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Schattenstürmer

Die Chroniken von Siala 2

Taschenbuch
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Schattenstürmer — Inhalt

Die Abenteuer von Garrett haben Millionen Fantasy-Fans weltweit begeistert – nun erscheinen »Die Chroniken von Siala« auf einen Schlag im Taschenbuch! Nach Jahrhunderten des Friedens bedroht eine Armee des Todes die Stadt Awendum. Nur der Schattenwanderer Garrett kann sie noch aufhalten. An der Seite einer Elbenprinzessin und der unerbittlichsten Krieger des Königreichs zieht er in einen Kampf auf Leben und Tod … 

€ 10,99 [D], € 11,30 [A]
Erschienen am 18.06.2012
Übersetzt von: Christiane Pöhlmann
448 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-26872-1
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.02.2012
Übersetzt von: Christiane Pöhlmann
528 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95123-4

Leseprobe zu »Schattenstürmer«

Kapitel 1
Ranneng

Wer im südlichen Vagliostrien lebt, den Norden des Landes nie gesehen hat und Awendum nicht kennt, glaubt meist, Ranneng sei eine schier überwältigende Stadt. Gewiss, klein ist sie nicht. Aber mit Awendum kann sie nun einmal nicht mithalten.
Und für alle, die es nicht wissen : Ranneng war einst die Hauptstadt des Königreichs, verlor diesen ehrenvollen Rang dann jedoch im Krieg des Frühlings, als die Orks aus den Wäldern Sagrabas bei uns einfielen. Es ist die älteste Stadt Vagliostriens. Selbst die kundigsten Geschichtsschreiber des [...]

