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Mein Leben für Südafrikas wildes Paradies

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Safari — Inhalt

Wo Elefanten im Vorgarten grasen und Wildkatzen heimlich vom Esstisch naschen – das legendäre Londolozi-Resort am Rande des Krüger-Nationalparks befindet sich seit 1926 im Besitz der Vartys. Und so unkonventionell und furchtlos, wie sich Boyd Vartys Vorfahren hier für den Artenschutz einsetzten, so wechselvoll ist seine eigene Geschichte: Er erinnert sich an seine Jugend zwischen wilden Tieren, abergläubischen Angestellten und eigenwilligen Besuchern. Erzählt von seiner Schwester, die unter einfachsten Bedingungen im Busch geboren wurde, dem draufgängerischen Onkel John und einem dramatischen Überfall, der seine Familie auf eine harte Probe stellte … Bewegend offenbart der Ranger, wie er danach auf Umwegen zurück zu seinen Träumen und seiner Heimat auf Londolozi fand.

€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 14.04.2014
Übersetzt von: Andrea O'Brien, Ursula Wulfekamp
320 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96660-3

Leseprobe zu »Safari«

Vorbemerkung des Autors

In diesem Buch habe ich meine Erinnerungen festgehalten, so gut es mir möglich war. Dabei griff ich auch auf Berichte anderer Menschen zurück, die bestimmte Ereignisse miterlebt haben. Da die verschiedenen Versionen stets ein wenig voneinander abweichen, musste ich selbst entscheiden, welche Version ich als die richtige empfand. So viele Geschichten aus den Anfängen von Londolozi, die sich lange vor meiner Geburt ereigneten, wurden so oft weitergegeben, dass sie zu Legenden wurden, die man am Lagerfeuer erzählt. Diese habe ich [...]

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Vorbemerkung des Autors

In diesem Buch habe ich meine Erinnerungen festgehalten, so gut es mir möglich war. Dabei griff ich auch auf Berichte anderer Menschen zurück, die bestimmte Ereignisse miterlebt haben. Da die verschiedenen Versionen stets ein wenig voneinander abweichen, musste ich selbst entscheiden, welche Version ich als die richtige empfand. So viele Geschichten aus den Anfängen von Londolozi, die sich lange vor meiner Geburt ereigneten, wurden so oft weitergegeben, dass sie zu Legenden wurden, die man am Lagerfeuer erzählt. Diese habe ich versucht so gut wie möglich wiederzugeben. Bisweilen habe ich Ereignisse, die sich über mehrere Jahre hinzogen, zu einer einzigen Szene zusammengefasst. Aus Höflichkeit habe ich einige Namen und andere persönliche Merkmale abgeändert, um die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen. Letztlich ist Südafrika ein Dorf, und nicht jeder ist begeistert, wenn sein Leben in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird. Manchmal musste ich Gespräche nach bestem Wissen und Gewissen wiedergeben, wobei ich stets um größtmögliche Wirklichkeitstreue bemüht war. Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die ich aus meiner sehr persönlichen Sicht erzähle. Anders ist es nicht möglich. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Safari, zu der Sie jetzt mit mir aufbrechen.

Willkommen bei meiner Lagerfeuer-Geschichte.

 

Einleitung

Die Schlange glitt über meine Beine, bewegte sich langsam und zielstrebig vorwärts, wie ein General, der seine Truppen inspiziert. »Halt still, Dad«, flüsterte ich heiser. »Halt bloß still.« Bei der leisesten Regung würde sich die Schlange aufrichten und zuschlagen.

Ich war elf und auf Jagdausflug mit meinem Vater. Es war ein bewölkter Septembermorgen, nach dem für das südafrikanische Bushveld typischen trockenen Winter war nun, zu Beginn des Frühjahrs, der erste Regen gekommen. Ein zartgrüner Schleier breitete sich über das Land, und Dad und ich hatten beschlossen, uns an eine Herde Impalas heranzupirschen, die an einem Abhang graste. Nach ein paar Stunden hatten wir uns schließlich hinter einem Termitenhügel verschanzt und nahmen die Herde ins Visier. Ich hatte einen Schuss abgegeben, war mir aber nicht sicher, ob ich die Impala wirklich erlegt hatte. »Bleib, wo du bist«, riet Dad mir. »Schau durchs Zielfernrohr. Wenn die Impala noch steht, gib ihr den Fangschuss.«

Für mich gab es nichts Schöneres, als mit Dad draußen zu sein. Das hatte ich praktisch jeden Tag meines Lebens getan. Als ich ganz klein war, saß Mom mit mir im Arm neben ihm im Landrover. Als ich älter wurde, ging Dad mit mir durch die Lichtungen rund ums Haus spazieren. Später unternahmen wir kurze Wanderungen im Busch, die sich zu Jagdausflügen ausweiteten. Mit Dad unterwegs zu sein war für mich der schönste Teil des Tages. Und so aufgeregt ich sein mochte, seine Begeisterung war immer noch größer als meine.

Mit elf war ich ein spilleriges Kind, das nur aus Armen und Beinen bestand, ungelenk wie ein neugeborenes Gnu. Dad hingegen war ausgesprochen robust, voller Leben wie das Land um ihn herum, sein Körper schien seine Energie nur mit Mühe bändigen zu können. Er war fast schon das wandelnde Klischee eines Rangers: klare blaue Augen, dünne Beine in kurzer Hose, ein fadenscheiniges Khakihemd, das an den breiten Schultern spannte, und dazu Jesus-Latschen. Ich wusste, solange ich bei ihm war, würde mir nichts passieren.

Plötzlich spürte ich etwas über mein Bein gleiten. Als Erstes bemerkte ich den sargförmigen Kopf der fast einen Meter langen Schwarzen Mamba. Wie ein dicker schwarzer Gartenschlauch schlängelte sie sich über mich nach oben.

Ich packte meinen Vater am Arm. »O Scheiße, Dad, das ist eine Mamba. Nicht bewegen.«

Aufgrund ihrer Größe und Wendigkeit gilt die Schwarze Mamba als eine der gefährlichsten Giftschlangen Afrikas. Ihr Biss ist praktisch immer binnen dreißig Minuten tödlich – schneller, wenn sie ihre Zähne in einen stark durchbluteten Körperteil schlägt. Ein Mann, der wie durch ein Wunder einen solchen Biss überlebt hatte, erzählte mir einmal, er habe ihr Gift im Mund geschmeckt, sobald sich ihre Zähne in sein Bein bohrten.

Mit schierer Willenskraft zwang ich mein Herz, ruhig zu schlagen. Mittlerweile wand sich die Schlange zwischen meinen Beinen hindurch auf unsere Oberkörper zu. Ich war mir nicht sicher, ob wir die Nerven behalten würden, wenn die Schlange erst in Höhe unserer Gesichter war. Die Luft schien plötzlich schwer wie Blei, und aus dem Augenwinkel sah ich ein rotes Rinnsal aus Dads Mund tröpfeln. Er hatte sich vor Angst in die Wange gebissen.

In Brusthöhe angekommen, machte die Mamba kehrt, fast als wolle sie uns verspotten. Wieder schlängelte sie sich über meine Beine und bewegte sich auf die Füße meines Vaters zu. Als sie mit den Schuppen seine bloße Haut berührte, änderte sie wieder die Richtung und glitt schließlich in aller Ruhe davon.

Unser einziger Fluchtweg verlief über den hohen Termitenhügel, der von einem Büffeldorn-Dickicht gekrönt war. Ich sah Dad die Möglichkeiten durchspielen: War die Mamba noch zu nah? Würden wir schnell genug durch das rasiermesserscharfe Dornengestrüpp kommen?

»Lauf!«, brüllte er. Die Schwanzspitze der Mamba lag noch auf meinem Fuß, als wir den Hügel hinaufstürmten. Dad zog mich hinter sich her und riss mit den bloßen Händen eine Lücke in das Dornengeflecht. Es zerfetzte ihm die Haut, ich hatte keinen einzigen Kratzer. Als er sich zu mir umdrehte, floss ihm Blut aus dem Mund, Dornenzweige standen ihm vom Kopf ab. »Scheiße, Boydie, das war verdammt knapp. Scheiße, alles in Ordnung bei dir?«, keuchte er atemlos. Mein alter Herr ist hart im Nehmen, aber das war ihm doch an die Nieren gegangen.

Zu Hause erzählte er Mom als Erstes von unserem Abenteuer. »Das hätte böse ausgehen können«, sagte er.

Mom holte ihr Allheilmittel aus der Erste-Hilfe-Tasche: eine Flasche mit homöopathischen Notfalltropfen. Sie gab mir vier statt der üblichen drei. »Hier, Boydie, du stehst unter Schock.« Liebevoll legte sie mir eine dicke Jacke um die Schultern. »Bei einem Schock muss man sich warm halten.«

Als Nächstes erzählten meine Eltern die Geschichte Onkel John. Er ist Dads Bruder und ein berühmter Dokumentarfilmer. »Habt ihr alles mitgedreht?«, war seine Reaktion. »Das hätte eine gute Actionszene abgegeben.« Wie nicht anders zu erwarten, war er sehr enttäuscht, dass wir die einmalige Gelegenheit nicht genutzt hatten.

Und damit war die Sache vergessen. Wir stammen aus dem Busch. Das Leben geht weiter.

Am Ende eines langen Tages setzen wir Afrikaner uns gerne im Schein eines Feuers zusammen, mit den Flammen als einziger Wand zwischen uns und der Wildnis. »Tsama hansie«, sagten die Shangaan zu mir, als ich klein war, wenn sie merkten, dass ich körperlich oder seelisch müde war. »Leg alles ab, was du getragen hast.« Reib dir das grelle Neonlicht der Stadt aus den Augen und lass den Schein der orangeroten Glut in deine Seele ein. Wenn es dunkler wird, schieben wir die Baumstämme weiter ins Feuer, übergeben das massige Holz den Flammen, speichern seine Wärme als Geschenk der Bäume in unserem Körper. Und wir erzählen Geschichten.

Was nun folgt, ist die Geschichte meines bisherigen Lebens.

Ich bin in einer liebevollen Familie aufgewachsen. Meine Freunde, ob groß oder klein, dick oder dünn, weiß, schwarz oder braun, hatten zwei Gemeinsamkeiten: Sie waren freundlich, und sie waren Idealisten. Um mich herum gab es nichts als die wilde, betörende Sanftheit der Natur. Vor meinem Zimmerfenster grasten Elefanten, auf dem Dach schnatterten Affen. Ich durfte den Tieren des Feldes und den Vögeln der Lüfte Namen geben und sie lieben und umsorgen.

Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich im Londolozi Game Reserve, einem Paradies mit wilden und wundersamen Lebewesen, von denen viele meine Blutsverwandten waren. Meine Familie sah ihren Lebensinhalt darin, ihren Teil des Gartens Eden zu bestellen – das Land, das, seit vier Generationen in Familienbesitz, als Rinderfarm ein Fiasko gewesen war und das Onkel John, Dad und Mom unter großen Mühen wieder zum Leben erweckt hatten. Mit der Hilfe der Shangaan renaturierten sie die Feuchtgebiete, rissen die Zäune ab, damit die großen Raubtiere zurückkehren konnten, und schufen so ein wunderschönes, nachhaltiges Reservat.

Das war der Spielplatz, auf dem meine Schwester Bronwyn und ich heranwuchsen, Löwen- und Leopardenjungen aufzogen, schon in sehr jungen Jahren Landrover durch den Busch steuerten und zugleich für unseren verrückten Onkel John den Produktionsassistenten spielten. Ich ging bei Shangaan-Großmeistern in die Lehre, lernte, das Land zu lesen und die schemenhaften Spuren von Leben zu erkennen, die darüber hinwegzogen. Ich wurde Fährtenleser und Ranger und teilte mein Wissen und meine Freude mit Gästen aus aller Welt. In meiner Kindheit und Jugend wurde ich über alles geliebt von einer Familie, deren Leidenschaft für den Schutz der Natur und deren Ehrfurcht vor ihr nur von dem unerschütterlichen Glauben daran übertroffen wurde, dass jeder Augenblick des Lebens ein neues Abenteuer mit sich bringt.

