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Pirasol

Roman

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Pirasol — Inhalt

Zwei alte Damen leben in der Papierfabrikantenvilla »Pirasol«: Die scheue Gwendolin ist 84 Jahre alt, Witwe und Alleinerbin des Hauses, Thea ist fünfzehn Jahre jünger und verfolgt einen eigenen Plan. Als man den vom Vater verstoßenen und seit drei Jahrzehnten verschollenen Sohn Gwendolins in der Stadt gesehen haben will, versucht Thea, ihren Einfluss zu sichern und vollends das Regiment im Haus zu übernehmen. Für Gwendolin der Auslöser, sich zu erinnern: an eine Berliner Kindheit während der Zeit des Nationalsozialismus, an den Verlust der Eltern und das eigene Überleben, an einen neuen Anfang mit dem despotischen Papierkönig Willem, einen Brandanschlag und schließlich an die Verbannung des gemeinsamen Kindes. Am Ende lernt Gwendolin, allen Widrigkeiten etwas entgegenzusetzen – sich selbst.

€ 20,00 [D], € 20,60 [A]
Erschienen am 01.08.2017
288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1341-5
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erscheint am 04.12.2018
288 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31411-4
€ 18,99 [D], € 18,99 [A]
Erschienen am 01.08.2017
288 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7925-1

Leseprobe zu »Pirasol«

1

Pass auf das Haus auf, sagt sie.

Der Junge kommt zurück. Der Junge, fragt die andere und schluckt, begreift es in der Kehle, wo sonst die Angst sitzt und das Schweigen.

Ja, kaut die, die Thea heißt und Zähne hat wie Schilde. Das ist so sicher wie der Tod, der Junge ist wieder in der Stadt.

Wie der Tod, sagst du?

Wie der Tod.  

 

2

Den Tod hat Gwendolin erkannt, der Tod beginnt sein Leben dann, wenn man vor die Gräber der anderen gerät. Dann geht das Sterben los, ein für alle Mal, und die Falten im Gesicht sind nichts als Friedhofswege, über die man [...]

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1

Pass auf das Haus auf, sagt sie.

Der Junge kommt zurück. Der Junge, fragt die andere und schluckt, begreift es in der Kehle, wo sonst die Angst sitzt und das Schweigen.

Ja, kaut die, die Thea heißt und Zähne hat wie Schilde. Das ist so sicher wie der Tod, der Junge ist wieder in der Stadt.

Wie der Tod, sagst du?

Wie der Tod.  

 

2

Den Tod hat Gwendolin erkannt, der Tod beginnt sein Leben dann, wenn man vor die Gräber der anderen gerät. Dann geht das Sterben los, ein für alle Mal, und die Falten im Gesicht sind nichts als Friedhofswege, über die man geht, um vor Willems Grab zu stehen. Oder, wenn es das gäbe, vor dem Grab des Sohnes. Was wäre das: ein paar Gräber zu haben, an denen man die, die weggegangen sind und das Sterben bloß vergessen haben, in aller Ruhe aus dem Herz bekommen könnte. Eine kleine, hübsche Sache wäre das.

Dabei hatte das eine Grab vollkommen gereicht, das Grab von Willem, den Gwendolin zum Manne trug bis dass der Tod undsoweiter. Mehr als diese paar Menschbreit Humus hatte es nicht gebraucht, um vor zwei mal sechs Jahren von allen Menschen, die die Friedhofswege hergaben, ausgerechnet Thea abzukriegen.

Heute könnte sie schwören, dass Thea, kurz und dünn wie ein Halm von Herbstgras, schon eine ganze Weile hinter einer der Birken gelauert hatte. Als Thea dann neben ihr stand und erklärte, dass so ein Grab das beste Hobby sei, ein wahrer Glücksfall für die Stunden nach drei, verschluckte sich Gwendolin an ihrem Pfefferminzbonbon und hustete und würgte alle Sätze entzwei, die sie der Unbekannten hätte sagen können, etwas wie: Jeder Mensch braucht ein Hobby, da stimme ich Ihnen gerne zu! Stattdessen stand Gwendolin einfach nur mit hängenden Schultern da und hustete, und die einstweilen noch namenlose Thea murmelte etwas, dann trennten sich beide unentschieden.

