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One – Sie finden dich

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Thriller

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One – Sie finden dich — Inhalt

Er war Number One. Der beste Agent der Group 15, einer Untergrundeinheit des britischen Geheimdienstes. Doch nach zehn Jahren des Tötens hat John Milton genug – er will raus. Jetzt ist er der meistgesuchte Mann der britischen Regierung, denn niemand steigt ungestraft aus. Der russische Geheimdienst macht sich die Situation zunutze und erpresst Milton, aber was sie fordern, stellt selbst ihn vor eine Herausforderung: Er soll eine ehemalige Kollegin finden. Auch sie war einst Number One, auch sie ist untergetaucht – und mindestens so gefährlich wie Milton.

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€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 01.03.2016
Übersetzt von: Andrea Brandl
336 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97107-2

Leseprobe zu »One – Sie finden dich«

Kapitel 1

Der Transporter stand am Straßenrand geparkt; ein weißer Renault, eigens so präpariert, dass er wie ein Servicefahrzeug von Virgin Media aussah. Der Standort an der Kreuzung Upper Ground und Rennie Street war mit großer Sorgfalt ausgewählt worden, weil er perfekte Sicht auf die Oxo Tower Brasserie in South Bank bot. Auch die Innenausstattung war eine Spezialanfertigung: Entlang der rechten Fahrzeugseite war eine Steuerkonsole mit Monitoren eingebaut worden, auf denen die Bilder der auf dem Dach montierten Lowlight-Kamera zu sehen waren. Ein [...]

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Kapitel 1

Der Transporter stand am Straßenrand geparkt; ein weißer Renault, eigens so präpariert, dass er wie ein Servicefahrzeug von Virgin Media aussah. Der Standort an der Kreuzung Upper Ground und Rennie Street war mit großer Sorgfalt ausgewählt worden, weil er perfekte Sicht auf die Oxo Tower Brasserie in South Bank bot. Auch die Innenausstattung war eine Spezialanfertigung: Entlang der rechten Fahrzeugseite war eine Steuerkonsole mit Monitoren eingebaut worden, auf denen die Bilder der auf dem Dach montierten Lowlight-Kamera zu sehen waren. Ein 360-Grad-Periskop konnte nach Bedarf ausgefahren und versenkt werden, außerdem gab es diverse Aufnahmegeräte, eine Dualband-Radioantenne und einen Mikrowellenempfänger. Der einzige Nachteil bestand darin, dass ziemlich wenig Platz für die beiden Männer blieb. Doch der Techniker hatte sich innerhalb kürzester Zeit an die beengten Verhältnisse gewöhnt. Er drehte an einem der Knöpfe und schaltete auf eine andere Kameraeinstellung um. Zwei Wochen zuvor hatten sie eine Huckepack-Software auf das Überwachungssystem der Botschaft installiert, die ihm nun ungehinderten Zugriff sowohl auf alle Einzelaufnahmen als auch auf diverse extern angebrachte Kameras bot, die sie ebenfalls geknackt hatten. Der Monitor flackerte kurz, dann erschien die Aufzeichnung der Gebäudeüberwachungskamera mit dem Mercedes S 280, den der Chauffeur dort geparkt hatte. Ansonsten war nichts zu erkennen. Der zweite Mann saß neben dem Techniker und verfolgte aufmerksam das Geschehen. Er war angespannt. Und er wusste, dass man es ihm anmerkte. »Kamera wechseln«, befahl er knapp. »Wieder nach drinnen.« Der Techniker schaltete auf eine Kamera im Inneren des Restaurants um, wo die beiden Zielpersonen immer noch beim Dessert saßen. Zielperson 1 saß zwar von der Kamera abgewandt, trotzdem war sie klar und deutlich zu erkennen; Zielperson 2 drehte eine unangezündete Zigarette zwischen den Fingern. Das Abendessen schien sich dem Ende zuzuneigen. Bald würden die Zielpersonen aufstehen und das Restaurant verlassen. »Group«, sagte der zweite Mann in sein Headset-Mikro. »Control hier. Signalcheck.« »Verstanden, Control. Hier ist One. Stärke zehn.« »Eight. Ebenfalls zehn.« »Twelve. Bestätige.« »Ten. Stärke zehn.« »Eleven, hier auch. Stärke zehn.« »Five. Ebenfalls.« »Eleven, was sehen Sie ?« Der Agent mit dem Codenamen Eleven stand an der Bar und vertrieb sich die vermeintliche Wartezeit auf seinen Tisch mit einem Drink. Sein richtiger Name war Duffy, und er hatte bis vor Kurzem beim Special Boat Service gedient, der maritimen Spezialeinheit der britischen Streitkräfte. Control sah ihn auf dem Monitor und beobachtete, wie er dem Paar den Rücken zukehrte und den Mund mit einer Hand bedeckte. »Sie sind gleich fertig«, sagte er knapp in das unauffällig unter dem Verschluss seiner Armbanduhr angebrachte Mikrofon. »Der Kellner hat gefragt, ob sie noch Kaffee möchten, aber sie haben abgelehnt. Wird nicht mehr lange dauern.« Zufrieden lehnte Control sich auf seinem Stuhl zurück. Nur sehr wenige Menschen kannten seinen richtigen Namen. Er war wie üblich gut gekleidet, trug ein hellblaues Hemd und Hosenträger mit geschmackvollem Tüpfelmuster. Abwesend tippte er sich mit seiner Brille gegen die Lippen. Zwar leitete er die sogenannte Group Fifteen seit mehreren Monaten, doch dies war die erste Operation, die er direkt vor Ort mitverfolgte. Normalerweise war er eher der Schreibtischtäter und zog am liebsten im Hintergrund die Fäden. Der Marionettenspieler, sozusagen. Doch diese Operation war eine persönliche Angelegenheit, deshalb hatte er diesmal näher am Geschehen sein wollen. Am liebsten hätte er Pulverdampf gerochen oder noch lieber sogar selbst abgedrückt. Aber zuzusehen wäre ein Ersatz, mit dem er sich arrangieren konnte. Es war ein teures, exklusives Restaurant mit Panoramaglasfront, durch die sich eine atemberaubende Aussicht auf den Fluss bot, und einer weitläufigen Terrasse. Control wusste von mehreren eigenen Besuchen, dass auch die Küche erstklassig war. Sonnenstrahlen fingen sich in der Uhr am Handgelenk von Zielperson 1 und in ihren Brillantohrringen, für die sie ein Vermögen hingeblättert haben musste. Control spürte, wie seine Wut größer wurde. Er hatte sie über einen gemeinsamen iranischen Freund kennengelernt. Alexandra Kyznetsow: Mit diesem Namen hatte sie sich vorgestellt, doch in Wahrheit hieß sie Anastasia Iwanowna Semenko, und sie war auch nicht in der Waffenindustrie tätig, sondern stand auf der Gehaltsliste des russischen Geheimdiensts. Sie war Anfang vierzig, sah allerdings aufgrund zahlreicher Schönheitsoperationen locker fünfzehn Jahre jünger aus. Eine sehr attraktive Frau, hatte Control gedacht und sich bei ihren Begegnungen nur allzu gern auf ihre Flirtversuche eingelassen. Jetzt jedoch machte das ihren Verrat nur noch schlimmer. Control starrte auf den Monitor und ließ die vergangenen drei Tage mit all ihrer Hektik noch einmal Revue passieren. Leider war ihm nicht mehr Zeit geblieben, um die Operation vorzubereiten – hoffnungslos wenig Vorlauf für eine so heikle Angelegenheit, doch in ihrer Rolle als Geschäftsfrau jettete Semenko ständig in der ganzen Welt herum, was es nahezu unmöglich machte, ihr auf den Fersen zu bleiben; nicht zuletzt, weil sie gern aus einer Laune heraus kurzfristig ihre Reisepläne änderte. Gerade erst war sie von einer Geschäftsreise nach Saudi-Arabien zurückgekehrt. Control hatte erst grünes Licht für die Operation gegeben, als bestätigt worden war, dass sie vor ihrem Weiterflug nach Moskau einen Zwischenstopp in London einlegen würde. Erst da war das Team zusammengetrommelt und gebrieft worden. Nichtsdestotrotz war Control im Großen und Ganzen zufrieden mit dem geplanten Ablauf; besser ging es in der Kürze der Zeit eben nicht. Zielperson 2 lachte über etwas, das Semenko gesagt hatte. Control richtete seine Aufmerksamkeit auf ihn: Er hatte sich als Andrei Dragunow vorgestellt, aber auch das war eine Lüge. In Wahrheit hieß der Mann Pascha Schtscherbatow und war ebenfalls Russe; er war in mittleren Jahren und war lange beim KGB gewesen, ein Geheimagent wie aus dem Bilderbuch. Nach dem Fall der Mauer hatte er innerhalb der SWR, der Nachfolgeorganisation seines einstigen Arbeitgebers, zusehends an Einfluss gewonnen und galt inzwischen als wichtiger Drahtzieher. Ein würdiger Gegner, so viel stand fest. Semenko schüttelte dem Oberkellner strahlend die Hand, dann standen die beiden auf, legten Trinkgeld auf den Tisch und machten sich auf den Weg in den Eingangsbereich. »DOLLAR und SNOW brechen auf«, meldete Control. »Bereit machen.« Schtscherbatows Handy schien zu klingeln, denn er blieb stehen und hob es ans Ohr, während Semenko auf ihn wartete. Wie gebannt starrte Control auf das Bildmaterial und versuchte, die Lippen des Russen zu lesen, doch er stand in einem ungünstigen Winkel, außerdem war die Aufnahme zu grobkörnig, um etwas erkennen zu können. Schließlich lächelte Schtscherbatow breit, steckte sein Telefon ein und sagte etwas zu Semenko. Control konnte nur hoffen, dass sich ihre Pläne nicht geändert hatten. Das würde einige Verwirrung stiften. »Control an One und Twelve«, sagte er in sein Mikro. »Sie machen sich auf den Weg.« »One an Control. Verstanden.« Control sah zu, wie Semenko und Schtscherbatow sich dem Ausgang näherten und aus dem Sichtfeld der Kamera verschwanden. »Dranbleiben«, befahl Control, woraufhin der Techniker ein paar Tasten betätigte und auf eine andere Kamera wechselte – sie zeigte den Aufzug, den die beiden Zielpersonen gemeinsam betraten. Schtscherbatow drückte den Knopf fürs Erdgeschoss. Die Kamera wackelte leicht, als sich der Lift in Bewegung setzte. »Zielpersonen befinden sich im Aufzug«, meldete Control. »One und Twelve in Position.« »One an Control. Bereit.« Der Techniker drehte sich auf seinem Stuhl herum und holte ein weiteres Bild auf einen der Monitore – ein weitwinkliger Blick auf die Straße vor dem Restaurant. Control erkannte Semenkos Chauffeur, einen großen, bulligen Kerl mit Halbglatze. Sie wussten, dass er früher der Spetsnaz angehört hatte, einer Spezialeinheit des russischen militärischen Nachrichtendienstes, und zweifellos bewaffnet war. Er trug einen dunklen Anzug, ein Hemd, dessen oberster Knopf geöffnet war, und eine rahmenlose Brille. Control sah, wie er sich aus dem Schatten löste, seine Zigarette auf den Boden fallen ließ und sie mit dem Absatz austrat. Der Lift erreichte das Erdgeschoss, die Türen glitten auf. Semenko trat als Erste heraus und ging mit entschlossenen Schritten auf den Mercedes zu, dicht gefolgt von Schtscherbatow, der schon wieder telefonierte. Der Chauffeur hielt den beiden die hintere Tür auf und wartete, bis sie eingestiegen waren, ehe er um den Wagen herumging und sich hinters Steuer setzte. Er ließ den Motor an. Control sah die Abgaswolke aus dem Auspuff aufsteigen. Der Mercedes setzte zurück, wendete, dann fuhr er zügig los. »Es geht los«, sagte Control.

