Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Blick ins Buch
Blick ins Buch
Lions - Fährte der LustLions - Fährte der Lust

Lions - Fährte der Lust

Taschenbuch
€ 9,99
E-Book
€ 7,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
Lieferzeit 2-3 Werktage
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 7,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Lions - Fährte der Lust — Inhalt

Dee-Ann Smith vertraut nichts so sehr wie ihren Instinkten. Das hat sie als ehemaliger Marine und Mitglied einer Gestaltwandler-Schutzgruppe gelernt. Ric Van Holtz ist ihr Boss und verrückt nach Dee-Ann. Doch die möchte keine gediegenen Cocktail-Partys mit ihm besuchen, sondern mit aller Kraft gegen illegale Gestaltwandler-Kampfarenen kämpfen. Um Dee-Ann rumzukriegen, muss ihr Chef endlich zum Teamplayer werden - für Alphatier Ric die größte Herausforderung von allen ... G. A. Aikens neues Buch ist ein wahres Feuerwerk an Witz, Erotik und Action!

Erschienen am 11.08.2014
Übersetzer: Doris Hummel
368 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-26968-1
Erschienen am 11.08.2014
Übersetzer: Doris Hummel
368 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96653-5

Leseprobe zu »Lions - Fährte der Lust«

Prolog

 

Es wäre nicht seine erste Wahl für ein Treffen wie dieses gewesen, aber in Anbetracht der Tatsache, mit wem er sich traf, um diese wichtige Angelegenheit zu besprechen, war er gewillt, eine gewisse Flexibilität an den Tag zu legen. Aber wenn er ehrlich war, war es Niles Van Holtz – Van für seine Familie und Freunde – durchaus recht, dass dieses Treffen auf einer großen Freifläche und auf neutralem Gebiet stattfand, umgeben von einer Menge Menschen.

Er stieg aus dem Wagen und erlaubte seinem jungen Cousin, ihm zu folgen. Der sechsjährige Ulrich [...]

weiterlesen

Prolog

 

Es wäre nicht seine erste Wahl für ein Treffen wie dieses gewesen, aber in Anbetracht der Tatsache, mit wem er sich traf, um diese wichtige Angelegenheit zu besprechen, war er gewillt, eine gewisse Flexibilität an den Tag zu legen. Aber wenn er ehrlich war, war es Niles Van Holtz – Van für seine Familie und Freunde – durchaus recht, dass dieses Treffen auf einer großen Freifläche und auf neutralem Gebiet stattfand, umgeben von einer Menge Menschen.

Er stieg aus dem Wagen und erlaubte seinem jungen Cousin, ihm zu folgen. Der sechsjährige Ulrich verbrachte den Sommer bei Van und dessen Gefährtin Irene, da, wie seine noch relativ frisch angetraute Braut es ausdrückte, »der junge Mann jetzt begreifen muss, dass sein Vater ein Idiot ist, und nicht erst später, wenn der Schaden bereits angerichtet ist«. Der Junge war allerdings keine besonders große Herausforderung. Er las ununterbrochen oder arbeitete in der Küche an seinen Messerkünsten. Er brauchte noch nicht einmal einen Fernseher, da er allem Anschein nach der Ansicht war, dieser lenke ihn nur von seinen Büchern ab. Anfangs hatte er nicht viel gesprochen, aber Irene hatte überraschenderweise ein Händchen für Kinder bewiesen, und es war ihr gelungen, Ric nach und nach aus seinem selbst gesponnenen Kokon zu locken, bis er sich in einen ziemlich geschwätzigen Welpen verwandelt hatte, wenn er in der richtigen Stimmung war.

Van hätte den Jungen auch in Seattle zurücklassen können, aber innerhalb von ein paar Wochen hatte sich Ric in Vans »Schatten« verwandelt, wie Irene es nannte. Was wiederum bedeutete, dass Van einfach kein gutes Gefühl dabei gehabt hätte, ihn zurückzulassen.

Davon abgesehen war dies hier nur ein Geschäftstreffen. Nichts Gefährliches oder so. Obwohl Van sich mit einem der Erzfeinde seines Rudels traf. Für Van war ein Geschäft eben ein Geschäft, und er nahm an, dass alle anderen das ganz genauso sahen.

