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Mir steht alles offen, ich find nur nicht die Tür

Endlich gelassen und gut entscheiden

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Mir steht alles offen, ich find nur nicht die Tür — Inhalt

Entscheiden ohne Reue

Mit den richtigen Entscheidungen ersparen wir uns Irrwege, Liebesleid und bares Geld. Riskieren wir aber zu viel, können wir auch viel verlieren. Egal ob in Liebe, Beruf, Finanzen oder Freundschaft, dauernd müssen weitreichende Konsequenzen gegeneinander abgewogen werden – ein schier unmögliches Unterfangen. Rebecca Niazi-Shahabi zeigt, dass der Schlüssel guten Entscheidens nicht im Abwägen, sondern im Loslassen liegt, warum auch Zögern eine Entscheidung ist und weshalb Selbsterkenntnis sehr viel fröhlicher macht als alle Chancen zusammen.

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 02.09.2019
208 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06156-8
€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erschienen am 02.09.2019
208 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99472-9

Leseprobe zu „Mir steht alles offen, ich find nur nicht die Tür“

Wenn man nur wüsste, was man will — dann würde man all die Entscheidungsratgeber nicht brauchen!

 

Um die Entscheidungsfindung von Menschen zu erforschen, legen Verhaltenspsychologen heimlich Münzen neben Kaffeemaschinen und Kopierer und stellen fest, dass dieser unerwartete „Nebenverdienst“ ihre Probanden fröhlicher und risikofreudiger macht. Sie veranstalten komplizierte Lotterien und finden heraus, dass Menschen eher ihren Besitz schützen als Gewinne machen wollen. Und bei moralischen Dilemmata entscheiden sich die meisten Befragten lieber dafür, [...]

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Wenn man nur wüsste, was man will — dann würde man all die Entscheidungsratgeber nicht brauchen!

 

Um die Entscheidungsfindung von Menschen zu erforschen, legen Verhaltenspsychologen heimlich Münzen neben Kaffeemaschinen und Kopierer und stellen fest, dass dieser unerwartete „Nebenverdienst“ ihre Probanden fröhlicher und risikofreudiger macht. Sie veranstalten komplizierte Lotterien und finden heraus, dass Menschen eher ihren Besitz schützen als Gewinne machen wollen. Und bei moralischen Dilemmata entscheiden sich die meisten Befragten lieber dafür, eine Katastrophe geschehen zu lassen, als aktiv einzugreifen und einen Kollateralschaden zu riskieren.

Die Ergebnisse dieser Versuche sind lehrreich, manchmal sogar verblüffend und durchaus unterhaltsam, aber was haben ausgelegte Münzen, moralische Dilemmata und Lotteriespiele mit unserem eigenen Leben zu tun? Wie können sie uns helfen, so zu entscheiden, dass am Ende genau das herauskommt, was uns wirklich glücklich macht?

Richtig kluge Entscheidungen zu treffen ist etwas, was jeder gut können möchte. Richtige Entscheidungen ersparen einem Irrwege, Liebesleid und bares Geld.

Entscheiden wir aber zu schnell, können wir unser Leben ruinieren; brauchen wir zu lange, werden wir das Beste verpassen; riskieren wir etwas, können wir viel gewinnen, aber auch viel verlieren. Wer nicht oder falsch entscheidet, verpasst also die bestmöglichste Version seines Lebens – und das ist unverzeihlich. Jedenfalls glauben wir das.

 

Nicht entscheiden können ist quälend. Und selbst wenn wir unzählige Menschen um Rat fragen würden – im entscheidenden Moment können sie uns doch nicht helfen. Denn entscheiden muss man immer allein. Aber wie können wir herausfinden, was wir wollen, denn wüssten wir es, wäre die Sache ja schon entschieden? Entscheidungen markieren also den Punkt, an dem wir etwas am Status quo ändern müssen, aber noch nicht wissen wie.

Los geht’s!



Einleitung

Wenn alles ganz anders werden soll ...

... und man deswegen dringend entscheiden muss

 

Solange wir davon ausgehen können, dass alles beim Alten bleibt, meiden wir das Risiko. Erst wenn eine Situation unerträglich wird – der Job immer nerviger, der Partner immer liebloser, das Kind immer frecher, der Alltag immer langweiliger und die Figur immer konturloser –, haben wir das Gefühl, die entscheidende Wende in unserem Leben herbeiführen zu müssen.

