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Räuberdatschi

Ein Fall für Anne Loop

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Räuberdatschi — Inhalt

Die Putzfrau Irene Heigelmoser hat eine Riesenwut. Denn erstens ist sie pferdenarrisch, zweitens ist heute Rosstag und drittens wurde sie trotzdem für den Reinigungsdienst in der Bank eingeteilt. Als sie schon kurze Zeit später neben dem Filialleiter gefesselt und geknebelt unter dessen Schreibtisch liegt, schlägt die Stunde von Bayerns heißester Polizistin: Anne Loop begibt sich in Gefahr.

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 12.03.2013
256 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30241-8
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 12.03.2013
256 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96119-6

Leseprobe zu »Räuberdatschi«

Zwei nackte Brüste an der Fensterscheibe im ersten Stock des Bankgebäudes. Der Fischer Wastl Hörwangl konnte es nicht fassen. Träumte oder wachte er? War es möglich, dass ihm die Wahrnehmung einen Streich spielte? Natürlich sah man durch ein Fernglas manches anders als mit bloßem Auge, aber wenn es nicht mit dem Teufel zuging, dann waren das sehr wohl zwei echte weibliche Brüste, resch und mittelgroß, hellhäutig und von der Scheibe etwas in die Breite gedrückt. Was hatten die Brüste dort verloren? Da stimmte doch etwas nicht!

Wastl Hörwangl war an [...]

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Zwei nackte Brüste an der Fensterscheibe im ersten Stock des Bankgebäudes. Der Fischer Wastl Hörwangl konnte es nicht fassen. Träumte oder wachte er? War es möglich, dass ihm die Wahrnehmung einen Streich spielte? Natürlich sah man durch ein Fernglas manches anders als mit bloßem Auge, aber wenn es nicht mit dem Teufel zuging, dann waren das sehr wohl zwei echte weibliche Brüste, resch und mittelgroß, hellhäutig und von der Scheibe etwas in die Breite gedrückt. Was hatten die Brüste dort verloren? Da stimmte doch etwas nicht!

Wastl Hörwangl war an diesem Tag allein zur Ballonfahrt gestartet. Die nächste Montgolfiade an dem See inmitten von Bergen würde erst im Winter stattfinden. Jetzt aber war Sommer, sogar einer, wie man ihn sich heißer nicht vorstellen konnte. Doch der Heißluftballon war wie ein Mensch. Der wollte bewegt werden, auch ohne Montgolfiade, und so hob Wastl Hörwangl in regelmäßigen Abständen ab, das Fernglas mit im Korb, außerdem eine kleine Flasche Kräuterschnaps aus der Destillerie vom Nachbarsee, dessen Wasser früher einmal blutrot gewesen war; nicht als Folge eines brutalen Verbrechens, wie sie das Tal seit einiger Zeit immer häufiger erschütterten, sondern wegen einer merkwürdigen Alge, der man dann vor Jahren mithilfe eines ausgeklügelten Wasserumwälzsystems den Garaus gemacht hatte.

Der moderne Mensch hatte Möglichkeiten, und er nutzte sie. Mitunter kamen verrückte Sachen dabei heraus: Schuhe, die mitzählten, wie viele Schritte jemand den ganzen Tag über machte, und dann ausrechneten, wie viele Kalorien man verbraucht hatte; Bücher, verborgen in tragbaren Miniaturfernsehern, die flach waren wie Bootsplanken, und Kühlschränke, die eigenmächtig Nahrungsmittel bestellten. Hörwangl hielt dies alles für einen ausgemachten Blödsinn und schüttelte den Kopf, als er an diese Erfindungen dachte.

Aber seine Gedanken kehrten flugs wieder zum Geschehen unter ihm zurück. Mit zusammengekniffenen Augen blickte er hinunter. Vom Ballon aus mutete das Bergtal ganz anders an als von seinem Boot aus.

