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Mit Eispickel und Stethoskop

Mit Eispickel und Stethoskop

Als Höhenmediziner auf die Gipfel der Welt

Taschenbuch
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Mit Eispickel und Stethoskop — Inhalt

Mit fünf Jahren unternahm er seine erste Bergtour, mit acht träumte er vom Himalaja, mit sechzehn stand er auf dem Matterhorn. Die alpinistische Karriere des international bekannten Extrembergsteigers und Höhenmediziners Oswald Oelz verlief steil: in die großen Wände der Alpen und schließlich auf die Achttausender des Himalaja. Mit Humor und Selbstironie erzählt er von spektakulären Touren mit Reinhold Messner, Reinhard Karl und Marcel Rüedi, berichtet von dramatischen Rettungsaktionen und gewährt Einblicke in seine wegweisenden höhenmedizinischen Forschungen. Ein spannendes und tiefgründiges Buch mit zahlreichen Abbildungen aus dem Privatarchiv des Bergsteigers.

€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erschienen am 16.07.2013
368 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-40520-1

Leseprobe zu »Mit Eispickel und Stethoskop «

Prolog

Reinhard Karl bewarf uns vergnügt mit trockenem Yakmist: »Bulle«, sagte er mit dem breitesten Grinsen der Welt, »du musst unbedingt ein Buch schreiben, und ich weiß auch schon den Titel: Mit Eispickel und Stethoskop, Bulle, der Bergarzt, berichtet.«

Das war am 16. April 1982. Wir saßen auf einer Alm auf 4000 Metern während unseres Anmarsches zur Südwand des 8201 Meter hohen Cho Oyu. Vier Tage später war ich sterbenskrank und wurde im letzten Moment in lebensrettende Gefilde mit »dicker Luft« abtransportiert, Reinhard starb am 24. Mai in einer [...]

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Prolog

Reinhard Karl bewarf uns vergnügt mit trockenem Yakmist: »Bulle«, sagte er mit dem breitesten Grinsen der Welt, »du musst unbedingt ein Buch schreiben, und ich weiß auch schon den Titel: Mit Eispickel und Stethoskop, Bulle, der Bergarzt, berichtet.«

Das war am 16. April 1982. Wir saßen auf einer Alm auf 4000 Metern während unseres Anmarsches zur Südwand des 8201 Meter hohen Cho Oyu. Vier Tage später war ich sterbenskrank und wurde im letzten Moment in lebensrettende Gefilde mit »dicker Luft« abtransportiert, Reinhard starb am 24. Mai in einer Eislawine.

 

Dabei hatte alles so übermütig und vergnügt angefangen. Die Cho-Oyu-Südwand war erst einmal durchstiegen worden, nämlich 1978 von den Österreichern Edi Koblmüller und Alois Furtner. Da die beiden für diese Tour gar keine Bewilligung besessen hatten, waren sie heimlich vorgegangen. Die Wand galt als besonders schwierig und gefährlich, was uns natürlich reizte. Wir waren vier Bergsteiger: zunächst Reinhard Karl, mit dem ich zwar erst eine Tour gemacht hatte, aber das war immerhin der Everest gewesen. Er hatte es zum erfolgreichsten Bergsteiger Deutschlands gebracht, hatte sein Studium abgebrochen, um sich ganz dem Klettern, der Fotografie und dem Schreiben zu widmen, und war ein Gesinnungs-Achtundsechziger, der, was immer in seinem Kopf brodelte, ungefiltert freisetzte. Dann war da Wolfgang Nairz, genannt Wolfi, dessen Reiseunternehmen mir seit 1972 mehrere Achttausender-Expeditionen ermöglicht hatte, und schließlich Rudi Mayr, der Newcomer, den Reinhard wegen seiner jugendlichen Naivität »Rudi Ratlos« genannt hatte. Vanessa, meine Frau, wollte während der ganzen Reise bei uns sein und so hoch hinaufsteigen, wie es ihr gefiel. Eva, die Frau von Reinhard, begleitete uns bis zum Basislager. Wir waren unruhig wie Schlittenhunde vor einem Rennen, da wir in Katmandu wegen bürokratischer Hindernisse und schlechten Wetters, das Flüge nach Lukla unmöglich machte, über eine Woche Zeit verloren hatten. Ich musste spätestens sechseinhalb Wochen nach Abreise wieder in mein Spital zurückkehren, denn mehr als drei Wochen unbezahlten Urlaub hatte mir mein Chef Paul Frick trotz allem Verständnis für mein unverständliches Tun nicht gewährt.