»Du bleibst hier, Ric.« Van setzte den Jungen auf die Kühlerhaube seines Mietwagens: ein schneller kleiner Porsche, den er in der Nähe des Flughafens von Memphis abgeholt hatte, um damit zu diesem Treffen auf neutralem Gebiet zu fahren. »Ich bin gleich da drüben, okay?«

»Okay.« Der Junge zog ein Buch aus seinem Rucksack und begann zu lesen. Der Graf von Monte Christo. Ein Sechsjähriger, der Der Graf von Monte Christo las. Ein Buch, das Van gezwungenermaßen in der Highschool gelesen hatte – und das erst, nachdem seine Lehrerin ihn gewarnt hatte, dass die Lektürehilfe mit der Kurzversion allein ihm bei den Halbjahresprüfungen nicht helfen würde. Aber der Junge hatte sich das Buch im Laden selbst ausgesucht, zusammen mit zwölf weiteren sowie einem Taschenwörterbuch für den Fall, dass er das eine oder andere Wort nicht verstand.

Und was war mit dem neuesten Handheld-Spiel, das Van direkt aus Japan für Ric besorgt hatte? Das lag immer noch auf dem Bett des Jungen, in der Verpackung, unangetastet.

Van tätschelte Ric den Kopf – er liebte den Kleinen, auch wenn er seine Prioritäten völlig falsch setzte – und drehte sich um, um sich zum Treffpunkt zu begeben, machte dann jedoch unwillkürlich einen Satz rückwärts. Der Wolf, mit dem er hier verabredet war, stand in einem abgetragenen Led-Zeppelin-T-Shirt, zerrissenen Jeans und alten Springerstiefeln direkt vor ihm. Eine lange Kette, die vorn an einer Gürtelschlaufe seiner Jeans eingehakt war, schlängelte sich an seinem Bein entlang bis zu seiner Gesäßtasche und vermutlich seiner Brieftasche. Sein dunkelbraunes Haar hing bis auf die Schultern herunter und bedeckte vorn fast komplett seine Augen, während ein Vollbart die gesamte untere Hälfte seines Gesichts verbarg. Er sah aus wie ein durchgeknallter Veteran, der noch immer nicht verarbeitet hatte, was er während des Vietnamkriegs hatte durchmachen müssen.

»Mr. Smith?«, fragte Van und hoffte beinahe, dass er sich irrte.

Er irrte sich nicht. Das Grunzen sagte ihm sofort, dass hier in der Tat Egbert Ray Smith von der Smith-Meute aus Tennessee vor ihm stand.

»Niles Van Holtz.« Van streckte seine Hand aus. »Schön, Sie kennenzulernen.«

Der Wolf nahm weder seine Hand, noch hörte er auf, ihn mit seinen funkelnden Augen anzustarren. Van musste sich selbst daran erinnern, dass er nun das Alphamännchen seines Rudels war. Er würde sich von diesem potenziellen Serienkiller nicht einschüchtern lassen.

»Was willst du, Bürschchen?«

Das Ganze fing nicht gerade vielversprechend an. »Ich bin hier, um Ihnen einen Job anzubieten, Mr. Smith. Bei meiner Organisation. Der Gruppe.«

»Die Gruppe ist nichts als ein Haufen Weicheier.«

»Vielleicht, aber nun habe ich das Ruder übernommen, und ich will sie vorantreiben. Damit sie so wird wie die Einheit.« Smith kniff die Augen ein wenig zusammen. Er war jahrelang bei der Einheit gewesen – und das hatte Spuren hinterlassen: von jeder Falte in seinem noch gar nicht so alten Gesicht bis zu jeder Narbe an seinem Hals und wahrscheinlich an seinem ganzen Körper. Doch in jüngster Vergangenheit hatte sich innerhalb der Einheit einiges verändert. Die reine Gestaltwandler-Einheit des U.S. Marine Corps plante, seine Mitglieder nach zehn Jahren aus der Einheit zu entlassen – ganz gleich, ob sie wollten oder nicht. Smith war fast während seiner gesamten Zeit beim Corps in der Einheit gewesen und das erste Opfer dieser neuen Regelung geworden. Nach allem, was Van gehört hatte, war Smith ganz und gar nicht glücklich über die Wahl, die man ihm gelassen hatte: seine ehrenhafte Entlassung zu akzeptieren oder sich in die Truppe seiner vollmenschlichen Marines-Brüder einzufügen. Er hatte sich für die Entlassung entschieden, höchstwahrscheinlich aber nur, weil er sich niemals zwischen Vollmenschliche einreihen würde. Smith war direkt vom Boot-Camp zur Einheit gekommen und hatte sich im Laufe seiner Karriere durchaus einen Namen gemacht. Als Killer.

