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Königin der Landstraße

Königin der Landstraße

Meine Jahre auf der Walz

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Königin der Landstraße — Inhalt

Überwiegend sind es männliche Handwerker, die auf die Walz gehen, aber die junge Kirchenmalerin Theresa Amrehn hat dieses Abenteuer auch gereizt. Drei Jahre war sie nur mit dem Nötigsten bepackt und ohne Geld und Handy in Deutschland und Europa unter dem Namen Resi Kirchenmalerin unterwegs. Während dieser Zeit durfte sie ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer kommen. Sie erzählt von den jahrhundertealten Traditionen, Sitten und Bräuchen der wandernden Gesellen, wie der eigenen Sprache, dem Durchschlagen eines Nagels durchs Ohr oder dem strengen Ehrenkodex, an den sich jeder zu halten hat. Vor ihrer Wanderschaft hat sie sich das alles sehr romantisch vorgestellt, doch schon bald wurde sie von der Realität eingeholt. Sie beschreibt ihre Abenteuer, die Anstrengungen, die heiklen und erhebenden Momente – und wie aus einem Mädchen aus der fränkischen Provinz die Königin der Landstraße wurde.

Erschienen am 01.04.2016
256 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97290-1
»Mit viel Humor und Ehrlichkeit beschreibt Resi ihre Jahre auf der Walz.«
Lea

Leseprobe zu »Königin der Landstraße«

Prolog – Kleinrinderfeld und die Möglichkeit zu reisen

 

 


Auf der Landkarte ist Kleinrinderfeld ein winziger Fleck an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Wir Bewohner sind aber stolze Unterfranken, nie und nimmer kämen wir auf die Idee, uns Bayern zu nennen. Der kleine Ort schmiegt sich in eine Landschaft, die von oben aussieht wie eine Patchworkdecke. Viele Felder in unterschiedlichen Grün- und Brauntönen umgeben das Dorf bis zu einem Wald, der alles wie ein Rahmen umfasst. Ich weiß nicht, woher Kleinrinderfeld seinen Namen hat, aber ich [...]

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Prolog – Kleinrinderfeld und die Möglichkeit zu reisen

 

 


Auf der Landkarte ist Kleinrinderfeld ein winziger Fleck an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Wir Bewohner sind aber stolze Unterfranken, nie und nimmer kämen wir auf die Idee, uns Bayern zu nennen. Der kleine Ort schmiegt sich in eine Landschaft, die von oben aussieht wie eine Patchworkdecke. Viele Felder in unterschiedlichen Grün- und Brauntönen umgeben das Dorf bis zu einem Wald, der alles wie ein Rahmen umfasst. Ich weiß nicht, woher Kleinrinderfeld seinen Namen hat, aber ich kann sagen, dass es inzwischen kaum noch Rinder gibt. Klein und Feld stimmt immer noch. An der Hauptstraße wechseln sich pastellfarbene Bauten mit Häuschen aus grau-beigem Muschelkalk ab, dazwischen immer wieder Fachwerk. Die modernen Einfamilienhäuser, wie zum Beispiel mein Elternhaus, versteckt der Ort in seinen Seitenstraßen, dort, wo früher die Bauern ihre Höfe hatten. Die Höfe gibt es auch noch, aber sie sind inzwischen zu Schlossereien umfunktioniert oder zu Kleinspeditionen oder Gasthäusern.
Kleinrinderfeld ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen inmitten von Muschelkalk, Patchworkfeldern und wenigen Rindern. Hier habe ich laufen, sprechen und Widerworte geben gelernt.
Und hier ist auch mein Entschluss gefallen, Kirchenmalerin zu werden. Da war ich 18. Ich hatte die Hauptschule hinter mir, dann noch zwei Jahre Wirtschaftsschule und wusste noch immer nicht, was ich werden wollte. Das Arbeitsamt ließ mich Praktika machen, damit ich nicht in die Arbeitslosenstatistik fiel: Ich war in einer Bank, in verschiedenen Floristikbetrieben, beim Steuerberater und bei einem Kirchenmalerbetrieb. Danach war die Entscheidung für eine Ausbildungsstelle leicht. Kirchenmalerei ist ein altes Handwerk. Früher gab es den Maler und Tüncher, aber mit den modernen Materialien wurden andere Arbeitstechniken nötig. So entstand Anfang des 20. Jahrhunderts der Beruf des Malers und Lackierers, der zum Beispiel mit der Malerwalze auf Raufasertapete arbeitet. Kirchenmaler kennen sich dagegen mit historischen Materialien und Techniken aus, Wände werden von uns nach wie vor mit der Bürste angestrichen. Dass es nun ausgerechnet Kirchenmalerei heißt, ist etwas irreführend. Denn Kirchenmaler arbeiten grundsätzlich an allen historischen Gebäuden. In der Praxis sind diese Gebäude dann aber tatsächlich sehr oft Kirchen, weil die nun einmal als besonders erhaltenswert angesehen werden.
Vom ersten Tag an habe ich mich in der Werkstatt zu Hause gefühlt. Ich mochte den kalkigen Geruch. Der glatte Holzstiel des Pinsels war mir gleich vertraut. Vielleicht liegt es mir im Blut: Mein Uropa war Maler und Tüncher. Und auch im Gesellenbrief meines Vaters, der leider nicht mehr lebt, steht »Tüncher und Stuckateur«.
Ich gebe zu, dass ich nach wie vor stolz bin, wenn ich meinen Beruf erwähne. »Ich bin Kirchenmalerin.« Das klingt so viel besser als: »Ich bin Steuerfachangestellte.« Oder: »Ich bin Bankkauffrau.« Wie gesagt, die Entscheidung fiel mir leicht.
Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich keinen Zweifel daran, dass ich hier nach Kleinrinderfeld gehöre. Aber jetzt will ich meine Heimat verlassen und als Kirchenmalerin auf Wanderschaft gehen. In dieser Zeit darf ich Kleinrinderfeld nicht betreten. Nicht einmal im Umkreis von 50 Kilometern darf ich mich aufhalten, das heißt weder in Schweinfurt noch in Tauberbischofsheim oder Wertheim und erst recht nicht in Würzburg, allerhöchstens vielleicht in Aschaffenburg.

Es fällt mir schwer zu erklären, warum ich das mache. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal einen dieser schwarz gekleideten Gesellen gesehen habe. Da muss ich noch ein Kind gewesen sein. Für mich war das einfach ein komisch angezogener Mensch, der mich nicht weiter interessiert hätte, wenn nicht meine Mutter in ungewohnt feierlichem Tonfall gesagt hätte: »Guck, Reserl, der ist auf der Walz.« Als ich wissen wollte, was das heißt, erklärte sie mir, dass das einer ist, der durch die Gegend reist, für umsonst arbeitet und drei Jahre lang seine Familie nicht sehen darf. Heute weiß ich, dass mei­­ne Mutter zu dem Zeitpunkt über ein solides Halbwissen verfügte, was das Wandergesellendasein betrifft. Aber als Kind denkt man ja, dass die Eltern alles wissen. Ich erinnere mich noch genau, was ich über den Wandergesellen, der sich nach Kleinrinderfeld verirrt hatte, dachte: »Der ist doch nicht ganz dicht.«
Später in der Berufsschule wurde über eine Kirchenmalergesellin getuschelt, die auf der Walz war. Eine aus meiner Klasse sagte: »Die spinnt ja!« Im ersten Moment dachte ich dasselbe, aber die Tatsache, dass Frauen auf die Walz gehen, auch Kirchenmalerinnen, brachte mich zum Nachdenken. Denn das bedeutete ja, dass ich das auch machen könnte. Und die Vorstellung von mir als Wandergesellin war dann doch ein hübsches Gedankenspiel, das ich jederzeit spielen konnte, wenn mal etwas in meinem Leben nicht so lief, wie ich es gerne gehabt hätte.
Abends vor dem Einschlafen lag ich manchmal im Bett, betrachtete das Fenstergerippe, das der Mond auf den Boden meines Zimmers malte, und lauschte auf das vertraute Klopfen der Heizung. Immer öfter bekam ich dann so eine Sehnsucht nach irgendwas, was ich nicht beschreiben konnte.
Meine Ausbildung endete im Juli 2007. Ich hatte mir vorgenommen, danach gleich von zu Hause auszuziehen und mir eine eigene Wohnung zu suchen. Die meisten aus meiner Kirchenmalerklasse hatten das auch vor. Ich überlegte, ob ich nach Würzburg ziehen sollte oder nach München, irgendwohin, wo es historische, denkmalgeschützte Gebäude gibt, die ich hätte dokumentieren und konservieren können. Aber wenn ich versuchte, mir so ein Leben auszumalen, wollte mir das nicht so recht gelingen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ich nach der Arbeit in eine Wohnung kommen, Essen kochen, waschen und aufräumen würde, und das den Rest meines Lebens. Hier in Kleinrinderfeld bei meiner Familie wollte ich auch nicht bleiben. Ich hatte das Gefühl, dass sich dort alles wiederholt, wie in einer nicht enden wollenden Spirale: Auf den Sommer mit blühenden Vorgärten würde ein Herbst folgen, in dem sich Blätterhaufen an den Straßenecken türmten. Im Winter würde wieder alles unter einer Schneeschicht verschwinden, und es würde ewig dauern, bis die Felder nicht mehr grau und matschig wären. Und wenn dann endlich wieder alles grünte und blühte, würde wieder alles von vorne anfangen. Die Dorfbewohner würden wieder die gleichen Feste feiern: erst Fasching und dann die üblichen Trinkgelage an Christi Himmelfahrt und zum Feuerwehrfest. Und alle würden das Dorffest herbeisehnen, das nur alle fünf Jahre stattfindet und das ganze Dorf sieben Tage lang in einen Ausnahmezustand versetzt. Und danach würde wieder wochenlang davon gesprochen, wer mal wieder mit wem. Ich konnte das nicht bis an mein Lebensende mitmachen. Ich war noch zu jung, knapp 22 Jahre alt. Ich musste was sehen von der Welt. Der Gedanke an die Wanderschaft hatte sich bei mir eingebrannt als beste Alternative zu diesem Leben hier. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich es anstellen sollte, eine Wandergesellin zu werden.

Theresa Amrehn

Über Theresa Amrehn

Biografie

Theresa Amrehn, geboren 1985 in Würzburg, ging nach ihrer Ausbildung zur Kirchenmalerin auf die Walz. In den Jahren 2007 bis 2011 bereiste sie in traditioneller Kluft die Länder Deutschland, England, Österreich, Spanien und die Schweiz. Heute lebt sie als »Einheimische« in Bonn.

Pressestimmen

Lea

»Mit viel Humor und Ehrlichkeit beschreibt Resi ihre Jahre auf der Walz.«

Landwirtschaftliches Wochenblatt (A)

»Ein spannendes und interessantes Buch.«

General-Anzeiger

»Spannend, sehr persönlich, offen und humorvoll wird uns von diesem abenteuerlichen Leben berichtet. (...) Ein faszinierender Abenteuerbericht, der Einblick in eine fremde Welt bietet.«

Südkurier

»ein echtes Muss«

merlinsbuecher.blogspot.de

»Ein Buch voller Informationen und ein sehr persönlicher Bericht über die Wanderjahre nach der Ausbildung zur Kirchenmalerin. Vollste Leseempfehlung.«

Inhaltsangabe

Inhalt


Prolog – Kleinrinderfeld oder die Möglichkeit zu reisen

Loskommen – Sehnsucht nach der Ferne

Die Begegnung meines Lebens
Der Altreisende
Resi Kirchenmalerin
Fremdgeschrieben

Fremd und neu – die Jungreisende
Ein nächtlicher Gewaltmarsch
Auf dem Kerbholz
Raus aus der Bannmeile
Reisen mit Pepe


Fremd und frei – auf der Straße angekommen
Ein Hamburger Stenz
Bye, bye Pepe, hello Mathilda

Fremd und weiblich – als Frau auf Wanderschaft
Trampen, trinken, Platte machen
Wichsgriffel
Kein Zutritt für Frauen
Katholiken, Kinderlose und andere richtige Menschen
Ärger mit dem Krauter

Fremd und verbunden – Freundschaft auf der Walz
Sommerbaustelle mit Hund
England mit Akkordeon
Zähneschrubben mit Birgit
Bad Kissingen mit Hedi
Hannover mit Fieber

Fremd und zusammen – die Tippelei und die Liebe
Vom Suchen und Finden
Mama will es wissen
Fernweh


Heimkommen – am schönsten ist die Sehnsucht
Kleinrinderfeld oder die Möglichkeit anzukommen
Die Heimgeherei
Letzte Meter
Alles hat ein Ende
Einheimisch

Nachwort – Resi einheimisch freigereist
Quellen und Recherche

Kleines Glossar der häufig verwendeten Wörter auf der Walz

Kommentare zum Buch

Königin der Landstraße, Theresa Amrehn
Ochterbeck, Wolfgang am 11.07.2016

Eine Reisebeschreibung ganz anderer Art; ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können. Ich bin Jahrgang 1940 und habe in den Nachkriegsjahren die Hamburger Zimmerleute bewundert, die von Baustelle zu Baustelle wanderten, um beim Wiederaufbau zu helfen. Auch wenn ich nicht auf der Walz war, habe ich viele Ecken Europas mit Familie und Freunden oft in mehrwöchigen Touren erwandert. Für mich war es ein Erlebnis, nun einmal in Gedanken mit auf die Walz gegangen zu sein.

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