Am 11. April hatten wir es – einmal mehr – gar nicht bis zum Flugzeug geschafft: »No flight today, too many clouds.« Dabei war das Wetter ganz früh am Morgen klar, vor sieben Uhr durfte aber niemand fliegen, da der Flugplatzdirektor erst um diese Zeit ins Büro kam. Ich begann zu toben, brüllte unseren unschuldigen Sherpa Gyaltzen an, endlich irgendein verdammtes Flugzeug mit einem fähigen Piloten zu finden. Reinhard meinte, wir sollten, statt diese blöden Achttausender zu versuchen, lieber in der Pfalz klettern, dort müsse man sich wenigstens nicht mit unfähigen Leuten herumärgern. »Achttausender-Versuche, das ist so, wie wenn du einen Haufen Tausendmarkscheine in die Kloschüssel legst und abziehst.«

Schließlich klappte es. Wir stürmten durchs Sherpa-Land und spielten Frisbee. Reinhard hatte beschlossen, ein Frisbee vom Gipfel des Cho Oyu segeln zu lassen. Mich nannte er wegen meiner Ungeschicktheit beim Spiel »Dr.Useless«. Zwischendurch trafen wir alte Sherpa-Freunde. Der Chang, das trübe Bier des Himalaja, floss in Strömen und wurde mit zunehmender Höhe immer besser. Den Höhepunkt des an Terror grenzenden Chang-Rituals erlebten wir im Hause unserer Freundin Ang Kanchi, die schon während Wochen vor unserer Ankunft Dong Chang gebraut hatte, ein besonders starkes und besonders köstliches Getränk. Immer wieder forderte man uns auf: »She, She, She!«, also »Trink, trink, trink!«. Sobald wir die Becher abstellten, füllten die freundlichen Frauen gleich wieder nach.

Trotzdem gelangten wir schnell – zu schnell – in die Höhe. Wir hetzten uns gegenseitig in vier Tagen von 1200 Metern auf 4600 Meter Höhe, dabei hatte ich selbst doch wenige Tage vor der Abreise noch in einem Aufsatz geschrieben: »Die meisten Bergsteiger, die einige Tage über 3000 bis 3500 Meter Höhe verbracht haben, erlebten zumindest leichte Symptome der Bergkrankheit schon am eigenen Leib, besonders wenn sie zu schnell zu hoch hinaufgestiegen sind.« Das galt für uns selbstverständlich nicht . . . Am 17. April sahen wir erstmals die gewaltige Südwand unseres Berges, hoch und ernst. Wir fühlten uns großartig, obwohl wir, da unsere Zelte nicht rechtzeitig eintrafen, zusammengepfercht in einem Stall schlafen mussten. Reinhard kommentierte das noch mit der Bemerkung zu Eva, die selbstverständlich alle deutlich hören sollten: »Gut, haben wir gestern gevögelt, heute ginge das nicht.« Dann umhüllten uns die Träume und das Bangen um den Cho Oyu. In den vorangegangenen Jahren war ich bei mehreren Besteigungsversuchen gescheitert, aber nun hatte ich das tiefe Tal der Niederlagen durchschritten.

