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Karaokekultur

Essays

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Karaokekultur — Inhalt

Neue Essays aus der Feder der "Philosophin des Bösen und des Exils" (Charles Simic). Scharf, witzig und ebenso unterhaltsam wie klug schreibt Dubravka Ugresic über unsere digitale Welt zwischen Selbstdarstellung und bloßer Nachahmung. Sie schreibt über Medienhetze und Heimatlosigkeit, über osteuropäische Fliegen und polnische Wasserinstallateure - uns seziert dabei dei Begriffe und Bilder, die wir uns von den Dingen machen.

 

In ihrem neuen Essayband wendet sich Dubravka Ugresic dem zeitgenössischen Phänomen der digitalen Kultur zu, in der jedermann eingeladen ist, sich zu beteiligen - ohne Rücksicht auf Urheberrechte und ähnliche störende Nebensächlichkeiten. Ugresic entdeckt hier überraschende Parallelen zur Amateurkultur, wie sie im Kommunismus florierte: Während der Kommunismus unterging, so ihre These, konnte die Hauptidee des Kommunismus - die Selbstverwirklichung - überleben und umgesetzt werden - nicht zuletzt dank Bill Gates.

Außerdem geht es in diesem Band um falsche Begriffe von Patriotismus, Angst vor Menschen, Minibars, die Autorin verteidigt ihr Recht, eine »Fremde« zu bleiben, sie zeigt anhand von Putins Imagestrategien, dass das Bild alles ist und der Inhalt nichts, sie erzählt Geschichten von jugoslawischen Gastarbeitern und polnischen Klempnern, von Europas neuer Unterschicht - den Obsessionen des modernen Weltbürgers.

€ 21,90 [D], € 22,60 [A]
Erschienen am 25.02.2012
Übersetzer: Mirjana und Klaus Wittmann
368 Seiten
ISBN 978-3-8270-1043-8
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 18.02.2012
Übersetzer: Mirjana und Klaus Wittmann
368 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-8270-7539-0

Leseprobe zu »Karaokekultur«

Karaokekultur
1.
Warum Karaoke und dazu noch Kultur?
Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Fan von Karaoke. Dieser
Essay war nicht nur bereits konzipiert, sondern sogar zur
Hälfte fertig, als ich auf den Gedanken kam, echtes Karaoke
zu erleben. Das Casablanca soll die populärste Karaokebar
Amsterdams sein. Mein Begleiter und ich, beide unbeleckt,
trafen dort genau um acht Uhr abends ein, als ginge es um
eine Theatervorstellung und nicht um den Besuch einer Bar.
Das Casablanca war leer. So machten wir einen Spaziergang
entlang des Zeedijks, einer engen Straße mit [...]

