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Schlaf süß im tiefen GrabeSchlaf süß im tiefen Grabe

Schlaf süß im tiefen Grabe

Kriminalroman

Taschenbuch
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Schlaf süß im tiefen Grabe — Inhalt

Land unter in Marienbüren: Sintflutartige Regenfälle machen den Bewohnern des kleinen Örtchens im Teutoburger Wald zu schaffen. Nicht zuletzt, weil eine verweste Kinderleiche direkt vor die Füße der jungen Sozialarbeiterin Sanna Marquart gespült wurde. Doch das Kind wird nirgends vermisst. Es ist, als hätte es nie existiert. Zusammen mit dem Bielefelder Kommissar Böttger beginnt Sanna, den Spuren zu folgen, und stößt dabei auf ein verborgenes Dorfgeheimnis,

das niemals ans Licht geraten sollte ...

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 17.09.2013
448 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-8333-0906-9
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 17.09.2013
448 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7632-8

Leseprobe zu »Schlaf süß im tiefen Grabe«

Kroatien, drei Jahre zuvor

Hinter ihr der entfernte Knall einer Fehlzündung.
Sanna drehte sich um und blinzelte gegen die Sonne.
Im Gegenlicht sah sie ein paar Jugendliche mit ihren
frisierten Mofas, sie standen ein Stück die Straße
runter im Schatten einer Pinie. Halbstarke mit Lederjacken
und betont machohaften Posen. Sie gestikulierten,
Wortfetzen wehten he rüber, offenbar gab
es Ärger.
»Kaum zu glauben, dass wir morgen wieder in
Berlin sind«, meinte Jannis, der mit ihr die Straße
hi nun terspazierte. Er hatte die jungen Männer offenbar
gar nicht bemerkt. »Ich [...]