Der Anblick unserer Südwand vom 5100 Meter hohen Basislager aus dämpfte unsere Hochstimmung. Sie sah schlimm aus, ein Irrgarten zerbrochenen Eises, durchzogen von Felspfeilern und drohenden Séracs, darüber eine sehr steile Gipfelwand. Ich litt etwas unter Atemnot, bemerkte ein Rasseln, das meine Atmung begleitete, und bestätigte mithilfe des Stethoskops die Diagnose eines Höhen-Lungenödems. Also war ich doch wieder einmal zu schnell zu hoch hinaufgestiegen. In früheren Jahren hatte ich mich in solchen Fällen jeweils geheilt, indem ich einige Hundert Meter tiefer geflüchtet war. Diesmal aber hegte ich andere Pläne. Die Rasselgeräusche waren eine willkommene Gelegenheit, um eine Behandlungsmethode auszuprobieren, die bei Patienten mit einem Lungenödem infolge Herzversagens gute Wirkung zeigt: Ich kaute Nitroglyzerinkapseln. Dieser Wirkstoff erweitert die Venen und reduziert somit den erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf, welcher der wesentlichste Faktor bei der Entstehung des Höhen-Lungenödems ist. Und tatsächlich brachte die Therapie Erleichterung. Ich konnte wieder flach liegen, die Atemnot nahm ab. Zudem blies ich am Abend und während der ganzen Nacht, immer wenn ich aufwachte, durch ein Widerstandsventil, das ich aus der Klinik mitgenommen hatte. PEEP – positive end expiratory pressure – wird diese Methode genannt; sie bewirkt beim Ausatmen einen zusätzlichen Druck in den Lungenbläschen, welcher kollabierte Lungenareale öffnet und möglicherweise den Abtransport des Blutwassers fördert. Dies verschaffte mir zusätzliche Erleichterung. Voller Begeisterung verfasste ich schon während der Nacht in meinen Gedanken ein »Paper«, also einen Beitrag für die führende Medizinzeitschrift Lancet, in der ich meine neue Methode zur Behandlung des Höhen-Lungenödems bekannt machen wollte. Am Morgen des 20. April war mein Lungenödem, wie ich mittels des Stethoskops feststellte, verschwunden. Ich fühlte mich als großartiger Arzt und würde es dem Cho Oyu schon zeigen.

Ich blieb noch etwas liegen, sagte Vanessa, ich wolle noch schlafen. Erst vierzig Stunden später wachte ich wieder auf.

 

Vanessa schrieb über diese Zeit wenig später: »Es ist fünf Uhr nachmittags. Wieder schaue ich in unser Zelt. Oswald schläft, so hat es den Anschein. Ich spüre, dass etwas nicht wie sonst ist. Er schläft tief, atmet schwer, und als ich seinen Puls nehme, berechne ich eine Frequenz von 140 Schlägen pro Minute. Ich rüttle ihn wach, um ihn zu fragen, welche Medikamente ich bringen soll: ›Du spinnst, ich bin ganz normal‹, ist seine Antwort. Am Abend hat sich sein Zustand nicht verändert. Er schläft, gibt keine anderen Lebenszeichen von sich, das Lungenrasseln hat wieder zugenommen. Wolfi meint, dass man ihn erst am nächsten Morgen hinunterbringen könne. In der Nacht zu gehen sei zu gefährlich. Nicht einmal Sauerstoff haben wir. Die Flaschen sind auf dem Weg irgendwo zwischen Katmandu und Base Camp. Es wird eine schlimme, endlose Nacht. Oswald ist nicht mehr zu wecken, er atmet ganz schwach, viermal kurz hintereinander, dann lange nicht, wieder viermal hintereinander. Ich stopfe ihm immer wieder Nitroglyzerinkapseln in den Mund und warte, bis er wieder atmet.

Auf Wolfis Geheiß verlässt uns der Sirdar um sieben Uhr morgens, um einen Helikopter anzufordern. Die Sherpas bauen aus den Stangen des Küchenzelts eine Trage. Um neun Uhr morgens ist es so weit. Wolfi und Rudi holen den regungslosen Oswald aus dem Zelt. Reinhard steht fassungslos daneben: ›Ach Gott, der Bulle sieht furchtbar schlecht aus, wenn er das überlebt, ist er für ein halbes Jahr ausgepowert.‹ Wir packen Oswald auf die Trage, acht Sherpas tragen mit, alle vierhundert Meter müssen sie rasten. Immer wieder versuche ich, Oswald einen Teelöffel Flüssigkeit einzuflößen. Die Sonne brennt gnadenlos auf uns nieder, reflexartig reißt sich Oswald immer wieder seine Brille und den Hut vom Kopf. ›Fesselt ihn endlich‹, sagt Reinhard, ›der merkt sowieso nichts mehr.‹ Mechanisch gehe ich hinter der Trage bergab, meine Gefühle habe ich irgendwo begraben. Nach achtstündigem Marsch erreichen wir endlich Gokyo, bloß vierhundert Höhenmeter tiefer. Dort treffen wir auf ein Schweizer Ärztepaar. Die beiden bemühen sich um Oswald, spritzen entwässernde Mittel. Weiterhin aber fehlen Medikamente und besonders der Sauerstoff, ohne den Oswald nicht überleben wird. Reinhard rennt sofort ins Basislager zurück, um die angegebenen Medikamente zu holen, Wolfi verläßt uns auch, um mit einem Gewaltmarsch im Spital des Dorfes Kunde Sauerstoff zu organisieren. Rudi, das Ärztepaar, die tapferen Sherpas und ich tragen Oswald bis nachts um zehn Uhr weiter. Dann kommt Nebel auf, mit den zwei Taschenlampen ist nichts mehr auszurichten. Auf einer verlassenen Alp finden die Sherpas eine offene Hütte. Wir betten Oswald ins Heu. Jetzt warten wir und beten, dass er wieder aufwacht.«

