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Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier (Comandante-Toni-Morales-Reihe 2)Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier (Comandante-Toni-Morales-Reihe 2)

Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier (Comandante-Toni-Morales-Reihe 2)

Elena Bellmar
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Ein Mallorca-Krimi

Paperback
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Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier (Comandante-Toni-Morales-Reihe 2) — Inhalt

Nach seinem ersten erfolgreich gelösten Fall auf Mallorca möchte Ermittler Toni Morales sich endlich dem unaufgeklärten Mord an seinem Halbbruder widmen. Doch noch bevor er richtig loslegen kann, überschlagen sich die Ereignisse. In einem Hotel wird bei Umbauarbeiten eine eingemauerte Frauenleiche gefunden, zudem stirbt ein Apartmentbesitzer unter merkwürdigen Umständen. Als wäre das nicht bereits genug Arbeit für Toni, muss er auch noch fürchten, dass jemand in seinem neuen Team mit verdeckten Karten spielt – und womöglich etwas mit dem Tod seines Halbbruders zu tun hat …

Elena Bellmar ist das Pseudonym der Autorin Elke Becker, die 1970 im schwäbischen Ulm geboren wurde. Das Reisen liegt ihr im Blut. So schnürte sie bereits mit achtzehn Jahren ihren Rucksack und zog wochenlang durch Südamerika. Später verbrachte sie ein Jahr in Venezuela, um Spanisch zu studieren. Dort entdeckte sie das Schreiben für sich und absolvierte später eine Drehbuchausbildung an der Master School Berlin. Heute lebt Elke Becker auf Mallorca, Schauplatz ihrer Krimireihe um Ermittler Toni Morales.

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 31.05.2021
320 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-86612-479-0
Download Cover
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 31.05.2021
320 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99805-5
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Leseprobe zu „Mörderisches Mallorca – Toni Morales und der Lohn der Habgier (Comandante-Toni-Morales-Reihe 2)“

Mallorca, Frühjahr 1994

Wie jeden Nachmittag, wenn er es einrichten konnte, begab er sich auf den Weg zum geheimen Treffpunkt in der Hotelwäscherei. Sara würde dort auf ihn warten, das tat sie immer.

Langsam wurde es jedoch ungemütlich für ihn. Sara drängte regelmäßig, ihre Verbindung öffentlich zu machen. Doch das war unmöglich. Zu viel stand für ihn auf dem Spiel, um sein angenehmes Leben für eine zwar leidenschaftliche, aber dennoch wenig zukunftsträchtige Liaison zu riskieren. Seine dominante Frau durfte niemals davon erfahren. Sonst wäre er [...]

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Mallorca, Frühjahr 1994

Wie jeden Nachmittag, wenn er es einrichten konnte, begab er sich auf den Weg zum geheimen Treffpunkt in der Hotelwäscherei. Sara würde dort auf ihn warten, das tat sie immer.

Langsam wurde es jedoch ungemütlich für ihn. Sara drängte regelmäßig, ihre Verbindung öffentlich zu machen. Doch das war unmöglich. Zu viel stand für ihn auf dem Spiel, um sein angenehmes Leben für eine zwar leidenschaftliche, aber dennoch wenig zukunftsträchtige Liaison zu riskieren. Seine dominante Frau durfte niemals davon erfahren. Sonst wäre er erledigt. Sie würde ihn hochkant vor die Tür setzen. Er wäre nicht nur obdachlos, sondern auch ohne Einkommen. Diese Abhängigkeit nahm er für die von ihr gebotenen Annehmlichkeiten gerne in Kauf. Nur seiner Position als Hotelmanager verdankte er es, sich regelmäßig mit den Zimmermädchen vergnügen zu können. Mit einer Beförderung oder einer kleinen Abfindung hielt jede den Mund. Zudem würden auch sie ihre Stelle verlieren, sollte die Affäre auffliegen. Da kannte seine Frau keine Skrupel. Und das wussten auch die Angestellten.

Er sah Sara schon an der Waschmaschine lehnen. Das enge Kleid ihres Zimmermädchenkostüms legte sich verlockend um die ausladenden Kurven ihres Körpers. Es bedurfte keiner Worte. Er ging auf sie zu, umfasste ihre Hüfte und küsste sie leidenschaftlich. Sie bog sich ihm willig entgegen. Mit raschen Handbewegungen entledigte er sie ihrer Kleidung. Das grobmaschige Muster ihrer schwarzen Spitzenunterwäsche enthüllte genug, um in seinem Gehirn einen Kabelbrand zu entfachen. Diese Frau trieb ihn in den Wahnsinn.

„Cariño“, flüsterte sie. „Lass es uns öffentlich machen. Verlass deine Frau. Wir werden schon zurechtkommen.“

Augenblicklich fiel seine Lust in sich zusammen. „Sara, es bringt doch nichts, wöchentlich darüber zu sprechen. Es geht nicht. Wo sollten wir denn hin?“

„Wir könnten nach Saragossa gehen, wo dich niemand kennt. Dort fangen wir neu an. Nur wir beide.“

Sie war so romantisch und so naiv. Und so leidenschaftlich. Ihre Bewunderung für ihn kannte keine Grenzen. Die heimlichen Blicke, wenn sie sich zufällig irgendwo begegneten, heizten die Flammen noch weiter an. Nur an diesem Tag schien sie wieder mehr zu wollen, als er ihr geben konnte. „Es geht nicht, und du weißt das auch.“

„Sollen wir uns auf ewig hier in der Wäscherei treffen?“ Sara schob ihn von sich und setzte sich auf eine der laufenden Waschmaschinen.

