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Lions - Heiße FängeLions - Heiße Fänge

Lions - Heiße Fänge

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Lions - Heiße Fänge — Inhalt

Lou „Crush“ Crushek ist ein Polarbär und eher der vernünftige, sanftmütige Typ. Doch wenn ihn jemand in seiner Arbeit als Cop behindert, geht ihm das richtig unters Fell. Besonders, wenn dieser Jemand eine kurvige Tigerin ist, deren Fertigkeiten die Welt des Einzelgängers gehörig auf den Kopf stellen - und seine Leidenschaft aus dem Winterschlaf erwecken ... Als Mitglied eines Katzen-Schutzkommandos weiß Marcella Malone, wie man widerspenstige Kerle anpackt. Das kommt ihr bei Crush zugute – selbstverständlich nicht nur auf beruflicher Ebene …

€ 9,99 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 10.11.2014
Übersetzt von: Doris Hummel
448 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-28006-8
€ 7,99 [D], € 7,99 [A]
Erschienen am 10.11.2014
Übersetzt von: Doris Hummel
448 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96792-1

Leseprobe zu »Lions - Heiße Fänge«

Kapitel 1

 

Die brutalen Schmerzen ließen sich nicht ignorieren. Die Art von Schmerzen, die einen Mann umbringen konnten. Und vielleicht hatten sie das auch getan. Vielleicht hatten ihn die Schmerzen, die in diesem Augenblick in seinem Schädel pochten, tatsächlich umgebracht und er musste sich nun bis in alle Ewigkeit so fühlen. Wie aufgewärmte Scheiße, die in der heißen Wüstensonne schmilzt.

Und das Schlimmste daran? Es war seine Schuld. Er konnte niemand anders außer sich selbst die Schuld geben – und diesen verdammten Jelly Shots. Er hätte sich von [...]

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Kapitel 1

 

Die brutalen Schmerzen ließen sich nicht ignorieren. Die Art von Schmerzen, die einen Mann umbringen konnten. Und vielleicht hatten sie das auch getan. Vielleicht hatten ihn die Schmerzen, die in diesem Augenblick in seinem Schädel pochten, tatsächlich umgebracht und er musste sich nun bis in alle Ewigkeit so fühlen. Wie aufgewärmte Scheiße, die in der heißen Wüstensonne schmilzt.

Und das Schlimmste daran? Es war seine Schuld. Er konnte niemand anders außer sich selbst die Schuld geben – und diesen verdammten Jelly Shots. Er hätte sich von ihnen fernhalten sollen. Er wusste es doch besser. All der Alkohol in diesen köstlichen kleinen Quadraten aus Wackelpudding … Was hatte er sich nur dabei gedacht? Jetzt verursachte ihm schon die kleinste Bewegung Schmerzen. Brutale Schmerzen, die sich nicht ignorieren ließen.

Lou »Crush« Crushek versuchte, die Augen zu öffnen, aber das machte das Ganze nur noch schlimmer. Es war Morgen, und das Licht, das durch das Fenster hereinströmte, zerstörte auch das letzte bisschen seiner Hirnaktivität. Wenn er zu Hause gewesen wäre, hätte er sich einfach wieder hingelegt und noch ein paar Stunden geschlafen. Aber er war nicht zu Hause. So viel wusste er. Der Geruch war anders. Er roch Katze. Überall roch er Katze.

Crush knurrte leise. Jetzt wusste er, wessen Schuld es wirklich war. Die dieses verdammten Katers. Männliche Löwen! Vertraue niemals einem Löwen! Sicher, dieser spezielle Löwe war mit einer seiner Kolleginnen vom NYPD verheiratet und entstammte einem der wohlhabendsten Rudel Manhattans, aber er war auch das Arschloch, das das Tablett mit den Jelly Shots in ihren harmlos aussehenden kleinen Gläschen herumgetragen und mit einem breiten Katzengrinsen gesagt hatte: »Komm schon, versuch mal einen.«

Also … hatte Crush einen versucht. Und dann noch einen. Und noch einen. Und nach dem achten … nun, nach dem achten konnte er sich nicht mehr an allzu viel erinnern.