 

Um mich herum lag Heu, ich kam nicht zurecht. Meine Hosen waren nass, ich wurde ins Freie hinausgeschleppt. Vanessa, Rudi, die Sherpas, fremde Menschen. Irgendetwas war passiert. Jemand stach mich in den Arm. Wenn mich zwei Leute stützten, konnte ich stehen, also war ich nicht gelähmt. Ich konnte auch urinieren, ich war okay. Ein Hubschrauber, ich wurde eingeladen, fühlte mich gut, irgendwo landeten wir. Der Pilot sagte etwas von Katmandu: »Nein, ich will auf den Cho Oyu, ich will aussteigen und zurück ins Basislager. Ich bin jetzt wieder gesund. Nein, nein, nein, nicht weiterfliegen!« Vanessa versuchte mich zu überzeugen, aber ich wehrte mich, beschrieb die Spitäler in Katmandu als Schlangengruben, in denen ich sterben würde. Der Pilot redete kurz mit mir, dann sagte er: »I do not discuss with a sick man« – ich streite mich nicht mit einem kranken Mann. Ich war hilflos, ausgeliefert, versuchte verzweifelt auszusteigen, aber meine Beine trugen mich nicht.

Der Hubschrauber flog nach Katmandu; auf dem Flugplatz standen viele besorgte Menschen herum. Dann wurde ich ins Shanta Bhawan Hospital gebracht. Röntgen, Blutentnahmen, eine Spritze. Meine Lunge sah nicht gut aus; im Augenhintergrund hatten die Ärzte zudem Retinablutungen festgestellt sowie Zeichen der Hirnschwellung. Die Waden schmerzten bei der geringsten Bewegung. Ich hatte schrecklichen Durst und blieb nur im Spital, weil Vanessa mir versprach, Bier zu bringen. Neben mir lag ein alter Mann, der die ganze Nacht hustete. Am nächsten Morgen verließ ich das Spital. Inzwischen hatte ich mir überlegt, was passiert war: Der durch die PEEP-Atmung gesteigerte Druck in meinen Lungenbläschen wurde über das Blutgefäßsystem auch in das Gehirn weitergeleitet. So kam es innerhalb der Schädelkapsel zum Druckanstieg, zur Hirnschwellung und zur Bewusstlosigkeit.

Ich wollte zurück zum Cho Oyu, zur Südwand. Schließlich war ich als Folge eines medizinischen Experimentes auch am Everest krank gewesen und hatte dann doch auf dem Gipfel gestanden. Aber diesmal kam es anders: In der Nacht des 26. April setzte unvermittelt ein sich schnell steigernder bestialischer Schmerz in meiner rechten Lunge ein. Ich diagnostizierte eine Lungenembolie, entstanden durch ein fortgespültes Gerinnsel aus einer Unterschenkelvene. Dieser Blutpfropf war wegen des Bewegungsmangels während meiner Bewusstlosigkeit und wegen der Bluteindickung entstanden, die ihrerseits auf der höhenbedingten Zunahme von roten Blutkörperchen, der Austrocknung und der Injektion von wassertreibenden Mitteln beruhte. Der Schmerz war fast unerträglich. Der Traum vom Cho Oyu war ausgeträumt.

