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Paul McCartney

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Paul McCartney — Inhalt

Fünf Grammys, elf Mal als Solokünstler in den deutschen Album-Top Ten und Autor von über eintausend Songs – Paul McCartneys Karriere ist in jeder Hinsicht von Superlativen geprägt. Nun schreibt der renommierte Rock-Biograf Philip Norman seine Geschichte auf – erstmals mit McCartneys Einverständnis und unter Einbezug von Freunden und Familie. So entsteht ein kenntnisreiches Portrait von Pauls oftmals nicht ganz einfachen Beziehung zu John Lennon, der tragischen Zeit nach der Auflösung der Beatles und des Kampfs zurück in den Pop-Olymp mit den Wings, der fast dazu geführt hätte, dass McCartney in Afrika ermordet worden wäre. Norman legt hier mit bisher unveröffentlichten Details und kritischen Erkenntnissen die umfassende Biografie einer der größten musikalischen Legenden unserer Zeit vor.

Erschienen am 02.06.2017
Übersetzer: Conny Lösch
976 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-492-05825-4
Erscheint am 02.10.2018
Übersetzer: Conny Lösch
976 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31359-9
Erschienen am 02.06.2017
Übersetzer: Conny Lösch
976 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97650-3

Leseprobe zu »Paul McCartney«

Prolog
All Our Yesterdays


Am 4. Dezember 1965 traten die Beatles in der City Hall von Newcastle-on-Tyne auf. Es war, wie sich später herausstellen sollte, ihre letzte Großbritannientournee. Ich war zweiundzwanzig und arbeitete als Reporter für die Redaktion des Nor­thern Echo, einer im Nordosten Englands weitverbreiteten Tages­zeitung. Mein Auftrag lautete schlicht : » Geh hin und sieh zu, dass du ein paar Worte mit ihnen wechselst. «
Ohne einen Funken Hoffnung machte ich mich an meine scheinbar aussichtslose Aufgabe. Die Beatles waren seit zwei Jahren [...]