 

Kapitel 2

Beatrix Rose fuhr auf ihrer Kawasaki die Rennie Street entlang und spürte die kühle Luft, die durch das offene Visier wehte. Sie registrierte den Adrenalinschub, der sich wie gewohnt bemerkbar machte, sobald eine Operation in die entscheidende Phase ging. Sie hatte jahrelange Erfahrung als Agentin und war zu professionell, um zuzulassen, dass die Erregung ein Ausmaß erreichte, das sie bei ihrem Einsatz behindern könnte. Über ihr Headset lauschte sie den Funksprüchen, den detaillierten Beschreibungen, als sich der Mercedes vom Straßenrand löste und in Richtung Upper Ground fuhr. Sie hatte sich diesen Teil Londons genau eingeprägt – zuerst mithilfe eines Stadtplans, gefolgt von einer dreistündigen Erkundungsfahrt am Morgen, um die Details in ihrem Gedächtnis zu verankern. Sie fühlte sich perfekt vorbereitet. »Sie biegen nach Osten ab, Richtung Brücke«, sagte Control. Direkt neben ihr befand sich ein zweites Motorrad, dessen Fahrer trotz seiner Zeit in der Armee und beim SAS nervös war. Er hatte eine beeindruckende Laufbahn vorzuweisen, darunter eine Mission hinter den feindlichen Linien im Golfkrieg. Doch in einem Krieg, in dem die Einsatzregeln klar formuliert und Erfolge oft öffentlich gemacht wurden, in die Schlacht zu ziehen, war eine völlig andere Hausnummer als eine inoffizielle Geheimoperation ohne Unterstützung und öffentliche Anerkennung, dafür jedoch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, geschnappt und inhaftiert zu werden oder gar noch Schlimmerem, wenn die Sache komplett danebenging. Auch der andere Agent hatte sein Visier hochgeklappt, wirkte jedoch im Gegensatz zu ihr bleich und angespannt. »Milton«, rief sie ihm zu. Er reagierte nicht. »Milton !« Er wandte sich ihr zu. »Alles klar ?« »Ja«, rief er. »Sie sehen aus, als würden Sie gleich kotzen.« »Mir geht’s gut.« »Denken Sie ans Training. Sie haben schon viel schwierigere Aufgaben bewältigt.« Er nickte. Beatrix Rose war Number One, die dienstälteste Agentin der Group. Bei ihrem Kollegen auf dem anderen Motorrad handelte es sich um John Milton, Number Twelve. Die Group bestand aus einem kleinen, handverlesenen Team mit zwölf Mitgliedern. Milton war am kürzesten dabei und hatte seinen Einsatz weitgehend ihr zu verdanken. Number Four, ein übellauniger Ire, der vor seiner Versetzung zu ihnen dem Special Boat Service angehört hatte, war sechs Monate zuvor bei einem Gefecht gegen eine Horde Al-Qaida-Sympathisanten im Jemen ums Leben gekommen. Control hatte zehn potenzielle Ersatzleute ausgesucht und es ihr überlassen, den vielversprechendsten Kandidaten auszuwählen. Sie hatte alle nacheinander in die Mangel genommen und sie beim Selektionsprozess ein Wochenende lang beobachtet, in dessen Verlauf sich die Zahl der Anwärter Stück für Stück reduziert hatte, bis nur noch Milton übrig gewesen war. Beatrix hatte schon vorher gewusst, dass es so ausgehen würde. Seine Vorgesetzten hatten ihn als erstklassigen Soldaten gelobt, tapfer und selbstlos, und ihm einen eisernen Willen und die bemerkenswerte Fähigkeit attestiert, sich mit erbarmungsloser Konsequenz auf sein Ziel zu konzentrieren. Er war ein Mann, der sich von nichts und niemandem aufhalten ließ. Und all diese Eigenschaften hatte er hinlänglich unter Beweis gestellt. Er war der vielversprechendste Rekrut, mit dem sie je zusammengearbeitet hatte, was einiges hieß. In der Zeit, seit sie als Number One fungierte, hatte sie zwei Männer und zwei Frauen geschult, die im Einsatz ums Leben gekommene Teammitglieder ersetzen sollten. Für die vier freien Stellen waren über dreihundert mögliche Kandidaten infrage gekommen, und Milton war besser als sie alle. »Da sind sie«, rief sie. Der Mercedes bog um die Ecke und fuhr in ihre Richtung. Beatrix klappte das Visier herunter und ließ den Motor aufheulen. Milton wartete, bis der Mercedes an ihnen vorbeifuhr, dann klappte er das Visier herunter und fuhr ebenfalls auf die verwaist daliegende Straße. »One an Control«, sagte Beatrix. »Ich höre, One.« »Wir nehmen die Verfolgung auf.«

