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RabenseeleRabenseele

Rabenseele

Roman

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Rabenseele — Inhalt

Eine Spätsommernacht im Harz. Wieder eskaliert ein Streit zwischen Lua und David. Doch diesmal ist alles anders, denn Lua hält plötzlich sein Jagdgewehr in den Händen ...

Lua musste für Davids Tod im Gefängnis büßen. Nun ist sie auf freiem Fuß und versucht als Kassiererin in einer Kleinstadt nahe dem Harz einen Neuanfang. Aber die Vergangenheit ist stärker als ihr Wunsch zu vergessen: Da ist diese Gestalt in Davids Parka, die sie zu verfolgen scheint. Da sind Dinge, die aus ihrer Wohnung verschwinden, Erinnerungsstücke von damals. Da sind zu viele offene Fragen. Es hilft alles nichts: Irgendwann muss Lua sich ihren Dämonen stellen. Sie warten in der Jagdhütte im Kalten Tal, wo die Katastrophe geschah. Lua ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich mit ihrer Rückkehr begibt.

 

Erschienen am 01.03.2016
208 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-8270-1218-0
Erschienen am 01.03.2016
208 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7872-8
»Ein Spannungsroman, sensibel und rasant zugleich!«
Für Sie
»Einem schnörkellosen, fast spartanischem Schreibstil setzt Alexandra Kui immer wieder Sprachschönheiten entgegen, Schilderungen voll hinreißender Poesie, herrliche Naturbeschreibungen und stimmige Charakter- und Typenzeichnungen, die ebenso zu den Stärken der Buxtehuderin gehören, wie ihr sicheres Händchen für einen gelungenen Mix aus Krimi und Familiendrama.«
Buxtehuder Tageblatt
»'Rabenseele' erzählt neben einem alten Familiengeheimnis die Geschichte einer Ehe, die im Inneren ganz anders war, als sie von Freunden und Bekannten wahrgenommen wurde.«
Freie Presse
»Alexandra Kui liefert mit 'Rabenseele' einen atmosphärisch dichten Psychokrimi.«
Hellweger Anzeiger

Leseprobe zu »Rabenseele«

Prolog

Schickt die Verlorenen zu uns.
Wir werden sie finden.
Die Ermatteten. Die Einsamen. Die Verkorksten mit ihren verwirbelten Lebensläufen und dem todsicheren Instinkt, immer genau das Falsche zu tun, sich treiben zu lassen, wenn Strampeln das einzig Wahre wäre, gegen den Strom zu schwimmen, wo doch kein Vorwärtskommen ist, allein oder den denkbar schlechtesten Gefährten an ihrer Seite.
Die sich dennoch immer wieder neu verlieben, rettungslos, wild entschlossen, weil sie das Leben trinken wie Champagner, den sie nicht bezahlen können. Die ihr Haus auf [...]