Dann linste er noch einmal durch das Fernglas. Nein, er hatte sich nicht getäuscht. An der Bankfensterscheibe waren Brüste! Zweifellos war das keine Schaufensterpuppe. Die hatten harte Brüste, die sich nicht platt drücken ließen. Zweifellos stand da eine nackte Frau! Waren die Banker wegen der ganzen Krisen mittlerweile derart verzweifelt, dass sie auf solch krachlederne Werbemaßnahmen setzten? Und war so ein Marketinggag nicht etwas gewagt in einem Alpendorf, auch wenn es hier vor Wohlstandsverwahrlosten nur so wimmelte?

Wastl Hörwangl schraubte den Deckel von der Schnapsflasche und genehmigte sich einen großen Schluck. Als er erneut durch das Fernglas blickte, war die Busen-Erscheinung weg. Sachen gibt es in der Welt, sinnierte Hörwangl, die gibt es eigentlich gar nicht. Dann betätigte er den Brenner, dass es rauschte, und überblickte mit Stolz den See und die Gipfel, die ihn umgaben: Kogelkopf, Huder, Ring-, Setz- und Wallberg, Riederstein. Je weiter man oben war, umso schöner sah sie aus, die Natur, umso unbedeutender wurde das, was der Mensch schon alles angerichtet hatte. Der Mensch ist gefährlich, konstatierte Hörwangl mit gerunzelter Stirn. Der Mensch macht, was er will. Sogar mit Brüsten.

 

 

 

Während die Entscheidung, auf einen Lottogewinn zu hoffen, der religiösen Vertagung des Glücksverlangens entspricht, stellen die Phantasien und Träumereien von einem gelungenen Bankraub eine konkrete Utopie dar.

Klaus Schönberger (Kulturwissenschaftler und Historiker)

EINS

Die Sonne ist ein Depp.

Das dachte sich zumindest die Putzfrau Irene Heigelmoser.

Mehr als denken ging momentan auch gar nicht, weil ihre Lippen mit einem silberfarbenen Gewebeklebeband versiegelt waren. Schweigen war in diesem seltenen Fall also nur Silber.

Warum aber dachte die Heigelmoserin so über die Sonne?

Das ist schnell erklärt: Heute war Rosstag an dem See inmitten von Bergen, und während die anderen feierten, umwabert vom aufgeregten Schnauben der Tiere und dem würzigen Geruch bayerischer Pferdeäpfel, saß die Heigelmoserin gefesselt und geknebelt auf dem Teppichboden des Zimmers ihres Chefs. Den Teppich sollte sie laut Dienstplan eigentlich gerade saugen. Was offensichtlich nicht möglich war.

Und als wäre ihre Lage nicht schon schlimm genug, schien jetzt auch noch die Sonne derart unverschämt. Es hätte ja auch regnen können, oder zumindest hätte sie, die Sonne, von Wolken verdeckt sein können. Malefiz. Dann wäre die Situation vielleicht nicht ganz so verheerend gewesen.

Die Riesenwut der Heigelmoserin kam daher, dass sie pferdenarrisch war. Und der Rosstag war sozusagen der Tag des Pferdes an dem bayerischen Millionärssee. Insofern hatte die Heigelmoserin auch alles andere als begeistert reagiert, als ihr Chef, der Herr Robert Ochsenknecht, ausgerechnet sie für den Putzdienst am letzten Sonntag im August eingeteilt hatte.

Aber sie hatte sich gegen die Einteilung nicht gewehrt. Denn erstens vermutete sie tief verborgen in der Seele des Robert Ochsenknecht einen kleinen sadistischen Teufel, und zweitens war das derzeit nicht so gefragt im Land: dass man als Untergebener die Stimme erhob, wenn einem etwas nicht passte. »Aufmucken is’ grad’ need so en Woge«, so hätte es die lässige Boutiquenbesitzerin Kelly Reibeisen von der Hauptstraße oder eine andere Dame von Welt vermutlich formuliert (die Reibeisen Kelly ist die mit den schweren Goldklunkern und den aufgepumpten Lippen; jeder kennt sie, manche mögen sie).