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Prolog
All Our Yesterdays


Am 4. Dezember 1965 traten die Beatles in der City Hall von Newcastle-on-Tyne auf. Es war, wie sich später herausstellen sollte, ihre letzte Großbritannientournee. Ich war zweiundzwanzig und arbeitete als Reporter für die Redaktion des Nor­thern Echo, einer im Nordosten Englands weitverbreiteten Tages­zeitung. Mein Auftrag lautete schlicht : » Geh hin und sieh zu, dass du ein paar Worte mit ihnen wechselst. «
Ohne einen Funken Hoffnung machte ich mich an meine scheinbar aussichtslose Aufgabe. Die Beatles waren seit zwei Jahren das Aller­größte in der Popmusik – und sollten zu Giganten werden, wie sie die Welt zuvor nie gekannt hatte. Welche neuen Einsichten sollte ich aus meiner bescheidenen Ausgangslage dazu beisteuern ? Und von wegen » Worte wechseln « – die Tournee folgte direkt auf die Veröffentlichung des Albums Rubber Soul, ihren ungeheuer erfolgreichen zweiten Kinofilm Help !, den geschichtsträchtigen Auftritt vor 55 000 Menschen im New Yorker Shea Stadium und die Verleihung des Ordens Member of the British Empire durch die Königin. Ich würde nicht nur mit den hochkarätigsten Vertretern der Medienlandschaft von ganz Tyneside konkurrieren, sondern auch mit denen sämtlicher ­na­­tionaler Zeitungen und Sender. Selbst wenn es mir gelingen würde, an die Beatles heranzukommen, warum sollten sie auch nur eine Sekunde mit einem so kleinen Licht vom Northern Echo verschwenden ?
Wie fast alle jungen Männer der westlichen Welt damals stellte ich mir vor, wie es wäre, ein Beatle zu sein. Es gab keinen Zweifel daran, mit welchem ich mein Leben hätte tauschen wollen. Paul war ein Jahr älter als ich und sah auf den ersten Blick am besten aus ; über John ließ sich das trotz seiner magischen Anziehungskraft nicht behaupten, während George zwar ein hübsches Gesicht hatte, aber unansehnliche Zähne, und Ringo … na ja, Ringo war eben Ringo. Der linkshändige Bassist aber, dessen zarte Gesichtszüge und Rehaugen nur dank eines leichten Bartschattens nicht mädchenhaft wirkten, machte nachvollziehbar, weshalb junge Frauen beim bloßen Anblick der vier schon in Ekstase verfielen.
Paul trug seine Beatle-Kleidung mit der größten Eleganz : die Rollkragenpullover und Button-down-Hemden, die Cordstoffe, die einst Landarbeitern vorbehalten gewesen waren, die schwarzen Leder­jacken oder die Stiefel mit dem Gummibandeinsatz an der Seite, die vor langer Zeit bei edwardianischen Lebe­männern beliebt gewesen waren. Auch schien er derjenige zu sein, der den ( vermeintlich ) wachsenden Reichtum der Band am besten zu genießen wusste ; ich erinnere mich, wie ich den Klatschspalten des New Musical Expresss neidisch entnahm : » Auf Bestellung von Beatle Paul McCart­ney – der Aston Martin DB5. «
Dank seines Charmes, seiner guten Laune, seiner tadellosen Manieren und der Gewandtheit, die er ausstrahlte, galt er als der PR-Mann der Band – noch bevor überhaupt jemand wusste, was ein PR-Mann war. Anscheinend war ihm so etwas wie ein sozialer Aufstieg gelungen, was sich auch daran zeigte, dass er mit der eleganten jungen Schauspielerin Jane Asher zusammen war. Trotzdem machten die unbekümmert chaotischen Live-Auftritte der Beatles offensichtlich keinem der drei anderen so viel Spaß wie ihm. Ein Freund von mir, der sie in Portsmouth in der Guildhall gesehen hatte, erzählte mir, gleich in den ersten wilden Minuten des Konzerts habe jemand einen Teddybär auf die Bühne geworfen. Paul habe ihn aufgehoben, am Hals seiner Bassgitarre befestigt und ihn für die gesamte Dauer des Auftritts dort sitzen lassen.
Nun wartete ich also an diesem nasskalten Dezemberabend in Newcastle vor dem Hintereingang der City Hall inmitten ­einer Gruppe von Reportern, zu denen auch mein Freund ­David Watts von der Abendausgabe des Northern Echo, dem Northern Despatch, zählte. Fünfundvierzig Minuten vor Auftrittsbeginn fuhr eine schwarze Limousine vor, ein Austin Prin­cess, der durch den dichten Schnee aus Glasgow gekommen war, und heraus sprangen die vier jungen Männer mit den berühmtesten Frisuren der Welt. In diesem Moment nahm uns nur John überhaupt zur Kenntnis, rief uns einen sarkastischen Gruß entgegen. Trotz der Kälte trug er keinen Mantel, nur Jeans und ein weißes T-Shirt, auf dem etwas geschrieben stand – das erste mit einem Schriftzug bedruckte T-Shirt, das ich je sah. Ich konnte den Spruch nicht lesen, war aber davon überzeugt, dass es ebenfalls ein sarkastischer war.
In jener unschuldigen Zeit damals gab es außer einem einzigen, schon etwas älteren Bühnenpförtner keinerlei Sicherheitspersonal. Dave und mir gelang es relativ schnell, ihn zu über­reden, uns hereinzulassen, und wenige Minuten später standen wir im Gang vor der – vollkommen unbewachten – Garderobe der Beatles. Ein paar andere Kollegen hatten es ebenfalls bis hierhin geschafft, aber niemand wagte es, an die geschlossene Tür zu klopfen, geschweige denn, einfach hereinzuplatzen. Während wir ein bisschen ratlos herumstanden, signalisierte uns das anwachsende Crescendo der Schreie und stampfenden Füße im angrenzenden Konzertsaal, dass die Zeit für Interviews knapp zu werden drohte.
Plötzlich kam Paul in einem schwarzen Rollkragenpullover, genau wie auf dem Cover von With the Beatles, durch den Gang auf uns zu, wickelte dabei ein Juicy-Fruit-Kaugummi aus. Als er die Tür öffnete, sagte Dave : » Das Gesicht kenne ich doch ! « Und als Paul grinsend innehielt, fragte ich : » Dürfen wir reinkommen und uns mit euch unterhalten ? «
» Klar «, erwiderte er mit einem Liverpooler Akzent, der bei ihm auffallend feiner und weicher klang als bei den anderen. Wir konnten unser Glück kaum fassen und folgten ihm.
Eigentlich war es keine Garderobe, sondern ein geräumiger Salon mit grünen Ledersofas, Sesseln und bodentiefen Fenstern, allerdings ohne Aussicht. Die Beatles hatten gerade Steak und Pommes und zum Nachtisch Trifle gegessen, und jetzt räumten flinke Kellnerinnen in schwarzen Kleidern und weißen Schürzen die Teller ab. Andere Frauen waren nicht zu ent­decken, ebenso wenig wie Alkohol oder Drogen. Die einzige Ablenkung bot ein Fernseher, auf dem eine Folge The Avengers lief, die aber nur George blass und ungerührt verfolgte.
Ich fing an, mich mit Ringo zu unterhalten, der auf einem der grünen Ledersessel saß, dann schaltete sich John ein, der sich auf die Armlehne hockte. Inzwischen trugen auch sie beide ihre Bühnenkleidung mit schwarzem Rollkragenpullover, und waren erstaunlich freundlich und unkompliziert : Ich hatte das Gefühl, mich mit ebenso gutem Recht dort auf­zuhalten wie das hohe Tier vom Melody Maker, das eigens aus London angereist war. Johns Gelassenheit scheint mir jetzt, da ich weiß, unter welchem Druck er zu jener Zeit stand, noch bemerkenswerter. George wendete den Blick nicht vom Fernseher ab, und Paul ging unruhig herum, kaute Kaugummi und suchte jemanden von den Moody Blues, die ebenfalls an diesem Abend auftreten sollten. » Hat jemand die Moodys gesehen ? «, fragte er immer wieder. Ich erinnere mich, wie ich seine Jeans anstarrte und mich fragte, ob es sich wirklich, so wie es den Anschein hatte, um eine ganz gewöhnliche handelte oder doch eher um eine Maß­anferti­gung mit verstärkten Nähten, die sich von ekstatischen Händen nicht so leicht zerreißen lassen würde.
Auf einem Sofa lag der Höfner-Violin-Bass, der mit seinem langen Hals und der an eine Stradivari erinnernden Silhouette zu Pauls Markenzeichen geworden war. Auch ich hatte einst ­Gitarre gespielt, in einer erfolglosen Band auf der Isle of Wight, und um den Beatles die von mir empfundene Geistesverwandtschaft zu beweisen, fragte ich, ob der Bass auf der Bühne schwer zu tragen sei. » Nein, der ist leicht «, antwortete Paul. » Hier … probier selbst. « Er nahm ihn und warf ihn mir zu. Ich bin ein sehr schlechter Fänger, aber irgendwie gelang es mir, Griffbrett und Schultergurt zu fassen. Kurz fuhr ich mit den Fingern über dieselben Bundstäbe wie Paul McCart­ney, schlug dieselben Stahlsaiten an wie er. Dann erkundigte ich mich, ob Violin-Bässe teurer seien als normale. » Hat nur zweiundfünfzig Guineas gekostet «, sagte er. » Ich bin ein Geizhals. «