Er sah sich um. Holzlatten lagen auf einer Seite. Sie wurden für die Bauarbeiten gebraucht und waren bereits in der Wäscherei aufgestapelt worden.

„Es ist ungemütlich hier.“

„Ich weiß, ab nächster Woche ist dieser Treffpunkt auch nicht mehr sicher. Die Arbeiter werden dann im Turnus schuften, um mit den neuen Zwischenwänden und den Böden fertig zu werden.“

„Du weißt genau, was ich meine!“, wandte Sara ein. Sie war in Streitlaune, das war nicht zu übersehen. Generell hatte er nichts gegen eine Versöhnungsnummer, doch seit die Bauarbeiten vorgenommen wurden, war es hier nicht mehr so sicher wie früher.

„Sei leise“, bat er. „Man könnte dich hören.“

„Dann sollen sie mich doch hören!“, brüllte sie weiter. „Dann ist es wenigstens vorbei.“

„Nicht so laut.“ Er ging auf sie zu und versuchte, sie zu umarmen.

Sara ließ es nicht zu. Sie wehrte ihn ab. „Jetzt bekommst du wohl Angst, was?“

„Blödsinn!“, log er. So langsam ergriff ihn die Panik. Aus dem hinteren Gang vernahm er Stimmen. Also würden sie auch ihn hören. Natürlich hatte er die Wäscherei abgeschlossen, aber dennoch würde der Streit bemerkt werden, wenn Sara nicht endlich den Mund hielt.

„Ich will das aber jetzt und hier geklärt haben!“ Trotzig verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust.

„Wir sind hier nicht allein, falls du das noch nicht bemerkt hast.“

„Sonst bist du auch nicht so zimperlich. Wenn ich komme und schreie, da findest du es passend, aber wenn ich sauer bin, soll ich leise sein.“ Sie hüpfte von der Maschine, griff nach ihrem Kleid und funkelte ihn böse an. „Ich ziehe mich jetzt an, und dann brülle ich das ganze Hotel zusammen.“

„Das wirst du nicht tun.“

Sie lachte spöttisch auf und schlüpfte in ihr Kleid. „Und ausgerechnet du willst mich davon abhalten?“ Sie lachte weiter. „Du bist ein Waschlappen. Sonst würdest du dich von deiner Frau trennen. Alle werden von unserem Verhältnis erfahren, und dann will ich dich auch nicht mehr!“

„Nichts dergleichen wirst du tun. Sei vernünftig.“ Seine Nackenhaare stellten sich auf, sein Puls raste, und er hoffte, Sara hätte ein Einsehen.

„Vernünftig?“, kreischte sie. „Ich war drei Jahre lang vernünftig. Ich will nicht mehr vernünftig sein.“ Mit forschen Schritten ging sie auf ihn zu, schob ihn beiseite und war im Begriff, die Tür aufzuschließen.

Er wusste nicht mehr, wie das Kantholz in seine Hand gelangte. Jedoch schlug er es ihr mit Schwung in die Rippen, als sie Luft holte, um die nächste Salve schreiend von sich zu geben.

Sara sog scharf die Luft ein und klappte zusammen. Aus ungläubigen Augen sah sie ihn an.

Nun schwieg sie.

Die Luft blieb ihr weg.

Bevor sie sich wieder sammeln konnte, holte er erneut aus und ließ das Holz auf ihren Kopf niedersausen.

Das Holz brach. Saras Schädel ebenfalls.

Mallorca, April 2021, Mittwoch
1

Seit drei Wochen ging Toni mit Bruno Martín während der verbleibenden Arbeitszeit die ungeklärten Fälle der letzten Jahre durch. Warum Anabel García gerade ihm die alten Fälle auf den Tisch packte, war ihm klar. Seine ehemalige Geliebte wollte ihm zeigen, wer hier bestimmte. Und er war es nicht. Das hatte sie ihm, als seine neue Vorgesetzte, bereits bewiesen.

Natürlich hatte Anabel ihre Motivation anders deklariert. Offiziell übergab sie ihm die ungelösten Fälle, damit es nicht auffiel, wenn er wegen des ungeklärten Mordes an seinem Halbbruder ermittelte. Doch dazu hätte sie ihm nicht die offenen Fälle der letzten fünfundzwanzig Jahre aus dem Archiv bringen lassen müssen. Dazu hätten die letzten fünf Jahre ausgereicht. Und schon gar nicht wäre dann die Anweisung gewesen, mit dem Aufrollen der ältesten Fälle zu beginnen.

Auch ihre Erklärung konnte Toni nicht akzeptieren. Natürlich ging Bruno Martín bald in Pension, das bedeutete aber nicht, dass er nicht mehr für Gespräche zur Verfügung stand, die alte Fälle betrafen. Toni hatte diesbezüglich mit seinem Mitarbeiter gesprochen. Das hatte Anabel offenbar nicht für nötig befunden.

Zum einen wollte Anabel Toni Steine in den Weg legen. Und zum anderen wollte sie über seine Arbeitsleistung ihre Aufklärungsquote im Revier erhöhen.

Ein unnötiger Schritt.

Denn die ungeklärten Fälle kamen in regelmäßigen Abständen aus dem Archiv. Neue Ermittlungsmethoden brachten oftmals neue Erkenntnisse. Aber auch Beteiligte, die kurz vor dem Tod standen, plagten oft Reuegefühle, und sie erleichterten bei einer erneuten Befragung ihr Gewissen.