Den ersten Schritt in die Freiheit, so empfehlen Coaches und Lebensberater, macht nur, wer etwas wagt und aus bestehenden Mustern ausbricht. Dafür soll man sich zum Beispiel ausmalen, wo man in einem Jahr oder in fünf oder zehn Jahren gerne wäre. Und dann soll man alles daransetzen, das Gewünschte zu erreichen. Schließlich können wir morgen alles sein, wenn wir heute nur wollen. Das Einzige, was uns angeblich einschränkt, sind unsere Ängste – und unsere Glutenallergie.

Doch die Wirklichkeit ist leider oft anders, als „nachdenkliche Sprüche mit Bildern“ uns glauben machen wollen. Meist weiß man nämlich gar nicht so genau, was einen unzufrieden, unglücklich oder unruhig macht – ganz zu schweigen davon, welche Entscheidung einen von diesem Zustand erlösen könnte. Man weiß nur eines: So wie es ist, kann es auf keinen Fall bleiben!

Panisch macht man sich auf die Suche nach einem lohnenden Ziel, damit man endlich entschlossen losmarschieren kann, schließlich ergeben sich dann angeblich die meisten Entscheidungen von selbst. Nur wie kann es sein, dass man gar nicht weiß, welches Ziel man erreichen will? Traut man sich vielleicht einfach nicht, zu seinen wahren Wünschen zu stehen, wie viele Lebensberater behaupten?

Damit wir uns endlich trauen, üben sie Druck auf uns aus. „Zögere nicht länger“, „Verlasse deine Komfortzone“, „Glaube an dich und wirf deine Ängste über Bord!“ sprudelt es aus der Lebenshilfedruckbetankung direkt in unser schlechtes Gewissen hinein. Und Druck ist ihrer Meinung nach nötig, um endlich die Hindernisse zwischen uns und unserem Ziel abzubauen. Endlich soll alles verschwinden, was uns bisher daran gehindert hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und das Richtige zu tun.

Der Irrtum könnte größer nicht sein.

Derart motivierte Menschen sind zwar voller Hoffnung, dass sie nun alle nötigen Entscheidungen treffen werden, sie müssen aber schnell feststellen, dass ihnen ihre Entschlossenheit beim Entscheiden auch nicht viel hilft. Denn was auch immer sie Neues beschließen und beginnen, es gibt stets eine noch schönere Möglichkeit als die soeben ausgewählte. Einen noch größeren Traum, der sich erfüllen ließe, wenn man nur den Mut dazu hätte. Woher soll man also wissen, dass man auf dem richtigen Weg ist? Denn das ist das Problem mit den vielen Optionen, die uns heute angeblich zur Verfügung stehen: Wenn alles infrage kommt, ergibt nichts einen Sinn. Und man kann es genauso gut bleiben lassen!

Wie können wir also herausfinden, welche von den vielen Optionen unsere Option ist? Ob die nächste Reise, die Reise ist, die wir wirklich machen wollen? Wie können wir erkennen, ob es richtig ist, weiterhin durch diese Bürotür zu gehen und nicht stattdessen etwas ganz anderes zu machen? Wann es Zeit ist, seinen Partner zu verlassen, auf einer Familienfeier zu sagen, was man denkt, ein Kind zu bekommen oder alles aufzugeben und mit einem Wohnwagen durch die Welt zu ziehen?

Machen Sie ein Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie hätten die absolute Entscheidungsautonomie. Alles, was Sie in Ihrem Leben bereits getan, gesagt, unterlassen oder auch nicht gesagt haben, war genau das, was Sie tun wollten. Gehen Sie nur zum Spaß davon aus, dass Sie instinktsicher stets die Alternative ergriffen haben, die unter den gegebenen Umständen, unter Berücksichtigung Ihrer Talente, Schwächen und Vorlieben, sowie Ihres jeweiligen Wissens- und Kontostands die beste Entscheidung war. Anders kann es ja gar nicht gewesen sein, denn sonst müsste Sie jemand daran gehindert haben – und dieser Jemand kann niemand anderer gewesen sein als Sie selbst. Und selbst in diesem Fall müssten Sie sich eigentlich keine Vorwürfe machen, denn auch dafür werden Sie Ihre Gründe gehabt haben. Denn hinter jeder Unentschlossenheit, hinter jedem Zögern steckt ein ganz besonderer Sinn. Nun müssen Sie nur noch herausfinden, welcher. Und dann ergibt sich Ihre nächste Entscheidung von ganz allein.