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Karaokekultur
1.
Warum Karaoke und dazu noch Kultur?
Um es gleich zu sagen: Ich bin kein Fan von Karaoke. Dieser
Essay war nicht nur bereits konzipiert, sondern sogar zur
Hälfte fertig, als ich auf den Gedanken kam, echtes Karaoke
zu erleben. Das Casablanca soll die populärste Karaokebar
Amsterdams sein. Mein Begleiter und ich, beide unbeleckt,
trafen dort genau um acht Uhr abends ein, als ginge es um
eine Theatervorstellung und nicht um den Besuch einer Bar.
Das Casablanca war leer. So machten wir einen Spaziergang
entlang des Zeedijks, einer engen Straße mit vielen Nachtlokalen,
wo die Barmänner so aussehen, als verbrächten sie
ganze Tage im Fitnessstudio und ganze Nächte in der Bar.
Muskelpakete, Ringe unter den Augen – genauso sah unser
Barmann im Casablanca aus, wo wir uns nach einiger Zeit
wieder einfanden. Auf einer kleinen Bühne jaulten an zwei
Stehmikrophonen zwei große, schlanke Mädchen einen Popsong.
Währenddessen lief auf Fernsehschirmen ein Konzert
einer bekannten niederländischen Band, die von den Karaokestars
übertönt wurde. Die Mädchen waren dabei eifriger
als die Jungs, als triebe ein unsichtbarer Polizist sie dazu an.
Das war ein taubes Kollektivgejaule, taub, weil keiner dem
anderen zuhörte. Enttäuscht verließen mein Begleiter und
ich das Casablanca. Amsterdam war offenbar doch nicht der
richtige Ort für eine Karaoke-Initiation. Ich weiß nicht, warum
ich überhaupt darauf kam, in Amsterdam nach Karaoke
zu suchen, wahrscheinlich weil sich der paradoxe Gedanke,
dass sich uns die Welten dort öffnen, wo wir am wenigsten
damit rechnen, gelegentlich als richtig erweist.
Als ich mir den Film Lost in Translation zum dritten Mal
ansah, blieb ich bei der Szene hängen, in der Bill Murray
mit fatalistischer Geduld Karaoke singt. Ich setzte mich an
den Computer und öffnete YouTube. Den Versen hoffnungslos
hinterherhechelnd, versuchte ich I Will Survive bis zum
Ende mitzusingen. Es war eine erfrischende Erfahrung. Ich
versuchte mich auch an einem Musical, heulte zusammen
mit den Sängern eine populäre Arie aus Das Phantom der
Oper. Bei Con te partiró von Andrea Bocelli schaffte ich nur
die erste Zeile des Refrains, es gab einfach zu viele schwer
auszusprechende Wörter.
Ich dachte schon daran, für 2,99 Dollar die Karaokeversion
von Ti voglio tanto bene zu kaufen, sah aber davon ab,
genauso wie von dem Erwerb von Cantolopera, der mir ermöglicht
hätte, Opernarien in Begleitung eines ganzen Orchesters
zu schmettern. Auch verzichtete ich auf ein Programm,
das mir einen virtual coach for classical singers in
Aussicht stellte. Als ich jedoch im Internet eine Karaokereklame
sah, die mir versprach, the joys, sorrows, ecstasy and
anguish of opera zu erleben, und das auch noch während der
Morgendusche, wäre ich um ein Haar schwach geworden.
Nicht weil ich gerne unter der Dusche singe, sondern weil
ich gefühlsbetonte Reklamen mit einem reichen Wortschatz
liebe. Ach ja, auf der Webseite von Singer’s Showcase hörte
ich mir einige Karaokesänger an, betrachtete ihre Fotografien
und las ihre Kurzbiographien. Am besten gefiel mir der traurige
Mr Sandy mit seiner schwerfälligen, langsamen, bärenhaften
Interpretation des Evergreens Georgia On My Mind.
Was ist eigentlich Karaoke? Karaoke (deutsch: leeres Orchester)
ist eine Art von Unterhaltung für Menschen, die
gern einmal Madonna oder Frank Sinatra sein möchten. Die
dafür erforderliche Technik erfand Anfang der siebziger Jahre