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Kroatien, drei Jahre zuvor

Hinter ihr der entfernte Knall einer Fehlzündung.
Sanna drehte sich um und blinzelte gegen die Sonne.
Im Gegenlicht sah sie ein paar Jugendliche mit ihren
frisierten Mofas, sie standen ein Stück die Straße
runter im Schatten einer Pinie. Halbstarke mit Lederjacken
und betont machohaften Posen. Sie gestikulierten,
Wortfetzen wehten he rüber, offenbar gab
es Ärger.
»Kaum zu glauben, dass wir morgen wieder in
Berlin sind«, meinte Jannis, der mit ihr die Straße
hi nun terspazierte. Er hatte die jungen Männer offenbar
gar nicht bemerkt. »Ich könnte ohne Probleme
noch eine Woche dranhängen. Das war doch
eine super Zeit hier, oder?«
Sanna warf einen weiteren Blick zurück. Ihre Vermieterin
hatte vor einer Bande gewarnt, die in der
Gegend unterwegs war, um Touristen zu überfallen
und auszurauben. Aber diese Halbstarken da unter
der Pinie schienen eher mit sich selbst beschäftigt.
Die waren das bestimmt nicht.
Sie wandte sich ab. Jannis hatte recht. Es war großartig
gewesen. Sie wollte diesen letzten Urlaubstag
genießen. Den Himmel, das Meer, die flirrende Luft.
Vor allem aber das Zusammensein mit Jannis, ihrem
großen Bruder. Wenn sie zurück nach Deutschland
kommen, wird für sie beide ein neues Leben
anfangen. Dann wird alles ganz anders als zuvor.
Sie ignorierte die jungen Männer und hakte sich
bei ihm ein. »Ja, das wäre schön«, sagte sie. »Eine Woche
länger. Oder wir bleiben einfach für immer hier.«
Jannis lachte. »Was Georg Mascolo wohl dazu sagen
würde?«
Er plante, nach Hamburg zu gehen, um als Redakteur
beim SPIEGEL zu arbeiten. Beruflich ging es für
ihn steil bergauf. Er war brillant in dem, was er tat,
natürlich, aber trotzdem war Sanna überzeugt, dass
er seine Karriere hauptsächlich seinem unwiderstehlichen
Lächeln verdankte und der Art, wie seine
meerblauen Augen aufleuchteten, wann immer er
sich einem neuen Gesprächspartner zuwandte.
Sanna hatte zwar vor, in Berlin zu bleiben, aber
auch für sie würde sich viel ändern. Sie wollte mit
Bernd, ihrem Freund, zusammenziehen. Sie fühlte
sich jetzt bereit dazu, es war die richtige Entscheidung.
Und dann war da noch der Job als Sozialarbeiterin,
der nach den Ferien losginge. Ihre erste
feste Anstellung nach dem Diplom.
»Ach, Jannis. Ich weiß gar nicht, was ich ohne
dich in Berlin anfangen soll.«
»Ach was. Ich bin doch nicht aus der Welt.«
Sie erreichten ihren Lieblingsplatz, einen großen
flachen Felsen am Meer. Dahinter lag ein Hang mit
ausgedörrtem Gestrüpp und ein paar Pinien, die
Schatten spendeten. Unter ihnen die Brandung, die
ruhig und gleichmäßig den Felsen umspülte. Sanna
atmete die würzige Meeresluft ein und strich sich
das schulterlange blonde Haar aus dem Gesicht. Es
war wunderschön.
Wieder eine Fehlzündung. Sie sah sich um. In
den Posen der Halbstarken lag Aggression. Plötzlich
spürte sie ein deutliches Unbehagen. Als hätte
sie eine Vorahnung.
»Was wohl in einem Jahr sein wird«, meinte Jannis,
der sich gemütlich niedersetzte. »Du mit deiner
Stelle als Sozialarbeiterin, ich beim SPIEGEL … Ich
wüsste zu gern, wie es uns ergehen wird.«
Er ließ sich zufrieden die Sonne ins Gesicht scheinen.
Sanna breitete ihr Handtuch aus. Etwas entfernt
heulten Motoren auf. Es begann vielstimmig
zu knattern, und Jubelrufe ertönten. Die Teenager
sprangen auf ihre Maschinen, feuerten sich gegenseitig
an, gaben ordentlich Gas und wirbelten eine
Menge Staub auf. Jetzt fuhren sie direkt auf sie zu.
Sanna fühlte sich plötzlich seltsam nackt in ihrem
Bikinioberteil.
Nur widerwillig hockte sie sich neben Jannis.
»Was ist denn los?«, fragte er.
»Ach nichts«, sagte sie mit Blick zur Straße.
Doch die Jugendlichen hatten sie nun entdeckt.
Sie stießen sich gegenseitig an und deuteten zu
Sanna hi nüber. Es wurde gelacht und gepfiffen. Die