Toni saß auf seiner Terrasse in Santa Ponsa. Die milde Frühlingssonne kitzelte seine Nase. Vielleicht waren es aber auch die Blütenpollen der Aleppokiefern, die der Wind in gelben Wolken von den Ästen wehte.

Generell reagierte Toni auf nichts allergisch, doch dieser Pollenflut, die für etwa drei Wochen die komplette Insel mit einer senffarbenen Pulverschicht überzog, konnte niemand entkommen. Mel hatte den Terrassentisch vor zwei Stunden abgewischt, doch jetzt schimmerte die Glasplatte des Tisches wieder zartgelb. Auch andere Büsche begannen, in einer Explosion der Farben zu blühen.

Tonis Garten war etwas verwildert. Die Äste sprossen in Wildwuchs, ein Nachschnitt war seit Monaten überfällig, und der Rasen glich einer Wiese. Wenn Mel und er mal gleichzeitig freihatten, gingen sie lieber am Strand spazieren oder gemütlich ein Glas Wein trinken, und den chronischen Zeitmangel sah man dem Garten an. Vielleicht sollte er einen Gärtner kommen lassen.

Sein Blick glitt hinüber zum Grundstück seiner Schwiegermutter. Ihr gepflegter Ziergarten hätte auch in die königliche Sommerresidenz von Marivent gepasst, bis auf die drei hüfthohen Marihuanapflanzen, die sie zwischen den Tomaten angepflanzt hatte. Ihr Versuch, die Pflanzen vor ihm zu verbergen, ließ ihn schmunzeln.

Als ob er nicht den Unterschied zwischen einer Tomatenstaude und einer Marihuanapflanze erkennen würde. Solange sie aber keine Plantage anlegte, ignorierte er diesen Umstand. Der Konsum war schließlich nicht verboten.

Toni trank einen Schluck aus seiner dritten Tasse Kaffee und überlegte, welche Ansätze er im Vermisstenfall Sara López finden könnte. Sie galt immer noch als vermisst. Saras Schwester Agata glaubte die offizielle Version nicht. Nach der sei Sara López an einem Freitag vor fünfundzwanzig Jahren, an dem sie das letzte Mal gesehen worden war, in ihre Heimat nach Saragossa aufgebrochen und auf ihrem Weg nach Hause spurlos verschwunden. Agata glaubte, Saras Liebhaber, von dem sie jedoch keinen Namen wusste, stünde hinter dem Verschwinden. Die Ermittlungen im Hotel hatten zu nichts geführt. Saras Sachen waren aus dem Diensttrakt verschwunden, was die offizielle Theorie einer überstürzten Abreise in die Heimat stützte. Sara hatte laut Aussagen ihrer Kollegen öfter davon gesprochen, zurückzugehen. Natürlich konnte das zutreffen. Sara hatte sich außerdem vor dem Zahltag ihren Lohn aushändigen lassen, was die These untermauerte. Auch konnte der mysteriöse Liebhaber nicht ausfindig gemacht werden. Zumindest auf Mallorca hatte niemand Sara vermisst. Selbst der angebliche Liebhaber nicht. Sara López galt als strebsam und zurückhaltend. Sie hatte keine Freundschaften geschlossen. Niemand wusste mehr über sie zu sagen. Und das, obwohl sie über drei Jahre in dem Hotel tätig gewesen war.

Agata zufolge sei Sara aber mit ihrem Leben und ihrer Arbeit auf Mallorca zufrieden gewesen. Wieso hätte sie die Insel verlassen sollen, ohne ihre Familie zu informieren?

Diese beiden Aussagen passten nicht zusammen. Toni suchte in den Ermittlungsprotokollen nach Unstimmigkeiten, und es gab nur eine Aussage, die einen Anhaltspunkt bot. Ein Kellner hatte angegeben, er würde den Geschäftsführer des Hotels als Saras Liebhaber vermuten. Er hätte einige Wochen vor Saras Verschwinden entsprechende Blicke zwischen den beiden beobachtet.

Doch der Hotelchef Iker Ribot bestritt die Vorwürfe. Er sei glücklich verheiratet, habe eine wundervolle Ehefrau, die ihn in allen Belangen unterstützte. Außerdem würde er Sara López kaum kennen. Ob sich ein weiteres Gespräch mit ihm nach all den Jahren lohnte? Diesen Punkt würde er am Montag mit Bruno besprechen. Vielleicht erinnerte der sich noch an die Aussage des Hotelmanagers.

„Wie immer grübelst du über irgendwelchen Akten. Wolltest du dir heute nicht freinehmen?“ Mels Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen.