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Kapitel 1
Ranneng

Wer im südlichen Vagliostrien lebt, den Norden des Landes nie gesehen hat und Awendum nicht kennt, glaubt meist, Ranneng sei eine schier überwältigende Stadt. Gewiss, klein ist sie nicht. Aber mit Awendum kann sie nun einmal nicht mithalten.
Und für alle, die es nicht wissen : Ranneng war einst die Hauptstadt des Königreichs, verlor diesen ehrenvollen Rang dann jedoch im Krieg des Frühlings, als die Orks aus den Wäldern Sagrabas bei uns einfielen. Es ist die älteste Stadt Vagliostriens. Selbst die kundigsten Geschichtsschreiber des Königreichs wissen nicht mehr, wann der Grundstein zu ihrem ersten Bauwerk gelegt wurde, derart lange ist das her.
In den letzten eintausendfünfhundert Jahren sah Ranneng rund hundert Herrscher kommen und gehen, bot Dutzenden von Generationen ein Zuhause, fand nach sechs großen Bränden, die die Stadt beinah vom Antlitz der Erde getilgt hätten, immer wieder zu seiner Größe zurück und überstand mehrere Aufstände und Epidemien.
Nachdem es von den Orks im Krieg des Frühlings mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht und anschließend wieder aufgebaut worden war, galt Ranneng als die schönste Stadt im Königreich. Die Architektur, die den Göttern geweihten Tempel, das Grün überall, die breiten Straßen und die Springbrunnen alle hundert Yard zogen zahlreiche Reisende, Neugierige und Händler an.
Gleich zu Beginn seiner Herrschaft gab der damalige König Stalkon den Befehl, in Ranneng eine Universität zu gründen. Studenten aus nahezu sämtlichen Königreichen des Nordens strömten herbei. Der Universität gegenüber lag ein großer Park – das war ein kleiner Wald inmitten der Stadt, wenn man so will. Durch ihn erreichte man die Oberstadt. Der Weg führte auch an dem gewaltigen Bronzetor der Schule der Magier vorbei. Diese Schule stand am Beginn des Weges eines jeden Magiers im Königreich, hier brachte man den künftigen Zauberern das Einmaleins ihres Faches bei. Erst nach einer fünfjährigen Ausbildung in Ranneng durften sie zur Schule in Awendum überwechseln, um ihre Kenntnisse dort zu vervollkommnen. Der Schule der Magier und der Universität verdankte Ranneng auch die Bezeichnung als Stadt des Wissens.
Ranneng war auf fünf Hügeln erbaut, die am Schnittpunkt der großen südlichen Handelswege des Königreichs lagen. Einen geeigneteren Ort zur Gründung einer Stadt hätte man sich also kaum denken können. Ranneng war schön, ja, prachtvoll sogar – nicht ohne Grund besangen Poeten die Stadt, aber es hatte auch einen entscheidenden Nachteil: Es lag wesentlich dichter an den Wäldern Sagrabas und damit viel näher bei den Orks als Awendum. Sollten die Orks abermals von Kampfeslust gepackt werden, so wäre es ihnen ein Leichtes, über Ranneng herzufallen, während sie eine ganze Weile bräuchten, um ans Kalte Meer zu ziehen. Eben dies war auch der Grund, warum Ranneng seit fünfhundert Jahren nicht mehr die Hauptstadt war. Die Orks hatten die Menschen Vorsicht gelehrt. Den Fehler, den sie noch im Krieg des Frühlings gemacht hatten, wiederholten sie nicht: Sie setzten das Herz des Königreichs nicht solcher Gefahr aus. Denn was auch immer man dem Geschlecht der Stalkonen vorwerfen mochte, dumm waren sie nicht. Der König hatte seinen Hof nach Norden verlegt, nach Awendum, also weit weg von den Wäldern Sagrabas und damit einer möglichen Gefahr.
Und dort, wo der König ist, dort ist – eben! – auch die Hauptstadt.
Doch lassen wir es bei diesem kurzen geografischen und historischen Exkurs bewenden, denn nun kam endlich das Stadttor in Sicht.
Unsere Gemeinschaft erreichte Ranneng am späten Vormittag, zusammen mit unzähligen Menschen aus Dörfern, Städten und anderen Ländern, die zu den Stadttoren strömten, um zu kaufen, zu verkaufen, zu stehlen, um Arbeit zu suchen, zu studieren, Verwandte zu besuchen, Gerüchte zu hören oder um sich schlicht und einfach an der Schönheit der Stadt zu weiden. Bei diesem Andrang rechnete ich nicht damit, vor dem frühen Abend Einzug in die Stadt halten zu können.
Die Menge lärmte in geradezu unbeschreiblicher Weise. Alle redeten durcheinander, schrien, brüllten und stritten oder verteidigten mit Schaum vor dem Mund ihr Recht, vor den anderen durchs Tor zu gehen. In der Nähe eines Karrens voller Rüben kam es zu einer Schlägerei um einen Platz in der Schlange. Die Stadtwache trachtete zwar danach, Ordnung zu schaffen, verschlimmerte das Ganze allerdings nur, da die aufgebrachten Dörfler ihre Aufmerksamkeit nun auf die Soldaten lenkten. Die Schlägerei drohte um sich zu greifen, die Soldaten bedauerten bereits, sich überhaupt eingemischt zu haben.
»Was hat das zu bedeuten?«, fragte Schandmaul, unser Wildes Herz mit der Sauerbiermiene. »Hier am Nordtor hat es doch noch nie eine Schlange gegeben ! Weil immer alle das Triumphtor nehmen ! Haben die Leute jetzt völlig den Verstand verloren, oder was ? «
»Warum nehmen wir dann dieses Tor?«, zischte Hallas, der eine Hand gegen die Wange presste.
Was ist wohl noch schlimmer als ein missgestimmter, streitsüchtiger und der ganzen Welt grollender Gnom? Nur ein missgestimmter, streitsüchtiger und der ganzen Welt grollender Gnom mit Zahnschmerzen !
»Weil es viel zu lange dauert, zum anderen Tor zu kommen!«, antwortete Schandmaul.
»Schön und gut!«, knurrte Hallas, der die Zöpfchen in seinem Bart zerzauste. »Aber dass ich derweil am Zahnweh krepiere, das geht nicht in deinen Hohlschädel rein, was ? ! «
»Schluss jetzt, Hallas!«, stellte sich Deler auf Schandmauls Seite. » Du hast die Schmerzen bereits einen ganzen Tag lang ausgehalten, da wirst du es auch noch die paar Stündchen schaffen ! «
»Die Frage ist doch nicht, ob er es noch aushält, die Frage ist eher, ob wir es noch mit ihm aushalten«, widersprach Marmotte dem Zwerg, und seine dünnen Lippen zitterten in einem kaum wahrnehmbaren Grinsen.
Ich konnte Marmotte nicht widersprechen. Seit den Gnom die Zahnschmerzen plagten, war er einfach unerträglich und brachte nicht nur Deler zur Weißglut, sondern auch den sonst so unerschütterlichen Lämpler. Vermutlich hielten die Götter ihre Hand schützend über den Gnom, anders ließ sich nämlich nicht erklären, warum bisher noch niemand Hallas gepackt und ihn kurzerhand mit einem gezielten Schlag von dem vermaledeiten Zahn befreit hatte.
»Ach, halt den Mund, Marmotte!« Der Schmerz nahm Hallas sogar die Streitlust. » Wenn du mal Zahnschmerzen hast … «
»Die wird er nicht kriegen, denn im Gegensatz zu einem gewissen Gnom, auf dessen Schultern nur ein hohler Kürbis sitzt, den er stur Oberstübchen nennt, hüllt sich Marmotte bei Regen in einen Umhang!«, grummelte Deler. »Na, komm, ich zieh dir den Zahn raus ! Das dauert nur ein paar Minuten ! «
Der Gnom warf dem breitschultrigen, bartlosen Zwerg einen unschönen Blick zu, in dem die offene Drohung lag, ihm gleich eins überzuziehen. Bevor es jedoch zu einer Keilerei kam, brachte Schandmaul sein Pferd zwischen die beiden.
»Warum geht das nicht vorwärts?«, stöhnte Hallas, der beobachtete, wie die Soldaten einen Wagen durchs Tor winkten, der über und über mit Holzkäfigen voller Hühner beladen war.
»Sie müssen jeden überprüfen, die Gebühren eintreiben und in Erfahrung bringen, warum jemand in die Stadt will«, erklärte Kli-Kli.
»Was ist denn in die gefahren?«, fragte ich. »Woher dieser Eifer ? «
»Wer wird schon aus der Stadtwache schlau?«, entgegnete der grüne Kobold schulterzuckend, ehe er sich dem Gnom zuwandte : » Keine Sorge, Hallas, bis zum Mittag sind wir in der Stadt. «
» Vielleicht sollten wir es doch lieber an einem anderen Tor versuchen, Mylord Alistan ? «, schlug Met vor.
Alistan ließ sich den Vorschlag, den das größte und stärkste Wilde Herz gemacht hatte, kurz durch den Kopf gehen und fragte dann schnaubend: »Wie lange bräuchten wir bis zum nächsten Tor ? «
»Ein Stündchen«, sagte Schandmaul ungerührt und blinzelte in der Sonne.
Hallas’ Gesicht lief dermaßen puterrot an, dass ich schon fürchtete, ihn werde gleich der Schlag treffen. » Ein Stündchen ? ! «, schrie er. »Bis zum Mittag?! Das halte ich nicht aus!« Der Gnom lenkte sein Pferd wild entschlossen zum Tor.
»Was hat er jetzt vor?«, fragte Schandmaul, doch Alistan rammte seinem Pferd schon die Hacken in die Seite, weshalb uns nichts anderes übrig blieb, als ihm und dem Gnom zu folgen.
Die Menschen vor dem Tor hatten uns neugierig beäugt. Kaum schwante ihnen jedoch, dass wir uns vorzudrängeln gedachten, da ging das Geschrei los.
»Die werden noch handgreiflich! Bei Sagoth«, brummte Marmotte, der neben mir ritt, » die prügeln bestimmt gleich los ! «
Der Gnom lenkte sein Pferd ohne viel Federlesens durch die empörte Menge und brüllte lauthals, man möge ihm den Weg freigeben.
»Halt, Gnom!« Ein Soldat mit Hellebarde stellte sich Hallas in den Weg. » Was soll das ? Was glaubst du wohl, wozu die Schlange da ist ? ! «
Hallas wollte dem Soldaten gerade darlegen, was er von ihm und all seinen Verwandten bis zurück ins siebente Glied hielt, als sich Miralissa wie durch ein Wunder neben ihm einfand und den Gnom zur Seite schob.
Recht tat sie. In seiner gegenwärtigen Gemütsverfassung war der Gnom imstande, uns in große Schwierigkeiten zu bringen, aus denen wir nur unter Einsatz einer hübschen Goldmünze wieder herauskämen. Wenn wir aber wegen jeder Gnomenlaune mit Gold um uns würfen, dann wäre es bald aus damit (mit dem Gold, meine ich, nicht mit dem Gnom ).
»Guten Morgen, verehrter Herr!«, wandte sich die Elfin lächelnd an den Mann der Stadtwache. » Warum gibt es heute Morgen eine derart lange Schlange ? Ist denn etwas geschehen ? «
Der Soldat wechselte prompt die Tonlage und strich sogar seine Uniform glatt. Wie uns unsere lieben Mütter seit frühester Kindheit beigebracht hatten, musste man alle Elfen, lichte wie dunkle, mit ausgesuchter Höflichkeit behandeln, andernfalls konnten sich die Waldbewohner rasch beleidigt fühlen – und ihrer Verstimmung Ausdruck verleihen, indem sie dir einen Dolch zwischen die Rippen rammten.
»Was soll gut an diesem Morgen sein, Mylady?! Jeden müssen wir in diesen Tagen überprüfen! Und zwar penibel! In was für Zeiten leben wir bloß! Weiß das Dunkel, was hier vor sich geht! Wenn Ihr mich fragt, haben wir das alles dem Unaussprechlichen zu verdanken ! «
» Aber was ist denn nun vorgefallen, verehrter Herr ? «
»Wisst Ihr das nicht?« Der Soldat sah Miralissa erstaunt an. » Die Leute reden doch von nichts anderem ! «
»Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, mit jemandem zu sprechen«, antwortete Miralissa mit einem unverbindlichen Lächeln, das ihre Fänge entblößte.
» Vor ein paar Wochen hat der Unaussprechliche den Palast des Königs angegriffen ! «
»Ach, der Unaussprechliche?«, fragte Ohm und grinste sich in den dichten grauen Bart.
»Richtig, der Unaussprechliche! Mit fünftausend Handlangern ! Wenn die Garde und Alistan Markhouse nicht gewesen wären, hätten die den König ermordet ! «
»Fünftausend?«, hakte Ohm erneut in ungläubigem Ton nach und kratzte sich den kahlen Kopf.
»So sagen es die Leute. Fünftausend.« Der Soldat geriet leicht in Verlegenheit. Offenbar war ihm gerade der Gedanke gekommen, dass fünftausend Mann reichlich viel sind.
»Na, wenn die Leute es sagen!«, lachte Ohm, der wie wir alle jene denkwürdige Nacht im Palast miterlebt hatte, als die Adepten des Unaussprechlichen die Leibgarde herausforderten.
»Aber warum gibt es dann vor diesem Tor eine solche Schlange ? ! «, polterte Hallas. » Der Überfall hat in Awendum stattgefunden – und das Tor hier ist in Ranneng ! «
»Der König, möge er noch hundert Jahre auf dem Thron sitzen, hat den Befehl erteilt, größere Wachsamkeit walten zu lassen ! Das tun wir hiermit ! «
» Die bemerken doch nicht mal eine Armee von Orks, wenn sie direkt unter ihrer Nase vorbeitrampelt ! «, flüsterte mir Kli-Kli ins Ohr.
Der Kobold hatte recht, ein gewöhnlicher Wachtsoldat dürfte die Handlanger des Unaussprechlichen nur schwerlich in der Menge ausmachen, sie unterschieden sich nämlich durch nichts von unseren friedliebenden Mitbürgern.
»Es ist nur zu begrüßen, dass Ihr Euren Dienst so gewissenhaft verseht!«, bemerkte Miralissa. »Das Königreich kann ruhiger schlafen, wenn die Städte über solche Wachen verfügen. «
Hallas setzte schon an, seine Meinung über die gewissenhaften Soldaten kundzutun, bekam jedoch von Deler einen Fausthieb in die Seite und verschluckte sich, wobei ihm beinahe die Pfeife aus dem Mund gefallen wäre.
Die Menge hinter uns wurde immer lauter. »Was ist denn da los ? ! Warum geht es nicht weiter ? «
Vom Tor her trat ein mürrischer Soldat mit den Schulterstücken eines Korporals an uns heran. Ganz offenkundig stand ihm der Sinn nicht nach einer freundlichen Plauderei.
»Immer mit der Ruhe, Mies«, wies unser Wachtposten den Korporal ungeachtet seines Ranges zurecht. » Die Lady Elfin interessiert sich für Neuigkeiten. «
Erst jetzt gewahrte der Korporal unsere bunte Gemeinschaft: ein grüner Kobold mit blauen Augen, drei dunkle Elfen mit aschgrauem Haar, ein finsterer Ritter und neun Soldaten, von denen einer offenbar ein Gnom von böswilligstem Äußeren und ein anderer ein Zwerg mit einem topfförmigen Hut war; dazu kam noch ein magerer Kerl mit einem Diebesgesicht. Eine solch illustre Gesellschaft besuchte selbst Ranneng nicht jeden Tag.