der japanische Musiker Daisuke Inoue. Er unterließ es, seine
Erfindung patentieren zu lassen, weshalb sich heute andere
der ständig daraus fließenden Gewinne erfreuen. Eine amerikanische
humoristische Zeitschrift soll Inoue den alternativen
Friedensnobelpreis verliehen haben, weil er »eine völlig
neue Art erfunden hat, Toleranz zwischen den Menschen
zu fördern«.
Kulturkritiker sind Leute, für die zum Beispiel das Tätowieren
mehr als nur eine Mode ist. Offensichtlich gehöre
auch ich zu dieser zweifelhaften Berufsgruppe, denn ich bin
bereit, in Karaoke mehr zu sehen als das unbegabte Jaulen
etwa zu der Melodie I Will Survive. Karaoke fördert weniger
die demokratische Vorstellung, dass jeder alles kann, wenn er
nur will, als die demokratische Praxis, in der jeder will, wenn
er nur kann. Was den bescheidenen Erfinder Daisuke Inoue
selbst betrifft, er sieht seine Leistung darin, dass es ihm gelungen
sei, die mit Gefühlsäußerungen sonst geizenden Japaner
aus ihrer Reserve zu locken.
Was macht Karaoke so attraktiv, diesen Freizeitspaß, der
ganz Japan in Fieber versetzte (es, wie man hört, noch immer
in seinem Bann hält) und sich über die ganze Welt verbreitete?
In erster Linie wohl die Einfachheit und die Albernheit
dieser Unterhaltungsart, aber auch die Doppelrolle, in
die der Teilnehmer schlüpft: Indem der Amateur ein weltbekanntes
Lied singt, zeigt er einerseits seine Verehrung für
sein Idol (Sinatra, Madonna), wertet es jedoch gleichzeitig
mit seinem meist stümperhaften, laienhaften Vortrag ab.
Diese Entthronisierung oder ungewollte Untergrabung der
Werteskala findet im Rahmen eines unschuldigen, erfrischenden
und transformativen Vergnügens statt. Der Ausführende
ist anonym und bleibt es meist auch.
Mit ein wenig Phantasie kann man sich noch viele weitere
Varianten von Karaoke-Unterhaltung vorstellen. Ein steinreicher
Mann zum Beispiel könnte auf die Idee kommen, das
gesamte Ballettensemble des Bolschoi-Theaters für eine Privatvorführung
von Schwanensee zu engagieren, in der seine
Ehefrau, seine Schwiegermutter oder er selbst die Hauptrolle
tanzt. Den Möglichkeiten sind da keine Grenzen gesetzt. Das
Wichtigste dabei ist offenbar die Anonymität. Warum? Weil
die gleiche Geste, würden wir sie unter unserem Namen ausführen,
eine völlig andere Botschaft transportierte. In dem
Fall würde man unser Jaulen zu der Melodie etwa von Mamma
mia nicht als unterwürfige Nachahmung des Originals,
sondern als eine subversive Tat, als eine Hommage oder eine
Parodie oder sonst was verstehen. Im Unterschied zu dem
anonymen Auftritt enthält die auktoriale Geste eine andere
Botschaft, ähnlich der, die Marcel Duchamp in die Welt aussandte,
als er Mona Lisa mit einem Schnurrbart versah, oder
Andy Warhol, als er plakatähnliche Porträts bekannter Persönlichkeiten
stanzte. Viele Werke der modernen Kunst, in
denen die Botschaft eines traditionellen Kunstwerks umgemünzt
wurde, könnte man als »Karaoke-Kunst« bezeichnen,
würden sie nicht die klare Signatur des Autors tragen. Karaoke
hingegen ist ein Spaß für Menschen, die keine Unterschrift
hinterlassen, wenigstens vorerst nicht. Vorerst agieren die Karaoke-
Menschen innerhalb ihrer Gemeinden, der fandoms.
Es gibt auch umgekehrte Beispiele, bei denen durchaus
berühmte Leute Spaß an Karaoke haben. Der Film Romance
& Cigarettes (2005) ist ein Karaoke-Musical, in dem sich hervorragende
Schauspieler (wie James Gandolfini, Susan Sarandon,
Kate Winslet und Steve Buscami) damit vergnügen,
Energie aus der kräftigen Stimme eines Tom Jones und seinen
Hits zu schöpfen. Mamma mia! (2008) ist ein Filmmusical
und Welthit, in dem ausgezeichnete Schauspieler (Julie Waters, Meryl Streep, Colin Firth) mit großem Vergnügen die
Evergreens der schwedischen Popgruppe ABBA nachsingen.
Beide Filme bauen genau wie Karaoke darauf, dass der Zuschauer
die authentischen Hits wiedererkennt. Sie setzen auf
die Kraft der Evergreens und nicht auf die neue (dazu auch
noch schlechte) Nachahmung.
Wann wächst sich ein harmloses Freizeitvergnügen anonymer
Menschen zu einer Kultur aus? Können diese beiden
Filmbeispiele als Karaokekultur angesehen werden, oder gehören
sie einfach zur Kultur der Stars, die sich alles erlauben
dürfen, vom Possenreißen in den Filmmusicals bis zum Verfassen
schlechter Bücher? Vergessen wir nicht: Karaoke ist
eine Unterhaltung für kleine Leute, die sich, durch die Maske
der Anonymität geschützt, befreien und im Rahmen der
vorgegebenen (technologischen, genremäßigen) Codes und
Gemeinden (Fandoms) ihre heimlichen Sehnsüchte erfüllen.
Karaoke-Menschen sind alles andere als Revolutionäre, Erneuerer
oder gar Weltveränderer. Sie sind gewöhnliche Menschen,
Verbraucher und Konformisten. Dennoch verändert
sich die Welt, und auch gewöhnliche Menschen haben ihren
Anteil daran.
Die Karaokekultur baut darauf, dass durch Simulationsspiele
das anonyme Ich zur Schau gestellt wird. Die Menschen
sind heute mehr an einer Flucht vor sich selbst als an
der Ergründung der eigenen Persönlichkeit interessiert. Das
Ich ist mittlerweile langweilig und altmodisch geworden, es
gehört zu einer anderen Kultur. Viel spannender als in der
eigenen Psyche zu graben, sind die Möglichkeiten der Verwandlung,
der Metamorphose und der Teleportation in etwas
anderes oder in jemand anderen. Die Narzissmuskultur
ist zur Karaokekultur geworden, diese ist einfach die Fortsetzung
der ersteren.
Der Markt, auf dem man das eigene Ego zur Schau stellen
kann, steht jedermann zur Verfügung. Jeder ist willkommen,
jede Variante wird begrüßt. Das Ego, das seit Jahrhunderten
im Verborgenen darbte, hat Oberwasser bekommen, hat seine
Eigenschaften verändert und dadurch an Kraft gewonnen.
Metaphorisch gesprochen ist es ein Glück, dass Andy Warhol,
der Erfinder von Karaoke in der Kunst, rechtzeitig gestorben
ist, denn heute sähe er mit Entsetzen, wie die Campbell-
Suppendose auf ihn zurollt und ihn auszulöffeln droht.
Heute vertreibt der bescheidene Mensch Daisuke Inoue umweltfreundliches
Waschpulver und Mittel gegen Kakerlaken,
jene Käfer, die in die Karaoke-Geräte hineinkrabbeln und
elektrische Kabel zerbeißen. Denn beim näheren Hinsehen
hängt alles an den Kabeln: Ohne heile Kabel gibt es auch keine
(heile) Kultur.
Jeder Text beruht auf der wechselseitigen Beziehung zwischen
dem Autor, dem Werk und dem Rezipienten. Die moderne
Technologie hat die Struktur des (literarischen, visuellen,
filmischen) Textes radikal verändert und das bisherige
Kräfteverhältnis, in dem der Autor und das Werk dominierten,
zugunsten des Rezipienten verschoben. Diese gewaltige
Verschiebung hat die Kulturlandschaft verändert, viele Kulturformen
verdrängt (obwohl sie der Wahrheit zuliebe auch
neue hat entstehen lassen), die Wahrnehmung, das Verständnis,
den Geschmack, die wechselseitigen Beziehungen,
das gesamte kulturelle System umgekrempelt, ohne dass wir
uns dessen bewusst sind und ohne dass wir vorerst noch imstande
wären, zu artikulieren, was eigentlich geschehen ist.*
* Hier ein einfaches Beispiel: Ein Junge im Teenageralter und ich sahen
uns gemeinsam den »uralten« Film Das Schweigen der Lämmer
an, in dem es eine quälende Szene gibt, in der ein Opfer von Menschenfressern
in einem tiefen Brunnen eingeschlossen wird. »Ist die
doof, sie hat ihr Handy nicht dabei«, kommentierte der Teenager die
Szene. »Wie meinst du das?«, fragte ich. »Mit dem Handy könnte sie
Deshalb beginnen wir auch mit einem etwas hinkenden
Beispiel von Karaoke. Im Folgenden werden wir uns mit jenen
menschlichen Aktivitäten befassen, an denen ein anonymer
Mitspieler, ausgehend von dem schon bestehenden
Kulturmodell und mithilfe der modernen Technologie, sein
Vergnügen findet. (Nein, es geht nicht um das sexuelle Vergnügen,
falls der Leser gleich daran gedacht haben sollte!)
Die Muster, denen der anonyme Mitspieler folgt, kommen
meist aus der populären Kultur (Fernsehserien, TV-Filme,
Popmusik, Comics, Computerspiele), aber auch aus der einstigen
›hohen‹ Kultur (Film, Literatur, Malerei). Das Vergnügen
und die Unterhaltung findet man meist darin, dass man
vorübergehend zu jemand anderem wird, dass man in eine
andere Welt eintaucht, dass man jemand anderes in einer anderen,
einer Parallelwelt ist. Die Mitspieler (anonyme Personen
und Laien) erheben dabei keinen künstlerischen Anspruch
und machen sich nicht allzu viele Gedanken über die
Urheberrechte an ihren Werken oder Aktivitäten. Allerdings
sind sie von dem unverhohlenen Wunsch beseelt, eine Spur
zu hinterlassen. Ein solches Werk kann nicht als Plagiat, ein
solcher Akt nicht als Nachahmung bezeichnet werden, weil
diese beiden Begriffe einfach zu einer anderen Zeit und zu
einem anderen Kultursystem gehören. Dabei ist Karaoke das
einfachste Paradigma, das leicht auch auf die anderen, nicht
zur Musik gehörenden Aktivitäten wie Film, Literatur, Malerei
anwendbar ist. So erklärt sich vielleicht der in Eile entstandene
und nicht ganz treffende Titel dieses Textes: Karaokekultur.
Dieser von mir geprägte, sanfte Begriff ist weniger
verbindlich als andere im Umlauf befindliche Bezeichnunjetzt
die Polizei rufen.« Der Junge, der mit dem Handy aufgewachsen
ist, sah sich den Film auf seine Weise an, nämlich als die Geschichte
von einer Tussi, die in Not geraten ist, weil sie kein Handy dabeihat.
gen wie Postmoderne, Antimoderne, Pseudomoderne. Keiner
dieser Begriffe, einschließlich dem meinigen, wird dem
Inhalt gerecht, den er beschreiben will. Der Inhalt jedoch ist
neu und ändert sich von einer Sekunde zur anderen. So kann
etwas, was wir heute artikulieren, schon morgen spurlos verschwunden
sein. Wir leben schließlich in einer fließenden
Epoche.
In diesem Text wird außer von »Kultur« oft von »Kabeln«
die Rede sein. Ich gestehe, von Kabeln keine Ahnung zu haben.
Aber das hindert mich nicht daran, über Kabel zu schreiben.
Diese beiden Sätze hätten bis gestern noch im Widerspruch
zueinander gestanden. Heute nicht mehr. Denn der
Verzicht auf das Wissen, die Vergangenheit, die Kontinuität,
das kulturelle Gedächtnis und die kulturelle Hierarchie sowie
eine schier undenkbare Geschwindigkeit bestimmen die
Karaokekultur und sind das Leitmotiv des Textes, der sie zu
beschreiben versucht.

Dubravka Ugresic

Über Dubravka Ugresic

Biografie

Dubravka Ugresic wurde 1949 im heutigen Kroatien geboren. Bis sie 1993 aus politischen Gründen emigrieren musste, unterrichtete sie Literatur an der Universität Zagreb. Danach war sie Dozentin an verschiedenen europäischen und amerikanischen Universitäten. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen...

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