Mofas knatterten, sie drosselten das Tempo. Einer
der Jungen schob mit einer ordinären Geste seine
Zunge zwischen die Finger. Sanna blickte schnell
zur Seite.
»Nur diese Typen …«, begann sie, doch da verschwanden
die Mofas bereits hinter einer Kurve und
fuhren aus ihrem Blickfeld. Das Knattern wurde leiser.
Sie lauschte. Bestimmt kämen sie gleich zurück.
Sie wollte lieber weg von hier. Sie wandte sich zu ihrem
Bruder.
»Du, Jannis, vielleicht wäre es besser, wenn wir …«
Sie stockte. Jannis wirkte irgendwie verändert. Etwas
stimmte nicht. »Jannis?«
Er schien sie gar nicht zu hören. Wie in Zeitlupe
verdrehte er die Augen, sein Kopf sank in den Nacken,
eine Sekunde lang geschah gar nichts, und
dann ging es los: Ein erstickter kehliger Laut, beginnendes
Zittern, ein würgender Schrei – und er fiel
nach hintenüber. Schlug auf den nackten Fels auf,
wurde von unkontrollierten Zuckungen befallen,
trat aus, schlug um sich, war plötzlich wie besessen.
Sanna starrte ihn fassungslos an.
»Jannis! Was ist los?«
Er reagierte nicht. Sie versuchte, ihn in den Arm
zu nehmen, doch es gelang ihr nicht. Die Krämpfe
waren zu stark, sie schüttelten seinen ganzen Körper
durch, ein kehliges Würgen erklang. Dann trat
Blut aus seinem Mund und ergoss sich über das zitternde
Kinn.
»Jannis, kannst du sprechen? Bitte sag was!«
Sie hatte einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, das
gehörte zum Pflichtprogramm an der Fachhochschule.
Gemeinsam mit einer Freundin. Doch das
war ewig her. Und damals, als sie die Puppe beatmen
sollten, hatten sie nur gekichert. Sie waren furchtbar
albern gewesen, und im Grunde hatte Sanna gar
nichts gelernt.
Blutiger Schaum trat vor seinen Mund. Die Augen
verschwanden in den Höhlen. Sanna geriet zunehmend
in Panik. Verzweifelt drückte sie seinen
Körper auf den felsigen Grund, mit aller Kraft, die
sie aufwenden konnte. Doch der Anfall war stärker.
Und es wurde immer schlimmer.
Es lag jetzt an ihr. Sie musste etwas tun. Ihn retten.
Und sie durfte keinen Fehler machen. Sonst
wäre es zu spät, das wusste sie irgendwie. Aber was
war das Richtige? Sie blickte sich hektisch um. Da
waren das Meer, die Hänge und der blaue Himmel.
Das Auto. Sie musste zum Ferienhaus und den
Wagen holen. Ihn ins Krankenhaus fahren. Schnell.
Sie sprang auf. Jannis lag zuckend und würgend
am Boden.
»Ich komme gleich wieder, Jannis. Hörst du? Ich
hole nur das Auto. Bin sofort wieder da.«
Sie riss sich los und begann zu rennen.
Laufen. Auf kurzer Distanz hatte sie immer alle
abgehängt. Keine war so schnell wie sie. Lauf, Sanna,
lauf, dachte sie. Sie war bereits auf der Straße, als
ihr klar wurde: Jannis hatte den Wagen vorhin ihren
Nachbarn geliehen, einem Pärchen aus Düsseldorf,
das für ein gemeinsames Abendessen einkaufen
wollte. Sanna strauchelte. Blieb stehen. Um sie
he rum der aufgeheizte Asphalt. Die flirrende Luft.
Was jetzt? Sie drehte sich im Kreis. Ihr Herz klopfte
bis zum Hals.
Ihr Handy. Es lag auf dem Nachttisch in der Aufladestation.
Sie rannte weiter. Sie würde Hilfe holen.
Den Notarzt rufen. Doch gerade, als das Ferienhaus
in Sichtnähe kam, fiel ihr ein: Jannis hatte den
Haustürschlüssel. Er trug ihn in seiner Hosentasche.
Es war ein Gefühl, als steckte sie im Treibsand,
als würde sie immer tiefer gezogen, als gäbe es kein
Entkommen.
Sie kehrte um, lief zurück zum Meer. Jannis lag
noch immer auf dem Felsen. Sein Körper bäumte
sich auf, Gliedmaßen zuckten unkontrolliert. Sie
beschleunigte ihre Schritte.
»Jannis! Ich komme! Ich bin hier!«
Dann waren da Motorengeräusche zu hören, und
im nächsten Moment tauchten die Halbstarken auf
der Straße auf. Sie fuhren direkt auf Sanna zu. Mit
ihren Sonnenbrillen, den Lederjacken und machohaften
Posen wirkten sie geradezu martialisch. Sie
umkreisten sie, ließen Motoren aufheulen, blieben
schließlich stehen. Ein Rudel Wölfe, das seine Beute