 

Kapitel 3

»Control an One. Roger.« Control hatte seine Agenten mit großer Sorgfalt platziert: One und Twelve in der Rennie Street, östlich des Restaurants; Five und Eight warteten in einem zweiten Transporter in der Southwark Street, Ten hatte mit einem Motorrad an der Stamford Street Posten bezogen, für den Fall, dass sie nach Westen statt nach Osten fuhren, und Eleven befand sich im Restaurant. Er war ziemlich sicher, dass damit alle Eventualitäten abgedeckt sein sollten. Der Fahrer des Transporters ließ den Motor an und fädelte sich in nördliche Richtung in den Verkehr ein. Der Mercedes befand sich außer Sichtweite, doch One hielt sie ständig auf dem Laufenden, und ihm zu folgen, war ein Kinderspiel. Control drehte seinen Ehering am linken Ringfinger hin und her. Er war immer noch nervös, auch wenn die Vorbereitungen zu seiner Zufriedenheit über die Bühne gegangen waren. Alles musste perfekt laufen. Die Operation war absolut inoffiziell. Normalerweise bekamen sie die Akten mit sämtlichen Informationen über ihre Zielpersonen vom MI5 oder MI6, hier jedoch war dies nicht der Fall. Keine der beiden Geheimdienstsektionen hatte die Operation angeordnet, folglich stünde er noch mehr im Regen als sonst, falls etwas schieflief. Und damit nicht genug: Die Operation war nicht nur inoffiziell – wie alles, was sie taten –, sondern auch noch eine persönliche Angelegenheit. Bloß wusste das keiner der Agenten. Er hatte sie alle hinters Licht geführt. »Control an One. Bericht.« »Ziel steht an der Kreuzung Blackfriars Bridge.« Control kannte den Terminplan des restlichen Tages. Semenko und Schtscherbatow waren unterwegs zu einem Meeting. Und zwar mit ihm. Zumindest dachten sie das. Allerdings hatte Control nicht die leiseste Absicht, diesen Termin wahrzunehmen.

 

Kapitel 4

Der Mercedes beschleunigte, als er auf die Blackfriars Bridge zusteuerte, und scherte in eine Lücke im Verkehr ein. Beatrix drehte den Gasgriff, um die Distanz zwischen ihnen nicht größer werden zu lassen. Laut Akte hatte die Frau, die sie als DOLLAR kannte, einen Termin mit einer Kontaktperson am Victoria Embankment. Offenbar waren die Informationen korrekt. Beatrix folgte dem Wagen in fünfzig bis hundert Metern Abstand, Milton war rund zwanzig Meter hinter ihr. »Nördliches Ende der Brücke … biegen ab auf Victoria Embankment … weiter in westliche Richtung, vorbei am Blackfriars Pier … gleich sind wir an der Waterloo Bridge und fahren weiter Richtung Süden«, meldete sie, als sie dem Fahrzeug weiter folgte. Auf der Höhe der Victoria Embankment Gardens geriet der Verkehr ins Stocken. Beatrix nahm das Gas nahezu vollständig weg und tauchte hinter einem Bus gegenüber der Nadel von Kleopatra ab. Sie konnte den Mercedes durch die Busfenster sehen. Im Hintergrund erhoben sich die Houses of Parliament. »One an Control. Stehen am Embankment Pier an einer Ampel.« »Verstanden«, gab Control zurück. »Sie fahren offenbar weiter in Richtung Süden.« »Alles klar.« Die Ampel wurde grün, der Verkehr setzte sich in Bewegung, während die letzten Fußgänger zum Bürgersteig hasteten. »Er fährt weiter Richtung Hungerford Bridge.« Beatrix gab erneut Gas und rauschte über die Kreuzung, um nicht in die Rotphase zu geraten. »Control an Group«, ertönte abermals Controls Stimme. »Control an Group. Die Stelle ist gut. Five ?« »In Position«, berichtete Number Five. »Five, One und Twelve. Machen Sie sich bereit. Los geht’s.« Beatrix bemerkte einen weißen Transporter, der Controls Überwachungsfahrzeug ähnelte. Er war die ganze Zeit parallel zur Whitehall gefahren, doch nun riss Number Eight, Oliver Spenser, das Steuer mitten auf der Richmond Terrace herum und blockierte den Verkehr unmittelbar vor dem Mercedes. Number Five, Lydia Chisholm, saß auf dem Beifahrersitz. Beide Agenten waren mit SA-80-Maschinenpistolen bewaffnet, doch eigentlich war nicht vorgesehen, dass sie sie benutzen mussten. Beatrix drosselte das Tempo. »One an Control. Sie halten an.« »Control an One und Twelve. Sie haben Zugriffsbefugnis. Liquidation.« Vorsichtig lenkte Beatrix die Maschine zwischen einem roten Peugeot, einem schmutzigen grauen Volvo und einem offenen Sightseeing-Doppeldecker hindurch. Der Mercedes befand sich unmittelbar vor dem Bus und steckte zwischen ihm und dem weißen Transporter fest. Beatrix bremste vollends ab und stützte die schwere Maschine mit dem rechten Bein ab, während Milton hinter ihr heranrollte. Keiner sagte etwas. Das war auch nicht nötig – in diesem Stadium der Operation agierten sie rein aus ihrem Instinkt heraus und setzten den Plan um. Beatrix ließ den Blick umherschweifen: Die innere Fahrbahn links von dem Mercedes war leer, dasselbe galt für den Bürgersteig. Dahinter erstreckte sich die Themse. So sollten zumindest keine unschuldigen Zivilisten in die Schusslinie geraten. Beatrix nahm die Hände vom Lenker, zog den Reißverschluss ihrer Lederjacke herunter und nahm die Heckler & Koch UMP von dem Riemen um ihren Hals. Dann hob sie die Waffe, stabilisierte sie mit der linken Hand am vorderen Griff, zielte auf den Mercedes und drückte ab. Die Fensterscheiben zerbarsten, Glassplitter regneten wie Brillanten auf den Asphalt herab. Milton sollte es ihr eigentlich nachtun, doch er rührte sich nicht. Beatrix registrierte es, hatte aber keine Zeit, ihm Anweisungen zu erteilen. Sie war der Inbegriff der Professionalität. Obwohl die Maschinenpistole wild in ihrer Hand ruckte, verfehlte sie ihr Ziel nicht ein einziges Mal. Sie feuerte alle dreißig Schuss des abnehmbaren Magazins ab und pumpte den Wagen voller Blei. Irgendwie gelang es dem Fahrer, einen Gang einzulegen und Gas zu geben, doch er musste getroffen worden sein, denn er schaffte es nicht, den Mercedes unter Kontrolle zu halten. Stattdessen schlitterte er geradewegs auf den Transporter zu und rammte ihn, schlingerte quer über die Fahrbahn, ehe das Heck ausbrach und der Wagen vollends ins Schleudern geriet. Er vollführte eine 180-Grad-Wendung, ehe er zwischen einem Baum und einer Straßenlaterne zum Stehen kam. Die Hupe ertönte – ein ohrenbetäubendes Jaulen, das kein Ende zu nehmen schien. Obwohl der Wagen nicht einmal zehn Meter entfernt war, konnte Beatrix ihn nicht mehr sehen. »Milton !« Sie hatte keine Munition mehr, und Milton stand am nächsten. »Milton ! Los, Bewegung !« Er saß immer noch wie angewurzelt auf seiner Maschine. In diesem Moment ging die hintere Tür auf, und SNOW fiel heraus und ging hinter dem Kotflügel in Deckung. »Milton ! SNOW haut ab !« »Hab alles im Griff«, erwiderte Milton, doch Beatrix hörte die Verunsicherung in seiner Stimme. Er bekam kalte Füße. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie ließ das leere Magazin herausspringen und schob ein frisches hinein, während sie aus dem Augenwinkel registrierte, dass er von seiner Kawasaki abgestiegen war und seine eigene Waffe zog. Beatrix klappte den Seitenständer herunter. Die Geräuschkulisse war ohrenbetäubend: Das durchdringende Jaulen der Hupe, die Touristen im Bus – die jedes Detail dessen, was gerade vorgefallen war, mitbekommen hatten – drängten sich schreiend und weinend im hinteren Teil des Oberdecks zusammen, während im Hintergrund das Heulen einer Sirene ertönte. Zu früh ? Vielleicht, gleichzeitig war es das perfekte Warnsignal: Laut Plan blieben ihnen lediglich ein paar Sekunden, ehe sie abhauen mussten. Mit gezückter Waffe trat sie zum Wagen. Sie hatte ein Blutbad angerichtet: Der Fahrer war über dem Lenkrad zusammengesackt und lag mit seinem gesamten Körpergewicht auf der plärrenden Hupe. Blut tropfte von den Resten der Windschutzscheibe, die noch im Rahmen hingen. DOLLAR hing leblos auf dem Rücksitz. Mehrere Einschusswunden zogen sich von ihrer Schulter über den Hals bis hinauf zur Schläfe. Blut und Hirnmasse klebten in ihrem Haar. Beatrix trat näher und gab zwei kurze Salven aus ihrer Maschinenpistole ab, eine auf den Fahrer, die zweite auf die Frau. Eine dünne Rauchspur stieg aus dem Lauf ihrer Waffe auf, als sie noch näher auf den Wagen zuging; sie hatte sämtliche Geräusche ringsum ausgeblendet, dennoch war ihr überdeutlich bewusst, dass die Zeit allmählich knapp wurde. Die beiden Gestalten im Mercedes rührten sich nicht mehr. Sie spähte durchs Fahrerfenster und sah einen Aktenkoffer auf dem Beifahrersitz liegen. Die Beschaffung von Informationen war eigentlich nicht vorgesehen gewesen, doch dergleichen hatte sich bei hundert anderen Einsätzen in ihr Gedächtnis eingebrannt. Instinktiv lief sie um den Wagen herum, riss die Beifahrertür auf und nahm den Koffer heraus. »Control an One«, drang die bellende Stimme durch das Ohrstück. »Bericht.« »Der Fahrer und DOLLAR sind tot.« »Was ist mit SNOW ?« »Flüchtig.« »Was ?« Sie hörte die Panik in seiner Stimme. »Ich wiederhole. SNOW ist flüchtig. Aber Twelve ist ihm auf den Fersen.«

 

Kapitel 5

Milton ließ das Motorrad stehen und rannte los. SNOW hatte bereits einen Vorsprung von gut fünfzehn Metern und befand sich auf der Höhe der Battle-of-Britain-Skulptur. Auf der anderen Uferseite drehte das London Eye seine Runden. Vor ihnen standen mehrere Reisebusse in den Parkbuchten am Straßenrand. SNOW schlängelte sich durch den Verkehr, der vorübergehend zum Stillstand gekommen war, weil das Wrack des Mercedes die gesamte Straße blockierte. Er sah sich nach seinem Verfolger um und geriet kurz ins Straucheln, dann beschleunigte er seine Schritte. Er war älter als Milton, aber offenbar gut in Form, denn er behielt sein Tempo bei, angetrieben von seiner Angst. Miltons Lederkluft war nicht unbedingt lauftauglich, und sein Helm – er traute sich nicht, ihn abzunehmen, da er nicht erkannt werden durfte – schränkte sein Sichtfeld ein. Er zog seine Sig aus dem Holster und gab einen Schuss ab, der jedoch im Seitenfenster eines der Reisebusse einschlug. Prompt steigerte SNOW sein Tempo noch ein wenig und rannte zwischen zwei Bussen hindurch, sodass Milton ihn nicht mehr sehen konnte. Er stürmte weiter, vorbei an einem Laster und einem Personenwagen und zwischen den beiden Bussen hindurch. Da war SNOW, doch diesmal waren ihm eine Telefonzelle und eine riesige Esche im Weg. Im Hintergrund ertönte Sirenengeheul. Es hörte sich an, als befände sich der Wagen bereits auf dem Victoria Embankment, direkt hinter ihm. Und er schien rasch näher zu kommen. Milton blieb stehen, ließ sich auf ein Knie fallen und legte die Sig an. Er atmete einmal tief ein und wieder aus, versuchte, den Arm ganz ruhig zu halten. Einen Moment lang schien er freies Schussfeld zu haben. Mit der Linken schob er das Visier hoch, nahm einen weiteren Atemzug, tief und ruhig, dann legte er den Finger um den Abzug. SNOW stürmte mitten in eine Gruppe Touristen hinein. Scheiße ! Milton ließ den Arm sinken. Es ging nicht. Er klappte das Visier wieder herunter und lief weiter, gerade als er den Russen wieder erblickte: Er kletterte auf die Mauer, die den Bürgersteig vom Fluss trennte, und drehte sich noch ein letztes Mal zu Milton um, ehe er mit einem trotzigen Blick in die Tiefe sprang. Milton schob sich durch die Touristen bis zur Mauer und starrte in die grünbraune Brühe. Einen Moment lang geschah nichts, doch dann sah er SNOW etwa zehn Meter vom Ufer entfernt aus dem Wasser auftauchen. In diesem Teil der Themse herrschte eine beachtliche Strömung, gegen die selbst der kräftigste Schwimmer keine Chance hatte, doch SNOW machte auch gar keine Anstalten, dagegen anzukämpfen, sondern ließ sich einfach treiben. Augenblicke später war er bereits außer Schussweite. Die Sirene wurde lauter. Milton wandte sich um und sah, dass der Streifenwagen nicht einmal dreißig Meter entfernt war und sich bereits durch den gestauten Verkehr schlängelte. Er stand wie angewurzelt da, wusste auf einmal nicht mehr, was er tun sollte. »Milton«, drang die Stimme von One aus seinem Headset. Er drehte sich nach links. Beatrix raste mit ihrer Kawasaki auf dem Bürgersteig zwischen den Bussen und dem Flussufer entlang. Milton schob die Sig ins Holster zurück und zog den Reißverschluss seiner Lederjacke hoch, als Beatrix so abrupt abbremste, dass sich das Hinterrad ein Stück abhob und wieder auf den Asphalt knallte. Milton sprang auf den Soziussitz, schlang die Linke um ihre schmale Taille und hielt sich mit der Rechten hinten an der Kante fest. Er war eins achtzig groß und muskulös, doch das zusätzliche Gewicht bereitete der 998cc-Vierzylinder-Kawasaki nicht die geringste Mühe. Gierig schnellte sie nach vorn, als Beatrix Gas gab und gleichzeitig die Finger von der Bremse löste.