Woran Crush sich jedoch noch erinnern konnte, war, dass er den Fehler gemacht hatte, sich einem kleinen »geselligen Beisammensein mit ein paar Freunden« bei Detective Dez MacDermott anzuschließen, das sich in etwas völlig anderes verwandelt hatte. Wenn sich eine Party oder eine andere Veranstaltung in etwas verwandelte, wozu er keine Lust hatte, steuerte Crush normalerweise direkt auf den nächsten Ausgang zu und kehrte nach Hause zurück, zu seinem Fernseher und seinem ruhigen Leben. Oder zumindest zu dem ruhigen Leben, das er führte, wenn er nicht gerade verdeckt ermittelte und sich als Drogendealer, Biker oder gelegentlich auch als Auftragskiller ausgab. Aber um ehrlich zu sein, hatte Crush die Party diesmal vor allem deshalb nicht verlassen, weil er – in Ermangelung eines besseren, männlicheren Wortes – deprimiert gewesen war.

Ein Wort, das er bei sich selbst nur sehr selten anwandte. Er hielt nicht viel davon, rumzuhocken und sich selbst leidzutun, weil man das Leben führte, das man nun mal führte. Immerhin war er ein Bär. Ein Eisbär, um genau zu sein. Nein, er gehörte nicht zu diesen Typen, die darauf bestanden, mitten im Winter im Atlantik zu schwimmen, um zu beweisen, wie männlich sie waren. Er war vielmehr ein Typ, der mitten im Winter im Atlantik schwimmen konnte und sich dabei keine Sorgen machen musste, an Unterkühlung zu sterben. Ein Typ, der sich in einen über zwei Meter vierzig großen und gut fünfhundert Kilogramm schweren Eisbären verwandeln konnte, wann immer er wollte. Und als Eisbär hielt er nicht viel davon, rumzuhocken und deprimiert zu sein. Stattdessen lebte Crush genauso wie die meisten anderen seiner Art. Er war neugierig. Stellte zu viele Fragen. Starrte die Menschen rundheraus an, bis sie Todesangst bekamen und davonrannten. Aß, wenn er auch nur das leiseste Hungergefühl verspürte. Das Übliche eben.

Zu dumm nur, dass Crush etwas bewusst geworden war, das alle Bären als äußerst beunruhigend empfanden. Ihm war bewusst geworden, dass eine Veränderung stattfinden würde. Ihm stand eine Veränderung bevor, und er hasste Veränderungen. Es gefiel ihm, zu wissen, dass alles in seinen geregelten Bahnen lief, und wenn das nicht der Fall war, wurde er depressiv. Er hatte sich noch immer nicht davon erholt, dass sein Lieblingsfeinkostladen vor fünf Jahren dichtgemacht hatte. Oder dass vor sechs Jahren sein Lieblingsschuhladen umgezogen war – unnötig zu erwähnen, dass er als zwei Meter fünf großer, knapp einhundertvierzig Kilo schwerer Kerl seine Stiefel und Turnschuhe nicht einfach im Sportgeschäft um die Ecke kaufen konnte. Crush ging noch immer zu dem Ladenlokal, in dem das Geschäft einmal gewesen war, starrte durchs Schaufenster und wünschte sich, alles wäre wieder so wie früher, bis die Kunden in dem Teeladen die Polizei riefen, weil »draußen vor der Tür ein durchgeknallter Meth-Dealer rumlungert«.

Also, nein, Crush kam nicht gut mit Veränderungen zurecht, und er fürchtete, dass er nicht das Geringste tun konnte, um diese spezielle Veränderung zu verhindern. Nicht, nachdem ihn einer seiner früheren Partner angerufen und ihn vorgewarnt hatte. Der Mann hätte ihn nicht angerufen, wenn er sich nicht sicher gewesen wäre. Also wartete Crush jetzt einfach darauf, dass das Damoklesschwert auf seinen Kopf fiel.

Unglücklicherweise fühlte es sich jedoch so an, als sei dieses Schwert bereits auf seinen Kopf gefallen.

Er konnte das nicht. Er konnte nicht hier im Haus einer Kollegin sitzen und darauf warten, dass sich sein Kater und die Migräne wieder verzogen. Nein, er musste seinen Hintern in Bewegung setzen. Er musste aufstehen. Er musste sich um die Schmerzen kümmern. Außerdem hatte er an diesem Nachmittag etwas vor, und das wollte er nicht verpassen. Deshalb musste er aufstehen.

