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Licht über den Klippen

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Roman

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Licht über den Klippen — Inhalt

Als ihre Schwester stirbt, beschließt Eva, die Asche der jungen Frau nach Cornwall zu bringen – an jenen Ort über dem Meer, wo die Schwestern einst die Sommer ihrer Kindheit verbrachten. Das alte Herrenhaus und der prachtvolle Rosengarten scheinen unverändert.
Doch dann ereignen sich merkwürdige Dinge: Der Pfad zu dem Hügel, auf dem Eva die Asche verstreut hat, teilt sich bei einem Gewitter in zwei Wege. Und kurz darauf erscheint ein Mann in einem seltsam altertümlichen Gewand in ihrem Zimmer. Immer tiefer wird Eva in eine fremde, weit zurückliegende Welt hineingezogen, und immer stärker gerät sie in den Bann des rätselhaften Unbekannten. Unwillkürlich wird sie zu einer Reisenden zwischen den Zeiten, bis sie sich irgendwann schmerzlich zwischen Gegenwart und Vergangenheit entscheiden muss.

€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 08.09.2011
Übersetzt von: Sonja Hauser
480 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95444-0

Leseprobe zu »Licht über den Klippen«

Let the new faces play what tricks they will In the old rooms. Night can outbalance day, Our shadows roam the garden gravel still, The living seem more shadowy than they.

 

William Butler Yeats
The New Faces

 

Laß doch die Neuen tricksen, wie sie wollen In alten Räumen; Nacht gleicht aus den Tag, Noch unsre Schatten auf dem Gartenkies Wandeln vernehmlicher als diese Lebenden.

 

Die Neuen, in: William Butler Yeats,
Die Gedichte, Luchterhand, München 2005

 

EINS

 

Ich verlor meine einzige Schwester Ende November. Diese Jahreszeit so kurz vor dem Winter, [...]

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Let the new faces play what tricks they will In the old rooms. Night can outbalance day, Our shadows roam the garden gravel still, The living seem more shadowy than they.

 

William Butler Yeats
The New Faces

 

Laß doch die Neuen tricksen, wie sie wollen In alten Räumen; Nacht gleicht aus den Tag, Noch unsre Schatten auf dem Gartenkies Wandeln vernehmlicher als diese Lebenden.

 

Die Neuen, in: William Butler Yeats,
Die Gedichte, Luchterhand, München 2005

 

EINS

 

Ich verlor meine einzige Schwester Ende November. Diese Jahreszeit so kurz vor dem Winter, wenn die Dunkelheit immer früher hereinbricht und der Himmel kalte Tränen weint, ist wohl die schrecklichste, um einen Menschen zu verlieren. Nicht dass es einen guten Zeitpunkt für den Tod der besten Freundin gäbe, aber es erscheint einem doch schlimmer, in dem Krankenhauszimmer, in dem die Spezialisten in ihren weißen Kitteln ein und aus gehen, zu sitzen und aus dem Fenster nur auf dichte graue Wolken zu schauen, die jegliche Wärme und Honung sofort ersticken. Zu Beginn ihrer Krankheit waren wir manchmal hinaus in den Garten gegangen und hatten auf der Bank neben dem Sommerflieder schweigend die Strahlen der Sonne auf unseren Gesichtern genossen und die tanzenden Schmetterlinge beobachtet.
Damals war diese Krankheit harmlos und überwindbar erschienen, wie alles, was das Schicksal ihr bis dahin beschert hatte. Sie war bekannt für ihre Energie. Die Regisseure besetzten sie für Rollen in Actionfilmen, die sie mit dem für sie typischen Eifer verkörperte, und die Zuschauer liebten sie dafür. Die Reporter der Klatschpresse hatten sich den ganzen Sommer über vor dem Haus herumgetrieben, und als sie schließlich in die Klinik musste, verfolgten sie sie auch dorthin und postierten sich vor dem Haupteingang.
Doch am Ende waren nur wir drei im Zimmer: ich, meine Schwester Katrina und ihr Mann Bill.
Wir hielten ihre Hände, Bill und ich, den Blick auf ihr Gesicht gerichtet, weil wir es nicht schaen, einander anzusehen. Und schließlich waren wir nur noch zu zweit, Bill und ich. Ich konnte ihre Hand nicht loslassen, wollte nicht glauben, dass es zu Ende war. Ich saß stumm da, bis Bill aufstand und Katrinas Hand auf ihre Brust legte. Er drückte ihre Hand ein letztes Mal sanft, bevor er den kleinen Claddagh-Ring aus Gold, der unserer Mutter gehört hatte, von ihrem Finger zog und mir gab.
Er reichte ihn mir wortlos, und noch immer waren wir nicht in der Lage, einander in die Augen zu sehen. Dann tastete er in seiner Tasche nach seinen Zigaretten und verließ das Zimmer. Und ich war allein. Ganz allein.
Der kalte Novemberregen rann am Fenster herab und warf Schatten in den lichtlosen Raum.
Ich half, die Trauerfeier zu organisieren, sorgte dafür, dass ihre Lieblingslieder gesungen und ihre Lieblingsgedichte vorgelesen wurden, aber als Freunde und Fans ihr das letzte Geleit gaben, war ich nicht dort, um ihnen die Hand zu geben und ihre wohlgemeinten Worte des Trostes zu hören. Ich weiß, dass manche mich deswegen für feige hielten, doch ich konnte es einfach nicht. Meine Trauer war etwas sehr Privates und ging zu tief, um sie zu teilen. Außerdem war es nicht von Bedeutung, ob ich mich in der Kirche auielt, weil Katrina sich nicht dort befand.
Sie war nirgendwo.
Ich konnte nicht fassen, dass ein so starkes Licht wie das ihre so vollständig ausgelöscht worden war, ohne den geringsten Schimmer zurückzulassen. Ich hatte gedacht, ich würde ihre Gegenwart spüren … doch das tat ich nicht.
Um den Schmetterlingsflieder im Garten lag Laub, und um die Veranda mit der leeren Schaukel standen kahle Sträucher. Als ich Katrinas Schränke ausräumte, spürte ich nicht den leisesten Lufthauch, der mich hätte glauben machen können, dass meine Schwester noch bei mir war.
Ich erledigte, was zu erledigen war, kümmerte mich um die kleinen Dinge und versuchte, mein Leben weiterzuführen, wie alle es mir rieten, obwohl eine große, hohle Einsamkeit in mir wuchs. Dann kam der Frühling und mit ihm Bill. Eines Samstagmorgens stand er vor meiner Tür. Mit ihrer Urne in der Hand.
Ich hatte ihn seit November nicht mehr gesehen, nur ein paar Mal im Fernsehen, weil gerade ein neuer Film mit ihm angelaufen war.
Bill blieb auf der Schwelle stehen und räusperte sich. »Ich dachte …« Kurzes Schweigen. Er drückte das schlichte Eichenholzkästchen mit Katrinas Asche fester gegen seinen Körper. »Sie wollte, dass ich sie verstreue.«
»Ich weiß.«
»Keine Ahnung, wo ich sie hinbringen soll. Vielleicht …« Er hielt mir das Kästchen hin. »Ich dachte, du kannst das besser.«
Zum ersten Mal seit ihrem Tod blickten wir einander an. Ich sah den Schmerz in seinen Augen. Er hüstelte. »Ich muss nicht dabei sein, wenn du es machst; ich habe mich von ihr verabschiedet. Du weißt besser als ich, wo sie am glücklichsten war. Wo sie hingehört.«
Er drückte mir das Kästchen in die Hand und küsste mich auf die Stirn, bevor er sich zum Gehen wandte. Ich wusste, dass ich ihn nicht wiedersehen würde. Wir lebten in unterschiedlichen Welten; das Einzige, was uns verband, war das schlichte Kästchen mit Katrinas Asche.
Ich stellte es auf den schmalen Tisch am Fenster und überlegte.
Wo sie am glücklichsten war, hatte er gesagt. Da gab es so viele Orte. Ich rief mir Bilder ins Gedächtnis: der Sonnenaufgang am Grand Canyon oder das Wochenende in Kerala an der Südküste Indiens, wo sich Katrina unbeschwert wie ein Kind in die Wellen gestürzt hatte.
Sie war überall glücklich und mit Abenteuerlust durchs Leben getanzt. Wo sie das Glück am deutlichsten empfunden hatte, war unmöglich zu beurteilen. Ich konzentrierte mich auf das, was Bill noch gesagt hatte: Wo sie hingehört.
Das war leichter. Ich war sicher, dass meine Erinnerungen mich zu dem richtigen Ort führen würden. Ich schloss die Augen und wartete.
Es war schon fast Abend, als er mir einfiel.
Der Ort, an den wir beide einmal hingehört hatten.