Denn genau das war Egbert Smith. Er war ein Killer, und ein sehr guter noch dazu. Und Van war sich sicher, dass Smith die perfekte Ergänzung für sein Team darstellte. Er hatte vor, die Gruppe in eine neue Richtung zu lenken und sie in eine Schutztruppe zu verwandeln, die sämtliche Gefahren für Gestaltwandler in den USA auslöschen würde. Für alle Gestaltwandler.

Und dieser Schritt war nun umso wichtiger, da die Situation für ihresgleichen mit jedem Tag gefährlicher wurde.

»Ich brauche Leute wie Sie in meinem Team, Mr. Smith. Die Bezahlung ist ausgezeichnet, hinzu kommen sämtliche Zusatzleistungen, eine Absicherung für Ihre direkten Angehörigen und genau die Art von Flexibilität, die ein Mann wie Sie braucht.« Vans nette Art zu sagen: »Wir wissen doch beide, dass Sie niemals einem normalen Job nachgehen könnten, Kumpel.«

Der Wolf grunzte erneut, und sein grimmiger gelbäugiger Blick blieb starr.

Van griff in die Gesäßtasche seiner Jeans und zog ein Blatt Papier heraus. Er reichte es Smith. »Das wäre Ihr Anfangsgehalt. Jährlich.«

Der Wolf starrte auf das Blatt hinunter, sah Van an und starrte dann wieder auf das Papier. Van war sich sicher, dass Smith niemals erwartet hatte, so viel Geld durch Arbeit zu verdienen. Aber die Gruppe hatte schier unerschöpfliche Ressourcen und setzte sie gern für die richtigen Rekruten ein.

»Diese Summe wird sich natürlich erhöhen, je länger Sie bei uns sind. Und abhängig davon, wie gut Sie Ihren Job erledigen.«

Der Wolf ließ seinen Blick über den großen Parkplatz schweifen, auf dem bereits der Flohmarkt aufgebaut war, der an diesem Samstag stattfinden sollte. Er räusperte sich und gab schließlich zu: »Hab meiner Gefährtin versprochen, sesshaft zu werden.« Seine Stimme klang tief und heiser, und wenn er genau hinsah, konnte Van eine alte Narbe erkennen, genau an der Stelle, an der die Stimmbänder des Wolfs hätten sein sollen. »Ich glaub nicht, dass es ihr gefallen wird, wenn ich sie schon wieder so lange allein lasse.«

»Sie müssen für diesen Job nicht umziehen, Mr. Smith. Es gibt keinen Stützpunkt, wo Sie wohnen, und kein Land, in das Sie ziehen müssen. Obwohl Reisen nach Alaska und Hawaii nötig sein könnten. Kurzreisen. Um ehrlich zu sein, muss ich einfach nur sichergehen können, dass Sie verfügbar sind, wenn ich Sie rufe. Aber ganz gleich, ob Sie einen Tag in der Woche oder drei Monate lang jeden Tag arbeiten oder auch sechs Monate nur rumsitzen und nichts zu tun haben – Sie bekommen Ihren Lohn. Alle zwei Wochen, pünktlich auf die Minute.«

»Und wenn mir was passiert?«

»Werden wir uns um Ihre Familie kümmern und Ihrem Rudel eine Entschädigung für den Verlust seines Mitglieds bezahlen. Die Gruppe kümmert sich um ihre Mitglieder, Mr. Smith.«

Während Van darauf wartete, dass der Wolf als Antwort auf sein Angebot irgendetwas sagen oder tun würde, kam ein kleines Mädchen auf sie zu. Die Kleine konnte nicht älter als neun oder zehn sein, noch nicht einmal in der Lage, sich zu verwandeln. Aber sie hatte die Augen ihres Vaters. Leuchtend gelb und kalt. Furchtbar kalt.