Auch als ich eine freie Seite in meinem Notizbuch suchte und die drei um ein Autogramm für meine kleine Schwester bat, blieben sie furchtbar nett. » Du bist ihr Lieblings-Beatle «, platzte es aus mir heraus, als Paul seine erstaunlich erwachsen wirkende Unterschrift dazusetzte. » Dann ist ja gut «, murmelte er, » wenn ich ihr Lieblings­-Beatle bin. « Es war die sanfteste Abfuhr überhaupt.
Wie alle Interviewer hatte auch ich das Gefühl, mich besser mit ihnen zu verstehen als alle anderen je zuvor. » Ist es okay, wenn ich noch ein bisschen bleibe ? «, fragte ich Paul und sah anschließend John an. » Klar «, nickten beide. Doch in diesem ­Moment betrat ein hohlwangiger Mann in einem gelben Hemd mit Keulenärmeln den Raum und entdeckte mich. Es war Neil ­Aspinall, der Roadie der ­Beatles, dessen Hauptaufgabe unterwegs darin bestand, Journalisten zu sagen, was die liebenswürdigen Fab Four unmöglich selbst sagen konnten. Höchstwahrscheinlich hatten sie ihm per Geheimsignal mitgeteilt, dass ein Besucher allmählich lästig wurde.
» Du «, sagte er und deutete mit dem Daumen über seine Schulter. » Raus ! «
» Aber … die haben gesagt, ich darf bleiben «, protestierte ich.
» Und ich sage dir, dass du gehst «, fuhr er mich an, dann entdeckte er eine Zeitung und vergaß, dass ich existierte.
Während ich schmachvoll abzog, tröstete ich mich damit, dass ich eine einzigartige Einsicht gewonnen hatte : Paul McCart­ney hatte mir seinen Violin-Bass zugeworfen und mir verraten, dass er ein Geizhals war.
Während der gesamten Sechzigerjahre – und während des rest­lichen Jahrhunderts – kreuzten sich unsere Wege kein einziges Mal mehr. Die Berichterstattung über die Beatles bei der Londoner Sunday Times, für die ich anschließend arbeitete, wurde eifersüchtig von älteren Kollegen überwacht. Daher schrieb ich keine einzige Zeile über das seit dem Ende der Tourneen 1966 immer ambitioniertere Songwriting von Lennon und McCart­ney, dem schließlich Meisterwerke wie das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band und überragende » Paul «-Songs wie » Penny Lane «, » Eleanor Rigby « und » She’s Leaving Home « entsprangen. Andere – so viele andere – berichteten über die beiden ereignisreichen Jahre nach Brian Epsteins Tod, in denen Paul die Führung der Band übernahm, sie einen Ashram im Hima­laya besuchten, der Zeichentrickfilm Yellow Submarine, das » Weiße Album « und der Film Magical Mystery Tour entstanden und sie ein Unternehmen namens Apple gründeten, das absolut nichts mit Computern zu tun hatte.
Während dieser ganzen Zeit blieb ich einer von unzähligen jungen Männern, die Paul McCart­neys Leben für traumhaft hielten und deren Freudinnen bei dessen Anblick demütigenderweise dahinschmolzen ( besonders wenn in der Filmsequenz zu » Fool On the Hill « seine großen braunen Augen in ­einer extre­men Nahaufnahme gezeigt wurden ). Es gab bereits Befürchtungen, dass es die Beatles nicht ewig geben würde ; auch die Ahnung, dass ihnen ihr gemein­sames Leben vielleicht nicht nur das unglaubliche Glück beschert hatte, das wir ihnen allen unterstellten, und sogar an ihnen Unzufriedenheit und Zweifel nagten. Doch zumindest einer schien für Kontinuität zu stehen. George mochte die indische Religion für sich entdeckt und dabei seinen Sinn für Humor verloren haben ; John mochte seine sympathische Frau wegen einer japanischen Performancekünstlerin verlassen und sich mit dieser auf eigenartige Abwege begeben haben. Paul aber blieb bei der wunderbaren Jane ­Asher, trug seine makellose Beatle-Frisur, die schicksten Anzüge, die es in der Carnaby Street zu kaufen gab, besuchte Theater­premie­ren im West End und gab lächelnd Autogramme.
Doch gegen Ende der Sechzigerjahre schien auch sein Pflicht­gefühl gegenüber der Öffentlichkeit nachzulassen. Er trennte sich von Asher, die scheinbar in jeder Hinsicht so perfekt zu ihm gepasst hatte, und kam mit einer unbekannten amerikanischen Fotografin namens Linda Eastman zusammen. Als er diese 1969 über­raschend heiratete, fühlten sich nicht nur Millionen liebeskranker junger Frauen im Stich gelassen. Auch nicht zu Tränen neigende junge Männer wie ich, die ihn seit 1963 um sein Leben beneidet ­hatten, fragten sich, was um Himmels willen nur in ihn gefahren war.
Im selben Jahr erhielt ich endlich den Auftrag, einen Beatlesartikel für eine überregionale Zeitschrift zu schreiben, wenn auch keine britische. Die amerikanische Show hatte mich gebeten, einen genaueren Blick auf das Unternehmen Apple zu werfen, das Unsummen an Geld verschlang, und zu prüfen, was an dem Gerücht einer bevorstehenden Trennung der Gruppe dran sein könnte. Ich wandte mich an ihren Pressesprecher Derek Taylor, rechnete aber kaum mit Ent­gegen­kommen, da ich abgesehen von dem Artikel im Northern Echo vor vielen Jahren nichts mehr über die Beatles veröffentlicht hatte. Doch Taylor hatten meine Artikel über andere Themen in der Sunday Times gefallen, besonders der über Charles Atlas, einen Pionier des Bodybuilding, und daher erklärte er sich bereit, mich zu akkreditieren. In jenem Sommer durfte ich mich mehrere Wochen lang in den Londoner Apple-Büros in der Savile Row 3 aufhalten, ­einem georgianisches Stadthaus und offensichtlich weiterem Beleg für Pauls guten Geschmack.
Außer diesem war damals allerdings kaum noch etwas von ihm spürbar. John und Yoko waren fast täglich dort, leiteten ihre Friedenskampagne von einem Büro im Erdgeschoss aus ; George und Ringo schauten ebenfalls regelmäßig vorbei. Von Paul keine Spur. Empört über Johns Entscheidung, Allen Klein als Manager der Beatles zu verpflichten, war er gemeinsam mit Linda auf seiner Farm in Schottland abgetaucht, um an seinem ersten Solo­album zu arbeiten. Obwohl es mir damals nicht bewusst war, bekam ich Gelegenheit, die Trennung der Beatles von einem Logenplatz aus zu verfolgen.
Wenige Monate nach dem verkaterten Erwachen, das wir später als » die Siebziger « bezeichneten, erhielt ich einen Anruf von Tony Brainsby, einem freiberuflichen Journalisten, der für seine Über­heblich­keit und grellroten Haare bekannt war. Inzwischen vertrat er den Solokünstler Paul McCart­ney, der gerade dabei war, eine neue Band mit dem Namen Wings zusammenzustellen, und er fragte mich, ob ich Paul für die Sunday Times interviewen wolle. Ohne zweimal darüber nachzudenken, lehnte ich ab. Damals und noch viele Jahre lang hielt man die Beatles für unermesslich größer als ihre einzelnen Mitglieder. Von Interesse wäre einzig und allein ihre Wiedervereinigung gewesen.
Stattdessen interviewte ich zahlreiche andere große Namen des Rock, Country und Blues für das Sunday Times Magazine – Mick Jagger, Bob Dylan, Eric Clapton, die Beach Boys, David Bowie, Bob Marley, Elton John, James Brown, Stevie Wonder, Johnny Cash, Rod Stewart, B. B. King, die Everly Brothers, ­Diana Ross, Little Richard, Fats Domino, Fleetwood Mac, ­Aretha Franklin, Bill Haley – ein Gespräch mit Paul wurde mir nie wieder angeboten, und ich bemühte mich auch nie um ­eines. Wie die meisten Journalisten nahm ich es ihm übel, dass er es gewagt hatte, eine neue Band zu gründen – und zu allem Überfluss John durch Linda zu ersetzen – ; ich war fest entschlossen, ihn nicht zu unterstützen. Als erster Rockkritiker der Times ( der Tageszeitung, nicht mehr der Sonntagsausgabe ) hätte ich jederzeit Gelegenheit gehabt, mich anlässlich der Veröffentlichung eines der frühen Wings-Alben mit ihm zu unterhalten, aber ich tat es nicht. Allerdings musste ich 1973 einräumen, dass ihm mit Band on the Run ein triumphales Album gelungen war, auch wenn einige der Reime ( » and the county judge / held a grudge … « ) aus der Feder des Schöpfers von » Penny Lane « eher schwach wirkten.
Ansonsten schloss ich mich der allgemein verbreiteten Ansicht an, dass Paul McCart­ney sich in ein selbstgefälliges Leichtgewicht verwandelt habe, und trauerte seiner verlorenen Beatle-Magie nach. Kurz nach der Veröffentlichung von » Mull of Kintyre « schrieb ich ein satirisches Gedicht über ihn im Sunday Times Magazine, dessen letzte Strophe heute entsetzlich geschmacklos wirkt :