Aber es schien ein kleines Problem zu geben, das ihn daran hinderte, einfach aus dem Bett zu springen und sich dem Tag zu stellen. Dieses Problem war die nackte Frau, die quer über seiner Brust lag.

Crush kümmerte sich nicht um die Schmerzen, die es verursachen würde, öffnete die Augen und schaute nach unten. Yep. Das war definitiv eine Frau. Eine – er schnupperte kurz – Katzenfrau. Crushs Lippen kräuselten sich. Noch eine Katze. Seiner Meinung nach die vertrauensunwürdigste aller Spezies. Und da er selbst auch nackt war, konnte er nur annehmen, dass sie beide … nun … das eben.

Gott, was war bloß mit ihm los? Das sah ihm gar nicht ähnlich. Crush betrank sich nicht und schlief wahllos mit Leuten. So was machte er nicht. Das steckte nicht in seinen Genen. Und es nannten ihn auch nicht nur seine Kollegen beim NYPD »Nach Vorschrift« Crushek. Mitschüler und Kommilitonen aus der Junior High, der Highschool und dem College hatten ihn schon damals so genannt.

Aber eine kleine Depression und eine Privatparty mit ein oder zwei Jelly Shots zu viel, und dieser andere Lou Crushek kam zum Vorschein. Nackt. Mit einer Katze.

Wer war diese Katze überhaupt? Jemand, den er kannte? Das glaubte er eher nicht. Er kannte zwar eine Menge Katzen, aber er verbrachte nicht viel Zeit mit ihnen, weil sie, wie er bereits mehrfach bekundet hatte und wie ohnehin jedermann wusste, vollkommen vertrauensunwürdig waren. Das war eine Tatsache. Das konnte jeder nachschlagen!

Wirklich zu dumm, dass Crush nicht einfach zu den Typen gehören konnte, die sturzbesoffen mit einer Frau schliefen und sich einfach davonschlichen, kurz bevor sie aufwachte. Das hätte sein Leben zwar definitiv um einiges leichter gemacht, ihn aber gleichzeitig auf ein ganz neues Niveau der Schäbigkeit sinken lassen, mit dem er noch viel weniger hätte umgehen können. Nur weil er das Gefühl hatte, sein ganzes Leben würde aus den Fugen geraten – er hasste Veränderungen! –, bedeutete das nicht, dass er auch tatsächlich zulassen würde, dass es aus den Fugen geriet. Und um sein Leben in den Fugen zu halten, war es wichtig, das moralisch Richtige zu tun.

Mann, es war echt beschissen, immer ein anständiger Kerl zu sein.

»Äh … Miss?« Um Gottes willen, klang seine Stimme rau. Er räusperte sich und versuchte es noch einmal. »Miss? Entschuldigen Sie bitte?« Er konnte sie unter all den schwarzen Haaren, die von weißen und roten Strähnen durchzogen waren und ihr Gesicht und seine Brust bedeckten, nicht besonders gut erkennen. Aber er erkannte diese Haarfarbe. Sie war eine Tigerin.

Crush hasste es, sie wecken zu müssen, tippte ihr aber trotzdem auf die Schulter. »Miss?«

»Hmm?«

»Äh … ja, tut mir leid. Ich … äh …« Das war wirklich schwierig. Wie sagte man einer Frau, mit der man möglicherweise Sex gehabt hatte, dass man ihren Namen nicht wusste? Und sich noch nicht einmal daran erinnern konnte, Sex mit ihr gehabt zu haben? Das Ganze wurde immer schlimmer. Wann zur Hölle hatte er sich in einen Verbindungsstudenten verwandelt?

Plötzlich reckte und streckte sie sich, und ihr langer Körper wand sich einen Moment lang auf seinem. Crush ignorierte, wie gut sich das anfühlte, und wiederholte: »Miss?«

Sie hob den Kopf, und ihre grün-goldenen Augen blinzelten ihn an.

Verdammt, war sie hübsch. Und er konnte sich nicht mehr daran erinnern, Sex mit ihr gehabt zu haben? Ernsthaft? Wie besoffen war er letzte Nacht eigentlich gewesen?

Sie blinzelte verwirrt zu ihm hinauf und lächelte. »Oh, hi.«

Oh, hi?