„Stimmt. Und ich wollte mit meiner Frau einen Segelausflug machen.“ Toni schloss die Akte. „Von mir aus können wir los und feiern. Deine Arbeit hat sich ausgezahlt, und bald wirst du auf Mallorca deinen ersten Prozess führen.“

„Dann hat die Hilfsarbeit ein Ende.“ Mel seufzte, nahm Tonis Kaffeetasse und nippte daran. „Ich bin es leid, immer nur die Arbeit zu machen, während die anderen vor Gericht die Lorbeeren einsammeln. Mein Chef, zum Beispiel.“

„Aber er kann das nur, weil du hervorragende Arbeit leistest.“ Toni zog Mel zu sich auf den Schoß. „Und jetzt klaust du mir meinen Kaffee.“

„Ich würde sagen, du hast genug davon gehabt.“ Mel küsste ihn, und Toni schmeckte den leicht bitteren Kaffeegeschmack. Mel fürchtete, der viele Kaffee würde ihm irgendwann den Magen ruinieren. „Und ja, ich würde sehr gerne mit dir segeln gehen. Du versprichst es mir schon so lange.“

„Ich weiß. Also lass uns aufbrechen. Du hast dir die Belohnung verdient.“

Mel hatte hart für die Prüfungen gearbeitet, um in Spanien als Prozessanwältin zugelassen zu werden. Sie hatte sich einen faulen Tag beim Segeln verdient.

„Noch bin ich nicht zugelassen.“

„Was soll denn passieren? Die Prüfungen auf Spanisch hast du bestanden. In Deutschland bist du eine renommierte Anwältin, also ist die Eintragung nur noch Formsache.“ Toni schob seine Frau vom Schoß. „Und jetzt lass uns los, sonst will deine Mutter noch mit. Dabei soll es ein Ausflug sein, bei dem mir ganz andere Dinge einfallen, als mich mit deiner Mutter zu unterhalten.“

Mel lächelte ihn in einer Weise an, die ihm genau diese Dinge durch den Kopf schießen ließen. Sie hatte ihn verstanden. „So, so, bisher hast du nichts davon gesagt, dass wir auch vor Anker gehen. Dann packe ich ein paar Dinge zusammen. In dreißig Minuten Abfahrt?“

„Perfekt!“

Das Klingeln seines Handys wischte Mels Lächeln fort. „Sag nicht, es ist das Revier. Du hast frei!“

„Ich würge es ab, wenn ich kann, versprochen.“ Toni nahm das Gespräch an.

„Wir haben einen Leichenfund.“ Pedros Stimme erkannte er inzwischen, ohne dass er sich namentlich meldete.

„Wo?“ Toni sah, wie Mel den Kopf in den Nacken legte und kapitulierte. Dabei hatte er nur ein einziges Wort gesagt.

„Hotel Bellaverde in Santa Ponsa. Die Leiche wurde eingemauert. Muss da also schon eine Weile liegen.“

Es ging nicht anders. Er musste sich den Tatort ansehen. „Ist die Spurensicherung schon vor Ort?“

„Sie ist auf dem Weg. Catarina ebenfalls.“

„Alles klar, danke, Pedro.“

„Ja, danke, Pedro, danke, dass du uns den Tag versaut hast“, murrte Mel.

Toni legte das Handy weg. „Es tut mir leid.“

„Und mir erst.“

Er ging auf seine Frau zu, nahm sie in die Arme und küsste ihr Haar. „Ich mache es wieder gut.“

„Das wirst du auch müssen.“ Mel lächelte ihn jedoch dabei an. „Was gibt es?“

„Eine eingemauerte Leiche. Mehr weiß ich auch noch nicht.“ Toni zwinkerte ihr zu. „Heute Abend feiern wir aber. Ich reserviere uns einen Tisch bei deinem Lieblingsitaliener.“

„Geh schon, sie warten auf dich“, sagte Mel, löste ihre Arme von ihm, und Toni bedauerte, dass er zu einem Leichenfundort musste, statt sich mit seiner Frau auf dem Segelausflug zu vergnügen.

„Dann werde ich eben auch arbeiten. Ich habe hier einen neuen Fall. Illegale Hausbesetzung. Die Okupas haben in Santa Ponsa die Villa eines Deutschen besetzt. Gutes Zureden hilft natürlich nichts. Die Polizei hat bisher auch keine Handhabe. Die Okupas haben einen gefälschten Mietvertrag vorgelegt.“ Mel legte den Kopf schief. „Vielleicht könntest du deinen Kollegen mal in den Hintern treten.“

„Die Kollegen dürfen nichts tun, bis das Gericht den Räumungsbescheid bestätigt.“ Toni wusste, wie schnell eine Besetzung hier gehen konnte. Da ging man in den Urlaub, und mit Pech kam man zurück und hatte fremde Menschen im Haus, die man in manchen Fällen so schnell nicht wieder loswurde. Ein altes Gesetz schützte früher die Besetzer, weil das Recht auf würdigen Wohnraum höher gewichtet wurde als das auf Eigentum. Wenn jemand sich zweiundsiebzig Stunden in einer Immobilie aufhielt, durfte er nicht vertrieben werden. Es wurde zwar ein Gesetz verabschiedet, das eine schnellere Räumung durch die Polizei ermöglichte, aber oftmals mussten die genauen Umstände vom Gericht geklärt werden, was durch die Überlastung häufig so lange dauerte, bis die Besetzer alles, was nicht mit dem Haus verbaut war, verkauft hatten. Der Schaden für den Eigentümer war oft immens. „Viel Glück, und wenn ich dir sage, ich würde jemanden engagieren, der sie etwas gröber zum Verlassen der Immobilie auffordert, dann willst du das vermutlich nicht hören, richtig?“

„Richtig. Ich kann meinen Mandanten schlecht zu illegalen Mitteln raten.“ Mel küsste ihn auf die Wange. „Und nun geh schon, sonst platzt auch noch unser Abendessen, weil du nicht rechtzeitig nach Hause kommst.“

„Danke, Mel.“

Toni wusste sehr genau, was er seiner Frau durch seinen Job zumutete, deshalb waren sie nach Mallorca gezogen. Hier sollte es ruhiger laufen. Als Einsatzleiter bei Europol war er oft wochenlang weg gewesen. Toni liebte seinen Job, seine Frau liebte er jedoch noch mehr. Und um ihre Ehe zu retten, wollte er einen ruhigeren Posten und hatte um die Versetzung nach Palma gebeten. Deshalb – und weil er den Mord an seinem Halbbruder Lucas aufklären wollte. Aber in erster Linie wollte er mehr Zeit für seine Frau finden. Nirgendwo war die Scheidungsrate höher als bei Polizisten. Er würde zumindest dieses Abendessen nicht verpassen.

Kaum saß er in seinem Dienstwagen, rief er im Casa di Roma an und reservierte einen Tisch auf der hinteren Terrasse, die abgeschirmt vom Lärm der Hauptstraße ruhig gelegen war. Selbst im April befanden sich schon viele Touristen auf der Insel. Es füllte sich regelmäßig zu den Osterfeiertagen. Das Lokal lag zwar nicht idyllisch, der Pizzabäcker war aber der beste im Südwesten von Mallorca. Da waren sich Mel und er einig.

An diese Familienkutsche als Dienstwagen würde er sich nie gewöhnen. Toni liebte schnelle Autos und Motorräder, da passte dieser Mégane überhaupt nicht zu ihm und seinen Vorlieben.

Auf dem Weg ins Hotel Bellaverde schaltete er das Blaulicht ein, um schnellstmöglich über die Abkürzung am Sandstrand entlang in Richtung Norden zum Fundort zu kommen. Außen herum über die Umgehungsstraße würde es ihn zu viel Zeit kosten.

Toni schaffte es noch vor der Presse oder den Reportern des Lokalfernsehens zum Fundort, die dem Bellaverde schon vor der Wiedereröffnung die erste Schlagzeile bescheren würden, sobald sie vom Leichenfund erfuhren. Und es würde bekannt werden. Denn sobald in Santa Ponsa die Polizei ausrückte, bekam das der Lokalsender BI4 als unmittelbarer Nachbar mit. Ohne zu wissen, worum es ging, folgten die Reporter den Einsatzwagen, was oft zu chaotischen Zuständen am Tatort führte.

Die Lage des Hotels war kaum zu schlagen. Es saß mitten auf der Landspitze unterhalb von Costa de la Calma. Der zahlende Gast blickte über den hellen Sandstrand des Ortes hinaus auf das in der Sonne funkelnde Meer sowie auf die edlen Jachten des luxuriösen Club Náutico de Santa Ponsa, die träge im Hafenbecken schaukelten. Das Ambiente wirkte gediegen und entspannt. Eine perfekte Postkartenidylle – wären nicht in diesem Moment die Einsatzwagen hergefahren, um schräg und ungeordnet wie Autoscooter auf einem Rummelplatz zum Stehen zu kommen.

Toni stellte seinen Wagen dazu, stieg aus und machte sich auf die Suche nach seinem Team. Das Fahrzeug von Doktor Jaume Álvarez entdeckte er sofort. Es stand quer vor dem imposanten Hoteleingang.

Am Eingang stand ein Kollege der Policía Local. Toni zückte seine Marke. „Comandante Antonio Morales. Wo ist der Fund?“

„Buenos días, Comandante. Der Fund ist bei der ehemaligen Wäscherei, nach der Rezeption links, die Treppe nach unten. Der Fahrstuhl ist noch abgestellt.“

„Muchas gracias“, bedankte sich Toni und machte sich auf den Weg.

Einige Bauarbeiter lümmelten auf den Treppenstufen herum. Die Spurensicherung hatte sie offensichtlich vom Fundort verjagt, vielleicht waren sie auch freiwillig gegangen. Eine Leiche war nie ein schöner Anblick.

„Guten Morgen.“ Catarina Pérez kauerte neben Jaume Álvarez, beide trugen die üblichen weißen Schutzanzüge, um nichts zu kontaminieren.

„Drüben liegt noch einer für dich. Und dann komm rüber. So was habe ich noch nie gesehen.“ Catarina steckte ihren Kopf durch das Loch in der Wand.

Toni beeilte sich mit dem Überstreifen des Anzugs. Neugierig beugte er sich über die beiden und steckte den Kopf ebenfalls in die Öffnung der Wand. Überrascht stellte Toni nur einen abgestandenen Geruch fest. Es roch nicht nach Leiche, nur muffig. Jaumes Lampe leuchtete einen Zwischenraum aus. Diese Wand war offensichtlich nur dazu erbaut worden, um die Leiche dahinter verschwinden zu lassen. Blanke Knochen lehnten in einer unnatürlichen Stellung wie an die Wand drapiert. So etwas hatte Toni ebenfalls noch nie gesehen. „Wie lange liegt die Leiche schon an dieser Stelle?“

Jaume zog die Stirn kraus. „Mich wundert viel mehr, dass der Körper nicht mumifiziert ist. Dahinter ist eine Betonwand. Ich muss die Wand langsam abtragen. Das wird dauern. Riechst du etwas?“

Toni verneinte.

„Eben. Es muss eine Luftzufuhr gegeben haben, sonst wären die Knochen nicht blank. Mehr kann ich erst sagen, wenn ich sie auf dem Tisch habe. Aber gemessen am Beckenknochen, müsste es sich um eine weibliche Person handeln.“

„Alter?“

Jaume sah Toni an. „Jetzt übertreibst du aber.“

Catarina lachte. „Bei deinen Fähigkeiten weiß man immer nie, was dir so auffällt.“

„Sie war noch jung, das kann ich sagen.“

Catarina und Toni sahen sich überrascht an.

