Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Blick ins Buch
Blick ins Buch
Mein Jahr mit Mr MacMein Jahr mit Mr Mac

Mein Jahr mit Mr Mac

Roman

Hardcover
€ 22,00
E-Book
€ 12,99
€ 22,00 inkl. MwSt.
Lieferzeit 2-3 Werktage
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 12,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Mein Jahr mit Mr Mac — Inhalt

Thomas ist der Sohn des Wirts im Küstendorf Walberswick. Hier gibt es neuerdings Sommergäste, und ein Fremder fasziniert Thomas ganz besonders: Mr Mac muss Detektiv sein, denn er trägt Cape und Filzhut und er raucht Pfeife, genau wie Sherlock Holmes. Im Pub wird über ihn getuschelt - Mac geht zu den unwahrscheinlichsten Zeiten spazieren; er zeichnet noch das armseligste Blümchen am Wegesrand; oft starrt er am Strand stundenlang in Richtung Horizont. Dann bricht der erste Weltkrieg aus. Die Urlauber reisen ab, nur die Mackintoshs bleiben. Je schlimmer der Krieg wird, desto verdächtiger finden die Dorfbewohner den Sonderling Mr. Mac...

Erschienen am 01.04.2016
Übersetzer: Anke Kreutzer, Eberhard Kreutzer
368 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8270-1268-5
Erschienen am 01.04.2016
Übersetzer: Anke Kreutzer, Eberhard Kreutzer
368 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7876-6
»Die Verbindung der biografischen Realität Mackintoshs mit der fiktiven Geschichte von Thomas gelingt dem Roman auf organische Weise. [...]. Man liest einen typischen Esther-Freud-Roman, ergänzt um ein hochaktuelles Thema.«
Die ZEIT
»Esther Freud […] zeichnet in ihrem Buch ein bezauberndes Porträt des schottischen Malers und Architekten Charles Rennie Mackintosh, der als Vorläufer der Modern Art gilt.«
Bayerischer Rundfunk "b5 aktuell"

Leseprobe zu »Mein Jahr mit Mr Mac«

KAPITEL 1

Ich bin in dem kleinen Zimmer unterm Dach zur Welt gekommen, nicht in der Kammer mit dem Gaubenfenster, in dem ich jetzt schlafe, auch nicht in dem großen, dem für die Gäste, die im Sommer kommen und uns vorher schreiben, von wann bis wann sie bleiben wollen. Manchmal dürfen da auch Leute übernachten, wenn sie zu viel getrunken haben, aber von denen holt Mutter sich das Geld im Voraus. Könnte ja jeder kommen und am nächsten Morgen behaupten, er hätte keine Ahnung, wie er in dieses wunderbare, breite Bett gekommen ist, da hätte ihn wohl jemand [...]