Gähnend klatschte sie eine Hand auf seine Brust, richtete sich ein wenig auf und schaute sich im Zimmer um, wodurch sie ihm einen geradezu monumentalen Blick auf ihre Brüste bescherte, und, wow, die konnten sich wirklich sehen lassen, verdammt. »Wie spät ist es?«, fragte sie.

»Keine Ahnung. Früh.«

Sie nickte, legte sich wieder auf seine Brust, schloss die Augen und schlang ihre Arme ganz fest um seinen Oberkörper. »Gut. Ich bin nämlich immer noch so müde.« Moment mal. Was war hier gerade passiert?

»Ich muss aufstehen.«

»Nur noch eine Stunde«, feilschte sie. »Vielleicht auch zwei. Entspann dich einfach.«

Vollkommen verwirrt sagte Crush: »Hör mal …«

Ihr Kopf schnellte nach oben, und diese unglaublichen Augen fixierten ihn. »Willst du die ganze Zeit weiterquatschen? Das ist nämlich echt nervig. Ich versuche zu schlafen, und ich hab einen ziemlichen Kater.«

Crush kniff die Augen zusammen. Er war nervig? »Bitte sag mir, dass wir letzte Nacht keinen Sex hatten.«

»So besoffen, wie du warst?« Sie gähnte, anscheinend bereits von ihm gelangweilt. »Ich glaube, du hättest ihn nicht mal mit einem Kran hochgekriegt.«

»Danke.«

»Warte mal. Hast du das etwa gedacht? Dass wir gefickt haben?«

»Wir liegen zusammen im Bett. Was hätte ich denn da denken sollen?«

»Dass ich müde war und einen Platz zum Schlafen brauchte.«

»Aber wir sind beide …« Er zuckte leicht mit den Schultern. »Nackt.«

»Ja, ich war auch total besoffen und hab mich komplett ausgezogen.«

»Hättest du nicht irgendwo anders schlafen können?«

»Die meisten anderen, die hier übernachtet haben, waren entweder Vollmenschen oder Hunde. Hast du je versucht, mit einem Hund zu schlafen? Die jaulen im Schlaf. Und rennen. Das ist nervig. Und Mace wollte nicht auf der Couch pennen, damit ich bei seiner Frau im Bett übernachten kann, also …«

»Du hast ein Löwenmännchen gebeten, sein Bett für dich zu räumen?«

»Warum auch nicht? Weil er der majestätische Löwe ist, König des Dschungels? Oder weil er ein reicher Llewellyn vom Llewellyn-Rudel ist?«

»Weil er hier wohnt.«

»Es ist das Haus seiner Frau. MacDermott erlaubt ihm nur, hier bei ihr und diesen riesigen Hunden zu bleiben, die ihr gehören. Und ich weiß zufällig, dass sie diese lächerlichen Rottweiler dem Löwen im Ernstfall jederzeit vorziehen würde, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.« Sie setzte sich auf. »So … Jetzt bin ich wach.«

»Wie nervig für dich.« Crush setzte sich ebenfalls mühevoll auf und ignorierte das Gebrüll in seinem Schädel.

»Warum bist du denn so gereizt?«

»Du hast mir gerade eröffnet, dass du mich quasi als riesiges Kissen benutzt hast.«

»Du warst gemütlich. Und hast nicht ein einziges Mal gejault. Ich hasse dieses Gejaule. Ich kann dir sagen: Du kennst die Hölle nicht, bevor du nicht während der Monsunzeit mit einem Haufen Hunde in einem verregneten, erbärmlichen Dschungel festgesteckt bist. Alle klatschnass und elend, und die ganze Zeit dieses verfluchte Gejaule.«

Crush versuchte, seine Migräne zu ignorieren, und fragte: »Warum sollte ich auch mit einem Haufen Hunde in einem erbärmlichen Dschungel feststecken?«

»Aus einer Menge Gründe.«

»Nenn mir zwei. Nein. Nenn mir nur einen. Ich fordere dich hiermit heraus.«

»Du forderst mich heraus?« Sie lachte, und ihre beinahe schnauzenartige Nase kräuselte sich ein bisschen, als sie ihn von oben bis unten betrachtete. »Du bist ja ein ganz Süßer.«

