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Karma Girl

Bigtime 1

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Karma Girl — Inhalt

In der Welt von »Bigtime« hat jede Stadt mindestens einen Superhelden. Doch selbst der coolste Held kann nichts gegen die Irrungen und Wirrungen der Liebe ausrichten. Daher sollten sich die Heroen in Jennifer Esteps neuer Reihe besser zweimal überlegen, für wen sie aus dem Spandex schlüpfen: Reporterin Carmen Cole erlebt ihren absoluten Alptraum. Kurz vor ihrer Hochzeit erwischt sie ihren Verlobten mit ihrer besten Freundin im Bett. Und es kommt schlimmer – er ist auch noch der ortsansässige Superheld und ihre beste Freundin dessen Erzfeindin! Nach dieser Demütigung beschließt Carmen, sich zu rächen und befördert die beiden geradewegs in die Schlagzeilen. Von da an ist es ihre Lebensaufgabe, Superhelden zu enttarnen. Als sie jedoch in der Metropole Bigtime die Identität der mysteriösen Fearless Five aufdecken soll, geschieht eine Tragödie. Carmen möchte daraufhin nichts lieber, als mit dem Job aufzuhören, nur leider haben die Superschurken Gefallen an Carmens Arbeit gefunden. Sie zwingen sie, sich an die Fersen des Anführers der Five zu heften. Und der sieht zu allem Überfluss extrem gut aus ...

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 03.04.2017
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
400 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-28037-2
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 03.04.2017
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
400 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97632-9

Leseprobe zu »Karma Girl«

1


Mein Hochzeitstag.
Eigentlich sollte das der schönste Tag meines Lebens sein. Ein Tag der Freude, der Ausgelassenheit und des Neuanfangs. Schließlich war es der Hochzeitstag, von dem jedes Mädchen träumte, sobald es alt genug war, um im Kleiderschrank seiner Mutter Verkleiden zu spielen.
Aber so fühlte sich dieser Tag für mich unter keinen Umständen an.
Ich marschierte in dem schmalen Hotelzimmer auf und ab. Meine höllisch hohen Schuhe hinterließen Löcher im dicken Teppich und Blasen an meinen schmerzenden Füßen. Mein weißes Tüllkleid raschelte bei jedem [...]

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1


Mein Hochzeitstag.
Eigentlich sollte das der schönste Tag meines Lebens sein. Ein Tag der Freude, der Ausgelassenheit und des Neuanfangs. Schließlich war es der Hochzeitstag, von dem jedes Mädchen träumte, sobald es alt genug war, um im Kleiderschrank seiner Mutter Verkleiden zu spielen.
Aber so fühlte sich dieser Tag für mich unter keinen Umständen an.
Ich marschierte in dem schmalen Hotelzimmer auf und ab. Meine höllisch hohen Schuhe hinterließen Löcher im dicken Teppich und Blasen an meinen schmerzenden Füßen. Mein weißes Tüllkleid raschelte bei jedem Schritt.
Etwas stimmte nicht. Etwas stimmte absolut nicht.
Ich konnte schon seit Wochen das Gefühl nicht unterdrücken, dass irgendetwas zwischen mir und meinem Verlobten, Matt Marion, nicht in Ordnung war. In letzter Zeit hatte er oft abwesend gewirkt … abgelenkt. Wir waren inzwischen seit mehr als zwei Jahren zusammen und ich liebte Matt aus ganzem Herzen. Aber sein jüngstes Verhalten war seltsam genug, um selbst die vertrauensseligste Frau misstrauisch werden zu lassen. Ich hatte Matt unzählige Male gefragt, was los sei – ob er kalte Füße bekommen habe und die Hochzeit abblasen wolle. Aber er hatte mir wiederholt versichert, es sei alles okay.
Matt hatte in letzter Zeit in seiner Baufirma oft Überstunden gemacht und war mit verschiedensten unerklärbaren Prellungen und Kratzern nach Hause gekommen. Er hatte seine ständige geistige Abwesenheit und die merkwürdigen Verletzungen auf die Arbeit geschoben, aber ich hatte das seltsame, kalte Gefühl von Angst tief in meiner Magengrube einfach nicht ignorieren können. Bis jetzt. Zweifel nagten an mir. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, auf meine innere Stimme zu hören. Die Tatsache, dass ich immer auf meine Instinkte hörte, hatte mich zur besten Enthüllungsreporterin der Beginnings Post gemacht, der wichtigsten Zeitung unserer Stadt.
Ich hatte auch jetzt nicht vor, meine Instinkte zu ignorieren. Ich konnte einfach nicht heiraten, während diese Zweifel an mir nagten. Ich musste Matt noch einmal fragen, was ihn so beschäftigte.
Also schnappte ich mir mein Handy, glitt aus dem Hotelzimmer und ging zum Lift. Es war Matts Idee gewesen, im Forever Inn zu heiraten, dem romantischsten Hotel in ganz Beginnings, Tennessee. In dem Vier-Sterne-Ressort fanden täglich Hochzeiten statt, also kümmerte es niemanden, als ich mich in meinem weitschwingenden Kleid und der glitzernden Tiara auf dem Kopf in den Aufzug zwängte.
Ich fuhr einen Stock nach oben und ging zu Matts Zimmer. Es brachte angeblich Unglück – oder jede Menge schlechtes Karma –, wenn Braut und Bräutigam sich vor der Trauung sahen. Aber ich musste mit Matt reden. Meine innere Stimme würde sonst niemals schweigen.
Ich hob die Hand, um anzuklopfen. In diesem Moment drang gedämpftes Stöhnen durch die dicke Holztür. War Matt verletzt? Stirnrunzelnd zog ich die Schlüsselkarte, die ich für Notfälle bekommen hatte, durch den Leser. Die Tür öffnete sich und ich betrat den Raum.
»Ja, ja, JA!!!«, schrie eine Frau irgendwo tiefer in der kleinen Suite.
Oh. Das war unmissverständlich. Jemand gönnte sich eine kleine Auszeit am Nachmittag. Schön für sie. Ich wollte mich gerade umdrehen, um dem enthusiastischen Paar ein bisschen Privatsphäre zu gönnen, als sich mein Hirn einschaltete.
Wieso sollte jemand Sex in Matts Zimmer haben? Schließlich war er hier drin und bereitete sich auf die Hochzeit vor, die in weniger als einer halben Stunde stattfand. Seine Hochzeit mit mir.
Ich erstarrte. Plötzlich schien sich ein Klumpen aus Eis in meinem Bauch zu bilden. Ich wusste in diesem Moment, dass mir nicht gefallen würde, was ich gleich zu sehen bekäme, trotzdem konnte ich mich nicht davon abhalten: Ich schlich auf Zehenspitzen durch den Türrahmen, ging durch den kleinen Flur und spähte vorsichtig um die Ecke ins Zimmer.
Karen Crush, meine beste Freundin seit der vierten Klasse, saß rittlings auf Matt, meinem ach-so-treuen Verlobten, der wiederum auf der Bettkante hockte. Karens blassblaues Brautjungfernkleid war bis auf die Hüfte hochgeschoben, sodass ihre schlanken Beine freilagen. Matts Hose hing um seine Knöchel. Neben dem Bett auf dem Boden lag ein Spitzenhöschen, zusammen mit irgendwelchen anderen roten und blauen Stoffstücken.
Karen warf vor Lust den Kopf in den Nacken, sodass ihre schwarzen Locken über ihren Rücken glitten. Der Ausdruck der Ekstase auf Matts Gesicht verriet mir, dass auch er durchaus Spaß hatte. Dieser Mistkerl.
Die Welt drehte sich um mich. Ich spürte scharfe Stiche in der Brust, als hätte mich jemand mit einem Schlachtermesser attackiert. Zweimal. Heiße Tränen brannten in meinen Augen und rannen mir über die Wangen. Meine Knie zitterten. Meine Beine drohten, mir den Dienst zu versagen. Jetzt wusste ich, was nicht gestimmt hatte. Warum Matt so abwesend gewirkt hatte. Dieser kurze Moment, dieser schreckliche Anblick stellte alles klar. So unglaublich klar. Liebe, Freundschaft, die Menschheit als solches … Mein Vertrauen in all das verpuffte in diesem Moment. Zerstört von den zwei Menschen, die ich auf der ganzen Welt am meisten liebte.
Matt und Karen schrien verzückt auf, ohne sich meiner Anwesenheit bewusst zu sein. Ohne etwas von meiner Verzweiflung zu ahnen.
Ihre Lustschreie ließen mein Herz in Tausende scharfe, gezackte Scherben zerbrechen, von denen jede einzelne schmerzte wie der Schnitt mit einer Rasierklinge. Ich wollte aus dem Zimmer rennen und mir die Augen aus dem Kopf heulen – schluchzen und schreien, bis ich vollkommen heiser war. Doch dann erregte ein kurzes Aufblitzen unter Matts offenem Hemd meine Aufmerksamkeit. Ich blinzelte gegen meine Tränen an. Es war blau. Und es sah aus wie … glänzendes Elastan.
Elastan?
»Oh, ich liebe es, wenn du meinen Hals so küsst.« Ein Kichern drang aus Karens perfektem, herzförmigem Mund.
Ich liebte es auch, wenn Matt meinen Hals auf diese Weise küsste. Wut kochte in mir hoch, als würde jeden Moment ein Vulkan in mir ausbrechen. Ich wischte mir die heißen Tränen von den Wangen und richtete mich auf. Ich würde nicht weglaufen. Nicht vor diesen beiden. Nicht, bevor ich nicht ein paar Antworten bekommen hatte.
Karen ließ ihre Hände über Matts breite Brust gleiten. Ihre langen Fingernägel glitten wie Scheren über den Stoff. Sie riss sein Hemd vollständig auf und enthüllte damit einen blauen Body aus einem enganliegenden Stoff mit einem riesigen roten M auf der Brust.
Mir blieb der Mund offen stehen.
»Oh, Baby, du treibst mich in den Wahnsinn!« Matt zerrte Karens Oberteil nach unten und gab so den Blick frei auf ein enges rotes Bustier. Ein gelbes C prangte auf Karens bebender Brust. Sie hatte sich mit geschlossenen Augen so weit nach hinten gelehnt, dass ich es von meiner Position aus gut sehen konnte.
Ich traute meinen Augen nicht. Aber es war wahr – ich hätte diese Kostüme überall erkannt. Mein Blut kochte wie Lava, die jedes Gefühl außer meiner allumfassenden Wut unter sich begrub. Dann brach der Vulkan aus Zorn mit einem lauten Schrei aus.
»Ihr Dreckskerle!«
Matt und Karen erstarrten. Ihre Köpfe drehten sich zur Tür herum. Matt schluckte schwer, als er mich erblickte. Karen riss die Augen auf. Für einen Augenblick fragte ich mich, was die beiden wohl mehr aus der Fassung brachte: dass jemand sie beim verbotenen Sex erwischt hatte oder dass ihr anderes kleines Geheimnis aufgeflogen war. Mir war das allerdings egal. Sie hatten mich beide verraten.
Meine Wut kochte noch höher, als ich in den Raum trat. Ich ballte die Hände zu Fäusten. Mein Körper zitterte vor Zorn. Selbst mein Hochzeitskleid raschelte vor Rage.
»Carmen! Ich … ich kann alles erklären …«
Ich riss eine Hand hoch, um Matts jämmerliche Erklärungsversuche jäh zu unterbrechen. »Du bist The Machinator?«
Matt seufzte. Er fuhr sich mit einer Hand – derjenigen, die nicht auf dem nackten Hintern meiner besten Freundin lag – durch die blonden Haare. »Ich wollte nicht, dass du es auf diese Weise herausfindest, Carmen.«
»Ach nein? Wann wolltest du mir denn mitteilen, dass du der ansässige Superheld von Beginnings bist? Nachdem wir uns das Jawort gegeben haben? Vielleicht an unserem ersten Hochzeitstag? Oder möglicherweise dann, wenn die Kinder aufs College gehen? Oder eventuell auch, nachdem du mir mitgeteilt hast, dass du mit meiner besten Freundin schläfst?! An unserem Hochzeitstag!«
»Es ist nicht seine Schuld, Carmie«, mischte Karen sich ein. Sie musterte mich aus großen braunen Augen. »Er wollte es dir sagen. Das wollten wir beide. Alles.«
Carmie? Ich bedachte meine ehemals beste Freundin mit einem bösen Blick. Sie besaß tatsächlich die Frechheit, mich mit diesem lächerlichen Spitznamen aus der Kindheit anzusprechen, während sie die Beine um meinen Verlobten geschlungen hatte, als wäre er ein Rennpferd und sie der Jockey. Dieses Miststück. Ich hätte sie am liebsten in Stücke gerissen. Nachdem ich mit Matt fertig war.
»Und du bist seine ärgste Feindin, Crusher? Die Erzschurkin von Beginnings?«
Karen nickte.
Ich rieb mir die pulsierenden Schläfen. Es war einfach alles zu viel.
Sicher, jede Stadt der Welt hatte ihren persönlichen Superhelden – jemanden, der auftauchte, wann immer ein außer Kontrolle geratener Zug zu entgleisen drohte. Oder wenn Hunderte von Menschenleben durch eine Naturkatastrophe bedroht waren. Sogar dann, wenn der kleine Timmy aus einem tiefen Brunnen gerettet werden musste. Natürlich besaß jede Stadt auch ihren persönlichen Bösewicht – jemanden, der uneingeschränkt herrschen wollte.
Beginnings bildete da keine Ausnahme. Wir hatten den Machinator, einen Mann, der mechanische Gegenstände mit seinem Geist kontrollieren konnte. Die Superschurkin der Stadt war Crusher, eine unglaublich starke Frau, die Metallstangen mit den Zähnen durchbeißen und Diamanten in der Hand zerquetschen konnte. Die beiden lagen ständig im Clinch. Crusher verfolgte immer wieder wilde Pläne, um (a) die Herrschaft über Beginnings an sich zu reißen, (b) den Machinator zu töten oder (c) beides gleichzeitig. Gewöhnlich geriet der Machinator dabei in tödliche Gefahr, bevor es ihm auf wundersame Weise gelang, sich zu befreien und den raffinierten Plan von Crusher zu vereiteln. Doch Crusher entkam jedes Mal oder brach bald schon aus dem angeblich ausbruchsicheren Hochsicherheitsgefängnis aus, in das die Behörden sie gesteckt hatten. Dann kam sie zurück nach Beginnings und der ganze Kreislauf begann von vorn, wieder und wieder.
Und die ganze Zeit über hatte ich keinen Moment geahnt, dass es sich bei den beiden um meinen Verlobten und meine beste Freundin handelte. Ich hatte nie etwas vermutet. Ich hatte keinen blassen Schimmer gehabt.
Ich war so eine verdammte Idiotin!
Und eine tolle Reporterin. Alle klassischen Anzeichen waren da gewesen, sichtbar, direkt vor meinen Augen. Matts ständige Verletzungen, seine häufigen Überstunden und seltsamen Arbeitszeiten. Karens lange, merkwürdige Abwesenheiten (manchmal verließ sie wochenlang die Stadt, ohne sich bei mir abzumelden) und ihre unheimliche Fähigkeit, jedes Einmachglas zu öffnen, obwohl sie so klein und zierlich war. Plötzlich verbanden sich in meinem Kopf alle Puzzlestücke zu einem Gesamtbild. Die beiden mussten Stunden damit verbracht haben, über meine naive und vertrauensselige Art zu lachen. Wenn sie nicht gerade heißen Superhelden-Sex gehabt hatten, natürlich.
