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Scheiß auf die anderen Scheiß auf die anderen

Scheiß auf die anderen

Sich nicht verbiegen lassen und mehr vom Leben haben

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Scheiß auf die anderen — Inhalt

Machen Sie doch, was Sie wollen! Schluss mit der Suche nach dem perfekten Leben!

Haben Sie das Gefühl, dass immer dort, wo Sie nicht sind, das Leben aufregender und schöner ist? Dass andere mehr Abenteuer, Glück und Liebe erleben? Auf Facebook sieht Ihr normales Leben oft ziemlich armselig aus? Lehnen Sie sich zurück, denn ab heute ist Schluss mit dem schlechten Gefühl, dauernd das Falsche zu wollen. Pfeifen Sie auf Ratschläge, die schwer mit der Realität vereinbar sind, und übernehmen Sie nicht leichtfertig Ideale, die in Wirklichkeit völlig unerreichbar sind! Denn niemand ist glücklicher, beliebter oder spiritueller als Sie selbst - und schon gar nicht jene, die einem ständig erzählen, was man wollen soll. 

Erschienen am 05.10.2015
208 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30833-5
Erschienen am 05.10.2015
208 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97159-1

Leseprobe zu »Scheiß auf die anderen «

Vorwort

 



»Pari shōkōgun« ist der Name eines Syndroms, das Japaner befällt, die zum ersten Mal nach Paris reisen. Kaum betreten sie die Stadt ihrer Träume, fallen sie in Depres­sionen, bekommen Herzrasen, manchmal sogar Hallu­zinationen. Anstatt in den Straßen herumzubummeln, ziehen sie sich in ihr Hotelzimmer zurück. Voller Erwartungen waren sie aufgebrochen zu ihrem Sehnsuchtsort, den sie sich mitunter jahrelang in den schönsten Farben ausgemalt hatten. Die Wirklichkeit versetzt sie in eine Art Schockzustand.
Befragt man Japaner, wie sie sich Paris [...]

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Vorwort

 



»Pari shōkōgun« ist der Name eines Syndroms, das Japaner befällt, die zum ersten Mal nach Paris reisen. Kaum betreten sie die Stadt ihrer Träume, fallen sie in Depres­sionen, bekommen Herzrasen, manchmal sogar Hallu­zinationen. Anstatt in den Straßen herumzubummeln, ziehen sie sich in ihr Hotelzimmer zurück. Voller Erwartungen waren sie aufgebrochen zu ihrem Sehnsuchtsort, den sie sich mitunter jahrelang in den schönsten Farben ausgemalt hatten. Die Wirklichkeit versetzt sie in eine Art Schockzustand.
Befragt man Japaner, wie sie sich Paris vorstellen, dann schildern sie einen inspirierenden Ort voller Künstlercafés, in dem alle Menschen aussehen wie Fotomodels. Sowohl Männer als auch Frauen tragen schöne, teure Kleidung, schlendern lässig umher und lächeln den ganzen Tag, und ehe man sich versieht, hat man sich in einen dieser charmanten Stadtbewohner verliebt.
Mit dem echten Paris werden die japanischen Besucher nicht fertig: einer Stadt voller Menschen, die nicht nur eine unverständliche Sprache sprechen, sondern zudem alles andere im Sinn haben, als Touristen in sich verliebt zu machen. Wie in fast allen europäischen Großstädten verhalten sich die meisten Einwohner so ruppig, dass ein Japaner dies als ausgesprochen aggressiv empfindet. Was die japanischen Touristen in dieser Stadt erleben müssen, hat mit dem Mythos Paris wenig zu tun.
So ähnlich geht es mir mit dem Mythos von einem gelingenden, erfüllten Leben. Ein Leben, in dem man immer Zeit für eine gute Tasse Kaffee in der Morgensonne findet und trotzdem irgendwie erfolgreich ist. In diesem Leben ist die Liebe stets leidenschaftlich, der Job eine Berufung, der eigene Körper ein Tempel und Kinder ein kostbares Geschenk.
Wo es früher gereicht hat, eine feste Stelle zu haben und Stefan und Sandra auf die Schule nebenan zu schicken, einmal die Woche zum Sport zu gehen und im Sommer nach Italien zu fahren, werden wir heute in sozialen Netzwerken dazu aufgefordert, »endlich richtig zu leben«, »gleich heute damit anzufangen«, »unser Ding zu machen«.
Diese allgegenwärtigen Aufforderungen erzeugen in mir ein diffuses Gefühl der Erwartung. Denn wie die meisten Menschen möchte auch ich etwas Besonderes aus meinem Leben machen, und so sehne ich mich nach dem Moment, in dem ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dann werde ich nichts mehr halbherzig und ohne Leidenschaft tun, dann werde ich die Welt entdecken, meine Träume leben und meine Tochter Anna-Madita Xiomara nennen. Während ich noch auf diesen wunderbaren Moment warte, genießen die anderen bereits ihr selbstbestimmtes Leben.
In den sozialen Netzwerken kann ich es mit eigenen Augen sehen: Andere Menschen reisen weiter, lieben inniger, ernähren sich gesünder und sind im Einklang mit sich selbst. Die anderen haben – und das ist der Unterschied zu mir – ihren Platz im Leben schon gefunden. Und solange ich diesen Platz nicht gefunden habe, darf ich mich nicht wundern, wenn sich mein Leben wie ein Provisorium an­­fühlt.
Viel schlimmer als die Tatsache, dass man selbst nicht weiß, wie man leben soll, ist also die Sorge, dass es anderen viel besser gelingt! So wie ein japanischer Reisender sich ohne den Mythos Paris wohl damit abfinden könnte, dass er von seinem Reiseziel enttäuscht ist, so könnte auch ich mich wahrscheinlich daran gewöhnen, dass mein Leben nicht immer aufregend ist und ich immer wieder an mir selbst zweifle. Was mich und die vom »Pari shōkōgun« Betroffenen jedoch quält, ist die Vorstellung, dass andere offensichtlich etwas sehen, fühlen und erleben, wozu wir nicht in der Lage scheinen! Da ist es ziemlich egal, ob sich nur eine Stadt oder gleich das ganze Leben weigert, sich in seiner ganzen Herrlichkeit zu zeigen.
Es gibt nur eines, was einen in dieser Lage trösten könnte: nämlich die Erkenntnis, dass es anderen nicht besser er­­geht.

 

1
Schluss mit dem schlechten Gewissen!
Wenn Freiheit zum Terror wird

In dem Moment, in dem du das Wort »Freiheit«
oder »Demokratie« hörst, sieh dich vor,
denn in einem wahrhaft freien Land müsste dir keiner sagen, dass du frei bist.
Jacque Fresco

 

 

Manchmal wünschte ich mir, es käme jemand und würde mich unterdrücken. Ein Mensch oder eine Gesellschaft, die mir verbieten würden, zu lernen, zu studieren, die Haare kurz oder lang zu tragen, Liebschaften zu haben oder Auto zu fahren. Ich würde mich gern fühlen wie eine Frau, die ihre Meinung für sich behalten muss, oder wie ein Mann, der Berufsverbot erhält; ich will wissen, wie es ist, wenn es verboten ist, Bücher zu lesen oder den Menschen zu heiraten, den man liebt. Kurzum: Ich stelle mir manchmal vor, wie es wäre, wenn die Menschen um mich herum mir verbieten würden, so zu leben, wie es mir entspricht.
Die einzige Freude in dem mir aufgezwungenen Leben wären die Treffen mit Leidensgenossen, die so wie ich an der Selbstentfaltung gehindert werden. Bei ihnen fühle ich mich zu Hause. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie sich die Repressionen umgehen lassen. Mit viel Witz und Kreativität trotzen wir unseren Unterdrückern die wenigen köstlichen Freiheiten ab. Die heimliche Autofahrt, das auf dem Dachboden gelesene Buch, der Besuch eines illegalen Konzerts mit gesellschaftskritischen Songs – in solchen Stunden fühlen wir uns verwegen und lebendig.
Nach diesen erhebenden Momenten der Freiheit kehren wir gestärkt in unser normales Leben zurück. In ein Leben, mit dem wir unzufrieden sind, weil es nicht das selbst ge­­wählte ist. Diese Unzufriedenheit, die in uns brodelt und kocht, ist das wertvollste Gefühl, das wir haben, denn es zeigt uns genau, wo die Rolle, die andere für uns vorgesehen haben, einfach nicht passt.
Unsere Helden sind die, die es geschafft haben, die, die sich nichts mehr verbieten lassen. Sie fahren als erste Frau in einem roten Jaguar durch die Stadt, sie studieren als erster Schwarzer an einer Eliteuniversität. Sie lehnen es ab, die Frau oder den Mann zu heiraten, die oder den ihre Familie für sie vorgesehen hat. Sie ziehen weg von den Eltern, sie leben mit ihrem Liebhaber oder ihrer Geliebten zusammen. Sie verlassen das Land und verdienen ihr eigenes Geld, sie rauchen auf der Straße, sagen, was sie denken, ziehen Hosen an und schlafen, mit wem sie wollen, und essen sogar Schweinefleisch.
Diese besonderen Menschen haben sich getraut, gegen den Willen der Familie ihren Traumberuf zu ergreifen. Sie haben sich von überkommenen Traditionen befreit und animieren diejenigen, die noch in ihnen gefangen sind, es ihnen gleichzutun. Dass sie von den Verteidigern der alten Ordnung abgelehnt werden, kann ihnen nichts mehr anhaben, im Gegenteil: Jede Ablehnung macht sie nur noch stärker, denn der Widerstand der anderen zeigt ihnen, dass sie auf dem richtigen Weg sind.
Alles, was sie tun, erregt Aufmerksamkeit. Ihr Handeln wird durch ihren Widerstand geadelt. Wenn sie Romane lesen, dann faulenzen sie nicht, sondern stillen ihren Hunger nach Bildung. Das selbst verdiente Geld ist ein Symbol für ihre Unabhängigkeit und kein Zeichen ihrer Gier. Ihre rasante Autofahrt durch die Stadt ist Rebellion und keine Umweltverschmutzung. Ihre vielen Liebschaften sind nicht Ausdruck ihrer Beziehungsunfähigkeit, sondern ihrer Lebenslust. Sie sind eben Vorreiter und keine Egoisten, und der Kampf um ihre eigene Freiheit ist ein Kampf für die Freiheit aller Unterdrückten dieser Welt.
Die Freiheit dagegen ist fad und kompliziert noch obendrein. Wie soll ich wissen, was ich wirklich will, wenn mir nichts verboten wird? Womit kann ich noch Aufmerksamkeit erregen, wenn alles erlaubt ist? So fiel der Musiker Rex Joswig, Gründer und Sänger der Underground-Band »Herbst in Peking«, aus der ehemaligen DDR nach dem Mauerfall in ein Loch. In den siebziger und achtziger Jahren war er berühmt, seine Konzerte immer gut besucht. Legendär war der Ausspruch, mit dem er jeden Auftritt seiner Band eröffnete: »Heute ist der Tag, an dem das System zusammenbricht. Feiern wir diesen Tag!«
Als die Mauer fiel, war das alles vorbei.
In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Brand eins beschrieb er im Januar 2015, wie es war, als sich seine Rolle als Systemkritiker durch das Ende der DDR erübrigte: »Insofern wurde es mit der Selbstbestimmung im Westen für mich nicht einfacher. Der äußere Feind war weg, aber dafür verschwindest du hier einfach. Für jemanden, der wie ich gehört werden will, ist das schwer. In der DDR war ich eine coole Sau, im Westen nur einer von vielen.«

Es ergibt keinen Sinn zu rebellieren, wenn man frei ist; man würde sich lächerlich machen, wenn man es täte. Kaum bin ich frei, muss ich ganz allein entscheiden, was gut und richtig für mich ist. Doch plötzlich sind nicht nur die Mitstreiter verschwunden – auch das Gute und Richtige scheint es nicht mehr zu geben: Der Flug in die Freiheit vergrößert meinen CO2-Fußabdruck, das Schweineschnitzel stammt aus der Massentierhaltung, und mit meiner Karriere unterstütze ich ein Unternehmen, das mit seinen Geschäftsmethoden die Ärmsten der Armen noch ärmer macht. Die Eigentumswohnung, in der ich ein selbstbestimmtes Leben führen will, kann ich nur kaufen, wenn die ursprünglichen Mieter rausgeworfen werden. Es gehört zu einer der unangenehmsten Nebenwirkungen von Freiheit, dass ich plötzlich zum Täter werde, also mich schuldig mache, sobald ich anfange, meine Freiheit zu nutzen.

Rebecca Niazi-Shahabi

Über Rebecca Niazi-Shahabi

Biografie

Rebecca Niazi-Shahabi stammt aus einer deutsch-israelisch-iranischen Familie und lebt in Berlin. Dort hält die Autorin Seminare zum Thema Charisma und arbeitet als Journalistin und Werbetexterin.

Medien zu »Scheiß auf die anderen «

Pressestimmen

sueddeutsche.de

»Ein kluger Anti-Ratgeber, der Mut zur Gelassenheit macht.«

editionf.com

»Die Autorin Rebecca Niazi-Shahabi räumt äußerst unterhaltsam mit dem Selbstfindungszwang unserer Gesellschaft auf.«

Inhaltsangabe

Vorwort

1 Schluss mit dem schlechten Gewissen !
Wenn Freiheit zum Terror wird

2 Gut ist mir nicht gut genug !
Von der Last, das Richtige tun zu wollen

3 Und was, wenn Geld doch glücklich macht ?
Auf der Suche nach einer verlorenen Utopie

4 Der Rest findet sich
Selbstverwirklichung als magische Praxis

5 Ein Leben in Fülle – was soll das sein ?
Der neue Kult um eine Fata Morgana

6 Be yourself – be unhappy !
Warum authentisch sein keinen Spaß macht

7 Stell dir vor, du findest dich selbst, und keinen interessiert’s
Der harte Kampf um Aufmerksamkeit

8 Plädoyer für ein neues altes Ideal
Wie man wirklich etwas Bedeutsames tut

9 Scheiß auf die anderen !
Argumente gegen das vollkommene Leben

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