen Träne kommt in diesem Buch eine besondere Bedeutung zu... Dieser Psychothriller geht unter die Haut. Er punktet vor allem durch eine subtile Spannung, die sich von Seite zu Seite steigert und die psychologischen Aspekte dieser Geschichte in den Vordergrund rückt. Das Buch beginnt eigentlich unspektakulär. Tom Döbbe wartet im Todestrakt, auch "Paradies" genannt, auf seinen Hinrichtungstermin und wird von Wachmann Goodman dazu animiert, seine Geschichte aufzuschreiben. Zuerst sträubt er sich, doch als ihn immer öfter die Erinnerungen einholen, beginnt er damit. Die kurzen Kapitel wechseln zwischen dem tristen, brutalen Knast-Alltag und Toms Erinnerungen an seine Vergangenheit. Diese Schilderungen hatten auf mich eine Sog-Wirkung, sie waren absolut fesselnd und ich verfolgte ganz gebannt, wie Tom der Anziehungskraft seiner Studentin Amal verfiel und das Unheil seinen Lauf nahm. Geschickt wird der Leser aber bis zum Schluss durch unerwartete Wendungen im Unklaren darüber gelassen, wie Toms Geschichte endet, und der Schluss ist so unvorhersehbar wie genial! Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Astrid Korten zeichnet die Charaktere ihrer Protagonisten absolut glaubwürdig und differenziert. Ich konnte sowohl ihre Gedanken nachvollziehen als auch ihre Gefühle nachempfinden. Der Leser taucht ein in die Abgründe der menschlichen Seele und erfährt, was Habgier, Lügen und Intrigen aus Menschen machen können, und dass die Wahrheit am Ende nicht die ist, für die er sie bislang gehalten hatte...   Fazit:   Mit diesem packenden Psychothriller bringt Astrid Korten wieder ein brisantes Thema aufs Tapet, welches von ihr sehr gut recherchiert wurde. Es geht um die Todesstrafe, die vor allem in den USA immer wieder konträr diskutiert wird, dazu gibt es ein Nachwort, was nach der Lektüre des Buches unbedingt gelesen werden sollte. Dieser Psychothriller regt zum Nachdenken an und hallt noch länger nach. Für mich war das Buch ein absolutes Lesehighlight, welches ich nachdrücklich weiterempfehlen möchte!

Überraschend
Natalie Guesgen am 06.10.2020

Dieser Thriller täuscht am Anfang seine Leser durch seine ruhige Erzählweise. Mit viel Intelligenz und Taktik spinnt jedoch Astrid Korten ein Netz des Grauens. Ganz unerwartet fesselte mich das Buch und bescherte mir eine schlaflose Nacht . Ich konnte es nicht mehr aus der Hand nehmen.

Ein brisantes Thema versteckt in einem ausgeklügelten Psychothriller.
Franciska Becker am 06.10.2020