Die Heigelmoserin hatte es in einer Nachrichtensendung gesehen und gehört: Wer sich dieser Tage gegenüber seinem Chef aufmandelte, konnte schon bald eine Änderungskündigung mit gestrichenem Weihnachtsgeld und ähnliche unerfreuliche Mitteilungen im Briefkasten vorfinden. Wer etwa eine übrig gebliebene nackte Semmel, die sowieso weggeschmissen worden wäre, weil sie den feinen Herren zu trocken war, mit heim nahm, um Semmelknödel als Schweinsbratenbeilage daraus zu formen – jetzt nur als Beispiel –, dem wurde gekündigt, wegen Diebstahl und so. Unerfreulich, das. Man könnte auch sagen: eine Sauerei.

Deshalb hatte die Heigelmoserin auch in Sachen Dienstplan nicht aufgemuckt und für den Rosstag eine andere Strategie ins Auge gefasst: Besonders schnell wollte sie putzen und auch gar nicht überall, sondern nur da, wo man es besonders gut sehen konnte – und dann ab zum Rosstag und mitfeiern. Man lebt nur einmal – »Karpfen Dielen«, das war das Lebensmotto der Irene Heigelmoser, oder wie das auf Lateinisch hieß.

Im Grunde war der Heigelmosersche Plan zweifellos gut. Aber er hatte einen Haken: Es kam ein Verbrechen dazwischen.

Als Irene Heigelmoser um Punkt zehn Uhr die Hintertür zur Bankfiliale in der nördlichen Gemeinde des Bergsees, direkt gegenüber des kleinen Bahnhofsgebäudes, aufsperrte, geschah es: Genau in dem Augenblick, in dem die Musikkapellen in der Kuranlage der südlichen Seegemeinde mit dem rosstäglichen Musizieren begannen (neben den heimischen Musikanten waren auch welche aus Südtirol und dem Schwarzwald angereist), war für Irene Heigelmoser auf einen Schlag schon alles vorbei. Und das mit dem Schlag ist wörtlich zu verstehen. Knock-out.

Als Irene Heigelmoser, achtundvierzig, verwitwet, drei erwachsene Kinder, aus ihrer Ohnmacht erwachte, verspürte sie einen ebenso dumpfen wie gewaltigen Schmerz am Hinterkopf. Es war ihr unmöglich, mit der Hand die Größe der zu vermutenden Beule zu ertasten, denn man hatte ihre Hände bandagiert, vermutlich mit demselben Gewebeklebeband, das ihr jegliche mündliche Äußerung, die über ein »mmh, mmh« hinausging, verwehrte. Immerhin waren ihr die Augen nicht verbunden oder verklebt worden, weshalb Irene Heigelmoser wusste, wo sie sich befand: Sie lag in der Bank, die sie eigentlich reinigen sollte. Und zwar im Zimmer ihres Chefs Robert Ochsenknecht, genauer: unter dessen Schreibtisch. Der Moment, in dem Irene Heigelmoser sich daran erinnerte, dass der Chef mit seinen Schweißfüßen hier oft ohne Schuhe saß, währte nur kurz. Sollte sie tatsächlich auf Schweißfußterrain liegen, so war dies derzeit angesichts der sonstigen Umstände das geringste Problem.

Denn alles sprach dafür, dass sie heute nicht mehr zum Rosstag kam; dass sie den Frühschoppen mit der Danzlmusi der Musikschule ebenso verpassen würde wie den großen Festumzug von der Ganghoferstraße zum Festplatz, und natürlich die Pferdesegnung. Mit Abstand betrachtet war die Situation sogar noch übler, da sie ja keine Ahnung hatte, geschweige denn eine Vorstellung, wie lange sie ohnmächtig gewesen war. Womöglich hatte Irene Heigelmoser all diese Höhepunkte bereits verpasst, nicht zuletzt auch die königliche Schleppjagd und die Vorführungen der Reitergruppen des berühmten Oswald-von-Wolkenstein-Ritts aus der Partnergemeinde Kastelruth. Es war ein Jammer! Am Ende war der Rosstag längst vorbei! Mit allem Drum und Dran! Und womöglich, das wurde Irene Heigelmoser mit furchterregender Klarheit bewusst, womöglich befand sie sich dazu noch in Lebensgefahr! Denn was sonst sollte hier anderes geschehen sein, als dass ihr ein brutaler Verbrecher beim Aufsperren der Hintertür mit einem harten Gegenstand auf den Kopf geschlagen, sie in den ersten Stock der Bank geschleift, gefesselt und geknebelt und unter dem Chefschreibtisch abgelegt hatte, und …