Oh, deified scouse with unmusical spouse
For the cliches and cloy you unload
To an anodyne tune may they bury you soon
In the middlemost midst of the road
( Oh, vergötterter Liverpooler mit unmusikalischer Ehefrau
möge man dich wegen der Klischees und des Kitsches
die du zu seichten Melodien absonderst,
bald begraben, möglichst mittig in der Straßenmitte )


Hatte jemals jemand unwiderruflicher alle Brücken hinter sich eingerissen ?
Aufgrund eines Arbeitskampfs stellte die Sunday Times 1979 ein Jahr lang ihr Erscheinen ein, und ich beschloss, eine Biografie über die Beatles zu verfassen. Kollegen und Freunde drängten mich, meine Zeit nicht mit diesem Thema zu verschwenden ; schon damals ­waren mehrere Milliarden Wörter über sie geschrieben und gesprochen worden ; alles, was es zu wissen gab, musste längst bekannt sein.
Ich schrieb die ehemaligen Beatles an und bat um Interviews, bekam aber, vermittelt durch den jeweiligen Pressesprecher, von allen vier dieselbe abschlägige Antwort : Sie hätten kein Interesse daran, in der Vergangenheit zu wühlen, ihre Solokarrieren seien ihnen wichtiger. Tatsächlich – das hatten wir damals noch nicht begriffen – wollten sie immer noch nicht wahr­haben, was sie in den Sechzigerjahren Ungeheuerliches gemeinsam erlebt hatten. Pauls Ablehnung, über Tony Brainsby vermittelt, mochte außerdem durch meine kürzlich im Sunday Times Magazine erschienenen Verse nicht unerheblich beeinflusst worden sein. Meine Telefonate mit Brainsby gestalteten sich zunehmend angespannter, bis er schließlich eines Tages schrie : » Philip … du kannst mich mal ! « Und den Hörer aufknallte.
Ende November 1980 gab ich mein Buch Shout ! beim Verlag ab, nur zwei Wochen bevor John in New York ermordet wurde. Nachdem er fünf Jahre lang dem Musikgeschäft den Rücken gekehrt hatte, war mit Double Fantasy ein neues Album erschienen, und er gab ausführliche Interviews. Das Ende von Shout ! hatte ich offen­gelassen, falls er sich doch noch bereiterklären würde, für ein Nachwort mit mir zu sprechen.
Und tatsächlich sollte ich sein Apartment im Dakota Building besuchen – nur nicht so, wie ich gehofft hatte. Als das Buch nach Johns Tod im darauffolgenden Frühjahr in Amerika erschien, reiste ich nach New York, um in der Fernsehsendung Good Morning America darüber zu sprechen. Während des Interviews sagte ich, John sei meiner Meinung nach nicht ein, sondern drei Viertel der Beatles gewesen. Yoko sah die Sendung und rief mich in den ABC-Studios an, um mir zu sagen, dass sie meine Worte » sehr nett « gefunden habe. » Vielleicht haben Sie Lust, sich anzusehen, wo wir gewohnt haben «, setzte sie hinzu.
Am selben Nachmittag befand ich mich im Dakota Building und ließ mich durch das riesige weiße Apartment im siebten Stock führen, wo John sich um den gemeinsamen Sohn Sean gekümmert hatte, während Yoko sich eher der gemeinsamen Finan­zen angenommen hatte. Später saß sie in ihrem Büro im Erdgeschoss auf ­einem Stuhl, der dem Thron eines ägyptischen Pharaos glich, und sprach ausführlich über Johns Phobien und Unsicherheiten und die Verbitterung gegenüber seinen alten Bandkollegen, besonders demjenigen, mit dem zusammen er das großartigste Songwriterteam der Popgeschichte gebildet hatte.
Wie so häufig an Hinterbliebenen zu beobachten, schien ein Teil des verlorenen Partners in sie übergegangen zu sein ; während ich Yoko lauschte, hatte ich das Gefühl, John aus ihr heraus sprechen zu hören. Und bei jeder Erwähnung Pauls wirkte ihr Gesicht unterkühlt und ausdruckslos. » John hat immer gesagt «, erklärte sie mir einmal, » dass ihn nie jemand so sehr verletzt habe wie Paul. «
Ihre Worte ließen auf eine sehr viel tiefere emotionale Verbundenheit der beiden schließen, als die Welt je vermutet hatte – es waren die Worte eines verschmähten Liebenden –, und natürlich zitierte ich sie in meinem Bericht über den Besuch bei ihr, den ich anschließend für die Sunday Times schrieb. Irgendwann nach dessen Erscheinen sagte meine Freundin eines Abends, als ich nach Hause kam : » Paul hat angerufen. « Sie erklärte, er habe wissen wollen, was Yoko gemeint habe, und sei eher bestürzt als sauer gewesen. Es war wie bei John : Zwar wurde mir schließlich doch Zugang gewährt, aber viel zu spät und auf eine Weise, mit der ich niemals gerechnet hätte. Trotzdem glaubte ich zu jenem Zeitpunkt aufrichtig, ich hätte mein letztes Wort über die Beatles und ihre Epoche geschrieben. Also versuchte ich nicht, eine offizielle Stellungnahme zu Yokos Behauptung zu bekommen, und hörte später auch nichts mehr darüber.
Shout ! wurde vor allem wegen seiner übertriebenen Verherr­lichung Lennons und seiner Voreingenommenheit gegenüber McCart­ney kritisiert, unter anderem von Sir Tim Rice, dem Musical- und Filmmusiktexter. Ich erwiderte, ich sei nicht › anti Paul  ‹, sondern hätte ledig­lich versucht, den Menschen hinter der charmanten, stets lächeln­den Fassade zu zeigen. Tatsächlich aber hatte ich, wenn ich ehrlich bin, nach all den Jahren, in denen ich mir gewünscht hatte, wie er zu sein, selt­samerweise das Bedürfnis verspürt, es ihm heimzuzahlen. Die Behauptung beispielsweise, John sei drei Viertel der Beatles gewesen, war völlig » irrsinnig « ( wie Tim Rice erläutert hatte ). Paul selbst fand das Buch furchtbar, hörte ich, und habe es als » Mist « bezeichnet.
Aber zum Schluss staunten all seine Kritiker. Die Wings ­feierten riesige Charterfolge und waren live eine ebenso große Attraktion, wie es die Beatles gewesen waren. Durch kluges ­Management und Investitionen in Musikrechte ( wobei allerdings die Rechte an den bekanntesten seiner eigenen Stücken in den Besitz anderer übergegangen waren ) verfügt er heute über ein sehr viel größeres Vermögen als die anderen Beatles, deren Erben oder andere Kollegen aus der ­Branche – die Schätzungen reichen bis zu einer knappen Milliarde Pfund.
Anhaltende Gerüchte über seinen angeblichen Geiz ( hatte er es mir nicht 1965 gestanden ? ) verstummten, als er immer öfter bei Wohltätigkeitskonzerten zu sehen war, eine Akademie für darstellende Künste ins Leben rief und dort im Gebäude seiner alten Schule in Liverpool Nachwuchsförderung betrieb.
Seine Ehe mit Linda, die Ende der Sechzigerjahre als kata­strophaler Fehlgriff galt, sollte schließlich als eine der glücklichsten und stabilsten in die Popgeschichte eingehen. Trotz seines unglaublichen Ruhms und Reichtums gelang es dem Paar, ein relativ normales Privatleben zu führen und ihre Kinder vor dem Schicksal verwöhnter und verkorkster Rockstar-Gören zu bewahren. Auch wenn die Öffent­lichkeit nie ein wirklich herzliches Verhältnis zu Linda ent­wickelte, was hauptsächlich an ­ihrem militanten Eintreten für eine vegetarische Ernährungsweise und den Tierschutz gelegen haben mag, so akzeptierte man doch endlich, dass sie die Richtige für ihn war, ebenso wie Yoko für John.
Nicht nur in der Popmusik, sondern auch der kreativen Welt insgesamt schien er alles Menschenmögliche erreicht zu haben : Sein klassisches Oratorium wurde in der Liverpool Cathedral aufgeführt und von Symphonieorchestern auf der ganzen Welt ins Repertoire aufgenommen ; seine Gemälde wurden in der ­Royal Academy ausgestellt ; seine gesammelten Gedichte als Hardcoverausgabe ver­öffent­licht, wodurch es prompt zu Spe­kulatio­nen über seine Ernennung zum Poet Laureate des Ver­einigten Königreichs kam. 1997 setzte man sich über die lange Reihe seiner Drogenvergehen ( die ihm unter anderem neun Tage Haft in Japan eingebracht hatten ) hinweg, und er wurde für seine Verdienste in der Musik zum Ritter geschlagen. Tatsächlich hatte er, wie es im Rolling Stone hieß, » sehr viel weniger Mist gebaut als alle anderen Rockstars «.
Doch mit Ende fünfzig geriet sein Leben aus den Fugen. Nach langem Kampf gegen den Brustkrebs starb Linda 1998. Vier Jahre später heiratete er das ehemalige Fotomodell Heather Mills, eine kämpferische Wohltätigkeitsaktivistin, offensichtlich sehr zum Entsetzen seiner Kinder ; sechs Jahre nach der Heirat ließen sich die beiden scheiden und lieferten sich, vermittelt durch die Boulevardpresse, eine Schlammschlacht, die alles selbst in der Popwelt bisher Dagewesene an Abscheulichkeit noch übertraf. Zum ersten Mal war es ein gutes Gefühl, nicht Paul McCart­ney zu sein.
Seit Yoko mich nach Johns Tod ins Dakota Building einge­laden hatte, durfte ich noch mehrere Exklusivinterviews mit ihr führen. 2003 trafen wir uns in Paris, und sie erklärte sich bereit, mich bei ­einer ersten umfassenden Lennon-Biografie zu unterstützen. Selbst ohne meine belastende Vorgeschichte mit McCart­ney hätte ich nicht mit Input von ihm gerechnet. Trotz öffentlicher Solidaritätsbekundungen herrschte zwischen ihm und Johns Witwe noch immer Eiszeit, wenn es um Themen wie die Reihenfolge der Urhebernamen bei den Lennon-McCart­ney-Songs oder Lennons Tantiemen an Pauls » Yesterday « ging. Wenn ich Yoko auf meiner Seite hatte, musste dies sicherlich bedeuten, dass er gegen mich war.
Dennoch hielt ich es für zumindest anständig, ihm über seinen damaligen Pressesprecher Geoff Baker eine Nachricht zukommen zu lassen und ihm mitzuteilen, dass ich eine Biografie über John schreiben wolle und sie keinesfalls » anti McCart­ney « ausfallen würde. Zwei Wochen später klingelte das Telefon in meinem Büro, und eine bekannte Stimme sagte mit Liverpooler Akzent : » Hallo … hier ist Paul. « Ich wünschte, ich hätte den Mumm besessen zu fragen : » Welcher Paul ? «
Mein erstauntes Schweigen schien ihm ein leises Schmunzeln zu entlocken. » Sie hätten wohl nicht geglaubt, jemals von mir zu hören, oder ? «
Er meinte, er rufe aus Neugierde an, wolle wissen, » wie dieser Typ so ist, der mich anscheinend nicht ausstehen kann «. Schließlich unterhielten wir uns ungefähr fünfzehn Minuten lang, aber es war kein Gespräch zwischen einem Journalisten und dem größten Popstar der Welt. Ich hoffte nicht, dass er mir bei meiner Lennon-Biografie helfen würde, wandte also nichts von der Hinterlist an, mit der Journalisten Prominenten Zitate entlocken. Ich redete auf Augen­höhe mit ihm, ohne Ehrerbietung, aber mit wachsendem Respekt. Megastars müssen Unangenehmes oder Schwieriges nicht selbst erledigen, wenn sie nicht wollen, und trotzdem hatte er höchstpersönlich zum ­Hörer gegriffen.
Als ich sagte, ich würde nicht davon ausgehen, dass er mir ein Inter­view für mein Lennon-Buch geben würde, widersprach er nicht. » Am Ende sieht es so aus, als wollte ich dich dafür belohnen, dass du schlecht über mich schreibst. « Allerdings gebe es bestimmte Fragen, die nur er beantworten könne, sagte ich, ob er dies zumindest per E-Mail tun wolle ?
» Okay «, antwortete er.
Wie ich seit 1965 in der Garderobe der Newcastle City Hall wusste, bedeutete das » Ja « eines Beatle nicht immer ein Ja. In diesem Fall aber doch. Ich mailte Pauls Assistentin Holly Dearden meine Fragen, und prompt kamen die diktierten Antworten zurück, von der Länge her variierend zwischen einem halben Dutzend Wörtern bis zu mehreren Hundert.