Schließlich musste Crush einfach fragen: »Wer bist du?«

»Wenn ich nicht immer noch verkatert wäre, würde ich dir jetzt mein sinnlichstes Lächeln schenken und dir antworten: ›Dein zum Leben erwachter Traum‹. Aber, hey, ich bin echt zu müde, um mir so viel Mühe zu machen, und mal ehrlich: Muss man sich überhaupt so viel Mühe machen – für einen Bären?«

»Bist du immer so beleidigend?«

»Beleidigend? So bin ich, wenn ich nett bin. Ich hab dir sogar ein Kompliment gemacht.«

»Ja. Ich bin so gemütlich wie ein Kissen.«

»Yep. Und zwar eins von diesen ganz prall gefüllten. Oder wie einer von diesen riesigen Teddybären, die man als Kind geschenkt kriegt. Mein Dad hat mir die immer gekauft und mir dann gezeigt, wie man sie richtig verprügelt.«

»Ich bin kein …«

Sie hob einen Finger in die Luft. »Merk dir, was du sagen wolltest.« Dann streckte sich die verrückte Katze auf seinem Schoß aus, griff auf den Boden hinunter und holte ein Telefon aus ihrer Jeanstasche.

Genervt und geradezu ekelhaft angetörnt knurrte Crush: »Geh von mir runter.«

»Schhh«, fauchte sie und setzte sich mit ihrem Hintern auf seinen Schoß. »Das ist geschäftlich.«

Hatte sie ihm gerade wirklich bedeutet zu schweigen? Das hatte sie nicht, oder?

»Yep?«, sagte sie ins Telefon, und ganz offensichtlich war es ihr völlig egal, dass sie beide immer noch nackt waren und sich absolut nichts zwischen ihrem Hintern und seinem Schwanz befand. »Jetzt? Ich muss eigentlich zu meinem Kind nach Hause.«

Kind? Die Frau hatte ein Kind, trieb sich aber trotzdem auf irgendwelchen Partys herum, betrank sich und folterte ihn mit ihrem Hintern auf seinem Schwanz?

Crush dachte an all die beschissenen Eltern, mit denen er sich im Laufe seiner Jahre als Polizist hatte herumschlagen müssen, und fauchte zurück: »Du hast ein Kind?«

Sie nickte, und während am anderen Ende der Leitung jemand weitersprach, flüsterte sie: »Ich muss nach Hause. Ich stille noch.« Dann, als Crush sich ganz sicher war, dass sein Schädel explodieren würde, lachte sie leise und formte mit den Lippen ein stummes »War nur Spaß«.

Heilige Scheiße, wer war diese Frau?

»Okay, okay. Ich setze Smith darauf an. Du weißt doch, wie sehr sie diese Jobs am Morgen liebt. Ich weiß, dass sie nicht für dich arbeitet, aber betrachte es einfach als Outsourcing. Wir wissen beide, dass sie den verdammten Auftrag erledigen kann. Außerdem muss sie endlich lernen, dass man nicht immer aus nächster Nähe töten kann.« Da er keine Ahnung hatte, wovon sie da eigentlich redete, war Crush erleichtert, als sie ihm zuzwinkerte. Gut. Sie machte nur Spaß. Es wäre nämlich wirklich schwierig, eine Frau zu verhaften, die nackt auf seinem Schoß saß. »Okay. Gut. Ich kümmere mich drum.«

Sie beendete das Gespräch und warf das Telefon wieder auf ihre Jeans. »Ich muss los.«

»Ja. Du musst nach Hause zu deinem Kind.«

»Ja, zu ihr auch.« Sie zuckte mit den Schultern. »Aber sie ist ziemlich selbständig. Sie kommt schon fast an den Herd ran.«

Crush hielt es nicht mehr länger aus und stieß sie von seinem Schoß. Nicht so fest, wie er es gern getan hätte – verdammt seien seine Moralvorstellungen –, aber wenigstens saß sie nicht mehr auf ihm und er konnte von ihr weg.

Er schnappte sich seine Klamotten und stakste zur Tür.

»Willst du meine Nummer denn gar nicht?«, fragte sie ihn. »Vielleicht könnten wir uns das nächste Mal ja betrinken und wirklich Sex haben. Falls du dir Sorgen wegen des Kindes machst, ich kann ihr ein bisschen Cognac ins Milchfläschchen mischen, dann ist sie die ganze Nacht total weggetreten.«

Crush wollte etwas sagen, aber er wusste, dass er nur etwas vollkommen Unangemessenes und Gemeines erwidern würde, und das brachte er einfach nicht über sich. Also stürmte er stattdessen aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.