1 Du kannst alles, wenn du dich traust

Im Gefängnis der Möglichkeiten

„Wir sind alle maximal frei und maximal unter Zwang. Und zugleich wollen wir uns so viele Optionen wie möglich offenhalten.“ Hartmut Rosa, Soziologe

Es passiert selten, aber es kommt vor: Sie sind verwechselt worden. Als man Ihnen die Aufnahmen aus dem Vorraum einer Bankfiliale vorführt, müssen auch Sie zugeben, dass die Person, die dort den Bankautomaten sprengt, Ihnen verblüffend ähnlich sieht. Ein Serientäter, es besteht Flucht- und Wiederholungsgefahr, also kommen Sie in Untersuchungshaft. Sie versuchen Ruhe zu bewahren, was nicht einfach ist in dieser Umgebung. Vom Bett aus schaut man auf ein verkalktes Waschbecken und eine Toilette, wenigstens sind Sie allein in Ihrer Zelle. In dieser Nacht schlafen Sie nicht, und als Sie um sechs Uhr fünfzehn geweckt werden und nach Ihrem Anwalt fragen, vertröstet man Sie auf später. Sie werden hier bald herauskommen, da ist sich Ihr Anwalt sicher, trotzdem bleibt ein komisches Gefühl, als Sie nach der Unterredung wieder aus dem Besucherraum in Ihre neun Quadratmeter große Zelle geführt werden. Als die Zellentür hinter Ihnen geschlossen wird, bricht Ihnen der Schweiß aus. Zum ersten Mal in Ihrem Leben haben Sie Platzangst.


Am nächsten Tag wollen Sie mit Ihrem Arbeitgeber telefonieren, Sie müssen das Telefonat anmelden. Das Mobiltelefon hatte man Ihnen gleich bei Ihrer Einlieferung abgenommen. Am Nachmittag am Telefonapparat im Besucherraum, im Beisein eines Justizbeamten, erklären Sie sich. Ihr Arbeitgeber versichert Ihnen, dass Sie sich keine Sorgen machen brauchen; ein Justizirrtum, der sicher bald aufgeklärt ist.Es passiert selten, aber es kommt vor: Sie sind verwechselt worden. Als man Ihnen die Aufnahmen aus dem Vorraum einer Bankfiliale vorführt, müssen auch Sie zugeben, dass die Person, die dort den Bankautomaten sprengt, Ihnen verblüffend ähnlich sieht. Ein Serientäter, es besteht Flucht- und Wiederholungsgefahr, also kommen Sie in Untersuchungshaft. Sie versuchen Ruhe zu bewahren, was nicht einfach ist in dieser Umgebung. Vom Bett aus schaut man auf ein verkalktes Waschbecken und eine Toilette, wenigstens sind Sie allein in Ihrer Zelle. In dieser Nacht schlafen Sie nicht, und als Sie um sechs Uhr fünfzehn geweckt werden und nach Ihrem Anwalt fragen, vertröstet man Sie auf später. Sie werden hier bald herauskommen, da ist sich Ihr Anwalt sicher, trotzdem bleibt ein komisches Gefühl, als Sie nach der Unterredung wieder aus dem Besucherraum in Ihre neun Quadratmeter große Zelle geführt werden. Als die Zellentür hinter Ihnen geschlossen wird, bricht Ihnen der Schweiß aus. Zum ersten Mal in Ihrem Leben haben Sie Platzangst.

 

Binnen achtundvierzig Stunden, hatte Ihr Anwalt gesagt, sei mit Ihrer Entlassung zu rechnen, kein Grund also, voreilig Verabredungen und Geschäftstermine abzusagen. Obwohl völlig übermüdet, können Sie auch diese Nacht nicht einschlafen. Der Beamte der Frühschicht bringt Ihnen das Frühstück, danach sitzen Sie auf dem Stuhl und warten, aber worauf? Sie sind noch keine drei Tage in Haft und können sich bereits vorstellen, dass man hier von Mahlzeit zu Mahlzeit lebt. Außer dem einstündigen Hofgang gibt es keinerlei Ablenkung. Sie werden etwas zu erzählen haben, beim nächsten Treffen im Biergarten, Sie wissen jetzt, wie es ist, wenn man sich mit allen Fasern seines Körpers nach Freiheit sehnt. Als Sie am Nachmittag im Hof zum ersten Mal anderen Häftlingen begegnen, schlägt Ihr Herz schneller. Mit einem Italiener namens Matteo spielen Sie eine Runde Tischtennis, er ist schon vier Monate hier und verrät Ihnen, dass man einen Fernseher und sogar einen E-Book-Reader mit versiegeltem USB-Anschluss mieten kann.