„Die Zähne. Da ist noch kein Zahnersatz. Aber jetzt verschwindet, und lasst mich meine Arbeit machen.“

Catarina trat zurück, zog sich den Anzug aus und ging auf die Treppe zu. „Und? Hast du so etwas schon mal gesehen? Wer auch immer das Opfer war, freiwillig hineingekrochen wird es nicht sein.“

Toni zog sich ebenfalls den Anzug aus.

„Und ihr Mörder läuft vermutlich immer noch frei herum. Wären die Handwerker nicht gewesen, wäre das weiterhin unbemerkt geblieben.“

„Wer hat die Wand eingeschlagen?“ Toni sah sich nach den Bauarbeitern um, die unten vor der Treppe warteten.

„Das war ich“, meldete sich ein untersetzter Glatzkopf zu Wort. „Hier unten soll eine Wellnessoase entstehen, also sollten alle nicht tragenden Wände raus, um den Bereich neu zu gestalten.“ Der Mann zeigte auf die nur zum Teil geöffnete Wand. „Es hat mich schon gewundert, warum die Wand dort war. Sie war in den alten Plänen nicht eingezeichnet, aber das bedeutet ja nichts. Als ich mit dem Vorschlaghammer dagegenschlug, ist mir die unmittelbar dahinterliegende Wand aufgefallen. Der Abstand zwischen den Wänden betrug nur etwa fünfzig Zentimeter. Das war schon sehr merkwürdig. Also habe ich den Vorarbeiter geholt, und der hat die Knochen entdeckt.“

Der genannte Mann trat vor. „Dann habe ich bei der Polizei angerufen. Die Knochen müssen hier weg, damit wir weitermachen können.“

Toni schüttelte den Kopf. „Wenn das die einzige Baustelle ist, die ihr im Hotel habt, dann habt ihr Feierabend. Hier wird heute nicht mehr gebaut. So viel steht fest.“

„Gut, Abmarsch“, befahl der Vorarbeiter. „Ich kläre das weitere Vorgehen mit dem Chef. Seht zu, ob ihr bei der Poolebene helfen könnt.“

Damit verließen sie den Keller. Toni bat den Vorarbeiter um die Kontaktdaten der Arbeiter. Er würde einen Kollegen mit der schriftlichen Aussageabschrift vorbeischicken, um sie unterschreiben zu lassen. Der Fall war kalt. Und die Männer konnten nichts dazu sagen, außer wie sie die Leiche gefunden hatten.

Catarina steckte die Hände in die Hosentaschen. „Hattest du nicht frei?“

„Frag nicht, Mel geht irgendwann ohne mich segeln, wenn das so weitergeht. Und brennt mit dem Kapitän durch.“ Toni sah sich im Keller um. Einen alten Zugang zu einem Raum neben der Wand gab es noch. „Ist da offen?“

Catarina bejahte. „Da ist aber nichts mehr. Der Raum ist leer.“

Toni öffnete die Tür. Sie quietschte grauenvoll. Der Raum maß vielleicht vier auf vier Meter. Vermutlich war es ein Stauraum gewesen, den man später nicht mehr benutzt hatte.

„Hier kommen wir nicht weiter.“ Toni kratzte sich am Kinn. „Sag mal, weiß jemand, wie das Hotel vor dem Verkauf geheißen hat? Bruno und ich könnten das mit den alten Vermisstenfällen abklären.“

„Das lässt sich mit Sicherheit herausfinden. Vielleicht weiß das der neue Eigentümer sogar. Mit dem sollten wir reden.“

Fünfzehn Minuten später hatten sie den früheren Hotelnamen über den jetzigen Eigentümer erhalten. Es handelte sich um das frühere Reina del Mar. Der Name brachte etwas in Toni zum Klingen. Doch er konnte es nicht greifen. Noch nicht.

„Sagt dir der Hotelname etwas?“, wandte er sich an Catarina.

„Nie gehört.“ Catarina zeigte nach draußen. „Ab ins Revier, wir haben Arbeit vor uns.“

Toni sah auf die Uhr. Wenn er jetzt noch aufs Revier fuhr, würde er es mit Sicherheit nicht rechtzeitig nach Hause schaffen. Besser, er ließ sich gar nicht darauf ein. „Bisher kannst du nur in den Dateien suchen, ob du zum Hotel etwas findest. Solange wir nicht wissen, wann die Leiche eingemauert worden ist, können wir nur raten. Und dazu brauchst du mich nicht.“

„Du fährst nach Hause?“ Catarina sah ihn fassungslos an.

Toni zuckte die Schultern. Die Leiche lag seit vielen Jahren hinter der Mauer, die würde es ihm nicht verübeln, wenn er die Ermittlungen erst einige Stunden später aufnahm. „Ja, und ich werde mein Telefon abschalten.“

„Der Coronel wird toben.“ Catarina blieb in der Hotellobby stehen. „Obwohl, im Grunde hast du einen freien Tag.“

„Eben.“ Seine Mitarbeiterin lag richtig. „Der Coronel muss es ja nicht erfahren. Ich bin im Außendienst, und fertig. Heute geht einfach nicht.“

Mel sollte an diesem Tag noch die Bestätigung ihrer Eintragung erhalten. Das musste gefeiert werden. Er hatte es ihr versprochen, und Anabel würde das nicht verhindern können.