Tragischerweise stand jedoch Desiree MacDermott vor der Tür, und ihre grünen Augen weiteten sich, als ihr Blick langsam an seinem langen, nackten Körper hinunterwanderte, während er ziemlich dämlich mitten in ihrem Flur stand.

Endlich sah ihm seine Polizeikollegin ins Gesicht. »Hi, äh … Crushek. Wie geht’s?«

»Gut. Danke, dass du mich zu eurer Party eingeladen hast.«

»Jederzeit.«

»Okay.« Sie blieben noch eine Sekunde im Flur stehen, dann sagte Crush: »Tschüss.«

»Tschüss.«

Und mit all der Würde, die er um sechs Uhr morgens nackt im Haus einer Kollegin aufbringen konnte, obwohl er noch immer einen Kater und einen halben Ständer hatte – weil selbst völlig degenerierte Menschen am frühen Morgen höllisch sexy sein konnten –, eilte Crush zu seinem Truck und in die absolute Freiheit.

Marcella »Eisenfaust« Malone – Tigerin, bei KZS unter Vertrag stehende Beschützerin des Katzenvolkes, professionelle Eishockeyspielerin für die Gestaltwandler-Meistermannschaft der Carnivores und Faustkampf-Champion der Malone-Familie – hörte, wie sich die Schlafzimmertür wieder öffnete, aber sie konnte einfach nicht aufhören, so hysterisch zu lachen, dass sie zu keuchen anfing. Niemand hätte das gekonnt! Warum? Weil das hier eben einfach sensationell gewesen war!

»Cella?«

Cella hörte MacDermott zwar, aber sie konnte ihr nicht antworten. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, zu lachen und herauszufinden, wer dieser Typ eigentlich gewesen war. Cella traf nicht jeden Tag Typen, die aussahen, als gehörten sie einer mit Crystal Meth dealenden Bikergang an, aber trotzdem die moralische Standfestigkeit eines Martin Luther besaßen: diese Entrüstung und Wut darüber, dass sie ihre Tochter völlig unbeaufsichtigt ließ, und dazu dieses lange weiße Eisbärenhaar, das bis über seine Schultern reichte, dieser permanent finstere Blick, diese Narbe an seinem Hals und die tiefschwarzen Augen, die wahrscheinlich eine Menge Leute in Todesangst versetzen konnten. Wenn einen all das jedoch nicht abschreckte, schafften das bestimmt die Muskelpakete dieses über zwei Meter großen und gut und gerne einhundertdreißig Kilo schweren Kerls, da war sich Cella ziemlich sicher. Mann, war dieser Körper tausendprozentig perfekt gewesen, oder was?

Doch obwohl der Typ wirklich furchteinflößend aussah, fand Cella all dieses einschüchternde, finstere Starren und die rasende Wut einfach nur süß. Teddybärensüß. Außerdem war er so verdammt verklemmt! Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, dass Bären so verklemmt sein konnten. Wenn man sie nicht gerade erschreckte und wütend machte, waren Bären normalerweise die entspanntesten aller Gestaltwandler, von männlichen Löwen mal abgesehen. Obwohl Cella fand, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen entspannt und einfach nur stinkend faul bestand.

Umso schlimmer für diesen armen Bären, dass diese Verklemmtheit nur Cellas schlimmste Katzeneigenschaften zum Vorschein brachte. Ehrlich gesagt, je verklemmter der Bär wurde, desto mehr Spaß hatte es ihr gemacht, mit ihm zu spielen. Sie hatte einfach nicht anders gekonnt. Er war nun mal so süß in seiner moralischen Empörung!

»Cella!«, sagte MacDermott, die nun ebenfalls lachte. »Was zur Hölle hast du bloß mit dem armen Kerl angestellt? Diesen Ausdruck hab ich vorher noch nie bei ihm gesehen. Ihm wäre beinahe eine Ader in seinem riesigen Bärenschädel geplatzt!«

Das war mehr, als sie ertragen konnte. Cella rollte vom Bett und knallte auf den Boden, was auf wundersame Weise dazu führte, dass ihr Kater sich vollkommen in Luft auflöste.

Über G. A. Aiken

Biografie

G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, »Lions«, »Wolf Diaries« und »Call of Crows«...

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