Eine Woche dauert es, bis der Reader genehmigt ist. Sie finden darauf die neueste Unterhaltungsliteratur, aber auch Klassiker des 19. Jahrhunderts. Sie beginnen mit zwei Werken, von denen Sie immer behauptet haben, dass Sie sie gelesen hätten, die sie aber in Wirklichkeit nur als Zusammenfassung kennen. Der Nachmittag geht schnell vorüber, wann haben Sie das letzte Mal konzentriert drei Stunden am Stück gelesen? Nach dem Abendbrot lesen Sie weiter, wenn man am Schreibtisch sitzt und die Schranktür aufklappt, sieht man die Toilette gar nicht, und Sie fühlen sich fast wohl in Ihrem kleinen Zimmer.

Wiederum zwei Wochen später haben Sie eine Routine entwickelt. Nach dem Frühstück machen Sie eine Stunde Sport, dann widmen Sie sich Ihrer Lektüre, und nach dem Mittagessen (welch wunderbares Gefühl, sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, was man essen will und sich mit der Freundin zu streiten, wer heute einkauft und kocht), spielen Sie eine Partie Tischtennis mit Matteo. Außerdem haben Sie sich über einen Freund englische und italienische Bücher zukommen lassen. Der Urlaub mit Ihrer Freundin auf Sylt ist abgesagt, aber den kann man nachholen. Matteo sagt, dass Ihr Italienisch schon viel besser geworden ist, Sie fragen nicht, warum er in Untersuchungshaft ist, es ist Ihnen egal, schließlich haben Sie eine Einzelzelle und fühlen sich ob der Komplettüberwachung (man befindet sich schließlich im Gefängnis!) recht sicher. Sie freuen sich einfach auf die Nachmittage mit ihm, und auch Sie scheinen ihm sympathisch zu sein.

Ihr Freund kommt zu Besuch und macht Ihnen Komplimente zu Ihrer Figur. Sie haben sich lange nicht mehr im Spiegel angeschaut, denn weder in Ihrer Zelle noch in den Duschräumen gibt es Ganzkörperspiegel, aber Ihnen ist aufgefallen, dass Ihre Hosen lockerer sitzen. Offensichtlich scheinen der Sport am Morgen und die Tischtennisrunden am Nachmittag einen gewissen Effekt zu haben. Weil Ihnen inzwischen das Lesen englischer Fachliteratur leichterfällt, bestellen Sie sich die neueste 3-D-Software. Sie haben schon lange mit dem Gedanken gespielt, sich auf diesem Gebiet weiterzubilden, hatten aber natürlich nie die Zeit dazu. Zum Glück sind Sie fast der Einzige, der den PC im Aufenthaltsraum benutzt, Sie arbeiten sich die nächsten Wochen durch das interaktive Traineeprogramm, wahrscheinlich werden Sie Ihre Kompetenzen noch einmal vertiefen müssen, aber im Großen und Ganzen sind Sie mit Ihren Fortschritten zufrieden.

Ihr Anwalt meldet sich, seinem Antrag auf erneute Haftprüfung wurde stattgegeben, und plötzlich ist es so weit, Sie können gehen. An dem Nachmittag, an dem Sie ins Freie treten, scheint die Sonne: Sie sprechen Italienisch, beherrschen ein kompliziertes 3-D-Programm, Ihr Oberkörper ist definiert und Sie haben alles von Dostojewski gelesen – würden Sie diese Zeit bereuen?

 

Wem alles offensteht, der weiß nicht, wo er hingehen soll

Wir haben zu viele Möglichkeiten und können uns darum immer schlechter entscheiden. Aber haben wir wirklich all diese Möglichkeiten, von denen da gesprochen wird? Und wenn ja, warum meinen wir, diese Möglichkeiten alle in Anspruch nehmen zu müssen?