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Prolog

Schickt die Verlorenen zu uns.
Wir werden sie finden.
Die Ermatteten. Die Einsamen. Die Verkorksten mit ihren verwirbelten Lebensläufen und dem todsicheren Instinkt, immer genau das Falsche zu tun, sich treiben zu lassen, wenn Strampeln das einzig Wahre wäre, gegen den Strom zu schwimmen, wo doch kein Vorwärtskommen ist, allein oder den denkbar schlechtesten Gefährten an ihrer Seite.
Die sich dennoch immer wieder neu verlieben, rettungslos, wild entschlossen, weil sie das Leben trinken wie Champagner, den sie nicht bezahlen können. Die ihr Haus auf Treibsand errichten, statt hinter die eigenen Fassaden zu schauen. Denen Geld und Glück wie Wasser durch die Finger rinnt.
Wasser, aus dem wir geformt sind.
Merkt ihr, wie oft ihr unsere Worte im Munde führt, und doch seid ihr überzeugt, wir hätten keine? Eure Ignoranz, euer ständiges Geplapper: Ihr seid das Rauschen, nicht wir. Unser unterirdisches Herz, Quelle unseres Lebens, ist härter und stärker als ein Muskel aus Fleisch und Blut. Wir sind schon so viel länger hier als ihr, auch wenn Verweilen wider unsere Natur ist.
Wir haben mehr zu sagen.
Hört ihr es nicht?
Nein, auf dem Ohr seid ihr taub, die meisten von euch jedenfalls, nur die Verlorenen lauschen gebannt. Sie erkennen unsere Wärme im Sog eisiger Kraft und nehmen Kontakt auf.
Ja, du auch. Wir können dich spüren, weißt du? Wir sind immer in deiner Nähe, egal wo du dich versteckst. Unser Flüstern trägt weit.
Wir fühlen mit dir. Deine Verluste wiegen schwer. Leider müssen wir dir sagen, es ist noch nicht vorbei.
Ein Fahrzeug, das dir vertraut ist, eine windwiderständige Kiste aus blauem Blech, erklimmt zügig die Hochstraße Richtung Auf-Nimmerwiedersehen, quält sich mit der Steigung, den Windungen und den schmierigen Resten von Hagel, der vor Stunden fiel. Die Straßenlage: bedenklich, zu hoher Schwerpunkt. Im Handschuhfach scheppert es, die Lüftung verteilt den Geruch der Hundedecke aus dem Kofferraum gleichmäßig, scheitert aber an der Aufgabe, die Fenster freizupusten. Kein Zweifel: Dieser Kleinwagen ist schon als Haufen Schrott zur Welt gekommen. Um den ist es nicht schade.
Alles beschlagen, dazu plötzlich Nebel. Auch das noch! Widerwillig drosselt die Frau hinterm Steuer das Tempo, putzt ihre Brille an der Bluejeans, kalkuliert in Gedanken die Strecke, die vor ihr liegt, neu: Noch vierzig Minuten Zuckelei bis zur Bundesstraße. Von dort an dürfte es schneller gehen, mit ein wenig Glück und Geschick erreicht sie die Autobahn in einer Stunde. Dann nichts wie nach Hause, der Rest ein Kinderspiel.
Sie irrt sich.
Irrt sich, wenn sie hofft, sie könnte deinem Abgrund jetzt noch entkommen, dafür hat sie sich längst aus freien Stücken viel zu tief reingehängt. Irrt sich noch mehr, wenn sie glaubt, sie fährt langsam genug.
Ihr kaputtes Rücklicht kommt ihr in den Sinn. Als sie den Lada im Rückspiegel entdeckt, hat sie eine winzige Chance: anhalten, und zwar sofort. Aussteigen. Weglaufen. Wie zu erwarten war, ergreift sie sie nicht. Denn sie will ja weit weg, weg von dir, will es mit derselben Intensität, mit der sie vor wenigen Stunden noch hin zu dir wollte, und sie ist schlecht zu Fuß. Dass sie eine noch viel schlechtere Autofahrerin ist, darüber denkt sie nicht nach – als hätte ihr Mann es nicht oft genug erwähnt, was sie dumm und machohaft fand, aber das war es nicht. Es war Sorge, berechtigte Sorge.
Sie murmelt deinen Namen, steuert so weit wie möglich an den rechten Fahrbahnrand, um Platz zum Überholen zu machen, doch das viel zu ruckartig ausgeführte Manöver bringt nicht den gewünschten Erfolg: Anstatt auszuscheren, heftet sich der Lada an das Heck des Kleinwagens, und zwar bedrohlich dicht. Eine Kollision scheint unausweichlich.
Ob die Frau hinterm Steuer sich hundertprozentig sicher wähnt, was den Lada betrifft? Natürlich tut sie das! Sie mag wenig Ahnung von Autos haben, aber sie kann zwei und zwei zusammenzählen, deshalb ist sie ganz sicher: Du fährst.
Sie zieht ihre vermeintlich logischen Schlüsse, beginnt, vor sich hinzustammeln, Rechtfertigungen auszustoßen, die direkt an dich gerichtet sind, als könntest du ihre Stimme über das Gebläse, das Scheppern und die Motorengeräusche hinweg hören. Ihr vorherrschendes Gefühl: Das alles ist ein paar Nummern zu heftig für sie. Womit sie recht hat.
Denn sie ist das, was ihr einen einfachen und liebenswerten Menschen nennt, eine leidlich gute Ehefrau, eine hingebungsvolle Mutter. Manchmal fragt sie sich, ob das schon alles war, dann benötigt sie ein kleines Abenteuer. Betonung auf klein.
Unnachgiebig folgt ihr der Lada, das Spiel kommt in die Gänge, es heißt Katz und Maus. Scheinwerfer blenden auf, ein Gleißen im Nebellicht. Hat die Maus je eine Chance?
Der Rücken der Frau ist verschwitzt, das Unterhemd klebt auf der Haut, die Halsschlagader pocht heftig, während sie immer wieder in den Rückspiegel schaut und den Kurven, die vor ihr liegen, zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Stattdessen denkt sie an ihren Mann, die Kinder und sogar an den Hund.
Eine lebenshungrige Strähne entweicht der sorgsam zurechtgefönten Anordnung ihrer Frisur und fällt über das rechte Auge. Sie schüttelt den Kopf, um besser sehen zu können, nimmt eine Hand vom Lenkrad zur Hilfe, doch die Bodenwellen machen an dieser Stelle, was sie wollen. Der Kleinwagen schlingert, bricht hinten aus. Wieder eine viel zu heftige Lenkbewegung, gefolgt von einer ausufernden Korrektur. Das Auto neigt sich zur Seite – und damit fällt die Entscheidung.
Als die Rechtskurve auftaucht, die manche an trüben Tagen auch für eine Linkskurve halten, passiert alles wie von selbst, dazu braucht es keinen Lada mehr.
Die Katze bleibt zurück, das abgerundete Rechteck des Bullenfängers ein feixend aufgerissenes Schandmaul. Die Maus im freien Fall.
Das Fehlen des stetigen Sirrens der Straße unter den abgefahrenen Reifen ist das Signal, das sie erstarren lässt, noch bevor sie fühlt, wie ihre Ein-ge-weide sich heben, um Sekundenbruchteile später mit Wucht gegen ihre Bauchdecke zu prallen. Die Schwerkraft bekommt den Wagen schnell wieder unter die Kandare, wie durch ein Wunder aufrecht, auf allen vieren zugleich und ohne größere Schäden. Schnauze voraus geht es abwärts.
Die Frau hinterm Steuer kreischt auf und macht sich schon darauf gefasst, samt blauer Blechkiste am nächsten Baum zu zerschellen, aber alles, was am Hang Wurzeln geschlagen hat, springt plötzlich behände zur Seite, so kommt es ihr zumindest vor: Hainbuchen, Eichen, Fichten – keine ist ihr Schicksal. Lediglich Unkraut und ein paar Zweige werden abrasiert. Dann der Moment des Eintauchens, überraschend weich.
Der Wald überlässt uns den Vortritt.
Was können wir dafür?
Wir sind, wie wir sind.
Nicht aufzuhalten. Lediglich unter größter Anstrengung von Mensch und Material ist es denkbar, unsere Kräfte nutzbar zu machen, vorübergehend in sichere Bahnen zu lenken, doch davon kann hier keine Rede sein.
Die Frau kämpft mit der Fahrertür, obwohl unser Druck unüberwindbar ist, solange der Innenraum noch trocken liegt. Ihre Lähmung, als wir uns schließlich berühren.
Ja, in unserem Universum ist es kalt.
Ja, wir reißen und zerren und pressen das Leben aus ihr heraus.
Was können wir dafür?
Als wir, verspielt wie wir sind, ihre Brille zu fassen bekommen, taucht sie ihr nach.
Am Ende öffnen wir in allerletzter Sekunde noch die Tür für sie, und so ist es unser Verdienst, dass die Maus mehr tot als lebendig dem blechernen Elend entkommt und ein letztes Mal tief Luft holen darf, ein letztes Mal den Himmel erblickt, das Licht golden über einem Seidenschleier aus Nebelgrau.
Im Frühjahr ist immer mit Treibholz zu rechnen. Sieht sie den Erlenstamm nicht? Er erwischt sie am Kopf, und das war’s dann. Ein gnädiger Tod. Also doch ein Baum, streng genommen.
Was können wir dafür?
Wir sind in unserem Element.
Wir weinen.
Wie willst du das alles durchstehen?
Wer passt auf dich auf?
Wer wird dich retten?
Wir sind hier.


1

Es gibt Regeln. Die Kleiderordnung sieht vor: weiße Bluse mit dezenten Streifen, marineblaue Weste, Namensschild. Das Hosenbein, schwarz, weiß oder blau, ist dann von korrekter Länge, wenn es mit dem oberen Fersenabsatz abschließt. Röcke nur knielang. Schrille Farben, grelles Make-up, unangemessene Körperbehaarung, alles, was in den Augen der Kunden lärmt, was Aufmerksamkeit beanspruchen oder sogar eine Aussage treffen will, die weit über die Frage: »Was kann ich für Sie tun?«, hinausgeht, ist unerwünscht. Unerwünscht, das heißt ausdrücklich nicht verboten, genau wie der Leitfaden – sechs Seiten, eng bedruckt und alphabetisch geordnet von A wie »Atem« bis Z wie »Zähne« – nicht als Vorschriftenkatalog, sondern lediglich als Orientierungshilfe verstanden werden will.
So hat es der Marktleiter formuliert, als er Lua neulich an ihrem ersten Arbeitstag die Unterlagen in die Hand drückte. »Wir sind hier schließlich nicht im Gefängnis, Frau Baron!«
Fand er das witzig?
Weiß er, dass in den letzten zwei, drei Stunden vor Ladenschluss mitesserartige Bartstoppeln sein Erscheinungsbild in eine gewisse Schieflage bringen, egal wie sorgfältig er sich am Morgen auch rasiert haben mag?
Auch wenn er laufend solche Bemerkungen von sich gibt: Lua lässt sich nicht provozieren und schweigt, die dezent betonten Lippen zu einem kundenfreundlichen Lächeln geformt.
Sie braucht den Job, obgleich sie ihn sich nicht selbst ausgesucht hat, nie im Leben ausgesucht hätte, nicht mal als Schülerin, als sie dachte, sie sei zu allem bereit, um von zu Hause wegzukommen. Nun, wenigstens das ist ihr gelungen. Oder?
Kassiererin also. Kassieren im Sinne von Einstecken, das nennt man Fügung. Lua ist gewillt, ihre Duldsamkeit unter Beweis zu stellen, jede Zumutung, der Leitfaden, der Stoppelbart, alles, was sie kränken oder provozieren müsste, ruft in ihr reflexartig Zustimmung hervor.
Richtig so.
Immer drauf.
Das geht auch fester.
Natürlich gibt es Regeln, egal wie man sie benennt, ob sie schriftlich fixiert werden, mit Fäusten, Waffen oder auf die subtile Art, ihre Verbindlichkeit ist ein Muss, ansonsten geht alles den Bach runter. Wenn das jemand kapiert hat, dann Lua, dafür braucht sie den Marktleiter nicht. Harte Schule.

Alexandra Kui

Über Alexandra Kui

Biografie

Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte Soziologie und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen. Seit 2005 veröffentlicht sie Spannungsromane (z. B. "Blaufeuer" – vom ZDF verfilmt – und "Wiedergänger") sowie Jugendromane (z. B. "Lügensommer"). Unter ihrem vollen Namen...

Pressestimmen

Für Sie

»Ein Spannungsroman, sensibel und rasant zugleich!«

Buxtehuder Tageblatt

»Einem schnörkellosen, fast spartanischem Schreibstil setzt Alexandra Kui immer wieder Sprachschönheiten entgegen, Schilderungen voll hinreißender Poesie, herrliche Naturbeschreibungen und stimmige Charakter- und Typenzeichnungen, die ebenso zu den Stärken der Buxtehuderin gehören, wie ihr sicheres Händchen für einen gelungenen Mix aus Krimi und Familiendrama.«

Freie Presse

»'Rabenseele' erzählt neben einem alten Familiengeheimnis die Geschichte einer Ehe, die im Inneren ganz anders war, als sie von Freunden und Bekannten wahrgenommen wurde.«

Hellweger Anzeiger

»Alexandra Kui liefert mit 'Rabenseele' einen atmosphärisch dichten Psychokrimi.«

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