Sie starrte Van an, schien ihn als nicht bedrohlich einzustufen und zupfte am Hemd ihres Vaters. »Das da«, sagte sie.

Ihr Vater sah auf das riesige Jagdmesser hinunter, das sie in der Hand hielt. Er nahm es ihr ab und untersuchte es gründlich. »Warum?«, fragte er.

»Es hat das richtige Gewicht. Die Klinge ist aus gut gearbeitetem Stahl und lang genug, um das Brustbein zu durchdringen. Der Griff ist sehr solide, und wenn meine Finger länger werden, kann ich es immer noch benutzen. Ich dachte erst, ich hätte gern eins von diesen Klappmessern, aber das hier kann ich schneller ziehen und einsetzen. Wenn ich eine Waffe benutzen muss, hab ich keine Zeit, mit einem Klappmesser rumzufummeln, um es aufzuklappen.«

Ihr Vater nickte zustimmend, während Van das Mädchen nur weiter anglotzen konnte. Sicher, er hatte Ric in den letzten Wochen beigebracht, wie er sein Messerset schnell und wirksam einsetzen konnte, um ein Reh oder ein Wildschwein zu zerlegen, aber dabei ging es einzig und allein ums Kochen, damit der Junge eines Tages seinen Platz im Restaurant ihres Rudels einnehmen konnte. Dieses kleine Mädchen sprach hingegen davon, Brustbeine mit einem Messer zu durchbohren – und Van ging nicht davon aus, dass sie vom Brustbein eines Zebras sprach.

»Wie viel?«, fragte Smith die Kleine.

»Er wollte zweihundert dafür. Ich hab ihn auf achtzig runtergehandelt.«

»Wie hast du das geschafft?«

»Hab ihn angestarrt, bis er achtzig gesagt hat.«

Der Wolf griff in seine Hosentasche, drückte ihr vier Zwanzig-Dollar-Scheine in die Hand und gab ihr dann das Messer zurück. »Pass gut darauf auf, dann passt es auch gut auf dich auf, Zuckermäulchen.«

»Das werde ich, Daddy.« Sie trabte zu dem Verkäufer zurück, und Smith wandte sich wieder Van zu.

Eine Zeit lang starrten die beiden sich nur schweigend an, und Van hatte wirklich keine Ahnung, wie lange. Aber es musste lange genug gewesen sein, denn schließlich sagte Smith: »Steh nicht so drauf, mich einengen zu lassen.«

»Das wird auch nicht passieren. Ich gebe Ihnen mein Wort.«

Der Wolf schnaubte. »Das Wort eines Van Holtz. Das bedeutet nicht viel.«

»Mir schon.« Van hatte inzwischen die Schnauze voll und fügte hinzu: »Ja oder nein, Mr. Smith?«

Smith schätzte ihn ein letztes Mal ab und meinte: »Ja.«

Die Kleine kehrte zurück, ihr neues Messer fest in der Hand. »Er hat mir sogar eine Scheide gegeben, Daddy. Sie ist aus echtem Leder.«

»Gut gemacht.« Er deutete auf Van. »Das ist einer von diesen Van-Holtz-Wölfen, vor denen ich dich immer warne. Sie sehen alle aus wie er. Ziemlich dürr und versnobt. Riechen auch so wie er. Halt dich von ihnen fern, wenn du kannst. Und weide sie aus, wenn nicht.«

»Ja, Sir.«

Nicht unbedingt die Vorstellung, die Van erwartet hatte, aber … egal. Es spielte keine Rolle.

Zumindest spielte es keine Rolle, bis er bemerkte, dass sein kleiner Cousin nicht mehr auf der Kühlerhaube des Wagens saß, sondern direkt neben ihm stand, sich an ihn lehnte und mit weit aufgerissenen Augen Smiths kleine Tochter anstarrte.