Von Willem war zu dieser Zeit keine Rede mehr. Der Tod und das Feuer und der Junge, das alles war weit weg und kümmerte in der Stadt keinen mehr, ausgenommen ein paar Behörden vielleicht und dann noch den Apotheker Böhlich, für den Willem eine Herzangelegenheit gewesen war und den er gern mit den neuesten kardiologischen Erkenntnissen und einem schlechten Witz unter Männern versorgt hatte. Ansonsten interessierte sich keiner mehr für die Sache von damals. Warum auch, denn vergangen ist vergangen, vergangen ist ein Dreck hier und keinen Pfifferling wert.

In der Zeit, als Thea noch zu den Neuen gehörte oberhalb der Friedhofserde, hatten sich die Gräber schon unter Herbstgebinden versteckt, unter zentnerweise stillem Gedenken und dem Geruch der verwitternden Kranzschleifen. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, und wie immer näherte sich Gwendolin dem Grabstein ihres Mannes von hinten, dieser leeren Marmorseite, die nach frischen Namen zu lechzen schien. So oder so, kam es ihr in solchen Momenten in den Sinn, an guten Tagen, und damit war alles gedacht. Sie stand dann einfach nur vor der Rückseite des Steins und ging irgendwann weiter, im großen Bogen um die ganzen aufgefädelten Gräber herum, um bei ihrem Mann zu sein, wie sich das an Orten wie diesem gehörte.

Aber dann kam dieser eine Tag, an dem Gwendolin doch vor der stummen Rückseite stehenblieb und von dem großen Bogen absehen musste, dieser Tag, an dem ihr beinahe ein Brüllen glückte.

An Willems Grab, vor der anderen Seite des Marmors, kniete Thea, die sie seit der ersten Begegnung noch einige Male getroffen hatte. Ausgerechnet Thea kniete dort und tat Dinge, die sie nichts und überhaupt nichts angingen. Die ihr einfach nicht zustanden.

Hören Sie sofort auf, meinen Mann umzugraben!, stieß Gwendolin hervor und spürte, wie ihr der Speichel aus den Mundwinkeln rann und ihr ein kurzes Gefühl von Verlorenheit bescherte. Ich lasse Ihren Mann doch auch in Ruhe, schickte Gwendolin hinterher, durch ihren nicht versiegenden Speichel hindurch. Bitte. Hören Sie auf.

Sie hatte keine Ahnung, ob in Theas Leben überhaupt ein Mann gewesen war oder sonst etwas, das es gegeben und das es nicht weiter als bis auf diesen Friedhof hier geschafft hatte. Auch jetzt war das leider nicht herauszukriegen, denn sie ließ einfach nur ihre Handgabel fallen, stand langsam auf und sah Gwendolin an.

Beruhigen Sie sich, ich wollte nur helfen. Ich habe die Erde ein bisschen locker gemacht, kein Grund, sich so aufzuregen. Hier, schauen Sie, was ich gefunden habe. Das hätte die ganze Zeit auf Ihrem seligen Mann gelegen!

Thea zeigte ihr ein Schokoladenpapier, das sie, während sie es mit der einen Hand hochhielt, mit der anderen triumphierend glättete. Edelbitter, stand da, Gold auf Schwarz, und Gwendolin dachte sofort, dass das Papier ausnehmend gut zu der dunklen Friedhofserde passte, es war wie gemacht dafür und tausendmal zu schade, um nicht auf seligen Männern zu liegen und stattdessen staubtrockene Herrenschokolade zu verkleiden.

Aber ja, sagte sie zu Thea, doch, sagte sie, Sie haben recht, ich danke Ihnen. Und verzeihen Sie mir. Trotzdem, lassen Sie –

Die andere schien einen Moment zu überlegen, dann balancierte sie am Grab vorbei auf Gwendolin zu und streckte ihr über den Marmor hinweg die grobgestrickte Hand entgegen.

Hartwig, sagte sie allen Ernstes. Thea Hartwig.

Natürlich hätte Gwendolin antworten können, dass das ein halbwegs schöner Name sei, sie aber zum Glück nichts angehe, Thea Hartwig hin oder her. Sie wusste ja selbst nicht, was es war, sie hatte sich das nie erklären können, aber manche Menschen kamen ihr von Anfang an so vor, als hätte sie sie längst aus den Augen verloren, und aus diesen Menschen hielt sie sich dann lieber gleich heraus. Auch bei Thea hatte sie das nach ihrer ersten Begegnung wochenlang geschafft, sie war jedes Mal kurz angebunden gewesen und deutlich auf dem Sprung. Wenn sie kleinen Schrittes davonstürmte, konnte sie oft gut verbergen, dass sie streng genommen nicht das Geringste vorhatte, und auch jetzt, mit der neuen Last von Theas Namen, wollte sie sagen, ich muss los, wollte sie sagen, ich muss gehen, wollte sie sagen, sie sagte:

Sehr angenehm. Gwendolin Suhr.

Gwendolin, ja? Ungewöhnlich in Ihrem Alter.

Mein Vater damals, wissen Sie. Der mochte dieses eine Theaterstück, kennen Sie das? Von –

Das Grab haben Sie mir jetzt hoffentlich verziehen, fuhr Thea dazwischen, mit einer Freundlichkeit, die nicht zu dem ruppigen Schwung passen wollte, mit dem sie sich in den Satz geworfen hatte.

Ach, lassen Sie doch, natürlich habe ich das, lassen Sie doch, sagte Gwendolin dann, flüsterte aber gerade noch so: Beim nächsten Mal kümmere ich mich wieder selber um das Grab.

Und so war es auch. Gwendolin wühlte wieder persönlich in der Erde und traf später meistens zufällig auf Thea, von der aber keine Gefahr mehr ausging. Sie schien nämlich keineswegs daran zu denken, noch einmal Willems Erde aufzulockern. Woran Thea stattdessen dachte und wovon sie irgendwann auch zu reden anfing, das war etwas viel Größeres, Festeres. Woran Thea dachte, das war Pirasol.  

 

3

Schätzchen, ruft Thea von ihrem Platz am Küchentisch herüber. Ich sage es mal so. Enterbt bedeutet überhaupt nichts, gar nichts, verstehst du? Enterbt ist ein Wort und der Junge ist der Junge. Wenn der wieder da ist, heißt das nur eins: Er will das Haus. Pirasol will er.

Thea spricht es aus wie alle hier im Städtchen und auch wie Gwendolin selbst: Pirasool, obwohl sich Hermes Ernesto Pirasol, der deutlich verblichene Namens- und Geldgeber der Villa, in seinem Grab in São Paulo umdrehen würde, sollte ihm diese falsche Aussprache je zu Ohren kommen.

Pirasol will er, wiederholt Thea trotzig, und Gwendolin schweigt, sie achtet nur auf das Brötchen, das genauer zu kauen ist als früher, auf die Müdigkeit in den Zähnen, auf den Schluck nach jedem einzelnen Bissen, kein Wort, das hier noch dazwischenpasste.

Aber Thea schweigt nicht mit, sie faucht: Schätzchen, das hilft uns beiden nicht, wenn du den Mund hältst. Rede! Sag was! Du weißt, was der Junge gemacht hat.

Thea kennt ihn nur aus Gwendolins Erzählungen, die sie ihr abgerungen hat mit ihrer tückischen Freundlichkeit, aber sie nennt ihn trotzdem so, Junge, und bevor sie dieses Wort ausspricht, macht sie jedes Mal eine kurze, spöttische Pause.

Er müsste jetzt vierundfünfzig Jahre alt sein, flüstert Gwendolin. 

[...]

Susan Kreller

Über Susan Kreller

Biografie

Susan Kreller, geboren 1977 in Plauen, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte über englischsprachige Kinderlyrik. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie 2012 mit dem Jugendbuch »Elefanten sieht man nicht« bekannt. Sie erhielt unter anderem das Kranichsteiner...

Veranstaltung
Lesung und Gespräch
Donnerstag, 08. November 2018 in Siegburg
Zeit:19:30 Uhr
Ort:Servatiushaus ,
Mühenstraße 14
53721 Siegburg
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Lesung und Gespräch
Donnerstag, 13. Juni 2019 in Rees
Zeit:20:00 Uhr
Ort:Vriendshof,
Grietherbusch 7
46459 Rees
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Pressestimmen

reingelesen.wordpress.com

»Pirasol ist ein besonderes Buch und birgt eine Geschichte in die man eben durch die Erzählweise tief einsteigt, eine Geschichte die in Erinnerung bleiben wird.«

Borromäus-Jahrbuch

»Ein literarisches Kunstwerk, herausragend.«

Ruhr Nachrichten

»Eine lakonisch eigenwillige Sprache, die einen gefangen nimmt.«

Deutschlandradio „Büchermarkt“

»Susan Kreller beweist sich mit einem dichten Stoff und einer eindringlichen, auch lyrischen Tonlage als Romancière für erwachsene Leser.«