 

Kapitel 6

Beatrix blickte aus dem Fenster von Controls Büro. Es war der Tag nach der Operation. Ein möglichst zeitnahes Debriefing war Standard, und normalerweise gingen diese Besprechungen ziemlich reibungslos über die Bühne. Aber normalerweise liefen die Operationen auch wie geplant und gingen nicht in die Hose wie diese hier. Control zog das Tablett mit einer Kanne Tee, zwei Tassen, Milch und Zucker, das sein Assistent Captain Tanner hereingebracht hatte, zu sich heran und goss Tee ein. Beatrix sah ihm an, dass er wütend war. Sein Gesicht war bleich und angespannt, seine Kiefermuskeln zuckten. Bislang hatte er kaum gesprochen, aber Beatrix kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass die Schuldzuweisungen nicht lange auf sich warten lassen würden. Das Porzellan klirrte leise, als er Zucker in seinen Tee rührte. Er trug die beiden Tassen quer durch den Raum und stellte die eine seitlich auf seinem Schreibtisch ab. Die andere behielt er in der Hand, trat ans Fenster und nippte daran. »Also ?« »Sir ?« »Was ist passiert ?« Natürlich hatte Beatrix mit dieser Frage gerechnet. Die Mission war ein kompletter Fehlschlag gewesen, daran gab es nichts zu rütteln. Diskretion war oberstes Gebot der Group, und nun berichteten sämtliche Nachrichtensender über die Schießerei, und auf den Titelseiten sämtlicher Tageszeitungen prangte mehr oder weniger dasselbe Foto: Milton in schwarzer Motorradkluft und Helm mit verspiegeltem Visier, wie er mit ausgestrecktem Arm auf den flüchtigen SNOW zielte, seine Kawasaki im Hintergrund. MORD AUF LONDONER STRAssEN – die typische Times-Headline. »Das war einfach Pech«, sagte sie. »Pech ? Pech ist in unserer Planung nicht vorgesehen, Number One. Mit Pech hat das rein gar nichts zu tun.« »Der Fahrer hat es geschafft, noch ein Stück weit zu fahren. Das kann man nur als Pech bezeichnen.« »Es war aber Twelves Aufgabe, den Fahrer zu liquidieren. Wollen Sie damit sagen, es war seine Schuld ?« Sie hatte lange darüber nachgedacht, was sie auf diese Frage antworten sollte. Im Grunde müsste sie Milton den Wölfen zum Fraß vorwerfen. Dies war seine erste Operation in ihrem Team, und er hatte sie gegen die Wand gefahren. Im entscheidenden Moment hatte er nicht reagiert. Sie hatten ihre Zielpersonen eiskalt erwischt, hilflos und unvorbereitet, und nur weil er geschlafen hatte, war SNOW die Flucht gelungen. Noch dazu war Milton ein ausgezeichneter Schütze, der den Russen jederzeit hätte niederstrecken können. All diese Argumente hätte sie vorbringen können, und nichts davon wäre eine Lüge gewesen. Sie hätte ihn ans Messer liefern können, aber das wäre nicht richtig gewesen. Sie hatte Mitleid mit ihm. Die Erinnerung an ihre eigenen Anfänge in der Group war noch glasklar; auch ihre erste Operation war ein Reinfall gewesen, auch wenn das Ganze etwas anders abgelaufen war als heute. Sie war im Irak gewesen und nicht in London, weit weg von neugierigen Blicken und der Gefahr, von Medien, die sich wie die Hyänen auf Dramen und Skandale wie diesen stürzten, in der Luft zerrissen zu werden. Von ihrem Aussetzer im Irak waren sie, die damalige Number Six und ihr Opfer betroffen gewesen, ein irakischer Regierungsbeamter, der die Aufständischen regelmäßig mit Informationen versorgte. Im entscheidenden Moment hatte sie gezögert und dem Mann, dem sie soeben ein Messer in den Bauch gerammt hatte, so die Gelegenheit gegeben, ihr einen Faustschlag ins Gesicht zu versetzen, sich loszureißen und auf die belebte Straße hinauszutaumeln. Number Six war ihm nach draußen gefolgt und hatte ihm zwei Schüsse in den Kopf verpasst, ehe sie, die Waffe drohend auf die Umstehenden gerichtet, einen Wagen angehalten hatte und mit Beatrix und der Leiche davongerast war. Der Vorfall hatte sich unter dem Kommando von Controls Vorgänger abgespielt, trotzdem quälte sie die Erinnerung daran noch heute, und als ihr Vorgesetzter damals hatte wissen wollen, wie so etwas passieren konnte, war Beatrix nicht imstande gewesen, ihm reinen Wein einzuschenken. Stattdessen hatte Number Six sie gedeckt und behauptet, die Operation sei ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Hätte Number Six die Wahrheit gesagt, wäre Beatrix ohne Umschweife unehrenhaft entlassen worden. Daher konnte sie Milton das Ganze nur allzu gut nachfühlen, und sein Zögern schmälerte ihre hohe Meinung von ihm nicht im Mindesten. Sie sah keine Veranlassung, ihre Empfehlung infrage zu stellen. »Es war nicht seine Schuld«, sagte sie und sah Control in die Augen. »Er hat seinen Job gemacht, so wie er sollte.« »Das sagen Sie. Aber er hat doch die Verfolgung von SNOW aufgenommen, richtig ?« »Ja.« »Und ?« »Er hatte keine freie Schusslinie. Zumindest nie frei genug, um gewährleisten zu können, dass kein Passant getroffen werden könnte. Die Einsatzregeln waren klar: Kein Risiko.« »Ich kenne die Einsatzregeln, Number One«, erklärte Control scharf. »Ich habe sie selbst aufgestellt.« »Wenn Sie jemandem die Schuld geben wollen, dann mir. Ich hätte den Mann jederzeit ausschalten können.« Controls Züge verfinsterten sich, und einen Moment lang war sie sich sicher, dass er genau das tun würde. Aber das wäre in Ordnung gewesen. Sie gehörte seit sechs Jahren der Group an und befand sich längst im oberen Bereich der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Agenten. Diesen Job machte keiner, der etwas zu verlieren hatte. Und Beatrix hatte einen Ehemann, eine Tochter und ein Familienleben, das ihr größere Freude bereitete, als sie es je für möglich gehalten hätte. Sie hatte ihre Glanzzeiten gehabt und ihre Sache gut gemacht, aber irgendwann ging alles einmal zu Ende. Sollte Control sie nach dem Vorfall nicht länger als Mitglied haben wollen, würde sie sich nicht dagegen sträuben, sondern sich eine andere Aufgabe suchen; eine, bei der sie nicht ständig damit rechnen musste, mit einer Kugel im Kopf zu enden. Aber allem Anschein nach hatte er nicht vor, ihr die Hölle heiß zu machen. »Ein verdammtes Chaos«, sagte er nur und seufzte gereizt. »Ein beschissenes Chaos. Der Polizei wurde erzählt, es sei eine Bandengeschichte. Was man wohl auch glauben wird, wenn auch nur, weil die Vorstellung zu absurd ist, dass ihre eigene Regierung Leute auf offener Straße abknallen lässt. Sie sind sicher, dass niemand Sie gehört hat ?« »Nein. Und abgesehen von Miltons Motorrad haben wir nichts zurückgelassen, und das ist blitzsauber. Es gibt keine Möglichkeit, das Ganze zu uns zurückzuverfolgen.« »Sicher ?« »Absolut sicher.« Er trug seine Tasse zum Schreibtisch und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf seinen Stuhl sinken. »Was für ein Chaos«, sagte er noch einmal. Er war frustriert, doch das war zu erwarten gewesen, allerdings war die drohende Explosion ausgeblieben. Allem Anschein nach war seine anfängliche Wut verraucht. »Wo ist Milton jetzt ?« »Beim Training«, antwortete sie wahrheitsgetreu. Er hatte das Einsatzzentrum, von dem aus die Logistik der Group seit der Operation koordiniert wurde, kaum verlassen. Der Leiter des Schießstands hatte ihr erzählt, er hätte stundenlang auf die Ziele gefeuert, bis sie komplett zerfetzt gewesen seien, Magazin um Magazin, Zielscheibe um Zielscheibe. »Sind Sie sich immer noch sicher, was ihn angeht ?« »Er packt das schon«, antwortete sie. »Wann habe ich mich schon mal in einem Rekruten geirrt ?« »Ich weiß.« Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Nie.« Wieder ließ er den Atem entweichen und nippte an seinem Tee. Beatrix schaute hinaus, vorbei an ihm und dem feudal eingerichteten Büro, in dem im Lauf der Jahre zahllose Todesurteile gefällt worden waren, auf die Straße, wo das Leben seinen gewohnten Gang nahm. Nach einer Weile löste sie den Blick und betrachtete Controls Hinterkopf und ihr eigenes Gesicht in der Fensterscheibe. Sie stand an einem Scheidepunkt – entweder sie schwieg und ging nach Hause zu ihrer Familie, oder aber sie tat, was sie sich vorgenommen hatte, und begann ein Gespräch, das sehr schnell sehr unangenehm werden könnte. »Da ist noch etwas«, sagte sie. »Was ?« »Ich habe Beweismaterial aus dem Wagen mitgenommen.« Er rutschte auf seinem Stuhl nach vorn. »Das war nicht vorgesehen.« »Ich weiß. Macht der Gewohnheit, fürchte ich. Ich habe es dort liegen gesehen und an mich genommen.« »Und ?« »Und ich dachte, Sie sollten vielleicht einen Blick darauf werfen.« Sie zog den Aktenkoffer aus ihrem Rucksack und legte ihn vor Control auf den Schreibtisch – er war abgeschlossen gewesen, deshalb hatte sie die Scharniere abgeschraubt und anschließend einen Gürtel ihres Mannes darum geschlungen, um ihn auf dem Motorrad transportieren zu können. Sie nahm den Deckel ab, unter dem eine durchsichtige Plastiktüte mit sechs USB-Sticks und ein gefütterter Umschlag mit einem Stapel Fotos zum Vorschein kamen. Die Fotos, 20-mal-30-Zentimeter-Hochglanzausdrucke, waren mit einem Teleobjektiv und von einem leicht erhöhten Blickwinkel aus aufgenommen worden. Sie zeigten einen Mann in einem dicken Mantel und einer tief ins Gesicht gezogenen Wollmütze. Offenbar waren sie in einem Park im Winter aufgenommen worden, denn die Bäume ringsum waren vollständig kahl, und in einigen Metern Entfernung waren die geschmolzenen Reste eines Schneemanns zu erkennen. Der Mann hatte sich über eine Frau auf einer Parkbank gebeugt. Trotz der Entfernung und des Winkels war auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich bei dem Mann um Control handelte. »Was ist das ?«, fragte er barsch. »Die waren in dem Aktenkoffer …« »Ja«, blaffte er sie an. »Das sagten Sie bereits. Ich habe keine Ahnung, wie sie da reinkommen.« »Das sind Sie, Sir, oder ?« »Wenn Sie meinen.« Die Stimmung war umgeschlagen, doch es war zu spät für einen Rückzieher. »Die Frau da auf der Parkbank …« Control beugte sich demonstrativ über die Fotos und nahm sie in Augenschein. »Das ist DOLLAR.« Er schwieg. »Ich verstehe nicht ganz, Sir.« »Das ist auch nicht Ihr Job, Number One. Ihr Job besteht darin, die Befehle zu befolgen, die ich Ihnen erteile.« Er hielt inne, schien zu zögern, nach den richtigen Worten zu suchen, doch es kam nichts. Stattdessen starrte er sie an. »Sir ?« Er deutete mit einer abschätzigen Handbewegung auf die USB-Sticks. »Haben Sie sich die angesehen ?« »Nein, Sir«, log sie. »Sehr gut.« Wieder rutschte er auf seinem Stuhl herum und straffte die Schultern. »Ich will, dass Sie Milton im Auge behalten. Womöglich haben wir uns in ihm geirrt. Und einen Klotz am Bein können wir uns nicht leisten. Wenn wir tatsächlich danebengelegen haben, müssen wir ihn anderswohin versetzen. Sie können jetzt gehen, Number One.« Einen Moment lang stand sie unschlüssig da, dann wandte sie sich zum Gehen. Auf halbem Weg zur Tür hörte sie, wie Control sich räusperte. »Number One … Beatrix. Bitte setzen Sie sich noch mal.« Sie machte kehrt und gehorchte. Inzwischen war er aufgestanden und zum Kamin getreten. »Sie haben recht. Ich habe mich mit ihr getroffen. Mehrere Male. Anscheinend wollte sie zur Feier des Tages Fotos von unseren Treffen haben. Über die Gründe und den Inhalt kann ich Ihnen nichts sagen, nur, dass es dabei um die Operation ging. Die Details unterliegen der Geheimhaltung. Für Sie ist lediglich eines wichtig, Beatrix: Sie haben eine Akte mit ihrem Namen darauf bekommen, und Sie wissen, was das heißt.« »Ja, Sir. Liquidation.« »Genau. Haben Sie sonst noch Fragen ?« Sie betrachtete ihn, seine etwas korpulente, teigige Gestalt. Nichts erinnerte daran, dass er jahrelang beim Militär gewesen war und sogar eine höchst erfolgreiche Mission auf den Falklandinseln geleitet hatte. Auf seinen Zügen lag ein Ausdruck, der im ersten Moment wie Besorgnis wirkte, doch ihr entging der Anflug von Argwohn und Vorsicht nicht, der darunter verborgen lag. Beatrix war eine Profi-Killerin, die Number One einer Gruppe der zwölf gefährlichsten Männer und Frauen in Diensten der Majestät. Der Tod von mehr als achtzig Menschen, über den gesamten Globus verteilt, ging auf ihr Konto – von bösen Menschen, die schlimme Dinge getan hatten. Es gab nicht viel, wovor sie Angst hatte. Trotzdem war Control kein Mensch, den man gegen sich aufbringen wollte. Wieder musterte sie ihn mit dieser Mischung aus Aufsässigkeit und Neugier, und diesmal verspürte sie tatsächlich so etwas wie Angst. Ein dumpfer Verdacht keimte in ihr auf: Möglicherweise hatte sie soeben einen sehr, sehr großen Fehler begangen.

 

Kapitel 7

Beatrix wohnte mit ihrer Familie in einem hübschen Viertel in East London. Zwar lag es inmitten von Wohnblocks, dennoch war es eine friedliche, sichere Wohngegend, ein guter Ort, um sich häuslich niederzulassen. Vor fünf Jahren hatten sie das Reihenhaus mit den drei Schlafzimmern gekauft; links neben ihnen wohnte ein nettes Rentnerehepaar, rechts ein junger Banker, der häufig beruflich im Ausland war. Es hatte einen kleinen Vorgarten mit einem schmiedeeisernen Zaun, und auf beiden Seiten der leuchtend rot gestrichenen Eingangstür hingen mit bunten Blumen bepflanzte Ampeln. Der lange, schmale Garten hinter dem Haus bot gerade genug Platz für eine Handvoll Hühner, die Beatrix sich schon immer gewünscht hatte. Es war ein behagliches Heim mit genug Platz für sie, ihren Mann und ihre kleine Tochter. Sie überlegten, ein zweites Kind zu bekommen. Es würde zwar ein bisschen eng werden, trotzdem war genug Platz für ein viertes Familienmitglied. Außerdem wäre es ja nur für die nächsten anderthalb Jahre – Beatrix hatte beschlossen, spätestens dann ihren Dienst bei der Group zu quittieren und sich versetzen zu lassen; sie war lange genug dabei. Mithilfe sorgfältiger Planung ließen sich zwar die Risiken minimieren, und darauf legte Beatrix großen Wert, trotzdem konnte immer irgendetwas schiefgehen: falsche Informationen, Pech, irgendetwas Unvorhergesehenes. Man brauchte sich bloß den gestrigen Tag anzusehen. Sie hatte das Schicksal herausgefordert und wusste nur zu gut, dass ihr genau das irgendwann zum Verhängnis werden würde. Sie würde Schluss machen, bevor es dazu kam. Sie stellte das Motorrad dicht neben der Hauswand ab und machte den Motor aus, dann nahm sie den Helm ab, fuhr sich durchs Haar und sah in den Rückspiegel. Sie sah gut aus – die Fahrt durch London hatte ihr ein wenig Zeit zum Nachdenken gegeben, und inzwischen fragte sie sich, ob sie ihrer Unterredung mit Control womöglich zu große Bedeutung beimaß. Bestimmt gab es eine plausible Erklärung für das Treffen mit DOLLAR, wer auch immer sie in Wahrheit sein mochte. Durchaus möglich, dass er ihr geheime Informationen entlockt hatte, bevor er den Befehl gegeben hatte, sie auszuschalten. Es war ein schöner Tag, ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, und sie war bester Dinge, als sie das Gartentor öffnete und zur Haustür ging. »Hallo, bin zu Hause«, rief sie. Keine Reaktion. Seltsam. Lucas, ihr Mann, war Web-Programmierer und hatte sein Arbeitszimmer oben im ersten Stock. Es war bereits nach vier Uhr, und Isabella, ihre Tochter, sollte längst aus der Vorschule zurück sein. Sie zog ihre Jacke aus und hängte sie an den Garderobenhaken. Vielleicht waren die beiden in den Park gegangen, dachte sie, nahm ihr ledernes Schulterholster ab, zog die Sig Sauer heraus und ließ das Magazin herausspringen, ehe sie beides auf den Dielentisch legte. Sie würde sie gleich oben im Waffenschrank verstauen, aber vorher würde sie sich ein Glas Wasser einschenken. Sie ging weiter in die Küche. Ein Stapel ungeöffneter Post lag auf der Arbeitsplatte, den sie flüchtig durchging – Rechnungen, Werbesendungen, nur unwichtiges Zeug. Mit dem Glas in der Hand ging sie weiter ins Wohnzimmer. Es entglitt ihren Fingern. Lucas saß auf dem Sofa, Isabella neben ihm. Er hatte den Arm um das kleine Mädchen gelegt. Number Five saß ihnen gegenüber im Sessel, eine Halbautomatik mit Schalldämpfer auf dem Schoß. Number Eight stand im Türrahmen zur Diele, ebenfalls mit einer Halbautomatik mit Schalldämpfer in der Hand, deren Mündung direkt auf sie zielte. Fieberhaft überlegte sie, welche Waffe in greifbarer Nähe war – der Brieföffner auf dem Sideboard, der Briefbeschwerer direkt daneben, einer der schweren Bände im Bücherregal, das Taschenmesser in ihrer rechten Hosentasche, die gläserne Obstschale. In diesem Moment verpasste ihr jemand einen Faustschlag in die Nierengegend. Ein scharfer Schmerz schoss bis ins Zwerchfell hinauf. Sie taumelte vorwärts und stützte sich auf das Sideboard, als ein Paar Hände sie unsanft packte und herumriss. Sie blickte geradewegs in das grimmige Gesicht von Number Ten, der den Kopf nach hinten bog und ihn dann mit einer abrupten Bewegung vorschnellen ließ. Blut schoss ihr aus der Nase, als sie seitlich wegkippte. Sie knallte auf den Boden, schaffte es aber zumindest, auf Hände und Knie zu kommen. Ten trat ihr so heftig in die Rippen, dass sie gegen das Sideboard prallte und dabei die Tischlampe umwarf. Der Brieföffner rutschte zwischen das Möbelstück und die Wand. Sie lag flach auf dem Rücken. Nur wenige Zentimeter trennten sie von der Klinge, trotzdem war es zu weit, um sie unbemerkt zu fassen zu bekommen. Los, noch mal. Sie stemmte sich hoch. Prompt verpasste Ten ihr einen weiteren Tritt in die Rippen. Sie ließ sich gegen das Sideboard sinken, schnappte den Brieföffner, schloss die Hand darum und schob ihn in ihren Ärmel. »Das reicht«, sagte Five. Beatrix stützte sich auf einem Arm ab und setzte sich auf. »Sie werden doch kooperieren, Beatrix, oder ?« Sie wischte sich das Blut ab. »Es wäre wirklich klüger, denn ich würde Sie nur sehr ungern vor den Augen Ihrer Tochter töten.« Sie sah Lucas in die Augen, in denen sich eine Mischung aus Verwirrung und Qual widerspiegelte. Er hatte keine Ahnung, womit sie in Wahrheit ihren Lebensunterhalt verdiente; er dachte, sie sei immer noch beim Militär. Beatrix spürte, wie sich ihr Magen zusammenkrampfte, und einen Moment lang wich sämtliche Kraft aus ihren Beinen. Doch dann riss sie sich zusammen. »Ich werde kooperieren«, sagte sie. »Gut. Sind Sie bewaffnet ?« »Nein.« »Wo ist Ihre Dienstwaffe ?« »Draußen. In der Diele.« »Gibt es noch weitere im Haus ?« »Nein.« »Gut. Aufstehen.« Sie gehorchte, wenn auch ganz vorsichtig, da ihre Rippen bei jeder Bewegung vor Schmerz aufheulten. Bestimmt waren ein paar gebrochen. Sie sah zwei weitere Gestalten die Einfahrt heraufkommen. Number Nine und Number Eleven. Five, Eight, Nine, Ten und Eleven. Fünf Leute. Beatrix kannte sie alle. Number Five: Lydia Chisholm. Sie war nach ihrem Ausscheiden beim Special Reconnaissance Regiment, einer relativ neuen Spezialeinheit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, zur Group gestoßen. Die Agenten arbeiteten häufig verdeckt in Zivil, außerdem gab es eine Einheit von vierzig Frauen, die von einem uninspirierten, faulen Vorgesetzten den Spitznamen »Die Amazonen« verpasst bekommen hatte. Number Five, eindeutig die Beste der ganzen Truppe, war groß und muskulös und hatte seit ihrer Versetzung zur Group erstklassige Ergebnisse abgeliefert, darunter eine Reihe tadellos ausgeführter Liquidationen. Number Eight war Oliver Spenser. Beatrix, die seine Ausbildung überwacht hatte, war ein gewisser Hang zur Aggression und mangelnde Selbstbeherrschung an ihm aufgefallen, daher hatte sie sich gegen seine endgültige Aufnahme ausgesprochen, aber Control hatte nicht auf sie gehört. Seine frühere Karriere beim Special Boat Service war typischer für ein Mitglied der Group: Er war eher der Mann fürs Grobe. Wenn Five ein Messer war, war Eight ein Totschläger. Beide waren gefährlich, aber jeder auf andere Weise. Ten, der Agent, der sie niedergestreckt hatte, hieß Joshua Joyce; die richtigen Namen von Number Nine und Number Eleven, die gerade das Haus betraten, lauteten Connor English und Bryan Duffy. Alle drei waren ehemalige SAS-Mitglieder. »Was wollen Sie ?« »Sie müssen mitkommen«, antwortete Five tonlos. »Gut«, sagte Beatrix. »Das hier muss nicht blutig ausgehen.« »Stimmt. Absolut nicht.« Sie hatte keineswegs die Absicht, sie zu begleiten, außerdem würde das Ganze blutig enden, daran bestand kein Zweifel. Auch wenn sie sich jederzeit für ihren Mann und ihr Kind geopfert hätte, wusste sie, dass jede Diskussion sinnlos war – die Group würde ihre Familie eiskalt liquidieren, völlig egal, welchen Deal sie mit ihnen schloss. Sie hörte, wie Ten sein Gewicht verlagerte. Er stand maximal einen bis anderthalb Meter hinter ihr. Das kalte Metall des Brieföffners presste sich gegen die Innenseite ihres Handgelenks. »Control traut mir also nicht ?« »Er will bloß sicher sein, dass er es kann.« Sie konnte sich gut vorstellen, wie die Angelegenheit ausgehen sollte, wenn es nach ihnen ging: Sie würden ihr anbieten, dass ihrer Familie nichts passierte, solange sie kooperierte, und dann, wenn sie sich vergewissert hatten, dass Beatrix die Beweise aus dem Wagen nicht aufbewahrt hatte, würden sie sie umbringen, alle drei. Sie würden keinerlei Spuren hinterlassen, die Aufschluss über den Tathergang geben könnten. Die Polizei würde Ermittlungen anstellen, aber nichts finden, das Ganze als sinnlose Familientragödie einordnen und die Akte schließen. »Was muss ich tun, um es zu beweisen ?« »Fangen wir mit den Fotos an. Haben Sie die kopiert ?« »Nein.« »Und die USB-Sticks ? Haben Sie sich angesehen, was darauf ist ?« »Nein.« »Haben Sie sie kopiert ?« »Nein. Das habe ich ihm doch gesagt.« »Ich weiß. Aber er hat Ihnen nicht geglaubt.« Sie versuchte, sich zusammenzureißen, aber es fiel ihr schwer. Isabella starrte sie mit einer Mischung aus Verständnislosigkeit und Angst an, während sich auf Lucas’ Miene neben Entsetzen und Verwirrung auch tiefe Kränkung abzeichnete. Beatrix konnte ihm nicht verdenken, dass er sich verraten fühlte. Sie hatte sich stets Mühe gegeben, eine klare Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen; meistens gelang es ihr, ihren Job am Flughafengate abzustreifen. Dass er sie jemals bis nach Hause verfolgen könnte, war bislang unvorstellbar gewesen. »Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn sich die anderen ein bisschen umsehen, oder ?« »Tun Sie sich keinen Zwang an.« »Los, nach oben«, sagte Five zu Eight, woraufhin er verschwand. Beatrix hörte, wie Nine und Eleven ihm nach oben folgten. Five schaute zu Ten hinüber. »Sie überprüfen die Küche«, wies sie ihn an. Beatrix legte sich im Geiste die Reihenfolge zurecht, in der sie sie würde angreifen müssen: Five, Ten und dann denjenigen, der als Erster die Treppe herunterkam. »Und Sie bleiben schön hier sitzen und verhalten sich ruhig«, befahl Five, die Waffe immer noch auf Lucas gerichtet.

Mark Dawson

Über Mark Dawson

Biografie

Mark Dawson wurde in Suffolk, Großbritannien, geboren. Nach verschiedenen Aushilfsjobs entschloss er sich, Jura zu studieren, und arbeitete anschließend zehn Jahre lang als Anwalt in London. Momentan ist er in der Filmbranche tätig und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Südwesten Englands.

Weitere Titel der Serie »John-Milton-Reihe«

John Milton war Number One. Der beste Agent der Group 15, einer Untergrundeinheit des britischen Geheimdienstes. Doch nach zehn Jahren des Tötens hat John Milton genug – er will raus. Jetzt ist er der meistgesuchte Mann der britischen Regierung, denn niemand steigt ungestraft aus.

Pressestimmen

Mannheimer Morgen

»Dawson bietet packende Unterhaltung, spannend und kurzweilig.«

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