Sie sah mit finsterem Blick auf Ric hinunter, aber als dieser nur weiter voller Ehrfurcht zu ihr hinaufstarrte, verschwand ihr finsterer Blick und verwandelte sich in ein Lächeln. »Was glotzt du denn so, Kleiner?«, fragte sie mit neckendem Tonfall.

Ric antwortete nicht – Van hatte das dumpfe Gefühl, der Junge sei gar nicht in der Lage, zu antworten –, sondern streckte ihr stattdessen einen seiner Schokoriegel hin, die er stets in seinem Rucksack hortete.

Sie blickte auf den Riegel und dann zu ihrem Vater hinauf. Er nickte, und sie nahm Ric die Schokolade aus der Hand. Nach einem kurzen Moment sagte sie: »Vielen herzlichen Dank«, und ihr Lächeln wurde noch breiter.

Ric stieß ein Seufzen aus und platzte heraus: »Heirate …«

Van klatschte eine Hand auf den Mund des Jungen, bevor dieser zu Ende sprechen konnte. Ric mochte vielleicht nur ein wehrloser Sechsjähriger mit mehr Hirn als Verstand sein und gerade seiner ersten Jugendliebe erliegen, an die er sich in ein, zwei Tagen wahrscheinlich gar nicht mehr erinnern würde, aber irgendetwas sagte Van, dass nichts von alledem für Egbert Smith eine Rolle spielte, wenn es darum ging, seine Tochter zu beschützen.

»Gut, dann …«, sagte Van, während er seinen heftig strampelnden Cousin zum Auto zerrte. »Zeit, aufzubrechen. Ich melde mich bei Ihnen, Mr. Smith.«

Van öffnete die Autotür und schob seinen Cousin in den Wagen. Er stieg auch ein und warf den Rucksack des Jungen auf den Rücksitz. Als er die Tür geschlossen hatte und sah, wie Smith mit seiner Tochter davontrottete, atmete Van langsam aus.

»Junge«, sagte er, »du musst unbedingt an deinem Timing arbeiten.«

»Aber sie ist perfekt, Onkel Van. Ich glaube, ich liebe sie.«

Van schaute noch einmal zu der halbwüchsigen Wölfin hinüber: ein zu dürres kleines Mädchen mit langen Armen und Beinen, das ein T-Shirt und eine abgeschnittene Jeans trug, aber keine Schuhe.

»Ric, du bist viel zu jung, um irgendjemand zu lieben, außer deine Eltern – und mich, natürlich.«

»Sie muss mehr essen«, bekundete Ric und ignorierte Vans Bemerkung. »Und ich werde derjenige sein, der ihr zu essen gibt!«

Van verdrehte die Augen und ließ den Wagen an.

»Komm schon, Ric«, versuchte er verzweifelt, den Jungen zur Vernunft zu bringen. »Du bist noch viel zu jung für dieses ganze verrückte Paarungszeug. Du musst dich erst mal auf andere Dinge konzentrieren.«

»Zum Beispiel?«

»Essen, dein Jagdgeschick … oder auch auf andere Mädchen«, antwortete er aufrichtig.

»Ich hasse Mädchen.« Er war sechs, natürlich hasste er Mädchen. »Aber sie ist kein Mädchen. Sie ist unglaublich.«

So viele Worte hatte der Junge noch nie innerhalb von fünf Minuten gesprochen, aber alles, was er damit erreichte, war, Van an den Rand eines Nervenzusammenbruchs zu treiben.

»Sie ist perfekt für mich, Onkel Van.«

»Nein, Ulrich. Ist sie nicht. Soweit ich das beurteilen kann, ist sie genau wie ihr Vater, und das bedeutet, dass wir uns um jeden Preis von ihr fernhalten müssen. Verstehst du?«

»Ich verstehe, Onkel Van.«

»Gut«, erwiderte Van und fuhr rückwärts aus der Parklücke.