Irene Heigelmoser traute sich kaum, weiterzuspekulieren: Hatte der unbekannte Grobian sie während der Bewusstlosigkeit etwa auch vergewaltigt? Wie blöd war sie eigentlich, dass sie im aufreizenden Dirndl zum Putzen ging? Da war man ja praktisch Freiwild!

Aber natürlich hing die Wahl ihrer Bekleidung mit dem ursprünglichen Plan zusammen, direkt vom Putzen zum Rosstag zu gehen. Immerhin schien das Gewand, soweit die Heigelmoserin das in ihrem Zustand beurteilen konnte, in ordnungsgemäßem Zustand. Und wenn sie gedanklich ihren Unterleib absuchte – das hatte sie im Kurs »Autogenes Training für Einsteiger« in der Volkshochschule gelernt –, dann saß auch die bequeme Damenunterhose, oder wie man neuerdings sagt: High-Waist-Slip, noch am richtigen Ort. Abgesehen davon verspürte sie nichts, was zwischen den Beinen anders gewesen wäre als sonst. So, wie sich das anfühlte, hatte also niemand etwas zwischen ihren Schenkeln gemacht, was gegen ihren Willen gewesen wäre.

Dank dieses bei allem Unglück doch insgesamt positiven Resümees gelang Irene Heigelmoser noch ein wesentlich komplexerer Gedankengang: Wenn sie es sich recht überlegte, konnte seit ihrem Dienstantritt an der Bankhintertür noch gar nicht so viel Zeit verstrichen sein. Es musste noch Sonntag und damit Rosstag sein, denn wäre es bereits Montag, wären sicherlich schon der Filialleiter Ochsenknecht und die anderen Bankmitarbeiter sowie der eine oder andere Bankkunde aufgekreuzt. Da draußen schien aber niemand zu sein. Totenstill war es. Und nicht einmal von dem Verbrecher, der sie halb tot geschlagen hatte, war etwas zu hören, geschweige denn zu sehen. War das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Plötzlich verspürte Irene Heigelmoser ein mulmiges Gefühl im Bauch. Gerade so wie damals, als sie frisch verliebt mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann auf dem ausgesetzten Gipfel des Leonhardstein gestanden hatte und sie ihr Geliebter kurz mit der linken Hand geschubst und sofort mit der rechten wieder gehalten hatte. Obwohl Irene Heigelmoser damals mit Leib und Seele in ihren Zukünftigen vernarrt gewesen war, hatte sie diesen Augenblick als schreckliches Erlebnis in Erinnerung.

Um das unangenehme Gefühl loszuwerden, rollte sie sich auf die Seite und konzentrierte sich auf den Anblick des dunkelblauen Teppichs unter dem Schreibtisch. Eine ganze Weile studierte sie die merkwürdigen Flecken, die sie noch bei keinem einzigen Putzeinsatz hatte entfernen können, nicht einmal durch intensivstes Shampoonieren mit Spezialmitteln, als sie blitzartig ein Schreck durchfuhr: Im Türrahmen stand ein Mann, ein Fremder. Der Verbrecher.

Irene Heigelmoser begann, am ganzen Leib zu zittern. Das Blut stieg ihr in die Wangen, ihre Hände wurden schwitzig. Im Kopf wummerte der Schmerz. Sie hatte Angst. Was würde jetzt passieren?

Der Mann tat einen Schritt in den Raum hinein, und Irene Heigelmoser konnte sehen, dass er groß und schlank, aber noch sehr jung war, vielleicht Anfang zwanzig. Sein Gesicht war schmal, bartlos und blass. Irgendwie sah der Kerl überhaupt nicht wie ein Bankräuber aus. Und wie ein Vergewaltiger schon gar nicht.

Irene Heigelmoser war sich nicht sicher, ob es richtig war, sich direkt nach dieser Erkenntnis zu entspannen. Aber eine Putzfrau ist ja kein Roboter. Und deswegen macht ihr Körper mitunter, was er will. Und es wird schon seinen Sinn haben, dass das so ist. Denn dieser Kerl da sah einfach überhaupt nicht so aus wie einer, der ihr vor Kurzem einen Schlag auf den Kopf versetzt haben sollte, an dem sie auch hätte sterben können. Eher, dachte sich Irene Heigelmoser, eher sieht der aus wie einer der beiden Moderatoren von diesem Jungeleuteprogramm im Fernsehen, Schoko und Kas, oder wie die hießen.

Was ich mir nicht alles denke!, wunderte sich Irene Heigelmoser über ihr ratterndes Hirn. Dies aber nur etwa eine Sekunde lang, denn jetzt glaubte die Reinigungsfrau zu spüren, dass etwas Klebriges in ihren schwarz gefärbten Haaren hing. (Sie putzte zwar nur, aber immerhin an einem Millionärssee. An solch einem Ort war graues Haar Gift fürs Geschäft.) War das Klebrige Blut? Und dann schoss ihr eine weitere Frage durch den Kopf: Warum trug der Mann keine Maske? Sie erschrak. Denn eines wusste die erfahrene Fernsehkrimizuschauerin: Tatopfer, die das Gesicht eines Verbrechers gesehen hatten, wurden praktisch immer umgebracht. Zur Vertuschung der Tat, zur Erschwerung der Festnahme. Schnell schloss Irene Heigelmoser die Augen. Vielleicht ließ der Übeltäter sie dann leben.

»Gutön Tag«, sagte der Bankräuber. »Mein Namö ist Rififi.«

Sofort erkannten die feinen bayerischen Ohren der Irene Heigelmoser, dass dieser Verbrecher kein Deutscher sein konnte. Aber der Akzent kam ihr bekannt vor … Richtig, der Fußballer des FC Bayern mit der Sexaffäre und der Narbe im Gesicht, der sprach auch so. Änderte die Nationalität des Bösewichts nun irgendetwas an ihrer Situation? Konnte sie die Augen jetzt wieder öffnen? Noch immer rauschten die Fragen so schnell durch das Heigelmosersche Hirn wie die Alpenmöwen über den See.

Der Kidnapper setzte seine Rede fort: »Iesch nieschts Ihnen möschte tun.«

Ja, ja, dachte sich Irene Heigelmoser, das sagen sie alle, die Mörder, die Vergewaltiger, die Totschläger und die ganze Bagage. Um die Opfer ruhig zu halten. Und am Ende wurde kaltblütig getötet und vergewaltigt – oder andersherum.

»Warum ’aben Sie zu die Augön?«, fragte der junge Mann nun. »Tut weh was?«

Jetzt musste Irene Heigelmoser antworten, alles andere wäre unklug gewesen, aber sie hatte ja dieses vermaledeite Klebeband über dem Mund. Sie bemühte sich, so energisch und deutlich wie möglich zu sprechen, doch sie brachte nur ein »mmh, mmh, mmh!« hervor.

»Ah, bien sûr, sieschör, sieschör.« Ihr Peiniger begriff und begann, an dem Klebeband herumzuzupfen, was sehr wehtat. Und das, obwohl die Putzfrau sich wegen des Rosstags noch am Vortag die Härchen über der Oberlippe entfernt hatte. Aber natürlich, das war Irene Heigelmoser klar wie ein Gebirgsbach, waren diese Schmerzen erst der Anfang. Wer weiß, was er ihr noch alles antun würde, dieser Unhold! Unwillkürlich dachte Irene Heigelmoser an den Kannibalen von Rotenburg.