"Die Todesstrafe ist keine angemessene Antwort auf Mord oder auf andere kriminelle Handlungen. Wo sich der Staat zum Richter über Leben und Tod aufschwingt, nimmt nicht Gerechtigkeit ihren Lauf, sondern Rache und Vergeltung. Staaten können nicht gleichzeitig die Menschenrechte achten und die Todesstrafe verhängen und vollstrecken." S. 115   Wie von Astrid Korten gewohnt befasst sich auch ihr neuer Psychothriller „Seelen unter dem Eis“ mit einem brisanten Thema: Die Todesstrafe trifft auf Rache, Verrat & Habgier. Die 300 Seiten gleiten durch den unkomplizierten, flüssigen & klaren Schreibstil nur so dahin & hallen am Ende intensiv nach.   Die Geschichte des verurteilten Mörders Tom Döbbe bringt uns in eine Haftanstalt, scherzhaft genannt ‚Paradies’ – um genauer zu sein in den Nord-Block des Todestrakt.   Seit zwei Jahren wartet der einst erfolgreiche Mann unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Tag seiner Hinrichtung. Animiert durch den Wärter Goodman beginnt er, anfangs unter Protest, später ohne Pause, seine Geschichte niederzuschreiben. So wechselt der Leser zwischen der besiegelten Gegenwart, Erinnerungen aus den stupiden, monotonen Alltag, den der ehemalige Werbe-Macher seit seiner Inhaftierung stumpf erträgt, & an das Leben davor. Astrid Korten macht es dem Leser nicht leicht, den Protagonisten einzuschätzen – eher ist Tom ein Puzzle, das durch die einzelnen Fragmente, die Einblicke in das FRÜHER & HEUTE, die Gedanken zusammen gesetzt wird. Auch die Nebencharaktere wirken undurchdringlich: während Helen nicht den Eindruck einer liebenden, besonnenen Ehefrau weckt & ich auch den Vater zwiegespalten, sogar misstrauisch betrachte, hat Frau Korten mit Amal eine junge Studentin geschaffen, deren Verhalten stark an eine instabile-dominante Persönlichkeitsstörung erinnert. Ganz ehrlich? Da wäre wahrscheinlich jeder zum Mörder geworden... Aber grade diese unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen & Wutausbrüche, das distanzierte, eiskalte Verhalten von Helen & die Vergangenheit des strategischen, äußert intelligenten Insassen geben diesem einnehmenden Pageturner eine nervenzerreißende Spannung, dem ununterbrochen eine erdrückende Atmosphäre umgibt.   Das einzige, was in diesem Psychothriller gewiss ist, ist: Das nichts gewiss ist. Denn das Dokument, das Tom Döbbe auf seiner Schreibmaschine tippt & bis zu seiner Hinrichtung versteckt, beherbergt eine ausgeklügelte, verstrickte Wahrheit, die von Skrupellosigkeit & der Gier der Menschen erzählt.   Obwohl es mir persönlich grade in der ersten Hälfte an präsenten Thrillmomenten fehlt, vergebe ich für diese durchdachte, ausführlich recherchierte Story, welche erschreckende Hintergründe & eine vielschichtige, interessante Handlung samt Überraschungen & Spannung bereithält, volle fünf Sterne.   Ein leiser Thriller, der am Ende laut tönt. „Seelen unter dem Eis“ ist so unberechenbar, wie der Mensch selbst.

ein Psychothriller, der einem packt und so schnell nicht wieder loslässt!
vronika22 am 05.10.2020

Tom ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und hat alles was man sich wünschen kann. Oder vielleicht doch nicht? Warum wartet er jetzt im Todestrakt auf seine Hinrichtung? Astrid Korten hat mit „Seelen unter dem Eis“ wieder einen fesselnden Psychothriller geschrieben. Auch diesmal hat sie thematisch wieder ein heißes Eisen angefasst. Es geht vor allem um die Todesstrafe, aber auch um Manipulation, Vergeltung und Rache. Der Plot spielt abwechselnd in zwei verschiedenen Zeitebenen. Man erlebt Tom im Gefängnis, als er auf seine Hinrichtung wartet. Zwischendurch erfährt man in Rückblicken häppchenweise, was sich in der Vergangenheit alles ereignet hat, und warum dieser Mann nun in der Todeszelle sitzt. Geschickt versteht es die Autorin natürlich auch wieder, die LeserInnen auf falsche Wege zu führen und zu überraschen. Auf jeden Fall handelt es sich hierbei wieder um ein absolut packendes und fesselndes Werk, welches zum Nachdenken anregt und natürlich die Todesstrafe kritisch beleuchtet. Wie immer hat Astrid Korten ganz hervorragende Recherchearbeiten geleistet, so dass auch hier wieder alles Hand und Fuß hat. Gerade auch aus dem Nachwort ist ersichtlich, wie intensiv sich die Autorin mit der Thematik beschäftigt hat. Das Gefängnisleben ist richtig gut ausgearbeitet, so dass man wirklich einen kleinen Einblick hinter diese Mauern bekommt. Alles in allem ein faszinierender Psychothriller, der einem beim Lesen einerseits richtig in seinen Sog zieht und andererseits auch sehr zum Nachdenken anregt! Wer gerne Psychothriller mit ernsthaftem Hintergrund liest, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