 

ZWEI

 

Nach Cornwall zu kommen und die Brücke über den Tamar zu überqueren, vermittelte mir jedes Mal ein ganz besonderes Gefühl, als würde ich durch einen mystischen Schleier treten, der meine Welt von der trennte, in der ich eigentlich leben sollte. Meine Mutter hatte immer gesagt, es sei eine Art Heimkehr, die nur Menschen mit kornischem Blut spüren könnten. Und da meine Vorfahren mütterlicher- wie väterlicherseits seit Generationen aus Cornwall stammten, ist dieses Gefühl bei mir besonders stark ausgeprägt.
Ich hatte in Cornwall das Licht der Welt erblickt, im Norden, jenseits des Bodmin Moor, wo mein Vater, ein Regisseur, einen düsteren Thriller gedreht hatte; meine Eltern waren beide im lieblicheren Süden Cornwalls – im Daphne-du-Maurier-Land – aufgewachsen. Nachdem mein Vater Dozent für Filmwissenschaften an der Universität von Bristol geworden war, hatten seine nun geregelten Arbeitszeiten es uns ermöglicht, jeden Sommer den Tamar zu überqueren und die Ferien bei seinem Jugendfreund George Hallett zu verbringen, der mit seiner jungen, lebhaften Familie in einem zugigen Herrenhaus auf einem Hügel über dem Meer lebte.
Als ich zehn war, führte der Beruf meines Vaters uns von England fort, nach Vancouver an der Westküste Kanadas, wo er an der University of British Columbia unterrichtete.
Mir gefiel es in Kanada. In Vancouver erhielt meine Schwester mit achtzehn ihre ersten Angebote – anfangs noch kleine Rollen, dann allmählich größere, die Hollywood-Regisseure auf sie aufmerksam machten.
Jahre später folgte ich ihr eher zufällig nach. Ich hatte in der Marketing-Branche gearbeitet, mich dann für PR entschieden und war bei einem Unternehmen gelandet, das hauptsächlich für die Unterhaltungsindustrie tätig war, sodass ich mit fünfundzwanzig von Vancouver nach Los Angeles zog.
L. A. war nicht gerade meine Lieblingsstadt, aber als ich erst kurz dort lebte, hatte ein Betrunkener auf regennasser Straße meine Eltern überfahren, und von meiner Familie blieb mir nur noch Katrina, die nun mal in L. A. zu Hause war.
Wir standen uns sehr nahe. Wo sie auch drehte, besuchte ich sie. Ich war dabei, als Bill ihr den Heiratsantrag machte und sie in einer kleinen privaten Feier den Bund fürs Leben schlossen. Und sie machte mich zu ihrer Pressesprecherin – damit es in der Familie bliebe, wie sie es ausdrückte. In den vergangenen beiden Jahren war sie aufgrund ihres Erfolgs meine wichtigste Klientin geworden.
Zu Hause hatte ich mich in L. A. letztlich nie gefühlt, weder in meinen insgesamt vier Apartments – noch bei den Männern, mit denen ich zusammen war. Männer hatte es mehr gegeben als Wohnungen, doch keiner von ihnen war geblieben. Der letzte verabschiedete sich gerade aus meinem Leben, als Katrina krank wurde.
Die Trennung hatte ich damals kaum bemerkt, und auch nun beschäftigte sie mich nicht. In den vergangenen sechs Monaten war ich ein Schatten meiner selbst gewesen; erst jetzt, als der First-Great-Western-Zug über den Tamar ratterte, spürte ich, wie sich tief in mir wieder Leben zu regen begann.
Ich war in Cornwall, und es war tatsächlich eine Art Heimkehr. Die draußen vorbeihuschende Landschaft mit den alten Steingebäuden, Hügeln und Hecken hatte etwas angenehm Vertrautes. Und als ich in einen kleineren Zug umstieg, der mich zur Küste bringen sollte, erinnerte ich mich an meine kindliche Vorfreude auf die Sommerferien von damals.
Neben dem weißen Bahnhofshäuschen am Ende der Strecke stand eine blaue Bank an dem schmalen Bahnsteig mit dem weißen Streifen am Rand. An der grünen Hügelflanke dahinter war eine Handvoll Häuser zu sehen.
Drei Menschen warteten am Gleis, einen von ihnen hätte ich überall erkannt.
Bei unserer letzten Begegnung war Mark Hallett gerade achtzehn gewesen und ich zehn, zu jung, um von ihm wahrgenommen zu werden, jedoch nicht zu jung, um seine dunklen Haare und die lachenden Augen attraktiv zu finden. Ich war immer in seiner Nähe gewesen, und er hatte es geduldig ertragen und mir weder das Gefühl vermittelt, ihm lästig zu sein, noch war ihm meine Bewunderung zu Kopf gestiegen.
Katrina hatte ähnlich für ihn empfunden, doch es war mehr daraus geworden. Er war ihr erster Freund, ihre erste große Liebe, gewesen, und als wir am Ende des Sommers abreisten, hatte ich gesehen, wie sehr die Trennung sie beide betrübte. Bald hatte sie sich von dem Schmerz erholt. Er vermutlich auch. Zwanzig Jahre waren seitdem vergangen. Doch als ich nun aus dem Zug stieg und Mark Hallett mich mit einem Lächeln begrüßte, fühlte ich mich wieder wie zehn.

»Eva.« Seine Umarmung fühlte sich vertraut und gleichzeitig anders an. Trotz seines kräftigen Körperbaus war er nicht sonderlich groß gewachsen. Mein Kinn befand sich auf Höhe seiner Schulter; in meiner Erinnerung reichte ich ihm kaum bis zur Brust.
»Kein Problem mit den Zügen?«, erkundigte er sich.
»Nein, alle pünktlich.«
»Ein Wunder.« Er nahm mir den Koer ab, ließ mir jedoch die Umhängetasche, vermutlich, weil er ahnte, was sich darin befand.
Der Bahnhof war so klein, dass es nicht einmal öentliche Toiletten gab, und der Parkplatz war nicht mehr als eine Kiesfläche mit einer Telefonzelle. Marks Lieferwagen erkannte ich an dem Trelowarth-Roses-Logo an der Seite. Als Mark meinen Blick sah, lächelte er verlegen. »Ich wäre mit dem anderen Wagen gekommen, musste aber noch etwas in Bodmin ausliefern. Danach hatte ich keine Zeit mehr, nach Hause zu fahren.«
»Kein Problem.« Mir gefiel der Van, in dessen Innern es ganz ähnlich roch wie in dem, den sein Vater früher gefahren hatte: nach feuchter Erde und Pflanzen. Marks Hund, ein Mischling mit Schlappohren, zotteligem braunem Fell und dünnem Schwanz, der ohne Unterlass wedelte, erwartete mich im Wagen. Als er es sich auf meinem Schoß bequem machen wollte, schob Mark ihn sanft zurück.
»Darf ich dir Samson vorstellen? Ein ganz Braver.« Sie hatten immer drei oder vier Hunde in Trelowarth gehabt, die mit uns Kindern über die Felder tollten und mit ihren schmutzigen Pfoten durch die alte Küche in den Garten liefen, sodass Marks Stiefmutter Claire ständig den Fliesenboden wischen musste.
Ich kraulte Samson hinter den Ohren und fragte Mark, wie es Claire gehe, die sich ein Bein gebrochen hatte
»Viel besser. Der Gips ist weg; sie humpelt schon wieder herum. Der Arzt meint, ein paar Wochen noch, dann ist sie wieder ganz die Alte.«
»Wie hat sie sich das Bein überhaupt gebrochen?«
»Beim Säubern der Regenrinne.«
»Natürlich«, sagte ich. Es überraschte mich nicht, dass sie auch nach ihrem Umzug vom Herrenhaus ins Cottage sämtliche Arbeiten selbst erledigte.
»Gott sei Dank ist das Malheur unten in Bodennähe passiert und nicht oben auf dem Dach«, sagte Mark und schob erneut Samson zurück, der versuchte, sich zwischen uns zu drängen. Dann startete er den Motor und setzte zurück auf die Straße.
Die Küstenstraßen von Cornwall sind schmal und kurvig mit steilen Böschungen und hohen Hecken, die den Blick auf das versperren, was vor einem liegt. Mein Vater war sie immer in hoher Geschwindigkeit entlanggebraust und hatte vor Kurven gehupt, darauf vertrauend, dass entgegenkommende Wagen auswichen. Als ich ihn einmal fragte, was passieren würde, wenn der andere Fahrer es genauso machte wie er, hatte Dad mit den Schultern gezuckt und mir versichert, das würde nicht geschehen.
Gott sei Dank hatte er recht behalten.
»Wohnt Susan noch zu Hause?«, fragte ich Mark.
»Ja.« Er verzog das Gesicht, wenig überzeugend, wie ich fand, denn ich wusste, dass die beiden Geschwister sich nahestanden. »Fast wären wir sie losgeworden, sie hat kurze Zeit in der Nähe von Bristol gewohnt. Aber jetzt ist sie wieder da und will eine kleine Teestube oder so was Ähnliches aufmachen, für Touristen. Unserer Susan gehen die Ideen nie aus.«
»Du bist nicht begeistert davon?«
»Sagen wir mal so: Ich glaube, es wird nicht allzu viele Touristen geben, die so scharf auf Tee sind, dass sie aus dem Ort eigens zu uns herauskommen.«
Da musste ich ihm recht geben. Wir fuhren gerade durch Polgelly mit seinen dicht gedrängten weiß getünchten Häusern und den gewundenen Straßen, die so schmal waren, dass nur Anwohner und Taxis für die Touristen sie passieren durften. Marks Van, wirklich nicht sonderlich breit, passte beinahe nicht zwischen den Gebäuden hindurch.
Polgelly war einmal ein bekannter Fischerort gewesen, der sich mit der Entdeckung Cornwalls durch die Touristen in ein pittoreskes Dorf verwandelte. Nun gab es hier Geschäfte mit Antiquitäten und keltischem Kunsthandwerk und Frühstückspensionen mit Namen wie »Schmugglernest«. Der alte Fish-and-Chips-Laden am Hafen sah noch aus wie früher; das Gleiche galt für das Fudge-Geschäft an der Ecke. Und »der Hügel« hatte sich selbstverständlich auch nicht verändert.
Ich hatte ihn gleich bei der ersten Besteigung »den Hügel« getauft, denn bestimmt gab es keine andere Erhebung auf Erden, die das Durchhaltevermögen auf eine solche Probe stellte. Das lag nicht an der Höhe oder der Steigung allein, sondern vor allen Dingen daran, dass der Weg hinauf kein Ende zu nehmen schien. Die Straße führte zwischen überhängenden Bäumen und Bruchsteinmauern hindurch, ein Anstieg, der die Oberschenkelmuskulatur beanspruchte und sie noch minutenlang zittern ließ, wenn man endlich die Kuppe erreicht hatte.
Als Kinder waren wir jeden Tag hinuntergelaufen, um mit Marks und Susans Schulfreunden in Polgelly zu spielen oder von der Hafenmauer aus den Fischern bei der Arbeit zuzusehen. Und wie Kinder nun mal sind, hatten wir alle Gedanken an den mühsamen Aufstieg verdrängt, bis wir ihn auf dem Rückweg wieder bewältigen mussten. Einmal hatte Mark mich sogar die letzten Schritte getragen. Vermutlich begann ich seinerzeit deswegen, für ihn zu schwärmen.

Über Susanna Kearsley

Biografie

Susanna Kearsley, geboren 1966, lebt in Ontario. Sie hat Politik und Internationale Entwicklungen studiert und als Museumskuratorin gearbeitet. Gleich ihr erster Roman »Mariana« war ein großer Erfolg. Danach veröffentlichte sie die Bestseller »Glanz und Schatten«, »Die Geister von Rosehill«, »Haus...

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