Catarina lächelte. „De acuerdo, du bist also noch vor Ort, wenn sie fragt.“

„Danke.“ Er hob die Hand zum Abschied, ging in die gleißende Sonne hinaus und stieg in den aufgeheizten Mégane. Es lohnte sich kaum, die Klimaanlage anzuschalten. Mit heruntergelassenen Fenstern fuhr er die paar Straßen durch Santa Ponsa nach Hause.

Als Toni in seine Einfahrt einbiegen wollte, verhinderte nur eine Vollbremsung den Zusammenstoß mit einigen Umzugskartons, die seine Auffahrt blockierten. „Was ist denn hier schon wieder los?“

Fluchend stellte er den Wagen auf der Straße ab. Er musste nicht lange nachsehen, wer für das Chaos verantwortlich war. Seine Schwiegermutter kam mit einem weiteren Karton aus ihrer Doppelhaushälfte, umrundete ihren Seat Ibiza und stellte die Kiste auf eine andere. „Adelheid, kannst du das nicht bei dir drüben machen?“

„Dann würdest du meckern, weil du die Umzugskisten so weit tragen musst.“ Mit ihrem bunten Hippiekaftan hätte sie besser auf den Las-Dalias-Markt nach Ibiza gepasst als in seine Auffahrt.

„Was habe ich damit zu tun?“

Sie zeigte auf seinen Dienstwagen. „Dein Auto hat einen riesigen Kofferraum, und wenn man die Rücksitze umklappt, gibt es eine super Fläche, um alles in einer Fuhre wegzubringen.“

„Ich gehe mit Mel feiern.“ Bevor er seiner Schwiegermutter helfen sollte, musste er klarstellen, dass das nicht funktionierte. Nicht an diesem Tag. „Oder hast du die Eintragung ins Anwaltsregister vergessen?“

Adelheid strich sich eine Haarsträhne zurück. „Mit dem Feiern wäre ich mir nicht so sicher.“ Sie wies mit dem Kopf zu seiner Doppelhaushälfte.

Toni beschlich ein ungutes Gefühl. Er betrat sein Haus und fand Mel über eine Kiste gebeugt im Wohnzimmer vor. „Mel? Was ist hier los?“

„Was hier los ist?“ Ihre Stimme klang stinkwütend.

Er sah sich um. Ohne groß nachzudenken, packte Mel Bücher in die Kiste, eine Dekovase folgte. Er war doch nur drei, maximal vier Stunden fort gewesen. „Ja, und sieh mich bitte an.“

Mel hielt in der Bewegung inne und sah auf. „Sie haben mich abgewiesen.“

„Wer?“ Die Antwort las er in ihrem Gesicht. Die Anwaltskammer hatte Mels Eintragung zurückgewiesen. „Die Kammer? Dann gehen wir dagegen vor. Weißt du schon, weswegen?“

„Nein, so viel Ehre wurde mir nicht zuteil.“ Sie pfefferte die Bücher in den Karton.

„Das kann nur ein Missverständnis sein.“ Toni konnte sich keine andere Erklärung vorstellen. Mel besaß in Deutschland einen hervorragenden Ruf, sie hatte die Prüfung in spanischer Sprache mit Bravour bestanden, sie arbeitete in einer renommierten Kanzlei, es gab keinen Grund für eine Ablehnung.

„Weißt du, wie ich nun vor meinem Chef dastehe?“ Mels Augen funkelten zornig. „Nur, weil irgendein Trottel glaubt, seine Macht ausüben zu müssen?“

„Mel, hier wird eben manchmal geschlampt, das weißt du doch, nun beruhige dich bitte.“ So ungehalten kannte er seine Frau nicht. Sie behielt immer einen kühlen Kopf. Egal, wie die Dinge standen.

„Darum mache ich hier jetzt endlich Ordnung.“ Und schon landete Tonis Lieblingsroman in dem Karton. Die großen Ziffern auf dem Cover erkannte er sofort. Es handelte sich um eine signierte Ausgabe von George Orwells 1984. Der Roman spiegelte in vielerlei Hinsicht das totalitäre Machtgefüge während des Spanischen Bürgerkriegs wider, in dem Tonis Großvater im Krankenhaus George Orwell kennengelernt hatte und sie in Briefkontakt geblieben waren. Die signierte Ausgabe hatte Tonis Großvater gehört. Toni hatte den Roman schon in seiner Jugend mehrmals gelesen, vielleicht hatte er sogar unbewusst seine Berufswahl beeinflusst. Mel hatte er nie davon erzählt. Für sie war es nur ein abgegriffenes Buch.

Er ging zu Mel und nahm sie in den Arm. „Wir werden trotzdem nachher schön essen gehen, einverstanden? Und mein Lieblingsbuch kommt zurück ins Regal.“ Er nahm das Buch aus dem Karton.

„Das alte Ding ist dein Lieblingsbuch?“ Mel sah ihn überrascht an. „Ich wusste nicht mal, dass dir Lesen wichtig ist.“

Toni lachte und küsste sie. „Du weißt eben noch nicht alles von mir.“

„Sieht so aus.“ Mel nahm das Buch zur Hand und öffnete es. „Oh, es ist sogar signiert. Es tut mir leid.“

„Schon gut. Du konntest es ja nicht wissen. Und morgen wirst du, besser gesagt, dein Chef, mehr erfahren. Und dann regelt sich das sehr schnell wieder.“

Mel lehnte sich an ihn. „Deine Zuversicht möchte ich haben.“ Wenigstens hörte sie sich wieder ruhiger an.