Meine Kindheit war aber auch voll von den Unwägbarkeiten einer ungewöhnlichen Lebensweise. Unsere Eltern setzten uns nie bewusst einer Gefahr aus, natürlich nicht, sie hätten uns mit Zähnen und Klauen und ihrem eigenen Leben verteidigt. Aber sie behüteten uns nicht, denn damit hätten sie uns nicht richtig auf das Leben im Busch vorbereitet. Auf diesem schmalen Grat wanderten sie, so gut sie es vermochten, und trafen oft die falsche Entscheidung. Doch letztlich überlebten wir alles, was uns widerfuhr, wurden innerlich stark und hatten, obwohl wir um seine Gefahren wussten, wenig Angst vorm Leben.

Wer sich nie verbrannt hat, hat ein völlig anderes Vertrauen zum Leben als derjenige, der in eine gefährliche Situation geraten ist – ein defektes Flugzeug, ein führerloses Motorboot, der unerforschte Busch – und sie mit einer Portion Glück überlebt hat. Und mehr als diese Art Vertrauen braucht man nicht für das Leben in Afrika, wo sich mit jedem neuen Tag alles ändern kann.

Onkel John schritt mit seinem typischen Urvertrauen durch die Welt und nahm uns überallhin mit. Ich war oft unsicher, doch er wusste immer ganz genau, dass wir alles überleben würden, was sich uns in den Weg stellte, ob nun ein angreifender Elefant oder ein unberechenbares Gnu. Mit seiner Gewissheit, dass alles ungewiss ist und auf einem Fundament steht, das stabil ist wie das Meer, war Onkel John wie gemacht für Afrika.

»Wir behandeln euch wie Erwachsene«, sagten meine Eltern oft zu Bron und mir und weihten uns in Dinge ein, die unser Kinderverständnis weit überstiegen. Wenn »Safari« so viel wie »Fahrt« bedeutet, dann war unsere Kindheit eine Höllenfahrt. Dieses Manuskript zu lesen hat den von der Zeit getrübten Blick geschärft. Als Dad in der Stille des Vorgartens auf dem Rasen saß und in Gesellschaft von Honigsaugern und Rotkehlchen den Stapel loser Seiten las, hörte ich ihn manchmal murmeln: »Was habe ich mir bloß dabei gedacht?« Sein naiver Elan war mittlerweile etwas verloren gegangen. Er sah aus wie ein Krieger, der zum Ältesten herangereift ist und bei dem die Torheit der Jugend, die es nach Krieg verlockt, in Weisheit übergegangen ist, die vor allem den Frieden zu schätzen weiß.

Von Kindheit an streifte ich durch die wilde Landschaft rund um mein Elternhaus an der westlichen Grenze des Krüger-Nationalparks in Südafrika. Wie ein kleiner Baum fanden meine Wurzeln Halt in dem Boden, der von Extremen beherrscht wird, wo die Regenzeit Gras und Bäume über Nacht grün färbt und die Trockenzeit die Erde zu Knochenstaub verbrennt. Es war eine große Freude, nach den ersten Regenfällen das Geräusch eines fliegenden Dungkäfers zu hören oder das Smaragdgrün einer Goldwespe zwischen dem Sommergras zu entdecken. Meine Kindheit war eine einzige Meditation über die Vollkommenheit der Natur. Sie wurde für mich zu einem Ort, an den ich mich zurückziehen und wo ich mich wieder finden konnte, nachdem das Leben mich aus der Bahn geworfen hatte. In solchen Nächten lag ich auf der Erde, ganz allein, aber nicht einsam, sondern geborgen unter dem Sternenhimmel. Dieses Land wurde Teil meiner Seele.

Boyd Varty

Über Boyd Varty

Biografie

Boyd Varty, 1983 geboren, ist Ranger und Guide auf dem Familiensitz der Vartys, der Londolozi-Farm am Rande des Krüger-Nationalparks. Seit mehreren Generationen engagiert sich seine Familie in dem Reservat für den Artenschutz. Die Farm zählt zu den bekanntesten Safarianbietern Südafrikas und wurde...

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