 

In seinem Buch Anleitung zur Unzufriedenheit legt der amerikanische Psychologe Barry Schwartz dar, warum es unmöglich ist, mit einer Wahl zufrieden zu sein, wenn man aus zu vielen Optionen auswählen kann. Die Idee, den allgegenwärtigen Terror der Vielfalt zu erforschen, kam ihm angeblich beim Jeanskauf. Jahrelang mit einer passenden Jeans in seiner Größe hochzufrieden, entdeckte er eines Tages im Jeansladen seines Vertrauens, dass im Laufe der Zeit eine ganze Bandbreite von Jeansmodellen hinzugekommen war. Nun gab es außer Casual noch Stretch, Slim, Comfort, Regular und Loose Fit. Natürlich kam bei dieser Auswahl die Frage auf, ob denn das Jeansmodell, welches er sich vor mehr als zwanzig Jahren ausgesucht hatte, auch genau jenes war, welches am besten zu ihm passte. Er probierte mehrere neue Modelle, betrachtete sich im Spiegel und war ratlos. Schließlich kaufte er irgendeine Jeans und verließ unzufrieden den Laden. Doch selbst wenn er eine Jeans gefunden hätte, die ihm besser gefallen hätte, als die, die er immer trug, wäre er nicht mehr glücklich geworden: Denn um das für ihn in diesem Laden optimale Modell zu erwerben, hätte er sämtliche Jeans anprobieren und in seine Entscheidung mit einbeziehen müssen – und genau dazu hatte er weder Lust noch Zeit.

Entscheidungstipp: Eine Garderobe voller Lieblingsstücke

Wer sich schwer beim Kleidereinkauf entscheiden kann, dem rät die Berliner Fotografin und Kostümbildnerin Sandra Schuck: „Kaufen Sie nur noch Kleidungsstücke, von denen Sie ganz sicher sind, dass sie zu Ihren absoluten Lieblingsstücken gehören werden. Alles, was Sie nur okay oder ganz praktisch finden, lassen Sie im Laden liegen. Wer braucht eine zweite Sofahose oder einen dritten Schlafpulli? Oder noch mehr langweilige Schuhe zum Wandern und für die Gartenarbeit? Wenn Sie diesen Tipp beherzigen, haben Sie irgendwann eine Garderobe, die hauptsächlich Kleidungsstücke enthält, die Sie tatsächlich anziehen mögen.“


Barry Schwartz’ Thesen beziehen sich vor allen Dingen auf Konsumfragen, doch die Übergänge zu Lebensentscheidungen sind fließend: Nicht wenige Menschen leiden darunter, dass die Auswahl an Möglichkeiten zu groß ist und sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Lebenszeit darauf verwenden, diese Möglichkeiten zu prüfen und zu verwerfen. Und dabei haben sie natürlich ständig Angst, das Beste zu verpassen.

Längst hat der Kostenaufwand (Nerven und Zeit) den Nutzen (eine große Produktauswahl) überholt. In der berühmten „Marmeladenstudie“ von Wissenschaftlern der Universitäten Columbia und Stanford konnte in Versuchen in kalifornischen Supermärkten gezeigt werden, dass an Probierständen mit einer großen Auswahl an Marmeladen zwar mehr Menschen stehen bleiben, dass aber die tatsächlichen Verkaufszahlen ab mehr als sechs Sorten signifikant sinken. Ab vierundzwanzig Sorten vergeht schließlich jedem Supermarktkunden die Lust auf Marmelade. Die Versuche wurden in mehreren Ländern mit Schokoaufstrichen, Landschaftsbildern und Schuhen wiederholt, die Ergebnisse sind immer dieselben.

Rebecca Niazi-Shahabi

Über Rebecca Niazi-Shahabi

Biografie

Rebecca Niazi-Shahabi stammt aus einer deutsch-israelisch-iranischen Familie und lebt in Berlin. Ihre Bestseller „Nett ist die kleine Schwester von Scheiße“, „Ich bleib so scheiße wie ich bin“ und „Scheiß auf die anderen“ befanden sich wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Inhaltsangabe

Einleitung

Wenn alles ganz anders werden soll . . .

Und man deswegen dringend entscheiden muss

1. Du kannst alles, wenn du dich traust

Im Gefängnis der Möglichkeiten

2. Endlich einmal etwas richtig machen

Warum Entscheiden nicht die Lösung ist

3. Mein gutes Recht auf Glück

Warum das, was andere haben, immer schöner ist

4. Der schöne Glanz des Zufalls

Das Märchen von der wahrscheinlichen Unwahrscheinlichkeit

5. Glücklich sein gegen den Rest der Welt?

Über ein merkwürdiges Gesellschaftskonzept

6. Wer die Reue besiegt

Ein Trick mit Nebenwirkungen

7. Wann es Zeit ist, radikal zu werden

Vom alles ausschließenden Grund

8. Will ich denn, was zu mir passt?

Von der Entscheidung ein anderer zu sein

9. Entscheidungen: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Nachweise
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