»Ich werde warten, bis wir beide älter sind«, fügte der Junge hinzu, »und dann werde ich sie nageln.«

Van trat auf die Bremse. »Was?«

»Wie du und Tante Irene.«

Während die Panik langsam in ihm aufstieg, fragte Van erneut: »Was?«

»Das hast du gestern Abend zu ihr gesagt, als ich nach dem Abendessen die Töpfe geschrubbt habe. Dass du sie nageln wirst. Und dann hast du gelacht.«

Oh Scheiße. »Äh, Ric …«

»Und deshalb werde ich einfach warten, bis meine zukünftige Gefährtin und ich älter sind, und dann werde ich sie nageln. Oder wir nageln uns gegenseitig. Das klingt noch lustiger. Sich gegenseitig nageln.«

»Hör mal, Ulrich …«

»Was bedeutet das eigentlich? Nageln? So wie Tante Irene dich angegrinst hat, macht es bestimmt Spaß, oder?«

Van legte seinen Kopf auf dem Lenkrad ab und fragte sich, wie schlimm der Nervenzusammenbruch wohl ausfallen würde, den Rics Vater wegen dieser Sache bekommen würde. Angesichts der Tatsache, dass Alder Van Holtz ein verklemmter, reicher Snob war, schätzte Van … schlimm.

Eggie Ray Smith schloss die Tür seines Trucks und atmete langsam aus. Sein kleines Mädchen kniete sich auf dem Beifahrersitz neben ihm hin und schaute ihn an. »Du gehst wieder weg, stimmt’s, Daddy?«

»Hin und wieder.«

»Momma wird nicht glücklich sein.«

»Ich weiß.« Seine Gefährtin mochte es, wenn er zu Hause war. Allerdings nicht, wenn er ihr im Weg war, oh nein. Das konnte sie nicht ausstehen. Aber sie wusste gern, dass er »in Rufweite« war, wenn es Essen gab.

»Aber du musst gehen«, sagte sein kleines Mädchen und drückte mit der Hand seine Schulter. »Du hast wichtige Dinge zu erledigen, Daddy. Und wie sagt Big Poppa immer? Die kannst du nicht erledigen, wenn du nur im Garten hockst, Tee trinkst und Kuchen isst. Stimmt’s oder hab ich recht?«

Eggie konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, als er Dee-Ann Smith ansah. Von all den Dingen, die er im Laufe der Jahre getan hatte, war keines so wichtig und erfüllend, wie der Vater dieses kleinen Mädchens zu sein. »Da hast du recht, Zuckermäulchen, das kann ich nicht.«

»Außerdem kann ich mich um Momma kümmern. Niemand kommt an mir vorbei und schnappt sie sich.«

Eggie wusste das. Er hatte dafür gesorgt, dass es eine Sache gab, die sein kleines Mädchen beherrschte, und das war, sich und ihre Lieben zu beschützen. Nicht nur zu kämpfen, oh nein, sondern sich selbst zu beschützen. Er hatte beim Corps gelernt, dass es einen Unterschied zwischen Sich-prügeln und Sich-selbst-beschützen gab. Einen wichtigen Unterschied. Kämpfen konnte jeder Idiot.

»Das ist richtig. Das werden sie nicht.« Er streichelte mit seinen Fingern über ihre Wange. »Gefällt dir dein Geschenk, Zuckermäulchen?«

Ihr Grinsen wurde noch breiter. »Yep.«

»Gut. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.« Er ließ den Truck an. »Und erzähl’s nicht deiner Momma. Wir besorgen dir unterwegs nach Hause noch was anderes. Aber das Messer bleibt noch für ein paar … na ja, ein paar Jahre unter uns. Verstanden?«

Sie steckte das Messer hinten in ihre Jeansshorts und ließ sich auf dem Sitz nieder. »Yep.«

»Braves Mädchen. Und jetzt iss deine Schokolade.«

Sie betrachtete den noch immer eingewickelten Schokoriegel. »Das war ein süßer Junge«, sagte sie.

»Trotzdem ein Van Holtz«, erinnerte Eggie sie. »Und von den Van Holtzes musst du dich fernhalten.«

»Aber er ist so süß und klein«, entgegnete sie. »Und er sah auch schlau aus. Ich wette, er könnte mir helfen, eine richtig tolle Festung zu bauen, damit ich mir diese Wilden vom Leib halten kann, die Reed-Jungs.«

»Mir ist egal, wie süß oder schlau ein Van Holtz ist, Zuckermäulchen. Man kann ihnen nicht trauen. Halte dich an deinesgleichen. Verstanden?«

»Ja, Sir.«

Dee-Ann brach ein Stück von der Schokolade ab, die sie mittlerweile ausgewickelt hatte, und reichte es ihrem Vater, ohne sich selbst zuerst etwas in den Mund zu stecken. Als Eggie die Schokolade nahm, wurde ihm bewusst, dass er das beste kleine Mädchen der Welt hatte, und wenn er diesen Job bei einem verfeindeten Wolf annehmen musste, um dafür zu sorgen, dass sie immer in Sicherheit, glücklich und finanziell abgesichert war, dann würde er es tun.

Weil er sich für sein kleines Mädchen etwas Besseres wünschte. Er wollte nicht, dass sie schwarz gebrannten Schnaps oder – wie ein paar ihrer idiotischen Cousins in anderen Ecken des Landes – Waffen verkaufte. Und er wollte nicht, dass sie Tag für Tag ihr Leben riskierte, während sie gegen den übelsten Abschaum der Welt kämpfte.

Und was er für sein kleines Mädchen ganz bestimmt nicht wollte, war, dass sie auch nur eine Sekunde ihres Lebens für irgendeinen hinterhältigen, rechthaberischen, reichen Wolf arbeitete, der glaubte, er sei besser als alle anderen, nur weil er ein Steak braten konnte. Nein. Das würde seiner Dee-Ann nicht passieren. Niemals.

Dafür würde Eggie sorgen.

 

 

Kapitel 1: Fünfundzwanzig Jahre später …

 

Ulrich Van Holtz drehte sich um und schmiegte sich noch enger an den von Jeansstoff umhüllten Oberschenkel, der neben seinem Kopf lag. Dann fiel ihm jedoch ein, dass er letzte Nacht allein ins Bett gegangen war.

Er zwang sich, ein Auge zu öffnen, und blinzelte in das Gesicht, das auf ihn heruntergrinste.

»Morgen, Supermodel.«

Er hasste es, wenn sie ihn so nannte. Der herablassende Tonfall zerrte an seinen Nerven. Besonders an seinen äußerst sensiblen Morgen-Nerven. Sie hätte genauso gut sagen können: »Guten Morgen, Nichtsnutz.«

»Dee-Ann.« Er blickte sich um und versuchte, herauszufinden, was hier eigentlich vor sich ging. »Wie spät ist es?«

»Kurz vor Dämmerung.«

»Kurz vor Dämmerung?«

»Es dämmert noch nicht ganz, aber Nacht ist es auch nicht mehr.«

»Und gibt es einen Grund dafür, dass du um kurz vor Dämmerung in meinem Bett bist … komplett angezogen? Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass du dich nackt viel wohler fühlen würdest.«

Sie schürzte kaum merklich die Lippen. »Also so was, Van Holtz. Du versuchst doch tatsächlich, mit mir zu flirten.«

»Wenn ich es so schaffe, dass du dich nackig machst …«

»Du bist mein Boss.«

»Ich bin dein Supervisor.«

»Wenn du mich feuern kannst, bist du mein Boss. Haben sie dir das auf deinem Elite-College nicht beigebracht?«

»Mein Elite-College war eine Kochschule, und ich habe den Großteil meiner Zeit damit verbracht, meinen französischen Lehrer zu verstehen. Falls sie den Unterschied zwischen Boss und Supervisor damals erwähnt haben, hab ich es wahrscheinlich nicht mitgekriegt.«

»Du hältst dich immer noch an meinem Oberschenkel fest, Boss.«

»Und du bist immer noch in meinem Bett. Und immer noch nicht nackt.«

»Nackt bin ich genauso wie angezogen: immer noch von Narben bedeckt und bereit zu töten.«

»Du versuchst doch nur, mich anzutörnen.« Ric gähnte, löste widerwillig seine Arme von Dees knackigem Oberschenkel und nutzte die Gelegenheit, einen ausführlichen Blick auf sie zu werfen.