Mein Verlobter und meine beste Freundin schliefen miteinander und hatten ihre geheimen Identitäten vor mir versteckt. Ich wusste nicht, welcher Verrat mich tiefer traf. Oder was mich wütender machte.
»Wie lang läuft das schon? Ich hätte angenommen, dass es bei euren … heimlichen Aktivitäten unmöglich wäre, miteinander in die Kiste zu springen.« Ich spuckte ihnen die Worte förmlich entgegen. Sie hinterließen einen bitteren, unangenehmen Geschmack in meinem Mund.
»Na ja, eigentlich ist das eine ziemlich witzige Geschichte.« Matt lachte in dem vergeblichen Versuch, die Stimmung ein wenig aufzuheitern.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sein halbherziges Lachen erstarb. Zu dumm, dass mit ihm nicht das Gleiche passierte.
»Vor ein paar Monaten waren wir in der verlassenen Mühle, wie üblich in einen epischen Kampf verwickelt. Du weißt schon, Explosionen und Gefahr und alles … Und da hat Crusher, ähm, Karen, die Hand ausgestreckt und mich gepackt. Radioaktiver Müll floss überall um uns herum und wir fühlten uns beide wirklich seltsam. Und da haben wir uns irgendwie geküsst und …«
Seine Stimme verstummte unter meinem bohrenden Blick. Hätte ich die Fähigkeit besessen, Laserstrahlen aus meinen Augen zu schießen, wären die beiden inzwischen vollkommen pulverisiert gewesen. Wie dumm, dass ich keine Superkraft besaß.
Matt saß immer noch auf dem Bett, Karen rittlings auf ihm. Sie machten keine Anstalten, sich voneinander zu lösen oder ihre Kostüme vor mir zu verstecken. Mir wurde klar, dass die beiden tatsächlich froh waren, dass ich sie erwischt hatte – nicht nur beim Sex, sondern auch in Bezug auf ihre geheimen Identitäten. Die Erleichterung war ihnen förmlich anzusehen. Sie wirkten plötzlich entspannt, als wäre ihnen ein tonnenschweres Gewicht von den Schultern genommen worden. Sie waren tatsächlich glücklich, dass sie mein Leben mit ihren Lügen, ihrer Hinterlist und ihrem Verrat zerstört hatten. Mir wurde schlecht.
Ich trat einen Schritt zurück. Ich musste hier raus. Musste Abstand zwischen mich und diese beiden bringen. Mein armes Herz konnte einfach keinen weiteren Schlag vertragen. Ich wirbelte herum, um aus dem Raum zu rennen.
Doch meine High Heels verhakten sich im dicken Teppich und ich stolperte über einen Haufen von weißem Tüll und fiel auf die Knie. Die Tiara rutschte mir vom Kopf und rollte über den Boden, meine Haare lösten sich aus den perlenverzierten Haarklammern. Sofort bemühte ich mich, wieder auf die Beine zu kommen. Mein Blick fiel auf mein Handy, das ich zusammen mit der Schlüsselkarte hatte fallen lassen. Beim Aufprall auf den Boden hatte sich der Bildschirm eingeschaltet und zeigte mir das Hintergrundbild von Matt, der mich im Arm hielt, während wir beide lächelten … glücklich waren. Oder zumindest war ich glücklich gewesen – damals.
Der kochende Vulkan aus Wut in mir erlosch schlagartig und erstarrte zu einem großen schwarzen Klumpen Hass. Matt und Karen hatten auf meine Kosten ihren Spaß gehabt. Jetzt würde ich den Spieß umdrehen. Die Splitter meines zerbrochenen Herzens stachen in meiner Brust. Ich würde etwas tun, was sie so verletzte, wie sie mich verletzt hatten. Oder noch schlimmer.
Ich stand auf, strich mein Kleid glatt und lief zu meinem Handy, um es aufzuheben. Irgendetwas zerbrach knirschend unter den Absätzen meiner verfluchten Schuhe. Ich sah nach unten. Ich hatte gerade meine Tiara zertreten. Aber sie war sowieso ein billiges Imitat gewesen, eine Fälschung – wie alles andere in meinem Leben.
Ich schnappte mir das Handy und schaltete die Kamera-App an.
»Was tust du da?«, fragte Karen.
»Ich gebe euch nur das, was ihr verdient habt.« Ich musterte das verräterische ineinander verschlungene Paar auf dem Display meines Handys. Das M und das C auf den Elastan-Oberteilen waren hervorragend zu erkennen. »Und bitte recht freundlich!«

Am nächsten Tag schrien die Schlagzeilen der Beginnings Post: THE MACHINATOR DEMASKIERT! CRUSHER ENTTARNT! IDENTITÄTEN OFFENBART! Erfahren Sie die Wahrheit über den Superhelden und die Erzschurkin der Stadt. Artikel und Bilder von Carmen Cole.
Meine Geschichte gab in ehrlichen, wenn auch schmerzhaften und peinlichen Details wieder, wie ich die wahre Identität der beiden aufgedeckt hatte. Die Titelseite wurde fast vollkommen von einem Bild von Karen und Matt eingenommen, auf dem ihre Elastan-Anzüge unter der verknitterten Kleidung zu sehen waren. Als sie tags zuvor begriffen hatten, dass ich Fotos von ihnen schoss, hatten sie versucht, mir meinen Plan auszureden. Narren. Die Mühe hätten sie sich sparen können. Ich würde nie wieder auf ein Wort hören, das sie sagten. Niemals wieder.
Da »nett bitten« nicht funktioniert hatte, versuchte Karen, mir das Handy aus der Hand zu reißen und zu zerquetschen. Aber Matt als kühner, nobler, ach-so-treuer Superheld verhinderte das. Während ich cool aus dem Hotelzimmer marschierte, rollten sie sich gerade über den Boden und schlugen aufeinander ein. Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie wirklich kämpften oder ob es sich dabei eher um eine Form von perversem Vorspiel handelte. Vielleicht war das für diese kranken Bastarde ja dasselbe.
Ohne noch mal anzuhalten und mein Hochzeitskleid auszuziehen, lief ich schnurstracks zur Redaktion der Beginnings Post und berichtete den Herausgebern, was ich hatte. Das war eine der peinlichsten, demütigsten, entwürdigendsten Handlungen meines Lebens, aber ich nahm die Schultern zurück und ließ mich nicht beirren. Seite 1 wurde sofort für mich freigeräumt.
Den Rest des Tages verbrachte ich in der Redaktion damit, alle Informationen über Matt und Karen alias The Machinator und Crusher auszugraben, die ich finden konnte. Die Daten von Matts angeblichen Unfällen bei der Arbeit passten perfekt zu den Tagen, an denen der Machinator einen großen Kampf ausgetragen hatte. Karens lange Abwesenheiten und ihr plötzliches Wiederauftauchen korrespondierten zeitlich mit Crushers Gefängnisaufenthalten. Daten, Zeiten, Orte, Verletzungen. Alles war da. Wie dumm – wie blind! – ich doch gewesen war! Ich schämte mich fast, mich selbst Journalistin zu schimpfen.
Da ich nicht zur Hochzeitszeremonie aufgetaucht war, rief Matts Mutter bei der Zeitung an. Ich erzählte ihr alles. Bis ins kleinste Detail.
Sie schwieg einen Moment. Dann fragte sie: »Aber was ist mit den Blumen? Und dem ganzen Essen? Alles ist schon bezahlt. Ich kann doch nicht alleine hundert Hühnchen essen.«
»Hast du mich nicht gehört, Matilda? Ich habe dir gerade mitgeteilt, dass dein Sohn ein Superheld ist.«
»Oh, das weiß ich doch, Schätzchen. Was glaubst du, wer ihm seine Kostüme näht?«
»Und wusstest du auch von ihm und Karen?«
»Mein Junge ist etwas Besonderes. Er bekommt Tonnen von Fanpost. Du dachtest doch nicht wirklich, dass er mit nur einer Frau glücklich sein kann, oder?«
Ich legte einfach auf. Die alte Schrulle hatte mich sowieso nie gemocht.
Eine Stunde später trompeteten die TV-Nachrichten die Neuigkeiten in die Welt hinaus. Matt und Karen hatten im Forever Inn ein ziemliches Chaos angerichtet und ein Teil des historischen Gebäudes war eingestürzt. Manche Dinge waren einfach nicht dazu geschaffen, zu überdauern. Oder einem Superhelden-Erzschurken-Kampf standzuhalten. Ich schickte einen Fotografen los, um ein paar Bilder zu schießen.
Ein paar Freunde riefen an und redeten beruhigend auf mich ein, damit ich Matt eine Chance gab, alles zu erklären. Ich erklärte ihnen, sie sollten sich mit Matildas bereits bezahlten Hühnchen amüsieren, und machte mich wieder an die Arbeit.
Am nächsten Morgen war die Post in Minuten ausverkauft. Die Drucker kehrten an die Maschinen zurück, um noch mal zehntausend Exemplare nachzudrucken. Die Telefone liefen heiß, sobald die Nachrichtenagenturen und die nationalen Medien die Story aufgegriffen hatten. Und was Karen und Matt anging: Die beiden verschwanden, kaum dass die Story erschienen war. Niemand konnte sie finden, dasselbe galt für ihre Alter Egos.
Ich sammelte so viele Exemplare der Zeitung wie möglich und tapezierte meine kleine Bürowabe förmlich damit. Jede Menge Leute schauten bei mir vorbei, um mir zu meinem Sensationsbericht zu gratulieren. Selbst der Verleger verließ sein Büro, um sein Lob auszusprechen. Ein paar der Kerle vom Sport rissen Witze darüber, wie ich an die Story gekommen war, doch ein Blick von mir reichte aus, um sie Deckung suchen zu lassen. Ich war wirklich nicht in der Stimmung, mich verspotten zu lassen.
Nach fast vierundzwanzig Stunden in der Redaktion ging ich nach Hause. Ich öffnete die Tür zu meiner Wohnung, schmiss meine Schlüssel auf den Beistelltisch und schaltete das Licht an. Stapel von Umzugskisten begrüßten mich. Nach unserer Hochzeitsreise auf Hawaii hätte ich eigentlich bei Matt einziehen sollen. Die meisten meiner Sachen waren bereits eingepackt.
Meine Gedanken wanderten zu Matt. Wo war er? Hatte er die Story gelesen? Tat es ihm leid, dass er mich angelogen hatte? Oder war er mit Karen zusammen? Machten sie dort weiter, wo sie nach meinem Auftritt aufgehört hatten?
Hatte er mich je wirklich geliebt?
Mein Blick glitt über die Kisten. Herzen und alberne Cartoon-Figuren mit Spitzenschleiern und Diamantringen prangten auf den Kartonflächen. Die gezackten Scherben meines Herzens stachen mir ins Fleisch. Die Hochzeit, die Flitterwochen, das Happy End. Alles geplatzt. Ein paar Tränen rannen mir über die Wange, doch ich wischte sie wütend weg. Ich hatte auf dem Weg zur Redaktion genug geweint. Damit war jetzt Schluss.
Ich grub mich durch eine der Kisten, fand eine Jogginghose und ging ins Schlafzimmer, wo ich im Spiegel über der Kommode einen Blick auf mein Gesicht erhaschte. Mein kastanienbraunes Haar stand wirr von meinem Kopf ab. Dunkle Ringe lagen unter meinen Augen. Schmerz und Wut brannten in den blauen Tiefen. Ich wirkte mehr als nur ein wenig durchgeknallt. Und so fühlte ich mich auch.
Wie um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, trug ich immer noch mein Hochzeitskleid, auch wenn ich die unbequemen Schuhe schon vor Stunden in eine Ecke gekickt hatte. Ich strich das Kleid glatt, das definitiv schon bessere Momente gehabt hatte. Nach dem langen Tag hatte das Weiß eine bräunliche Färbung angenommen.
Der Diamant an meinem Verlobungsring glitzerte im dämmrigen Licht. Ich war so glücklich gewesen an dem Abend, als Matt ihn mir auf den Finger geschoben hatte. War mir meiner Liebe für ihn so sicher gewesen – und auch seiner Liebe für mich. Jetzt erinnerte mich der Ring nur an gebrochene Versprechungen, geplatzte Träume und meine eigene blinde Dummheit.
Ich riss mir den Ring vom Finger, stiefelte zur Kommode und öffnete eine Schublade an meinem Schmuckkästchen. Ich starrte den Diamanten noch einen Augenblick an, dann stopfte ich ihn in die hinterste Ecke und schloss die Schublade wieder. Danach drehte ich den Schlüssel an der Front der Lade einmal um, um den verdammten Ring ein für allemal wegzusperren.
Ich werde mich nicht noch mal zum Narren machen lassen, schwor ich mir. Von niemandem. Niemals wieder.

Jennifer Estep

Über Jennifer Estep

Biografie

Jennifer Estep ist Journalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab und lebt heute in Tennessee. Bei Piper erscheinen ihre Young-Adult-Serien um die »Mythos Academy«,...

Pressestimmen

buchnotizen.de

»Ein sehr unterhaltsames, lesenswertes Buch, dass die Superhelden auch mal von ihren schwachen, menschlichen Seiten zeigt. Eine tolle Protagonistin, die Lust auf mehr macht.«

magicallyprincess.blogspot.de

»Marvel - und auch Comic-Fans werden während des Lesens von ›Karma Girl‹ von Jennifer Estep voll auf ihre Kosten kommen. Mit ihrem gewohnt großartigen Erzählstil hat die Autorin einen tollen, actionreichen, humor- und liebevollen Roman geschrieben, der alle ›Superhelden-Klischees‹ auf ganz wundervolle Weise bedient.«

katesleselounge.de

»Ihre Bücher haben immer einen ganz gewissen Touch, der einfach typisch Estep ist.«

Fragen und Antworten zu Jennifer Estep
Sie haben Fragen zum Autor? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Wie viele Teile gibt es von der »Mythos Academy«-Reihe?
Es gibt insgesamt 6 Bücher rund um die Abenteuer von Gwen Frost sowie ein Malbuch zur »Mythos Academy«-Serie. Im Oktober 2017 startete außerdem eine neue Reihe innerhalb der »Mythos Academy«-Welt: In der »Mythos Academy Colorado«-Reihe ist Gwens Cousine Rory Forseti die Hauptfigur.
Sind Bücher von Jennifer Estep verfilmt worden?
Nein, die Bücher von Jennifer Estep sind bislang nicht verfilmt worden.
Wie heißt das neue Buch von Jennifer Estep?
Das neue Buch von Jennifer Estep heißt »Bitterfrost« und ist Band 1 der »Mythos Academy Colorado«-Reihe.
Welche Bücher sind ähnlich zur »Frostkuss«-Reihe?
Wer die Bücher rund um die »Mythos Academy« mag, dem empfehlen wir die »Black Blade«-Reihe von Jennifer Estep sowie die Bücher der Serie »Bitter & Sweet« von Linea Harris.

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