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Machiavelli für Mütter

Machiavelli für Mütter

Von der Kunst, das Familienchaos zu beherrschen

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Machiavelli für Mütter — Inhalt

Ihre Kinder machen was sie wollen, der Ehemann ist ständig unterwegs und sie selbst hatte zuletzt vor zwei Jahren mal einen freien Abend. Da bekommt die vierfache Mutter Suzanne Evans Niccolò Machiavellis Schrift »Der Fürst« in die Hände und erkennt, dass die elegante Intrige all ihre Probleme lösen könnte. Ihr nicht ganz alltägliches Familienexperiment zeigt, dass der Zweck manchmal doch die Mittel heilt, warum kleine Kinder gewitzter sind als man denkt und wie sich im Auf und Ab des Familienlebens fürstlich die Ruhe bewahren lässt.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 11.08.2014
288 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96654-2

Leseprobe zu »Machiavelli für Mütter«

Das Experiment beginnt

 

Diese Geschichte entstand in einer chaotischen und krisengeschüttelten Zeit. Sie handelt davon, wie eine völlig erschöpfte und stressgeplagte Mutter die Strategien der Kriegsführung und Staatskunst anwendet, die Machiavelli in Der Fürst verordnet, um eine glückliche, wohlgesittete Familie um sich zu versammeln. Gleichzeitig verrät dieses Buch, wie man als Mutter dank Machiavellis Maximen entspannter und disziplinierter werden und die Dinge klarer sehen kann. Zumindest auf den ersten Blick …

 

 

 

Kapitel 1

Der Fürst und das [...]

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Das Experiment beginnt

 

Diese Geschichte entstand in einer chaotischen und krisengeschüttelten Zeit. Sie handelt davon, wie eine völlig erschöpfte und stressgeplagte Mutter die Strategien der Kriegsführung und Staatskunst anwendet, die Machiavelli in Der Fürst verordnet, um eine glückliche, wohlgesittete Familie um sich zu versammeln. Gleichzeitig verrät dieses Buch, wie man als Mutter dank Machiavellis Maximen entspannter und disziplinierter werden und die Dinge klarer sehen kann. Zumindest auf den ersten Blick …

 

 

 

Kapitel 1

Der Fürst und das Versprechen:
Oder was Machiavelli für Sie tun kann

 

Was, wenn ich Ihnen sagte, dass Ihre Kinder – ja genau, Ihre Kinder, die gerade auf den Betten herumhüpfen, Türen zuknallen, Müsli auf den Boden werfen und sich zanken, quengeln, kreischen, prügeln oder auf sonstige Weise versuchen, sich gegenseitig umzubringen – durchaus artig sein könnten?

Nicht nur »artig«, sondern wirklich und wahrhaftig folgsam und brav?

Und nicht nur das – was, wenn ihnen das sogar Spaß machen würde? Was, wenn Sie Ihre Zeit mit ihnen genießen könnten, anstatt sich durch die unzähligen, täglich auf Sie niederprasselnden Anforderungen als Elternteil chronisch erschöpft und geknechtet zu fühlen? Sie wissen genau, wovon ich spreche: von den unerbittlichen Forderungen, die an Sie gestellt werden – nach Zeit, Energie, Geld, Schlaf und Geduld. Von den Anforderungen an Ihre Karriere, Ihre Figur, Freundschaften und an andere Beziehungen, die Ihnen wichtig sind.

Was, wenn ich Ihnen sagte, dass es eine neue Herangehensweise gibt, einen neuen Masterplan, der Ihnen nicht nur zeigt, wie Sie als Elternteil an Einfluss gewinnen, sondern auch, wie Sie diesen Einfluss beibehalten und nutzen können, um Ihren Kindern zu helfen:

  • mehr Selbstsicherheit und Kontrolle über ihr Leben zu entwickeln … was Ihnen wiederum dabei hilft, glücklicher und entspannter zu sein,
  • Ihren Anweisungen stets Folge zu leisten … ohne dass Sie ständig nörgeln müssen,
  • den Wert von Geld und harter Arbeit schätzen zu lernen … was Ihnen hilft, Geld zu sparen,
  • schlechte Gewohnheiten wie Widerworte und Fluchen abzulegen … und Sie dabei unterstützt, durchzugreifen,
  • bereitwillig ihre Hausaufgaben zu machen … ohne dass Sie sie darum bitten müssen,
  • mit Kreativität und Phantasie gegen Langeweile vorzugehen … ohne dass Sie stets ein Unterhaltungsprogramm liefern müssen,

  • die Nächte tief und fest durchzuschlafen … während Sie Ihren Verstand, Ihr Sexualleben und Ihren inneren Frieden wiedererlangen.

Und noch etwas viel Verblüffenderes: Was, wenn ich Ihnen verspräche, dass sich Ihre Gedanken und Gefühle bezüglich der Kindererziehung langsam verändern werden, wenn Sie diesem Plan folgen?

  • Sie werden sich selbstbewusster, energiegeladener, proaktiver und kompetenter fühlen.
  • Sie werden Ihre Kinder mit weniger Kämpfen zu mehr Leistung anspornen können.
  • Sie werden nicht länger in Tagträumen von einem Urlaub ganz ohne Kinder schwelgen, dafür Ihr glückliches Strahlen zurückgewinnen (und Sie könnten sogar die vielleicht schon panisch in Betracht gezogene Sterilisation noch etwas hinausschieben).

Ganz egal, ob Sie Hausfrau und Mutter (oder Vater) oder eine hoch engagierte Karrierefrau sind, die in irgendeinem Trott feststeckt und nach neuen Perspektiven sucht – dieses Vorhaben wird Sie inspirieren, Ihren Einfluss zurückzugewinnen … und wieder selbst über Ihr Reich zu herrschen.

Ich war zunächst ebenfalls der Ansicht, das müsse ein Märchen sein. Bis ich die hier beschriebenen Konzepte ausprobiert habe, über die ich mehr oder weniger per Zufall in einem 500 Jahre alten Buch gestolpert bin. Ich entdeckte diese Ideen während einer Krise.

Nach außen mag es durchaus so gewirkt haben, als hätte ich alles, was sich eine Mutter nur wünschen kann. Meine Kinder waren gesund. Mein Mann war ein hart arbeitender, liebevoller und lustiger Mensch. Wir wohnten in einem schönen Haus inmitten einer Nachbarschaft, die ich sehr gerne mochte. Ich besaß sogar das Begehrteste und Wertvollste, was man sich als Eltern nur vorstellen kann: einen zuverlässigen Babysitter.

Und dennoch … keiner benahm sich so, wie es sich gehört (abgesehen mal vom Babysitter), nicht einmal die Katze, die ganz plötzlich eine starke Abneigung gegenüber ihrem Katzenklo entwickelte. Mein Zuhause war nicht einfach nur eine einzige Katastrophe – es war ein regelrechtes Schlachtfeld. Und zwar von der Sorte, dass die Aufsichtsbeamten der Stadt – wären sie überraschend hier hereingeplatzt – zunächst hätten putzen müssen, ehe sie das Ganze schließlich für unbewohnbar erklärt hätten. Und so sehr ich meine Kinder auch schätze und liebe, so fühlte ich mich doch überfordert, erschöpft, ausgelaugt und trug jeden Tag – seit dem Einsetzen der letzten Wehen – dieselbe alte abgetragene, ausgeleierte Jogginghose.

Ich befand mich also gerade an einem Tiefpunkt in meinem Leben, als mir eine Ausgabe von Machiavellis Der Fürst in die Hände fiel. Die Lektüre dieses Textes hat mein ganzes Leben buchstäblich auf den Kopf gestellt. Das hört sich verrückt an, nicht wahr? Doch seine Ratschläge halfen mir, meine Beziehung zu meinen Kindern aus einem dynamischen, neuen Blickwinkel heraus zu betrachten. Statt meinen Einfluss als Elternteil abzutreten, forderte ich ihn zurück. Statt jeden Tag zu kämpfen, um irgendwie durchzukommen, übernahm ich wieder das Kommando über mein Leben. Statt meine Kinder darum zu bitten, zuvorkommend, höflich, respektvoll und freundlich zu sein, nicht unangenehm aufzufallen und damit aufzuhören, mit meinem teuren Lippenstift die Wände zu bemalen, verlangte ich es. Und je weiter ich las, umso deutlicher spürte ich meine Verwandlung von einer völlig überlasteten und drangsalierten modernen Mutter zu einer, die friedlicher, ruhiger und klarer war.

Das ist natürlich nicht über Nacht vonstattengegangen. Und selbstverständlich hat es auch den einen oder anderen Rückschlag gegeben (wie Sie noch erfahren werden). Letztendlich lief es darauf hinaus, dass ich mir viele von Machiavellis Ratschlägen zu Herzen genommen, ein paar einfach ignoriert und andere eher großzügig interpretiert habe. Doch während ich dieses Experiment recht unvorbereitet und planlos angegangen bin, so fand ich in Der Fürst dann tatsächlich ein paar grundsätzliche Wahrheiten, die mir geholfen haben, eine bessere Mutter zu werden. Und ich hoffe, Ihnen wird es genauso gehen.

Statt Sie allerdings nun dazu aufzufordern, Machiavellis Kultbuch selbst zu lesen (auch wenn ich Ihnen das durchaus empfehle – ganz im Ernst, es ist eine tolle Lektüre), gehe ich einen Schritt weiter: Ich zeige Ihnen, wie Sie seine Regeln anwenden können, um selbst eine glücklichere Familie zu bekommen. Kein Scherz. Bei derart ernsthaften Themen ist mir nicht nach Scherzen zumute. Und weil dieser Denkansatz bei mir sehr gut funktioniert hat, möchte ich Sie dazu ermutigen, ihn selbst auszuprobieren. Doch wenn Sie sich darauf einlassen, dann denken Sie an diesen Ratschlag: Haben Sie keine Angst vor Ihrem Einfluss als Elternteil. Nehmen Sie ihn an – und nutzen Sie ihn weise, konsequent und, vor allen Dingen, mit viel Liebe.

Viel Glück!

 

 

 

Kapitel 2

Mein machiavellischer Moment:
Oder weshalb ich dieses Experiment überhaupt für eine gute Idee hielt

 

 

Es war in Südkalifornien zu Beginn des 21. Jahrhunderts, und ich befand mich mitten in einer heftigen Krise. Seit Kurzem zum zweiten Mal verheiratet, waren mein Ehemann Eric und ich mit unseren jeweiligen Kindern zusammengezogen und versuchten, als Familie zusammenzuwachsen. Von Anfang an war das ein schreckliches Chaos. Wir hatten nicht nur keine Grundregeln für unsere Familie aufgestellt, wir hatten noch nicht einmal Grundregeln für unsere Ehe etabliert.

Ich weiß. Tolles Vorhaben, oder? Und so sind irgendwie nahezu alle Haushaltspflichten ganz automatisch mir zugefallen (mir ist noch immer schleierhaft, wie es dazu kommen konnte). Dazu gehörten alle Einkäufe, das Kochen und Putzen, das Hinbringen zum und Abholen vom Kindergarten, alle Fahrgemeinschaften, das Baden, das Bezahlen der Rechnungen, Wäschemachen und Windelwechseln. Gleichzeitig bemühte ich mich, meine Doktorarbeit fertigzustellen, die ich als letzte Anforderung für meinen Doktortitel in Geschichte an der Universität von Berkeley benötigte, und ich hatte soeben einen anspruchsvollen neuen Vollzeitjob angefangen, bei dem ich von zu Hause aus juristische Schriftsätze verfasste.

Unterm Strich bedeutete das, dass ich tagelang drinnen in der Falle saß (sprich: eingesperrt war!), während meine vier kleinen, ungestümen Kinder mich mit ihrem beständigen Gezänk in den Wahnsinn trieben.

Oh, habe ich das noch nicht erwähnt? Vier Kinder. Alle unter acht Jahren.

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch: Ich liebe meine Kinder von ganzem Herzen und würde ihretwegen Dantes neun Kreise der Hölle durchschreiten – hin und zurück. Doch sie besitzen auch die unheimliche Fähigkeit, mich an den Rand des Wahnsinns zu treiben.

Mit sechs hat Teddy, meine älteste und eigenständigste Tochter, mich manchmal imitiert und ihre Geschwister angebrüllt, wenn sie von ihnen mit ihren dummen Kinderstreichen geärgert wurde. »Hört auf, mir nachzulaufen! Lasst mich in Ruhe! Ich halte das nicht mehr aus!«, tobte sie dann, während die anderen kicherten und versuchten, sich auf der Couch an sie zu kuscheln.

Erschwert wurde das Ganze dadurch, dass ich mir mit meinem Exmann Paul das Sorgerecht für Teddy teilte. Er hat nicht wieder geheiratet und hat keine anderen Kinder, was bedeutete, dass sie bei ihm in einem Maß ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe erfuhr, wie es bei mir niemals möglich war. Und jedes Mal, wenn sie bei ihm war, war sein friedliches, ordentliches Zuhause ihr kleines Königreich, in dem sie schalten und walten konnte, wie sie wollte, ohne auch nur andeutungsweise auf Umsturztendenzen oder Widerstand zu stoßen. Keiner schleicht sich dort in ihr Zimmer, um ihr geliebtes weißes Plüschkätzchen ohne Fell zu entwenden (mehr zu diesem Desaster später). Keiner durchwühlt ihren Rucksack und zerreißt ihre sorgfältig erledigten Hausaufgaben (auch zu dieser epischen Schlacht später mehr).

Das bringt mich direkt zu meiner damals dreieinhalbjährigen Tochter Katie. Katie hat das Down-Syndrom und ist die Fröhlichkeit in Person. Sie kann aber auch ganz schrecklich dickköpfig und trotzig sein. Hinsichtlich Originalität, Konzept, Ausführung und schierer kreativer Zerstörungswut ist ihr Trotz in vielerlei Hinsicht tatsächlich beeindruckend. Und hätte sie an einem Wettkampf mit dem Ziel teilgenommen, Mütter in den Wahnsinn zu treiben, dann hätte sie von mir eine Eins mit Stern bekommen. Sie ist gewissermaßen eine Goldmedaillengewinnerin in Ungehorsam.

Katie ist außerdem eine erprobte Ausreißerin (auch hierzu später mehr). Sobald ich sie aus den Augen ließ, und sei es nur für eine zweiminütige Dusche oder um mal eben mein Handy zu suchen, das sie ausgeschaltet und irgendwo zwischen den Sofakissen versteckt hatte, schritt sie listig zur Tat und fand etwas noch Raffinierteres und Durchtriebeneres, was sie anstellen konnte.

Ihr zuverlässiger Mitverschwörer war dabei ihr jüngerer Bruder Trevor, der mitten in einer Trotzphase steckte und dazu neigte, einen welterschütternden Wutanfall zu bekommen, wann immer es unserer Katze Lucky gelang, sich seinem Griff zu entwinden (oder gerne auch dann, wenn er nicht genau das bekam, was er wollte, und zwar genau dann, wann er wollte).

Darüber hinaus wollte mein siebenjähriger Stiefsohn Daniel nichts mit mir zu tun haben. Sobald Eric einen Moment aus seinem Blickfeld verschwand, rannte er in einer fieberhaften Panik durchs Haus und schrie: »Dad! … Dad!! … DAD!!! … DAAAD!!! … DAAAD!!! … DAAAAAD!!!!« Dann kam er von seiner Suche zurück, schaute mich an und fragte ganz ruhig: »Weißt du, wo mein Dad ist?« Woraufhin ich für gewöhnlich mit den Schultern zuckte und etwas murmelte wie: »Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass er nicht hier in der Waschküche ist.«

»Ich bin eine schreckliche Mutter«, murmelte ich vor mich hin, als ich mal wieder eine Windel wechselte und von dem Tag träumte, an dem sie alle bestens im College aufgehoben sein würden. Gleich darauf fühlte ich mich schuldig, weil ich mir damit wünschte, ihre Kindheit wäre zu Ende.

Doch nach wie vor bestand mein verzweifeltes Bestreben darin, sie in weniger lästige Kreaturen zu verwandeln, damit ich wegen ihrer ständigen Streiterei nicht auch noch irgendwann zur Flasche griff, wenn sie schließlich das letzte Quäntchen Energie aus mir herausgesaugt hatten.

Wie Millionen anderer moderner Mütter ignorierte ich also jahrhundertealte weise Ratschläge und versuchte, meine Kinder zu ändern – indem ich schrie, nörgelte oder sie ignorierte. Was natürlich nur dazu führte, dass sich ihr Verhalten verschlimmerte. Sie stritten sich noch lauter, knallten die Türen heftiger zu und ließen häufiger benutzte Gläser und dreckiges Geschirr auf dem Tisch stehen.

Eines Abends, nachdem ich das Geschirr gespült und die Kinder ins Bett gebracht hatte, sprach ich mit meinem Mann über die beklemmend isolierende Tyrannei der Mutterschaft. Er konnte nicht nachvollziehen, weshalb ich mich beschwerte, sagte, für ihn höre es sich »wunderbar« an, den ganzen Tag zu Hause sein zu können – ha!

»Warum gehst du mit den Kindern nicht in den Park, wenn du zu Hause fast verrückt wirst?«, schlug er an einem kalten, regnerischen Abend hilfsbereit vor.

»In den Park?«, erwiderte ich scharf. »Warum gehst du nicht mit ihnen in den Park?«

Nach einem hitzigen Schlagabtausch zog sich Eric fluchtartig in unser Schlafzimmer zurück und schaltete den Fernseher ein, wohingegen ich in mein Büro rauschte. Ich war zu erschöpft, um zu arbeiten, saß an meinem Schreibtisch und starrte auf das staubige Regal voller Bücher. Es brach unter der Last von unzähligen Bänden über Geschichte, Literatur und Philosophie fast zusammen, die unsortiert übereinandergestapelt waren.

Sogar mein Bücherregal ist ein einziges Chaos, dachte ich.

Und als ich anfing, es zu ordnen, sprang mir eine Ausgabe von Der Fürst ins Auge. Sie erinnern sich doch an Der Fürst? Womöglich haben Sie das Buch wie ich in der Schule oder während des Studiums gelesen? Oder vielleicht vergammelt es ja auch auf einem staubigen, alten Regal in Ihrem Keller oder Ihrem Büro. In den letzten Jahren war mein Blick vermutlich tausend Mal über das Bücherregal geglitten, doch erst jetzt fiel mir das Buch auf.

Ich zog es aus dem Regal und betrachtete das Cover – ein Porträt von Niccolò Machiavelli in elegantem Amtsgewand. Sein intelligenter, entschlossener Blick war demütig auf mich gerichtet, seine schmalen Lippen umspielte ein wissendes Lächeln, seine Haltung war ruhig, entspannt, kraftvoll und selbstsicher – alles das, was ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben nicht war.

Fasziniert starrte ich einen Moment auf das ansprechende Antlitz, dann schlug ich das Buch auf und fing an zu lesen. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von Machiavelli – schlussendlich stand sein Name für Doppelzüngigkeit, Betrug und durchtriebene Machtanwendung. Außerdem kannte ich seinen berühmtesten Ausspruch: »Der Zweck heiligt die Mittel.«

Doch was genau wollte er eigentlich damit sagen?, fragte ich mich.

Ich war mir nicht sicher. Und da ich noch immer zu überspannt und wütend war, um ins Bett zu gehen, beschloss ich, Machiavellis dünne Ausgabe hier und jetzt zu überfliegen. Und je länger ich las, umso mehr verschwand meine Müdigkeit und umso aufgeregter wurde ich, denn schon bald war mir klar, dass dieser Machiavelli seit über 500 Jahren ungerechtfertigt in der Kritik stand. Tatsächlich glauben manche Gelehrte, dass er diesen berüchtigten Satz, der Zweck heilige die Mittel, niemals so gesagt habe – und selbst wenn, dass sein »Zweck« nicht in dem Erlangen von Macht um der Macht willen liege. Tatsächlich bestehe sein Ziel darin, Macht zu erlangen und zu schützen, um so die Sicherheit und Beständigkeit eines Staates zu garantieren. Und diese Beständigkeit helfe ihm dabei, die Zufriedenheit und das Wohlbefinden seiner Staatsbürger sicherzustellen.

Hmm, dachte ich, ein krisenfestes, sicheres Zuhause? Voll glücklicher, zufriedener Familienmitglieder? Das hörte sich nach einem verdammt guten Plan an, wie ich fand – sowohl für einen Fürsten als auch für ein Elternteil. Und das war der Moment, in dem es mich packte. Vielleicht konnte ich ja Machiavellis Regeln anwenden, um mir mein Reich zurückzuerobern und meine Kinder dazu zu bringen, artiger zu sein?

Es stellte sich heraus, dass Machiavelli mit der Niederschrift von Der Fürst just in dem Moment begann, als er sich in einer Krise ähnlich der meinen befand (okay, das ist jetzt vielleicht eine leichte Übertreibung). Aber wir waren beide an einem aufreibenden, entscheidenden Punkt in unserem Leben angelangt. Für Machiavelli war das 1513 in Florenz, Italien. Kurz zuvor aus seinem Amt als hochrangiger Diplomat in der Florentinischen Republik entlassen, hatte man ihn zu Unrecht festgenommen, eingesperrt und ihn wegen seiner vermeintlichen Beteiligung an einer Verschwörung gegen Kardinal Giuliano de’ Medici wiederholt gefoltert.

Nach seiner Freilassung wurde alles nur noch schlimmer. Nicht nur war die Republik, der er seit 14 Jahren treu ergeben diente, unter die Herrschaft von Tyrannen gefallen, man hatte ihn auch vom Staatsdienst ausgeschlossen (der einzige Beruf, den er kannte), ihn aus seinem geliebten Florenz verbannt (der Stadt, die er mehr liebte als die eigene Seele, wie er einst zugab), und – was vermutlich die aufwühlendste Veränderung war – er war mit seiner Frau und seinen sechs ungestümen, kleinen Kindern aufs toskanische Land ins Exil geschickt worden.

Na gut, vielleicht waren seine Probleme wirklich etwas schwerwiegender als meine. Doch beide empfanden wir ein gewisses Selbstmitleid und eine Verzweiflung, was unser irdisches Schicksal betraf. Was also tat Machiavelli? Er suhlte sich eine Zeit lang in seiner Misere und plante dann seine Rückkehr ins öffentliche Leben. Er hatte Mühe, seine junge Familie zu unterstützen, brannte vor unerfülltem Ehrgeiz und war zu Tode gelangweilt, also schluckte er seinen Stolz hinunter und schrieb eine kleine Einführung in die Politik – »mein Werkchen«, wie er es herablassend nannte – in der Hoffnung, so die Gunst der Medicis zu erlangen und einen neuen Regierungsposten zu erhalten. Machiavellis Krise brachte also Der Fürst hervor, die revolutionärste und zugleich geschmähteste politische Abhandlung aller Zeiten.

Hatte Mühe, seine junge Familie zu unterstützen? Frustriert und gelangweilt? Kommt mir irgendwie bekannt vor, dachte ich. Und als ich dann an diesem Abend Der Fürst fertiggelesen hatte, war ich so begeistert, dass ich ein kleines Experiment wagen wollte. Warum sollte ich nicht versuchen, Machiavellis Regeln auf mein Leben als Mutter anzuwenden?

Das hört sich merkwürdig an, ich weiß. Im Kern ist Der Fürst jedoch mehr als reine Theorie. Tatsächlich thematisiert er eine konkrete politische Krise, die Machiavelli selbst miterlebt hatte – die Zerrissenheit und der Ruin Italiens –, und sollte als praktisches Handbuch dienen. Ein prägnanter, scharfsichtiger und kompromissloser Handlungsaufruf an den gerissenen und skrupellosen neuen Herrscher, einen starken, gefestigteren Staat zu schaffen – einen, der den gemeinsamen Interessen und Bestrebungen der Menschen in ihrem Drang nach Macht, Ruhm und Wohlstand diente.

Während ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass sein Konzept wunderbar auf mein Leben angewendet werden konnte. Denn wenn ich »Zerrissenheit und Ruin Italiens« mit »Zerrissenheit und Ruin meiner Familie« und den »Fürsten« durch das »Elternteil« ersetzte, dann wurde mir klar, dass Machiavellis kleiner Leitfaden zur Politik ebenso als Manifest für Eltern genutzt werden konnte – als Appell an mich, eine stärkere, gefestigtere Familie zu schaffen und darauf hinzuarbeiten, den Ansprüchen und dem Wohl meiner Kinder gerecht zu werden – mit ein paar neuen Inline-Skates, Computer-Spielen und Stofftieren als Zugabe.

Ja, ich suchte verzweifelt nach Führung. Doch ganz ehrlich, nur sehr wenige der Erziehungsratgeber, die ich in den letzten Jahren gelesen hatte, konnten mir tatsächlich weiterhelfen. Ich wüsste von keinen familiären Bindungen nach China, die mich wie Amy Chua zur »Mutter des Erfolgs« prädestinierten. Ich habe keine konkreten Pläne, nach Frankreich umzusiedeln, um es Pamela Druckerman gleichzutun. Und trotz Dr. Benjamin Spocks freundlicher, wenngleich antiquierter Versicherung, »wir [als Eltern] wissen mehr, als wir uns selbst zutrauen«, war mir doch nur eines klar, nämlich dass ich nicht viel wusste. Mal abgesehen davon, dass ich mir als Mutter völlig ausgelaugt und unfähig vorkam. Noch schlimmer, ich genoss die Zeit nicht, die ich mit meinen Kindern zusammen war – ich brachte sie nur irgendwie hinter mich.

Und vielleicht hat mich Machiavellis Manifest über Machtpolitik – und im erweiterten Sinn über Elternschaft – aus diesem Grund auf so merkwürdige, überraschende Weise angesprochen. Vielleicht half mir dieses machiavellische Gedankenspiel nach fast einem Jahrzehnt des täglichen Windelwechselns auch dabei, geistig nicht völlig zu versauern. Mit ein bisschen Phantasie (und eventuell auch einem spätabendlichen Glas Wein zu viel) entdeckte ich Parallelen zwischen dem florentinischen Fürsten im 16. und dem Mutterdasein im 21. Jahrhundert. Und ich war ziemlich schnell davon überzeugt, dass dieselben Strategien der Kriegs- und Staatskunst, die Machiavelli verordnete, auch bei meinen Kindern angewandt werden konnten.

Nachgiebig und nett zu sein funktionierte nicht. Betteln, Nörgeln, Drängen oder auch höfliches Bitten funktionierte nicht. Aber vielleicht würde eine pragmatische, sture und machiavellische Strategie ja zum Erfolg führen! So lautete zumindest meine Theorie, als ich mich daranmachte, mich aus den Fesseln des elterlichen Elends zu befreien und zu einer versierten Mutter zu werden, die sich Machiavelli verschrieben hatte. Und wie Sie sehen werden, hatte dieses kleine Experiment, dieses riskante Familienabenteuer seine Hochs … und seine Tiefs.

Über Suzanne Evans

Biografie

Suzanne Evans arbeitete als Scheidungsanwältin und Sportreporterin nachdem sie ihren Ph.D. in Geschichte an der UC Berkeley abgeschlossen hatte. Sie schreibt für New York Times, Los Angeles Times und Los Angeles Business Journal. Sie lebt mit ihrem Mann und vier kleinen Kindern in Kalifornien.

Inhaltsangabe

Inhalt

I. Teil: Das Experiment beginnt

1. Der Fürst und das Versprechen:
Oder was Machiavelli für Sie tun kann

2. Mein machiavellischer Moment:
Oder weshalb ich dieses Experiment überhaupt
für eine gute Idee hielt

3. Es ist von Nachteil, zu freigebig zu sein:
Ein guter Herrscher weist Grenzen auf

4. Die beiden wesentlichen Grundfesten einer jeden Familie sind solide Regeln und konsequente, disziplinierende Maßnahmen:
Vorschriften aufstellen

5. Es ist schwieriger, einen neu gewonnenen Fürstenstaat zu regieren als einen geerbten:
Wie man Stiefkinder diszipliniert

6. Es ist entscheidend, ob ein Kind im frühen Alter
Gutes oder Schlechtes zu hören bekommt:
Die Kraft der positiven Verstärkung

7. Ein Fürst sollte von den Taten großer Männer lernen: Mit gutem Beispiel vorangehen

8. Aufschieben beraubt uns oftmals der Chancen und verhindert das sinnvolle Einteilen von Kräften:
Lernen, Dinge nicht hinauszuzögern

9. Wer durch das Volk Fürst wird, muss das Volk zum Freunde zu behalten suchen: Manchmal ist der beste Weg, um eine Regel durchzusetzen, sie zu brechen

II. Teil: Das Experiment schlägt fehl

10. Wägen Sie ab, ob die Risiken einer Tat ihren
Nutzen nicht übersteigen:
Kämpfe gezielt auswählen

11. Die beste Festung, die ein Fürst besitzen kann,
ist die Zuneigung seines Volkes:
Die Bande stärken, die einen verbinden

12. Geben Sie das, was Sie haben, nicht für das auf,
was Sie gerne hätten:
Die Realität akzeptieren

13. Ist es besser, gefürchtet als geliebt zu werden?
Die Grenzen von Machiavellis Rat erproben

14. Ein Fürst muss hinterlistig vorgehen, wenn es
seinem Vorteil dient:
Erkennen, wann man lügen muss (und wann nicht)

15. Interne Umstürze sind gefährlicher
als Angriffe von außen:
Mit Meinungsverschiedenheiten umgehen

III. Teil: Den Weg zu sich finden

16. Jeder Mensch ist von einer Sehnsucht
nach Liebe erfüllt:
Seine größten Ängste überwinden

17. Jene erkennen, die einer Sache gewachsen
und getreu sind:
Verbündete finden und behalten

18. Blicken Sie der Realität ins Auge,
statt in Träumen zu schwelgen:
Annehmen, was ist

19. Befreiung ist wenig nützlich,
wurde sie nicht aus eigener Kraft erreicht:
Eigenständigkeit entwickeln

20.
Über Humor: Machiavellis entspanntere Seite

21. Wer ganz auf das Glück vertraut, ist verloren:
Die Dinge selbst in die Hand nehmen

Schlussfolgerung: »Die Sache mit Machiavelli«:
Oder Machiavellis Vermächtnis an die modernen
Mütter und Väter

ANHANG

I. Machen Sie den Test: Sind Sie eine machiavellische Mutter?

II. Machiavelli für Kinder: Das Problem

III. Käsemakkaroni à la Machiavelli
(nach Art von Thomas Jefferson)

Danksagung

Auswahlbibliografie

Quellenverzeichnis und Auswahlbibliografie der deutschen Übersetzung

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