Drei Tage später waren wir in Zürich. Der Schmerz hatte aufgehört, weil jetzt Flüssigkeit das Reiben der strapazierten Lunge am Rippenfell verhinderte. Die Untersuchungen in der Klinik bestätigten, dass ich eine Lungenembolie durchgemacht hatte. Am 3. Mai war ich zurück bei meiner Arbeit in der Klinik, am folgenden Tag begann erneut das Waldlauftraining. Es schmerzte noch etwas. Ich musste aber für die nächste Expedition trainieren – denn diese würde bestimmt kommen.

 

Am 24. Mai erhielt ich einen Anruf aus Innsbruck: Man habe schlechte Nachrichten, Wolfi sei schwer verletzt und Reinhard tot, eine Eislawine. Ich war betäubt. Wir hatten nur eine Besteigung zusammen gemacht, nur einmal zusammen am Seil die letzten hundert Höhenmeter zum Gipfel des Everest geklettert und uns auch später selten getroffen. Trotzdem waren da so viel gegenseitiges Verständnis und Freundschaft. Einige Tage später erst traf ein Brief von Wolfi ein, in welchem auch Reinhard einige Zeilen geschrieben hatte: »Oswald, es ist schade, dass Du jetzt nicht mehr da bist. Wir beide wollten ja wieder einmal zusammen auf einem hohen Berg sein. Sollte es bei uns klappen, werde ich mindestens eine Minute dort oben an Dich denken. Aber bis dahin ist es noch lange nicht so weit. Obwohl das mein letzter Achttausender sein wird, sollten wir es in ein paar Jahren noch einmal gemeinsam probieren. Ich hoffe, Du wirst wieder gesund und der alte und wenn wir wieder zu Hause sind, kommen Du und Vanessa mal in die Pfalz zum Klettern auf kleine Berge mit dicker Luft oder wir, Eva und ich, suchen Euch in Zürich heim. Liebe Grüße. Reinhard.«

Ich konnte es nicht glauben, dass dieser unverschämte Riesenkerl mit dem kindhaften Vergnügen am Leben und dem breitesten, neugierigsten, freundlichsten Lächeln über sich selbst und den Rest der Welt tot war. Wie schade ist es, dass du jetzt nicht mehr da bist, dachte ich mir, dein Tod hat in mir eine tiefe Traurigkeit zurückgelassen. Die Geschichte war unvollendet, nicht ausgestanden. Irgendwann musste ich zurück in die Südwand des Cho Oyu, um zu begreifen, dass Reinhard gestorben war. Auch Reinhards Vorschlag, ein Buch zu schreiben, hat mich über die Jahre nicht mehr losgelassen. So tauche ich 17 Jahre danach wieder hinein in die Welt zwischen den Polen Medizin und Bergsteigen, die mein Leben bestimmen. Ich steige hinab in die tiefen Täler der Niederlagen und hinauf auf die orgiastischen Höhepunkte, durchlebe noch einmal das Spiel und den Ernst, die Trauer um die Freunde und die Lust am übermütigen Wahnsinn.

Über Oswald Oelz

Biografie

Oswald Oelz, 1943 in Vorarlberg geboren, hat sich seit den Siebzigerjahren als Chefarzt, Bergsteiger, Expeditionsarzt und Höhenmediziner einen Namen gemacht. Er war der dritte Bergsteiger auf den »Seven Summits«. Seine andere Leidenschaft ist die Innere Medizin, die er seit 2006 als Privatmann von...

Inhaltsangabe

Prolog

Gipfelfreuden und Liebessehnen

Studentenleben mit Höhenflügen

Dramatische Tage am Mount Kenya

Expeditionen

Wissenschaft, Wildwasser und ein Couloir

Everest: Verweilen am Endpunkt

Adrenalin pur

Höhenrausch

Der trügerische Fremde

Zwischenspiel

Makalu, Schritte über die Grenze

Seven Summits der Eitelkeiten

Intrigen und die Matterhorn-Nordwand

Mendelssohn und der Walker-Pfeiler

Eiger-Angst

Klettern im Alter

Epilog – Auf dem Wasser zu singen

Das kleine Einmaleins der Bergmedizin

Zeittafel

Literatur

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