Ein absolut spannender Psychothriller
Helgas Bücherparadies am 05.10.2020

    Tom Döbbe ist erfolgreicher Unternehmer in der Werbebranche und Dozent an der Hochschule. Seine Ehe mit Helen steckt in der Krise. Daher hat die Studentin Amal leichtes Spiel mit ihm. Sie übt eine Faszination auf ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Diese Anziehungskraft kann er sich nicht erklären, da sie nicht gerade eine Schönheit ist. Die beiden fangen eine Beziehung an und nach einer gewissen Zeit fordert Amal mehr von ihm. Somit nehmen die Dinge ihren Lauf. Was dann geschieht ist so unglaublich.   Astrid Korten hat sich hier einem starken Thema angenommen, nämlich der Todesstrafe. Tom Döbbe sitzt seit zwei Jahren im Todestrakt. Die Gewalt und die Macht, die im Gefängnis herrscht, hat die Autorin äußerst gut eingefangen und wirkt bei mir sehr nach. Tom Döbbe wird eindrucksvoll geschildert. Man leidet und hofft mit ihm, aber gelegentlich neigt man auch zur Antipathie für ihn. Amal ist sehr gut dargestellt. Ihre Art und Weise hat die Autorin besonders treffend geschildert. Sympathisch ist sie deswegen aber nicht. Die Emotionen sind auffallend gut getroffen und die Protagonisten mit Leben gefüllt und jede Person hat einen eigenen Charakter. Sie sind realistisch dargestellt. Das macht die Story so glaubwürdig und einmalig und facettenreich. Die Kapitel wechseln von Vergangenheit und Gegenwart und erzählen wie Tom im Todestrakt zurückblickt und auf seine Hinrichtung wartet. Aufgefallen ist mir auch die passende Namenswahl der Häftlinge und des Wachmanns. Es sind bewegende und bleibende Eindrücke entstanden. Von Kapitel zu Kapitel steigert sich die Spannung. Eine sehr gute Recherche ist dem Buch anzumerken. Hier wird die Todesstrafe kritisch beäugt. Die Autorin versteht es hervorragend, den Leser zu packen. Ein hervorragender Schreibstil lassen in die tiefste Abgründe blicken. Geschickt hat die Autorin Wendungen eingebracht, die mich immer wieder aufs Neue schockiert haben. Was Habgier, Lügen, Intrigen und Verrat alles anrichten, hat die Autorin meisterhaft zu Papier gebracht. Hier ist das Ende absolut nicht vorhersehbar. Fazit: ein absolut spannender Psychothriller, der Schauer, Erregung, Nervenkitzel hervorruft und machen dies zu einem Meisterwerk. Astrid Korten ist ein Garant für absoluten Lesegenuss. Das Buch wird mir noch lange nachgehen und regt zum Nachdenken an. Von mir gibt es

Andrea Zühlke am 04.10.2020

Ein brisantes Thema hat Astrid Korten hier aufgegriffen und zu einem packenden und spannenden Psychothriller der ganz anderen Art geschaffen. Anziehungskraft und Habgier werden hier sehr gut thematisiert. Der Leser wechselt von der Gegenwart in die Vergangenheit. Durch Tom Döbbe, der einen tristen Alltag im Gefängnis verbringt und durch den Gefängniswärter Goodman angehalten wird, seine Geschichte aufzuschreiben, erfährt der Leser in der Vergangenheit was passiert ist, wie es so weit kommen konnte das Tom Döbbe in den Todestrakt kam. Astrid Korten gelingt es auch in diesem Psychothriller wieder, die Protagonisten gut zu beschreiben. Anfangs ehr alle etwas undurchdringlich, jedoch um so weiter man liest wird der Leser in die tiefen Abgründe jedes einzelnen eingeweiht und am Ende überrascht. Hatte ich Anfangs für seine Frau oder Amal Verständnis, so wurde ich später überrascht und dachte mir manchmal, dass ist ja unfassbar..... Oft fragte ich mich, wer ist eigentlich hier das wirkliche Opfer? Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig. Die Kapitel kurz und regen zum weiterlesen an. Der Spannungsbogen, von der ersten Seite an,bleibt das ganze Buch bestehen. Dieses Buch ist für mich absolut packend gewesen. Nicht zuletzt auch wegen der Recherche die Astrid Korten zu diesem Buch erarbeitet hat. Es ist so tiefgründig das ich mich in Tom Döbbe reinversetzen konnte und mit ihm in der Zelle war. Astrid Korten ist hiermit ein Meisterwerk

Seelen unter dem Eis
Manuela Hahn am 04.10.2020

„Wer von euch noch nie gesündigt hat, werfe den ersten Stein“ (Joh. 8, 7) „Die Menschen um dich herum sind nun die reale Welt. Sie bestimmen, was die Wahrheit ist.“ Nach dem Tod seiner Mutter spürt der erfolgreiche Werbe-Macher Tom eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Dabei kommt es zur Konfrontation mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist. Gegen seinen Willen verfällt Tom der seltsamen jungen Frau mehr und mehr und gibt zum ersten Mal die Zügel aus der Hand. Obwohl Amal oft irrationales Verhalten an den Tag legt, vermag sich Tom ihrem erotischen Sog nicht mehr zu entziehen und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre – bis sein Doppelleben zu einer Katastrophe führt ...   Toms Affäre mit Amal endet für ihn im Todestrakt. Vor seiner Hinrichtung beginnt Tom sein Leben aufzuschreiben, er berichtet von seiner ersten Begegnung mit Amal, die eine seiner Studentinnen ist und die ihn auf seltsame, verwirrende Art anzieht. Davon das sein Vater ihm immer wieder sagte *sich niemals zufriedenzugeben* und so fühlt er eine Leere in sich, die nichts von dem, was er erreicht ausfüllen kann, nicht der Porsche, nicht die eigene Werbeagentur und auch nicht seine Ehe. Nach und nach enthüllt uns Astrid Korten das wahre Ausmaß der Geschichte, sie ist kein normaler Krimi, sondern lässt uns einmal mehr in die Abgründe der menschlichen Seele blicken und sie lässt uns erkennen was einen Menschen dazu treiben kann Verbrechen zu begehen. Tom zu charakterisieren fällt mir schwer, ich schwankte zwischen Verachtung und Mitleid, immer mehr Informationen kommen im Laufe des Buches an Licht, die mich teilweise sehr erschütterten. Die Autorin schafft es den Spannungsbogen von der ersten bis zu letzten Seiten aufrechtzuerhalten.   Ich kenne und schätze fast alle Bücher der Autorin und doch überrascht sie mich immer wieder, schon seit ihrem letzten Buch Poppy, ist klar das sie sich mit Themen, auseinandersetzt die, wehtun beim Lesen direkt und auf jeden Fall im Nachklang, sie zwingen den Leser über das gelesene nachzudenken. Und auch über Seelen unter dem Eis gibt es sicher kontroverse Einstellungen, auch wenn wir in Europa die Todesstrafe nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, ist sie in den USA in manchen Bundesstaaten noch ein gängiges Strafmaß. Astrid Korten hat bei ihren Recherchen zu dem Buch u. a. das Staatsgefängnis in Huntsville besucht, sodass ihre Beschreibungen der Umstände im Roman sehr realistisch wirken. Aber nicht nur das Thema fesselte mich, auch die ausgefeilte Erzählweise der Autorin hielt mich beim Buch. Ich hätte zwar nicht gedacht das eine Steigerung noch möglich wäre, aber da habe ich mich geirrt.   Ich vergebe für Seelen unter dem Eis eine absolute Leseempfehlung.

Wer ist eigentlich Täter und wer Opfer?
Jeanette Lube am 27.09.2020

Dieses Buch erschien 2020 in der Pieper Verlag GmbH und beinhaltet 261 Seiten. "Ein eindringlicher Psychothriller über die dunklen Seiten der Anziehungskraft und den Verrat aus Habgier." Der erfolgreiche Werbe-Macher Tom spürt nach dem Tod seiner Mutter eine Leere in sich, die er durch einen Lehrauftrag an der Universität zu füllen versucht. Mit der Studentin Amal, die weder talentiert noch schön ist, kommt es dabei zu einer Konfrontation. Tom verfällt gegen seinen Willen der seltsamen jungen Frau und verstrickt sich immer mehr in diese außereheliche Affäre. Und dann führt sein Doppelleben zu einer Katastrophe... Schon nach dem Lesen des Klappentextes und dem Ansehen des zauberhaften Covers war ich total gespannt, was hier wohl passiert ist. Was hat wohl die Träne zu bedeuten? Ich bin immer wieder fasziniert, wie es der Autorin Astrid Korten aufgrund ihres wahnsinnig tollen Schreibstils gelingt, dass ich von der ersten Seite an in ihren Geschichten gefangen bin und die Handlung mich als Leserin so sehr in ihren Bann zieht, dass ich immer nur weiterlesen muss, weil ich unbedingt wissen will, was hier passiert ist. Die Autorin Astrid Korten recherchiert vor ihrem Schreiben immer außerordentlich gut über brisante Themen, die sie anspricht, was man am Ende des Buches auch lesen kann. Und genau das macht ihre Bücher so einzigartig. Wie wir ja schon im Klappentext erfahren, geht es über die dunklen Seiten der Anziehungskraft und den Verrat aus Habgier. In diesem Psychothriller lernte ich Tom kennen, der irgendwie der Studentin Amal verfallen ist, die ihn magisch anzieht, warum auch immer. Sie ist nicht besonders schön und auch nicht talentiert. Er kann es sich selbst nicht erklären, wie ihm das passieren konnte und diese Frau hat ihn irgendwie in der Hand. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, zum einen Toms Gegenwart und zum anderen Toms Vergangenheit und wie es dazu kam. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen, da ich auch in meinem Leben einem Menschen voll und ganz verfallen war. Doch wer hier wen aus Habgier verraten hat, das werdet ihr nur verstehen, wenn ihr dieses Buch lest. Ich werde nicht mehr verraten... Ich konnte es nicht mehr aus den Händen legen und fragte mich immer wieder, wer ist hier Täter, wer ist Opfer? Astrid Kortens Geschichten sind etwas ganz Besonderes, sie bewegen, sie klagen an, sie regen zum Nachdenken an, sie erschüttern, sie regen auf, sie verwirren. Astrid Korten rüttelt wach. Ich bin wieder mal hellauf begeistert und gleichzeitig auch komplett erschüttert über das Thema, mit welchem sich die Autorin hier beschäftigt und auseinandergesetzt hat. Dieses Buch ist spannend, aufregend, fesselnd, packend und lässt mich einfach nur sprachlos zurück. Ich finde, dieses Buch sollten ganz viele Menschen lesen. Das ist nämlich auch das Besondere an den Büchern von Astrid Korten, dass man immer wieder spezielle Themen aufgezeigt bekommt, die zum Nachdenken anregen. Danke für dieses Leseerlebnis, das mich sehr bewegt hat und immer noch bewegt. Dieses Buch regt zum Diskutieren an, ich werde vielen meiner Bekannten davon berichten. So, nun lest selbst!

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