weiterlesen

KAPITEL 1

Ich bin in dem kleinen Zimmer unterm Dach zur Welt gekommen, nicht in der Kammer mit dem Gaubenfenster, in dem ich jetzt schlafe, auch nicht in dem großen, dem für die Gäste, die im Sommer kommen und uns vorher schreiben, von wann bis wann sie bleiben wollen. Manchmal dürfen da auch Leute übernachten, wenn sie zu viel getrunken haben, aber von denen holt Mutter sich das Geld im Voraus. Könnte ja jeder kommen und am nächsten Morgen behaupten, er hätte keine Ahnung, wie er in dieses wunderbare, breite Bett gekommen ist, da hätte ihn wohl jemand mitgenommen und – gegen seinen Willen, wenn auch schön bequem – einfach dabehalten. Aber das kommt nur zur Erntezeit vor, wenn die Männer und Jungen die Weizenspreu, die ihnen in der Kehle kitzelt, herunterspülen oder wenn sie im Hochsommer der Hafer sticht. Aber ich bin im Winter geboren, und die Brandung unten am Strand hat in jener Nacht lauter gebrüllt als meine Mutter bei ihrem neunten Kind.
Mein Vater war draußen im Sogg’s Fen auf Kaninchenjagd und brachte bei seiner Rückkehr die Nachricht mit, drei Fischer aus Dunwich würden auf See vermisst. In Dunwich läuteten sie die Kirchenglocken, und meine Mutter schwor, sie hätte es trotz des tosenden Sturms bis in ihr Zimmer gehört. Dann hat sie mich auf ihre Brust gelegt und geheult, als wollte sie mich mit ihren Tränen ersäufen. »Was hast du?« Meine Schwester Mary kümmerte sich um sie. »Will er nicht trinken?«
Aber Mutter sagte nur, sie hätte gewusst, dass diese Nacht jemanden holen würde, und – der Herrgott möge ihr verzeihen – sie sei nur so unendlich froh, dass es nicht mich getroffen habe.
Das Kaninchen drückte mein Vater zum Ausnehmen und Abziehen Mary in die Hand, dann kroch er zu Mutter ins Bett und schlief vom Branntwein, in dem er seine Angst ertränkt hatte, ein.
»Wir können uns nicht beide auf die faule Haut legen«, sagte meine Mutter und stupste ihn, »wenn der Junge nicht umsonst überlebt haben soll.« Als er sich nicht rührte, ließ sie mich neben ihm liegen, stand auf und stieg vorsichtig die Leiter hinunter. Für den Fall, dass noch ein Gast kam und etwas essen wollte, machte sie in der Schankstube Feuer.
Mutter hatte das Dorf im Blut: Als Tochter eines Schweinehirten war sie nicht weit von der Dorfwiese geboren und aufgewachsen. Wäre sie nicht eines schönen Nachmittags genau in dem Moment auf die Straße getreten, als ein Mann an ihr vorbeiradelte und ihr zuzwinkerte, hätte sie im Leben nicht daran gedacht, von dort wegzugehen. »Messer zu schleifen«, sang er über die Schulter, und sie lächelte ihm zu. Er war schon älter, nicht so alt wie ihr Vater, aber auch nicht weit davon entfernt und ein wenig zerzaust, als hätte er niemanden, der auf ihn achtgab. Doch er lächelte auf seiner Runde von Haus zu Haus, und als er sie nach ihrem Namen fragte, erbot er sich, die Messer der Familie zum halben Preis zu schleifen. Er besaß einen eigenen Schleifapparat und verdiente, wenn er von früh bis spät arbeitete, ganz ordentlich. Als er und Mutter heirateten, nahm er sie mit nach Dunwich, wo er sich als Schweinemetzger niederließ. Mutter sagte, erst da hätte sie begriffen, wie gerne sie die Schweine mochte: wenn sie so mit ihren borstigen grauen Leibern in der Erde wühlten und sich in der Sonne suhlten, wie sie ihre Frischlinge nach Herzenslust graben und schnüffeln ließen – und wie sehr es ihr ans Herz ging, wenn sie aus dem Schlachthaus neben dem Laden ihre Schreie hörte. Genauso wenig hatte sie geahnt, wie ihr das Dorf fehlen würde – die flatternde Wäsche auf der Dorfwiese, die Gänse, die sie bewachten, die Pfade zum Fluss und hinunter zum Meer. Sie vermisste es, wie im Frühling der Farn seine Wedel aufrollte oder die Fasanen aus ihrem dichten, grünen Teppich traten und einherstolzierten. »Als ob es hier keinen Farn gäbe«, hielt mein Vater dagegen. »Oben auf der Heide, auch Fasanen, und sogar Rehe kommen aus dem Wald.« Wie sollte er wissen, dass es nicht die Rehe und Fasanen waren, die sie so gut kannte, als gehörten sie ihr.
In jenem ersten Jahr erfüllte er ihr jeden Sonntag den Wunsch, wieder daheim zu sein. Dann setzte er sie auf den Sattel seines alten Messerschleifer-Rads und fuhr mit ihr über die Marschen, durch Riedgras und Morast, auf Schafpfaden kaum eine Elle breit ins Dorf zurück. Auf dem holprigen, abschüssigen Gelände kamen sie in Fahrt und fielen am unteren Ende der Böschung kreischend beinahe in den Fluss. In Bridge Farm mussten sie absteigen und das Rad über einen Zauntritt heben und am Ortseingang von Dingle Marsh über einen Viehrost schieben. Als sie dann mit ihrem ersten Kind schwanger war, gingen sie zu Fuß hinaus, bis der Abend dämmerte, bis die Tage zu kurzen geworden waren und ihr Leib zu unförmig. Dann blieben sie meistens in Dunwich und gingen nur bis zu der Aussätzigenkirche oben an der Straßenbiegung. Sie kniete an der Seite ihres Mannes, drückte ihre angeschwollenen Knie ins Holz und wünschte, sie wäre für das, was sie hatte, dankbar.