In den letzten Monaten hatte sie ihr dunkles Haar ein wenig länger wachsen lassen. Die schweren Locken reichten nun bis über ihre Ohren und umrahmten ihren eckigen Kiefer, den eine zwölf Zentimeter lange Narbe aus ihrer Armeezeit und ein neuerer blauer Fleck zierten. Von Letzterem nahm Ric an, dass er von letzter Nacht stammte. Sie hatte die typische Smith-Nase – ein bisschen zu lang und an der Spitze ziemlich breit – und eine stolze, hohe Stirn. Aber es waren diese Augen, die die meisten Menschen verstörten, da sie sich niemals verwandelten. Sie hatten immer dieselbe Farbe und dieselbe Form, ganz gleich, welche Gestalt Dee annahm. Viele bezeichneten die Farbe als »Kötergelb«, aber für Ric war es »Hundegold«. Er empfand ihre Augen auch nicht als abschreckend. Nein, er fand sie bezaubernd. Genau wie die ganze Frau.

Ric kannte die Wölfin erst seit etwa sieben Monaten, aber seit er sie zum ersten Mal gesehen hatte, brodelte eine wahnsinnige, tiefe Lust in ihm. Als er sie im Laufe der Zeit immer besser kennengelernt hatte, hatte er sich total in sie verliebt. Es gab nur ein Problem, das sie beide daran hinderte, bis ans Ende ihrer Tage glücklich als Gefährten zusammenzuleben – und dieses Problem hieß Dee-Ann Smith.

»Also, gibt es einen anderen Grund dafür, dass du hier bist, in meinem Bett, nicht nackt, gegen kurz vor Dämmerung, der nichts damit zu tun hat, dass wir beide diese idiotischen professionellen Grenzen vergessen, damit du über meinen mehr als willigen Körper herfallen kannst?«

»Yep.«

Als sie nichts weiter sagte, setzte Ric sich auf und meinte: »Lass mich raten: Bei einer Portion Waffeln und Speck würde es dir leichter fallen, es mir zu erzählen.«

»Das stimmt, aber mit diesem miesen nachgemachten Akzent erwärmst du nicht gerade mein Südstaaten-Herz.«

»Ich wette, das ändert sich, wenn ich die Waffeln auch noch mit Heidelbeeren serviere.«

»Aus der Dose oder frisch?«

Mit offenem Mund funkelte Ric sie über die Schulter hinweg an.

»Das ist eine berechtigte Frage.«

»Raus.« Er deutete auf seine Schlafzimmertür. »Wenn du mir unterstellen willst, dass ich bei meinem Essen auch nur irgendwas aus der Dose verwende, während du nicht nackt auf meinem Bett sitzt, dann kannst du verdammt noch mal sofort aus meinem Schlafzimmer verschwinden … und dich in meine Küche setzen, mucksmäuschenstill, und warten, bis ich komme.«

»Wird deine Laune dann besser sein?«

»Wirst du dann nackt sein?«

»Zäh wie ein Wolf mit einem Knochen«, murmelte sie und erklärte dann: »Wohl kaum.«

»Dann hast du deine Antwort, schätze ich.«

»Oh, komm schon. Kann ich nicht wenigstens hier sitzen bleiben und zuschauen, wie du mit deinem blanken Hintern ins Bad wackelst?«

»Nein, kannst du nicht.« Er warf seine Beine über die Bettkante. »Aber du darfst sehnsuchtsvoll über deine Schulter blicken, während ich mit meinem nackten Hintern auf sehr männliche Weise entschlossen ins Bad marschiere. Ich bin nämlich nicht zu Ihrem Amüsement hier, Ma’am.«

»Es heißt Miss Smith. Bei netten Südstaaten-Mädchen heißt es Miss.«

»Dann ist Ma’am bei dir ja richtig, schätze ich.«

Über G. A. Aiken

Biografie

G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, »Lions«, »Wolf Diaries« und »Call of Crows«...

Pressestimmen

Nautilus - Abenteuer und Fantastik

»Witz, Erotik und Action – das sind die Erfolgskomponenten der sexy Löwensaga von G.A. Aiken.«

Kommentare zum Buch

Lions Fährte der Lust
Erika Seyfarth am 15.08.2014

Wow, erneut ein Hammer, dieses Buch würde ich erst aus der Hand legen wenn ich es zu Ende gelesen hätte. Spannend,betörend und zum Weglesen gemacht.

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden