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Raus!Raus!

Raus!

Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück

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Raus! — Inhalt

»Mitte vierzig, erfolgreicher Vorstand einer börsennotierten Aktiengesellschaft – und ein psychisches Wrack« – Rüdiger Striemer erzählt die Geschichte eines Menschen in der Mitte des Lebens, der sich selbst in eine psychiatrische Klinik einweist. Weil er keinen anderen Ausweg mehr sieht. Es ist seine Geschichte. Es ist aber auch die Geschichte einer Mittvierziger-Generation, für die Erfolgsdruck zu den Basiserfahrungen des Lebens gehört – egal in welcher gesellschaftlichen Position.

Erschienen am 01.04.2016
256 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30892-2
Erschienen am 30.03.2015
256 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7787-5

Leseprobe zu »Raus!«

PROLOG

 


Wenn Silke ohne ersichtliche kalendarische Notwendigkeit anruft und dann, weil sie mich nicht erreicht, eine SMS schickt; wenn sie darin um dringenden Rückruf bittet, ­sofort, oder jedenfalls sobald ich fünf Minuten Zeit habe und allein bin; wenn meine alte Schulfreundin Silke ihrer Funktion als Kristallisationspunkt unseres damaligen Freun­deskreises auf diese eindringliche Weise gerecht wird: Dann ist einer von uns tot.
Es ist Gisbert. Stille im Hörer. Silke hört mich atmen.
Ich mich auch. Sie lässt mir lange Zeit – bis die Synapsen in meinem [...]

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PROLOG

 