KAPITEL 2

Den Blue Anchor pachtete mein Vater, als meine Schwestern Mary und Ann fast noch Babys waren. »Hier werden wir glücklich«, sagte Mutter zu ihm, »und mit einem Sohn gesegnet«, auch wenn ich nicht ganz verstehe, wieso uns der Pub glücklich machen sollte, wo doch Mr Frederick Easy, der vorherige Wirt, mit seiner Pacht so weit in Rückstand geraten war, dass sie seine ganze Habe auf der Straße verhökerten. Mutter kaufte ein Tischtuch, bestickt von seiner Tochter Grace, die hatte sich erst ein Jahr zuvor in der Regentonne ertränkt. Jedes Mal, wenn Mutter es auflegte, dachte ich an dieses Mädchen, wie stark sie gewesen sein musste, so unter Wasser zu bleiben. Damals wusste ich noch nicht, wie viel mehr Kraft es kostete, sich über Wasser zu halten. Und als mir dann dieses Seufzen wieder einfiel, das ich mal im Dunkeln aus dem Brunnenschacht gehört hatte und das ich mir nur durch einen Geist erklären konnte, hab ich mir das Tischtuch geschnappt und es in einem tiefen Loch im Garten vergraben.
Vater konnte sich nichts Tröstlicheres vorstellen, als begraben zu werden. Sein ganzes Leben lang – seit er mit elf auf der Irwell in die Lehre kam, die überraschenderweise in Southwald anlegte und dann mit ihrer Lumpen-Fracht Feuer fing – hatte er Angst, die See würde sein Grab. Offenbar war der Schiffsjunge vor ihm in den Flammen umgekommen. Aber mein Vater stammte aus einer Seefahrer-Familie. Schon sein Großvater und später sein Vater und sein Bruder waren zur See gefahren, und so boten sie dem Kapitän bei seinem Landgang meinen Vater an. Ich weiß davon, obwohl Vater lieber darüber schweigt. Offenbar fing sein Leben erst richtig an, als er zum Messerschleifen auf meine Mutter zugeradelt kam. Aber wenn ihn das Bier gesprächig macht, frage ich ihn manchmal, was für Arbeiten er an Bord erledigen musste; was für ein Gefühl das gewesen ist, in einer Koje zu schlafen, wenn sich das Schiff in den hohen Wellen fast auf die Seite legte, so wie ich es im Sailors’ Reading Room auf Bildern gesehen habe. Dann sieht er mich mit diesen seltsamen, traurigen Augen an, und ich denke, er will es mir sagen, aber stattdessen erzählt er von seinen Tagen als Schweinemetzger und wie es ein anständiges Geschäft hätte werden können, hätte nicht das Kreischen der Tiere und der Geruch nach Blut meine Mutter fast um den Verstand gebracht. »Aber Schankwirt ist ein guter Beruf, wenn man es schafft, davon zu leben«, sagt er dann, und mehr als einmal habe ich ihn bei einem verstohlenen Blick auf meinen verdrehten Fuß erwischt, und, ich schwör’s, mehr als einmal hab ich genau gesehen, wie er mir, wenn ich weghinke, hinterherschaut und zufrieden grinst.

Esther Freud

Über Esther Freud

Biografie

Esther Freud, 1963 in London geboren, ist die Tochter des Malers Lucian Freud und die Urenkelin von Sigmund Freud. 1991 erschien ihr Debütroman »Marrakesch« der mit Kate Winslet verfilmt wurde. Seither hat Esther Freud zahlreiche Romane veröffentlicht, die in 15 Sprachen übersetzt wurden.

Pressestimmen

Die ZEIT

»Die Verbindung der biografischen Realität Mackintoshs mit der fiktiven Geschichte von Thomas gelingt dem Roman auf organische Weise. [...]. Man liest einen typischen Esther-Freud-Roman, ergänzt um ein hochaktuelles Thema.«

Bayerischer Rundfunk "b5 aktuell"

»Esther Freud […] zeichnet in ihrem Buch ein bezauberndes Porträt des schottischen Malers und Architekten Charles Rennie Mackintosh, der als Vorläufer der Modern Art gilt.«

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden