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Love Taker – Die Regeln der Anziehung (Laws of Attraction 3)Love Taker – Die Regeln der Anziehung (Laws of Attraction 3)

Love Taker – Die Regeln der Anziehung (Laws of Attraction 3)

Kate Meader
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Roman

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Love Taker – Die Regeln der Anziehung (Laws of Attraction 3) — Inhalt

Er gehört zu den besten Anwälten – nur kann er auch sein eigenes Herz verteidigen? 

Scheidungsanwalt Grant Lincoln hat schon viele Fälle gewonnen, doch die härteste Schlacht steht ihm noch bevor: seine eigene Scheidung. Nicht nur, da seine Frau Aubrey selbst eine der erfolgreichsten Scheidungsanwältinnen Chicagos ist – sondern auch, weil die glühenden Funken der Leidenschaft zwischen ihnen außerhalb des Gerichts noch immer sprühen. Als Aubrey ihn vor der endgültigen Scheidung um einen letzten Gefallen bittet, sieht Grant seine Chance gekommen: Er ist fest entschlossen, seine Frau zurückzugewinnen – und dafür alle Karten auszuspielen …

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 29.07.2021
Übersetzt von: Lene Kubis, Heidi Lichtblau
304 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06273-2
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€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 29.07.2021
Übersetzt von: Lene Kubis, Heidi Lichtblau
304 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99876-5
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Leseprobe zu „Love Taker – Die Regeln der Anziehung (Laws of Attraction 3)“

1. KAPITEL

Aubrey


Ich hasse Hochzeiten.
Besonders die von Freunden. Aber für den Bräutigam, Max Henderson, und seine Zukünftige habe ich nun mal viel übrig. Charlie ist genau das, was er braucht – clever, stylish und bereit, in direkte Konfrontation mit seinem großen Ego zu gehen. Ein ausgelassenes Fest ist allerdings das Letzte, wonach mir jetzt der Sinn steht. Viel lieber würde ich es mir mit meiner Katze gemütlich machen, einen schönen Glenfiddich schlürfen und mir mehrere Folgen von Inspector Barnaby am Stück ansehen. (Ich bin in Tom Barnaby [...]

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1. KAPITEL

Aubrey


Ich hasse Hochzeiten.
Besonders die von Freunden. Aber für den Bräutigam, Max Henderson, und seine Zukünftige habe ich nun mal viel übrig. Charlie ist genau das, was er braucht – clever, stylish und bereit, in direkte Konfrontation mit seinem großen Ego zu gehen. Ein ausgelassenes Fest ist allerdings das Letzte, wonach mir jetzt der Sinn steht. Viel lieber würde ich es mir mit meiner Katze gemütlich machen, einen schönen Glenfiddich schlürfen und mir mehrere Folgen von Inspector Barnaby am Stück ansehen. (Ich bin in Tom Barnaby verschossen, ein ziemlich sicheres Anzeichen für einen Vaterkomplex.)
Aber es würde komisch wirken, wenn ich mich nicht blicken ließe. Max und ich haben gerade erst zu unserem alten freundschaftlichen Ton zurückgefunden – seine Verlobte hat ihren Teil dazu beigetragen –, und ich will ihn wirklich gern unterstützen. Na, notfalls kann ich den beiden nach der Trauung ja kurz meine Glückwünsche aussprechen und mich dann davonstehlen, noch ehe die Tinte auf dem Trauschein trocken ist.
Ich schlüpfe in die Kirche. Sie ist brechend voll, aber ziemlich weit vorn in der vierten Reihe entdecke ich einen freien Platz. Genau dort sitzen Max’ Freunde, vermute ich. Ich hole tief Luft. Und los geht’s! Als ich näher komme, erkenne ich Trinity an ihrer unverwechselbaren Frisur und lasse mich auf den Platz neben sie gleiten.
„Hey, Prinzessin“, sagt Lucas, Trinitys Freund und einer von Max’ Kanzleikollegen, mit einem frechen Grinsen. Ich versuche, nicht an ihm vorbei die Kirchenbank entlangzuschauen. Wenn ich das Problem nicht sehe, existiert es auch nicht. Insofern: Augen zu und durch!
Mit gerunzelter Stirn berührt mich Trinity oberhalb des neonpinken Gipsverbands am Arm, der in der passenden Schlinge liegt. „Alles okay mit dir? Was ist passiert?“
„Ach, ich hab mich einfach saudumm angestellt.“ Ich spähe in die Reihe vor uns. Verrückt, dass die Chicagoer auf einer Hochzeit mitten im November so tun, als befänden sie sich auf einem königlichen Pferderennen. Dann linse ich über meine Schulter. „Vielleicht sollte ich mich weiter hinten hinsetzen.“
„Wie ist das passiert?“, lässt sich in diesem Augenblick eine tiefe Stimme vernehmen.
Als ich aufsehe, fällt mein Blick auf Grant Lincoln – Max’ anderen Partner –, der rechts neben Lucas sitzt und mich anstarrt. Genau dort habe ich seit meiner Ankunft tunlichst nicht hingesehen. Wobei, na ja, eigentlich hockt er fast schon auf Lucas’ Schoß, um mir besser auf die Pelle rücken zu können. Sein braunes Haar mit dem leichten Rotstich ist für diese frühe Tageszeit schon ziemlich verstrubbelt. Vielleicht hat ihn der Gedanke, mir zu begegnen, ja nervös gemacht? Doch das merkt man dem Blick aus seinen mitternachtsblauen Augen nicht an, mit dem er mir im Handumdrehen meine Selbstsicherheit raubt.
Wie gemein, dass sein Anblick mir immer noch jedes Mal den Atem raubt.
„Das geht dich nichts an.“
„Wie bist du hergekommen? Es sieht nämlich so aus, als könntest du nicht Auto fahren.“
„Große Stadt, Grant. Viele Taxis.“
An seinem Kiefer zuckt ein Muskel. Wenn ich wegen des Kreuzverhörs nicht so sauer wäre, wüsste ich diesen tanzenden Muskel wirklich sehr zu schätzen. Mein Ex-Mann sieht nicht im klassischen Sinne gut aus. Aufgrund seiner hünenhaften Statur und seiner rauen Stimme und Art behaupten manche sogar, er hätte etwas von einem Schläger, ein Image, das er sich vor Gericht gern zunutze macht. Wenn Grant mich im Arm gehalten hat, habe ich mich immer auf die bestmögliche Art umhüllt gefühlt.
Doch dieses schwummerige Gefühl, das mich bei dieser Erinnerung überkommen hat, entschwindet sofort durchs nächste Bleiglasfenster, als Grant eine weitere Frage hinausbellt.
„Wie wirst du es an Thanksgiving mit der Heimfahrt halten, Bean? Außer natürlich, du hast auf einmal keine Flugangst mehr.“
Als ich den Spitznamen höre, bleibt mein Herz einen Moment lang stehen. Es ist mindestens zwei Jahre her, seit er mich zum letzten Mal so genannt hat. Es war an dem Tag, als er mir mitgeteilt hatte, dass er das nicht mehr könne. Das mit uns.
„Das ist nichts, worüber du dir den Kopf zerbrechen müsstest“, schieße ich zurück.
„Du fliegst nicht gern?“, fragt Trinity besorgt. Sie ist wirklich furchtbar nett.
„Ähm, nein.“ Ich habe sogar riesige Panik davor. „Aber da lass ich mir was einfallen.“
Grant schnaubt. Der Kerl glaubt wirklich, er wüsste alles.
Lucas wedelt mit der Hand zwischen uns hin und her. „Würdet ihr gern nebeneinandersitzen?“
„Ganz sicher nicht!“
„Zur Hölle, nein!“
Ich würde mir eher meinen anderen Arm brechen, als mich freiwillig neben Grant Roosevelt Lincoln zu setzen.

Trinity überredet mich, zum Empfang zu bleiben. Weil Grant nicht denken soll, er hätte mich vergrault, stelle ich mir einfach vor, ich wäre meine Mutter, und setze ein künstliches High-Society-Lächeln auf. Natürlich sitzen Grant und ich am selben Tisch, Lucas und Trinity zwischen uns, die unglaublich süß zusammen sind.
„Also, Prinzessin, spuck’s schon aus“, sagt Lucas, nachdem er Trinity mit einem Stück gerösteter Kartoffel gefüttert hat. „Erzähl uns, wie du dir den Arm gebrochen hast.“
„Ach, du weißt schon. So ein Trottel konnte einfach nicht aufhören, mir dumme Fragen zu stellen. Da bin ich auf ihn losgegangen und habe ihm eine auf den britischen Sturschädel verpasst. Das Übliche eben.“
Lucas verdreht die Augen und genießt meine Stichelei sichtlich. Er ist selbst ein lustiger, egoistischer Brite. „Du musst dir eine bessere Story ausdenken, Aubs. Sag doch, dass du über deine Katze gestolpert bist, während du nackt gestaubsaugt hast.“
„Wieso denkst du, ich hätte eine Katze?“
Grant gibt ein Geräusch von sich, als würde er ersticken. Schön wär’s!
„Möchtest du etwas sagen, Lincoln?“
„Lebt das Vieh noch?“
„Ja, Cat Damon ist quicklebendig, er überlebt aus purer Gehässigkeit.“
„Cat Damon?“, fragt Trinity. „Wie cool!“
„Der Name ist ein Scherz.“ Ich linse zu Grant, der den Blick unverwandt auf mich gerichtet hält. „Oder das, was ein gewisser Jemand dafür hält.“
Auch wenn sie Grant ihren Namen verdankt, hat er diese miesepetrige Fellnase nur mit Mühe toleriert, und umgekehrt galt das Gleiche. Die beiden teilten sich meine Zuneigung halt nicht gern. Von Mr Lincolns Gentleman-artigem Auftreten, das seiner Herkunft aus den Südstaaten geschuldet ist, sollte man sich im Übrigen nicht täuschen lassen. Dieser behäbige Riese mit der verführerischen Stimme ist der durchtriebenste Widersacher, den ich kenne. Besonders im Schlafzimmer.
Dreimal für einmal war seine Regel. Sprich, ich bekam für jeden seiner Orgasmen drei. Und wenn er merkte, dass es bei mir nicht klappte, verkniff er sich seinen ebenfalls. Eines Nachts musste ich meinen dritten Orgasmus vortäuschen, weil ich Angst um seine Gesundheit hatte, wenn er nicht endlich kam. Stattdessen bestrafte er mich mit zwei weiteren.
Ich vermisse diese Orgasmusgeschenke von Grant.
Und nicht nur das, ich vermisse auch – o nein, ich will jetzt nicht in rührseligen Erinnerungen versinken.
Der Abend geht weiter seinen Gang. Es gibt herzerwärmende Reden. Den ersten Tanz. Das Anschneiden des Hochzeitskuchens. Es ist wirklich alles wunderschön, und nach einer Weile schmilzt selbst mein griesgrämiges Herz angesichts all der zur Schau gestellten Hoffnung und Liebe dahin. Ich kann mich natürlich nicht einfach verziehen, ohne dem Brautpaar gratuliert zu haben. Also stelle ich mich neben Charlie, während Max von einer Frau, die wie seine Großmutter aussieht, offensichtlich gerade sehr ernsthaft ins Gewissen geredet wird.
„Netter Fang, meine Liebe“, flüstere ich Charlie zu.
„Aubrey!“ Sie dreht sich um und umarmt mich, ganz offensichtlich beschwipst vom Leben, von der Liebe und vom Dom Pérignon. „Ich habe schon versucht, mich durch die Massen zu dir und deinem gebrochenen Arm zu kämpfen. Wie ist es denn nun dazu gekommen?“
„Du wirst es nicht glauben“, sage ich geheimnisvoll.
Sie mustert mich, und ich hoffe, dass sie mir aufgrund ihres Alkoholpegels nicht gleich die Art von Ratschlag geben wird, den ich weder will noch brauche. Vielleicht merkt sie, dass ich gerade keine Lust auf tiefschürfende Gespräche habe, denn ihr nächster Satz ist sehr neutral.
„Die beiden sind als Nächstes fällig, glaube ich.“ Sie nickt Richtung Lucas und Trinity, die auf der Tanzfläche zu Tony Bennett schunkeln.
„Wahrscheinlich. Sie haben schwere Zeiten hinter sich und es wie durch ein Wunder geschafft, sie zu überstehen.“
„Ja, wahre Liebe ist harte Arbeit.“ Sie hält kurz inne. „Weißt du, ich bin für dich da, falls du …“
„Ich weiß!“ Ich setze mein fröhlichstes Clownlächeln auf. Alle denken, mir ginge es wegen meiner Scheidung immer noch hundeelend. Dabei ist sie schon über ein Jahr her, und auch davor kriselte es schon heftig. Ich hatte also jede Menge Zeit, um über Grant hinwegzukommen.
Was ich dagegen nicht ertragen kann, ist das Gefühl des Scheiterns, das mich wie ein Nebel umgibt.
„Okay, Aubs, lass uns tanzen.“ Max lässt Charlie links liegen und packt meine freie Hand.
„Und was ist mit deiner Frau?“
Max bleibt stehen, runzelt seine hübsche Stirn und gibt Charlie einen Kuss. „Meine Frau. Nicht zu fassen, wie sehr ich das liebe! Aber mit meiner Angetrauten kann ich ja jeden Abend tanzen, wenn ich will.“
Charlie grinst. „Genau so geht es los.“
Ich lasse mich von Max auf die Tanzfläche führen. „Hast du gut gemacht, Maxie. Bin stolz auf dich.“
„Ich hätte nie gedacht, dass mir das eines Tages gelingt. Wir reden hier immerhin von mir! Dem totalen Heiratsgegner, Schwarzmaler ohnegleichen, der behauptet hat, Ehe sei für Idioten und Hochzeiten seien Produkte geschickter Werbekampagnen.“ Charlie ist Hochzeitsplanerin von Beruf, weswegen die unheilige Allianz zu Max, dem Scheidungsanwalt, zunächst eher holperig begann. Doch schon bald hatten sie herausgefunden, dass sie eine Menge gemeinsam hatten.
Ich freue mich wahnsinnig für Max, dass er die Frau gefunden hat, die ihn happy machen wird. Zumindest so lange, bis irgendetwas sie entzweit. Aber ich muss daran glauben, dass es Hoffnung in dieser trüben, dunklen Welt gibt. Vielleicht gehören sie zu den glücklichen Paaren, die es schaffen, zusammenzubleiben.
„Ist alles okay bei dir?“, fragt er. „Ich weiß, du verbringst normalerweise nicht so viel Zeit im selben Raum wie Grant.“
„Ist schon in Ordnung. Wir arbeiten im selben Gebäude, gehen mit denselben Leuten aus und früher waren wir ja richtig gute Freunde. Vielleicht kann es irgendwann wieder so werden.“
„Dafür müsstest du aber überhaupt erst mal mit ihm reden.“
„Ich mache eben kleine Schritte. Und außerdem rede ich jede Menge mit ihm.“ Zumindest quer über das Schlachtfeld im Gerichtssaal hinweg. Und zu Hause, wenn ich die Gespräche Wort für Wort noch einmal durchgehe und wünschte, ich hätte dies und jenes gesagt anstatt jenes und dies.
„Und, fährst du zu Thanksgiving nach Hause?“
Ich lehne mich zurück und funkele ihn so streng an, wie ich es von meiner Bostoner Grandma gelernt habe. „Hat Grant gesagt, dass du mich das fragen sollst?“
„Nope. Ich weiß, dass du Fliegen hasst und normalerweise fährst, also frage ich mich, wie du das mit deiner mysteriösen Verletzung hinkriegen willst.“
„Na ja, es gibt ja dieses großen Stahlmaschinen, die man Züge nennt …“
„Es ist nicht erlaubt, Katzen auf Reisen mitzunehmen, die länger als sieben Stunden dauern.“
Ich bleibe unvermittelt stehen. „Woher weißt du das?“
„So wie du, Aubs, verreist auch meine Großtante Dorothy gern mit ihrer Katze …“
„Das denkst du dir doch aus!“
„Meine Großtante Dorothy“, beharrt dieser elende Schwindler auf seiner Geschichte, „verreist ebenfalls gern mit ihrer Katze, wurde aber letztens auf der Strecke zwischen New York und Miami aus dem Verkehr gezogen. Diese felligen Viecher sind in Schlafwagen nämlich nicht erlaubt.“
Ich verenge meine Augen zu Schlitzen. „Wie faszinierend, dass du ausgerechnet diese ganz besonders relevante Information zur Hand hast.“
„Ich bin nun mal ein Kneipenquiz-Champion. Es gibt kein Thema, für das ich mich nicht interessiere …“ Er winkt über meine Schulter hinweg.
Ich drehe mich um und entdecke eine ältere Dame, auf deren Schoß eine weiße siamesische Katze sitzt. „Ist das Großtante Dorothy?“
„Ganz genau.“
Das Problem ist, dass ich Thanksgiving letztes Jahr verpasst habe. Ich habe die Vorstellung nicht ertragen, wie ich da in meinem Auto angetuckert komme und nicht nur eine kranke Katze im Gepäck habe, sondern mich auch noch der Ruch des Scheiterns umweht. Meine Brüder und ihre perfekten besseren Hälften würden als leuchtende Beispiele dargestellt, die die althergebrachten Werte der Familie Gates hochzuhalten wissen, während die arme, traurige Aubrey es einfach nicht auf die Reihe bekommt. Es ist nicht so, dass meine gescheiterte Ehe ein Geheimnis wäre – nun, eine Person weiß noch nichts davon –, aber bis jetzt musste ich noch niemandem mit der Herausforderung in die Augen sehen, mich nicht zu verurteilen.
Die Gates’ scheitern nicht, höre ich meine Mutter in ihrem französisch angehauchten Nörgelton sagen, was ziemlich absurd ist, wenn man bedenkt, dass die Ehe meiner Eltern nach dem längsten Auflösungsprozess aller Zeiten gerade auseinanderbricht. Noch dazu sind Grant, mein Ex-Mann, und ich beide Scheidungsanwälte. Ist diese Ironie nicht einfach herrlich?
Das Lied endet, aber Max hält mich noch so lang fest, bis das nächste beginnt.
„Ich habe dich vermisst, Aubs.“
„Das sagst du nur, weil es wahr ist.“
Er lächelt und ich frage mich, warum wir einander nie attraktiv gefunden haben. Max ist ein echter Charmeur, aber er hat mein Herz nie zum Flattern gebracht. Nicht wie – oje!
Grant Roosevelt Lincoln, raus aus meinem Kopf!
„Ich freue mich so für dich. Ehrlich.“ Meine Stimme klingt etwas brüchig.
Max drückt mich an sich. „Wenn er dich betrogen hat, bringe ich ihn um“, flüstert er mir zu.
„Nein. Das war’s nicht.“ Es war komplizierter. Ehrlich gesagt, ist Grant der netteste Mensch auf Erden, auch wenn ich noch so über ihn herziehe. Viel zu nett für jemanden wie mich.
Max’ Lippen zucken. Er wüsste zu gern mehr! „Ich habe nie aufgehört, dein Freund zu sein. Ich weiß, es war schwer, weil Grant und ich zusammenarbeiten. An unserer Freundschaft hat das trotzdem nie etwas geändert.“
Max hat versucht, mich aus der Reserve und zurück in sein Leben zu locken, aber ich habe es nicht ertragen, meinen Schmerz mit irgendjemandem zu teilen. Es hat lang gedauert, bis ich wieder bereit für Gesellschaft war. Aber jetzt kann ich endlich mein Post-Grant-Roosevelt-Lincoln-Leben beginnen.
„Danke, Maxie. Wir gehen bald mal zusammen essen, versprochen.“
Ich drücke seine Hand und verschwinde.




2. KAPITEL

Grant


Sie telefoniert neben dem Eingang der Lobby des Drake-Hotels. Ihr pechschwarzes Haar fließt offen ihren Rücken hinab und das blutrote Cocktailkleid betont jede Kurve ihrer zierlichen Gestalt. Wie vertraut mir diese Kurven noch sind – und das, obwohl ihr der Wintermantel wie ein Cape über den Schultern hängt.
Ich wüsste zu gern, wie sie sich die Verletzung an ihrem Arm zugezogen hat. Noch so etwas, das mich wieder in ihren Bann zieht. Wenn das mal nicht die perfekte Verkörperung von Rotkäppchen ist! Das macht mich vermutlich zum Wolf, aber wir wissen ja alle, wie die Sache ausgegangen ist, oder etwa nicht?
Gar nicht gut für ihn, nämlich.
Da Aubrey meine Nähe nur schwer erträgt, bemühe ich mich sehr, ihr aus dem Weg zu gehen, sofern unser Job es nicht erfordert. Zumindest habe ich das nach unserer Scheidung ein Jahr lang so gehalten.
Auch wenn es mir dabei das Herz zerreißt. Aber wir haben jetzt immerhin schon ein ganzes Jahr ohne einander geschafft. Eigentlich sogar schon länger, weil wir offiziell getrennt sein mussten, ehe wir unsere Verbindung auflösen konnten. Allein dieses Wort, „auflösen“ – als könnte man den Schmerz so lange mit Wasser verdünnen, bis es uns nicht mehr gibt.
Ist doch alles Bullshit!
In den vergangenen Monaten sind wir uns bei verschiedenen Anlässen begegnet, zweimal davon als gegnerische Seiten vor Gericht. Seit ihre Kanzlei zwölf Stockwerke unter meine gezogen ist, arbeiten wir sogar im selben Gebäude. Mein Herzschmerz hat dadurch ein wenig nachgelassen und ich hoffe, bei ihr ist es irgendwann auch so weit.
Einen Moment später beendet sie den Anruf und blickt auf ihr Telefon. Ich kenne diese Geste: Sie hat gerade mit ihrer Mutter Marie-Claire gesprochen. Bei dem Gedanken an die Geschichte der beiden verspüre ich einen Stich in der Brust. Plötzlich ist mein Bedürfnis, bei ihr zu sein, stärker als der Wunsch, ihr nicht wehzutun. Was Aubrey betrifft, war ich schon immer ein Egoist.
„Du gehst schon?“
Ihre Schultern versteifen sich und als sie sich mir zuwendet, weiß ich schon, was ich gleich zu sehen bekomme: ihre Bostoner Coolness, die ihr so gut steht. Unterdessen inhaliere ich ihren Duft. Als könnte ich ihn in meiner Lunge speichern und so die nächsten Tage davon zehren. Jedes Mal fühlt es sich an wie das erste Mal.
„Ich dachte, ich könnte mich verziehen, bevor alle auf die Tanzfläche stürmen.“
„Aber du hattest doch immer so tolle Moves drauf!“
Sie mustert mich, ohne zu lächeln. Natürlich ist ihr klar, dass ich ihr wehtun könnte, fragt sich wahrscheinlich aber gerade, ob ich ein Motiv dafür hätte. Ich mache es ja auch nie absichtlich, doch manchmal ist es wohl schon zu viel, jemanden auch nur anzuatmen.
Sie entspannt sich sichtlich. „Ich tanze besser als du, das steht immerhin fest. Mit dir blamiert man sich auf der Tanzfläche auf ganzer Linie.“
Ich schmunzele. „Ich brauch eben Platz, um mein Talent zur Geltung bringen zu können.“
„Jepp, dein Talent.“ Sie lächelt zögerlich, als probierte sie es nach langer Zeit zum ersten Mal wieder aus. Sofort geht mir das Herz auf. Es ist Ewigkeiten her, seit sie mich mit diesem Strahlen bedacht hat.
Ich genieße den Anblick, solange ich noch die Gelegenheit dazu habe. „Soll ich dich nach Hause fahren?“
„Ich nehme einfach ein Taxi.“ Sie macht einen Schritt zurück Richtung Drehtür.
Ich folge ihr nach draußen, wo ich dem Mann vom Parkservice ein Zeichen gebe und ihm mein Ticket reiche, ehe Aubrey Einwände erheben kann. Er mustert uns kurz und hält dann die Beifahrertür meines Autos auf.
„Er denkt, wir wären zusammen“, murmelt Aubrey.
„Anscheinend kommen wir immer noch so rüber.“
Power-Pärchen mit Seifenopernqualitäten. So hat Max uns während unseres Jurastudiums immer genannt. Für ihn waren wir ein Vorzeigepaar, dem die Welt zu Füßen lag und dem eine so strahlende Zukunft bevorstand, dass wir Sonnenbrillen tragen mussten.
Ich gebe dem Typen vom Parkdienst ein Trinkgeld. „Es ist nur eine Autofahrt, Aubrey.“
Sie blinzelt mich an und ich ahne, welche innerlichen Hürden sie überwinden muss, bevor sie sich auf diesen Versuch einlassen kann. Doch schließlich nimmt sie wortlos auf dem Beifahrersitz Platz.
Vom Drake zu ihrer Wohnung in Lincoln Park sind es mit dem Auto nur zehn Minuten. Ich zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich sie am besten nutze. Als wir uns in den Verkehr auf dem Lake Shore Drive einfädeln, ergreift sie das Wort.
„Glaubst du, die beiden schaffen es?“
„Die Chancen stehen fifty-fifty, würde ich sagen.“
„Ach, Max’ Chancen stehen besser, glaube ich. Er wird sich richtig ins Zeug legen.“
Oha, kaum verhohlene Kritik! Ich dachte auch mal, ich müsste mich nur genug reinhängen, bis ich merkte, dass zu scheitern die einzige Möglichkeit ist, nicht den Verstand zu verlieren. Allerdings hat sie recht, was Max angeht. Obwohl er mit einem silbernen Löffel im Mund geboren wurde, hat er mit reiner Willenskraft so einige Schwierigkeiten überwunden.
„Was ist eigentlich aus dieser Frau geworden? Die, die du zu Max’ Grillparty mitgebracht hast?“
Sie war nicht du. „Das hat nicht funktioniert.“
„Na ja, nach mir liegt die Messlatte ja auch ziemlich hoch.“
„Das kannst du laut sagen.“
Sie lacht auf, leise und sanft. Vielleicht freut sie sich darüber, wie unbekümmert unser Gespräch ist. Verdammt, wir sprechen über Dates mit anderen Leuten! Auf jeden Fall mal ein Fortschritt. Solange wir es bei Small Talk belassen, tun wir einfach so, als könnte uns die Vergangenheit nichts anhaben.
Trotz des kühlen Novemberwetters sind ihre sensationellen Beine nackt, sodass durch das hochgerutschte Kleid nun viel zu viel bloße Haut enthüllt wird. Mein Penis wird hart bei der Vorstellung, wie ich mit der Hand diesen Schenkel hinaufstreiche, ihre Beine spreize und ihr dort, wo sie es immer am liebsten hatte, unendliche Lust verschaffe.
„Wie geht es Marie-Claire?“ Nur ein Gespräch über ihre Mutter kann mich jetzt noch von meinen schmutzigen Gedanken abhalten.
„War es so offensichtlich, dass ich mit ihr telefoniere?“
Ich biege in die Fullerton Avenue ein. „Du straffst deine Schultern dann immer auf eine ganz bestimmte Art.“
„Ach, sie ist wieder mal ziemlich durch den Wind. Die Scheidung von meinem Vater macht ihr zu schaffen, gleichzeitig genießt sie das Drama aber auch. Mich nervt’s! Und außerdem möchte sie eine Party für Libby schmeißen und macht mit den Vorbereitungen alle um sie herum verrückt.“
Aubreys Großmutter Libby wird am Samstag des Thanksgiving-Wochenendes neunzig. In zwei Wochen also.
„Den alten Vogel habe ich immer gern gemocht. Wie geht’s ihr?“
„Sie hat sich vor einiger Zeit die Hüfte gebrochen. Das hat sie ganz schön ausgebremst.“
„Schwer vorstellbar, dass das bei ihr überhaupt möglich ist.“
„Sie weiß noch nichts – von uns.“
Meine Hände krampfen sich um das Lenkrad.
„Es ist gleich dahinten rechts“, sagt sie, als bräuchte ich zur Adresse meiner Ex-Frau eine Wegbeschreibung. Ich halte vor ihrem Wohnhaus, das vom Art déco inspiriert ist und bestens zu Aubreys glamouröser Abstammung passt.
„Aubrey …“
Auf ihren Wangen erscheinen rote Flecken. „Na ja, sie hatte gesundheitliche Probleme und wir wollten sie nicht unnötig aufregen. Die Scheidung meiner Eltern ist für alle sehr aufreibend und du weißt ja, wie gern sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich wollte Libby letztes Thanksgiving persönlich von der Trennung erzählen, aber dann konnte ich nicht heimfahren, weil mein Kater eine Nieren-OP hatte. Diesmal muss ich es ihr aber wirklich erzählen.“
Die ganze Erklärung ist in einem Rutsch aus ihr herausgesprudelt.
„Es wundert mich, dass deine Mutter die Neuigkeiten nicht längst herausposaunt hat. Sie ist doch bestimmt überglücklich, dass wir nicht mehr zusammen sind.“ Marie-Claire war immer der Meinung, ich sei ein totaler Nichtsnutz und ihrer Tochter in Anbetracht ihres Hintergrundes nicht im Geringsten würdig.
„Ich habe darauf bestanden, es ihr selbst zu erzählen. Aber jedes Mal, wenn wir telefonieren, fragt Libby nach dir und liegt mir damit in den Ohren, wie gern sie dich hat.“ Als ich grinse, verdreht sie die Augen. „Da hab ich’s einfach nicht über mich gebracht. Und jetzt muss ich mit dem Zug fahren, aber …“
„Du kannst die Katze nicht auf eine solch lange Reise mitnehmen.“
„Weiß eigentlich jeder außer mir über die Katzenbeförderungsvorschriften der Bahn Bescheid?“
Es passt gar nicht zu Aubrey, so schlecht informiert zu sein. „Tja, auf jeden Fall wirst du wohl mit dem Auto fahren müssen.“ Ich deute auf ihre Schlinge. „Wie ist das noch mal passiert?“
Sie ignoriert die Frage. „Ich schätze mal, du fährst für die Feiertage nach Hause?“
„Das ist der Plan, ja.“
Früher haben wir jedes Jahr abgewechselt. Mal Feuer, mal Eis sozusagen – und damit meine ich nicht bloß die unterschiedlichen Klimazonen. Wenn man die Feiertage bei den Lincolns verbringt, steht man nicht ständig unter Beschuss. Bei meiner Familie konnte sich auch Aubrey endlich entspannen.
„Gib die Katze doch einfach in Pflege und nimm den Zug.“
„Na klar“, sagt sie. Nicht, weil sie mir zustimmt, sondern weil sie nicht länger darüber reden möchte. Das ist Aubreys Art, eine Diskussion zu beenden.
„Danke fürs Heimbringen.“
Sie steigt aus dem Auto und hinterlässt einen Hauch ihres Parfüms sowie einen Mann mit einer Erektion und einer Idee.

Kate Meader

Über Kate Meader

Biografie

Kate Meader ist USA-Today-Bestsellerautorin und schreibt am liebsten prickelnde Liebesromane, in denen sich alles um köstliches Essen, unwiderstehliche Helden und energiegeladene, witzige Heldinnen dreht. Ihre Romane spielen in ihrer Wahlheimat Chicago, einer Stadt, die wie gemacht ist für Essen,...

Weitere Titel der Serie „Laws of Attraction“

Sie kennen jedes Gesetz – doch gegen die Gesetze der Anziehung sind die Anwälte in den Romanen von Kate Meader machtlos.
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