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Lauter schöne TageLauter schöne Tage

Lauter schöne Tage

Roman

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Lauter schöne Tage — Inhalt

Statt mit Seniorenbingo seinen Lebensabend zu vertrödeln, hat Dieter andere Pläne: Der leidenschaftliche Hobbytänzer heuert auf der Princess of Glory als Gentleman-Host an – und tanzt sich in die Herzen der allein reisenden Damen. Sarah, eine professionelle Heiratsschwindlerin, sieht ihren Schiffs-Törn eher als Geschäftsreise. Zwischen dem ungleichen Paar entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft – die auf die Probe gestellt wird, als Sarah sich in berufliche Schwierigkeiten manövriert. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, der sie am Ende am allermeisten selbst überrascht ...

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 01.08.2017
288 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31070-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.04.2016
288 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97326-7

Leseprobe zu »Lauter schöne Tage«

Das soll ab sofort mein Alltag sein? Hahn im Korb beim Tanztee um vier? In Puschen zum Bingo-Nachmittag? Nicht mit mir! Ich, Dieter Helge Bruns, habe noch viel mit meinem Leben vor. Sehr viel!
Dieter Bruns, 71 Jahre, Personalchef im Ruhestand

Irgendwann erwische ich schon noch mal das dicke Ende von der Wurst. Und dann habe ich ausgesorgt und wohne in einer Villa am Gardasee statt in einem Ein-Zimmer-Apartment in Pforzheim. 
Aber jetzt muss ich erst mal zusehen, dass ich Land gewinne. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Sarah Wolf, alias Sara Galbani, 
alias Sara [...]

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Das soll ab sofort mein Alltag sein? Hahn im Korb beim Tanztee um vier? In Puschen zum Bingo-Nachmittag? Nicht mit mir! Ich, Dieter Helge Bruns, habe noch viel mit meinem Leben vor. Sehr viel!
Dieter Bruns, 71 Jahre, Personalchef im Ruhestand

Irgendwann erwische ich schon noch mal das dicke Ende von der Wurst. Und dann habe ich ausgesorgt und wohne in einer Villa am Gardasee statt in einem Ein-Zimmer-Apartment in Pforzheim. 
Aber jetzt muss ich erst mal zusehen, dass ich Land gewinne. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Sarah Wolf, alias Sara Galbani, 
alias Sara Brunetti, 28 Jahre, Hochstaplerin

 

 

I


Papa, so schlimm ist es doch gar nicht.« Mareile lächelt mich aufmunternd an. »Die Musik ist ganz schön  flott.«
Mit der Faszination des Grauens starre ich auf die Tanzfläche. Acht ältere Damen drehen sich zum Takt der Capri-Fischer pärchenweise im Kreis, während ihre frisch ondu­lierten Löckchen in zartem Lila auf und ab wippen. Offensichtlich gehen sie alle zum selben Friseur. Und offensichtlich haben sie auch den gleichen Musikgeschmack. »Wenn bei Capriii die rote Sonne im Meer versi-hinkt!«, schmettern sie gerade im Chor.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie von links eine weitere Greisin mit ihrem Rollator schnurstracks auf mich zuhält. Die will doch wohl nicht? Die will!
»Junger Mann«, flötet sie kokett und zwinkert mir dabei auch noch vertraulich zu, »Damenwahl!«
Als ich nicht sofort reagiere, setzt sie sehr bestimmt und in unüberhörbarer Lautstärke hinzu: »Wenn ich bitten dürfte!«
Ich rette mich in einen Hustenanfall, stürze panisch ein Glas Wasser hinunter und suche mit der Bemerkung, noch mal schnell wohin zu müssen, fluchtartig das Weite. »Bella, bella, bella Marieee!«, schallt es hinter mir aus den Lautsprechern. Schneid mich ab, häng mich auf morgen früüüh!, er­­gänze ich im Geiste.
Auf der Herrentoilette der Seniorenresidenz Lebensruh wasche ich mir ausgiebig die Hände. Vorsichtshalber binde ich mir auch meine Krawatte neu. Eigentlich saß sie perfekt, aber so kann ich ein wenig Zeit schinden, bevor ich zurück in den Speisesaal muss. Noch hege ich die vage Hoffnung, dass meine Verehrerin aufgibt. Wenn ich richtig Glück habe, ist sie sogar dement und hat mich gleich wieder vergessen. Vielleicht sollte ich aber auch den Notausgang suchen, abhauen und Mareile ihrem Schicksal überlassen.
Immerhin war es die glorreiche Idee meiner Tochter, dieses Altenheim zu besichtigen. »Du bist nicht mehr der Jüngste, Papa«, hatte sie vor ein paar Wochen am Telefon zu mir gesagt. »Seit Mamas Tod kommst du überhaupt nicht mehr richtig raus. Und stell dir vor, du stürzt die Treppe runter! Das merkt doch dann keiner!«
Nicht mehr der Jüngste! Pah! Empört schnaube ich mein Spiegelbild an. Schließlich bin ich erst einundsiebzig. Ein Mann im besten Alter sozusagen!
Mit dem Alleinsein hat Mareile allerdings nicht ganz unrecht. Sie selbst lebt ja in San Francisco, das ist für kurze Stippvisiten definitiv zu weit weg. Und seit meine Marianne vor zwei Jahren an Krebs gestorben ist, habe ich auch keine Lust mehr, mich ständig unters Volk zu mischen. Was soll ich auch als Witwer zwischen lauter Ehepaaren? Und dann immer diese mitleidigen Blicke, fürchterlich! Oder die guten Ratschläge à la »Mach doch mal ein bisschen Sport, Dieter! Wie wär’s denn mit Walken?«. Als ob es eine spaßige Angelegenheit wäre, mit zwei Stöcken durch den Wald zu wetzen!
Etwas mehr Bewegung täte mir aber tatsächlich ganz gut. In letzter Zeit habe ich um die Körpermitte doch etwas zugesetzt. Dabei war ich immer rank und schlank – von wegen Ein Mann ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne! Ha! Mit Marianne bin ich früher zum Tanzen gegangen – Turniertanz, versteht sich, ziemlich professionell und auf einem hohen Niveau. Ohne angeben zu wollen, kann ich mit Fug und Recht von mir behaupten, dass ich wirklich ein sehr guter Tänzer bin!
Aufmunternd nicke ich meinem Spiegelbild zu und gebe mir einen Ruck. Ich kann ja nicht ewig hier im Waschraum rumstehen. Langsam gehe ich durch den langen Flur zu­­rück. Sehr gediegenes Ambiente: Marmor, Seidentapeten, ein teures Beleuchtungskonzept – aber trotzdem dieser muffige Geruch, der einem die Kehle zuschnürt.
Zurück am Eingang zum Speisesaal linse ich erst einmal unauffällig um die Ecke. Mist! Rollator-Elli steht immer noch an unserem Tisch und hat Mareile in ein Gespräch verwickelt. Eine weitere Frau, ungefähr im Alter meiner Tochter, hat sich dazugesetzt. Angeregt plaudern die drei miteinander. Und die Tanzmäuse schubbern mittlerweile zu Peter Alexanders Bambina übers Parkett.
Ich überlege gerade, doch noch auszubüxen, da versetzt mir jemand einen Stoß in den Rücken und schubst mich unsanft in den Speisesaal. »Herr Bruns, nicht so schüchtern!«, dröhnt es hinter mir. »Unsere Damen beißen nicht.« Frau Kaluppke, die Leiterin dieses »Rentner-Paradieses für gehobene Ansprüche«, packt mich resolut am Arm und zerrt mich Richtung Tanzfläche.
Diese Frau war mir gleich unsympathisch. Irgendwie hatte sie etwas von einem Geier: groß, hager, gebogener Riesenzinken, ganz in Grau gekleidet. Geschlagene zwei Stunden hat sie Mareile und mich heute Morgen durchs Haus geführt und versucht, uns von den Annehmlichkeiten des Etablissements zu überzeugen. »Sie werden begeistert sein, Herr Bruns! Wir haben hier wirklich alles: einen Friseur, diverse Ärzte, ein Schwimmbad im Keller, eine kleine Wellness-Abteilung mit Sauna und Dampfbad, Physio, einen Fitness-Parcours im Park, eine Bibliothek, einen Kiosk und zwei Restaurants. Wenn Sie hier eingezogen sind, brauchen Sie Lebensruh nie wieder zu verlassen!«
Grausame Vorstellung, dachte ich nur und versuchte, die Hand von der Kaluppke abzuschütteln, die sie in meinen Arm gekrallt hatte. Als bräuchte ich Hilfe und müsste geführt werden, Unverschämtheit!
»Und dann unsere wunderbaren Events!«, schwadronierte Frau Kaluppke unbeirrt weiter und zog mich hinter sich her. »Einmal in der Woche veranstalten wir einen Kino-Nachmittag, nette Liebeskomödien und Heimatfilme – Sie werden es lieben! Außerdem basteln wir gemeinsam, gerade zu Ostern und im Advent sind diese Treffen sehr populär. Da finden Sie dann auch ganz leicht Anschluss, Herr Bruns.«
Ich versuchte mir vorzustellen, dass ich in Gesellschaft gestandener Damen und Herren Eier ausblies oder Laternen aus Tonpapier bastelte. Innerlich schüttelte es mich.
»Und dann ist da natürlich noch unser Tanztee, immer donnerstags, ab sechzehn Uhr bis zum Abendbrot. Ein Highlight, sage ich Ihnen! Jedes Mal eine Bombenstimmung! Aber davon können Sie sich ja nachher selber überzeugen.«
Frau Kaluppke schiebt mich nun entschlossen in das Epizentrum dieses Highlights, und bevor ich mich wehren kann, lande ich auch schon in den Armen von Rollator-Elli. »Da sind Sie ja endlich!«, ruft diese beglückt. »Wir waren kurz davor, uns Sorgen zu machen.« Dann sieht sie mich mitleidig an und fügt hinzu: »Ja, ja, die Prostata, nicht wahr? Das kenn ich noch von meinem verstorbenen Mann.«
Bevor ich erbost erwidern kann, dass mit meiner Prostata alles völlig in Ordnung ist, ertönt der nächste Song – Ganz Paris träumt von der Liebe, Catherina Valente. Die Dame packt beherzt meine Oberarme und beginnt, mit den Hüften zu wackeln.
»Verehrteste, ich bin nicht Ihr Rollator«, sage ich streng und übernehme die Führung. Augenblicklich gleiten wir geschmeidig durch den Saal – meine Angst, ein wenig aus der Übung zu sein, ist vollkommen unberechtigt. Die Musik geht vom Ohr direkt in die Beine, ich hatte schon fast vergessen, wie viel Spaß das Tanzen macht – selbst mit einer nur mäßig begabten Partnerin.
Als das Lied endet, stelle ich fest, dass Rollator-Elli nicht nur aus der Puste, sondern auch etwas wacklig auf den Beinen ist. Vorsichtig führe ich sie zu ihrer Gehhilfe zurück. »Vielen Dank für den Tanz«, sagt sie und lässt sich ächzend auf einem Stuhl nieder. »Es war mir ein Vergnügen«, erwidere ich lächelnd und setze mich wieder zu Mareile.
»Haben Sie das mal beruflich gemacht?«, fragt mich die fremde Frau an unserem Tisch interessiert.
»Bitte was?«
»Das Tanzen.«
»Nein, nein, ich war Personalchef in einem großen Pharmakonzern. Tanzen war immer nur ein Hobby, also der Turniertanz ...«
»Wusst ich’s doch!«, sagt die Frau triumphierend, »Sie haben das mal professionell betrieben. Das sehe ich doch gleich. Sie sind nämlich wirklich ein ausgezeichneter Tänzer!«
»Na ja«, wehre ich verlegen ab, »ein wenig eingerostet vielleicht. Trotzdem herzlichen Dank für das Kompliment, Frau ... äh ...«
»Entschuldigen Sie bitte, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt«, sagt sie prompt. »Kieser mein Name, Sonja Kieser. Meine Mutter wohnt hier in Lebensruh, ich besuche sie gerade.« Und dabei deutet sie auf Rollator-Elli, die mir förmlich die Hand reicht.
»Gerda Kieser, sehr angenehm. Darf ich denn hoffen, dass Sie bald zu unserer kleinen, eingeschworenen Gemeinschaft gehören?«
Mein Blick schweift über diese eingeschworene Gemeinschaft – die Damen drehen sich gerade zu Fred Bertelmanns Das blaue Meer und Du im Kreis, während Rollator-Elli alias Gerda sich zu mir beugt und die Textzeile Wir wollen niemals voneinander scheiden in mein Ohr summt. Nur über meine Leiche! Unauffällig rücke ich mit meinem Stuhl ein wenig von ihr ab, und da offensichtlich eine Antwort von mir erwartet wird, frage ich zögerlich: »Wo sind denn die anderen Herren? Ich gehe doch davon aus, dass ich nicht der einzige Mann hier bin?«
»Keine Sorge, Herr Bruns!« Frau Kaluppke, die die ganze Zeit über eisern an unserem Tisch stehen geblieben ist, haut mir jovial auf die Schulter. »Unsere Herren haben’s nicht so mit dem Tanzen. Von daher wären Sie ein echter Zugewinn für uns – und natürlich am Donnerstag der Hahn im Korb. Soll ich den Vertrag schon einmal fertig machen?«
Ruckartig stehe ich auf. »Äh, nein danke, noch nicht. Über diese Entscheidung möchte ich noch eine Nacht schlafen. Wir melden uns dann bei Ihnen, herzlichen Dank.«
Diese Antwort ist Frau Kaluppke überhaupt nicht recht, das sehe ich an ihrem kritischen Stirnrunzeln, auch Gerda sieht unzufrieden aus. Es ist höchste Zeit, den geordneten Rückzug anzutreten, bevor die beiden mich knebeln, fesseln und zum Bleiben zwingen können. Ich gebe Mareile einen kleinen Stoß und zische ihr zu: »Los, komm! Nichts wie raus hier.«
Nun runzelt meine Tochter die Stirn und blickt mich fragend an. Wahrscheinlich kann sie meinen überstürzten Aufbruch nicht ganz nachvollziehen, fügt sich aber ohne Widerworte und folgt mir nach draußen. Braves Kind!
»Was hast du es denn so eilig, Papa?«, japst sie, als wir durch den Park Richtung Ausgang eilen, der durch ein großes Stahltor gesichert ist. Die überlassen wirklich nichts dem Zufall, denke ich noch, als hinter uns eine Stimme ertönt: »Herr Bruns, Augenblick bitte!« Es ist Frau Kieser, die Jüngere, die bei uns am Tisch saß. Was will die denn noch – mich mit ihrer Mutter verkuppeln?
»Herr Bruns, so warten Sie doch!«, keucht sie, während sie zu uns aufschließt. Sie fingert in ihrer Handtasche und überreicht mir eine Visitenkarte. »Ich bin Event-Managerin und auf Kreuzfahrten spezialisiert. Einen Mann wie Sie könnte ich wirklich gebrauchen. Schauen Sie doch mal auf meine Homepage, da erfahren Sie mehr. Und dann melden Sie sich einfach bei mir.«
Während Frau Kieser wieder davontrabt, starre ich auf die Karte in meiner Hand:

.:.
Lauter schöne Tage
Event-Agentur
& Veranstaltungsmanagement auf hoher See

Sonja Kieser
www.schoene-tage.de
...

Verblüfft gucke ich ihr nach. Was hatte das denn jetzt zu bedeuten?
»Papa, bevor du kategorisch Nein sagst, schlaf doch tatsächlich mal eine Nacht drüber. So schlecht fand ich ­Lebensruh gar nicht.« Mareile wischt sich nachdenklich einen Kuchenkrümel vom Kinn, nach diesem unerquick­lichen Ausflug habe ich sie erst einmal ganz gediegen zum Kaffee an der Hamburger Binnenalster eingeladen. »Die waren doch alle sehr nett da.«
»Nett! Wirklich eine sehr nette Versammlung von Schein­toten! Ha!« Ich lache übertrieben laut auf. »Die waren doch alle mindestens fünfzehn Jahre älter als ich und mit einem Bein quasi schon unter der Erde!«
»Jetzt übertreibst du aber. Zugegeben, ein bisschen älter waren sie schon. Aber ich bin sicher, dort gibt es auch Senioren in deinem Alter, mit denen du dann mehr anfangen kannst. Und du wärst dort so gut aufgehoben, hättest ganz selbstbestimmt deine eigene kleine Wohnung – und bei Bedarf jemanden, der sich um dich kümmert. Es zwingt dich ja keiner, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen.«
»Ha! Dass ich nicht lache! Die Kaluppke, dieser Feger, machte mir nicht den Eindruck, dass sie viel von Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit hält.«
»Ach, Papa ...« Mareile guckt mich bittend aus ihren großen braunen Kulleraugen an.
Doch heute klopft sie mich damit nicht weich. »Mein liebes Kind«, sage ich väterlich streng, »Lebensruh riecht nach Tod. Ich aber bin noch sehr lebendig und kann mich wunderbar um mich selbst kümmern. So einsam kann ich gar nicht werden, dass es mich in diese geriatrische Anstalt zieht. Und nur weil du ein schlechtes Gewissen hast, lasse ich mich nicht einfach abschieben!«
»Papa!«, ruft sie entrüstet, aber ich merke, dass mein kleiner Seitenhieb gesessen hat.
»Kindchen, du kannst doch nichts dafür, dass du so weit weg wohnst, das weiß ich doch. Und das ist ja auch völlig in Ordnung. Du hast dein eigenes Leben, deine Familie, deinen Job. Aber ich habe eben auch mein eigenes Leben und darüber bestimme nur ich allein. Wenn ich irgendwann mal nicht mehr so richtig kann, dann sage ich rechtzeitig Bescheid, versprochen. Und bis dahin lebe ich weiter in meinem Haus.«
Mein »eigenes Leben« holt mich zwei Tage später ein. Draußen schüttet es wie aus Kübeln, ein typischer norddeutscher Frühlingstag. Gartenarbeit entfällt somit, im Fernsehen läuft am Nachmittag nur Unsinn, zum Lesen habe ich keine Lust, die Wäsche habe ich schon gestern gemacht, am Morgen war die Putzfrau da und hat alles picobello hinterlassen. Ich habe absolut nichts zu tun.
Trübsinnig starre ich aus dem Fenster und überlege, ob ich essen gehen soll. Aber das macht ganz alleine auch keinen Spaß, Mareile ist gestern nach San Francisco zurückgeflogen, und ich weiß gerade niemanden, den ich mal eben so anrufen könnte. Da fallen mir plötzlich diese merkwürdige Sonja Kieser und ihr noch merkwürdigeres Angebot ein. Schauen Sie doch mal auf meine Homepage ...
Hektisch suche ich nach der Visitenkarte, finde sie in der Jackettasche, fahre den Computer hoch und gebe die Internetadresse ein. Ich scrolle nach oben und nach unten, ­klicke auf die verschiedenen Seiten und lese mich schlau. Sonja Kiesers Agentur arbeitet für diverse Kreuzfahrtlinien, national und international. Leise pfeife ich durch die Zähne, ich bin beeindruckt. Denn das, was sie anbietet, macht einen hochprofessionellen Eindruck – sie stellt Musicals und andere Shows auf die Beine, castet Tänzer und Schauspieler, richtet On-Bord-Seminare und Workshops aus. Nicht schlecht, Herr Specht!
Dann lande ich auf der Seite mit den Jobangeboten – und bleibe an einem hängen:

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Gastgeber – Schwerpunkt Tanz (m/w)
Als Gastgeber an Bord sind Sie stets präsent, offen und charmant und schaffen somit das perfekte Urlaubsgefühl für unsere Gäste.
Sie bieten ein anspruchsvolles Tagesprogramm an (z. B. Tanzkurse in Standard, Latein und weiteren Tänzen), das Sie selbstständig organisieren und durchführen.
Sie suchen aktiv die Unterhaltung mit den Gästen und begeistern sie für das Angebot an Bord. Ihr umfangreiches Wissen über unseren Service macht Sie zu einem kompetenten Gesprächspartner.
Weiterhin gehört zu Ihrem abwechslungsreichen Aufgabenbereich die Betreuung verschiedener Abendveranstaltungen in unseren Bars und der bordeigenen Diskothek.
Sie verfügen über eine Ausbildung als Tanzlehrer oder fundierte Tanzkenntnisse in Gesellschaftstänzen.
Hervorragende kommunikative Fähigkeiten und eine hohe Menschenkenntnis zeichnen Sie aus. Ihre Englischkenntnisse sind gut.
Ein gepflegtes Erscheinungsbild, Teamorientierung so­­wie außerordentliches Engagement runden Ihr Profil ab.
Gehen Sie mit uns auf große Fahrt – zu den schönsten und sonnigsten Destinationen dieser Welt! Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.
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Nachdenklich betrachte ich den Bildschirm. Das klingt nach richtiger Arbeit, einem Fulltime-Job. Und arbeiten wollte ich ja eigentlich nicht mehr, sondern in Ruhe meine freie Zeit genießen. Mal ganz davon abgesehen, dass mir meine Rente einen schönen Lebensabend beschert und ich nun wirklich kein Geld mehr verdienen muss.
Ich gucke erneut aus dem Fenster in den strömenden Regen. Es sieht nicht so aus, als würde es jemals wieder aufhören. Trotzdem pfeife ich noch immer – und zwar mittlerweile ziemlich gut gelaunt.

Über Bruns & Brunetti

Biografie

Dieter Bruns, Jahrgang 1945, war ehemals Personalvorstand eines großen Hamburger Medienunternehmens und verbringt seinen Unruhestand auf den sieben Weltmeeren. Sara Brunetti alias Sara Galbani alias Sarah Wolf wurde 1988 in Pforzheim geboren. Ihre rasante Karriere als Hochstaplerin beendete sie auf...

Pressestimmen

TV Star (CH)

»Die schwungvollste Kreuzfahrt des Sommers.«

Braunschweiger Zeitung

»Witzig, spannend, leicht romantisch, die perfekte Mischung für ein paar faule Stunden auf dem Liegestuhl im Garten oder am Strand.«

boersenblatt.net

»Liest sich weg wie nix.«

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