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Killing Business. Der geheime Krieg der CIA

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Killing Business. Der geheime Krieg der CIA — Inhalt

Der Tod von Osama bin Laden war nur eine kleine Episode im offiziellen US-Kampf gegen den Terror. Denn immer mehr öffnet sich der Blick auf eine viel dramatischere Entwicklung: den Schattenkrieg der USA, der sich weitgehend im Verborgenen abspielt – und in dem der CIA immer mehr zur Kriegspartei wird.

 

Auf packende Weise zeigt Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti in seinem Buch, wie der US-Geheimdienst, einst als Spionageorganisation des Kalten Kriegs gegründet , zur Tötungsmaschine wurde und mittlerweile im Auftrag des Weißen Hauses auf vielen Schlachtfeldern des sogenannten „Anti-Terror-Kriegs“ agiert: vom Drohneneinsatz in den pakistanischen Bergen über Auftragsmorde in Nordafrika bis hin zum Propagandakrieg am Golf.

 

Dabei schildert Mazzetti diese neue Art der Kriegführung auch aus der Perspektive ihrer Akteure: des jungen CIA-Agenten, der in den Stammesgebieten Pakistans gefangen genommen wird, des Air Force-Piloten, der von der Nevada-Wüste aus Drohnen navigiert oder des Pentagonbeamten, der eine geheime Luftwaffe in Afghanistan und Pakistan steuert.

 

Dieser Schattenkrieg hat die Grenze zwischen Spion und Soldat vollends verwischt, er hat die Hemmschwelle zum Töten und die Hürde für den Kriegseintritt rund um den Erdball gesenkt. Ein globaler Feldzug, der unser Bild des Krieges radikal verändern wird.

€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 17.09.2013
Übersetzer: Helmut Dierlamm, Thomas Pfeiffer
416 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7687-8
»"New York Times"-Korrespondent Mark Mazzetti hat ein fesselndes und faktenreiches Buch über den weltweiten Schattenkrieg geschrieben.«
Neue Zürcher Zeitung am Sonntag
»Seit den Anschlägen vom 11. September 2001, so enthüllte New York Times-Autor Mark Mazzetti, führen die USA mit Hilfe der CIA einen Krieg im Geheimen, der alle Vorstellungen übertrifft.«
Deutsche Welle
»Eine düstere Version zeichnet sich am Horizont ab. [...]. Eines ist sicher: Die CIA ist nicht mehr, was sie einmal war.«
Bayern 2 "Kulturjournal"
»Der "New York Times"-Reporter beschreibt in seinem Buch die Militarisierung des US-Geheimdienstes CIA, der Central Intelligence Agency, sowie die neuen Methoden der Kriegsführung. Ohne Soldaten vor Ort, ohne Panzer. Die Waffen der Wahl sind unbemannte, ferngesteuerte Drohnen. Der Tod von Zivilisten wird dabei bewusst in Kauf genommen.«
ORF Ö1 "Kontexte"
»Herausgekommen ist ein Buch, das wohl zum Besten gehört, was investigativer Journalismus liefern kann. [...]. Mazzetti beschreibt den Bedeutungsverlust des klassischen Militärs in dieser neuen Art des Krieges und die als Reaktion darauf erfolgte Ausweitung seiner Fähigkeiten auf Bereiche, die herkömmlich in die Zuständigkeit des Geheimdienstes fallen. Er berichtet aber auch, wie sich der Geheimdienst CIA von einer Organisation zur Informationsbeschaffung in eine Organisation zur Tötung von Personen verwandelte, die als Feinde der Vereinigten Staaten 'gelistet' worden sind. [...]. Wer in der NSA-Affäre auf der Achtung staatlicher Souveränität besteht, sollte sich auch für die Führung des Drohnenkrieges interessieren; er wird bei Mazzetti eine Fülle von Hinweisen finden, denen er weiter nachgehen kann.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti seziert den Geheimdienst CIA und kommt zu erschreckenden Erkenntnissen. […]. Das Buch liest sich stellenweise spannend wie ein Thriller. Dabei erliegt er nicht der Versuchung, reißerisch zu sein. Er lässt die Fakten sprechen. Das genügt, um nicht wütend, sondern sachlich überzeugend mit einem Krieg abzurechnen, für den es keine völkerrechtliche Grundlage gibt. Politisch und moralisch ist er ein Desaster, das lange nachwirken wird.«
Sächsische Zeitung
„Mazzetti arbeitet in seinem Buch den explosiven Anstieg von Ausgaben für Geheimoperationen heraus, über die auch im US-Kongress nur ausgewählte Parlamentarier informiert werden. Er listet detailliert auf, wie Obama schon nach einem Teil seiner ersten Amtszeit den angeblich so kriegslustigen Vorgänger George W. Bush in der Zahl der Drohnenschläge und der gezielten Tötung vermeintlicher Terroristen weit übertroffen hat. Und er belegt durch Referenzen zu Meinungsumfragen, wie groß der Zorn über den Krieg im Schatten in besonders betroffenen Ländern wie Pakistan oder Afghanistan ist. […] Doch im kriegsmüde gewordenen Amerika beginnt sich die öffentliche Meinung zur vermeintlichen Alternativlosigkeit des Kriegs gegen den Terror zu drehen - und Mazzetti hat mit seinem glänzend recherchierten und geschriebenen Buch dazu erheblich beigetragen.“
Deutschlandfunk "Andruck"
„Mazzetti enthüllt individuelle Geschichten von CIA-Agenten in einem geheimen Krieg. Eine privatisierte Armee tötet im Auftrag der CIA und eines Präsidenten, der diese lautlosen Kriege willkommen heißt. […] Mark Mazzetti macht deutlich, wie Amerika heute Kriege führt. Auch wenn Obama angekündigt hat, den Krieg gegen den Terror beenden zu wollen: Die Vertreter des US-amerikanischen Volkes haben die Kontrolle über dieses Schattenreich längst verloren.“
3sat Kulturzeit
„ [...] eine erstaunliche Innenansicht der Verwandlung des CIA nach dem 11. September von einem Geheimdienst in eine globale, geheimeTötungsmaschine. Mazzetti, einer der besten Amerikanischen Berichterstatter über Angelegenheiten der nationalen Sicherheit, hat ein erschreckendes Buch geschrieben, das man gelesen haben muss.“
Jane Mayer, Autorin, u.a. für The New Yorker

Leseprobe zu »Killing Business. Der geheime Krieg der CIA«

Prolog


Der andere Krieg
»Gute Arbeit für den Nachrichtendienst, hatte Control immer
gepredigt, sei Schritt für Schritt und auf die sanfte Tour zu
erledigen. Die Skalpjäger waren die Ausnahme von seiner
eigenen Regel. Sie arbeiteten weder Schritt für Schritt noch
auf die sanfte Tour …«

John le Carré, Dame, König, As, Spion


Die pakistanischen Polizisten führten den bulligen amerikanischen
Spion in ein überfülltes Verhörzimmer. Über das Geklingel der Handys
und das Stimmengewirr aus Urdu, Punjabi und Englisch hinweg
versuchte der für den Amerikaner zuständige [...]

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Prolog


Der andere Krieg
»Gute Arbeit für den Nachrichtendienst, hatte Control immer
gepredigt, sei Schritt für Schritt und auf die sanfte Tour zu
erledigen. Die Skalpjäger waren die Ausnahme von seiner
eigenen Regel. Sie arbeiteten weder Schritt für Schritt noch
auf die sanfte Tour …«

John le Carré, Dame, König, As, Spion


Die pakistanischen Polizisten führten den bulligen amerikanischen
Spion in ein überfülltes Verhörzimmer. Über das Geklingel der Handys
und das Stimmengewirr aus Urdu, Punjabi und Englisch hinweg
versuchte der für den Amerikaner zuständige Ermittler die grundlegenden
Fakten zu klären.
»Amerika. Sie sind aus Amerika?«
»Ja.«
»Sie sind aus Amerika und gehören zur amerikanischen Botschaft?«
»Ja«, übertönte die besorgte Stimme des Amerikaners den Lärm.
»Mein Pass, ich hab ihn dem Polizisten dort gezeigt … Ich weiß
nicht, wo er ist. Er ist verschwunden.«
Auf der verwackelten Videoaufnahme vom Verhör greift Davis
unter sein kariertes Flanellhemd und zieht ein ganzes Bündel von
Ausweisen hervor, die er an einem Band um den Hals trägt. Die
ID-Karten gehörten zu den wenigen Dingen, die ihm nach der chaotischen
Szene auf der Straße noch geblieben waren.
»Das ist ein alter Ausweis. Aus Islamabad.« Er zeigte ihn dem
Mann hinter dem Schreibtisch. Dann streckte er ihm einen neueren
entgegen, der ihn als Mitarbeiter des amerikanischen Konsulats in
Lahore identifizierte.
Ein Telefon klingelte; einer der Beamten griff nach dem Hörer
und fertigte den Anrufer kurz ab. »Wir haben einen Mann von der
Botschaft festgenommen. Ich rufe Sie zurück.« Das Verhör ging
weiter.
»Sie arbeiten für das Generalkonsulat in Lahore?«
»Ja.«
»Als was?«
»Als … als Berater.«
»Berater?« Der Mann hinter dem Schreibtisch klang unverkennbar
skeptisch. Er machte einen Moment Pause, dann fragte er einen
anderen Beamten auf Urdu: »Und wie war der Name?«
»Raymond Davis«.
»Raymond Davis, genau«, bestätigte der Amerikaner. »Kann ich
mich setzen?«
»Ja, natürlich«, antwortete der Beamte. »Wollen Sie Wasser?«
»Haben Sie eine Flasche?«, fragte Davis. »Eine Flasche mit Wasser?«
Ein anderer Polizist im Raum lachte. »Sie wollen Wasser?«, fragte
er. »Kein Geld, kein Wasser.«
In diesem Moment betrat ein weiterer Polizist hinter Davis den
Raum. Ob es schon etwas Neues gebe, wollte er wissen.
»Versteht er alles? Und er hat gerade zwei Menschen umgebracht?«
Ein paar Stunden zuvor hatte Raymond Allen Davis, einst Star im
Football- und Ringerteam seiner Highschool in West Virginia, später
Green Beret bei der US-Army, danach eine Zeitlang Söldner für die
private Sicherheitsfirma Blackwater USA und nun Geheimagent der
CIA in Pakistan, seinen massigen Körper in den Fahrersitz eines
weißen Honda Civic gequetscht und das Auto durch den dichten
Verkehr von Lahore manövriert. Die einst von den Moguln, dann
von den Sikhs und schließlich von den Briten beherrschte Stadt ist
die kulturelle und intellektuelle Metropole Pakistans, und sie gehört
seit gut einem Jahrzehnt zum Randgebiet des geheimen Kriegs, den
die USA in Pakistan führen.
Bis 2011 hatte sich die Landkarte der islamistischen Militanz in
Pakistan jedoch deutlich verschoben. Rebellengruppen, die zuvor
kaum Kontakt miteinander hatten, schmiedeten neue Bündnisse,
um den Drohnenkrieg der CIA in den Bergen Westpakistans zu
überstehen.
Gruppen, die ihre Kräfte bis dahin vor allem auf die Planung
von blutigen Anschlägen gegen Indien konzentriert hatten, näherten
sich immer mehr der al-Qaida und anderen Organisationen an, die
den globalen Dschihad propagierten. Einige dieser Gruppen waren
in Lahore stark verwurzelt, und deswegen hatten Raymond Davis
und ein CIA-Team in einem Safe House eine Operationsbasis eingerichtet.
Nun jedoch saß Davis auf einem Polizeirevier in Lahore, weil
er zwei junge Männer erschossen hatte. Sie hatten sich auf einem
schwarzen Motorrad mit gezogenen Waffen seinem Wagen genähert,
als er auf einer von Autos, Fahrrädern und Rikschas verstopften
Straße dahinschlich. Davis jagte mit seiner halbautomatischen Glock
eine Handvoll Kugeln durch die splitternde Windschutzscheibe und
traf den einen Mann in den Bauch, in den Arm und an weiteren
Stellen. Der zweite wollte davonrennen, aber Davis stieg aus und
schoss ihm mehrmals in den Rücken.
Danach funkte er das amerikanische Konsulat um Hilfe an, und
Minuten später kam ein Toyota Land Cruiser in Sicht, der eine Einbahnstraße
gegen die Fahrtrichtung entlangraste. Doch der Toyota
erfasste einen jungen pakistanischen Motorradfahrer tödlich und
raste wieder davon. Um Davis herum waren einige recht bizarre
Utensilien verstreut, darunter eine schwarze Maske, hundert Patronen
und ein Stück Tuch mit aufgedruckter amerikanischer Flagge.
Auf der Kamera in Davis’ Wagen waren heimlich aufgenommene
Fotos von pakistanischen Militäreinrichtungen gespeichert.
Wenige Tage nach dem Debakel belog der Direktor der CIA den
Chef des pakistanischen Geheimdiensts sowohl bei einem Telefon-
gespräch als auch bei einem persönlichen Treffen, indem er bestritt,
dass Davis für die CIA arbeitete. Präsident Barack Obama ließ auf
einer Pressekonferenz im Unklaren, welche Rolle Davis in Pakistan
gespielt hatte, und forderte die Freilassung »unseres Diplomaten in
Pakistan«. Der CIA-Stationschef von Islamabad, der nur wenige
Tage vor der Schießerei in Pakistan angekommen war, hatte einen
offenen Konflikt mit dem amerikanischen Botschafter in Pakistan,
denn er bestand darauf, dass die Vereinigten Staaten keinerlei Zugeständnisse
oder Tauschgeschäfte machten, um Davis freizubekommen.
Das Spiel in Pakistan habe sich geändert, sagte er. Die Zeit
der freundlichen Beziehungen zwischen der CIA und dem pakistanischen
Geheimdienst sei vorbei.
Von jetzt an würde man nach den Moskauer Regeln verfahren,
dem ungeschriebenen, gnadenlosen Gesetz, das bei der Spionage im
Kalten Krieg gegolten hatte. Die ganze blutige Affäre schien auf einen Schlag sämtliche Verschwörungstheorien
zu bestätigen, die in Pakistan sowohl im Gewühl
der Basare als auch in den Korridoren der Macht kursierten.
Demnach hätten die USA eine riesige Geheimarmee nach Pakistan
geschickt, Männer, die im Rahmen eines geheimen amerikanischen
Kriegs Chaos und Verderben brächten. In der festen Überzeugung,
dass der Mörder ihres Mannes niemals zur Rechenschaft gezogen
würde, schluckte die Frau eines von Davis’ Opfern eine tödliche
Dosis Rattengift.
Doch der Davis-Skandal erzählt noch eine größere Geschichte.
Der frühere Green Beret, den die CIA für die Menschenjagd in
Pakistan engagiert hatte, war das neue Gesicht eines amerikanischen
Geheimdiensts, der sich angesichts von Konflikten, die weit entfernt
von erklärten Kriegszonen stattfanden, verändert hatte. Die Central
Intelligence Agency ist heute kein traditioneller Geheimdienst
mehr, der anderen Staaten ihre Geheimnisse stiehlt, sie ist zu einer
Tötungsmaschine geworden, einer Organisation, die sich vollends
der Menschenjagd verschrieben hat.
Aber nicht nur die CIA hat sich verändert. Während sie immer
mehr Aufgaben übernahm, die traditionell dem Militär zugeordnet
werden und bei denen sich Spione in Soldaten verwandeln, passierte
beim amerikanischen Militär das Gegenteil: Es wurde in die
Grauzonen der amerikanischen Außenpolitik hineingezogen und
führt heute mit Kommandoeinheiten Spionageeinsätze durch, denen
Washington in den Jahren vor dem 11. September 2001 nicht einmal
im Traum zugestimmt hätte. Vor dem Terrorangriff betrieb das
Pentagon kaum Spionage mit menschlichen Quellen – und die CIA
war nicht befugt, Menschen zu töten. Danach jedoch haben beide
Institutionen viel von dem getan, was sie vorher nicht taten. Und es
ist ein militärisch-geheimdienstlicher Komplex entstanden, mit dem
eine neue amerikanische Art des Kriegs geführt wird.
Die historischen Konturen der Kriege in Afghanistan und im Irak
sind inzwischen wohlbekannt. Aber seit mehr als einem Jahrzehnt
wird parallel dazu ein weiterer Krieg geführt, ein dunkles Spiegelbild
der »großen Kriege«, die Amerika nach den Angriffen des
11. September begann. In einem auf dem ganzen Erdball geführten
Schattenkrieg verfolgen die USA ihre Feinde mit Killerdrohnen und
Spezialeinsatzkräften. Sie bezahlen Privatunternehmen, damit diese
geheime Spionagenetzwerke aufbauen, und sie stützen sich auf launische
Diktatoren, unzuverlässige ausländische Geheimdienste und
bunt zusammengewürfelte Stellvertreterarmeen. In Regionen, wo
sie keine Bodentruppen einsetzen können, haben plötzlich seltsame
Figuren das Sagen. So führte ein kettenrauchender Pentagonbeamter
zusammen mit einem CIA-Mann, der bei der Iran-Contra-Affäre
eine gewisse Rolle gespielt hatte, eine geheime Spionageoperation in
Pakistan durch, und eine reiche Erbin aus dem ländlichen Virginia
entwickelte eine Obsession für Somalia und überzeugte das Pentagon,
sie dort bei der Jagd auf Qaida-Kämpfer zu unterstützen.
Der Krieg hat sich auf mehrere Kontinente ausgedehnt, von den
Bergen Pakistans bis zu den Wüsten des Jemen und Nordafrikas,
von dem von Stammeskriegen zerrissenen Somalia bis zum undurchdringlichen
Dschungel der Philippinen. Die Grundlagen für
den geheimen Krieg wurden von einem konservativen republika-
nischen Präsidenten gelegt und von einem liberalen demokratischen
Präsidenten übernommen. Obama lernte das Vermächtnis seines
Vorgängers schnell zu schätzen, weil es eine Alternative bot zu den
komplizierten und kostspieligen Kriegen, durch die Regierungen
gestürzt werden und die eine jahrelange Besatzung durch amerikanische
Truppen erforderlich machen. Oder, um mit John Brennan
zu sprechen, einem der engsten Berater Obamas, der von diesem im
März 2013 zum CIA-Chef gemacht wurde: Statt mit dem »Hammer«
zuzuschlagen, setzt Amerika jetzt das »Skalpell« an.
Das Bild vom Skalpell suggeriert, dass die neue Art des Kriegs
ohne Fehler und unnötige Kosten vonstatten geht – wie eine Operation
ohne Komplikationen. Doch das ist falsch. Sie schafft genauso
schnell neue Feinde, wie sie die früheren vernichtet. Sie schürt Hass
bei alten Verbündeten und wirkt manchmal destabilisierend, obwohl
sie eigentlich Ordnung ins Chaos bringen soll. Sie hat die
tradierten Mechanismen außer Kraft gesetzt, nach denen das amerikanische
Volk in den Krieg zieht, und den US-Präsidenten zum
letzten Richter darüber erhoben, ob bestimmte Menschen in weit
entfernten Ländern leben dürfen oder sterben müssen. Diese neue
Art von Krieg hat Erfolge gebracht – am Ende sogar die Tötung
Osama Bin Ladens und seiner treuesten Anhänger. Aber sie hat auch
die Schwelle der Gewaltanwendung gesenkt und dazu geführt, dass
die USA heute leichter als jemals zuvor in den fernsten Weltregionen
Tötungsoperationen durchführen können. Dieses Buch handelt von
einem Experiment, das seit mehr als einem Jahrzehnt andauert – und
von seinen Folgen.
Sir Richard Dearlove war es vergönnt, nur wenige Wochen nach den
Angriffen des 11. September einen Blick in die Zukunft zu werfen.
Der Chef des britischen Auslandsgeheimdiensts MI6 kam mit anderen
führenden britischen Geheimdienstbeamten in die USA, um
Solidarität mit dem engsten Verbündeten seines Landes zu demonstrieren.
Er besuchte das Hauptquartier der CIA in Langley, Virginia,
um persönlich die Botschaft zu überbringen, dass der britische Ge-
heimdienst der CIA den kostbaren Zugang zu allen Akten des MI6
über Mitglieder der al-Qaida gewähren würde.
Die Briten hatten die Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs
die schwarze Kunst der Spionage gelehrt, aber sie hatten das
Spiel lange nach anderen Regeln gespielt als die USA. »Der amerikanische
Charakter strebt nach schnellen, spektakulären Erfolgen,
während die britische Methode im Allgemeinen langsam und
mühselig ist«, sagte ein Mitglied von Churchills Special Operations
Executive im Jahr 1943. Der Engländer verwies auf die Gefahren der
Strategie, die das Office of Strategic Services (OSS), der Vorläufer
der CIA, verfolgte, wenn es auf die Sprengung von Munitionsdepots,
das Durchschneiden von Telefonleitungen und die Verminung
feindlicher Nachschublinien setzte. Die Amerikaner hätten mehr
Geld als Verstand, sagte er, und das Bündnis könne leicht in Schwierigkeiten
geraten, weil das OSS »so gerne Cowboys und Indianer«
spiele.
Dearlove war in der klassischen britischen Spionagetradition aufgewachsen.
Er hatte am Queens’ College der University of Cambridge,
einem traditionellen Rekrutierungsfeld der britischen Geheimdienste,
seinen Abschluss gemacht, und auf Posten in Afrika, Europa und
Washington gedient. Wie seine Vorgänger unterzeichnete auch er
alle internen Memos mit dem Codenamen »C«, traditionell stets mit
grüner Tinte.
Kurz nachdem sein Flugzeug mit dem Rufzeichen Ascot-1 in
Washington gelandet war, saß er im Counterterrorist Center der CIA
in Langley. Auf einem großen Bildschirm schauten sich CIA-Beamte
ein Video an, das einen weißen Mitsubishi-Kleinlaster zeigte, der in
Afghanistan eine Straße entlangfuhr. Dearlove war bekannt, dass
die USA die Fähigkeit entwickelt hatten, per Fernbedienung Krieg
zu führen, aber er hatte noch nie eine Predator-Drohne in Aktion
gesehen.
Mehrere Minuten vergingen, der Lastwagen geriet ins Fadenkreuz
auf der Mitte des Bildschirms. Dann wurde der ganze Bildschirm
durch eine gewaltige Explosion weiß. Sekunden später klärte
sich das Bild wieder und gab den Blick auf das zerfetzte, brennende
Wrack des Kleinlasters frei.
Dearlove wandte sich an eine Gruppe CIA-Beamter, zu der auch
Ross Newland gehörte, ein Geheimdienstveteran, der Monate zuvor
zu der Gruppe gestoßen war, die das Predator-Programm leitete –
und sagte mit einem sarkastischen Lächeln:
»Fast ein bisschen unsportlich, nicht wahr?«

Mark Mazzetti

Über Mark Mazzetti

Biografie

Mark Mazzetti, geboren 1974, studierte Geschichte an der Universität Oxford. Nach Stationen als Korrespondent für den „Economist“ und die „Los Angeles Times“ arbeitet er seit 2006 als Reporter für die New York Times in Washington DC. Sein Spezialgebiet sind Sicherheitsfragen. 2009 erhielt er den...

Pressestimmen

Neue Zürcher Zeitung am Sonntag

»"New York Times"-Korrespondent Mark Mazzetti hat ein fesselndes und faktenreiches Buch über den weltweiten Schattenkrieg geschrieben.«

Deutsche Welle

»Seit den Anschlägen vom 11. September 2001, so enthüllte New York Times-Autor Mark Mazzetti, führen die USA mit Hilfe der CIA einen Krieg im Geheimen, der alle Vorstellungen übertrifft.«

Bayern 2 "Kulturjournal"

»Eine düstere Version zeichnet sich am Horizont ab. [...]. Eines ist sicher: Die CIA ist nicht mehr, was sie einmal war.«

ORF Ö1 "Kontexte"

»Der "New York Times"-Reporter beschreibt in seinem Buch die Militarisierung des US-Geheimdienstes CIA, der Central Intelligence Agency, sowie die neuen Methoden der Kriegsführung. Ohne Soldaten vor Ort, ohne Panzer. Die Waffen der Wahl sind unbemannte, ferngesteuerte Drohnen. Der Tod von Zivilisten wird dabei bewusst in Kauf genommen.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Herausgekommen ist ein Buch, das wohl zum Besten gehört, was investigativer Journalismus liefern kann. [...]. Mazzetti beschreibt den Bedeutungsverlust des klassischen Militärs in dieser neuen Art des Krieges und die als Reaktion darauf erfolgte Ausweitung seiner Fähigkeiten auf Bereiche, die herkömmlich in die Zuständigkeit des Geheimdienstes fallen. Er berichtet aber auch, wie sich der Geheimdienst CIA von einer Organisation zur Informationsbeschaffung in eine Organisation zur Tötung von Personen verwandelte, die als Feinde der Vereinigten Staaten 'gelistet' worden sind. [...]. Wer in der NSA-Affäre auf der Achtung staatlicher Souveränität besteht, sollte sich auch für die Führung des Drohnenkrieges interessieren; er wird bei Mazzetti eine Fülle von Hinweisen finden, denen er weiter nachgehen kann.«

Sächsische Zeitung

»Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti seziert den Geheimdienst CIA und kommt zu erschreckenden Erkenntnissen. […]. Das Buch liest sich stellenweise spannend wie ein Thriller. Dabei erliegt er nicht der Versuchung, reißerisch zu sein. Er lässt die Fakten sprechen. Das genügt, um nicht wütend, sondern sachlich überzeugend mit einem Krieg abzurechnen, für den es keine völkerrechtliche Grundlage gibt. Politisch und moralisch ist er ein Desaster, das lange nachwirken wird.«

Deutschlandfunk "Andruck"

„Mazzetti arbeitet in seinem Buch den explosiven Anstieg von Ausgaben für Geheimoperationen heraus, über die auch im US-Kongress nur ausgewählte Parlamentarier informiert werden. Er listet detailliert auf, wie Obama schon nach einem Teil seiner ersten Amtszeit den angeblich so kriegslustigen Vorgänger George W. Bush in der Zahl der Drohnenschläge und der gezielten Tötung vermeintlicher Terroristen weit übertroffen hat. Und er belegt durch Referenzen zu Meinungsumfragen, wie groß der Zorn über den Krieg im Schatten in besonders betroffenen Ländern wie Pakistan oder Afghanistan ist. […] Doch im kriegsmüde gewordenen Amerika beginnt sich die öffentliche Meinung zur vermeintlichen Alternativlosigkeit des Kriegs gegen den Terror zu drehen - und Mazzetti hat mit seinem glänzend recherchierten und geschriebenen Buch dazu erheblich beigetragen.“

3sat Kulturzeit

„Mazzetti enthüllt individuelle Geschichten von CIA-Agenten in einem geheimen Krieg. Eine privatisierte Armee tötet im Auftrag der CIA und eines Präsidenten, der diese lautlosen Kriege willkommen heißt. […] Mark Mazzetti macht deutlich, wie Amerika heute Kriege führt. Auch wenn Obama angekündigt hat, den Krieg gegen den Terror beenden zu wollen: Die Vertreter des US-amerikanischen Volkes haben die Kontrolle über dieses Schattenreich längst verloren.“

Jane Mayer, Autorin, u.a. für The New Yorker

„ [...] eine erstaunliche Innenansicht der Verwandlung des CIA nach dem 11. September von einem Geheimdienst in eine globale, geheimeTötungsmaschine. Mazzetti, einer der besten Amerikanischen Berichterstatter über Angelegenheiten der nationalen Sicherheit, hat ein erschreckendes Buch geschrieben, das man gelesen haben muss.“

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