umzingelte. Helme wurden abgenommen und Sonnenbrillen
hochgeschoben.
Sanna hatte nur eine Chance. Sie rief ihnen voller
Verzweiflung entgegen: »Ich brauche Hilfe! Bitte!
Mein Bruder!« Dann deutete sie auf Jannis, der zuckend
auf dem Felsen lag. Es war ein gespenstisches
Bild, das seine Wirkung zeigte. Verwunderung spiegelte
sich in den gerade noch so finsteren Gesichtern
der jungen Männer. Etwas Seltsames passierte. Die
Atmosphäre veränderte sich. Plötzlich war nichts
mehr zu spüren von dem machohaften Auftreten.
Die Jungs wirkten gar nicht mehr gefährlich. Sondern
eher wie Schulkinder. Sie waren erschrocken,
redeten wild auf Kroatisch durcheinander. Sanna
verstand kein Wort, doch schließlich zog einer ein
Handy hervor. Er wählte, sah nochmals zu Jannis,
sprach aufgeregt ins Gerät und legte auf.
»Ambulance«, sagte er zu Sanna.
»Ja, genau. Ambulance. Schnell!«
Sanna spürte Erleichterung. Ohne weiter auf die
jungen Männer zu achten, lief sie zu Jannis zurück.
»Hilfe ist unterwegs. Halte durch, Jannis. Ein
Krankenwagen kommt.« Sie ließ sich neben ihn auf
den Felsen fallen. Später würde sie nicht sagen können,
wie lange sie dort gesessen hatte. Wahrscheinlich
waren es nur Minuten, aber es kam ihr vor wie
ein halbes Leben.
Ein Auto fuhr auf den unbefestigten Hang. Es
war ein halb verrosteter VW Passat. Zunächst begriff
Sanna nicht, doch dann erkannte sie den jungen
Mann hinterm Steuer: Er war es, der telefoniert
hatte. Ein Missverständnis. Er hatte gar keinen
Notarzt gerufen. Er hatte stattdessen ein Auto organisiert,
damit er Jannis ins Krankenhaus fahren
konnte. Der Junge grinste triumphierend. Sanna
wurde übel. Wieder verrannen wertvolle Minuten.
Sie versank immer tiefer im Treibsand. Jannis
brauchte Hilfe, und sie schaffte es nicht, das Richtige
zu tun. Ihr lief die Zeit davon.
Es dauerte ewig, bis der zuckende und um sich
schlagende Jannis samt Schwester auf die Rückbank
verfrachtet wurde.
»Los! Fahr schon! Beeil dich!«
Das brauchte sie nicht zu übersetzen. Der Junge
trat aufs Gas, die Reifen quietschten, Staub wirbelte
auf, und sie schossen auf die Straße.
Es war nicht weit bis zur nächsten Stadt, und Jannis’
Zuckungen wurden schwächer. Sanna konnte
ihn jetzt ein wenig zurechtrücken. Doch sein Gesicht
lief blau an. Bekam er überhaupt genügend
Sauerstoff? Sanna legte sanft ihre Arme um ihn. Jenseits
der Fenster ragten Häuserfronten in den blauen
Himmel. Sie waren gleich da, nicht mehr lange. Eine
Träne rann über ihre Wange. Halte durch, Jannis.
Sie dachte an sein Lächeln. An das Aufleuchten
seiner Augen, immer, wenn er sie erblickte. Wie
oft würden sie sich noch sehen, wenn Jannis erst in
Hamburg wäre?
Der Wagen holperte über einen Bordstein, dann
war da die Notaufnahme. Der Junge lief wie ein
aufgescheuchtes Huhn zum Eingang. Kurz darauf
tauchten Männer auf, fliegende Kittel, die Tür
wurde aufgerissen, ein Notarzt beugte sich he rein.
Sanna bewegte sich nicht. Blieb einfach sitzen.
Jannis hielt sie sacht in ihren Armen. Der Mann
sah zu Jannis, dann zu Sanna. Er nahm Jannis’ Kopf
vorsichtig in die Hände, beinahe zärtlich. Sein Blick
war ruhig und traurig. Schließlich fragte er Sanna in
gebrochenem Deutsch: »Wie lange ist er schon tot?«
Sie antwortete nicht. Die Sonne stand tief und
blendete sie. Es wurde Abend, und morgen ging es
zurück nach Deutschland. Dann war der Urlaub zu
Ende, so wie geplant. Und ihr altes Leben war vorbei.

Stefan Holtkötter

Über Stefan Holtkötter

Biografie

Stefan Holtkötter, geboren 1973 in Münster, wuchs auf einem Bauernhof in Westfalen auf. Er studierte Sozialpädagogik, war einige Jahre als Sozialarbeiter beim Jugendamt und in der Erwachsenenbildung tätig und lebt heute, neben seiner Tätigkeit als Motivationstrainer und Berater für Arbeitslose, als...

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