Augsburger Allgemeine

»Der berührende Rückblick der 84-jährigen Gwendolin auf ihr Leben ist ein wunderbarer, in einer bemerkenswert zarten, poetischen Sprache geschriebener Frauen- und Familienroman.«

Domradio.de

»Susan Kreller hat einen ergreifenden Roman über eine alte Frau geschrieben, die sich wehrt, eine Frau, die stellvertretend für eine Generation steht, die durch den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg ihre Kindheit verloren hat und erst spät erkennt, wie notwendig es ist, sich mit diesem Verlust auseinanderzusetzen.«

WDR 3 "Mosaik"

»›Pirasol‹ ist intelligent konstruiert und erzählt eine bewegende Geschichte mit Worten und Bildern, die unter die Haut gehen. Ein herausragender Roman.«

TV Star (CH)

»Leicht und tief zugleich.«

FAZ

»Die Zeit, ein Tableau: In Susan Krellers meisterlichem Roman ›Pirasol‹ geht eine Achtzigjährige endlich auf die Barrikaden.«

Neue Westfälische

»Susan Krellers Schreibstil ist knapp und präzise. Nie lässt sie sich dazu verleiten, seitenlange, detaillierte Beschreibungen abzuliefern.(…). Auch für die seltenen liebevollen Momente findet Kreller in ›Pirasol‹ passgenaue, unverbrauchte Worte. (…). Virtuos balanciert Kreller zwischen den Zeitebenen.«

Frau und Mutter

»Eindrucksvoll, auf drei Ebenen (...) schildert der Roman die Erlebnisse einer Frau, die sich im Alter von ihren Schuldgefühlen befreien und endlich ihre Stimme heben kann.«

BÜCHER Magazin

»Susan Kreller ist mit ›Pirasol‹ ein beeindruckender, stark verdichteter Roman gelungen. Gwendolyns lang verzagte Stimme erklingt klar, ihre Worte und Gedanken sind voller Poesie.«

Kommentare zum Buch

Erschreckernd und Erschütternd
Arietta am 08.09.2017

  Zur Autorin: Es ist mein erstes Buch von Susan Kreller, das ich von ihr gelesen habe. Ein beeindruckender Roman, der sich durch ihren speziellen und eigenen Sprachstil hervorhebt, er ist stellenweise schon poetisch. Die Worte perlen ihr flüssig aus der Feder, ihr Erzählstil fordert einem beim Lesen heraus und ist gewöhnungsbedürftig. Aber von Seite zu Seite wurde der Spannungsbogen besser. Die Personen und deren Charaktere sind gut herausgearbeitet. Es geht um Schuldgefühle, Unterdrückung, Sadismus und Vergebung. Eine Geschichte mit sehr viel Tiefgang.   Zum Inhalt: Sehr gut sind die beiden alten Damen Thea, die jünger als die 84 Jährige Witwe Gwendolin ist, die langsam zu Leben erwacht und sich zur Wehr setzt. Willem, ihr verstorbener Mann unter dem sie jahrelang litt, der sie seelisch misshandelte, genauso wie ihren gemeinsamen Jungen. Er hielt sie klein, allein durch seine frostigen Blicke, die man förmlich spüren konnte. Es fröstelte einem beim Lesen. Thea, die sie sich nach dem Tode in ihre Villa Pirasol holte, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihr verstorbener Ehemann. Ich glaube, hätte Gwendolin geahnt, was sie sich mit Thea ins Haus holte, hätte sie es gelassen. Thea ist wie ein Parasit, eine Zecke die sich festgebissen hat, Gwendolin fängt an, sich zu wehren, lehnt sich gegen sie auf, möchte sie aus der Villa haben, um sich von ihrem Regiment und Einfluss zu befreien. Wenn man gemeinsam mit Gwendolin in ihre Kinder-und Jugendzeit abtaucht, lernt man zu verstehen. Da ist die Zeit des Naziregimes, der zweite Weltkrieg, der Vater von den Nazis verhaftet und ins Lager verschleppt, die Mutter seit der Bombennacht vermisst, die Zeit nach dem Krieg, Hunger und Elend. Als sie den Papierfabrikanten Willem Suhr kennenlernt, ihn heiratet, da beginnt so richtig die ganze Tragödie. Ihr Mann ein Despot, der sie erniedrigt und seinen Jungen verachtet. Das alles lastet ihr auf der Seele.....

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