Wenn Silke ohne ersichtliche kalendarische Notwendigkeit anruft und dann, weil sie mich nicht erreicht, eine SMS schickt; wenn sie darin um dringenden Rückruf bittet, ­sofort, oder jedenfalls sobald ich fünf Minuten Zeit habe und allein bin; wenn meine alte Schulfreundin Silke ihrer Funktion als Kristallisationspunkt unseres damaligen Freun­deskreises auf diese eindringliche Weise gerecht wird: Dann ist einer von uns tot.
Es ist Gisbert. Stille im Hörer. Silke hört mich atmen.
Ich mich auch. Sie lässt mir lange Zeit – bis die Synapsen in meinem Hirn eine halbwegs tragfähige Verschaltung hergestellt haben, bis sich die relevante Information in mein Bewusstsein gedrückt hat – die Information, dass Gisbert sich umgebracht hat.
Dabei war Silke ziemlich vorsichtig. Zuerst erfahre ich, dass es schlechte Nachrichten gibt. Wusste ich ja. Dann, dass jemand tot ist. Ahnte ich. Dann, dass es Gisbert ist. Schock! Dann, dass er sich das Leben genommen hat. Aber doch nicht Gisbert! Dann, dass er sich erhängt hat. Nie, nie im Leben! Moment! Stopp! Aus! Notbremse!
Es schaltet und rattert. Die komplizierte Chemie in meinem Gehirn lässt sich verdammt viel Zeit. Das kann alles nicht wahr sein. Gisbert! Doch nicht Gisbert! Aber Realität bleibt es doch. Mein Nachbarsfreund zu Jugendzeiten, mein Schulfreund zu Abiturzeiten, mein Kumpel während der ersten 20 Jahre meines Lebens, er hat sich entschieden. Kurzfristig. Für den Tod.
Hätte es noch irgendeiner Motivation für dieses Buch bedurft – hier wäre sie gewesen. Dabei waren ein paar ­wenige Seiten schon geschrieben, als Silke anruft und ich erstmalig seit dem letzten Sommer wieder an Gisbert denke. Damals war ich seit ein paar Wochen zurück aus der Klapsmühle; aus der psychiatrischen Klinik, wo ich zwei Monate verbracht hatte, wegen Angststörungen und Depressionen. Letzten Sommer, bei unserem buchstäblich letzten Treffen, kam Gisbert viel zu spät, schon etwas angetrunken, gar nicht seine Art. Es gab einen Anlass für unser Treffen: 25 Jahre Abitur, da lässt man sich sehen, auch ich, auch Gisbert. Er stand, wie immer umringt von allen möglichen Leuten, am anderen Ende der Kneipe, im Haus Rietkötter, in Bochum. Ich kämpfte mich durch, klopfte auf seine Schulter, er drehte sich um, große Freude, wir nahmen uns in den Arm und begrüßten uns. Menschen um uns herum, alle schon angetrunken, Gisbert auch, ich auch. Die Konzentration schwankte zwischen den vielen Menschen; Lachen hier, ernst sein da, Winken dort. Die Musik wurde lauter, die ersten sangen. Knof schaute von unten rauf, hob die Hand, krähte was. Noch ein Schnaps. Oder eine paffen? Nee, ich nicht. Nicht mehr. Obwohl … Wo ist Gisbert? Menschenwogen wogen die Menschen durcheinander. Luft. Wir waren draußen. Borgel, Silke, Kai und ich. Gisbert? Ist in der nächsten Gruppe, ab zum Intershop. Knof krähte.
Das war’s. Das Nächste ist Silke mit ihrem Anruf. Dann Borgel, der die Grabrede hält. Gut gemacht. Kai, Anja, die olle Beck, Frau Kurtz und das Schnittchen: Alle sind da. Knof traurig, sehr traurig. Ich auch. Will nur wieder zurück nach Hause, nach Berlin. Gisbert war meiner Erinnerung nach der beliebteste Mensch, den ich kannte. Immer gut gelaunt, immer ein Lachen, einen Spruch, einen lockeren Schlag auf die Rippen. Aua! Gisbert eben. In letzter Zeit muss das anders gewesen sein. Depression, Angst. Und dar­aus hat er die Konsequenz gezogen. Mit einem Strick.
Das ist mir erspart geblieben. Der Weg in den Abgrund war bei mir ein anderer, mein Zustand war derselbe: totale Hoffnungslosigkeit, wochenlang andauernde Angstzustände, nächtliche Panikattacken; Tage ohne die geringste Zuversicht, jemals wieder so etwas wie Lebenslust zu spüren. Der Weg in den Abgrund führte bei mir über etwas, was heute allgemein Burnout genannt wird und für das es keine einzige anerkannte medizinische Definition, aber Tausende von Zustandsbeschreibungen gibt. Diesen möchte ich nicht eine weitere hinzufügen. Ich will nicht mal über das Thema Burnout schreiben. Ich will über meinen Weg in den Abgrund schreiben, über die anschließenden zwei Monate im Wald, in einer psychiatrischen Klinik; über zwei Monate mit mir selbst und darüber, wie wir beide uns vertragen haben.
Burnout hin oder her: Sich einzugestehen, eine psy­chische Macke zu haben, einen Sprung in der Schüssel, das geht nicht so zwischen Suppe und Kartoffeln. Es dann zu akzeptieren und konsequente Schlüsse daraus abzuleiten – purer Zufall, ob die Umstände das ermöglichen. Ich hatte Glück, entkam dem Strick. Ich ging in eine psychiatrische Klinik. Eine Klinik mit Spezialisierung auf Angsterkrankungen, Depression, Sucht. Keine psychopatischen Erkrankungen, keine geschlossene Abteilung – es könnte einen viel schlimmer erwischen. Und doch ein harter Schnitt: Raus! Raus aus dem Leben, einmal die Seele auf links krempeln, ohne Rückfahrkarte. Was danach passiert, weiß man vorher nicht, ahnt man nicht. Meistens kommt es anders, als man denkt. Heute mein Leben, morgen eine Überraschung. Einmal die Wundertüte für Jungs, bitte. Die ­große, mit dem neuen Leben drin!
Zwei Monate im Wald. Mit mir. Und mit anderen Pa­tien­ten, mit Ärzten und Therapeuten. Mit lauter Menschen, die ein Recht auf Privatheit und Anonymität haben; die deshalb in diesem Buch ein Eigenleben entwickelt haben, das sie ganz und gar ablöst von ihren ursprünglichen Vor­bildern und Lebensläufen. Insofern wäre jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen absolut zufällig und ungewollt.
Was ich erlebt habe, ist genau das, was in diesem Buch steht.

Rüdiger Striemer

Über Rüdiger Striemer

Biografie

Rüdiger Striemer wurde 1968 in Bochum geboren und hat Wirtschafts‐ und Sozialwissenschaften an der Universität Dortmund studiert. Im Anschluss an die darauffolgende Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraunhofer‐Gesellschaft promovierte er an der Technischen Universität Berlin in...

Pressestimmen

Leipziger Volkszeitung

»Rüdiger Striemer erzählt offen von seiner Talfahrt (...).«

Inhaltsangabe

INHALT


Prolog
Gisela
Schwindel
Aufnahmestation
Neuruppin
Schicksalsgemeinschaft
Abgrund
Rundweg
Eiszeit
Alltag
Sicherungskasten
Ursachenforschung
Todesnacht
Freud
Zwanzig
Paket
Weihnachten
Lichtung
Auswilderung
Schluss

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