Mit einigen klärte er ganz entscheidende Fragen bezüglich der Anfangsjahre der Beatles. So wurde behauptet, er sei in Hamburg der einzige Augenzeuge gewesen, als der betrunkene John im Pillenrausch dem Bassisten Stu Sutcliffe einen Tritt an den Kopf verpasst habe, was als möglicher Auslöser seiner späteren tödlichen Hirnblutungen galt. Nein, an einen solchen Vorfall könne er sich nicht erinnern. Andere, weniger aufsehenerregende Fragen waren nicht weniger aufschlussreich. Ob es stimme, fragte ich, dass der Linkshänder Paul, als sie anfingen, gemeinsam Songs zu schreiben, Johns Rechtshändergitarre spielen konnte und umgekehrt ? Wenn das zutraf, dann war dies das perfekte Sinnbild für die kreative Symbiose der beiden ansonsten vollkommen unterschiedlichen Charaktere, die auf diese Weise in der Lage waren, einen Song zu Ende zu schreiben, den der andere begonnen hatte.
Das stimme, erwiderte er.
Im Juni 2012 sah ich den Auftritt des inzwischen siebzigjährigen Sir Paul als Headliner im Buckingham Palace anlässlich des diamantenen Thronjubiläums der Königin neben anderen in den Adelsstand erhobenen Popmusikern wie Sir Elton John, Sir Cliff Richard und Sir Tom Jones. Er trug eine dunkelblaue Militär­jacke, eine sachlich-schlichte Version des Sergeant-Pepper-Kostüms, und spielte immer noch seinen » geizig « erstandenen Höfner-Violin-Bass. Johns » Imagine « mochte der inzwischen weltweit beliebteste nichtreligiöse Choral sein, aber Pauls » Hey Jude « war inzwischen so etwas wie eine alternative Nationalhymne geworden. Zwei Monate später, erneut in Anwesenheit der Königin, bestritt er mit » Hey Jude « das ­Finale der 27 Millionen Pfund teuren Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London. Abgesehen von der funkelnden kleinen Frau in der königlichen Loge gab es kein anderes Nationalheiligtum, das die Briten der Welt lieber präsentiert hätten.
In einem solchen Ausmaß verehrt und geliebt zu werden bringt allerdings auch etwas mit sich, das man als Fluch der Vergangenheit bezeichnen könnte. Die Trennung der Beatles liegt jetzt mehr Jahre zurück, als John Lennon überhaupt lebte, ihre aktive Zeit entspricht gerade mal einem Fünftel von McCart­neys Biografie. Doch all seine Soloerfolge haben nichts an der allgemeinen Ansicht geändert, dass er sich künstlerisch mit Anfang zwanzig, als John ihm noch über die Schulter schaute, auf dem Höhepunkt befand ; und dass es niemals wieder einen Paul-McCart­ney-Song geben würde, der an » Yesterday «, » Penny Lane « oder auch nur » When I’m Sixty-Four « herankommen würde.
Viele Geringere, die in dem von Lennon und McCart­ney ausgelösten Songwriting-Boom zu Ruhm und Ehren kamen, sind damit zufrieden, sich im Glanz vergangener Hits zu sonnen – nicht aber McCart­ney. Obwohl die Liste seiner Songs ungefähr den Werken Shakespeares in der Popmusik entspricht, verspürt er, wie ein blutiger Anfänger, noch immer den Drang, sich stets aufs Neue zu be­weisen. Bewunderung zu erfahren hat auf ihn – ähnlich wie auf so viele Größen des Rock wie Mick Jagger oder Elton John – eine Wirkung wie chinesisches Essen : Hinterher hat man immer Appe­tit auf mehr. An dem Tag, an dem er mich anrief, erwähnte er, dass er » wieder in der Abbey Road « aufnehme. Bis heute ist kein Ende der Welttournee in Sicht, auf der er sich seit mehr als fünfzehn Jahren befindet.
Die Dutzende von Büchern, die über ihn verfasst wurden, konzentrieren sich fast alle auf seine Rolle in der Geschichte der Beatles – die deren Pressesprecher Derek Taylor völlig zu Recht als eine der » größten Romanzen des zwanzigsten Jahrhunderts « bezeichnet hat – und behandeln die darauffolgenden Jahrzehnte lediglich als Nachsatz. Auch McCart­neys offizielle Biografie, Many Years from Now, verfasst von Barry Miles, folgt demselben Muster, widmet nur etwa zwanzig von insgesamt sechshundert Seiten der Zeit nach den Beatles und endet 1997, ein Jahr vor Lindas Tod.
Bislang gab es keine umfassende Biografie des größten lebenden Repräsentanten und gleichzeitig größten Nonkonformisten der Popmusik. Trotz der vielen Millionen Wörter, die über ihn geschrieben wurden, vor, während und nach den Beatles, bleiben seltsam viele Fragen offen. Der scheinbar zugänglichste aller Mega-Prominenten ist tatsächlich nur schwer zu fassen. Mithilfe seiner scheinbaren » Normalität « und » Alltäglichkeit « hat er ein Bollwerk der Privatheit um sich herum erschaffen wie sonst nur Bob Dylan. Hin und wieder gelingt es uns, hinter dem ewigen Mr Nice Guy jemanden zu entdecken, der trotz aller Preise und Auszeichnungen noch in der Lage ist, so etwas wie Frustration zu empfinden, ja sogar Un­sicher­heit – jemanden, der innerlich, wie wir auch, mit Zweifeln zu kämpfen hat. Größtenteils aber bleibt diese Seite an ihm hinter dem Lächeln und den fröhlich erhobenen Daumen verborgen.
Ende 2012 schrieb ich McCart­ney einen Brief zu Händen seines Pressesprechers Stuart Bell, in dem ich ihm mitteilte, dass ich ergänzend zu dem Band John Lennon : The Life nun auch seine Biografie zu schreiben plane. Ich ging nicht davon aus, dass er direkt mit mir sprechen wollte, denn warum sollte er die ganze Beatles-Geschichte noch einmal durchkauen ? Doch vielleicht würde er mir sein Einverständnis signalisieren, damit ich ihm Nahestehende interviewen konnte, an die ich sonst niemals herankommen würde. Ich räumte ein, dass ich vielleicht der Letzte sei, den er sich als seinen Biografen wünsche, fügte aber auch hinzu, das Lennon-Buch habe hoffentlich meine alles andere als faire Darstellung seiner Person in Shout ! wieder geradegerückt. Bell erklärte sich bereit, meine Bitte weiterzuleiten, warnte mich aber, dass die Antwort auf sich warten lassen könne, da McCart­ney sich auf Tournee in Amerika befinde. Aha, dachte ich, er will mir ausweichen …
Wenige Wochen später erhielt ich eine Antwort :