»So, jetzt ist sie weg die doofe Ding«, kommentierte der Mann seine für sie so schmerzhafte Aktion. »Es war eine Sieschör’eitsmaßnahme. Die brauchen wir niescht mehr jetzt. Aber iesch ’abe eine Bitte.« Die Heigelmoserin sah ihn verunsichert an. »… schreien Sie bitte niescht.«

Hielt der sie eigentlich für verrückt? Natürlich würde sie nicht schreien! Wer bei einer Geiselnahme schrie, war genauso dem Tod geweiht wie all jene Opfer, die das Gesicht des Täters gesehen hatten.

»Warum also ’aben Sie zu die Augön?«

»Weil«, antwortete Irene Heigelmoser nach einer kurzen Pause und mit verzweifelt klingender Stimme, »weil, wenn ich Sie einmal gesehen habe, Sie mich sicher umbringen. Ich will aber nicht sterben. Ich will mit diesem ganzen Scheiß hier überhaupt nichts zu tun haben. Ich bin hier nur die Putzfrau. Von mir aus rauben Sie die Bank aus, aber lassen Sie mich in Gottes Namen am Leben.« Sie zögerte. »Deshalb schaue ich Sie nicht an. Ende. Punkt. Aus. Amen.« Irene Heigelmoser stellte überrascht fest, dass ihre letzten Worte gar nicht mehr so zittrig geklungen hatten.

»Iesch werde Sie niescht bringen um«, beteuerte der Bankräuber.

Jörg Steinleitner

Über Jörg Steinleitner

Biografie

Jörg Steinleitner, geboren 1971 im Allgäu, studierte Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien. 2002 ließ er sich nach Stationen in Peking und Paris als Anwalt in München nieder. Er veröffentlichte mehrere Bücher – neben den bei...

Medien zu »Räuberdatschi«


Pressestimmen

Münchner Merkur

»Kaum einer veräppelt das Genre des Alpen-Krimi mit einer solch geradezu irrwitzigen Konsequenz.«

Der Westallgäuer

»Jörg Steinleitner erzählt mit Witz und Ironie, gepaart mit manchem Seitenhieb auf die Politik, seine Geschichte, in der es mehr ›menschelt‹ als man ›meuchelt‹.«

Der Westallgäuer

»Die szenische Lesung war hinreißend. Musikalisch untermalt mit Tönen und Geräuschen oder auch begleitet mit französischen Musettes und Chansons sorgte das bestens aufeinander eingespielte Team für Heiterkeit.«

Hörzu

»Überdrehte Satire - und der vierte Fall für Anne Loop, Bayerns taffste Beamtin im Außendienst.«

Lahn-Dill-Anzeiger

»›Räuberdatschi‹ verspricht auf 256 Seiten beste Unterhaltung und zählt zu den Büchern, die man nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen will.«

Tegernseer Stimme

»Wirklich urkomisch zu lesen.«

Fantasia 418e

»Ein humoriger Regionalkrimi aus der bayrischen Provinz mit viel Lokalkolorit.«

ALPENTOURER

»Sehr skurril und witzig!«

Kommentare zum Buch

Räuberdatschi
Blessing Ute K.T. am 30.07.2013

Vor zwei Wochen habe ich mir dieses Buch gekauft, da ich ursprünglich aus Bayern stamme, habe ich mich schon darauf gefreut. Nun kämpfe ich mich von Seite zu Seite, bin bei 143 und warte noch immer, dass etwas spannendes, entscheidendes passiert! Habe schon lange kein so langweiliges Buch mehr gelesen. Schade um das Geld. Ich hoffe auch der Autor wird diese Nachricht lesen Ute K.T. Blessing

Räuberdatschi
Karin Seibold am 24.03.2013

Hallo, ich liebe die Krimis, in denen Anne Loop ermittelt. Allerdings hat sich im obigen Buch ein kapitaler Fehler eingeschlichen, und zwar auf Seite 71: "Aber...", sie zog ihr Poremonnaie aus der Handtasche und reichte, vor den ungläubigen Blicken der anderen, der Arzthelferin einen Eintausend-Euro Schein. Es gibt keine Eintausend-Euro Scheine. Nichts für ungut und freundliche Grüße Karin Seibold

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