» Äh … «, stammelte der Korporal. » Also … «
»Doch jetzt wollen wir Euch nicht länger aufhalten.« Ein weiteres Lächeln von Miralissa. » Können wir weiter ? «
Das Lächeln der Elfen vermag einen unvorbereiteten Menschen nachhaltig zu verwirren, vor allem, wenn er nie zuvor die Elfenfänge gesehen hatte, diese beiden strahlend weißen Fangzähne im Unterkiefer.
»Selbstverständlich.« Der Korporal winkte in Richtung Tor, damit die Soldaten uns durchließen. »Aber vergesst nicht, dass innerhalb der Stadt nur die Wache und die Elfen das Recht haben, Waffen zu tragen ! «
» Und was ist mit Adligen und Wilden Herzen ? «, fragte Aal, der bisher geschwiegen hatte.
» Nur Dolche und Messer ! «
»Aber wir stehen doch im Dienst des Königs! Wir sind keine Söldnertruppe ! «
»Tut mir leid, aber vor dem Gesetz sind alle gleich«, wies ihn der Korporal erbarmungslos ab.
Von diesem Gesetz hatte ich schon gehört, es war vor gut dreihundert Jahren erlassen worden, als die Schlägereien in Ranneng überhandgenommen hatten. Es waren unruhige Zeiten gewesen, in denen die drei hiesigen Adelshäuser um die Macht rangen. Als sich der König dann endlich von seinen unaufschiebbaren Staatsgeschäften losriss und sich der Sache annahm, gab es in Ranneng bereits mehr Leichen als auf dem Sornfeld nach der Schlacht zwischen Gnomen und Zwergen. Die Hälfte der Grafen, Barone, Marquis und so weiter pflasterte die Straßen der Stadt, die andere Hälfte – und das war das Bedauerliche an dem Ganzen – war noch am Leben. Bis zum heutigen Tag machten sich das Haus der Eber, der Oburen und der Nachtigallen gegenseitig das Leben schwer. Deshalb lief jeder, der ein Schwert oder gar eine Armbrust bei sich führte, Gefahr, eine hohe Strafe aufgebrummt zu bekommen. Dafür durfte er sich allerdings auch ein paar Tage in einer unbequemen, dunklen Zelle erholen. Letzteres hatte sich im Übrigen als probates Mittel erwiesen, die adligen Herren zur Vernunft zu bringen. Nach dem Aufenthalt in jenen feuchten und tristen Gemäuern wurden sie nämlich meist lammfromm.
»Aber das ist doch …«, setzte Lämpler an, seinem Herzen Luft zu machen. Er trennte sich nie von seinem Birgrisen. Und nun sollte der Meister des Langschwerts seine Furcht einflößende Klinge zu Hause lassen und sich mit einem kurzen Messer begnügen.
»Ich will gar nicht wissen, weshalb Ihr in unsere Stadt kommt und welchem der drei Adelshäuser Ihr Euch anschließt.« Der Korporal bedachte uns mit einem vielsagenden Blick.
»Wir haben nicht die Absicht, einem der Adelshäuser zu dienen «, erklärte Mylord Alistan kategorisch.
»Wie gesagt, das ist mir völlig einerlei, Mylord Ritter«, versicherte der Korporal. »Wenn Ihr niemandem dient, umso besser. Wenn man Euch allerdings so sieht, glaubt man, eines der Häuser habe Verstärkung angeheuert. «
»Ist es denn in der Stadt zu neuen Unruhen gekommen?«, wollte Miralissa wissen, die sich den dicken Zopf über die Schulter warf.
»Ja, verschiedentlich schon«, bestätigte der Korporal. »Zwischen Nachtigallen und Ebern ist es kürzlich in der Oberstadt zu einer Schlägerei gekommen. Zwei Barone wurden vom Hals bis zum Arsch aufgeschlitzt … äh, verzeiht die Ausdrucksweise, Lady Elfin. «
»So empfindlich bin ich nicht. Vielen Dank für die Auskunft, verehrter Herr. Wir können also durchreiten ? «
» Ja, Mylady. Hier ist ein Schreiben, es wird Euch helfen, sollten Euch Patrouillen behelligen.« Der Korporal entnahm einer hölzernen Schatulle, die an seinem Oberschenkel hing, ein zusammengerolltes Papier und hielt es der Elfin hin. »Es bestätigt, dass Ihr gerade erst in unserer ruhmreichen Stadt eingetroffen seid und noch keine Gelegenheit hattet, Euch Eurer Waffen zu entledigen. Seid willkommen in Ranneng ! «
»Und Ihr nehmt dies. Für Eure Mühen.« Egrassa saß ab und drückte dem Korporal eine Münze in die Hand.
» Euer Erlau… « Als der Mann sah, was für eine Münze ihm der Elf in die Hand gedrückt hatte, brach er mitten im Wort ab und erstarrte wie eine Statue im Schlosspark.
Verständlich. Wann hält ein Korporal schon mal eine Goldmünze in Händen? Meiner Ansicht nach würde dann wahr-scheinlich heute in der Wache gefeiert werden, und gegen Mitternacht dürfte sich wohl kein Soldat mehr auf den Beinen halten.
Wir ließen den fassungslosen und durch Egrassas Großzügigkeit überglücklichen Korporal stehen und hielten durch das Tor Einzug in Ranneng.

 

Kaum in der Stadt, stürmte Hallas los. Ein wütender Schrei von Markhouse hielt ihn jedoch auf. » Wo willst du hin ? ! «
»Mein Zahn muss raus, Mylord Alistan!«, stöhnte der Gnom. » Ich halte das nicht länger aus ! «
»Erst gehst du in die Schenke, um deine Waffe abzulegen. Dann kannst du zum Bader ! «, befahl Ohm.
Hallas verzog das Gesicht, als fragte er sich, warum er seine geliebte Streithacke nicht mit zum Bader nehmen sollte? Den in dieser Stadt geltenden Gesetzen schien er jedenfalls nicht die geringste Bedeutung beizumessen.
»Was glaubst du denn, wer die Strafe für dich zahlt?«, mischte sich Deler ein. » Ich etwa ? «
Wohl niemand sonst hätte dem Gnom begreiflich machen können, dass ihn ein solches Verhalten teuer zu stehen käme.
» Wie hoch ist die Strafe ? «, fragte Hallas mit gequälter Miene.
» Sechs Goldmünzen «, antwortete Schandmaul für Deler.
»Hmm«, brummte der Gnom und blickte neidvoll auf eine Einheit der Stadtwache, die an uns vorbeimarschierte.
»Du kannst natürlich auch gleich zum Bader gehen und mir deine Waffe geben «, schlug Deler mit Unschuldsmiene vor, blinzelte Kli-Kli dabei allerdings zu.
Damit war die Sache entschieden.
»Ein Gnom soll einem Zwerg seine Waffe anvertrauen?! Kommt gar nicht infrage! Wo zum Dunkel ist denn diese verdammte Schenke ? « Der Gnom rammte seinem Pferd die Hacken in die Flanken und trieb uns alle an.
Inzwischen waren wir auf eine breite Straße eingebogen, die geradewegs ins Herz der Stadt führte. Die Schenke, zu der Miralissa uns brachte, lag auf einem der fünf Hügel, auf denen Ranneng erbaut war. Ich achtete darauf, mir die Straßen gut einzuprägen.
In einer Gasse hinter dem Denkmal für die Verteidiger Rannengs, die im Krieg des Frühlings gefallen waren, hielt uns die Stadtwache an, ließ uns jedoch enttäuscht weiterziehen, sobald sie das Schreiben des Korporals sah.
» Und ? «, wandte sich Marmotte an Hallas, » was meinst du, wo du mit deiner Streithacke gelandet wärst, wenn wir denen ohne diesen Wisch in die Arme gelaufen wären ? «
» Denen hätte ich mit der Streithacke eins übergezogen ! «, hielt der Gnom hitzig dagegen.
» Dann hätten die sich aber deinen Bart vorgenommen ! «, warf Deler ein.
Hallas sah seinen Kumpel grimmig an und nahm einen kräftigen Zug aus einer Pfeife. O nein, er würde diesen Angriff auf den größten Stolz eines jeden Gnoms, seinen Bart nämlich, gewiss nicht vergessen.
»Ich besuch dann mal einen Verwandten«, rief Schandmaul. » Wir treffen uns in der Schenke ! «
»Dein Verwandter hat nicht zufällig eine Freundin?«, fragte Arnch grinsend.
Schandmaul bedachte den glatzköpfigen Soldaten mit einem entrüsteten Blick.
»Schlagt euch die Weiber aus dem Kopf«, verlangte Marmotte. »Bei dem, was noch auf uns wartet, haben wir dafür keine Zeit ! «
» Fütter du lieber deinen Ling ! «, antworteten Schandmaul und Arnch einstimmig.
»Keine Sorge, das werd ich tun!«, kanzelte Marmotte die beiden ab und setzte sich Triumphator von einer Schulter auf die andere.
»Du weißt, wo die Schenke ist, Schandmaul?« Arnch wurde wieder ernst.
» Hör mal ! Ich bin in Ranneng aufgewachsen, ich kenn hier jedes noch so winzige Gässchen. Da werd ich ja wohl die Gelehrte Eule finden ! «
»Schon gut«, beschwichtigte ihn der Grenzreicher. »Aber sag Ohm Bescheid, sonst wäscht er dir nachher noch den Kopf ! «
» Längst erledigt ! Bis später ! «
»Grüß dein Mädchen von mir!«, rief ihm Arnch hinterher, aber Schandmaul hatte sein Pferd bereits zu Lämplers Missfallen in dessen Obhut gegeben und war in der Menge untergetaucht.
Wir ritten eine der großen Straßen hinunter (keine Ahnung, wie sie hieß), auf der es so viel Volk gab wie Gholen auf einem verlassenen Friedhof.
»Haben die heute was zu feiern?«, brummte Lämpler, der für die Menge nur einen recht mürrischen Blick übrig hatte.
»Dumme Frage!«, antwortete unser allwissender Kli-Kli. »Es ist die Woche der Examina. Da ist die ganze Stadt auf den Beinen. «
» Das hat uns gerade noch gefehlt ! «, stöhnte ich. » Ich kann solche Menschenmengen einfach nicht ertragen ! «
»Und ich habe gedacht, du bist ein Dieb«, foppte mich der Kobold.
»Bin ich auch«, antwortete ich, ohne zu verstehen, worauf der Hofnarr abzielte.
» Ich habe gedacht, Diebe lieben die Menge. «
» Warum sollte mir so ein Gedränge gefallen ? «
»Ich habe gedacht, in so einem Gedränge ließen sich die Beutelchen leichter abfingern «, sagte Kli-Kli.
»In dieser Klasse spiele ich schon lange nicht mehr«, erklärte ich. » An Beutelchen, hochverehrtes Stumpfhirn, verschwende ich nicht einen einzigen Gedanken ! «
»O nein, du verschwendest deine Gedanken ja nur an Kontrakte«, parierte der kleine Nichtsnutz. »Aber weißt du, Garrett-Barett, meiner Ansicht nach hättest du besser daran getan, irgendeinem Hohlschädel sein Beutelchen aus der Tasche zu ziehen, als dir deinen jetzigen Kontrakt aufzuhalsen. «
» Mach, dass du wegkommst ! «, schrie ich ihn an.
Kli-Kli hatte meinen wunden Punkt getroffen. Gut, jetzt war es zu spät, heiße Tränen zu vergießen. Ich hatte den Kontrakt angenommen – mein Verstand musste damals brachgelegen haben –.
jetzt gab es kein Zurück. Denn mit einem Kontrakt band sich ein Meisterdieb nicht nur an seinen Auftraggeber, sondern auch an Sagoth. Deshalb handelte er sich enorme Schwierigkeiten ein, wenn er ohne gewichtigen Grund einen Kontrakt aufkündigte und seinen Auftraggeber prellte. Der Gott der Diebe machte in einem solchen Fall nämlich kurzen Prozess mit ihm.
Dieser Kontrakt hatte mich auch nach Ranneng gebracht, das auf halbem Weg zu den Wäldern Sagrabas und Hrad Spines lag.
»Garrett!«, riss mich Lämpler aus meinen Überlegungen. » Warum so schweigsam ? «
» Das ist seine übliche Gemütsverfassung «, mischte sich Kli-Kli ein. »Unser Schattentänzer ist in letzter Zeit sehr düster und einsilbig. «
» Dafür ist manch anderer ausgesprochen heiter und geschwätzig«, knurrte ich. »Wenn du bloß aufhören würdest, die ganze Zeit zu nörgeln. «
»Fürs Nörgeln ist Schandmaul zuständig«, erwiderte Kli-Kli. » Ich halte nur Tatsachen fest. «
»Nein, du zitierst auch noch die Prophezeiungen eines Koboldschamanen, der zu viele Fliegenpilze gegessen hat«, hielt ich dagegen. »Und diese Prophezeiungen über den Schattentänzer sind völlig aus der Luft gegriffen ! «
»Dein Protest kommt zu spät! Du hast den Namen Schattentänzer angenommen, genau wie es in der Prophezeiung gesagt wird!«, brauste Kli-Kli auf. »Das Buch Bruk-Gruk hat noch nie gelogen ! «
Kli-Kli kannte das Buch der Prophezeiungen in- und auswendig und ließ nichts auf dieses Werk der Kobolde kommen. Irgendwann hatte ich meinen Widerstand aufgegeben und mich damit abgefunden, dass mich der Kobold Schattentänzer nannte. Damit war ich nun leider nicht mehr Garrett der Dieb, sondern eine wandelnde Prophezeiung, die gefälligst das Königreich und die ganze Welt zu retten hatte. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich diese Welt allerdings viel lieber beraubt.
»Sag mal, Kli-Kli«, wandte sich Arnch an den Kobold, »gibt es in deinem Buch von dem Schamanen Tru-Tru … «
»Tre-Tre, nicht Tru-Tru, du Banause!«, fiel der Kobold dem glatzköpfigen Soldaten empört ins Wort.
» … von dem Schamanen Tre-Tre «, fuhr Arnch fort, als sei nichts gewesen, worauf ihn der Kobold jedoch abermals unterbrach: » Vom großen Schamanen Tre-Tre ! «
»… vom großen Schamanen Tre-Tre eigentlich noch etwas anderes als deine heißgeliebten Prophezeiungen ? «
» Und was zum Beispiel ? «
»Na, zum Beispiel ein Rezept, wie man einen Gnom vom Zahnschmerz befreit ? «
Hallas, der jetzt wieder mit uns auf einer Höhe ritt, spitzte prompt die Ohren, versuchte jedoch, sich sein Interesse nicht anmerken zu lassen.
Kli-Kli entging natürlich nicht, dass Hallas lauschte, und er setzte sein Gleich-könnt-ihr-was-erleben-Lächeln auf. Dieses Lächeln verriet stets seine Absicht, jemandem einen Dorn in den Stiefel zu stecken oder eine andere Gemeinheit auszuhecken.
Der Narr legte eine derart theatralische Pause ein, dass Hallas vor Ungeduld im Sattel hin und her rutschte. Erst als der Gnom fast vor Wut platzte, verkündete Kli-Kli : » Das gibt es schon. «
» Und was muss man da tun ? «, fragte ich, während ich verzweifelt versuchte, Bienchen von Kli-Kli und Hallas wegzulenken. Ich hatte nämlich nicht die Absicht, mich in der Flugbahn eines schweren Gegenstandes zu befinden, wenn der Gnom dem Hofnarren klarmachte, was er von dem Heilverfahren hielt.
»Also!«, setzte der Kobold in geheimnisvollem Ton und mit zufriedenem Grinsen an, »es handelt sich dabei um eine äußerst wirksame Methode. Hätte Hallas sie sofort angewandt, hätte er sich viel Schmerzen erspart! Ich schwöre beim Hut des großen Schamanen Tre-Tre, dass es so ist ! «
»Warum hast du mir dann nichts davon gesagt, du Nichtsnutz!« Mit seinem Gebrüll versetzte der Gnom die halbe Straße in Aufruhr.
Ohm drehte sich zu uns um, schwang drohend die Faust und wies schließlich mit dem Finger auf Alistan, um sich sodann mit der Handkante über die Kehle zu fahren.
»Lass die Albernheiten, Kli-Kli«, verlangte Marmotte. »Die Leute sehen sich schon nach uns um. «
»Schön«, gelobte der Kobold feierlich und tat so, als versperre er sich den Mund mit einem Schloss, » von mir hört ihr kein Sterbenswörtchen mehr. «
»Was soll das heißen?«, polterte Hallas. »Deler, unterrichte den Grünling davon, dass ich nicht mehr für mich garantieren kann, wenn er mir nicht sagt, wie ich diese Zahnschmerzen loswerde ! «
» Er übertreibt nicht, Kli-Kli ! «, versicherte der Zwerg. » Gnome sind ein derart gnatziges Volk, sie würden ihre eigene Mutter in Stücke reißen, wenn sie den Zahnschmerz haben, von irgendeinem Hofnarren ganz zu schweigen ! «
» Ich bin nicht irgendein Hofnarr ! Ich bin der Hofnarr ! «, stellte der Kobold voller Stolz klar. Als könnte ihn dieses Amt vor der Rache des Gnoms retten !
»Gnome sollen ein gnatziges Volk sein?« Hallas vergaß den Kobold vorübergehend und lenkte seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf Deler. » Und das muss ich mir von einem Zwerg anhören ? Dabei tut ihr doch nichts anderes, als in den Bergen Fett anzusetzen ! In Bergen, die noch dazu von Rechts wegen uns gehören ! «
» Hör jetzt endlich auf, Deler ! «, ermahnte ihn Marmotte.
»Warum ich?«, fragte Deler unerschüttert. »Was mach ich denn?! Ich sag ja keinen Ton! Wenn einer rumpoltert, dann Hallas ! «
»Schweig! Mit dir rede ich sowieso nie wieder, du Maul mit Hut!«, herrschte ihn der Gnom an. »Also, Kli-Kli, was muss ich tun ? «
» Ich bin mir nicht sicher, ob dir das Heilverfahren der Kobolde bei Zahnschmerz gefällt, Hallas«, antwortete Kli-Kli mit einer Miene, in der sich äußerste Zweifel spiegelten.
»Kannst du mir nicht einfach sagen, worum es geht?! Ohne lange Einleitung ? «
»Du würdest dich ohnehin nicht darauf einlassen«, fuhr Kli-Kli unbeirrt fort. »Und dann hätte ich das Koboldgeheimnis zur Heilung von Zahnschmerz umsonst enthüllt. «
»Ich verspreche, deine Methode auf der Stelle anzuwenden!« Es fehlte nicht mehr viel, und der Gnom würde Kli-Kli den Hals umdrehen.
Kli-Kli grinste über beide grüne Backen, was ihn wie einen hochzufriedenen Frosch aussehen ließ.
Ich zog noch verzweifelter an den Zügeln, damit Bienchen zurückfiel, bis wir mit Lämpler auf einer Höhe ritten. Mein geniales Manöver blieb nicht unbemerkt. Marmotte, Deler und Arnch ahmten es bis in die kleinste Einzelheit nach. Hallas und Kli-Kli ritten nun allein voran.
» Gut ! Aber vergiss nicht, dass du versprochen hast, unsere Koboldmethode anzuwenden!«, erinnerte Kli-Kli den Gnom. »Um Zahnweh zu kurieren, muss man ein Glas mit Eselpisse eine Stunde lang im Mund behalten, sie dann über die linke Schulter ausspucken, möglichst ins rechte Auge seines besten Freundes. Danach sind die Zahnschmerzen wie weggeblasen ! «
Die Explosion, mit der wir alle gerechnet hatten, blieb aus. Hallas sah den Kobold nur böse an, spuckte aus und preschte davon. Kli-Kli schien ein wenig enttäuscht, denn er hatte auf Zeter und Mordio gehofft, wie er es von jedem Streit zwischen Hallas und Deler gewohnt war.
»Sag mal, Freund Kli-Kli«, wandte ich mich an den unverbesserlichen Kobold, »hast du diese Methode selbst schon mal ausprobiert ? «
Der Kobold sah mich an, als gelte es einem Schwachsinnigen zu antworten : » Sehe ich etwa so dämlich aus, Garrett ? «
Ich hatte gewusst, dass ich etwas in der Art zu hören bekäme.

 

» Da staunst du, was, Garrett ? «, sagte Met.
» Ja, wirklich «, gab ich zu, gebannt auf den Königlichen Springbrunnen blickend.
Was für ein Schauspiel ! Ich hatte schon viel von dem Brunnen gehört, sah dieses Wunder nun aber zum ersten Mal. Der Springbrunnen nahm den ganzen Platz vor uns ein. Eine riesige Wassersäule erhob sich fünfzig Yard in die Höhe, um dann in einzelnen Strahlen wieder herabzurieseln und über den ganzen Platz einen feinen Schleier aus winzigen Tröpfchen zu werfen. Der Tropfenschleier und die Sonnenstrahlen lagen in heißer Umarmung und schufen einen Regenbogen, der den Himmel in zwei Teile spaltete.
Leute, die es wissen müssen, behaupten, selbst die Zwerge seien auf die Hilfe des Ordens angewiesen gewesen, um den Springbrunnen anzulegen, denn nur Magie vermag eine Wassersäule von solch atemberaubender Schönheit zu schaffen und einen Regenbogen, der jeden Tag und bei jedem Wetter aus den Wasserspritzern entstand und bei dem man glaubte, man bräuchte bloß die Hand auszustrecken – und schon könnte man die zarte Luftigkeit dieses siebenfarbigen Wunders greifen.
»Was für ein Segen«, stieß Arnch angesichts der Frische, die von dem Brunnen heranwehte, aus.
» Hmm «, brummte ich.
Ende Juni und in der ersten Hälfte des Juli war es sehr heiß gewesen, so heiß, dass sogar Arnch des Öfteren sein Kettenhemd abgelegt hatte. Für einen Mann aus dem Grenzkönigreich, der quasi in Rüstung auf die Welt gekommen war, bedeutete dies ein unglaubliches Zugeständnis.
Die ungewöhnliche Hitze hatte sich in den letzten Tagen zwar etwas gelegt, dennoch gab es nach wie vor reichlich Anlass zu befürchten, das Hirn schmurgle einem im Schädel zusammen. Deshalb genossen wir alle die frische und saubere Luft am Springbrunnen.
Bei dem Gedanken, schon bald wieder unter der sengenden Sonne durch die Lande zu reiten, sank meine Laune sofort. Bei H’san’kor ! Dieses Jahr spielte das Wetter einfach verrückt !
»Weiter!« Alistan würdigte den Springbrunnen nicht einmal eines Blickes.

Alexey Pehov

Über Alexey Pehov

Biografie

Alexey Pehov, geboren 1978 in Moskau, studierte Medizin. Seine wahre Leidenschaft gilt jedoch dem Schreiben von Fantasy- und Science-Fiction-Romanen. Er ist neben Sergej Lukianenko der erfolgreichste phantastische Schriftsteller Russlands. »Die Chroniken von Siala« wurden zu millionenfach...

Pressestimmen

Wiener Journal

»Gut zu lesen, weil launige Dialoge und flapsige Kommentare unterhalten und ebenso spannend wie mysteriös sind.«

phantastik-couch.de

Die Chroniken von Sialabieten dem Freund der Abenteuer-Fantasy besten Lesestoff.

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