Nachdem die größte Welle von Mels Wut abgeebbt war, wagte Toni erneut einen Vorstoß. „Und was wird das hier?“ Er zeigte auf die herumstehenden Dekosachen und Kartons.

„Das sind Dinge, die wir nicht mehr brauchen.“ Mel zog einige Bücher aus dem Karton. „Sonst noch ein Lieblingsbuch darunter?“

Toni sah sich die Titel an. „Nein, die können weg.“

„Beinahe hätte ich etwas weggegeben, das dir wichtig ist. Es tut mir leid. Ich war eben nur so wütend.“

„Und deine Wut lässt du an unserem Hausstand aus?“

„Besser als an dir, oder?“ Da war es, das sexy Lächeln, das Toni so an seiner Frau liebte.

„Ja, allerdings. Und wohin darf ich die Sachen an meinem freien Tag, den ich mit meiner Frau verbringen wollte, fahren?“ Toni klappte einen Karton zu.

„In die Altersresidenz. Adelheid veranstaltet übermorgen mit ein paar anderen einen Flohmarkt, um die Ausgaben für die Katzenkolonie zu decken. Futter und Tierarztkosten. Und für die Bewohner der Residenz ist es wieder ein spannender Tag, an dem sie gebraucht werden.“ Mel gab Toni einen Kuss. „Dein Beitrag ist es, die Sachen hinzufahren.“

Adelheid hatte definitiv zu viel Freizeit. Die beiden Tage, die sie im Altersheim die betagten Herrschaften unterhielt, füllten ihre Freizeit nicht aus. Seit Neuestem kümmerte sie sich um eine Katzenkolonie, was mit Sicherheit nicht von allen Anwohnern gerne gesehen wurde. Adelheids Spanisch war schnell sehr gut geworden. Sie scherte sich nicht viel um die Grammatik, redete einfach los. Ihre offene Art kam hervorragend an, und innerhalb weniger Monate hatte sie sich einen spanischen Freundeskreis aufgebaut. Die neuesten Bekannten kümmerten sich um die wilden Katzen, eine Straße vom Altersheim entfernt. Und Adelheid stürzte sich mit Begeisterung in diese Aufgabe.

Und um die Kastrierungen zu finanzieren, musste nun sein Hausstand herhalten. „Wann muss das Zeug dort sein? Vor unserem Essen?“

Mel sah ihn flehend an. „Vorher gibt meine Mutter sowieso keine Ruhe.“

Das stimmte. Toni murrte, nahm den Karton und trug ihn in die Auffahrt. „Adelheid, du bist noch schuld an meinem Magengeschwür.“

„Blödsinn. Daran bist du schon selbst schuld.“ Im Grunde bewunderte er den Freigeist seiner Schwiegermutter, er schlummerte auch in Mel. „Und die restlichen Sachen darf ich dann am Samstagabend wieder abholen?“

„Kluger Junge.“ Sie zeigte auf ihre Garageneinfahrt. „Der noch, und wir können los.“

„Die Residenz weiß über die Ladung Bescheid?“

„Natürlich.“

Mel brachte den Rest. „Ich finde es gut, dass die Sachen so wieder irgendwo benutzt werden.“

„Ich soll euch von Emilia schön grüßen. Sie backt morgen Kekse, die wir verkaufen können.“ Adelheid lehnte sich an das Garagentor. „Sie macht sich wirklich gut.“

Toni freute sich, das zu hören. Das arme Mädchen hatte genug durchgemacht. Die Familienzusammenführung war Mels erster Fall gewesen, wenn auch inoffiziell. In der Gerichtsverhandlung vor vier Monaten durfte Mel nicht als Anwältin auftreten, obwohl sie sich um die Vorbereitung der Verhandlung gekümmert hatte. Doch das würde sich nun ändern. Sie hatte die Prüfungen bestanden. Und die Eintragung stellte nur noch eine Formsache dar. Davon war er überzeugt.

„Sag ihr ebenfalls schöne Grüße, grüße auch ihre Schwester und ihre Mutter.“ Mel ging auf Toni zu, küsste ihn. „Danke, dass du das für meine Mutter tust.“

Toni machte sich an die Arbeit.

Elena Bellmar

Über Elena Bellmar

Biografie

Elena Bellmar ist das Pseudonym der Autorin Elke Becker, die 1970 im schwäbischen Ulm geboren wurde. Das Reisen liegt ihr im Blut. So schnürte sie bereits mit achtzehn Jahren ihren Rucksack und zog wochenlang durch Südamerika. Später verbrachte sie ein Jahr in Venezuela, um Spanisch zu studieren....

Weitere Titel der Serie „Comandante-Toni-Morales-Reihe “

Mord und andere Verbrechen auf Mallorca – Comandante Toni Morales ermittelt vor der malerischen Kulisse der Lieblingsinsel der Deutschen.
Pressestimmen
Mallorca Magazin

„Das Reizvolle an dem Krimi ist nicht nur der Plot und der spannungsreiche Aufbau, bei dem es schon gleich zu Anfang zur Sache geht. Wie schon in Band eins der Serie ›Toni Morales und die Töchter des Zorns‹ greift Elena Bellmar zudem aktuelle Themen auf.“

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