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OpfergrubeOpfergrubeOpfergrube

Opfergrube

Kriminalroman

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Opfergrube — Inhalt

So hatte sich Hauptkommissar Steffen Horndeich seinen freien Tag am Badesee nicht vorgestellt! Direkt vor ihm hebt sich eine Leiche an die Wasseroberfläche. Horndeich und seine Kollegin Margot Hesgart gehen zunächst von einer Beziehungstat aus, doch dann zeigen sich Parallelen zu zwei früheren Mordfällen. Warum wurden den Opfern nach ihrem Tod Wunden zugefügt? Und kann es Zufall sein, dass alle drei zur selben Zeit in Darmstadt studiert haben?

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 12.11.2013
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30047-6
€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 03.07.2017
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31068-0
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 12.11.2013
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96321-3

Leseprobe zu »Opfergrube«

Prolog

»Und, meinst du, das ist die gerechte Strafe?«

Ich sitze hier in diesem dunklen Loch. Seit Tagen. Diese innere Stimme, die von den dreckigen Wänden hallt, wird jetzt auch noch philosophisch. Kaum zu ertragen.

»Quatsch. Vergiss es. Ich soll sterben, Mann. Das ist nicht gerecht. Nicht mal der amerikanische Präsident ist heute noch für Todesstrafe.«

Die Stimme säuselt wieder: »Klar. Aber ich meine – so mal rein moralisch.«

Seit ein paar Tagen ist sie da. Kommt von woher auch immer. Aber ich, ich liege in der Grube. Vielleicht fünf mal eins fünfzig [...]

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Prolog

»Und, meinst du, das ist die gerechte Strafe?«

Ich sitze hier in diesem dunklen Loch. Seit Tagen. Diese innere Stimme, die von den dreckigen Wänden hallt, wird jetzt auch noch philosophisch. Kaum zu ertragen.

»Quatsch. Vergiss es. Ich soll sterben, Mann. Das ist nicht gerecht. Nicht mal der amerikanische Präsident ist heute noch für Todesstrafe.«

Die Stimme säuselt wieder: »Klar. Aber ich meine – so mal rein moralisch.«

Seit ein paar Tagen ist sie da. Kommt von woher auch immer. Aber ich, ich liege in der Grube. Vielleicht fünf mal eins fünfzig groß, keine zwei Meter hoch. Meine Hände sind mit Plastikband gefesselt. Wenn ich mal muss, kann ich kaum meine Lage verändern. Und die Stimme, die es ja gar nicht gibt, die nur in mir drin meckert, geifert, brüllt, lamentiert – die spricht von Moral. Schlechter Witz.

Ich bin schon zu lange hier. Das hält kein Mensch aus, ohne durchzudrehen.

»Das war nicht richtig, damals!«, schreit die Stimme. Und ich würde ihr so gern eine reinhauen. Aber wie schlägt man sich selbst mit gefesselten Händen?

Mann, Mann, Mann, so langsam geht die mir echt auf den Keks. Klar, das war ein wenig too much, damals. Und? Kein Grund, jetzt hier zu liegen, oder? Wie konnte ich mich bloß selbst in so eine Situation bringen? Ich habe doch kaum was gemacht, damals. Aber das sieht man hier offensichtlich anders.

Ich höre, wie die Decke über meiner Grube einen Spaltbreit geöffnet wird. Einerseits ein gutes Geräusch, denn etwas wird gleich passieren. »Etwas ist anders. Alles, was anders ist, ist gut.« Aus dem Film Und täglich grüßt das Murmeltier. Genauso fühle ich mich auch. Nur Dunkelheit, keine Uhr. Keine Ahnung, ob es fünf Tage sind, die ich hier bin, oder fünfzehn. Aber jeder Tag ist wie der vorige. Jede Minute gleicht ihrer Vorgängerin exakt. Durch den Spalt fällt schummriges Licht, vielleicht von einer Glühbirne. Eine Flasche Wasser wird in die Grube hinuntergelassen, an einem Plastikband. Dann wieder völlige Dunkelheit.

Wieder die innere Stimme: »Das war nicht richtig, damals.«

Klar, geschenkt, war nicht richtig.

 

Mein Name ist Emil Sacher.

Und ich habe Mist gebaut. Mindestens einmal in meinem Leben so richtig fetten Mist.

Und dafür werde ich wohl mit dem Leben zahlen. Die Frage ist nur, ob ich vorher noch komplett durchdrehe.

Gerecht?

Nein.

Abwendbar?

Ebenfalls nein.

Scheiße.

 

 

Mittwoch, 20. Juni

Das Wasser war wunderbar weich. Horndeich liebte es. Seit der Hauptkommissar in Darmstadt wohnte, mochte er diese Zeit des Sommers, in der er im Badesee mitten in der Stadt schwimmen konnte. Dreimal pro Woche, so war zumindest der Plan, schwamm er eineinhalb Kilometer. Natürlich standen am Seeufer keine Schilder mit Meterangaben, aber es gab ja Google-Earth. Mithilfe des virtuellen Globus, der auf dem PC Satellitenbilder von jedem Punkt der Erde anzeigte, hatte er mehrere Strecken in dem Badesee ausgemessen, sodass er immer eine gute Orientierung über die zurückgelegte Distanz hatte. Von der Rutsche bis zum Sprungturm waren es hundertsiebzig Meter. Zog man in einem großzügigen Bogen an der im Wasser angeketteten Badeinsel vorbei, waren es sogar knapp zweihundert Meter.

Horndeich hatte an diesem Mittwoch frei, und auch die Mörder der Stadt schienen sich brav ans Sommerloch zu halten – oder waren in Urlaub.

Wegen seines alten Benz hatte sich der Vormittag zunächst anders gestaltet, als Horndeich es geplant hatte. Der Wagen war zwar angesprungen, ging dann aber wieder aus und wollte sich nicht mehr starten lassen, obwohl der Anlasser kraftvoll leierte. Hendrik, alter Freund und Autobastler, hatte den Wagen unter die Lupe genommen und nach ein paar Minuten nur ein einziges Wort gesagt: »Benzinpumpe.« Horndeich hatte gleich gewusst, was das bedeutete: viel Geld und eine lange Wartezeit. Denn sein Benz Kombi war Baujahr 1965, mit Flossen, dunkelrot, perfekt restauriert – anscheinend bis auf die Benzinpumpe. Hendrik hatte den Benz samt Horndeich zum Schrauber seines Vertrauens in die Heidelberger Straße geschleppt. Dann hatte Horndeich sich einen Leihwagen besorgt, Golf Kombi. Der würde es für ein paar Tage tun müssen.

Erst eine Stunde danach war er mit seiner kleinen Familie am Badesee angekommen. Horndeichs Frau Sandra lag im Schatten der Bäume auf der Woogsinsel, jener Oase am Rande des Sees, knapp halb so groß wie ein Fußballfeld. Auch seine Tochter Stefanie war mit von der Partie. Da die aber gerade erst ihren ersten Geburtstag gefeiert hatte, schwamm sie noch nicht. Doch die Vorteile von wasserdichten Windeln hatte auch Horndeich schon zu schätzen gelernt. Wobei er bis vor wenigen Wochen noch gar nicht gewusst hatte, dass es tatsächlich Windeln gab, die auch das Eindringen von Wasser verhinderten.

Der Badesee hatte den großen Vorteil, dass Horndeich die Bahnen nicht mit verkappten Kampfschwimmern oder schwimmenden Kaffeekränzchen teilen musste. Das Einzige, was das Schwimmen beeinträchtigte, waren ab und an irgendwelche Wassergräser, die seine Beine streiften. Und die Dinger wuchsen schneller, als man sie abschneiden konnte.

Viele Darmstädter verschmähten den See, weil das Wasser wegen der vielen Schwebstoffe nicht glasklar war. Dabei sorgte der Darmbach für einen steten Frischwasserzulauf. Und auch die regelmäßigen Wasserproben zeugten durchgehend von guter Wasserqualität.

Im Nichtschwimmerbereich planschten sicher hundert Leute. Horndeich war froh, dass er der Masse entschwommen war.

Er versuchte, das Tempo etwas zu erhöhen, und erreichte die Badeinsel, die rechts von ihm mit Ketten an dem für sie bestimmten Ort gehalten wurde. Die Stadt hatte sie erst in diesem Jahr zu Wasser gelassen. Auf den knapp vierzig Quadratmetern sonnten sich zahlreiche Badegäste. Ein Pärchen am Rand knutschte ziemlich ungeniert.

Horndeich hob den Kopf aus dem Wasser, sog die Luft ein, tauchte unter, die Arme verdrängten das Wasser, er glitt nach vorn, die Beine stießen sich im Wasser ab, der nächste Atemzug stand an.

Da erkannte Horndeich, dass in einiger Entfernung vor ihm etwas im Wasser trieb. Ein Fisch?

Er lenkte die Schwimmbewegungen ein wenig nach rechts, zog die Arme durch, tauchte wieder auf.

Ein verdammt großer Fisch. Dann hörte er bereits das Schreien von der Badeinsel, die inzwischen hinter ihm lag. Mindestens dreistimmig. Zwei Frauen, ein Mann.

Horndeich schaute auf den Körper vor sich im Wasser. Er paddelte jetzt auf der Stelle. Das war kein Fisch. Ganz sicher nicht. Das, was da vor ihm im Wasser lag, war ein menschlicher Körper. Und definitiv ein toter menschlicher Körper.

Oh nein, dachte er. Dann wendete er. Kurz überlegte er, auf die Badeinsel zuzusteuern. Doch dann drehte er bei. Hundertzwanzig Meter entfernt am Ufer warteten seine Frau und seine Tochter. Und sein Handy.

Jetzt kraulte er. So schnell er konnte.

 

Eine Dreiviertelstunde später war die Woogsinsel komplett geräumt. Die Spurensicherung suchte bereits das Ufer ab, Taucher der Bereitschaftspolizei untersuchten den Grund des Sees. Die Kollegen von der Schutz- und Bereitschaftspolizei nahmen die Personalien der Badegäste auf, die jetzt auf der hinter der Woogsinsel liegenden Wiese standen und darauf warteten, nacheinander das Gelände verlassen zu dürfen.

Mit einem Boot hatten die Jungs der Bereitschaftspolizei zuerst die Badegäste, die nicht bereits selbst ans Ufer geschwommen waren, von der kleinen Badeinsel zur Woogsinsel gefahren. Danach hatten sie die Leiche an Land gebracht und auf der Woogsinsel abgelegt. Über der Leiche war inzwischen ein Zelt aufgebaut, nicht zuletzt, um Neugierigen das Gaffen unmöglich zu machen.

Bevor die Bereitschaftspolizei eingetroffen war – von ihrem Stützpunkt in Mainz-Kastel aus hatten die auch knapp eine halbe Stunde gebraucht –, war die Leiche ungeschützt im Wasser getrieben. Kurz hatte Horndeich erwogen, den Ekel zu unterdrücken und sie eigenhändig an Land zu ziehen. Doch er wollte auf keinen Fall eventuelle Spuren vernichten oder verunreinigen. Also hatte er mit all den anderen auf die Einsatzbusse und Gerätschaftswagen der Mainzer Kollegen gewartet.

Es hatte eine Viertelstunde gedauert, bis die Kollegen der Schutzpolizei das ganze Gelände um den See, inklusive der Fußwege, abgesperrt hatten. Vorher hatte Horndeich ungläubig beobachtet, wie sich auf dem Fußweg Menschentrauben bildeten, die den im Wasser treibenden Körper mit ihren Handys ablichteten. Er hatte auch die eine oder andere Spiegelreflexkamera mit Monster-Tele gesichtet. Einer der Meisterfotografen war sogar auf einen Baum geklettert, um freie Sicht zu haben.

»Was haben wir hier?«, fragte Margot Hesgart. Steffen Horndeichs zehn Jahre ältere Vorgesetzte und Partnerin war inzwischen auch eingetroffen. Sie trug bereits einen weißen Schutzanzug sowie blaue Plastiküberschuhe. Wieder einmal fiel Horndeich auf, dass sie in den vergangenen Wochen sicher zehn Kilo abgenommen hatte. Da Margot nie dick gewesen war, erreichte sie allmählich die Grenze jenseits eines gesunden Body-Mass-Index.

Horndeich trug die gleiche Verkleidung, die seine Shorts und das kurzärmelige Hemd verdeckte. Sandra war mit Stefanie und den anderen Badegästen bereits gegangen. Seine Frau hatte einmal ebenfalls zur Mordkommission Darmstadt gezählt, bevor sie zum Landeskriminalamt nach Wiesbaden gewechselt war. Aber momentan war sie ohnehin in Elternzeit.

»Leiche. Männlich. Nackt. Gefesselt«, erklärte Horndeich seiner Kollegin. Gemeinsam mit Margot betrat er das Zelt. Margot schaute auf den nackten Körper des Mannes. Die Leiche war aufgedunsen, und die Farbe des Körpers war alles andere als appetitlich. Der Körper lag auf der Seite. Ihn auf den Rücken zu legen wäre nicht möglich gewesen. Der Grund war offensichtlich: Beide Hände und beide Füße waren aneinandergefesselt, hinter dem Rücken.

Horndeich sah wieder auf den Mann auf dem Boden. Gruselig, der Gedanke, so ertrinken zu müssen.

Margot ging in die Hocke, betrachtete das Gesicht. »Könnte er es sein?«, fragte sie.

Horndeich wusste, wovon sie sprach. Vor drei Wochen war ein Hochschullehrer aus Darmstadt spurlos verschwunden. In dieser Haltung konnte Horndeich schlecht die Größe schätzen, doch die Eckdaten stimmten: vierzig Jahre alt, dunkles, kurzes Haar, athletischer Körperbau, trainiert, keine Blinddarmnarbe, auch sonst keine Narben oder unveränderliche Kennzeichen – der Mann vor ihnen war ein guter Kandidat.

Ein weiterer Mann betrat das Zelt: Dr. Martin Hinrich, der Gerichtsmediziner aus Frankfurt. Auch er trug die Spurenvermeidungsuniform.

»Na, was haben wir denn da?«, fragte er, offenbar bester Laune.

»Männliche Wasserleiche. Nackt. Gefesselt«, sagte Margot.

Horndeich wusste, wie das mit den Wasserleichen war. Natürlich war ein menschlicher Körper schwerer als Wasser, im Leben wie im Tod. Deshalb sank er zunächst ab, auf den Grund des Gewässers. Nach geraumer Zeit bildeten die Bakterien im Körper Gase, wenn sie den Körper zersetzten. Und dann stieg der Körper wieder auf. Quod erat demonstrandum.

Horndeich erinnerte sich, dass das bei fünf Grad kaltem Wasser nach rund zwei Wochen der Fall war. Doch der Sommer hatte Darmstadt seit vierzehn Tagen fest im Griff; das Wasser im Woog hatte inzwischen an der Oberfläche fast fünfundzwanzig Grad. Und da der See an den tiefsten Stellen nur vier Meter tief war, waren die unteren Wasserschichten wohl auch nicht mehr eiskalt. Was den Verwesungsprozess und damit den Auftrieb beschleunigt haben durfte.

»Und? Auf den ersten Blick eine Idee zur Todesursache?«, fragte Margot.

Steilvorlage für den Gerichtsmediziner: »Bewegungsmangel.«

»Mein Gott, Hinrich, können Sie nicht einmal ein wenig Respekt vor den Toten zeigen?«, blaffte Margot lauter als sonst.

Was Hinrich dazu veranlasste, aus der Hocke heraus zu ihr aufzuschauen. »Bin ich Hellseher, werte Kollegin? Nein. Ich muss den toten Herrn erst mal mit nach Frankfurt nehmen. Auf den Tisch legen. Entfesseln. Und dann untersuchen. Und das möglichst flott, denn wenn der hier noch ein paar Stunden in der Hitze fault, kann ich ihn gleich ins Jeffersonian schicken.«

Margot hob eine Augenbraue, und Horndeich konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Wohin?«, fragte sie.

Horndeich antwortete: »Bones. Die Knochenjägerin. Fernsehserie. Sie ist forensische Anthropologin. Ihr Institut heißt Jeffersonian. Die schaut immer nur auf die Knochen, wenn das Fleisch schon nicht mehr dran ist.« Seit geraumer Zeit waren er und seine Frau Sandra zu Serien-Junkies geworden. Kleine Filmhäppchen, passend für die knappe Pause zwischen Tochter füttern und Tochter wickeln.

»Schon gut«, antwortete Margot.

»Ich sehe keinen typischen Schaumpilz. Aber wenn er einige Tage unter Wasser lag, dann ist das kein Wunder. Schaumpilz vor dem Mund hätte eindeutig auf Ertrinken schließen lassen.«

Hinrich ging in die Hocke. Dann nahm er die nötigen Utensilien aus dem Koffer und untersuchte die Leiche von Kopf bis Fuß. Margot und Horndeich standen schweigend daneben.

»Ich kann noch nicht sagen, ob das die Todesursache war, aber er hat einen Schlag auf den Kopf bekommen.« Hinrich wandte sich dem Team zu, wobei er mit der Hand das Kopfhaar des Toten etwas zur Seite hielt.

»Wann können Sie uns Genaueres sagen?«

»Frau Hesgart, Sie kennen mich doch inzwischen gut genug, um sich diese Frage selbst beantworten zu können. Ich pfeife auf den Feierabend, meine Freundin wird mir einen langen Vortrag über die Work-Life-Balance halten. Und dennoch werde ich mir die Leiche gleich zur Brust nehmen. Und schwuppdiwupp haben Sie morgen schon die ersten Ergebnisse.«

Hinrich drehte den Toten über den Bauch auf die linke Seite. Alle drei Augenpaare richteten sich auf die rechte Gesäßhälfte. Dort war ein Tattoo zu erkennen, etwa von der Größe eines Zwei-Euro-Stückes. Es zeigte ein japanisches oder chinesisches Schriftzeichen.

Margot sah zu Horndeich: »Die Frau von Emil Sacher hat nichts von einer Tätowierung gesagt.« Sie nahm ihre kleine Digitalkamera und lichtete das Tattoo ab.

»Ja. Keine Narben, keine Tattoos, keine Piercings, da war sie sich sicher gewesen.«

»Also doch nicht Emil Sacher? Wer denn dann?«

Die drei traten aus dem Zelt. In diesem Moment fuhr ein Leichenwagen von der Einfahrt unweit des Eingangs in Richtung Liegewiese heran. Als ob die Situation nicht eh schon grotesk genug gewirkt hätte, schien der Wagen der Bestatter deutlich älter zu sein als das Opfer. Ein Mercedes Kombi – die Flossenvariante 220B, der gleiche Wagen, den auch Horndeich fuhr. Nur war seiner rot und nicht schwarz. Und seiner hatte keine Milchglasscheiben am Heck.

Die Bestatter zogen sich ebenfalls Schutzkleidung an, dann rollten sie eine Trage über das Brückchen von der Liegewiese auf die Woogsinsel.

»Fahrt ihr jetzt in retro?«, konnte sich Horndeich nicht zu fragen verkneifen.

Einer der Bestatter grinste verhalten. »Normalerweise nicht. Aber alle anderen Wagen sind unterwegs.« Er schaute in den Himmel, wo sich erste Wolken zeigten. »Liegt wohl an der schwülen Hitze. Zum Glück hat der Chef das gute Stück restaurieren lassen«, meinte er. Dann verschwand er mit dem Kollegen im Zelt.

Horndeichs Blick wanderte über die Karosse. Perfekt restauriert, so sah es auf den ersten Blick aus. Dann schaute auch er nach oben. Würde heute wohl noch ein Gewitter geben.

Wenig später rollte die Trage mit gefüllter Bergungshülle wieder in Richtung des Leichenwagens.

»Kommen Sie mit nach Frankfurt?«, fragte Hinrich Horndeich.

Der zuckte mit den Schultern. Der Tag konnte kaum mehr schlimmer werden. »Aber ich darf mich vorher noch umziehen, ja?«

Michael Kibler

Über Michael Kibler

Biografie

Michael Kibler, geboren 1963 in Heilbronn, ist heute leidenschaftlicher Darmstädter. Nach Studium und Promotion arbeitet er als Texter und Schriftsteller. Seit 2005 veröffentlicht er erfolgreiche Kriminalromane um die Darmstädter Ermittler Steffen Horndeich und Margot Hesgart. Mit »Sterbenszeit« ...

Medien zu »Opfergrube«


Pressestimmen

mein südhessen

»Ein hervorragend recherchierter Krimi mit viel Lokalkolorit und in dem für ihn typisch spritzigen, manchmal bissigen Humor erzählt.«

Buchtips.net

»Kibler schreibt ausgesprochen spannend und fesselnd.«

Darmstädter Echo

»Spannende Unterhaltung garantiert«

Lakritz

»Ein Muss!«

M - Das Magazin

»Für Darmstadtliebhaber ein Muss und Garant für Spannung und rätselhafte Lesestunden.«

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