Lieber Philip,
danke für die Nachricht. Ich gebe gerne mein Einverständnis,
und vielleicht wird Stuart Bell helfen können.
Mit schönen Grüßen,
Paul

Es war die größte Überraschung meiner gesamten beruflichen Laufbahn.

Philip Norman

Über Philip Norman

Biografie

Philip Norman, Jahrgang 1943, war als Musikjournalist u.a. für die Sunday Times tätig. Sein erstes Buch, die Beatles-Biografie SHOUT!, war auf Anhieb ein Bestseller, weitere erfolgreiche Werke über John Lennon, Elton John und Mick Jagger folgten. Norman trat außerdem als Autor von Romanen und...

Pressestimmen

Hamburger Abendblatt

»Dies ist ein Buch für Kenner der McCartney-Materie und für welche, die es werden wollen, und nach seiner Lektüre mag man Yoko Ono immer noch nicht so wirklich.«

Süddeutsche Zeitung

»Gründlicher und kritischer als Philip Norman hat das Leben Paul McCartneys noch niemand erzählt.«

OWL am Sonntag

»Faktenreich und detailliert beleuchtet der Musikjournalist Philip Norman in seiner Biographie über den gebürtigen Liverpooler, wie dieser seit mehr als 50 Jahren seine Spuren in der Popgeschichte hinterlässt. (...) Nach der lohnenswerten Lektüre dürfte es schwerfallen, allein seinen einstigen Bandkollegen John Lennon als die experimentierfreudige Kraft der »Fab Four« einzuschätzen.«

schreiblust-leselust.de

»Mehr McCartney geht nicht. Auf fast 1000 Seiten liefert der Autor alles Wissenswerte über den Ex-Beatle. (...) Ein äußerst kenntnisreiches, sorgfältig recherchiertes Buch, das einem Sir James Paul McCartney in all seinen Facetten auf beinahe plastische Weise näher bringt. Man hat bisweilen das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein, und einem der begnadetsten Popmusiker über die Schulter zu blicken.«

General-Anzeiger

»Ein Buch, das man lesen muss, wenn man Beatles-Fan ist! Eine fundierte, feinfühlige Sicht auf einen der kreativsten Köpfe der Pop-Musik-Geschichte mit all seinen Höhen und Tiefen.«

literaturmarkt.info

»Philip Norman legt in ›Paul McCartney‹ mit bisher unveröffentlichten Details und kritischen Erkenntnissen die umfassende Biografie einer der größten musikalischen Legenden unserer Zeit vor. Norman gelingt aber nicht nur ein Buch über McCartneys Leben, sondern darüber hinaus über ein halbes Jahrhundert Popgeschichte. Für die vorliegende Biografie bedarf es eigentlich nur drei Worte: wow, wow, wow!«

Buch Und Ton

»Unterbrochen durch wunderbar ausgewählte Fotos wird ›Paul McCartney‹ zu einer unglaublich umfassenden und persönlichen Hommage an einen der größten Musiker aller Zeiten.«

Neue Vorarlberger Tageszeitung

»Jetzt hat Philip Norman diese hochkompetente Biografie veröffentlicht. Ein Muss!«

Die ganze Woche (A)

»Ein Muss für jeden Anhänger des Musikers.«

buchtips.net

»Norman versteht es, durchweg fundiert, sorgfältig recherchiert und mit Einfühlungsvermögen, all diese Ereignisse, die prägenden Zeiten der Person Paul McCartney, und diese (letztlich irgendwann durch den Ruhm völlig entrückt wirkende Person) dem Leser nahe zu bringen. (...) Eine hervorragende Biographie des privaten und öffentlichen Menschen gleichermaßen.«

Osnabrücker Zeitung

»Es ist eine unglaubliche Fleißarbeit: 950 Seiten lang ist die Biografie, die der britische Musikjournalist Philip Norman über das Leben des Paul McCartney geschrieben hat.«

Badische Zeitung

»Das Phänomen erklärt sich selbst. Dank Norman. Mehr McCartney ist sowieso nicht möglich.«

Freie Presse

»Der renommierte Musikjournalist Philip Norman guckt auch dann noch genau hin, wenn andere Biografen längst großzügig ihren Blick heben oder bereits komplett wegschauen. Sein monumentales Buch will nicht nur den Beatle porträtieren, sondern das gesamte Leben des ›größten lebenden Repräsentanten und gleichzeitig größten Nonkonformisten der Popmusik‹, der mehr als tausend Songs geschrieben hat, aufarbeiten.«

Gala

»Philip Norman legt eine epische Biografie vor. Minutiös trägt er alles zusammen, was Hardcorefans wissen wollen.«

Stern

»Die Biografie umfasst fast 1000 Seiten, und jede von ihnen lohnt das Lesen, weil Norman so schreibt, als säße man dicht neben Paul McCartney und mittendrin in einer großen Kulturgeschichte.«

Frankfurter Neue Presse

»Norman präsentiert nicht nur penibel die Zahlen und Fakten aus dem Leben McCartneys. Er setzt sie kenntnisreich in Beziehung, er liefert nicht nur Beschreibungen, sondern auch Erklärungen und kritische Analysen für einschneidende Ereignisse und viele Mythen.«

ffm-rock.de

»Auf über 950 Seiten erfährt man so ziemlich alles, was es über Sir Paul McCartney zu wissen gibt. Aufgrund der gründlichen Aufarbeitung der Zeit nach den Beatles können eventuell auch Fans noch etwas Neues erfahren.«

eclipsed - Rock Magazin

»Neben den wasserdichten Fakten gefällt auch Normans flüssiger Erzählstil.«

bn Bibliotheksnachrichten

»Dem Autor gelingt es dabei, das Image des stets angepassten, niedlichen Beatle zu revidieren und zeigt ihn als komplexen Charakter, der heute noch davon getrieben ist, sich stets beweisen zu wollen.«

Rosenheimer Journal

»Es wurden dutzende von Büchern über Sir Pop verfasst, aber keines liest sich wie dieses. Jede Seite ist ihr Geld wert. Das Buch ist Musik zum Lesen, mit Geschichten, in denen man lange spazieren möchte.«

SLAM alternative music magazine (A)

»Der Meister, der sich entgegen der berüchtigten ›Paul is dead‹-Theorie auch mit 75 Jahren quicklebendig und voller Tatendrang präsentiert, hat Normans Werk übrigens persönlich abgesegnet, was einer Autobiografie somit am nächsten kommt und einen weiteren Qualitätsbeweis darstellt.«

From me to You Newsletter

»Das Werk ›McCartney‹ reiht sich nahtlos ein in die herausragenden Bücher von Philip Norman, dessen klarer und detailreicher Schreibstil mich schon bei ›Shout‹ und ›John Lennon‹ begeistert hat. (...) Obwohl das Buch mit fast 1000 Seiten (einschl. 57 Abbildungen!) schon ein ›schweres Pfund‹ ist, kam bei mir beim Lesen keine Langeweile auf. (...) Ein großartiges Buch – einfach empfehlenswert!«

Kreuzer Magazin

»Differenziert, verständnisvoll.«

Inhaltsangabe

Prolog – All Our Yesterdays    

Teil eins: Stairway to Paradise
 1    » Hey Mister, für ’n Pfund zeig ich Ihnen das Haus von Paul McCart­ney «    
 2    Apfel-Sandwiches mit Zucker   
 3    » Ich lernte, mich mit einer harten Schale zu umgeben «   
 4    Puttin’ on the Style   
 5    » Wie Tag und Nacht ! «    
 6    » John schien in Pauls Gegenwart aufzuleben «    
 7    » Für wen hältst du dich eigentlich, Paul ? Tommy Steele ? «   
 8    » Hier ist es völlig irre. Die Leute schlafen nie «    
 9    » Sing › Searchin ‹, Paul ! «    
10    » Oh, Vi, kämm mir die Beine «   
11    » Stell dir vor – Little Richard hat mein Hemd an ! Ich kann’s kaum glauben ! «   

Teil zwei: Der Barnum & Bailey-Beatle
12     » Wussten Sie, dass er mit offenen Augen schläft ? «   
13     » Changing my life with a wave of her hand «  
14     » Ein langes Leben, Glück und Marzipan-Sandwiches «   
15     » Was ein Beatle abends macht «    
16     » Ein großes, ich mag große Häuser «    
17     Ein Außerirdischer landet in den Highlands    
18     Die Rückkehr der Jim Mac Jazz Band    
19     » Verantwortungsloser Idiot «   
20     » Wie es ihm gerade eingefallen war «  
21     » Ein schöner Ort, an dem schöne Menschen schöne Dinge kaufen «    
22     » Ein coup de foudre, wie die Franzosen verstohlen flüstern … «  
23     » You have found her, now go and get her «    

Teil drei: Zuhause, Familie, Liebe
24     » Du hast wieder auf dem Dach gespielt, und du weißt, dass deine Mama das nicht mag «   
25     » Scheiß aufs Geld ! «  
26     » Heul doch ! Dann kommst du in die Zeitung «   
27     » Paul ist bei uns «  
28     » Ein überwältigendes Gefühl von Leere überrollte meine Seele «    
29     » Es war fast, als würde ich eine Sünde begehen «    
30     » Mist, wir haben’s vermasselt «    
31     » Fickt euch, ich mache ein Album, auf dem ihr gerne ­gewesen wärt «    
32     » Meine alte abtrünnige Verlobte «    
33     » Mann, wenn ich Paul McCart­ney wäre, ich würde die Straße kaufen «   
34     » Sie hatten sich für ihn aufgespart «    
35     » Hey Paul, weißt du, Mull of Kintyre ? Das ist verdammt geil ! «    
36     » ­McCartneyeske Seichtigkeit angereichert mit Punk-Steroiden «  
37     Knastvogel in Japan    
38     » Das hat alle für den Rest ihres Lebens benommen gemacht «   

Teil vier: Carrying That Weight
39     » Gib mir meine Babys zurück, Lew «    
40     » Sehr nah am Antifilm «    
41     » Paul, ich hab deine Songs gekauft «   
42     » You’re such a lovely audience «    
43     » Ich arbeite mir meinen verdammten Arsch ab «    
44     » Alle wollten nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen sein, keiner der Kuchen «   
45     » Diesen Brief schreibt dir in Liebe dein Freund Paul «    
46     » Sie strahlte Hoffnung aus «    
47     » Let Me Love You Always «   

Teil fünf: Zurück in der Welt
48     Lonesome Town  
49     » Ich habe nur ein Bein verloren. Mein Herz ist mir ­geblieben «    
50    » Hey, nicht schlecht. Ist das von dir ? «    
51     » Du sagst wohl nicht viel, Paul ? «    
52     » Sie kann es sich nicht leisten, alle Zeitungen zu verklagen, die sie gerne verklagen würde «    
53     » Selbst für britische Verhältnisse außerordentlich gemein «    
54     » Frau, Mutter, Geliebte, Vertraute, Geschäfts-partnerin und Psychologin «    
55     » Da ist immer dieser Moment von › Kann ich das ? ‹ «   
Epilog – » Man sieht sich, Phil «  
Danksagung    
Bildnachweis    
Register   

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